Pinguin

Der Pinguin (Penguin), Oswald Chesterfield Cobblepot, hatte seinen ersten Auftritt in Detective Comics #58, 1941. Neben dem Joker gehört er zu den am häufigsten verwendeten Batman-Schurken des Golden Age.

Nah dran ist auch vorbei

Batman: Almost Got'im

Titel: Almost Got ’Im (dt. Fast erwischt)

Regie/Autor: Eric Radomski/Paul Dini

Erschienen: 1992 (Batman: The Animated Series, S01E46)


 „Einer von uns hätte ihn inzwischen erledigen müssen.“ (Killer Croc)

Eine Pokerrunde unter Schurken: Joker, Two-Face, Pinguin, Killer Croc – allesamt auf der Flucht vor dem Gesetz und Batman. Man tauscht Theorien über den gemeinsamen Erzfeind aus. Two-Face glaubt, es gebe mehr als einen Batman, Killer Croc geht von einem Roboter aus etc. Als Poison Ivy hinzukommt, prahlt jeder damit, Batman beinahe erledigt zu haben. Jeder will am dichtesten dran gewesen sein. Und so erzählt jeder seine Geschichte.

Batman: Almost Got'im

Egal, wer die beste Story erzählt, die Folge ist auf jeden Fall eine der besten der Serie: Das Schurkenaufgebot sorgt für Abwechslung und Humor, am Ende gibt es eine überraschende Wendung. Mehr kann man nicht erwarten. (Nebenbei erfährt man übrigens, wie Batman zu seinem Riesen-Penny gekommen ist.)

Inspiriert wurde die Episode von dem Vierteiler Where Were You On The Night Batman Was Killed? (Batman #291-294, 1977).

>> Batman: The Animated Series

Haunted Knight: Heimsuchungen an Halloween

Batman: Haunted Knight

Titel: Haunted Knight (dt. Nacht des Schreckens; Einzelausgaben: Halloween in Gotham City, Irrsinn, Geister)

Autor/Zeichner: Jeph Loeb/Tim Sale

Erschienen: 1993/1994/1995 (Legends of the Dark Knight Halloween Specials), Paperback 1996


„It’s just the thing for a rainy day …“ (Martha Wayne)

Bevor Jeph Loeb und Tim Sale ihr 13-teiliges Epos The Long Halloween schufen und damit zum Batman-Dream-Team der 90er wurden, verdienten sie sich mit drei Halloween-Specials für Legends of the Dark Knight ihre Sporen: Fears, Madness und Ghosts. Gesammelt bilden sie den Band Haunted Knight. Schon hier beweisen sie sich als Meister des sequentiellen Erzählens: Stimmungsvolle Spiele mit Licht und Schatten wie beim Film Noir (wobei der Schatten überwiegt), dynamische Figuren, dramatische Splashpages zum Einrahmen, Anleihen beim Surrealismus. Hoffnungslos verloren wirkt Batman, wenn er im Sturz von Krähen angegriffen wird, wenn in einem schier endlosen Irrgarten seine Kräfte versagen oder angeschossen in Pieta-Stellung in der Gosse liegt.

Im Zentrum stehen nicht die Kämpfe gegen die Schurken Scarecrow, Mad Hatter und Pinguin. Sie bilden nur die Anlässe für Batmans eigene Vergangenheitsbewältigung. Loeb und Sale zeigen einen persönlichen und verletzlichen jungen Helden, der noch am Anfang steht und sich den Dämonen stellen muss, die ihn seit der Kindheit plagen. Besonders deutlich wird das in der dritten Erzählung, die Dickens Weihnachtsgeschichte an den Abend vor Halloween verlegt: Drei Geister suchen Bruce Wayne auf (in der Gestalt von Poison Ivy, Joker und dem Tod) und führen ihm vor Augen, dass er sich nicht damit begnügen kann, sich hinter der Maske von Batman zu verstecken, sondern auch ein Leben als Bruce Wayne braucht – und als dieser angewiesen auf Gesellschaft ist. So sehen wir nicht nur Episoden aus Bruce Waynes Kindheit und seiner Vorliebe für Zorro und Perlen, sondern auch als Erwachsenen in intimen Situationen, wenn er etwa wie ein Junge am Fenster hockt und Alice im Wunderland liest oder Süßigkeiten an Kinder verteilt.

