Superman

Größte Gegner, beste Freunde

Batman versus Superman, Teil 1: Einführung

Nur noch drei Monate dauert es bis zum Kinostart von Batman v Superman. Es wird wohl die Sensation des Jahres: kein Film wird gieriger erwartet (außer vielleicht Captain America: Civil War). Aber hat sich einmal einer die Frage gestellt, was diese Konstellation soll? Batman gegen Superman? Dass die beiden Antipoden sind und unterschiedlicher Meinung sein müssen, ist klar. Aber im Wesentlichen müssten sie sich darin einig sein, Menschen zu helfen. Worin besteht aber auch der Kampf, wenn ein unverwundbarer Übermensch mit Laserblick gegen einen einfachen Menschen im Fledermauskostüm antritt? Es kann kein Kampf sein, bei dem sich die Frage stellt, wer gewinnt. Insofern ist es zwar ein Spaß für Fans, dass man bei dem Konsolenspiel Injustice beide gegeneinander antreten lassen kann wie ebenbürtige Gegner, aber Sinn ergibt dieser Kampf nicht. Und trotzdem: er birgt Sensationspotenzial. Und in den Comics ist er ein altes Motiv.

Von Anfang an waren Superman und Batman Antipoden: Batman war die direkte und düstere Antwort auf den Strahlemann in Primärfarben. Der kostümierte Vigilant gegen das allmächtige Alien. Es dauerte lange, bis die beiden in einer Geschichte aufeinandertrafen, von Anfang an waren sie Konkurrenten, aber es wurde danach schnell klar, dass sie sich als Team perfekt ergänzten wie Muskelkraft und Hirnmasse. Beide sind Brüder im Geiste, beide haben das gleiche Ziel: das Verbrechen zu bekämpfen, Menschen zu schützen und so die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Nur die Ansichten und Methoden sind anders. Superman, der Gutmensch, der moralisierende Oberpfadfinder, will  es allen recht machen, aber Batman, dem einsamen Rächer, ist seine Reputation egal. Er operiert im verborgenen, benutzt Tricks und schreckt vor Einschüchterung, Folter und Körperverletzung nicht zurück, um zu bekommen, was er will. Damit sind die beiden Prototypen der Superhelden: Einerseits der Übermensch, der ein Vorbild in Sachen Menschlichkeit ist. Andererseits der Mensch, der im Kostüm über sich selbst hinauswächst.

Wie schon einst bei Gilgamesch

Die Konstellation zwischen Freundschaft und Feindschaft ist uralt. Schon Gilgamesch, der erste literarische (Super-)Held, kämpft gegen den wilden Menschen Enkidu, nur um im Kampf einzusehen, dass ihm sein Gegner ebenbürtig ist. Es ist der Beginn einer Freundschaft, die nur der Tod entzweien kann. Es geht also auch bei Batman und Superman um nichts anderes als ein Kräftemessen, einen Schaukampf, bei dem die Gegner erkennen, dass sie sich verbünden müssen, um noch stärker zu sein. Davon wird auch der Film Batman v Superman handeln. Aus dem Konflikt geht die Allianz gegen einen gemeinsamen Feind hervor, aus der mit Wonder Woman und Co. später die Justice League wird.

Doch die Vorstellung eines Kampfes blieb auch aus einem anderen, vielleicht noch wichtigerem Grund eine reizvolle Fantasie, die immer wieder durchgespielt wurde. Damit die eigentlich unfaire Prügelei überhaupt zustande kommen kann, muss man die Gegner aneinander angleichen. Entweder man macht Batman stärker (mit einem Kampfanzug oder irgendwelchen anders herbeigedichteten Superkräften) oder man schwächt Superman (zum Beispiel mit Kryptonit oder rotem Licht). Am besten letzteres. Denn so oder so: Es läuft darauf hinaus, dass der Mensch den Übermenschen vermöbelt und – sei es auch nur für eine Weile – die Oberhand behält. Darin steckt das menschliche Bedürfnis nach der Überlegenheit des Schwächeren: Zur Abwechslung zeigt es der benachteiligte Außenseiter mal dem erfolgreichen und beliebten Überflieger, dem Glückskind und scheinbar perfekten Typen, auf den die Mädchen stehen. Das Recht des Stärkeren, das darwinistische Evolutionsprinzip, wird aufgehoben. Wir wollen Superman fallen sehen, wir wollen, dass er liegen bleibt, damit wir die Genugtuung der Schadenfreude auskosten können – oder einfach nur einen Gott als Menschen sehen. Und letzteres erinnert uns an nichts anderes als die Heilsgeschichte Christi.

