Elseworlds

Batman, der Fascho

DC Comics

DC Comics

Titel: The Tyrant

Autor/Zeichner: Alan Grant/Tom Raney, Joe Staton

Erschienen: 1994 (Shadow of the Bat Annual #2)


„Funny how we start off with such good intentions, yet somehow end up mired in terror and fear.“ (Batman)

Dass der Weg zur Hölle bekanntlich mit guten Vorsätzen gepflastert ist, kann man in dieser Geschichte sehen: Seit Batman vor zwei Jahren vom Joker öffentlich demaskiert wurde, wurde der Vigilant zum Volkshelden und stieg zum Herrscher von Gotham empor. Batman bei Nacht, Bruce Wayne bei Tag – eine Schreckensherrschaft, deren oberstes Ziel die Verbrechensbekämpfung ist. Denn zusammen mit Doktor Jonathan Crane (hier einmal nicht Scarecrow) hält der Tyrann die Verbrechensrate gering, indem er das Trinkwasser mit Drogen versetzt. Als die beiden daraufhin planen, die Stadt mit einer noch stärkeren Substanz zu vergasen, die alle Menschen mit „kriminellen Tendenzen“ außer Gefecht setzt, regt sich Widerstand: Die klassischen Batman-Schurken planen ein Attentat auf Batman – angeführt vom jugendlichen Revoluzzer Anarky.

Es ist schade, dass The Tyrant keine aufwendigere Aufmachung oder mehr Seiten bekommen hat, denn das Elseworlds-Setting, das Alan Grant entwirft, wäre es wert gewesen, weiter ausgebreitet zu werden. Dass Batmans Kreuzzug in letzter Konsequenz Faschismus bedeutet, ist eine kühne Vision, die hier sehr einnehmend inszeniert wird. Batman ist zwar ein autoritärer Herrscher, aber auch ein Zweifler, der sich nach den richtigen Methoden fragt und schockiert ist, als er von James Gordon als Faschist beschimpft wird. Da ist es folgerichtig, die Story als Tragödie enden zu lassen. Leider aber kommt das eigentliche Finale überstürzt, hier hätte man sich mehr Platz für Dramaturgie gewünscht. So bleibt The Tyrant zwar ein herausragendes Was-wäre-wenn-Szenario, aber ein viel zu kurzes.

Eine ähnliche, aber nicht ganz so gelungene Dystopie entwirft I, Joker. Wen der politische Aspekt besonders interessiert, sollte die Anarky-Storys lesen. In Frank Millers All-Star Batman wird der Held erneut zum faschistoiden Tyrannen.

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Inkarnation des Wahnsinns

Batman: Nosferatu

DC Comics

Titel: Batman: Nosferatu

Autor/Zeichner: Randy & Jean-Marc Lofficier/Ted McKeever

Erschienen: 1999 (One-Shot)


 „I am — the Nosferatu! I am madness incarnate!“

Batman und Vampire – das ist eine Verbindung, die sich geradezu aufdrängt. Nicht nur, wegen der Nähe zu Fledermäusen, sondern auch weil der Held seine Entstehung unter anderem Bela Lugosis Dracula verdankt. Aber was wäre naheliegender, als noch einen Schritt zurück zum Ursprung des Vampir-Mythos zu gehen? Batman als Nosferatu klingt erst mal sehr vielversprechend.

Angelegt ist die Geschichte als Sequel zu Superman’s Metropolis, das ebenfalls an einen Stummfilm der 20er angelehnt ist. Die Handlung spielt in der utopischen Stadt, nachdem sie Superman vom Schurken Lutor befreit hat. Doch anders als der Titel Nosferatu verspricht, hat die Story nicht viel mit dem Film zu tun, sondern erscheint zunächst als Verschnitt von Das Cabinet des Doktor Caligari, allerdings ist es hier ein gewisser Doktor Arkham mit seiner Irrenanstalt. Statt eines Somnambulen führt er den Laughing Man vor, eine Art Joker, der Tod weissagt und selbst dafür sorgt, dass seine Prophezeiungen in Erfüllung gehen. So sterben Gord-Son und Gray-Son durch brutale Morde eines Irren mit langen Klauen. Und weil Superman gerade mit seinem Einsatz für das Proletariat beschäftigt ist, muss eben Bruss Wayne-Son (was sind das eigentlich für bescheuerte Namen?) für Gerechtigkeit sorgen – in Gestalt des Nosferatu, einer selbsternannten Inkarnation des Wahnsinns. Am Ende kommt es sogar zum Gipfeltreffen und Kampf mit Superman …

