Monat: Juni 2020

Rückblicke auf die Batmobile

Das Batmobil hat sich in acht Jahrzehnten wahrscheinlich öfter gewandelt als Batman selbst. Anfangs war es nur ein ganz normales rotes Auto, dann bekam es einen schicken Fledermauskopf, Flossen und jede Menge Gadgets verpasst, bis hin zu einem eigenen Kriminallabor. Eines der ikonischsten Batmobile fuhr Adam West in der Batman-TV-Serie der 60er-Jahre und dann waren es oft die Filme, die immer kühnere Designs präsentierten: von Tim Burtons Limousine bis hin zu den Panzern von Christopher Nolan und Zack Snyder.

Zwei Dokus erzählen die Geschichte der Batmobile ausführlich nach: Wired lässt Glen Weldon, Autor des Buches The Caped Crusade: Batman and the Rise of Nerd Culture, eine halbe Stunde lang sprechen, während Warner Bros. jüngst seine einstündige Batmobile Documentary auf YouTube veröffentlicht hat, die bereits auf der Blu-ray von The Dark Knight Rises erschienen ist. Beides ist sehr sehenswert – nicht nur für Autofans. In beiden Filmen wird deutlich, wie sehr das Batmobil ein Fantasie-Auto ist. Es soll vor allem cool aussehen und möglichst viel können. Aber auf der Straße taugen die sperrigen Kisten meistens nicht viel. Aber dafür gibt es ja Fantasiewelten in Comics und Filmen: um das Unmögliche möglich zu machen.

 

Detective Comics #1027 wird zum Jubiläums-Special

Detective Comics #1027 von Andy Kubert (DC Comics)

Normalerweise feiert man Jubiläen bei schönen runden Jahreszahlen: Erst im vergangenen Jahr zum Beispiel wurde Batman 80 und dank geschickter Verlagstricks erschien dazu Detective Comics #1000 als extragroßes Special. (In diesem Jahr folgten ähnliche Specials zu Robin, Catwoman und Joker.)

Am 15. September erscheint nun Detective Comics #1027 und das müsste keinen besonders interessieren, aber weil die Zahl 27 eben eng mit Batmans erstem Erscheinen verbunden ist, nimmt DC das wieder zum Anlass, die Nostalgie mit einer 144-Seiten-Extra-Ausgabe zu bedienen.

Enthalten wird Detective Comics #1027 Kurzgeschichten mit Betonung auf „Detective“. Sie stammen von bekannten Größen, darunter vielen Batman-Veteranen, aber auch namhaften Autoren, die bisher noch nicht am Dunklen Ritter gearbeitet haben: Greg Rucka/Eduardo Risso, Grant Morrison/Chris Burnham, Tom King/Walt Simonson, James Tynion IV/Riley Rossmo, Peter J. Tomasi/Brad Walker, Dan Jurgens, Marv Wolfman/Emanuela Lupacchino und Bill Sienkiewicz, Brian Michael Bendis/David Marquez, Mariko Tamaki/Dan Mora, Scott Snyder/Ivan Reis, Kelly Sue DeConnick/John Romita Jr und Klaus Janson, Matt Fraction/Chip Zdarsky.

Darüber hinaus wird das Heft „Tribute-Art“ von Zeichnern wie José Luis García-López, Jamal Campbell, Lee Bermejo, Jorge Jiménez und anderen enthalten. Neben dem Cover von Andy Kubert erscheinen zehn Variant Cover.

Detective Comics #1027 soll 9,99 US-Dollar kosten.

Die bisher erschienen Jubiläums-Specials werden im Oktober in einem Paperback versammelt: Batman: 80 Years of the Bat Family.


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Batman-Autor Dennis O’Neil ist tot

Ra’s al Ghul, Joker, Two-Face von Dennis O’Neil und Neal Adams. (DC Comics)

Der langjährige Batman-Autor und DC-Redakteur Dennis O’Neil ist im Alter von 81 Jahren gestorben. Das berichtet Gamesradar und beruft sich dabei auf O’Neils Familie. „Denny“ O’Neil hat seit den 60er-Jahren Comics geschrieben, zuerst für Marvel und Charlton, dann für DC.

O’Neil, geboren im selben Jahr wie der Dunkle Ritter, war der bedeutendste Batman-Autor der 70er. Zusammen mit Zeichner Neal Adams hat er den Joker und Two-Face modernisiert sowie die Figuren Ra’s al Ghul, Talia al Ghul, Leslie Thompkins und später auch Azrael geschaffen.