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Doch reine Gewalt genügt nicht. Damit ein Konflikt entsteht, muss auch einer der beiden Helden korrumpiert werden. Einer wird böse oder zumindest dafür gehalten und der andere muss ihn dann in die Schranken weisen. Meistens ist es Batman, der als unbeugsamer Idealist das Korrektiv gegen Superman spielt. Wie etwa eindrücklich bei Frank Millers The Dark Knight Returns (1986): Superman ist hier der Handlanger der US-amerikanischen Regierung, der Batman ausschalten soll. Batman rüstet sich gut und nutzt alle Tricks, um Superman zu schlagen – und tut es auch fast, doch dann kommt sein menschlicher Makel, das Alter, die Schwäche und der Tod, dazwischen. (Jedenfalls scheinbar.) Seit Gilgamesch gibt es nur diese zwei Möglichkeiten, wie so eine Schlacht der Titanen ausgehen kann: entweder mit Versöhnung und Verbrüderung oder dem Tod. Und weil Superhelden nie wirklich sterben können, stehen Batman und Superman für eine dritte Option: den ewigen Kampf. Worum? Um die Rettung der Menschheit. Und damit letztlich auch um unsere Gunst.


 

In den kommenden Wochen bis zum Kinostart von Batman v Superman werde ich einige Begegnungen zwischen dem Dunklen Ritter und dem Mann aus Stahl in Comic und Film in einer eigenen Reihe besprechen. Ein paar habe ich bereits an dieser Stelle erwähnt, deshalb werde ich nicht mehr näher darauf eingehen:

Fortsetzung folgt.

Kingdom Come: Offenbarung der Superhelden

DC Comics

DC Comics

Titel: Kingdom Come

Autor/Zeichner: Mark Waid/Alex Ross

Erschienen: 1996 (Mini-Serie #1-4, Paperback 1996), dt. Carlsen 1997, Panini 2013


„… perhaps humanity’s only chance is for superhumans to swallow each other …“ (Batman)

Superman hat aufgegeben. Andere Helden sind seinem Beispiel gefolgt. Batman lässt nur noch Roboter über sein Gotham wachen – und macht es dadurch zu einem Polizeistaat. In der Zukunft haben andere Metamenschen das Erbe übernommen – aber sie wissen es nicht zu schätzen. Statt den normalen Menschen zu helfen, werden ihre Kämpfe untereinander zur Bedrohung. Schließlich eskaliert ein Konflikt in der atomaren Verwüstung von Kansas. Das bringt den gealterten Einsiedler Superman dazu, seine Festung der Einsamkeit zu verlassen, die Justice League wieder zusammenzubringen und wieder für Ordnung zu sorgen. Sein Ultimatum: Entweder die Metawesen schließen sich ihm an oder sie werden bestraft.

Schließlich baut er ein riesiges Gefängnis für alle Querulanten. Doch dadurch wird alles noch schlimmer: Intrigen, Grabenkämpfe, Tote. Es kommt zur ultimativen Schlacht, bei der sich am Ende die Frage stellt, ob es besser wäre, dass die Helden oder die Menschen draufgehen. Superman ist verzweifelt, er weiß nicht, was er tun soll.

Kingdom Come zeigt das Superheldentum in der Krise. Die Helden sind bloß noch selbstverliebte Götter, die den Bezug zur Menschlichkeit verloren haben. Doch selbst Supermans Versuch, die Fehler wiedergutzumachen, scheitert. Es geht um die Grundfrage, ob es legitim ist, für die gute Sache zu töten – und mit seinen Idealen zu brechen. Denn am Ende geht es nicht ohne Opfer.

