Comic

Das Two-Face-Double-Feature

DC Comics

Titel: The Crimes of Two-Face/The Man Who Led a Double Life

Autor/Zeichner: Bill Finger/Bob Kane

Erschienen: 1941 (Detective Comics #66, 68), Paperback 2015 (Batman Arkham: Two-Face)


„… the most bizarre criminal of all time … a twentieth century Jekyll-Hyde …“

Einer der interessantesten von Batmans Erzfeinden ist Two-Face. Nicht nur wegen seines Doppellebens, das er mit Batman gemeinsam hat, nicht nur wegen des persönlichen Bezugs zu ihm, weil er einst ein Freund gewesen ist, sondern vor allem wegen seiner tragischen Vorgeschichte. Die wird gleich in der ersten Ausgabe ausführlich ausgebreitet. Ganze vier Seiten bekommt Harvey Kent (!), um zu Two-Face zu werden. So viel hat nicht einmal Batmans Entstehungsgeschichte bekommen.

Es ist bemerkenswert, wie gut die Figur durchdacht ist, von Anfang an ist alles da: der Staatsanwalt, der vom Gangster Moroni im Gerichtssal Säure ins Gesicht geschüttet bekommt, die Entfremdung von seiner Frau Gilda, der Doppelkopf-Dollar, die für ihn die Entscheidungen trifft. Die Münze ist zunächst ein Beweisstück gegen den Moroni. Weil Two-Face sie für sein Unglück verantwortlich macht, zerkratzt er sie mit einem Skalpell und widmet sein Leben einer Obsession für die Dualität: Sein Versteck ist zweigeteilt, seine Verbrechen haben stets mit der Zahl zwei zu tun: ein Doppeldecker-Bus, ein Double-Feature-Kino. Doch wenn die Münze auf die unversehrte Seite fällt, spendet er seine Beute auch für wohltätige Zwecke. Es ist noch Gutes in ihm …

Zunächst soll Kent von einem plastischen Chirurgen aus Deutschland behandelt werden – aber der wurde von den Nazis in ein Konzentrationslager gesteckt. Und Kent entscheidet sich, nicht auf dessen mögliche Befreiung zu warten. Interessant ist auch, dass seine Frau Künstlerin ist, die Skulpturen anfertigt. Nachdem sie sich vom entstellten Gesicht ihres Mann erschüttert zeigt, zerschlägt er eine Büste, die ihn darstellt, mit zwei Hammern. Früher, sagt er, sei er Apollo genannt worden, aber die Büsten zeigten nicht mehr sein wahres Gesicht. Er kommt in eine Persönlichkeitskrise: „Who … what am I? I’m not a man! I’m half a man … beauty and beast … good and evil! I’m a living Jekyll and Hyde!“ Seine Spaltung wird schon beim ersten Blick in den Spiegel deutlich: schon da ist sein Anzug zweifarbig.

Der Showdown wird zum Kammerspiel: Batman versucht, Kent zum Guten zu bewegen, Two-Face wirft seine Münze – und sie landet auf der Kante. Mit diesem Cliffhanger endet der erste Teil, zwei Ausgaben später geht es weiter. Two-Face entkommt durch den übereifrigen Einsatz der Polizei. Als nächstes entführt er das Double eines alten Unternehmers, dann versucht er ein Wohltätigkeits-Baseball-Spiel zwischen der Polizei und der Feuerwehr auszurauben. Auch Batman, da Ehrenmitglied der Polizei, spielt mit.

Der Höhepunkt ist allerdings ein emotionaler: Nachdem Two-Face feststellen muss, dass seine Frau mittlerweile Trost bei einem anderen Mann gefunden hat, stellt er sein Gesicht mit Wachs wieder her und besucht sie. Zunächst scheint alles wieder gut zu werden, Harvey will sich sogar der Polizei ausliefern, um wieder gut zu werden. Aber als sie bei Kerzenschein beisammen sitzen, sein Gesicht schmilzt und dann auch noch Batman reinplatzt, ist es mit den guten Vorsätzen vorbei. Armer Harvey. Der perfekte Schurke ist geboren – aus dem Geist der Tragödie.

