Jim Aparo

Die große Batman-Kostümparade

DC Comics

DC Comics

Titel: Brotherhood of the Bat

Autor/Zeichner: Doug Moench/Jim Aparo, Norm Breyfogle, Graham Nolan u.a.

Erschienen: 1995 (One-shot)


„In future, I swear to you … I shall do better.“ (Batman/Tallant)

Mehr als 50 Jahre in der Zukunft ist der Großteil der Weltbevölkerung von einem Virus ausgerottet. Batman ist tot, die Menschheit versinkt in Anarchie. Ra’s al Ghul hat triumphiert. Um die Ordnung wieder herzustellen, lässt er sich von seinem größten Gegner inspirieren und macht aus seinen besten Schergen die „Brotherhood of the Bat“, eine nach Batmans verworfenen Kostümideen gekleidete Eingreiftruppe, die durch die Straßen Gothams zieht und die Übeltäter unschädlich macht. Ein junger Mann, Tallant, der Sohn von Bruce Wayne, tritt das Erbe seines Vaters an, infiltriert Ra’s Bande und schaltet in alter Rambo-Manier einen falschen Batman nach dem anderen aus. Am Ende kommt es zum unvermeidlichen Duell mit dem Obermacker.

Interessant an dieser 08/15-Story ist zwar, dass hier das Szenario durchgespielt wird, was wäre, wenn Ra’s Erfolg hätte. Aber viel wird daraus nicht gemacht. Der einzige Reiz besteht in der Vielfalt der zum Teil ausgefallenen Batman-Kostüme und dass man dadurch Batman gegen Batman kämpfen sieht. Verschiedene Batmobile bedienen die Nostalgie der Fans. Zu diesem besonderen Anlass haben mehrere Zeichner an diesem Comic mitgewirkt, aber grafisch bleibt es doch nur Durchschnitt – ebenso wie die Dialoge.

Brotherhood of the Bat wurde später im Zweiteiler League of Batmen fortgesetzt. Die Idee, dass Batman einen Sohn mit Talia hat, wurde mit Batman and Son in die Haupt-Continuity integriert.

>> Liste der Batman-Elseworlds-Comics

James Gordon: Vom Pfadfinder zum Al Capone

James Gordon (Teil 1)

DC Comics

DC Comics

Titel: Gordon of Gotham (Gordon’s Law/GCPD/Gordon of Gotham)

Autor/Zeichner: Chuck Dixon, Dennis O’Neil/Klaus Janson, Jim Aparo, Bill Sienkiewicz, Dick Giordano

Erschienen: 2014 (Paperback), Mini-Serien: 1996, 1997, 1998


„I don’t need a knight. I need a street cop.“ (James Gordon)

„You are the police commissioner, James. You’re not supposed to be carrying a gun, let alone working cases.“ (Sarah Essen)

„I wonder sometimes if there are any good cops left. At least enough good ones to make a difference.“ (James Gordon)

James Gordon ist ein guter Polizist in einer schlechten Stadt. Insofern wirkt es widersprüchlich, dass er gemeinsame Sache mit einem Vigilanten wie Batman macht. Wie man in Year One erfährt, ist diese Beziehung nicht immer von Freundschaft geprägt gewesen – und auch später wurde sie immer wieder auf die Probe gestellt. Gordon ist für Batman so etwas wie sein erster Sidekick. Aber einer auf Augenhöhe. Man hilft sich gegenseitig, weil man das Gleiche will. Doch die Methoden sind andere. Und sie ergänzen sich. Batman und Gordon sind auf einander angewiesen: Während Batman einen Fürsprecher in der Welt des Gesetzes braucht, braucht Gordon einen, der die Regeln für ihn bricht. So kriegen beide, was sie wollen.

Doch Gordon kann auch ohne Batman – was aber nicht heißt, dass sich der Polizist immer an die Regeln hält. Deutlich wird das im Band Gordon of Gotham. Darin werden drei Mini-Serien aus den 90ern versammelt, die den Kampf gegen das Verbrechen in Gotham von der Seite der Polizei her zeigen (später wurde das mit der Serie Gotham Central wiederholt). Zwei der Storys konzentrieren sich auf die Titelfigur, während eine von den Nebenfiguren wie Harvey Bullock und Renee Montoya handelt. Der dunkle Ritter tritt hier bloß als Randfigur auf. Eine Batman-Story so ganz ohne Batman geht nicht.