Seit Frank Miller hat niemand Batman so eindrucksvoll inszeniert wie Loeb und Sale. Dieses Buch gehört in jede Sammlung von Freunden wahrer Comic-Kunst. Es ist die perfekte Lektüre für regnerische (Herbst-)Tage.

Strange Apparitions: Kein Patent für Joker

Batman: Strange Apparitions

Titel: Strange Apparitions

Autor/Zeichner: Steve Englehart, Len Wein/Marshall Rogers, Walt Simonson

Erschienen: 1977/1978 (Detective Comics #469-479), Paperback 1999; dt. Panini 2012 (Batman Collection: Marshall Rogers), Eaglemoss Collection 2015 (Im Zeichen des Jokers)


„But the fish share my unique face! If colonel what’s-his-name can have chickens, when they don’t even have mustaches –!“ (Joker)

Obwohl die Geschichte unter einem Titel zusammengefasst wurde und ein linearer Zusammenhang besteht, ist es schwer, hier von einer Story zu sprechen. Im Grunde sind es sechs Geschichten, die aufeinander folgen. Batman begegnet einem radioaktiven Glühwürmchen namens Dr. Phosphorus, dann Hugo Strange, dem Pinguin, Deadshot, Joker und Clayface. Den roten Faden bilden Nebenhandlungen mit Rupert Thorne, der Batman aus der Stadt haben will, sowie Bruce Waynes Liebschaft mit Silver St. Cloud. Aber ein Spannungsbogen ergibt sich nicht.

Die meisten dieser Geschichten mögen für die späten 70er vielleicht was hergegeben haben, aus heutiger Sicht sind sie altbackene Standardware. Vor allem die Erzählung, in der der Joker, Fische zum Lächeln bringt (The Laughing Fish), um sie patentieren zu lassen, hat zwar einen ungewöhnlichen Ausgangspunkt, ist aber sonst ziemlich schwach, vor allem, weil sie sich zu sehr bei der ersten Joker-Story in Batman #1 bedient.

Die interessanteste Geschichte ist die um Hugo Strange. Der kommt nämlich zufällig hinter Batmans Geheimidentität, nimmt dessen Position als Bruce Wayne ein, um ihn auszunehmen und zu ruinieren, und veranstaltet eine Auktion, bei der er den Namen an den meistbietenden Schurken zu versteigern versucht. Wie man sich denken kann, wird das Schlimmste verhindert. Dafür gibt es aber eine Frau, Silver St. Cloud, die ebenfalls eins und eins zusammenzählt und herausfindet, dass der Mann den sie liebt, nachts gerne Verbrecher verprügelt. Die Schlussfolgerung daraus kann nur eine Tragische sein: Die Beziehung zerfällt.

Die filigranen Zeichnungen von Marshall Rogers entschädigen für die Kritzeleien eines Walt Simonson und das insgesamt mäßige Storytelling. Aber vielleicht muss man diese 70er-Jahre-Geschichten auch mit anderen Augen sehen. Immerhin gelten sie als einflussreiche Klassiker. (In den 80ern diente Strange Apparitions zunächst als Vorlage für das Drehbuch des geplanten Batman-Films, der erst 1989 von Tim Burton realisiert wurde – allerdings mit einem ganz anderem Script.)

Zwei der Storys wurden für Episoden der Animated Series wiederverwendet. Die Grundidee der Hugo Strange-Story wurde in „The Strange Secret of Bruce Wayne“ (S01E37) aufgegriffen; dort bieten Joker, Two-Face und Pinguin um ein Videoband, auf dem Strange Bruce’s Trauma aufgezeichnet hat.

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In „The Laughing Fish“ (S01E34) erzählt Paul Dini die Joker-Story neu, wobei er sich zwar überwiegend an die Vorlage hält (zum Teil sogar wörtlich), er aber ein wesentlich spannenderes Finale mit einem Haifisch-Kampf erzählt (der ist „The Joker’s Five-Way-Revenge“ entlehnt). Vor dem Hintergrund der lachenden Fische allerdings erscheint die später in Mad Love zum Tragen kommende Idee mit den grinsenden Pyranhas wie ein Abklatsch … (wenn auch ein guter!)

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(Dieser Artikel wurde am 6.11.2017 überarbeitet und aktualisiert.)