>> Liste der Two-Face-Comics

Lesetipps:

Monströses Desaster

DC Comics

DC Comics

Titel: Night of the Monster Men (dt. Die Nacht der Monster-Menschen)

Autor/Zeichner: Steve Orlando, Tom King, James Tynion IV, Tim Seeley/Riley Rossmo, Roge Antonio, Andy MacDonald

Erschienen: 2016 (Batman #7-8, Nightwing #5-6, Detective Comics #941-942), Hardcover 2017, dt. Panini 2017


„I don’t run from my monsters. I embrace them.“ (Batman)

Vier riesige Monster fallen über Gotham her  und zerstören sinnlos die Stadt. Batman und seine Familie (Batwoman, Nightwing, Clayface, Spoiler, Orphan, Gotham Girl, Duke Thomas) halten sie auf. Dahinter steckt Hugo Strange. Und die einzige Frage, die sich ständig aufdrängt: Warum ruft niemand die Justice League zur Hilfe? Die darf erst am Ende aufräumen helfen. Seltsam.

Das erste Batman-Event im Rebirth-Zyklus enttäuscht durch eine langweilige Prämisse (Riesenmonster? Gähn!) und eine banale Story mit noch banalerem Finale. Hier wurden die bisherigen klassischen Geschichten um Hugo Strange (Batman and the Monster Men, Prey, Strange Apparitions) zu einer vermischt und nur dadurch gesteigert, dass die Monster noch größer, fieser und … monströser gemacht wurden. Aber das führt bloß dazu, dass die Helden zu Katastrophenhelfern werden und vor lauter Action jegliche Psychologie auf der Strecke bleibt, obwohl die Monster angeblich für Batmans Ängste stehen sollen. Da hilft es nichts, dass Hugo Strange ein verrücktes Universalgenie ist und im Batman-Kostüm auf einem Thron aus Psychologie-Büchern sitzt – am Ende siegt der Held, ohne dass es zu einem richtigen Duell gekommen ist.

Grafisch bleibt Night of the Monster Men so durchschnittlich wie seine Geschichte. Was aber irgendwann zu viel wird, ist diese knallbunte Kolorierung, vor allem der penetrante Pink-Stich am Ende. Mit Rebirth will DC ja wieder mehr Optimismus in die Comics bringen, aber das ist eindeutig zu viel des Guten. Es täte den Comics besser, in neue Ideen zu investieren.

Was bisher geschah:

Pinguins erster Coup

DC Comics

DC Comics

Titel: One of the Most Perfect Frame-Ups

Autor/Zeichner: Bill Finger/Bob Kane

Erschienen: 1941 (Detective Comics #58)


„I’m afraid you’d never appreciate the beauty of a successful robbery!“ (Pinguin)

Bevor der Pinguin zu einem Herrscher der Unterwelt wird, einem Gangster, der illegale Geschäfte unter dem Deckmantel des Legalen macht, ist er zunächst ein Dieb, der für andere Aufträge ausführt. Allerdings ein sehr geschickter. Von Anfang an hat er schon alle seine Attribute, die ihn so klassisch machen: Zylinder, Mononkel, Zigarettenspitze, eine Vorliebe für Edelsteine und vor allem Regenschirme aller Art. Einer hat einen Dolch versteckt, ein anderer Betäubungsgas, ein anderer spritzt Säure. Obwohl körperlich unterlegen, bleibt der kleine dicke Mann für Batman eine Herausforderung.

In seiner ersten Geschichte erfahren wir nicht, woher er kommt, aber dafür geht es um Kunst: Bruce und Dick besuchen gerade eine Ausstelung, Dick stellt sich wie ein Banause an und macht sich bei einem Künstler unbeliebt, da kommt ein kleiner Mann mit Zylinder herein, ähnlich einer Pinguin-Plastik, die zufällig in der Ausstellung steht. Kurz darauf ist ein teures Gemälde verschwunden. Die Besucher werden daraufhin durchsucht, auch der Pinguin, doch er kommt davon, denn er hat das Gemälde aus dem Rahmen genommen und in seinem Schirm versteckt.