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Ein Beben geht durch Gotham

DC Comics

Titel: Cataclysm (dt. Inferno)/Aftershock (dt. Nachbeben)

Autor/Zeichner: Alan Grant, Doug Moench, Chuck Dixon u.a./Jim Aparo, Klaus Janson u.a.

Erschienen: 1998 (18-teilig in mehreren Serien und One-Shots), dt. Dino 1999-2000 (Batman #40-46, Batman Special #9-11, Batman präsentiert #1-2)


„It’s never easy to find inner strength and peace, even when the outer world is relatively stable…the destruction of physical reality always does spiritual damage.“ (Bruce Wayne)

„… there’s little I can do against disease and natural disasters. A lost cause can become a fool’s errand. I’m still only human. I did what was humanly possible. I hope you don’t think I’ve failed in my promise.“ (Batman)

Nach der Seuche kommt das Erdbeben. Gotham wird zerstört, es herrschen Tod, Chaos und Verbrechen. Ein gewisser Quakemaster bekennt sich, die Katastrophe verursacht zu haben und erpresst die Stadt. Die Frage ist nicht, ob er es wirklich war, denn umgehen müssen Batman und seine Verbündeten so oder so mit einer kaum zu bewältigenden Herausforderung. Batman verzweifelt an dem Verfall seiner Stadt und dem Massentod seiner Bewohner, vor allem aber an der Tatsache, dass er niemandem die Schuld an dem Unglück geben kann. Er kämpft an allen Fronten – aber es gibt keinen Gegner, den man verprügeln und einbuchten könnte. Das mag zwar das alte Batman-Schurken-Schema durchbrechen, indem es dem Helden neue Seiten und Leidenswege eröffnet, aber es funktioniert nur schleppend.

Ein One-shot ist Arkham Asylum gewidmet, einer dem Blackgate-Gefängnis, doch nichts davon ist der Aufmerksamkeit wert. Die Blackgate-Episode ist Mittelmaß, Arkham sogar deutlich darunter. Die Insassen der Irrenanstalt brechen aus und erzählen sich Geschichten – ganz in der Tradition von Boccaccios Dekameron, aber keine davon hat das Zeug zum Klassiker.

DC Comics

Der Erzählzyklus Aftershock ist so etwas wie ein langer Durchhänger – für Batman wie für seine Leser. Es gibt keinen Handlungsbogen, vielmehr eine Reihe von Kurzgeschichten über das Elend in Gotham, Arbeitslose, Obdachlose, Plünderer. Hin und wieder erscheinen ein paar der üblichen Verdächtigen (Mr. Freeze, Clayface, Mad Hatter, Joker) – allerdings nur, um gleich wieder zu verschwinden. Oft tritt die Sache auf der Stelle, es gibt Ausgaben, in denen nur lamentiert wird: wie schlimm alles ist und wie schön es früher war. In Batman #558 sieht man einen verzweifelten Batman, der seinen Butler umarmt und sagt: „Hilf mir, Alfred! Ich brauche Kraft! Ich komme einfach nicht mit dem Tod zurecht, alter Freund. Das kam ich noch nie. Er … zerreißt mich.“ Mehr Emo geht nicht.

Vielleicht muss die Geschichte so sein: Eine ermüdende Durststrecke. Es gibt darunter jedoch einige narrative Lichtblicke. Vor allem die Storys, die Alan Grant für Shadow of the Bat geschrieben hat, stechen in ihrer Qualität heraus. Etwa #76 (Dino: Batman #43), in der erzählt wird, wie eingeschlossene Menschen zu Kannibalen werden, oder #77 (Dino: Batman #44), wo ein Professor eine Klasse voller toter Studenten über Darwinismus unterrichtet und Batman dabei Teil eines Experiments wird. Leider muss Grant am Ende, für alle, die es nicht verstanden haben, die Moral wiederholen: „Vielleicht irrte sich Darwin doch. Nicht der Stärkste überlebt … Auch nicht der mit dem meisten Glück. … Sondern der, der nicht aufgibt!“

Die Geschichten leiten über zum größeren Event, dem No Man’s Land (dt. Niemandsland). Und genauso lesen sie sich auch: Wie Lückenbüßer.

