Comic

Catwoman auf Waffenjagd

DC Comics

Titel: Batman and Catwoman: Trail of the Gun

Autorin/Zeichner: Ann Nocenti/Ethan van Sciver

Erschienen: 2004 (Zweiteiler)


In Gotham treibt ein neuer Schurke sein Unwesen: kein Mensch, kein Monster, sondern eine Superwaffe, die immer ihr Ziel trifft und garantiert tötet. Die ersten Opfer hat sie bereits gefordert. Jetzt ist nicht nur Polizei auf der Suche nach ihr, um weitere Morde oder Bandenkriege zu verhindern, auch ein Waffenhändler will sie haben, um sie nachbauen zu können – er bietet zwei Millionen Dollar Finderlohn an. Catwoman nimmt die Herausforderung an. Von Anfang an ist klar: Das wird nicht gut ausgehen – und Catwoman selbst steht unter Mordverdacht. Und dann kommt ihr Batman in die Quere und hält ihr eine Standpauke über seine Einstellung zu Schusswaffen …

Die Handlung spielt allerdings nur eine untergeordnete Rolle. Im Grunde ist Trail of the Gun ein einziger Kommentar zur Waffendiskussion in den USA. Autorin Ann Nocenti lässt verschiedene Sichtweisen aufeinandertreffen: Waffenkritiker und Lobbyisten, Hersteller und Opfer. Catwoman ergreift zunächst die Seite der Befürworter, nachdem sie erfährt, dass die Waffe für manche auf der Straße überlebensnotwendig ist. Batman zeigt ihr, dass erst die Verfügbarkeit von Schusswaffen möglich macht, dass täglich zehn Kinder durch sie sterben. Ein anderer erklärt ihr, inwiefern Waffen per se für Rassismus stehen.

Diskussion um Waffenregulierung

Das Ganze liest sich wie ein wütender Aufschrei gegen die Waffenlobby, die laschen Waffengesetze, die untätige Politik und das Verbrechen. Aus US-Sicht ist das sicher ehrenwert und notwendig, wenn auch vergeblich, weil 16 Jahre nach dem Erscheinen dieses Zweiteilers sich immer noch nichts an den Zuständen geändert hat und die Diskussion nach jedem Amoklauf immer wieder dieselbe ist. Das ist zwar auch aus europäischer Sicht ein Aufreger, aber hier stellen Waffen eben kein so großes Problem dar. Die Story wirkt aber arg konstruiert, um alle Positionen überzeichnet darzustellen und hinterher zu einer weit hergeholten Auflösung zu kommen.

Ethan van Sciver zeichnet eine altmodische Catwoman im grauen Kostüm mit großen Katzenohren und langen Schnurrbarthaaren, dazu mit langem wallenden Haar. Seine Panels sind extrem detailreich, was den Zeichnungen eine Art Überrealismus verleiht: jedes Haar, jede Falte schreit nach Aufmerksamkeit. Das ist zwar handwerklich gut gekonnt und anfangs auch beeindruckend, aber auf Dauer auch anstrengend anzuschauen. Zusammen mit der stark aufgeladenen Botschaft, mit der man auf jeder Seite konfrontiert wird, ist Trail of the Gun im privaten Comicarchiv unter G wie gut gemeint einzusortieren.

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Neues Watchmen-Spin-off: „Rorschach“

DC Comics

DC kann’s nicht lassen. Vor nicht einmal einem Jahr ging die Watchmen-Fortsetzung Doomsday Clock zu Ende. Jetzt hat der Verlag eine neue zwölfteilige Serie angekündigt: Rorschach. Starten soll sie am 13. Oktober 2020. Geschrieben wird sie von Tom King und gezeichnet von Jorge Fornés, die beide schon an der Batman-Serie zusammengearbeitet haben.

DC Comics

Die Handlung spielt 35 Jahre nach Watchmen. Rorschach ist nach seinem Tod zur Ikone geworden. Dann taucht er wieder auf, um zusammen mit einem anderen Vigilanten den Kandidaten zu ermorden, der Präsident Robert Redford ablösen soll. In der Ankündigung heißt es:

Follow one determined detective as he walks backward in time, uncovering the identities and motives of the would-be killers, taking him deep into a dark conspiracy of alien invasions, disgraced do-gooders, mystical visions, and yes, comic books.