Wie schon Superman’s Metropolis profitiert auch die Fortsetzung von dem expressionistischen Malereien Ted McKeevers. Mit groben Strichen, abstrakten Darstellungen und verzerrten Schemen inszeniert er ein wunderbar schauriges, abgründiges und von Wahnsinn geprägtes Szenario. Der Nosferatu erscheint genauso schrecklich wie Caligari und der Laughing Man – und er schreckt auch vor Brutalität nicht zurück. Leider ist die Geschichte ebenso dröge geschrieben wie der erste Teil. Hölzerne Dialoge und eine pathetische Erzählstimme machen das Buch nicht gerade zu einem Lesevergnügen. Die etwas dünne Story ist wegen des Horror-Faktors aber allemal spannender als der lahme Metropolis-Neuaufguss. Gleiches gilt nämlich auch für die Vorlagen. Im Gegensatz zum Film Metropolis kann man Caligari und Nosferatu wiederholt anschauen – und zwar mit Genuss.

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Superman als Held des Proletariats

DC Comics

DC Comics

Titel: Superman’s Metropolis

Autor/Zeichner: R.J.M. Lofficier, Roy Thomas/Ted McKeever

Erschienen: 1996 (One-shot)


„Between the brain that plans and the hands that build there must be a mediator – a Super-Man!“

Die Idee liegt so nahe, dass es nur eine Frage der Zeit war, bis man sie realisierte: Superman in Fritz Langs Metropolis. Und was anderes soll er darin sein, als der Held der unterdrückten Arbeiter? Wie erwartet, kommt es auch. Die Geschichte entspricht in der ersten Hälfte ziemlich genau der Vorlage, dann entdeckt der Held seine wahre, außerirdische Herkunft und kämpft gegen den weiblichen Roboter, der die Arbeiter aufhetzt, sowie den verrückten Wissenschaftler Lutor (!), der die Arbeiter vernichten will.

Leider wird hier deutlich, dass Metropolis eine ziemlich lahme Handlung hat, die mit noch lahmeren, voll Pathos triefenden Dialogen und einer banal-idealistischen Botschaft durchsetzt ist. Daran kränkelt auch das Comic. Statt sich eine neue, zeitgemäßere Geschichte im gleichen Setting zu überlegen, halten sich die Autoren sklavisch an die Vorlage, wodurch das Buch am wohlwollendsten noch als gut gemeinte Hommage an den Stummfilm durchgehen kann. So wie dieser lebt auch Superman’s Metropolis von seinen Schauwerten: Beeindruckend sind hier nur die expressionistischen Malereien, besonders gelungen in der Figur des bösen Lutor, der dank der Abstraktheit der Darstellung noch finsterer erscheint.

Die Geschichte dient als Auftakt zu einer Trilogie, die als Hommage an das frühe, expressionistische deutsche Kino angelegt ist. Teil 2, Batman: Nosferatu, adaptiert den Vampirfilm von 1922 und vor allem Das Cabinet des Dr. Caligari, Teil 3, Wonder Woman: The Blue Amazon, adaptiert Der Blaue Engel.