Ebenfalls mit Neal Adams hat er Green Lantern und Green Arrow zusammengebracht und auf eine sozialkritische Reise durch die USA geschickt. Nach einer Rückkehr zu Marvel war er von 1986 bis 2000 als Redakteur für DC tätig.

Von O’Neil stammen auch mehrere klassische Storys aus der Serie Legends of the Dark Knight, darunter Shaman, Venom und Images. Zu seinen weiteren Werke gehören:

Noch bis ins hohe Alter hat Dennis O’Neil Kurzgeschichten geschrieben, zuletzt auch eine für das Jubiläums-Special The Joker 80th Anniversary 100-Page Super Spectacular #1.

Das Ei des Riddlers

DC Comics

Titel: When Riddled by the Riddler

Autor/Zeichner: Doug Moench/Don Newton

Erschienen: 1983 (Batman #362), Paperback 2015 (Batman Arkham: The Riddler)


Der Riddler versucht sich in Resozialisierung: Als Aushilfe eines Winzers hat er die ehrenvolle Aufgabe, jeden Tag Weinflaschen umzudrehen. Doch an Resozialisierung hat der Riddler gar kein Interesse – er heckt dort bloß seinen nächsten Coup aus. Als ihm endlich eine Idee kommt, haut er ab, steigt ins grüne Kostüm und schickt Commissioner Gordon ein goldenes Gänse-Ei mit der Aufschrift „MA“.

„Ma Goose“ – also Mother Goose, das deutet auf einen gleichnamigen Vergnügungspark hin. Aber Vergnügungspark – das riecht eigentlich sehr nach Joker. Und als Batman dort eintrifft, sieht man auch die fidelnde Katze, die an eine Catwoman-Story erinnert, und Humpty Dumpty, der auch Erinnerungen an Alice im Wunderland weckt und an den Mad Hatter denken lässt. Der Riddler bewegt sich also in fremden Gefilden, um nicht zu sagen: Er schmückt sich mit fremden Federn. Tatsächlich springt er dann aus Humpty-Dumpty-Ei wie ein Springteufel, was wiederum an Jokers Masche erinnert und dann schießt er mit einem Maschinengewehr auf Batman.

Busfahrt mit Maschinengewehr

Der Riddler, der einige Jahre zuvor noch gegen das Töten geträubt hat, ist nun wieder nicht mehr ganz so abgeneigt, seinen Spielkameraden zu erledigen, bevor das Spiel vorbei ist. Batman verliert die Spur. Im Gordons Büro lässt Harvey Bullock inzwischen Riddlers Ei fallen und es kommt das eigentliche Rätsel zutage. Über einige Ecken kommen Batman und Gordon darauf, dass der Riddler eine Game-Show namens „Enigma“ überfallen und den Hauptpreis erbeuten will.

Ein Plan, der zunächst aufgeht. Nur für die Flucht hat sich der Riddler nichts Besseres einfallen lassen, als in einen (voll besetzten) Omnibus zu steigen. Das ist höchstens gut für ein Wortspiel mit „Re-Bus“, aber nicht um vor Batman abzuhauen, der mit Gordon im Auto hinterjagt. Batman springt aufs Dach, der Riddler schießt ein paar Löcher hinein – gerade groß genug, dass Batman eine Rauchkapsel hineinwerfen kann. Und so erweist sich Riddlers grandioser Plan mal wieder als schneller Rohrkrepierer. Wäre er mal lieber beim Flaschendrehen geblieben.

Ein anderer Riddler, ein anderer Bullock

Für einen kurzen Moment gibt es in dieser Ausgabe einen Riddler mit grünem Bowler und Jackett zu sehen – ein Stilwechsel, den der Schurke erst wieder 1990 in Batman #452 (Dark Knight, Dark City) vollziehen wird. Aber dann wird er auch ein radikal anderer Schurke sein.

Übrigens: In dieser Ausgabe sieht man einen anderen Harvey Bullock, als man ihn heute kennt. Hier ist er noch ein korrupter Polizist, der für Bürgermeister Hamilton Hill James Gordon aus dem Amt drängen will. Eingeführt wird er in Batman #361 (1983) – allerdings taucht ein Harvey Bullock schon 1974 in Detective Comics #441 auf, eine komplizierte Geschichte für ein anderes Mal …

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Catwalk für Catwoman

DC Comics

Titel: Catwoman 80th Anniversary 100-Page Super Spectacular

Autor/Zeichner: Paul Dini, Tom King, Ed Brubaker u.a./Mikel Janin u.a.