Es ist nicht das erste Spin-off zu Rorschach. Im Jahr 2012 hat es im Rahmen der Reihe Before Watchmen eine vierteilige Rorschach-Minserie von Brian Azzarello und Lee Bermejo gegeben – und schon die wäre nicht unbedingt nötig gewesen. In Doomsday Clock hat Rorschach in Reggie Long einen Nacheiferer gefunden, der sein Vorbild missverstanden hat. Die Watchmen-Serie auf HBO hat es geschickt geschafft, das schwierige geistige Erbe dieser Figur einer Gruppe von White Supremacists anzudichten, der Seventh Kavalry.

King kündigt für seinen Comic ebenfalls einen politischen Kommentar zum Zeitgeschehen an:

„Like the HBO Watchmen show and very much like the original ‘86 Watchmen this is a very political work. It’s an angry work. We’re so angry all the time now. We have to do something with that anger. It’s called Rorschach not because of the character Rorschach, but because what you see in these characters tells you more about yourself than about them.“

King ist zwar Eisner-Preisträger, hat zuletzt aber einen zähen und bestenfalls umstrittenen Batman abgeliefert. Eine Batman/Catwoman-Serie ist angekündigt. Er hat auch Mister Miracle, The Sheriff of Babylon und Vision geschrieben.

Was auch immer der Autor mit dem Charakter macht: Watchmen-Autor Alan Moore dürfte dagegen sein. Er hält weder etwas von den Verfilmungen noch den Comics zu seinem Klassiker.

White Knight geht weiter mit Harley Quinn

DC Comics

Die deutsche Paperback-Ausgabe von Curse of the White Knight (Der Fluch des Weißen Ritters) gibt es schon im Laden (ich warte immer noch auf die englische, die erst im September herauskommt), nun hat DC Nachschub angekündigt: Am 20. Oktober 2020 startet die sechsteilige Miniserie Batman: White Knight Presents Harley Quinn. Diese spielt zwei Jahre nach den Ereignissen des „Fluchs“ und behandelt die Rolle von Harley Quinn als Mutter von Zwillingen.

Geschrieben wird die Story von Katana Collins, Ehefrau von Sean Murphy, dem Autor und Zeichner von Batman: White Knight und Curse of the White Knight. Murphy ist hier als Co-Plotter und Cover-Zeichner beteiligt. Für die Zeichnungen im Inneren wird Matteo Scalera verantwortlich sein.

Ein erster Spin-off von White Knight war im vergangenen Jahr Batman: White Knight Presents Von Freeze. Ferner hat Murphy auch neue Storys zu Nightwing und Batgirl angekündigt, allerdings noch ohne Details zu nennen.

Eine gemeinsame Arbeit von Collins und Murphy gibt es schon am 31. Juli zu sehen: Sie gestalten gemeinsam das sechste Kapitel der Digital First-Serie Harley Quinn: Black + White + Red.

>> Harley Quinn-Comics

Riddler wird Privatdetektiv

DC Comics

Titel: E. Nigma, Consulting Detective/Honor Among Thieves

Autor/Zeichner: Paul Dini/Don Kramer

Erschienen: 2006/2007 (Detective Comics #822/837), Paperback 2015 (Batman Arkham: Riddler)


Ein Jahr lang lag der Riddler nach einer Kopfverletzung im Koma, jetzt ist er wieder da: Zurück im Bowler, grünem Jackett und mit Krawatte – und einer neuen Profession. Denn der neue Edward Nigma verspürt nicht mehr den Zwang, Verbrechen zu begehen und Rätsel als Hinweise zu hinterlassen, nein, er setzt sein Genie dafür ein, um Rätsel zu lösen, als Privatdetektiv. (Das größte Rätsel bleibt jedoch, warum er immer noch Fragezeichen auf dem Jacket trägt.)