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Hardboiled Gordon

James Gordon (Teil 5)

Batman: Gotham Noir

DC Comics

Titel: Gotham Noir

Autor/Zeichner: Ed Brubaker/Sean Phillips

Erschienen: 2001 (One-shot), dt. Panini 2002


„All I had figured out was that things were definitely not going my way, and I had no real idea why. And that’s when the world decided to get even weirder…“ (James Gordon)

Was wäre wenn … James Gordon im Zweiten Weltkrieg gekämpft hätte? Dann wäre er wohl so kaputt, dass er seinen Posten bei der Polizei verloren und zum trinkenden, hartgesottenen Privatdetektiv geworden wäre. Gotham Noir, das im Jahr 1949 spielt, ist genau das, was der Titel verspricht: Ein Comic Noir par excellence. Das Cover gibt den Stil der Schundromane vor. Und Autor Ed Brubaker versteht das Handwerk dieser Tradition. So ist die Geschichte ein klassischer Krimi: Gordon bekommt von seiner alten Flamme Selina den Auftrag, eine junge Frau bei einer Party zu bewachen. Kurz darauf ist die Dame tot, ihr Beschützer wacht neben ihr am Strand auf und weiß nicht nur mehr, wie es dazu gekommen ist. Zudem ist er auch der Hauptverdächtige.

Es beginnt eine Ermittlung zwischen den Fronten: Gangstern und korrupten Politikern, Staatsanwalt Dent und einer mysteriösen Fledermaus, die Gordon aus dem Schatten heraus hilft. Das ist durchaus wörtlich gemeint, denn Batman sieht man das ganze Comic über nur als schwarze Silhouette mit weißen Augen. Natürlich muss es auch eine Art Joker geben (Brubaker hat auch The Man Who Laughs geschrieben), aber der wird relativ subtil eingeführt als Handlanger, der von Gordon als Informant für Dent entlarvt wird, daraufhin ein Glasgow-Smile verpasst kriegt und sich dafür an Gordon rächen will.

Die Zeichnungen von Sean Phillips erfüllen ihren Zweck im Sinne des Genres: Viel Schwarz, starke Kontraste, gedeckte Farben wie bei Year One. Manchmal wirken die Figuren etwas zu steif, aber ansonsten schafft es der Zeichner, die Noir-Stimmung gut wiederzugeben, auch wenn ihm die künstlerische Finesse eines Tim Sale abgeht. Definitiv gehört das Buch zu den besseren Elseworlds-Geschichten, vor allem wegen seiner Charakterstudie.

Wer Spaß an dieser Story hat, sollte auch mal Nine Lives lesen. Darin spielt Dick Grayson einen Privatdetektiv in einem ähnlichen Szenario.

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Batman als Vampir gegen Dracula

Batman & Dracula: Red Rain

DC Comics

Titel: Batman & Dracula: Red Rain (dt. Der Schwur des Vampirs/Roter Regen)

Autor/Zeichner: Doug Moench/Kelley Jones

Erschienen: 1991 (One-shot, HC), dt. Carlsen 1998, Panini 2002


„Vampires are real … but not all of them … evil.“

„To me, all criminals are ‚vampires‘ cloaked in night to prey on the innocent.“ (Batman)

Doug Moench und Kelley Jones so etwas wie das Batman-Dreamteam der 90er Jahre. Düstere Stories mit noch düstereren Bildern, Batman mit säbellangen spitzen Ohren, überdimensionalen Capes und mehr Schatten als sonstwas – so soll’s sein. Dieser surreale Stil scheidet die Geister: die einen hassen ihn, die anderen lieben ihn. Aber unter den sonst gewöhnungsbedürftigen hölzernen Stilen, die zu der Zeit vorherrschten, wirkt dieser wie seiner Zeit voraus. Bevor Jones von 1995 bis 1998 Hauptzeichner der Batman-Serie war, begann er im Jahr 1991 mit der Arbeit am Dunklen Ritter. Das erste Werk dieser Kooperation war Red Rain, eine der frühen Elseworlds-Stories. Der Untertitel sagt es bereits: Batman kämpft gegen Dracula.

