Scott Snyder

Was von Batman übrig blieb

DC Comics

DC Comics

Titel: Graveyard Shift (Batman Vol. 6) (dt. Im Bann des Todes)

Autor/Zeichner: Scott Snyder, James Tynion IV/Greg Capullo, Andy Clarke, Alex Maleev, Wes Craig, Matteo Scalera, Dustin Nguyen

Erschienen: 2012-2014 (Erstausgaben: Batman #0, #18-20, #28, #34, Annual #2), Hardcover 2015, dt. zum Teil in Batman Sonderband 43: Schreckensnächte in Gotham City, Panini 2014 (Batman #19-23, Batman Annual #2), weitere in Batman #20, #23, #37. (dt. Panini 2016, Paperback)


„… sometimes I’m my own worst enemy.“ (Bruce Wayne)

Bevor die Fans endlich das nächste Meisterwerk des Dream-Teams Snyder/Capullo in Buchform bekommen – Endgame erscheint erst im Herbst – vertröstet DC sie in Band 6 mit einer Resterampe. Fünf Lückenbüßer-Ausgaben sowie zwei Specials wie die Nuller-Ausgabe und das zweite Annual sind in Graveyard Shift versammelt. Was taugt der Band?

Batman #0 ist das Äquivalent zu den bereits besprochenen Detective Comics #0 und The Dark Knight #0, die jeweils zwei Episoden aus Bruce Waynes Vor-Batman-Zeit erzählen, also vor dem Jahr Null/Zero Year spielen (alles klar?). Während wir in Detective #0 eine Anekdote aus der Ausbildungszeit in Asien bekamen, wurde in TDK #0 erzählt, wie Bruce den Mörder seiner Eltern (Joe Chill) aufsucht und umbringen will, aber sich dann besinnt. (Batman and Robin #0 handelt von Damians Kindheit und Ausbildung durch Talia.) In Batman #0 bekommen wir eine Episode aus dem Jahr Null, als Bruce Wayne noch ohne Batman-Kostüm gegen die Red Hood-Gang kämpft. Bruce verkleidet sich mit einer roten Maske und schließt sich einem Bankraub an, wird entlarvt und beinahe getötet. Anschließend bekommt er Besuch von Lieutenant James Gordon, der ihn nach Batman ausfragt. Kurz zuvor macht Alfred seinem Master deutlich, dass er sich nicht einfach von einem zivilen Leben abschotten kann, weil er sich als Eigenbrötler verdächtig machen würde. Am Ende aktiviert Gordon erstmals das Bat-Signal – nicht nur als Rufzeichen für Batman, sondern auch als Motivation für die Bürger von Gotham, Zivilcourage zu zeigen.

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In der Bonus-Story „Tomorrow“ werden parallel drei Episoden aus dem Leben von Tim Drake, Jason Todd und Dick Grayson erzählt, bevor sie Robins geworden sind. Der Klugscheißer, der Verbrecher und der Draufgänger. Alle drei zeigen einen Sinn für Gerechtigkeit, symbolisiert darin, dass sie zum Bat-Signal aufschauen, das am Himmel erscheint.

Rotkehlchen als roter Faden

Obwohl die folgenden Geschichten für sich stehen, bilden sie eine Gesamtheit mit einigen Parallelen und Verbindungen zueinander. Der rote Faden ist Robin, genauer gesagt der Umgang mit dem Tod von Damian, Bruce Waynes Sohn. „Resolve“ (Batman #18) handelt davon, wie Harper Row, das Elektriker-Mädchen, das Batman nach seiner Gefangenschaft beim Rat der Eulen gerettet hat, Damians Nachfolge als Batmans Sidekick antreten will. Wieder einmal hilft sie Batman aus der Patsche, als er sich – nach selbstausbeuterischen Kämpfen – mit venom-gedopten Hunden anlegt, doch er verweigert ihr zunächst ihren Wunsch. Erst nachdem Harper Bruce Wayne einen Besuch abstattet, wird Batman weich.

In „Nowhere Man“ (Batman #19-20) wird die Trauer um Robin gestört durch einen Doppelgänger. Hier wird eine Brücke zur Zero Year-Episode geschlagen: Während damals Bruce Wayne als Red Hood-Mitglied verkleidet bei einem Bankraub beteiligt war, raubt er hier nun unmaskiert eine Bank aus. Natürlich ist er es nicht wirklich, sondern bloß Clayface, der Waynes Reputation durch … den Dreck ziehen will (oje, der war flach, sorry). Im Gegensatz zu den Auftritten des Schurken in Detective Comics und The Dark Knight ist Clayface hier zum ersten Mal eine interessante Figur, da er jeglichen Bezug zu seinem alten Ich verloren hat und nur noch die DNA anderer imitieren kann. Er ist nichts als ein formbarer Klumpen Lehm – ein Nowhere Man, ein Niemand.