In diesem unlösbaren Dilemma streben böse Mächte auf, die die Menschheit wieder triumphieren sehen wollen, allen voran Lex Luthor. Erzählt wird die Geschichte aus der Perspektive des Pfarrers Norman McCay, der vom Spectre das Geschehen offenbart bekommt. Sie sind die unbeteiligten Beobachter der nahenden Apokalypse, die sie aber auch nicht kaltlassen kann. In gewisser Weise ist Kingdom Come für Superman das, was The Dark Knight Returns für Batman ist: die Demontage eines Mythos.

Bei allen Zweifeln ist Kingdom Come aber auch zugleich eine Feier der Superhelden. Ein Blick auf die Seiten von Alex Ross reicht, um ein Gefühl von Erhabenheit zu bekommen. Erst durch seine prächtigen Gemälde bekommt die Story eine epische Würde. Die Helden strotzen vor Kraft und Anmut, die Menschen wirken so menschlich, wie man sie nur darstellen kann. Alex Ross hat ein Gespür für lebensnahe Darstellung und romantische Überhöhung. Beides kombiniert er zu einer Bilderzählung von biblischen Dimensionen. Seine überbordenden Schlachten unzähliger Helden zeigen, dass sie bloß beeindruckend aussehen sollen. Die wahren Konflikte aber werden woanders ausgetragen: im Zwischenmenschlichen oder im Kampf mit sich selbst.

Mark Waid hat ein Werk geschaffen, in dem zwar viele Figuren vorkommen, aber in dem nur wenige eine Rolle spielen. Dadurch wirkt sie bei allen Schlachten nie unpersönlich. Der Rest ist schmückendes Beiwerk, aber zu schön, als dass es entbehrlich wäre. In diesem Konzept spiegelt sich das Prinzip von Superhelden überhaupt: knallbunte Action von Überwesen als Fassade für menschliche Dramen und Reflexionen über die Conditio humana. Weil Kingdom Come genau das perfekt auf den Punkt bringt, ist es eine der besten Superman-Storys und wohl die größte Elseworlds-Story überhaupt.

>> Liste der Batman-Elseworlds-Comics

Big Brother Superman

DC Comics

DC Comics

Titel: Superman: Red Son (dt. Genosse Superman)

Autor/Zeichner: Mark Millar/Dave Johnson, Kilian Plunkett

Erschienen: 2003 (Mini-Serie #1-3), dt. Panini 2014


„I offered them utopia, but they fought for the right to live in hell.“ (Superman)

Was wäre wenn Supermans Rakete in der Sowjetunion gelandet wäre? Dann stünde er nicht für jedenfalls nicht mehr für den American Way. Autor Mark Millar hat die wohl kühnste Vision von Superman geschaffen: der ur-amerikanischte Held (neben Captain America) als Kommunist. Der Blaue als Roter. Eine Provokation. Aber nicht bloß eine weitere Dystopie, die irgendwann hätte geschrieben werden müssen, sondern auch eine Story, die wunderbar funktioniert.

Millar hat nicht nur eine Elseworlds-Geschichte geschrieben, sondern auch eine alternative Geschichte. Superman dient zunächst Josef Stalin und übernimmt nach dessen Tod die Führung der Sowjetunion. Obwohl der Bauernsohn sich zunächst gegen Politik sträubt, wird er zum totalitären Despoten. Die Welt wird nach und nach kommunistisch, die USA sind gegen Superman machtlos, bleiben isoliert, spalten sich, leiden unter Armut und Bürgerkrieg. 1963 wird Präsident Richard Nixon erschossen, John F. Kennedy wird sein Nachfolger und treibt das Land weiter in den Ruin, weil er sich mehr für seine Liebschaft zu Norma Jean interessiert.

Der einzige, der den Durchblick hat, ist Lex Luthor. Der geniale Wissenschaftler, der gleichzeitig mehrere Schachturniere spielt und Urdu lernt, um sein Gehirn bei Laune zu halten, hasst Superman auch in dieser alternativen Welt und arbeitet sich jahrzehntelang daran ab, den Diktator auszuschalten – aber gegen die Übermacht ist er erfolglos. Schließlich verbündet er sich mit Wonder Woman und Green Lantern. Parallel regt sich Widerstand in Russland: Batman bekämpft das System als Guerilla mit Pelzmütze und tritt schließlich auch direkt gegen Superman an.