So weit so naheliegend. Doch das Interessanteste daran ist, dass sich Batman nach einem Biss selbst nach und nach in einen Vampir verwandelt: er bekommt Superkräfte. Und die braucht er auch, wenn er sich mit einer Armee von Untoten anlegt. So wird Batman buchstäblich zu einem Bat-Man, während Dracula in seiner monströsesten Form als eine Art Man-Bat erscheint. Blöd ist nur, dass Batman selbst nicht auf das Cape verzichtet, nachdem ihm Fledermausflügel gewachsen sind. Bei aller Fantastik ist das doch etwas zuviel des Guten. Ich denke, dass es beim Fliegen – gerade in seinen Kelley Jones-Ausmaßen- doch ziemlich stören müsste …

Aber das ist nur eine Kleinigkeit. Sonst wird eine ziemlich simple, aber kurzweilige Story geboten: Es gibt die bösen Vampire um Dracula und ein paar gute Vampire, die von der sexy Tanya angeführt werden, einer Untoten im Badeanzug. Sie ist es, die Bruce Wayne nachts heimsucht, um ihn für ihren Kampf zu gewinnen, während in Gotham die Obdachlosen und Huren leergesaugt werden. Der Krieg währt nur kurz: Batman opfert Wayne Manor, dann befreit er Gordon aus Draculas Fängen – inklusive Finale bei Blitz und Donner.

Das alles fordert den Verstand nicht besonders, trieft hin und wieder zu sehr vor Pathos, aber ist im Wesentlichen stimmungsvoll erzählt und beeindruckt vor allem visuell. Kelley Jones zeichnet wunderbare furchterregende Monster und einen spektakulären Batman, der selbst bei guten Lichtverhältnissen alle Schatten auf sich zieht. Eins gerät dafür lächerlich: Das Batmobil wirkt so plump wie das Auto von Donald Duck (auch später in der Serie). Aber das kommt hier ohnehin kaum zum Einsatz. Fledermausflügel sind so viel cooler.

Hinweis: Red Rain ist Teil einer Trilogie: 1994 erschien die Fortsetzung Bloodstorm, 1998 Crimson Mist. 2007 wurden die drei Teile in dem Paperback Tales of the Multiverse: Batman – Vampire gesammelt.

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Frankensteins Bat-Monster

DC Comics

DC Comics

Titel: Castle of the Bat

Autor/Zeichner: Jack C. Harris/Bo Hampton

Erschienen: 1994 (One-shot)


„It comes down to a question of vengeance or responsibility!“ (Bruce Wayne)

Was wäre, wenn Bruce Wayne im 19. Jahrhundert Arzt geworden wäre, um das Andenken seines ermordeten Vaters zu ehren? Dann hätte er wohl versucht, seinen Vater mit Elektrizität wiederzubeleben. Castle of the Bat erzählt die Frankenstein-Geschichte neu, indem das Monster zu Bat-Man wird, einem Rächer, der Straßenräuber überfällt. Bruce Wayne ist der fanatische Wissenschaftler, der die Grenzen der Moral überschreitet und aus Leichenteilen neues, groteskes Leben erschafft. Zuerst einen Fledermaushund, dann einen Fledermausmenschen – mit allen bekannten Nachteilen.

Diese Elseworlds-Story greift den alten Topos in bewährter Weise auf, bedient sich dabei auch bei der Verfilmung von 1931, aber findet einen eigenen Ansatz, indem sie eine Verschwörung um den Elternmord hinzufügt. Das Ganze ist in den gemalten Panels wie in einen Nebel getaucht und sorgt für eine schaurige Stimmung. Allerdings wirkt die Erklärung, warum das Monster ein Fledermauskostüm trägt, sehr bemüht, was Zweifel an der Grundidee weckt. Schließlich wird Bat-Man auch noch zu Man-Bat. Jekyll und Hyde lassen grüßen. Und auch ein bisschen Dracula. Aber weil die Versatzstücke zu einer stimmigen Gesamtheit zusammengesetzt sind, ist das dünne Heft ein Spaß für Fans von Gothic Novels.