Erschienen: 2020 (One-shot)


Nun hat also auch Catwoman die 80 Jahre geknackt. Dank der eigenen Gesetze der Comics sieht man ihr das Alter nicht an. Und dank der Gesetze der freien Marktwirtschaft hat DC zu dem Jubiläum ein weiteres 100-Seiten-Special herausgebracht. Acht Seiten davon zeigen die Evolution von Catwoman. Aber wenn man sich den ersten Auftritt ansieht, kommen Zweifel auf: Die Figur von 1940 hat mit der heutigen Catwoman fast nichts gemein. Anfangs war sie nur eine namenlose Frau, die sich einfach nur „The Cat“ nannte. Und sie war auch nicht als Katze verkleidet, sondern als alte Frau. Dann erst kam die Katzenmaske und später folgten unzählige Kostümwechsel, wie man auch auf den Variant Covers sehen kann.

So versucht auch dieses Special, all diesen Inkarnationen Rechnung zu tragen, zu denen auch verschiedene Rollen gehören: Ann Nocentin zeigt uns die peitschenschwingende Diebin im Kostüm von Michelle Pfeiffer, Jeff Parker lässt Julie Newmar aus der Batman-60er-TV-Serie auferstehen und in übertrieben-trashiger Manier eine Alien-Invasion abwenden, Mindy Newell kehrt zurück zu Catwomans Neuanfängen in den späten 80ern zurück (Catwoman: Her Sister’s Keeper), Paul Dini erzählt – wie schon in The Animated Series – von der Tierschützerin und Ed Brubaker bietet erneut seine Version aus den Nuller-Jahren, die schwarzes Leder trägt und die er mit Darwyn Cooke erschuf (Cameron Stewart ist hier der Zeichner).

Catwoman wird Mutter

Tom King lässt Catwoman aus der Rolle fallen und schwanger werden und mit der Mutterrolle kämpfen. Allerdings betritt er damit kein Neuland, sondern greift nur eine Story von Erde 2 auf (From Each Ending… A Beginning!“, DC Super Stars #17, 1977), in der Bruce Wayne und Selina Kyle eine Tochter namens Helena (die erste Huntress) haben. Könnte diese alternative Zukunft bald kanonisch werden? Definitiv weist nur eine Story auf eine Fortsetzung hin („Addicted to Trouble“ von Ram V und Fernando Blanco), in der Selina mit ihrem Sidekick Holly durch die Staaten reist und für Ärger sorgt.

Bei so viel Traditionsbewusstsein darf auch eine Meta-Story nicht fehlen, die sich nicht nur vor all diesen Catwomen verneigt, sondern auch die Fan-Kultur ad absurdum führt. In „Conventional Wisdom“ (von Will Pfeifer und Pia Guerra) findet sich Selina Kyle auf einer „Bat-Con“ wieder, auf der sie auf lauter verkleidete Fans und Schurken trifft, die zusammen mit Bruce Autogramme geben. Doch Selina weiß nicht, wie ihr geschieht und wie sie dorthin gekommen ist. Dafür darf sie bei der Gelegenheit schön über die Kostüme von Newmar und Pfeiffer ablästern. Bei so viel Augenzwinkern kann man auch mal zwei Augen bei der Auflösung zudrücken, denn darum geht es hier natürlich nicht.

Oberflächliche Modenschau

Insgesamt ist diese Wundertüte allerdings voller eher durchschnittlicher Geschichten, die man höchstens als „nett“ zur Kenntnis nimmt, aber von denen keine wirklich tiefen Eindruck hinterlässt. Nur wenig erlaubt neue Einsichten in die Figur, das Meiste bleibt auf der Oberfläche einer Modenschau und das Special erscheint eher als ein Catwalk für Catwoman. Da hatte Batman mit Detective Comics #1000 mehr Glück.

Das Catwoman-Special dürfte eher nur etwas für richtige Fans sein, die auch mit den Verweisen etwas anfangen können. Um Einsteiger für die Figur zu begeistern taugt es eher weniger. Es empfiehlt sich daher, die Originalstorys zu lesen – die machen eindeutig mehr Spaß.