Pinguin (DC Comics)

Pinguins erster Auftritt (DC Comics)

Ziemlich ausgebufft, der Kleine. Als nächstes raubt er einen Diamanten. Wie schon beim ersten Mal handelt er im Auftrag eines Gangsterbosses. Doch als ein Streit um ihre Anteile ausbricht, knallt der Pinguin seinen Auftraggeber mit seinem Schirm ab, übernimmt seine Bande und setzt seinen Raubzug fort.

Beim nächsten Fall kann zwar Batman intervenieren (dabei zerstört er ein Gemälde, indem er es zwei Handlangern über den Kopf schlägt), aber er wird vom Pinguin überwältigt und (wegen einer vagen Behauptung) von der Polizei gefangen genommen. Doch kurz darauf lässt der Schurke Batman wieder befreien, nur um ihn selbst gefangen zu nehmen. Das hat angeblich mehrere Gründe. Nachvollziehbar sind sie nur bedingt.

Batman ruft Robin mit einer interessanten Vorrichtung herbei: einem Morsetelegrafen in seinem Schuhabsatz. Beim Endkampf kann der Schurke entkommen, indem er auf einen fahrenden Zug springt. Er soll demnächst noch öfter wieder auftauchen. Drei Jahre später wird er gemeinsame Sache mit dem Joker machen.

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Batman Year 100: Die Zukunft wird hässlich

DC Comics

DC Comics

Titel: Year 100 (dt. Das 100. Jahr)

Autor/Zeichner: Paul Pope

Erschienen: 2006 (Mini-Serie #1-4), Paperback 2007; dt. Panini 2007


Ihr kennt Batmans Jahr eins und das Jahr null, jetzt kommt das Jahr 100. Genau gesagt ist es 2039, also das Jahr, in dem Batman 100 wird. Batman ist längst vergessen. Und dann taucht er wieder auf: Ein Typ im Cape, mit grauem Pullover, geschnürten Shorts, zu kurzen Handschuhen und Springerstiefeln. Zu Beginn wird er von der US-Bundespolizei über die Dächer von Gotham verfolgt. Schließlich wird in einer U-Bahn-Station ein Polizist erschossen – und Batman gilt als Mörder. Von da an wird er mit noch größerem Druck gejagt.

Und das war’s im Grunde auch schon. Unser Batman ist, wie Dr. Richard Kimble auf der Flucht und muss zugleich seine Unschuld beweisen, bzw. den Schuldigen ausmachen. Dabei entlarvt er eine große Verschwörung um eine Superwaffe. Unterstützt wird er von James Gordon, einem gewissen Robin (ohne Kostüm) und einem Hacker-Mädchen. Um seinen Verfolgern einen Schrecken einzujagen, setzt er sich falsche Raubtierzähne ein. Was übrigens sein Outfit vollends ins Lächerliche zieht.

Doch auch sonst ist Batman, dessen Gesicht stets geschwollen aussieht wie nach einem Kampf, ziemlich hässlich. Wie auch alles andere in diesem Comic. Autor und Zeichner Paul Pope kann offenbar nicht anders, als alles krumm und schief zu zeichnen. Selbst die Schönheiten sind abstoßend. Es ist ein Stil, der nur mit gutem Willen als gewöhnungsbedürftig bezeichnet werden kann. Denn angesichts dieser dünnen Story und der schwachen Charaktergestaltung wird man mit dieser Elseworld nicht warm. Schon gar nicht interessiert einen, worauf die Story hinausläuft.

Das Ganze ist bloß eine große, abgehetzte Verfolgungsjagd, unterbrochen von zu viel Gerede, in dem zu wenig Substanzielles gesagt wird. Wer sind diese ganzen Figuren? Und vor allem: wer ist Batman? Dazu gibt es bloß am Ende einen Hinweis, sonst wird man mit dieser Welt allein gelassen. Vor allem wird nicht klar, warum die Geschichte unbedingt in der Zukunft spielen muss; das Jahr 2039 hat mehr symbolischen Wert, um zwischendrin ein paar Reminiszenzen an die Batman-Historie unterzubringen, als dass es eine Funktion hätte.