Sein erster Fall ist ein Mord und er führt ihn zu Bruce Wayne. Zusammen mit James Gordon fragt er ihn nach dem Opfer, Karrie Bishop, aus, einer Frau, die Bruce nur flüchtig kannte. Jemand hat sich als Bruce ausgegeben. Batman und Riddler verbünden sich, um den Fall zu lösen.

Die Geschichte ist ein klassischer Whodunit, führt in Gothams Rotlicht- bzw. S/M-Szene. Der Riddler löst den Fall nur scheinbar, denn am Ende ist wie immer alles ganz anders als gedacht, wodurch es dann doch wieder ziemlich wie erwartet läuft.

Ein paar Detective-Ausgaben später spielt Batman kaum eine Rolle. Bruce Wayne gibt Edward Nigma den Auftrag, nach einer Angestellten zu suchen, die mit einem Kraft-Serum verschwunden ist. Edwards Recherche führt ihn nach Metropolis, wo er im „Athenian Women’s Help Shelter“, einer Art Amazonen-Camp, auf Harley Quinn trifft. Diese kapert dann die Story. Nach einer albernen Rückblende in Harleys jüngste Vergangenheit gibt es eine Prügelszene mit der Schurkin, bis Edward sie ausknockt.

Eine richtige Riddler-Story ist das nicht, eine Batman-Story noch weniger. Und von Paul Dini hat man auch schon Unterhaltsameres gelesen als diesen belanglosen Quark.

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Die halbe Geschichte hinter DC Comics

Warner Bros. versorgt uns weiterhin mit Perlen aus dem Archiv: Auf YouTube ist jetzt die 90-minütige Dokumentation Secret Origin: The Story of DC Comics zu sehen. Darin erzählt Ryan Reynolds die Geschichte des Comic-Verlags nach, der 1934 als National Allied Publications gegründet wurde und seit 1938 die ersten Superheldencomics verlegte: Superman, Batman, Wonder Woman, Flash, Green Lantern und Aquaman, aber auch Jack Kirbys New Gods, Alan Moores Watchmen und Neil Gaimans Sandman.

Und auch wenn vieles davon Fans vertraut sein dürfte, ist diese Doku vor allem eins: Eine gelungene Liebeserklärung an das Medium Comic und das Genre der Superhelden. Warum wir sie seit acht Jahrzehnten lesen und wohl noch in einem Jahrhundert lesen werden.

Allerdings ist der Titel „Secret Origin“ nicht nur übertrieben, sondern auch offensichtlich falsch. Denn gerade die unliebsamen Kapitel werden ausgeklammert, wie etwa die traurige Geschichte der Superman-Erfinder Jerry Siegel und Joe Shuster, sowie die fehlende Anerkennung von Bill Finger als Ko-Erfinder von Batman. Das sind keine Ruhmesblätter für DC – die muss man woanders suchen. Insofern erzählt die Doku leider nur die halbe Geschichte.

Weitere Dokus aus dem Warner-Kanal:

Batman und die Aussteiger

Batman Gotham Nights #7, 9, 10 (DC Comics)

Titel: Gotham Nights

Autor/Zeichner: diverse

Erschienen: 2020 (Gotham Nights #7-12)


Der Joker würde gerne als Comedian aufsteigen, fällt aber bloß in die Lächerlichkeit und steigt hinab in den Wahnsinn, woraufhin er seinen Promoter in den Kofferraum steigen lässt. Und während Batman eine Leiche im Koffer untersucht, versucht Two-Face mithilfe der Liebe aus dem Dasein als Krimineller auszusteigen. Killer Moth findet für seinen eigenen Ausstieg eine kreative Lösung. Und Signal versucht, einem alten Jugendfreund zu helfen, aus einer Gang auszusteigen, während der Sohn von Tony Zucco das bereits geschafft hat.