Batman mit Pelzmütze vermöbelt Superman. (DC Comics)

Batman mit Pelzmütze vermöbelt Superman. (DC Comics)

Big Brother Superman ist alles andere als böse. Auch wenn er für eine andere Ideologie eintritt, bleibt er doch seinen Idealen treu, eine bessere Welt zu schaffen. Allerdings mit zweifelhaften Mitteln, wie etwa totaler Überwachung und der Verwandlung von Aufsässigen in gehorsame Halbroboter. Der Wohlstand der Welt scheint ihm recht zu geben, aber mit den Jahren zweifelt er immer mehr daran, ob seine Herrschaft moralisch tragbar ist. Dieser Konflikt gibt ihm die nötige Komplexität und hält das Interesse an der Figur bis zum Schluss aufrecht.

Red Son ist ein Comic, das alles aufbietet, was man sich wünschen kann: Starke Charaktere, viel Fantasie und Zitate der Superman-Mythologie. Obwohl die Zeichner gängige Motive der Superman-Ikonografie bedienen (z. B. die üblichen Cover von Action Comics #1 und Superman #1), werden die Zeichnungen dem hohen Niveau der Story leider nicht ganz gerecht.

Dafür ist das Ende der Story so grandios, dass man diesem runden Meisterwerk nur applaudieren kann.

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Idylle mit Landei

DC Comics

DC Comics

Titel: Superman For All Seasons (dt. Superman für alle Zeiten)

Autor/Zeichner: Jeph Loeb/Tim Sale

Erschienen: 1998 (Mini-Serie #1-4)


 „Maybe it’s time I was a little impulsive.“ (Clark Kent)

Bevor es Superman gab, gab es nur ein Landei namens Clark Kent. Ein Farmersohn aus Kansas. Ein Durchschnittsamerikaner. Jeph Loeb und Tim Sale versuchen in ihrer Mini-Serie den Mann aus Stahl zu einem Jedermann zu machen, der klein angefangen hat, als Träumer, Grübler und Zweifler. Wie geht ein junger Mann mitten in der Gewöhnlichkeit damit um, ungewöhnlich zu sein, Superkräfte zu haben? Wer bin ich und was soll ich tun?, sind die Fragen, die ihn umtreiben.

Man könnte Superman For All Seasons auch Superman: Year One nennen. Es umfasst das erste Jahr im Leben von Clark nach dem Abschluss in Smallville und seinen Anfängen in Metropolis. Viel Handlung gibt es nicht: Zwar fängt Superman eine Atomrakete ab, zerlegt ein U-Boot voller Terroristen, hält einen Zug auf und stoppt eine Flut, aber diese Taten erscheinen nebensächlich. Es wird kein großes Drama um sie gemacht, vielmehr wirkt es, als müsste man sie zeigen, weil sie einfach nur zum Mythos dazu gehören. Zeichner Tim Sale zelebriert diese Momente in  eindrucksvollen doppelseitigen Splash Pages.

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Sinnieren über Superman

Vertigo

VertigoTitel: It’s a Bird …

Autor/Zeichner: Steven T. Seagle/Teddy Kristiansen

Erschienen: 2004 (One-shot)


„I have … issues with Superman.“

Comic-Autor Steven bekommt das Angebot, Superman zu schreiben. Eigentlich kein schlechter Auftrag, aber Steven zögert. Zu Superman fällt ihm keine Geschichte ein. „There’s no access point to the character for me … for anyone if they ever really thought about it. Too much about him makes no sense –„, sagt er dem Leser. Und dann arbeitet er sich an den einzelnen Aspekten der Figur ab: dem lächerlichen Kostüm, der Farbsymbolik, der Geheimidentität, der Herkunft von Krypton und aus Smallville, der Gewalt und Allmacht, Kryptonit, Nietzsche und seiner Vision des Übermenschen. In kurzen Zwischenspielen reflektiert Steven kritisch, was Superman ausmacht – und zeigt dabei einige Widersprüche auf.