>> Batman 1970-1979

Sauberer Bulle, dreckige Stadt

Gotham

Gotham ist eine Batman-Serie ohne Batman. Im Mittelpunkt steht die Anfangszeit des Polizisten James Gordon, der versucht, den Mord an der Familie Wayne aufzuklären. Nebenbei erfährt man die Entstehungsgeschichten von Batmans Schurken. Das ist reißerisch, unterhaltsam, aber nicht zwingend sehenswert.

Die Vorgeschichte ist ein zweischneidiges Schwert. Zum einen ist es hilfreich, eine zu erzählen, wenn man den Charakteren Tiefe verleihen will. Doch während man die Motive erklärt, läuft man Gefahr, in küchenpsychologische Klischees zu verfallen: schlimme Kindheit – böse Taten etc. Zum anderen erlaubt das Erzählen von Vorgeschichten, die Abenteuer beliebter Figuren fortzusetzen, aber dabei läuft man Gefahr, sich auf den Vorläufern auszuruhen und nichts anderes zu bieten, als das, was man erwartet. Und jeder weiß, dass es interessanter ist, zu erzählen „Darth Vader ist Anakin Skywalker“ als „Anakin Skywalker wird Darth Vader“.

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Feindliche Übernahme

Detective Comics: Emperor Penguin

Titel: Emperor Penguin (Detective Comics Vol. 3 (The New 52)), (dt. Der Herrscher von Gotham)

Autor/Zeichner: John Layman/Jason Fabok (u.a.)

Erschienen: 2012-2013 (Detective Comics #13-18), Hardcover 2013; dt. Panini 2014 (Paperback, enthält Detective Comics #13-17)


Seit dem Reboot bei DC hat es einige Personalwechsel gegeben: Nach dem ersten Detective Comics Annual hat Autor und Zeichner Tony Daniel die Serie verlassen, um bei Action Comics auszuhelfen. Ab Ausgabe 13 hat John Layman die Autorschaft übernommen, Jason Fabok die Zeichnungen. Um einen Führungswechsel geht es auch in der ersten Storyline des neuen Teams: Der Pinguin wird von einem seiner Handlanger ausgebootet. Nun nennt sich irgendein dahergelaufener B-Gauner „Emperor Penguin“, obwohl er überhaupt nichts von einem flugunfähigen Wasservogel hat.

Aber eins nach dem anderen: Gleich zu Beginn beweist Layman Humor, indem er Batman darüber sinnieren lässt, dass er sich nicht schlecht fühlen müsse, wenn er nachts Menschen die Zähne ausschlage und die Beine breche. Immerhin hat er als Bruce Wayne beachtliche Summen für Chirurgen gespendet. Leider macht die Story den schönen Einstand mit fehlender Logik zunichte. Der Pinguin gibt einen Mord an Bruce Wayne in Auftrag, weil er die Kinderabteilung eines Krankenhauses nach seiner eigenen Mutter statt nach Martha Wayne benennen möchte. Das ist doch arg übertrieben angesichts eines Problems, das der Pinguin mit einem Koffer voll Geld löst. Dieser Gedanke kommt ihm dann auch, nur ist es dann für einen Rückruf zu spät und Bruce Wayne muss selbst gegen die Attentäter kämpfen. Einem klugen Kopf wie dem Pinguin wäre so ein Humbug sonst nicht zuzutrauen.

Im weiteren Verlauf sehen wir Poison Ivy, die Ökoterrorismus gegen den Pinguin betreibt und nebenbei Clayface das Herz bricht. Dann wird die Story unterbrochen von einem Einschub im Rahmen von Death of the Family. Dabei wird deutlich, dass der Joker viele Nachahmer hat, die in verschiedenen Banden durch die Stadt ziehen und in seinem Namen Verbrechen begehen. Der Abschluss des ersten Bandes kommt abrupt: Der Handlanger Ogilvy, der den roten Faden dieser Geschichte bildet, übernimmt plötzlich die Herrschaft, sperrt seinen Arbeitgeber aus und sorgt durch eine Intrige dafür, dass er festgenommen wird. Auch wenn man diesen neuen Kerl ständig gegen den Pinguin intrigieren sieht, scheint die Machtübernahme zu einfach zu gehen.

Zu loben ist Jason Faboks realistischer, klarer Zeichenstil, der seinen Figuren sehr lebendig erscheinen lässt. Bereits bei Mr. Freeze’s Entstehungsgeschichte im Batman Annual #1 ist Fabok positiv aufgefallen. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger, Tony Daniel, könnte man seine Striche auch als etwas zu brav tadeln.

>> Batman 2011-2019