Year 100 mag als moderner Klassiker gelten, der Grund dafür bleibt mir aber schleierhaft.

>> Liste der Batman-Elseworlds-Comics

Der seltsame Fall des Jonathan Crane

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DC Comics

Titel: The Riddle of the Human Scarecrow

Autor/Zeichner: Bill Finger/Bob Kane, Jerry Robinson

Erschienen: 1941 (World’s Finest Comics #3)


„Poor Crane! He looks like a scarecro in those clothes – he certainly is a queer fellow“

Oft ist es ein Ereignis aus der Kindheit, das bestimmt, wie sich ein Mensch entwickelt. Jonathan Crane hat schon als Kind schon gerne Vögel aufgescheucht. Und so fasziniert ihn noch als Erwachsener die Angst so sehr, dass er sie als Psychologe erforscht und bei seinen Vorlesungen seinen Studenten einen Schrecken einjagt, indem er sinnlos mit einer Pistole herumballert. Das kostet ihn dann bald darauf den Job. Aber das macht nichts, denn schon zuvor hat er einen anderen Weg gefunden, wie man bequem Geld verdienen kann: indem er als Vogelscheuche verkleidet anderen Leuten Angst einjagt.

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Jonathan Cranes zweifelhafte Angst-Vorlesung. (DC Comics)

Crane sucht einen Geschäftsmann auf und bietet ihm für ein Honorar seine Dienste an: Als Scarecrow will Crane seinen Rivalen, der ihn vor Gericht verklagt, so sehr zu erschrecken, dass dieser daraufhin die Klage fallen lässt. Warum er nicht einfach den ersten erpresst, ist wohl ein Teil des Rätsels um diesen seltsamen Fall bleiben. Doch auch der umständliche Plan bleibt zunächst erfolglos, weil das Opfer sich nicht einschüchtern lässt. Crane muss mit Gewalt nachhelfen – und wird zum Mörder. Macht nix, denn er bekommt, was er will: Geld. Und damit kauft er sich Bücher, noch mehr als er ohnehin schon hat.

Jonathan Crane muss man nicht verstehen, aber er bietet viel Potenzial dazu: denn es ist die tragische Geschichte eines Nerds, der in abgewetzten Klamotten herumläuft, weil er lieber sein ganzes Geld in Bücher investiert. Und damit wird er zur Identifikationsfigur für die Außenseiter und Comicsammler, denen es ähnlich gehen dürfte. Hätte  man bloß den Respekt, von anderen gefürchtet zu werden, hätte man bloß die Kohle, um sich alles zu kaufen, was einem noch fehlt … Crane aber übertreibt es: er protzt mit seinem Swag. Und er kriegt den Hals nicht voll, er stiehlt sogar Bücher, obwohl er es nicht nötig hätte. Das wird ihm zum Verhängnis.

Batman und Robin kommen ihm auf die Spur. Obwohl sie mit vereinten Kräften auf ihn losgehen, gibt ihnen Scarecrow ordentlich was zu tun. Dünne Typen kämpfen, wie wir seit Tyler Durden wissen, bis sie Ragout sind. Und auch Batman muss am Ende gestehen: „He certainly gave me the fight of my career“. Da weiß der Held aber noch nicht, dass ihm der größte Kampf noch bevorsteht, nämlich der gegen seine eigenen Ängste, wenn Scarecrow sein Angstgas auf ihn loslässt. Aber das ist eine andere Geschichte.

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Manbat gründet eine Familie

DC Comics

DC Comics

Titel: Manbat (The Subterraneans)

Autor/Zeichner: Jamie Delano/John Bolton

Erschienen: 1995 (Mini-Serie #1-3, Paperback 1997)


„The universal cruelty of nature is hard to face. But all life is subject to her one immutable law: adapt, or die.“ (Kirk Langstrom)

Die Tierschutzaktivistin Marylin Munro (nicht zu verwechseln mit der Schauspielerin) will eigentlich nur mit der Kamera dokumentieren, welche Monster in den Laboren von Edencorp erschaffen werden. Dabei kommt sie in den Besitz eines genetischen Materials für Killer-Heuschrecken, die die ganze Menschheit ausrotten könnten. Auf der Flucht fällt sie allerdings in eine Höhle, wo Kirk Langstrom eine Familie gegründet hat. Eine Familie von Manbats, also Mensch-Fledermaus-Mutanten. Langstrom hält sich und seinesgleichen für eine überlegene Superrasse und will die Menschheit mit den Heuschrecken auslöschen. In der Zwischenzeit düst Batman im Auftrag von Edencorp durch die Gegend, um Marylin zu finden und das Schlimmste zu verhindern. Es kommt zum Kampf zwischen den Fledermausmenschen.