Parallel zu seinem Prokrastinieren (Steve zögert die Zusage hinaus) verläuft die Handlung seiner privaten Probleme. Er hat Angst, an Chorea Huntington zu erkranken – wie schon seine Großmutter. Die erbliche Nervenkrankheit ist sein Kryptonit. Interessanterweise ist er damit zum ersten Mal in Kontakt gekommen, als er auch das erste Superman-Heft in Händen hielt. Allmacht und Ohnmacht, Übermenschentum und Gebrechlichkeit liegen dicht beieinander.

Geschickt verbindet Steven T. Seagle persönliche Erinnerungen und seine Versuche über Superman miteinander zu einer kurzweiligen, überaus menschlichen Story, in der es einige Überschneidungen zwischen Realität und Fiktion gibt. Künstler Teddy Kristiansen verleiht ihm mit seinem abstrakten, variationsreichen Stil der Zeichnungen und Farben eine besondere Aura. Am Ende bleibt die Erkenntnis, worum es bei Superman wirklich geht: nicht nur um Eskapismus (der hier durchaus seine Daseinsberechtigung hat), sondern auch um Realitätsbewältigung: „There’s always a ’next‘. Always. That’s what Superman is all about. To remind us that we have hurdles … but as long as we keep jumping them … we’re in the race.“

It’s a Bird … ist nicht bloß eine großartige Superman-Story, sondern auch große Comic-Kunst, die sowohl kurzweilig unterhält als auch zum Nachdenken anregt.

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Speeding Bullets: Superman als Batman

DC Comics

DC Comics

Titel: Speeding Bullets

Autor/Zeichner: J.M. DeMatteis/Eduardo Barreto

Erschienen: 1993 (One-shot)


„There’s only one way it could have happened: the way it was meant to be happen.“

„A child in a Halloween costume, playing out a lifetime of guilt and anger.“

„Has our world become so twisted, so violent, that this is the kind of hero we produce?“

Was wäre wenn Supermans Rakete von Krypton in Gotham gelandet wäre? Dann wäre er von den Waynes gefunden und aufgezogen worden, bis zu jenem Tag, an dem sie ermordet werden. Kurz: Superman wäre Batman geworden. Die Elseworlds-Story Speeding Bullets spielt diesen wohl feuchtesten Traum aller Fanboys durch, steckt Superman ins Fledermauskostüm, lässt ihn fliegen, Dinge zerstören und Menschen verbrennen. Das Kostüm ist zum einen konsequent, weil es das Gesicht des Helden ganz verdeckt, zum anderen zeichnet sich in dem gelben Diamanten auf der Brust bereits ab, worauf die Story hinausläuft.

Doch zunächst wird das Superman-Inventar aus Metropolis herangeschafft: Bruce Wayne lässt Perry White und Lois Lane vom Daily Planet zur Gotham Gazette kommen, ein feister Lex Luthor versucht, Waynes Firma zu übernehmen, und scheitert. Kurz darauf zeigt Luthor sein wahres Gesicht: Es ist weiß, hat rote Lippen und lacht bei jeder unpassenden Gelegenheit. Nach einem Unfall in einem Chemiewerk ist Luthor nämlich zum Joker geworden. Warum er sich so nennt, bleibt unklar, denn Witze macht er keine und lustig ist er auch nicht. Allein lächerlich wirkt es, wenn aus seinem Rücken ein Propeller heraustritt, mit dem er durch die Stadt fliegen kann.

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Wie dem auch sei: Batman rettet Lois Lane, dann die ganze Stadt vor einer paramilitärischen Invasoren, die für Luthor Chaos stiften. (Einen tieferen Sinn hat das nicht.) Am Ende lässt Batman sich von Lois zu sanfteren Methoden der Verbrechensbekämpfung bequatschen und legt sein Kostüm ab – er wird zum bekannten Superman in blau, rot und gelb.