Man sieht: In Gotham Nights #7-12 geht sehr viel um Aufsteiger, Absteiger und vor allem Aussteiger. Vor allem Nightwing, Red Hood und Robin bekommen diesmal viel Raum, gerade die Sidekicks, die versuchen, sich von Batman zu lösen. Alle fünf (ehemaligen) Robins werden entführt und gemeinsam festgehalten, um sich wieder befreien zu können. Und Red Hood will … ach, das hab ich schon wieder vergessen … Jedenfalls geht es auch da ums Rauskommen.

Batman Gotham Knights #8, 11, 12 (DC Comics)

Nach einem immerhin halb gelungenen Auftakt von Gotham Nights folgen nun lauter Routinestorys, zu oft aber in unterdurchschnittlicher Optik. Wahre Highlights sucht man in dieser Sammlung vergeblich, sodass DCs Digitalserie auch die Leser eher zum Aussteigen motiviert. Super – immerhin da passt es.

Das nächste Mal: Bitte nur etwas erzählen, wenn man was zu erzählen hat. Eine richtig gute Idee wäre nicht verkehrt. Und vielleicht auch etwas mehr Raum als nur eine Handvoll Seiten. Und weniger Joker täte auch ganz gut. Dieser Schurke wird in letzter Zeit eindeutig überstrapaziert. Vor allem: Bitte keine Origins mehr. Spätestens nach Joaquin Phoenix dürfte für sehr lange Zeit alles darüber gesagt sein.

Das Ganze wirkt natürlich umso liebloser, dass die meisten Ausgaben nicht einmal eigene Cover bekommen, sondern bloß einzelne Panels dafür wiederverwertet werden.


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Batman kämpft mit der deutschen Sprache

Bitte sprechen Sie langsam: Batman versucht sich mit Deutsch.

Batman kann alles. Außer Deutsch. Als er einmal in Österreich auf einen Mönch trifft (Gothic, Legends of the Dark Knight #8), spricht er zwar flüssig Deutsch, aber als der Mönch antwortet, bittet Batman ihn darum, langsamer zu sprechen, da sein Deutsch dafür nicht gut genug sei. Aber zum Glück spricht der Abt, auf den er später trifft, perfekt Englisch und Batman kehrt zurück in die Komfortzone.

Wer kann es Batman verübeln? Schon Mark Twain widmete 1880 der „schrecklichen deutschen Sprache“ einen bösen Essay, in dem es heißt:

Wer nie Deutsch gelernt hat, macht sich kein Bild davon, wie verwirrend diese Sprache sein kann. Gewiss gibt es keine andere Sprache, die derart schlampig und unsystematisch ist und sich jeglichem Zugriff auf so schlüpfrige Weise entzieht. (…) Der Erfinder dieser Sprache scheint sich einen Spaß daraus gemacht zu haben, sie in jeder erdenklichen Weise zu verkomplizieren.

Natürlich hat er Recht: Deutsch ist sogar für Deutsche zu kompliziert. Nun muss man Twain dafür loben, dass er immerhin versucht hat, die Sprache zu lernen und es offenbar auch gut beherrschte. Das gilt für die meisten Amerikaner nicht, die ohnehin nicht für Fremdsprachenkenntnisse bekannt sind – wozu auch, wenn die meisten ihre Sprache sprechen? Und dieser Bildungsmangel macht sich auch in den Comics deutlich – und gerade beim Deutschen hat das Tradition.

Nazi-Denglisch: Batman #14, 1942 (DC Comics)

Seit den 40ern tauchen Deutsche in Comics auf. Zunächst als Nazis, vor allem Spione. Man erkannte sie daran, dass sie so etwas wie „Halt!“ oder „Himmel!“ riefen. „Führer“ wurde aber meist mit normalem U oder mit UE geschrieben. Die Deutschen sprechen meist Mischformen von Deutsch und Englisch, gepfeffert mit einem starken Akzent: „Himmel! It iss too late! Step on der Gas!“, heißt es da, oder: „Der Batman’s finished! Heil Hitler!“ oder „Der hour has struck — also mein head!“(Batman #14). Im Zweifel lautet der Artikel immer „der“, das klingt am deutschesten.

Wem die Stunde schlägt: Robin gegen Nazis.