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Batman trifft Houdini

DC Comics

DC Comics

Titel: Houdini – The Devil’s Workshop (dt. Houdini)

Autor/Zeichner: Howard Victor Chaykin, John Francis Moore/Mark Chiarello

Erschienen: 1993 (One-shot), dt. Carlsen 1997


„I must be mad to put my faith in a wealthy madman with a bat fetish.“ (Harry Houdini)

Das Jahr 1907 in Gotham. Kinder verschwinden von den Straßen. Ein grisender „Albino“ sammelt sie auf, bekannt als Mad Jack Schadenfreude (Joker). Eine andere düstere Gestalt mit schwarzem Mantel und Fledermausmaske wird verdächtigt, doch der Batman hat bloß Gutes im Sinn. Unterstützt wird er von Harry Houdini, dem Entfesselungskünstler und Anti-Spiritisten, der nicht an das Übernatürliche glaubt und es sich zur Aufgabe gemacht hat, alle des Betrugs zu überführen, die sich für Geisterseher oder echte Zauberer halten. Doch dann muss er erkennen, dass es immerhin echte Vampire gibt.

Houdini wird also zu Batmans Sidekick in dieser Elseworlds-Story – und er ist weitaus sympathischer als Robin. Schnell entlarvt er Bruce Wayne hinter der Maske und lässt keine Gelegenheit aus, über den reichen Schnösel mit seinem bühnenreifen Kostüm zu spotten. „You ever thought about the show business, fella?“ Houdini hält sich für den Klügsten, aber was Technik angeht, bleibt er ein Kind des 19. Jahrhunderts. Das wird deutlich, als Batman mit ihm in einem Wright-artigen Flugzeug unterwegs ist. In der Spannung zwischen den beiden Helden entsteht der Witz, der den Mystery-Plot seiner Schwere beraubt.

In der Geschichte scheint die Epoche der Jahrhundertwende wieder lebendig zu werden: die Story steckt voller kultureller Bezüge und Zitate, wie etwa Bram Stokers Dracula, und steht damit in der Tradition der Gothic Novels. Die gemalten Panels von Mark Chiarello verleihen dem Band eine Aura des Unheimlichen. Da kann man auch über einige Schwächen und Sprünge im Plot hinwegsehen: Houdini – The Devil’s Workshop ist ein kurzweiliger Genuss von einem period piece.

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Die zwei Gesichter des Bruce Wayne

Batman: Two Faces

DC Comics

Titel: Batman – Two Faces

Autor/Zeichner: Dan Abnett & Andy Lanning/Anthony Williams

Erschienen: 1998 (One-shot, Elseworlds) (keine dt. Veröffentlichung)


 „The Bat Man … the Joker … good and evil … two sides of a human coin …“

Über diese Geschichte kann man nicht reden, ohne das Ende vorwegzunehmen, doch es deutet bereits das Cover an: Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde wird zum seltsamen Fall des Batman und Joker. Diese Elseworlds-Story spielt im Gotham des Jahres 1886. Two Face (Harvey Dent) versucht, eine seltene Pflanze mit zwei Persönlichkeiten zu rauben. Warum? Weil’s gut zur Geschichte passt: Nachts erscheint sie anders als tagsüber. Nachdem der Raub scheitert und eine Frau namens Pamela Isley dabei ermordet wird, gibt sich Dents ehemaliger Freund die Schuld und macht aus dem Kraut ein Serum, das die gespaltene Persönlichkeit heilen soll. Den Rest kann man sich denken: Wayne probiert das Gebräu selbst aus. Gestärkt in Geist und Körper beginnt er als Batman Two Face zu bekämpfen. Doch kurz darauf erscheint ein Frauenmörder, der sich Joker nennt …