Die interessantesten Elseworlds-Storys spielen ihr „Was wäre wenn“ bis zur letzten Konsequenz durch. Doch hier ist das Szenario bloß ein Umweg zum Status quo der regulären Comic-Serien. Daher muss man sich fragen, was sie eigentlich soll. (Zugegeben: The Nail funktioniert auch so, aber besser.) Dabei fängt die Geschichte vielversprechend an: Bruce plagt die Schuld, die Kugeln, die seine Eltern töteten, nicht aufgehalten zu haben. Er verschanzt sich als Einsiedler in Wayne Manor und sammelt Zeitungsartikel, um über das Leid in der Welt zu lamentieren – bis er sein wahres Potenzial wiederentdeckt. Doch mit der bemühten Einführung von Luthor-Joker wird alles zunichte gemacht und die wenigen Seiten für eine Story verschwendet, die nicht der Rede wert ist. Eine vertane Chance.

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The Greatest Gladiator Match in the History of the World

Superman versus Batman, mit Wonder Woman versus Doomsday! Der neue Trailer zu Batman v Superman: Dawn of Justice ist mal wieder ein Fest für Fans und lässt die Erwartungen an das Gipfeltreffen noch steigen. Nicht genug, dass die größten Helden von DC Comics gegeneinander antreten, nicht nur, dass Wonder Woman (und auch Aquaman, nicht im Trailer) hinzukommen, Lex Luthor erschafft mit Doomsday auch einen Widersacher, den die Helden vereint bekämpfen müssen. Die Zerstörungsorgie von Man of Steel geht damit in Runde 2 … Hoffentlich nicht ganz so ermüdend.

Doch der neue Trailer verspricht auch harte Wortgefechte zwischen Clark Kent und Bruce Wayne: Während Kent nicht viel von Batman aus Gotham hält, hat Wayne etwas gegen den Übermenschen, der Metropolis zerlegt hat. Warum? Schlechte Erfahrungen mit „freaks dressed like clowns“ … Batman zeigt nicht nur rhetorische Stärke, sondern geht auch ziemlich rabiat gegen seine menschlichen Gegner vor, auf der Haut eines Schurken hinterlässt er offenbar ein Brandmal in Form einer Fledermaus. Und damit wirkt er ebenso zweifelhaft wie der Halbgott, den er bekämpft.

Eine interessante Figur verspricht Lex Luthor zu werden: Jesse Eisenberg verkörpert einen quirligen, geschwätzigen Gesellschafter, der es nach eigenen Angaben liebt, Menschen zusammenzubringen – wie etwa Clark Kent und Bruce Wayne. Beim Händedruck mit Kent warnt er Wayne: „you should not pick a fight with this person“ und als es dann doch zum Kampf kommt, bringt er es auf den Punkt: „the greatest gladiator match in the history of the world“. Alfred ist mal wieder die Stimme der Vernunft, der Batman sagt, er könne den Kampf gegen Superman nicht gewinnen. Und Superman bekräftigt, dass er noch einmal, dass er Batman töten könnte – wenn er wollte.

Rätsel geben noch immer die dystopischen Szenen auf, die Superman als faschistoiden Anführer einer eigenen Armee und Batman als Widerstandskämpfer im Ledermantel zeigen. Eine Vorschau auf die Zukunft? Eine Vision? Ein Traum? Man weiß es nicht. Lassen wir die Spekulationen, lassen wir uns lieber überraschen. Falls die ganzen Teaser und Trailer überhaupt noch eine Überraschung übrig lassen. Langsam stellt sich das Gefühl ein, man hätte den halben Film bereits gesehen.

Final Crisis: Tod durch Überforderung

DC Comics

DC Comics

Titel: Final Crisis

Autor/Zeichner: Grant Morrison/J.G. Jones, Doug Mahnke u.a.