Mehr zum Thema:

Warum Batman einen Robin braucht

Batman: A Lonely Place of Dying

Titel: A Lonely Place of Dying

Autor/Zeichner: Marv Wolfman, George Pérez/Jim Aparo

Erschienen: 1989 (Batman #440-442, The New Titans #60-61) Paperback 1990, 2011 (A Death in the Family), 2019 (Batman: The Caped Crusader Vol. 2)


 „Batman and Robin. Maybe they have to be a team. Though sometimes I think I may have created a Frankenstein.“ (Bruce Wayne)

Nach dem Tod von Robin II (Jason Todd) ist Batman nachlässig geworden: er bringt sich selbst unnötig in Gefahr, verletzt sich zunehmend und ist auch sonst eine traurige Erscheinung. Da kommt ein unbekannter 13-Jähriger daher, Tim Drake, der Batman und Robin beobachtet hat, ihr Geheimnis kennt und nun darauf aus ist, den ersten Robin (Dick Grayson), der nunmehr als Nightwing unterwegs ist, dazu zu bringen, wieder Robin zu werden. In der Zwischenzeit versuchen Batman und Two-Face, einander dranzukriegen, indem sie sich gegenseitig Fallen stellen.

Dieser Teil der Story wirkt bemüht konstruiert: Die Doppelstruktur der Erzählung wird in parallel angeordneten Panelreihen enggeführt. Zudem wird Two-Faces Zweier-Manie überstrapaziert – bis hin zu der aufs Auge gedrückten Botschaft, dass auch Batman eine Art Sekundanten braucht. Der Robin-Nightwing-Teil nimmt unnötigerweise einen Umweg über die (lahmen) Titans, wir sehen Dick Grayson dabei zu, wie er einen Mord in seinem ehemaligen Zirkus aufklärt und die Institution vor der Pleite rettet. Und dann gibt es da noch den jungen Tim Drake, der einen wieder daran erinnert, warum er später so nervt. Er ist ein kleiner Klugscheißer, der altkluge, pathetische Reden schwingt und sich in Dinge einmischt, die ihn nichts angehen. Drake ist nicht nur der Robin-Nachfolger, er ist auch derjenige, der erklärt, warum Batman einen Robin braucht – wodurch er sich selbst Legitimation verleiht: „He needs Robin. He needs him to remember what he used to be. Before his parents died.“

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Aber eigentlich ist die Begründung egal. Ob man ihn mag oder nicht: Batman braucht einen Robin. Warum? Weil das 1940 so beschlossen wurde und er seitdem (für viele Fans) nicht mehr aus dem Kanon wegzudenken ist. „Das war schon immer so“, ist keine plausible Erklärung, aber eine, die man hinnehmen muss. Dennoch wirkt es plump, wie penetrant sich dieser Tim Drake geradezu in diese Rolle drängt. Und natürlich knickt Batman ein. Bei Robin wird er stets schwach. Ja, vielleicht ist das die wahre Funktion von Robin: Der Sidekick steht für Batmans Schwäche, für all die Fälle, in denen er es alleine nicht bringt.

Vielleicht aber auch ist etwas an dem Satz dran, den Two-Face sagt: „… there are priorities. There are procedures! Without procedure there is anarchy, systems fall apart.“

(Hinweis: Dieser Artikel wurde zuletzt am 27.2.2024 aktualisiert.)

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Batman gegen KGBeast

Batman: Ten Nights of the Beast

Titel: Ten Nights of the Beast

Autor/Zeichner: Jim Starlin/Jim Aparo

Erschienen: 1988 (Batman #417-420), Paperback 1994


 „I’m not in this business to protect the rules. I serve justice.“ (Batman)

Beast, ein russischer KGB-Super-Agent der Spezialeinheit The Hammer, treibt in Gotham sein Unwesen auf eigene Faust. Sein Ziel: Das US-Atomwaffen-Programm zu schwächen, indem er die Beteiligten beseitigt. Zehn Namen stehen auf seiner Liste, die ersten sind schon tot und Batman versucht mit der Polizei zu verhindern, dass es nicht mehr werden. Aber Beast – oder auch KGBeast – ist nicht nur ein starker, sondern auch ein ausgefuchster Gegner.