Aber gut, das waren noch andere Zeiten: die Deutschen waren noch Feinde wie die Japaner, die in den Comics während des Zweiten Weltkriegs genauso schlecht wegkamen. Doch seitdem änderte sich kaum etwas an der Qualität des Deutschen in Comics.

Auch in den 70ern wurde es nicht besser. Hier rufen Österreicher, wenn sie entsetzt sind, „Himmel!“, allerdings kennen sie mittlerweile auch „Donnerwetter!“ Und aus „der Batman“ (oder „der Fledermaus“) wird „der Fledermausmann“ (The Brave and the Bold #88, 1970). Das hat natürlich weder in Deutschland noch in Österreich je ein Mensch gesagt. Auch bei uns ist Batman einfach nur Batman – schon allein wegen der Kürze. (Anders als in Schweden, wo man von 1951 bis 1990 „Läderlappen“ schrieb, womit man die Fledermausfamilie der Glattnasen bezeichnet.) Aber „der Fledermausmann“ klingt halt so schön nach Lokalkolorit. Warum aber ein Österreicher „Denglisch“ denkt, bleibt etwas schleierhaft.

„Himmel! Der Fledermausmann!“

Im Zweifel ist auch der Österreicher ein Ordnungsfanatiker, der gerne andere zurechtweist: „Nein! Nein! Verboten!“, liest man da, als Batman ein Riesenrad erklimmt. Und warum ein Riesenrad? Na klar, wir sind ja in Wien – das kommt auch schon in Gothic vor. (Und: Der Dritte Mann lässt grüßen.)

Batman auf dem Riesenrad

„Donnerwetter! Ein Fledermausmann!“ Batman auf dem Riesenrad.

Anfang des neuen Jahrtausends scheint es zunächst besser zu werden. In Joker’s Last Laugh #1 liest man, wie ein deutscher Insasse einer Haftanstalt sagt: „Das ist der schonste Tag in meinem Leben!“ Bis auf den fehlenden Umlaut ist der Satz bemerkenswert tadellos.

Das ist der korrekteste deutsche Satz in einem Batman-Comic. (DC Comics)

Doch das wird noch in derselben Ausgabe wieder zunichte gemacht mit dem Satz: „Wir bist frei.“ Damit haben sich auch die Autoren von den Zwängen der deutschen Grammatik befreit.

Frei von den Fesseln der Grammatik: Jokers Last Laugh #1.

Und nicht nur in Batman-Comics findet man solche Sprachpatzer. In Daredevil #66 (2004) leistet sich ein Profi wie Brian Michael Bendis eine ganze Reihe von kuriosen Sätzen: „Aber was über die Diamanten!“ ist noch verzeihlich, fast schon drollig liest sich „Jemand töten diesen Fruchtkuchen!“ Aber ein Satz ergibt einfach keinen Sinn: „Gerecht schieben sie ihn und halten sie das Geld!“ Da scheint jemand eine Auto-Übersetzung auf dem Stand der Nuller-Jahre benutzt zu haben – ohne das Ergebnis zu prüfen.

Da fragt man sich: Wie kommt so eine Schlamperei zustande? Dass weder Autoren noch Redakteure Deutsch können müssen, versteht sich von selbst. Anscheinend behelfen sie sich mit Wörterbüchern und dem Internet. Aber offenbar konsultieren sie auch niemanden, der der Sprache mächtig wäre. Selbst in einem aufwendigen und minutiös recherchiertem Werk wie Berlin von Jason Lutes finden sich Fehler in den eingesprengten deutschen Sätzen. Im Zweifel fällt es kaum einem auf: Die US-Leser wissen es ja selbst oft nicht besser und die Deutschen lesen meist Übersetzungen.

Dass es auch anders geht, zeigt Altmeister Alan Moore. In The League of Extraordinary Gentlemen Vol. 1 lässt er Figuren Französisch, Chinesisch und Arabisch sprechen – ohne Übersetzung ins Englische. In den Sprechblasen stehen die Zeichen der jeweiligen Originalsprachen. Dafür hat Moore Übersetzer beauftragt. Ein bisschen Aufwand, ein bisschen Kosten, aber Moore macht eben keine halben Sachen. Auch in dieser Hinsicht sollten sich andere Autoren an ihm ein Vorbild nehmen.