Erschienen: 2008 (Mini-Serie #1-7, Superman Beyond #1-2, Batman 682-683, DC Universe 0, Submit #1, Paperback 2009/2012), dt. Panini 2010


„I’m inside a self-assembling hyper-story!“ (Superman)

„This isn’t just some superhero war, some crisis.“ (Black Lightning)

Zugegeben: Großen Superhelden-Events stehe ich zwiespältig gegenüber. Einerseits hat mich das Konzept, dass alle Helden zusammenkommen, schon immer gereizt. Andererseits hat mich die Fülle an Figuren und Plots zuletzt ziemlich überfordert, genervt und gelangweilt. Trotzdem habe ich mich durchgekämpft. Durch die Crisis on Infinite Earths und auch durch die (viel leichter verdauliche) Infinite Crisis. So glaubte ich mich gut vorbereitet auf Grant Morrisons Final Crisis, die ich eigentlich nur noch lesen wollte, weil ich wusste, dass Batman darin stirbt (oder es zumindest so scheint). Aber falsch geglaubt. Denn Morrison zieht mal wieder alle Register. Alle. Und das macht Final Crisis unlesbar, wenn man nicht jeden Winkel des DC Universums kennt. „Of course, that’s the way it’s always been with DC Universe comic books: you don’t always know everything about everyone, and sometimes you miss stuff, and sometimes you only suss out later what something was really all about“, schreibt DC-Redakteur Jay Babcock in seinem Vorwort und rechtfertigt das damit, dass es in der realen Welt genau so sei. Aber selbst der Meister Morrison gesteht in seinen Memoiren, dass die Handlung „holprig, bedeutungslos und chaotisch“ sei und er „mitunter die Nerven wegschmiss“. So ging es mir beim Lesen auch.

Totale Überforderung

Wer hier durchsteigen will, sollte (bis auf die zuvor genannten Krisen) die Mega-Events 52 und Countdown to Final Crisis lesen, sowie die fünf Ergänzungsbände zur Hauptserie. Da ich dazu keine Lust hatte, habe ich auch nur die Hälfte verstanden – bestenfalls. Worum es im Kern geht: Darkseid und seine Apokolips-Schergen haben die „guten“ New Gods besiegt und sich als Menschen getarnt auf der Erde eingenistet. Von innen heraus vollziehen sie eine Invasion, überrumpeln die Superhelden oder schalten sie aus, und unterjochen die Menschheit. Parallel dazu gibt es noch eine Handlung um das Multiversum und die Monitor-Typen, einem bösen Vampir-Monitor und irgendeine Weltvernichtungsmaschine – hier habe ich den Faden völlig verloren.

Ansonsten gibt es ein Komplott im Green Lantern Corps und drei Flashs laufen einer rückwärts durch die Zeit schießenden Kugel hinterher. Darüber hinaus sieht man Steinzeitmenschen, japanische Möchtegernhelden, Tigermenschen, die auf Riesenkampfhunden reiten, und einen Haufen Supermänner aus Parallelwelten, darunter einen (vermeintlichen) Nazi-Superman sowie ein Superschwein, einen Superpudel und einen Superhasen (wtf?).

Wie Batman stirbt

Batmans „Tod“ verläuft zwar folgerichtig, indem er eine Waffe auf Darkseid abfeuert (Tod folgt auf Prinzipienbruch), aber dafür enttäuschend unspektakulär. Darkseid feuert seine Omega-Strahlen auf ihn ab und ein paar Seiten später sieht man Superman Batmans Überreste tragen (was übrigens die gelungenste Seite des Bandes ist). Naja, das hätte ich mir emotionaler gewünscht. (Die Todessequenz erinnert an Morrisons Story Stein der Äonen/Rock of Ages in JLA #14, 1998, dt. Dino Verlag.) Aber schon am Ende wird angedeutet, dass Batman nicht wirklich tot ist, sondern bloß (warum auch immer) in der Steinzeit gelandet ist. (Abgesehen davon ist mir nicht klar geworden, wie Batman aus seiner Gefangenschaft entkommen konnte, aber egal, er ist halt Batman.) Zwei Tie-ins zeigen, wie er in Darkseids Gefangenschaft sein Leben noch einmal durchlebt, weil seine Erinnerungen gestohlen und ihm neue eingesetzt werden.