Wiedersehen mit einem Gesichtslosen

Einen anderen Niemand jagt Batman in „The Meek“ (Batman #34): Ein Totengräber für Arme legt gerne mal eine Leiche dazu, die er selbst zu verantworten hat. Batman kann ihn zwar mit detektivischem Gespür fassen, aber er kommt nicht hinter dessen Identität – also landet er folgerichtig in der leeren Zelle eines anderen Namenlosen: des Jokers. Der Mörder nennt sich selbst The Meek, sagt von sich selbst, ein Nobody zu sein und wünscht sich, aus der Welt spurlos zu verschwinden. Damit erweist er sich als Wiedergänger des Postboten Joseph Zedno, der in einer Story von Doug Moench und Kelley Jones als „Faceless“ Menschen umgebracht hat, um ein Jemand zu sein (siehe Batman #542-543, 1997, dt. Batman #32, Dino Verlag, enthalten im Time Warp 2). The Meek macht im Gegensatz zu Zedno aus der Not eine Tugend. Batman wird mal wieder an die Vergänglichkeit allen Seins erinnert – sehr schön versinnbildlicht in der letzten Splash Page, auf der ein Totenkopf aus Leichen gebildet ist.

Erneut mit seinem Verlust konfrontiert wird Batman in „Cages“ (Batman Annual #2), eine Story, die in dem Band zwei Mal fälschlicherweise als „Ages“ bezeichnet wird. Die Prämisse ist eine interessante Idee: Batman lässt sich freiwillig in Arkham einsperren, um die neue Sicherheitstechnik zu testen. Doch nicht nur er bricht aus, auch die älteste Insassin. The Anchoress (die Einsiedlerin) kann nämlich durch Wände gehen. Sie wirft ihm vor, dass durch all die Schurken, die er im Asylum einliefert, sie selbst vernachlässigt worden sei, statt therapiert zu werden. Jetzt will sie sich an ihm rächen, indem sie ihn mit ihren mentalen Kräften in eine Art Gedankenkäfig zu sperren versucht. Batman muss noch einmal den Tod seines Sohnes mitansehen. Die Story wurde zu Unrecht verrissen. Bis auf die Zeichnungen, die nicht an einen Greg Capullo heranreichen, tut es gut, auch einmal eine Geschichte mit einigen frischen Ansätzen zu lesen, auch wenn aus dem Sicherheitstest in Arkham am Ende leider keine Resultate folgen. (Das Cover ist allerdings großartig.)

Vorschau auf die Zukunft

Die schwächste Geschichte in Graveyard Shift ist „Ghost Lights“ (Batman #19-20, jeweils die Zweitstory): Batman versucht mit Superman einen bösen Geist zu bannen. Superman erweist sich als ziemlich nutzlosen Kämpfer, aber dafür als guter Freund, der dem Trauernden beisteht, auch wenn Batman ihm den Dienst nicht erwidert.

In „Batman Eternal“ (Batman #28), einer Vorschau für die gleichnamige Serie, die in naher Zukunft spielt (Besprechung folgt), kämpft Harper Row als Bluebird an der Seite von Batman in einem dystopischen Szenario. Nach einer Unterhaltung mit Selina Kyle gibt es ein Wiedersehen mit Stephanie Brown alias Spoiler, die in der alten Continuity kurz der vierte Robin sein durfte (danach kam Damian).

Zusammengefasst kann man Graveyard Shift für Batman als Zwischenspiel zur Trauerbewältigung begreifen. Die heimliche Hauptrolle spielt hier Robin in absentia – ein Phantom. Für den Leser bietet sich eine abwechslungsreiche Anthologie von Geschichten, die sich kurzweilig lesen und meist auch grafisch überzeugen können. Damit kann man sich gut vertrösten, bis Endgame als Buch erscheint.

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Vorschau: Neue Batman-Comics von April bis Juli 2015

DC Comics

DC Comics

Harley Quinn und der Riddler, eine Würdigung des Zeichners Norm Breyfogle sowie neues von Erde Eins und dem Dreamteam Snyder-Capullo: Die für die nächsten vier Monate angekündigten Batman-Comics machen viel Vorfreude. Eine Übersicht.

Im April widmet DC dem Riddler einen eigenen Band, in dem seine besten Auftritte gesammelt sein sollen. Auf fast 300 Seiten wird folgendes geboten: Detective Comics #140, #142, #377, #822, #837, Batman #171, #179, #292, #317, #362, Batman: The Riddler #23.2 (Villain’s Month), Brave and Bold #183, Joker’s Asylum II: The Riddler #1 and Legends of the Dark Knight 100 Page Super Spectacular #2.

Im Mai kommt endlich der sechste Band von Scott Snyders und Greg Capullos Batman-Serie. Nein, noch nicht das lang erwartete Endgame (es soll so großartig sein, dass das Warten bis zum Herbst schmerzt), sondern Graveyard Shift. Dabei handelt es sich um eine Resterampe von bisher nicht in Buchform veröffentlichten Heften: Batman #0, #18-20, #28, #34 and Batman Annual #2. Also Lückenbüßer und ein paar Anekdoten aus der Vergangenheit (Stichwort: Zero Year). Wir freuen uns trotzdem drauf, etwas Neues von dem Dream-Team zu lesen.

Eine Woche später soll der zweite Band von Earth One erscheinen. Der alternative Origin von Geoff Johns und Gary Frank erfreute sich großer Beliebtheit und auch ich fand ihn zumindest gut erzählt (wenn auch die Story nicht sonderlich innovativ war). Bin gespannt, wie es jetzt weitergehen soll.