Obwohl die Lage wegen der Nähe von Stevensons Vorlage schnell klar ist, ist es ein kurzweiliges Vergnügen Two Faces zu lesen. Sowohl die Epoche ist gut eingefangen, wie es einst Mike Mignola mit Gotham by Gaslight (1989) geschafft hat, als auch das Thema der Dualität konsequent ausgeführt: Batman und Joker sind zwei Seiten einer Medaille, ebenso wie Two Face zwei Persönlichkeiten in sich vereint. Der klare Zeichenstil von Anthony Williams ist solide, wenn auch nicht aufregend, besonders gelungen sind die Inszenierungen von Batman und Joker, auch Selina Kyle in Strapse macht sich ganz gut … Vielleicht hätte man sich für die schnell voranschreitende Handlung etwas mehr Zeit (bzw. Raum) lassen können, dadurch büßt die Story etwas von ihrer Stimmung ein. So ist es schade, dass sie in nur 54 Seiten auserzählt ist.

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Batman gegen Jack the Ripper

DC Comics

Titel: Gotham By Gaslight/Master of the Future (dt. Schatten über Gothams Vergangenheit)

Autor/Zeichner: Brian Augustyn/Mike Mignola, Eduardo Barreto

Erschienen: 1989/1991 (One-shots, beide im Paperback 2006), dt. Carlsen 1990, Panini 2012 (Batman Collection: Mike Mignola, Bd. 1; nur Gotham by Gaslight)


„Gotham City is an overripe fruit … Fat, fetid, and fit to burst. Like London, it is a teeming, sweating, gibbering, monstrosity. A corrupt and decaying miasma fills the air. It is everything I could want.“ (Jack the Ripper)

„We need someone who is prepared for a mean tomorrow … and we need a champion for today.“ (Julie)

Im Jahr 1889 kommt Bruce Wayne von seiner Ausbildung aus Europa nach Gotham City zurück und beginnt sein Doppelleben als Vigilant Batman – samt Cape und Pelerine. Gleichzeitig ist ein Frauenmörder in der Stadt unterwegs, der der berüchtigte Jack the Ripper aus London zu sein scheint. Die Polizei verdächtigt zunächst Batman, dann Bruce Wayne. Weil James Gordon bei ihm, seinem Freund, die Tatwaffe findet, kommt Wayne vor Gericht und wird zum Tode verurteilt. Während er auf seine Strafe wartet, ermittelt er in seiner Zelle den wahren Mörder – und entlarvt, dass der Fall viel mit seiner eigenen Geschichte zu tun hat.

Gotham By Gaslight ist ein kurzweiliges Werk mit einem gelungenen Gothic-Setting, leider sind 48 Seiten jedoch nicht genug, um Charaktere, Stimmung oder Spannung entfalten zu können. Mignola erschafft einen düsteren Batman, der leider etwas zu kurz kommt. Aber der Ansatz ist interessant realisiert, weil der Autor das Motiv des Outlaws weiterdenkt und zu der Konsequenz führt, dass Wayne unschuldig im Knast landet (die Idee wird in der Storyline Murderer/Fugitive erneut aufgegriffen). Gotham By Gaslight gilt als die erste Elseworlds-Story, auch wenn sie noch nicht so genannt wurde (das Logo kam erst später mit Holy Terror). Die Geschichte machte Schule: Batman in anderen Epochen und anderen Rollen, häufig Mashups mit anderen literarischen Stoffen, bot viele Möglichkeiten für interessante Storys.

Leider gehört die Fortsetzung, Master of the Future, nicht unbedingt dazu. Nachdem Wayne Rache am Mörder seiner Eltern genommen hat, verstaubt das Batman-Kostüm in der Höhle. Doch sowohl James Gordon als auch Waynes Flamme finden, dass der Held nötig sei. Als bei einer Ausstellung ein Verrückter in französischer Parade-Uniform, Alexandre LeRoi, auftaucht, ist Batman wieder gefragt. Der Schurke prophezeit dem technischen Fortschritt der Menschheit eine Umweltkatastrophe, erklärt sich zum „Master of your future“ und zum „Man of Tomorrow“ und fordert auch so genannt zu werden – andernfalls werden alle sterben. Und weil ihn die Stadtoberen ignorieren, geht der Irre mit einem Luftschiff auf alle los. Batman rettet den Tag etc.