Kommt uns das Prinzip bekannt vor? Ja, es ist mal wieder ein Aufguss der Einer-nach-dem-anderen-Serienmord-mit-Ankündigung-Story, die wir vom Joker aus Batman #1 kennen (bzw. aus der Neufassung The Man Who Laughs), nur eben in einem neuen Gewand. Da KGBeast, eine Art Vorläufer Banes, äußerst einfallsreich bei der Ausführung seiner Morde ist (manchmal zu einfallsreich), kommt es zu einigen spannenden Konfrontationen mit Batman, der alle Hände voll zu tun hat, Schadensbegrenzung zu betreiben. Zum Schluss ist sogar Präsident Ronald Reagan in Gefahr.

Die pfiffigste Überraschung, die Batman zu bieten hat, kommt am Ende, als er KGBeast einen Endkampf verweigert und ihn einfach hinter einer stählernen Tür einschließt. „There’s no reason for me to risk my life, coming in there after you“, sagt er. Manchmal muss man auch die Chance ergreifen, wenn man einen Kampf vermeiden kann.

>> Batman 1990-1999

Das Rotkehlchen und die Brechstange

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Titel: A Death in the Family (dt. Ein Tod in der Familie/Ein Todesfall in der Familie)

Autor/Zeichner: Jim Starlin/Jim Aparo

Erschienen: Batman #426-429 (1988-1989), Paperback 2011 (enthält auch A Lonely Place of Dying), dt. Panini 2010/2019


Diese Geschichte ist so berühmt, dass man nicht über sie sprechen kann, ohne den Spoiler vorwegzunehmen. Bereits das Cover zeigt es: Robin II, alias Jason Todd, stirbt – vom Joker mit einer Brechstange totgeschlagen. Eine unerhörte Begebenheit, vor allem weil sie auf unorthodoxe Weise zustande kam. Denn die Mörder waren die Leser. Sie durften in einer Telefonumfrage abstimmen, ob Jason die Prügel mit der Brechstange und eine anschließende Explosion überleben würde oder nicht. Die Figur galt als unbeliebt, doch das Ergebnis war knapp: Etwas mehr als die Hälfte der rund 10.000 Teilnehmer verhängte das Todesurteil. (Was die Autoren nicht davon abhielt, Jason später wiederzubeleben. Ich frage mich nur, welchen Sinn der Titel gehabt hätte, falls Robin überlebt hätte.)

Doch das Buch zu lesen, macht keinen Spaß – es sei denn, man macht sich darüber lustig. Anlass genug gibt es. Jim Starlin erzählt eine hanebüchene Geschichte, in der einerseits Jason Todd seine echte Mutter sucht und andererseits der Joker versucht, eine Atomrakete an arabische Terroristen zu verkaufen. Das sind schon mal zwei Plots, die wenig miteinander zu tun haben. Dennoch: Zufällig führen beide Wege in den Libanon. Doch damit nicht genug der Zufälle: Eine der potenziellen Mütter ist CIA-Agentin, eine andere eine Schurkin, die dritte dreht krumme Dinger als Entwicklungshelferin in Äthiopien und ist Handelspartnerin vom Joker.

Den Gipfel der Dummheit erreicht die Story, als der Iran den Joker – einen weltbekannten Massenmörder – zu seinem Diplomaten ernennt und der Joker die Gelegenheit nutzt, um alle Vertreter der Vereinten Missionen zu töten. Das Ganze ist pathetisch, arg konstruiert, unglaubwürdig und lächerlich. (Besonders peinlich, wenn der Joker seinen iranischen Mitstreiter einen Araber nennt.) Dieser Todesfall in der Familie ist keine Träne wert. Der einzige Grund, weshalb diese Story als eine der wichtigsten gehandelt wird, liegt in seiner Bedeutung für die Batman-Historie und den Kanon. Ansonsten ist sie entbehrlich.

(Warum IGN diesen Schmarrn in seine Top 25 aufgenommen hat, ist mir schleierhaft.)

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