Ebenfalls im Mai kommt Detective Comics Vol. 6 raus. Die Story Icarus stammt von einem neuen Team – Francis Manapul und Brian Buccellato – und soll einen neuen Weg einschlagen. Es wird höchste Zeit. Bislang war der Neustart von Detective Comics eher enttäuschend und wirkte planlos.

Für den 2. Juni ist die Kurzgeschichten-Anthologie Legends of the Dark Knight Vol. 4 angekündigt. Zwei Tage später erscheint bei Panini eine Neuauflage einer alten Legends-Story: Mask (#39-40) soll laut Verlag „eine der psychologisch intensivsten Bat-Geschichten aller Zeiten“ sein. Bruce Wayne wird im Krankenhaus erklärt, dass er sich Batman nur einbildet. Das 48-Seiten-Heft wird auf 999 Exemplare limitiert sein und neun Euro kosten.

Am 7. Juli erscheint ein Sammelband, der sich dem Künstler Norm Breyfogle widmet. Auf über 500 Seiten werden Werke aus den 80ern und 90ern versammelt sein. Breyfogle hat kürzlich einen Schlaganfall erlitten und wegen einer unzureichenden Gesundheitsversicherung wurden Spenden für seine Genesung gesammelt. Wir haben bereits drei seiner Geschichten besprochen.

Außerdem erwartet uns im Juli eine Compilation zu Harley Quinn, der nervigen, aber beliebten Partnerin des Jokers, die ihren ersten Auftritt in der Animated-Serie hatte, aber längst in die Comic-Continuity aufgenommen wurde und sogar eine eigene Serie hat. Im Sammelband werden enthalten sein: Batman: Harley Quinn #1, Joker’s Asylum II: Harley Quinn #1, Batman: Gotham Knights #14, #30, Batman: Black and White #1, #3, Detective Comics #831, #837, Detective Comics: Harley Quinn #23.2 (Villain’s Month), Legends of the Dark Knight 100 Page Super Spectacular #1. Passend dazu erscheint schon am 31. März die Deluxe-Edition des Klassikers Mad Love.

Weitere Highlights:

  • Batman Beyond: Batgirl Beyond (8. April)
  • Batman Noir: Dark Knight Returns (5. Mai)
  • Batman Eternal Vol. 2 (14. Juli)
  • Batman: The Jiro Kuwata Batmanga Vol. 2 (14. Juli)
  • Second Chances (21. Juli, Batman #402-403, 408-416, Batman Annual #11)
  • Gothic Deluxe Edition (28. Juli)

Zum Geburtstag viel Glück

DC Comics

DC Comics

Titel: Detective Comics Vol. 5 – Gothtopia (dt. Gothtopia/Chaos-Theorie)

Autor/Zeichner: John Layman/Jason Fabok, Aaron Lopresti

Erschienen: 2014 (Detective Comics #25-29), Hardcover 2015; dt. Panini 2014 (Gothtopia #1-2), Paperbacks 2015 (Gothtopia), Batman Sonderband #45 (Chaos-Theorie, enthält Detective #27 u. Annual #3)


„Something is very wrong here.“ (Bruce Wayne)

„I’m always ready.“ (Batman)

Es hat sich gut gefügt, dass ausgerechnet im 75. Jahr von Batman die 27. Ausgabe von Detective Comics (der zweiten Reihe) herauskam. Eine magische Zahl, da im Jahr 1939 der Dunkle Ritter seinen ersten Auftritt in ebendieser Nummer hatte. Und so wurde zum Geburtstag eine dicke Jubiläumsausgabe gemacht, bei der eine Reihe namhafter Autoren und Zeichner ein paar Kurzgeschichten beisteuern durfte. Und es sind tolle Geschichten geworden.

Bemerkenswert ist, dass die erste Batman Story „The Case of the Chemical Syndicate“ neu erzählt wurde. Brad Meltzer (Identity Crisis) behält die Essenz bei, reduziert sie aber auf das Wesentliche und tut das, was längst nahe lag: er verbindet sie mit einem Joker-Origin. Interessant sind allerdings der Auszug aus Batmans Tagebuch, in dem er darüber sinniert, warum er das alles tut – und dabei tun sich Abgründe auf: „Why do I do this? I do it because I’m good at it. (…) I do it because I’m insane. (…) I do it because I can’t go to the movies anymore. (…) I do it because life doesn’t make sense.“

Was-wäre-wenn-Szenarios

In „Old School“ schicken Autor Gregg Hurwitz und Zeichner-Legende Neal Adams Batman und Robin mit einem Parforceritt durch ihre eigene Historie: Vom Golden Age über Frank Millers Dark Knight bis heute. Die Hommage ist zugleich voller Ironie auf die seltsamen Eigenarten früherer Comics, etwa dass Batman und Robin ständig laut ihre Pläne aussprechen und sich damit angreifbar machen, oder dass sie durch hanebüchene Lösungen ihre Probleme meistern. Das dynamische Duo muss sich mehrfach neu erfinden – buchstäblich häuten -, um im Laufe der Zeit zu bestehen. (Ein ausführlicher Essay zu dieser Beobachtung findet sich hier.)