Die Grundidee dieser Steampunk-Story entbehrt leider zu sehr der Logik: Was will dieser LeRoi? Warum richtet er sich gegen den Fortschritt, wenn er selbst hochentwickelte Maschinen benutzt, wie etwa Roboter? Der Sinn dahinter besteht lediglich darin, dass Batman mit der Ankunft des neuen Jahrhunderts eine Bestimmung bekommt: nämlich Superschurken zu bekämpfen. „Our innocent days are over, Bruce“, sagt Waynes Geliebte Julie. „There are more maniacs like LeRoi out there, just waiting to prey on us.“ Deshalb gibt es auch eine Anspielung auf den Joker (eine Kanone mit Clownsfigur). Aber das alles wirkt zu bemüht.

Ansonsten erinnert die Story an Detective Comics #33 (1939), wo nicht nur Batmans Ursprung zum ersten Mal erzählt wird, sondern wo er auch gegen den wahnsinnigen Carl Kruger kämpft, der die Menschen mit einem Luftschiff terrorisiert, weil er die Welt beherrschen will. Nicht zufällig sieht der Kerl so aus wie sein Vorbild Napoleon. Während man diese Story noch dem Zeitgeist geschuldet verzeihen kann, wirkt die modernere Adaption unmotiviert. Immerhin ist Master of the Future von Eduardo Barreto hübsch und anständig gezeichnet, wenn auch etwas zu gefällig – im Vergleich zu Mike Mignolas sperrigem Stil.

Von Gotham by Gaslight erschien 2019 auch eine Noir-Edition in Schwarz-Weiß.

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Bat Lantern

Batman: In Darkest Knight

Titel: In Darkest Knight

Autor/Zeichner: Mike W. Barr/Jerry Bingham

Erschienen: 1994 (One-shot)


Was wäre wenn … Bruce Wayne Green Lantern wäre?

Die Elseworlds-Story In Darkest Knight ist ein Beispiel dafür, dass auf eine interessante Frage noch längst keine interessante Antwort folgen muss. Die Geschichte beginnt an der berühmten Stelle aus Year One, da Bruce vor der Büste seines Vaters sitzt und sich fragt, wie er es hinbekommt, dass Verbrecher Angst vor ihm haben. Doch kurz bevor die Fledermaus durchs Fenster krachen kann, erscheint ihm ein außerirdischer Green Lantern und übergibt ihm den grünen Ring.

Was folgt, ist eine unfassbar abgehetzte Story, die sich weder für Charaktere noch für Dramaturgie geschweige denn Stimmung interessiert. Im Eilverfahren akzeptiert Bruce seine neue Aufgabe, legt sich ein fledermausartiges Kostüm zu, hält Red Hood und seine Bande im Chemiewerk auf bevor der Anführer zum Joker werden kann (kleine Anspielung auf The Killing Joke) Dann wird der Held auch schon dazu verdonnert, Sinestro zu stürzen, was auch sogleich passiert – ohne groß Fragen zu stellen. Es kommt zu einem persönlichen Rachefeldzug des lila Schurken gegen Wayne, bei dem Sinestro seinen Geist – warum auch immer – mit dem von Joe Chill vereint und fortan dämliche und bemüht witzige Selbstgespräche führt. Und weil Wayne auch noch gegen die Wächter und seine Corps-Kumpels rebelliert, werden kurzerhand Superman, Wonder Woman und Flash zu Green Lantern-Reservisten gemacht. Genauso lieblos übers Knie gebrochen wirken auch ihre auf Lantern getrimmten Kostüme.

Nach 46 ermüdenden Seiten bricht „Bat Lantern“ zum letzten Kampf gegen Sinestro auf, aber da endet auch schon die Geschichte, ohne uns das Finale zu erzählen. Nicht, dass es uns interessiert hätte oder noch eine Überraschung zu erwarten wäre, aber man fühlt sich schon betrogen. Doch es passt zum Gesamteindruck einer verschenkten Chance.

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