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Riddlers Bombenspaß mit Cluemaster

DC Comics

Titel: Badd Girls/Lethal Pursuits/Riddled

Autor/Zeichner: Chuck Dixon/Graham Nolan

Erschienen: 1997 (Detective Comics #705-707), Paperback 2020 (Batman: Knight Out), dt. Dino Verlag 1998-1999 (Batman #25-26)


Während der Riddler nach einer Operation seiner gebrochenen Hand im Krankenhaus liegt, befreien seine Handlangerinnen Query und Echo den Schurken Arthur Brown. Dessen Zeit als Möchtegern-Riddler namens Cluemaster sind zwar vorbei, aber der Riddler hat andere Pläne mit ihm: Er legt ihm eine Sprengstoff-Weste an und lässt Batman und Robin Rätsel lösend durch die Stadt hetzen. Sie haben jeweils 15 Minuten Zeit, um zur nächsten Station zu gelangen, sonst stirbt Brown.

Die Rätsel sind auffallend einfach, meistens sind nur Buchstaben und Zahlen gefragt, aber was haben sie zu bedeuten? Was hat der Riddler mit dieser Masche vor? Während Robin und Oracle knobeln, begibt sich Batman in ernsthafte Lebensgefahr …

Ach ja, die guten alten 90er: Chuck Dixon und Graham Nolan bildeten neben Doug Moench und Kelley Jones das andere Dreamteam (neben Alan Grant und N. Wem die düsteren Zeichnungen von Jones zu viel waren, der fand beim klaren Stil von Nolan seinen Trost. Und Dixon landete als Storyteller bei der Masse an Output immer wieder einen Treffer. Dieser Dreiteiler gehört zu den Höhepunkten dieser Zeit zwischen Knightfall und dem Beben (Cataclysm) und er gehört auch zu den wohl besten, weil cleversten Riddler-Storys überhaupt (und clever sind sie leider selten).

Der Riddler tritt hier mit seinen Rätseln erneut als Künstler nach eigenem Selbstverständnis auf. Aber auch als Baseball-Fan. Zum einen treibt er also sein Spiel mit Batman, zum anderen geht es ihm bei seiner Beute nicht um Profit, sondern um einen ideellen Wert. Allerdings ist er mehr als nur ein Spieler: Wieder einmal schreckt er auch hier nicht vor Mord zurück.

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Batmans Retter: Dennis O’Neil

Der Tod von Dennis „Denny“ O’Neil im Juni gibt Anlass dazu, sich der Bedeutung dieses Autors bewusst zu werden. Vor allem für Batman. Denn während heute vor allem Frank Miller als Erfinder des modernen Batman gilt, wird oft übersehen, dass O’Neil schon in den 1970 den Grundstein dafür gelegt hat. Zusammen mit Zeichner Neal Adams hat er Batman wieder zu einem düsteren Einzelgänger gemacht. Damit wurde er nicht nur zu seinem Ursprung zurückgeführt, Batman fand auch wieder mehr in der wahren Welt statt.

Das war auch dringend nötig, denn in den 60ern war Batman nicht mehr ernst zu nehmen. Zunächst wurden die Geschichten immer verrückter, doch durch die TV-Serie mit Adam West war der trashige Ruf zementiert. Comicverkäufe nahmen ab. O’Neil hat sozusagen Batman gerettet, wie es in dem oben stehenden Video-Essay auf YouTube heißt.