Drei Stories imaginieren Was-wäre-wenn-Szenarios: „Better Days“ handelt von Bruce Waynes 75. Geburtstag mit der ganzen Bat-Familie. Selbstverständlich kommt Autor Peter J. Tomasi zu dem Schluss, dass sich der Held auch im hohen Alter nicht in Ruhestand schicken lassen würde. In „The Sacrifice“ zeigt der Phantom Stranger Batman, wie dessen Leben und Gotham aussehen könnte, wenn die Waynes den Raubüberfall überlebt hätten. Zwar kommen die Waynes zu einigem Familienglück, aber dafür geht die Welt vor die Hunde. Moral: „Sometimes a sacrifice is necessary.“ Zum Schluss stellt sich Scott Snyder in „Twenty Seven“ vor, wie die Tradition der Batmen in den nächsten 200 Jahren fortgeführt werden könnte – mit Klonen. Die Geschichte lebt von Sean Murphys Zeichnungen, der in epischen Panels apokalyptische Kriege inszeniert.

Utopie als Illusion

Diese Stories allein sind die Anschaffung des fünften Sammelbandes von Detective Comics wert. Sie haben eine Qualität, die man sonst nur von der Black and White-Reihe kennt. Titelgebend ist die Storyline Gothtopia, die in Detective Comics #27 beginnt und sich über zwei weitere Hefte erstreckt. Die Geschichte ist ebenfalls als Jubiläumsfeier gedacht – und im Gegensatz zu den meisten bisherigen Stories der neu gestarteten Serie sogar halbwegs gelungen.

Auch sie beginnt mit einem Elseworlds-Szenario: Gotham City ist nazu befreit von Verbrechen. Batman, der ein graues Kostüm trägt, ist tagsüber unterwegs und hilft zusammen mit Catbird (Selina Kyle, seiner Frau) den Ordnungskräften bei Unfällen und Bränden. Oswald Cobblepot ist Bürgermeister und Black-Mask-Anführer Sionis ist Police Commissioner. Aber Batman ahnt sehr schnell, dass hier etwas nicht stimmt und findet heraus, dass die Utopie nur eine Illusion ist.

Gute Idee, schwach realisiert

Bevor jetzt Leser „Spoiler!“ schreien, sei entwarnt: man erfährt es früh. Zu früh. Wieder mal schafft es Autor Jason Fabok nicht, Spannung zu erzeugen und Batman ein bisschen länger Detektiv spielen zu lassen. Nein, der Held hat alles sofort geblickt und lässt die Blase platzen. Das ist schade, man hätte mehr mit dem Verwischen von Phantasie und Wirklichkeit spielen können. Aber dafür interessiert sich Fabok nicht. Stattdessen schickt er Batman nach Arkham, wo wir ihn zwar (schon wieder) in Zwangsjacke sehen, aber immer noch mit Maske und Kostüm (Erklärung: um die Geheimidentität schert sich keiner). Ärgerlich ist auch, dass ein paar potenzielle Actionszenen ausgespart werden und die Erzählung – wie in den Ausgaben zuvor – unnötig hin- und herspringt. Außerdem kommt Zeichner Aaron Lopresti nicht an das Niveau von John Layman heran, zu plump und cartoonhaft wirken seine Figuren (vor allem bei Scarecrows Maske). Entschädigt wird der Leser durch ein großes Schurkenaufgebot und immerhin eine interessante Grundidee.

Ansonsten bietet der Band noch zweierlei: einen enttäuschend schwachen Abschluss der Man-Bat-Story, die in früheren Ausgaben breitgewalzt wurde, sowie ein nachgereichtes Kapitel der Storyline Zero Year. In letzterer geht es um Gordons Kampf gegen die Korruption bei der Polizei. Das ist ganz ordentlich geraten und funktioniert gut als Ergänzung zu Batmans Entstehungsgeschichte. Endlich mal ein Detective Comics-Band, der Zeit und Geld wert ist.

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Zero Year: Noch mal von Null an

DC Comics

Titel: Zero Year – Secret City/(Savage City)/Dark City (dt. Jahr Null – Die geheime Stadt/Die dunkle Stadt)

Autor/Zeichner: Scott Snyder/Greg Capullo u.a.

Erschienen: 2013-2014 (Batman #21-24, #25-27, #29-33 (The New 52)); dt. Panini (Batman #27-34), Paperbacks 2015/2016


 „The city lets me be anyone I want.“ (Bruce Wayne)

Besser spät als nie: Nach dem Reboot des DC-Universums musste auch Batman eine neue Entstehungsgeschichte bekommen. Autor Scott Snyder hat sich Zeit gelassen, erst mal ein Mega-Epos wie Court/City of Owls hingelegt, dann eine solide Joker-Story erzählt und erst für die dritte große Geschichte seinen Batman-Origin aufgespart. Zero Year heißt sie – und der Name ist nicht nur eine Reminiszenz an Millers Year One, sondern steht auch für eine neue Zeitrechnung für Gotham.

Red Hood von Greg Capullo (DC Comics)

Snyder hat einen anderen Ansatz als Miller. Er lässt Wayne als Verbrechensbekämpfer nicht klein anfangen, sondern geht gleich in die Vollen: Zu Beginn sehen wir einen Mann der vielen Masken, der gegen die Red Hood Gang kämpft. Diese hat es in sich, hat – ähnlich wie der Rat der Eulen – die Stadtgesellschaft infiltriert und erpresst normale Menschen dazu, als Verbrecher zu arbeiten. Gleichzeitig weiß der Leser, dass der Anführer der Gang später – nach einem Bad in Chemikalien – als Joker wiederkehren wird.