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Batman und Riddler schreiben Krimi-Geschichte

DC Comics

Titel: Batman and the Riddler: The Death of Batman

Autor/Zeichner: Don Karr/Carmine Infantino

Erschienen: 1982 (The Brave and the Bold #183), Paperback 2015 (Batman Arkham: The Riddler)


Ein Unbekannter holt den Riddler aus dem Knast, gibt ihm sein Kostüm und lädt ihn ein zu einem Spiel: „The Death of Batman“. Am selben Abend wird bei einem Empfang der Krimi-Autor Hugh Rutherford Creighton entführt. Batman wird zum Polizeipräsidium gebeten. Dort wurde ein Spiel abgegeben: The Death of Batman. Der Mitspieler muss Karten ziehen, auf denen steht, wo er als nächstes sein soll. Batman trifft auf den Riddler und sie spielen gemeinsam.

Die Schnitzeljagd führt nicht nur durch Gotham, sondern auch durch die Literaturgeschichte: vom ersten Rätselknacker Ödipus, zum Haus von Edgar Allan Poe bis hin zum Aschenbecher von Sherlock Holmes und Dashiell Hammett (Autor von The Maltese Falcon). Zwischendurch gibt es eine Explosion und eine tödliche Schlange und einmal holt der Riddler mit dem Schwert nach Batman aus.

Beim Finale in Creightons Haus stellt sich der Schurke – ACHTUNG SPOILER – als Creighton selbst heraus. Er hat seine eigene Entführung bloß inszeniert, um sich an Batman zu rächen, weil der Krimi-Autor durch ihn nicht mehr von der Polizei konsultiert wird. Außerdem hat er Spaß dran und ohnehin nicht mehr lange zu leben. Als der Lebensmüde alles in Flammen aufgehen lässt, versucht der Riddler zunächst Batman vor dem Rauch zu retten – und wird dann selbst von ihm gerettet.

„I have ethics!“, sagt der Riddler. „For me the game is everything!“ Außerdem sei Batman der einzige, der das Rätsel auflösen könne.

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Robin wird 80: Neue Anthologie

Robin (Dick Grayson) in Star Spangled Comics #65 (DC Comics)

In diesem Jahr ist 80 Jahre alt geworden. DC hat das bereits mit einem 100-Seiten-Special gefeiert. Für den 1. September 2020 hat der Verlag eine neue Anthologie angekündigt: Robin: 80 Years of the Boy Wonder wird als Hardcover mit 416 Seiten erscheinen und 29,99 US-Dollar kosten.

Das Beste: In diesem Band wird sich bis auf den obligatorischen ersten Auftritt von Dick Grayson nichts mit der Anthologie doppeln, die vor fünf Jahren zum 75. Jahrestag herausgekommen ist. Der neue Band wird Robins erste Solo-Story in Star Spangles Comics #65 enthalten, den ersten offiziellen Auftritt von Jason Todd als Robin (1984) sowie das Special The Gauntlet (1997).

In der Auflistung bei Amazon finden sich noch folgende Titel, die aber in der Verlagsankündigung von DC fehlen:

  • The Olsen-Robin Team versus the Superman-Batman Team (World’s Finest Comics #141, 1964)
  • Batman Incorporated #1
  • Super Sons #5

Das neue Cover soll wieder von Jim Lee stammen, ist aber wohl noch in Arbeit.

>> Robin-Comics

Neues aus dem Kriegsgebiet Gotham

DC Comics

Titel: Gotham Nights

Autor/Zeichner: Michael Grey, Mark Russell/Ryan Benjamin, Jim Lee u.a.

Erschienen: 2020 (Gotham Nights #1-6)


Nach den ersten Ausgaben von DCs neuer „Digital First“-Serie Gotham Nights habe ich mal einen Blick hineingewagt. Erzählt werden meist 17-seitige Kurzgeschichten, die jeweils für sich allein stehen.

Die erste Ausgabe beginnt mit zwei kurzen Geschichten, die Militärbezug haben. In „Medal of Honor“ (gezeichnet von Jim Lee) passiert etwas Ungewöhnliches: Wir sehen Batman an der Seite der Polizei gegen eine schwer bewaffnete Clownsbande kämpfen. Aus dem Off erzählt jemand das Geschehen nach. Batman setzt sich dem Kugelhagel aus, Gordon wird verwundet – und Batman rettet ihm das Leben. Am Ende wird klar, dass die Worte aus einer Rede von 2010 stammen, in der US-Präsident Barack Obama den Soldaten Sal Giunta mit der Medal of Honor für seinen Einsatz in Afghanistan ausgezeichnet hat. Damit ist Giunta der erste Soldat seit dem Vietnam-Krieg, der diese Auszeichnung erhielt.