Diese Binnen-Story ist auch in Batman R.I.P. enthalten. Wegen der paar wenigen Seiten, in denen Batman in Action gezeigt wird, lohnt die Lektüre von Final Crisis jedenfalls nicht. Und auch sonst hat es Morrison mit seiner Überbietungspraxis ziemlich übertrieben: zu viele Figuren und zu viel Handlung auf zu wenig Raum, zu sprunghaft erzählt. Comics sollten Spaß machen und keine Qual sein, aber bis auf die Zeichnungen von J.G. Jones und Dough Mahnke hatte ich kaum Freude an diesem Ungetüm von einem Buch. Für mich jedenfalls sind Crossover erstmal erledigt.

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Batman versus Superman: Retro Edition

März 2016 ist noch lange hin. Bis dahin verkürzen sich die Fans das Warten auf den Kinofilm Batman v Superman mit wilden Spekulationen und – Hommagen. Zum Beispiel: Wie hätte der Film im Jahr 1949 ausgesehen? In diesem Video werden die alten Serials zu einem Pseudo-Trailer kombiniert. (Tatsächlich sollten sich die beiden Helden erstmals 1952 begegnen, im Comic Superman #76.) Beklagenswert, wie armselig und lieblos Batman damals inszeniert wurde. Bemerkenswert ist allerdings Superman: Obwohl es sich um eine Realverfilmung handelt, wurde Superman damals mittels Animation zum Fliegen gebracht.

Zur Ergänzung hier noch eine animierte Version des Batman v Superman-Trailers, die zwar überflüssig ist, weil sie bloß nachahmt, aber dank des 90er-Zeichenstils ihren Charme hat:

>> World’s Finest Comics

Coverwahn #7

Weniger ist mehr: Wahre Künstler beweisen es immer wieder aufs Neue. Bei ihren Variant Covers zu Dark Knight III: The Master Race hat deshalb nach Tim Sale auch Jock bewiesen, dass ein schlichtes Motiv reicht, wie etwa ein Porträt vom alten Batman, dessen verbissenes, faltiges Gesicht sehr in Mitleidenschaft gezogen wurde. Das Besondere: das Blau der Maske füllt das ganze Cover. Batman – larger than life. Nicht einmal die Comicseite legt ihm Grenzen auf. Dieser Minimalismus ist viel kreativer als bloß die x-ten Versionn von Frank Millers Joker, wie sie David Finch und Paul Pope fabriziert haben, zumal wir Finchs Motiv bereits zu Genüge bei anderen in der Mutanten-Variante gesehen haben.

Doch nicht alle Zeichner haben sich auf die üblichen Motive gestürzt. Tony Daniel zeigt Batman mit einem Gewehr – eine unscheinbare, aber großartige Szene aus The Dark Knight Returns. Der Held schießt damit einen Enterhaken ab, läuft auf einem Seil zwischen zwei Hochhäusern und meditiert: „In ten years I’ve never felt so calm. So right. This would be a fine death …“ Kurz darauf wird er angeschossen von Two-Face und stürzt ab. Alles andere als subtil kommt dafür das Cover von John Cassaday daher. Er hat in einer plumpen Collage einfach alle wichtigen Charaktere (Joker, Mutanten, Robin, aber nicht Superman) aufs Blatt gebannt – und als wäre das nicht schon genug, wird das Ganze noch geziert von kleineren Panels, auf denen Fernsehbilder aus TDKR zu sehen sind. Immerhin sieht man hier zum ersten Mal auf den Variants Two-Face mit bandagiertem Kopf – ein ikonischer Vorläufer von Hush.

Ganz und gar nicht subtil ist auch der Batman von Dave Dorman, der vor einer Feuersbrunst mit zwei Baseballschlägern herumspringt. Im Hintergrund das Superman-Logo, auf den Schlägern das Batman-Logo; Batman als Bat-Man („Schläger-Typ“)? Völlig daneben … Viel gelungener hingegen ist das Cover von Dave Johnson, das Batmans Herzinfarkt beim Kampf mit Superman zeigt: Ein gebrochener Held, im Hintergrund der triumphierende Superman im Schatten, durch die Bildmitte zieht sich die rote Linie eines EKGs – so geht Dramatik, so geht Tiefe, so wünsche ich mir mehr Cover. Und bitte keine Sprünge mehr mit Robin Carrie Kelley …

>> Weitere Cover-Galerien zu DK III.