Ein Anti-Year One

Auffälligster Unterschied zu allen bisherigen Origins ist der Stil. Snyder schreibt im Vorwort zu seinem Script (das im ersten Band vielmehr ein Nachwort ist), dass er etwas eigenes, ein Anti-Year One habe machen wollen: „heller, dynamischer, bombastischer, mit Action, Abenteuer und einem Hauch Science-Fiction“. Und tatsächlich spielen viele Szenen bei Tageslicht, sogar mit blauem Himmel und Flauschewolken. Der junge Bruce Wayne ist ein noch größerer Draufgänger als etwa bei The Court of Owls, er flucht ständig und zeigt sogar einmal den Stinkefinger (was leider von den spießigen Amis plump zensiert wird). Wir erfahren, dass er offenbar schon als Kind gerne ausgebüchst ist, um die Stadt unsicher zu machen. Die Vorgeschichte ist allerdings nur stark zerstückelt eingestreut. Waynes erste Initiationsszene, der Mord an seinen Eltern, wird dankenswerterweise spät nachgereicht, seine Ausbildung ausgespart und in mehreren kleinen Einzelepisoden in andere Hefte ausgelagert. (Am Ende von Secret City gibt es einen „Director’s Cut“ mit drei Kurzgeschichten.)

Ansonsten tut Snyder, was er schon bei Death of the Family getan hat: er bedient sich bei der Tradition. Batmans erster Auftritt ist angelehnt an das Cover von Detective Comics #27, das Kostüm mit den lila Handschuhen erinnert an Bob Kanes ersten Entwurf, Synder zitiert auch Frank Millers Dark Knight bis hin zum „Goddamn Batman“ (eine Stelle, die im Original leider zensiert ist). Wie schon bei Miller muss Wayne auch hier als Verbrechensbekämpfer zunächst einen herben Rückschlag erleiden, bevor er auf die Idee kommt, einen anderen Ansatz in Betracht zu ziehen. Und ebenfalls wie bei Miller spricht er die heiligen Worte im Angesicht der Büste von Thomas Wayne: „Yes, father. I shall become a bat.“ Auch der Sturz des jungen Bruce in die spätere Bathöhle inklusive einer traumatisierenden Begegnung mit ihren Bewohnern ist altes Traditionsgut (vgl. Shaman). Allerdings bemüht sich Snyder nicht so akribisch darum, die Herkunft des Kostüms und der Gadgets zu erklären. Der Schwerpunkt der Story liegt auf der Herausforderung, der sich Batman stellen muss.

Gotham wird zum Niemandsland

Denn die Episode mit der Red Hood Gang ist nur der Auftakt. Snyder hat den Riddler zu Batmans erstem klassischen Oberschurken ausgewählt – und das ist kühn, weil dieser bisher nur eine Nervensäge aus der zweiten Reihe gewesen war. Die Zeit dürfte vorbei sein: Edward Nygma ist ein größenwahnsinniger Klugscheißer, der die ganze Stadt terrorisiert und schließlich auch von der Außenwelt abschottet und in ein dystopisches Niemandsland verwandelt (kommt das jemandem bekannt vor?) – es beginnt das Jahr Null für Gotham. Batman muss sich mit Gordon und Lucius Fox verbünden, um dieses auch technisch begabte Genie zu bekämpfen und die Stadt zurückzuerobern. Endlich kommt der Riddler zu seinem Recht als ernstzunehmender Gegner. Und ganz nebenbei belebt Snyder auch Doctor Death als Handlanger wieder – einen der ersten Batman-Schurken aus Detective Comics #29, hier allerdings in einer monströsen Erscheinung.

Das Ganze ist ein dicker Brocken für eine „erste“ Batman-Story. Snyder kann offenbar keine Geschichten in kleinerem Maßstab mehr denken, alles muss den Helden immer an den Rand des Äußersten führen. Das Problem an diesem Verfahren ist, dass es sich schnell verbrauchen wird, weil das Extreme schwer zu überbieten ist. Aber Snyder muss – wie schon zuvor – sowohl neue als auch alte Leser bei Laune halten. Daher versucht er einen Spagat zwischen Tradition und Innovation, bietet aber statt Spektakel meist nur viel Getöse.

Die Jagd nach dem Riddler gestaltet sich zu abstrakt, zu technisch, zu theoretisch; es ist zu schwierig für den Leser, die einzelnen Probleme nachzuvollziehen, warum der Riddler so schwer aufzuspüren ist. Hier zählt vor allem die Action. Aber die lässt leider die Raffinesse der Eulen-Story vermissen. Was den Riddler motiviert, bleibt bis zum Schluss offen. Dass er schließlich so leicht zu besiegen ist und es selbst seine Roboter besser wissen, ist alles andere als überzeugend. Und dafür, dass Gotham für ein paar Monate vor die Hunde geht, wird die Zeit zu schnell abgehandelt. Das alles macht Zero Year zwar kurzweilig unterhaltsam, aber zu keinem neuen Klassiker.