Joker als Anwalt der Unterwelt

Indem Giuntas wahre Geschichte mit der von Batman fusioniert, soll der Soldat geehrt werden. Zugleich aber wird natürlich auch Batman die Ehre zuteil, auch wenn in der Story ihm niemand eine Medaille umhängt. Batman als Soldat auf dem Schlachtfeld von Gotham, der selbstlose Dunkle Ritter. Ein interessantes Experiment. Die folgende Geschichte, die Kate Kane (Batwoman) bei einem Einsatz in Afghanistan zeigt, kann da nicht mehr mithalten.

In den nächsten zwei Ausgaben folgen Geschichten über Clayface und Poison Ivy, wie man sie schon zu Dutzenden gelesen hat: Clayface nimmt die Gestalt eines Schauspielerkollegen an, um einen Studio-Boss zu erschießen, der sich an einer Kollegin vergriffen hat – der Rest ist Selbstmitleid und Kampf. Und Poison Ivy rächt sich für die Rodung des Regenwaldes – gähn … Immerhin solide gezeichnet von Ryan Benjamin.

DC Comics

Doch dann übernimmt ein neuer Autor, Mark Russell, und es wird wieder interessanter: In „The Dragnet“ spioniert Bruce Wayne seine reichen Freunde aus, die das Trinkwasser verseuchen und ihr Geld mit Partydrogen verdienen. Batman bringt sie ins Gefängnis, aber er spielt weiter ein Doppelspiel als Bruce Wayne. Am Ende kommt der Joker ins Spiel – als Anwalt der Unterwelt. Auch hier ist alles schnell vorbei, aber es ist immerhin eine einfallsreiche Geschichte, die man sich auch gerne etwas länger gewünscht hätte.

Ähnlich in Ausgabe fünf: In „Concrete Jungle“ muss Batman einen Zeugen an einem schießwütigen Mob vorbeibringen, um ihn der Polizei auszuliefern. Harley Quinn hat hier einen unbedeutenden Gastauftritt. Und während man sich fragt, wie Batman einen Menschen in einem Sack herumtragen und werfen kann, ohne dass sich das Opfer alle Knochen bricht, gibt es am Ende wieder eine nette überraschende Wendung.

Codewort: Balyushka

Das Beste aber kommt zum Schluss: Nachdem Batman so viele Verbrecher schnappt, dass Gotham ein neues Gefängnis bauen muss, um sie alle unterzubringen, fehlt Geld im Haushalt. Also kürzt man bei der Krankenversicherung. Daraufhin springt der Joker ein. Per Video-Botschaft verkündet er, die jeden Monat die Versicherung für fünf Bürger zu übernehmen, wenn sie ihm ein Video schicken, auf dem sie das Wort „Balyushka“ sagen. Natürlich muss es ein Video nach Jokers verdrehtem Geschmack sein.

Kurz darauf ist die Stadt voller Verzweifelter, die allen möglichen Unfug anstellen, um ihre dringend benötigte medizinische Behandlung bezahlen zu können, und Batman muss einige von ihnen retten, bevor sie sich ernsthaft wehtun.

Mark Russells Story ist nicht nur unterhaltsam und schwungvoll gezeichnet (Viktor Boddanovics Stil erinnert sehr an Greg Capullo), sondern auch verblüffend vielschichtig: Da ist die Kritik an dem menschenverachtenden Gesundheitssystem der USA, Kritik an Batmans rücksichtslosem Feldzug, der einen hohen Preis für die Verbrechensbekämpfung zahlt, aber auch an der Sensationskultur des Internets, in der täglich auch ohne Not Menschen sich zu Idioten machen, um ein paar Minuten Aufmerksamkeit zu bekommen. Selbst das Ende hält noch eine starke Wendung parat.

Insgesamt also ist Gotham Nights bislang einerseits ein solider Einstieg für Neulinge und Gelegenheitsleser, ohne sich in die Vorgeschichten und Continuity vertiefen zu müssen. Andererseits können auch eingeschworene Batman-Fans, die leichte Lektüre für zwischendruch suchen, ein paar kleine Perlen entdecken.

Es wäre zu früh, aus den ersten sechs Ausgaben einen Trend abzuleiten, aber wenn es so weitergeht, dann hat diese Serie noch großes Potenzial, ähnlich wie die Anthologie-Sammlungen Legends of the Dark Knight und auch Batman: Black and White.


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