Doch auch wenn er bedeutendes geleistet hat, wie etwa den Joker wieder zu einem zynischen Mörder zu machen, Two-Face als ernstzunehmenden Charakter zu etablieren oder Ra’s al Ghul zu erfinden, es ist nicht allein sein Verdienst. Denn einen ersten Versuch, Batman zu modernisieren, gab es schon 1964 (Detective Comics #327). Der wurde allerdings durch den Einfluss der TV-Serie wieder zunichte gemacht. Die Comics wurden dem Stil und dem Niveau der Serie angepasst. Und danach wurde bereits 1969 (Batman #217) Batman radikal geändert: Dick Grayson zog aus, ging aufs College, Bruce Wayne verließ Wayne Manor und richtete sein Batman-Hauptquartier im Wayne Tower ein. Das war der eigentliche Neubeginn für die Figur. Damals hieß der Autor aber noch Frank Robbins.

Das alles soll O’Neils Verdienste nicht schmälern. Es soll nur zeigen, dass Entwicklungen immer ein Kontinuum darstellen und es für jeden Autor Vordenker gibt und dass kreative Arbeit häufig Teamarbeit ist. In dem Fall spielt auch DC-Redakteur Julius „Julie“ Schwartz eine wichtige Rolle. Wenn einer Batman „gerettet“ hat, dann war es er.

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Catwoman trägt Tigermuster

DC Comics

Titel: The Last Angel

Autor/Zeichner: Eric Lustbader/Lee Moder

Erschienen: 1994 (One-shot)


Eine unbezahlbare Maya-Maske soll in Gotham ausgestellt werden. Weil nicht nur Mafioso Rupert Thorne und Catwoman es darauf abgesehen haben, soll Batman sie aufhalten. Doch dann wird die Mäzenin der Ausstellung ermordet, die Spur führt zunächst zu Thorne. Und Catwoman bandelt mit dem Archäologen an, der die Maske gefunden hat. Er erklärt ihr, dass es sich um die Maske eines Fledermausgottes handelt. Sie birgt eine ungeheuer böse Macht, mit der ein Priester einst sein Volk ruiniert hat.

Fledermausgott? Das erinnert Bruce an sein Erlebnis in Alaska (Batman: Shaman). Und kaum wird er der Maske habhaft, ergreift ihr Fluch auch schon Besitz von ihm. Batman wird böse, läuft Amok und fordert Menschenopfer – zuerst Selina Kyle, dann Gordon. Catwoman muss von der Gegnerin und Diebin zur Heldin werden, um Batman und die ganze Welt zu retten …

Am Ende müssen Catwoman und Batman (kein Spoiler) gemeinsam gegen den eigentlichen geheimen Drahtzieher des komplizierten Komplotts vorgehen, der all das nur geplant hat, um … äh … was genau zu erreichen? Batman zu demütigen? Na ja …

Zerbrochen an einer Männer-Welt

Das Besondere an dieser aufgeblasenen Geschichte: Catwoman trägt (ohne Erklärung) ein braun-gelbes Kostüm mit Tigerstreifen. Außerdem hat sie ihre Peitsche bondage-mäßig um den Körper geschlungen. Ein sehr kurioses und schrilles Kostüm, das so ziemlich das genaue Gegenteil ihrer bisherigen Kostüme ist, die violett, grau oder schwarz gehalten sind.

Aber hier ist Catwoman auch keine Schurkin mehr, sondern eben eine Superheldin. Passend dazu ist sie mit einem Jaguar als Sidekick unterwegs, mit dem sie nicht nur sprechen kann, sie kann ihn sogar bei einem komplexen Diebstahl einsetzen, was der alberne Höhepunkt der Geschichte ist.

Nebenbei erfahren wir in Rückblenden, dass Selika Kyles Mutter in der Psychiatrie gelandet ist. „The pressure of performing in a man’s world was too much for her. It’s driven her mad …“, sagt ihr Vater, der bedauert, keinen Sohn in die Welt gesetzt zu haben, der die Härten des Lebens erträgt. Das führte zum Bruch zwischen Selina und ihrem Vater, wobei sie sich später fragt, wen sie damit habe bestrafen wollen, und ob sie mit Batman nicht nur den Konflikt fortsetzt. Zum Schluss ist sie plötzlich mit beiden versöhnt, obwohl ihr Vater ihr keinen Grund dazu gegeben hat. Muss man das verstehen? Wenn einer schlauer ist, möge er/sie es mir erklären …

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