Das Konzept von Snyders Stories, vielleicht von Batman-Stories überhaupt, bringt einmal Alfred auf den Punkt, als er über Batmans Rolle für die Menschen (und damit auch für die Leser) spricht:

„They want to be transported, Bruce. Transported to a world where bigger truths are at work, and anything — anything — can happen. A world where the impossible is possible. Batman can be something like that for them, Bruce. (…) Someone who defies every damn rule of logic that governs their lives.“

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Batman: Death of the Family

DC Comics/Panini

Deutscher Titel: Der Tod der Familie

Autor/Zeichner: Scott Snyder, James Tynion IV/Greg Capullo, Jock

Erschienen: 2012 (Batman #13-17, Detective Comics #16-17 (The New 52)), dt. Panini 2013 (Batman #15-19), Paperback 2015


„… the ugly truth of it, kiddies, is that deep down, beneath it all … Batman loves me more than he loves you.“ (Joker)

Er ist wieder da: Ein Jahr nachdem sich der Joker vom Dollmaker hat das Gesicht abschneiden lassen, kehrt der Clown zurück, um einen persönlichen Rachefeldzug gegen Batman und Co. zu führen. Die Geschichte beginnt stark: Kaum, dass Bullock seinem Chef Gordon von bösen Omen erzählt, die auf ein großes Unglück hinweisen, gibt es auf der Polizeiwache Stromausfall, der Joker bricht ein und während Gordon mit seinen Leuten buchstäblich im Dunkeln tappt, geht der Joker herum und bricht einzelnen Beamten das Genick. Kurz darauf geht das Licht an, Batman erscheint – und das Joker-Gesicht ist aus der Asservatenkammer verschwunden.

Was der Joker vorhat, ist lange Zeit nicht klar: Er reinszeniert seine ersten Aktionen wie die angekündigten Morde, übertrifft sich dabei selbst an Grausamkeit und Unberechenbarkeit, aber er entführt auch Alfred Pennyworth. Abgesehen von der üblichen Katz-und-Maus-Jagd, die der Joker mit Batman spielt, muss sich der Held die quälende Frage stellen, ob der Clown dessen wahre Identität kennt. Für den Joker ist das alles eine große Abrechnung mit seinem Rivalen, er will ihm vorführen, wie es wirklich um ihr Verhältnis steht und wer seine wahre Familie ist.

In der Wiederholungsfalle

Wieder einmal versteht es Autor Scott Snyder, seine Story packend zu erzählen. Schon allein die erste Seite ist großartig: Gotham in einer Regennacht, ein Lieferwagen am Steg vor dem Gotham River, die roten Lichter gehen an, er setzt zurück und fährt der Stadt entgegen, das Ortsschild spiegelt sich in der Windschutzscheibe, wir wissen nicht, wer drin sitzt – und doch ahnen wir es. Wie schon bei The Court/The City of Owls überraschen auch hier viele unerwartete Wendungen, die das Motiv des Jokers bis zuletzt offen halten. Das Finale ist ähnlich schaurig wie die Labyrinth-Sequenz bei The Court of Owls, nur dass hier Arkham zur Kulisse für den Wahnsinn wird. Zeichner Greg Capullo wird dieses Mal unterstützt von Jock, der mit seinen unruhigen Strichen schon verstörende Bilder für The Black Mirror geschaffen hat.

Bei aller Kreativität, die man von Autor Scott Snyder sonst kennt, steckt er hier jedoch in der Wiederholungsfalle: Die ganze Geschichte ist gespickt mit Zitaten der Batman-Tradition, von The Killing Joke über The Man Who Laughs (bzw. Batman #1 von 1940) bis hin zum titelgebenden A Death in the Family. Es gibt einen Auftritt als Red Hood im ACE-Chemiewerk, es gibt eine Szene an Gothams Wasserreservoir und es gibt auch eine Anspielung auf das Töten eines Rotkehlchens mit einem Breicheisen … Hier zeigt sich die Schizophrenie des Reboots: Einerseits will man Fans bedienen, andererseits Neueinsteiger gewinnen. Doch mit all den Anspielungen wird deutlich, dass ein Neubeginn nicht möglich ist, wenn 25 Jahre Comic-Geschichte vorausgesetzt werden. Dies ist kein Reboot, denn offenbar behalten die alten Geschichten nach wie vor ihre Gültigkeit. Andererseits frage ich mich, ob Fans nicht eher gelangweilt als erfreut darüber sein könnten, dass hier nichts Neues erzählt wird.

Der Joker als Spieler

Immerhin gelingt es Snyder beim Finale in Arkham, ein neues Szenario zu schaffen – auch wenn er sich im Prinzip bei Grant Morrisons Arkham Asylum (1989) bedient. Hier wie da wird Batman vom Joker in das Tollhaus geführt, begegnet der Reihe nach seinen alten Gegnern und muss sich vom Joker anhören, dass sie seine eigentliche Familie sind. Und damit rührt der Erzschurke am wichtigsten Thema: Batman braucht seine Gegner mehr als seine „Familie“. Dem Leser leuchtet das ein. Und es gibt zu bedenken, ob drei Robins und ein Batgirl wirklich nötig sind …

Snyder schafft es bei aller Wiederholung dem Joker drei neue Aspekte abzugewinnen. Erstens spielt der Joker die Rolle des Hofnarrs, der Batman die bittere Wahrheit zuträgt. Zweitens ist er ein Spieler, der das Spiel um seiner selbst Willen treibt und dem es egal ist, wer hinter Batmans Maske steckt, weil die Maske zum Spiel gehört – ebenso wie Jokers Gesicht. (Allerdings deutet das auch schon Grant Morrison an …) Drittens – und das ist das Wichtigste – erscheinen Batman und Joker nicht wie Antipoden, sondern wie Gleichgesinnte, Seelenverwandte, also wie zwei Seiten einer Medaille. Nicht nur das Symbol des zweiköpfigen Löwenbabys zeigt das, auch Harley Quinn spricht es explizit aus, als Batman im Chemietank feststeckt: „Maybe you’ll be the next one. Like I always thought you would. Maybe you’ll come back like he used to be, back then … beautiful.“ Batman als der neue Joker? Am Ende ist es sogar die ganze Bat-Familie, der der Joker wenigstens für kurze Zeit seine Fratze aufsetzt.

Ein großes Lesevergnügen

Warum sich der Joker hat sein Gesicht abschneiden lassen, bleibt jedoch bis zum Schluss offen. Vielleicht weil so das Gesicht zur Maske wird, im Gegensatz zu Batman, dessen Maske das Gesicht ist. Vielleicht ist es aber auch trivialer: Weil er der Joker ist, weil er verrückt ist – und um der furchteinflößenden Figur noch mehr Schrecken abzugewinnen. Damit am Ende nur noch ein faulender Lappen Fleisch an seinen Kopf getackert ist, den die Fliegen umkreisen. Das ist so drastisch, dass ich mich frage, wie man das noch steigern will. Aber vielleicht muss es das auch nicht. Zu kritisieren ist allerdings, dass der Joker nicht den Mitgliedern der Familie ihre Gesichter abgeschnitten hat, sondern die Tat nur inszeniert. Das erscheint angesichts seiner sonstigen Skrupellosigkeit inkonsequent. Aber offenbar wollten die Autoren so viel Grausamkeit den Helden gegenüber ihren Lesern nicht zumuten.

Trotz aller Kritik ist Death of the Family ein großes Lesevergnügen. Nur die Einbindung von Detective Comics, wo es um die Nacheiferer des Jokers geht, hätte man sich sparen können. Besser ist es, nicht der chronologischen Ordnung zu folgen, sondern den dritten Batman-Band am Stück zu lesen. Wer alle Stücke der Story haben will, dem sei zusätzlich der Sammelband Joker: Death of the Family empfohlen.

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Fledermaus gegen Eulen

DC Comics

Titel: The Court of Owls/The City of Owls (dt. Der Rat der Eulen/Die Stadt der Eulen)

Autor/Zeichner: Scott Snyder/Greg Capullo (u.a)

Erschienen: 2011-2012 (Batman #1-7, #8-12, Batman Annual #1, Detective Comics #9 (The New 52)), dt. Panini 2012-2013 (Batman #5-12), Paperbacks 2013/2014 (Bd. 1/2)


„How I love killing Waynes.“ (Talon)

Im Jahr 2011 startete DC unter dem Titel The New 52 alle seine Heft-Serien neu. Darunter auch die Batman-Serie, unter der Autorschaft von Scott Snyder. Der erste Erzählbogen ist The Court of Owls, der in das Crossover-Event The Night of Owls mündet und in The City of Owls sein Ende findet (wobei es zwischen Night und City Überschneidungen gibt). Ich konzentriere mich hier nur auf die Batman-Serie, nicht auf die Tie-ins. Es beginnt mit einem großen Aufgebot: Gleich auf der zweiten Seite sieht man eine Horde wildgewordener Schurken sich mit Batman prügeln. Fast zu viel des Guten für den Anfang.

Womit wir beim ersten Problem des Reboots wären: Zwar wollte DC mit dem Projekt von vorn beginnen und neue Leser gewinnen, aber beim Lesen dieser Story wird man das Gefühl nicht los, dass man bereits viele Jahre verpasst hat. Alle Hauptschurken sind schon da und auch die Batman-Familie ist vollständig, in einem Panel sind allein drei Figuren zu sehen, die das Robin-Kostüm tragen oder getragen haben: Dick Grayson (Nightwing), Tim Drake (ehemals Robin III, jetzt Red Robin) und Damian Wayne (Robin IV). Textkästen erklären dem Leser, wen er da vor sich hat. Bei allem Neuanfang schreckt auch Snyder nicht davor zurück, Frank Millers Initiationsszene aus Year One zu zitieren, in der eine Fledermaus durch die Fensterscheibe gekracht kommt (was ich immer noch für unglaubwürdig halte, es sei denn es ist eine kranke und besonders starke Fledermaus, was wiederum ein übles Omen wäre), sich auf die Büste von Thomas Wayne setzt und Bruce beschließt: „Yes, father, I shall become a bat.“ Selbst visuell ist das Panel Year One nachempfunden. Das ist kein Zitat mehr, das ist ein Plagiat.

Gimmick: Großmaul

Dennoch gibt es Neuerungen. Dieser Batman ist hochtechnisiert: Seine Kontaktlinsen können Lippenlesen und in Schriftsprache übersetzen, eine Laserabtastung im Leichenschauhaus erspart Batman die Anreise und in der Bathöhle hat er eine Art Iron Man-Rüstung, die sehr an die aus The Dark Knight Returns erinnert. Natürlich ist auch Batman selbst schlauer denn je, er kann sogar am Geschmack des Wassers erkennen, im welchen Teil Gothams er sich befindet und aus welcher Art Marmor das Becken besteht. (Das ist so übertrieben wie amüsant.) Das wichtigste neue Gimmick ist, dass Batman in jeder noch so brenzligen Situation den passenden Spruch parat hat. So viel Großmäuligkeit war bisher selten.

Die Story selbst ist ebenso kreativ wie mitreißend: Ein Killer namens Talon treibt sein Unwesen, verkleidet wie eine Eule. Er gehört dem Rat der Eulen an, einem Geheimbund von Maskierten, der die ganze Stadt infiltriert hat und seit Jahren eine Fehde mit der Familie Wayne austrägt. Es gibt ein Attentat auf Bruce Wayne, später muss auch Batman gegen Talon kämpfen – wobei sich herausstellt, dass der Gegner sich auch vom Tod nicht aufhalten lässt. Snyder lässt sich Zeit, was der Story gut tut. Er beginnt seine Kapitel oft mit Reflexionen über Gotham City, so führt er seine Leser in die Atmosphäre, Geschichte und Mythologie der Stadt ein.

Überraschende Einfälle

Das größte Lob gebührt dem Autor, weil er es versteht, mit einer Reihe guter Einfälle zu überraschen. Zu den Höhepunkten gehört Batmans Gefangenschaft in einem unterirdischen Labyrinth. Der Held wird an die Grenzen seiner physischen und geistigen Kräfte gebracht, Horrorvisionen treiben ihn um. Diese zermürbende Episode hinterlässt einen starken Eindruck. Ebenso bemerkenswert, weil sehr spannend, ist der Überfall der Talons auf Wayne Manor, bei dem sich Batman sehr erfindungsreich erweist und auch Alfred eine große Rolle spielt. Bei allen Ideen, die Snyder hier auffährt, bleiben einige Plot-Holes: Schwer nachzuvollziehen ist es, wie Bruce Wayne den Sturz von einem Hochhaus und wie Batman einen Dolch in den Bauch überleben können. Da hat Snyder ein wenig zu oft den Gott aus der Maschine bemüht.

Die Schwächen der Story machen die großartigen Zeichnungen von Greg Capullo wieder wett: dynamisch und expressiv fangen sie perfekt die beklemmende Stimmung ein, die von den Eulen ausgeht. Besonders in den Covern beweist sich Zeichner als wahrer Künstler.

Batman #6 (The New 52)

Batman #6 (The New 52)

Nach Batman #8 fasert die Geschichte in die Nebenschauplätze aus: Nightwing, Robin, Batgirl und Co. prügeln sich mit den Talons durch Gotham (Night of the Owls). Das kann lesen, wer Lust dazu hat – oder es getrost lassen. Es reicht, bei der Hauptreihe zu bleiben. Etwas ärgerlich ist nur, dass eine Episode, nämlich die in Arkham, in Detective Comics #9 spielt. In Batman #9 entsteht dadurch ein offensichtliches Plot-Hole, wenn Batman ankündigt erst nach Arkham, dann zum Bürgermeisterkandidaten zu fahren und plötzlich bei letzterem angekommen ist. Das ist ein klarer Hinweis: Wen’s interessiert, kaufe sich das andere Heft! Aber es lässt im Erzählfluss eine ärgerliche Lücke und zwingt beim Lesen einen unnötigen Sprung zurück zu machen.

Leider wirkt die ohnehin komplexe Story mit ihrem ausführlichen Hintergrund über Gotham und die Familie Wayne etwas überladen. Die Episode, in der Bruce als Kind sein zweites Trauma erlebt, weil er auf der Suche nach dem Rat der Eulen auf einem Dachboden eingesperrt wird, hätte man sich sparen können. Am Ende erinnert die Story das den Schluss des Films Psycho: Es wird erklärt, dann ein bisschen mehr erklärt und dann noch ein bisschen mehr erklärt. Das Problem an diesem Verfahren ist, dass dadurch Mysterien zerstört werden. Ein langes Kapitel ist ausschließlich der Vorgeschichte gewidmet, immerhin ist sie interessant, da von Alfreds Vater erzählt.

Dennoch: Die erste große Batman-Erzählung nach dem Reboot ist ein lohnendes Lesevergnügen für alle mit einem langen Atem – oder einfach für Freunde großer Epen. Die beiden letzten beiden Anhängsel ergänzen die Handlung nur minimal. Während „Ghost in the Machine“ (Batman #12), eine Story um eine junge Elektrikerin, die Batman helfen will, gänzlich überflüssig ist, ist „First Snow“ (Batman Annual #1) vor allem interessant, weil sie eine neue Entstehungsgeschichte von Mr. Freeze  erzählt und ihm dabei einige neue Seiten abgewinnt. So eine Story rechtfertigt den Reboot von The New 52.

>> Batman 2011-2019


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