So eine Story zusammenzufassen, klingt doch immer ein bisschen bescheuert. Es ist der alte Superhelden-Topos vom Mad Scientist, der die Apokalypse heraufbeschwört. Aber wenn man die im aufwendig gemalten Seiten von John Bolton sieht, merkt man schnell, dass der banale Inhalt in einer künstlerisch hochwertigen Verpackung steckt, wodurch er gleich viel weniger banal erscheint. Bolton schafft mit seinen Bildern, die irgendwo zwischen schwarzer Romantik (Füsslis Nachtmahr) und Expressionismus verortet sind, eine beklemmende, alptraumhafte Atmosphäre.

Aber auch die Handlung ist gar nicht mal so plump, wie sie sein könnte, weil Langstrom nicht einfach nur irre oder böse oder beides ist, sondern eine höchst konfliktreiche Figur. Ein Mann, äußerlich zwischen Mensch und Tier, der einfach nur seinen Frieden will und der innerlich zerrissen ist in der Frage, ob er den Untergang der Menschheit beschleunigen soll oder nicht. Auch die Nebenfiguren, wie Langstroms Frau Francine, sein Sohn oder die Aktivistin Marylin kommen zu ihrem Recht.

Nur Batman bleibt relativ primitiv und langweilig. Zwar macht er als blauer Koloss mit Riesenohren und extravagantem Umhang optisch was her. Sonst ist er aber so aufgesetzt steif, pflichtbewusst und humorlos wie ein Beamter – und erinnert dadurch an den alten Spießer-Batman Adam West. Passend dazu gibt es auch Szenen wie: Batman bekommt einen Strafzettel fürs Zuschnellfahren, Batman reitet auf einem Esel und Batman stülpt sich einen Schlapphut über seine spitzen Ohren oder er belehrt Prostituierte, wie sie ein besseres Leben führen können. Manche mögen das witzig finden, die Fledermaus abseits der vertrauten Routinen zu sehen, aber mir fällt es dadurch schwer, das Ganze ernst zu nehmen.

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Bane kehrt zurück zu seinen Schöpfern

DC Comics/CBR

DC Comics/CBR

Nach der Wiederkehr von Bane in Tom Kings Storyline „I Am Bane“ bringt DC eine zwölfteilige Mini-Serie über den Schurken heraus: Bane: Conquest soll sie heißen und am 3. Mai in den USA starten. Laut cbr.com sollen dafür die 90er-Jahre Veteranen Chuck Dixon und Graham Nolan verpflichtet worden sein, also jener Autor und Zeichner, die gemeinsam Bane geschaffen haben.

Dixon verspricht das „ultimative Bane-Abenteuer“, in dem der Muskelberg versucht, ein globales Verbrechensimperium aufzubauen und andere Städte als Gotham zu erobern. Mit dabei sein sollen Banes alte Weggefährten erster Stunde: Bird, Trogg and Zombie.

Bane ist der Schurke, der Batman in der Knightfall-Saga das Rückgrat bricht. Seinen ersten Auftritt hatte er in Vengeance of Bane, einer zweiteiligen Miniserie, deren erste Ausgabe 1993 erschien. Im Film wurde er (nach einer misslungenen Interpretation in Batman & Robin) in The Dark Knight Rises von Tom Hardy dargestellt.

>> Liste der Bane-Comics

Clayface feiert Premiere

DC Comics

DC Comics

Titel: The Murders of Clayface/Clayface Walks Again

Autor/Zeichner: Bill Finger/Bob Kane

Erschienen: 1940/1941 (Detective Comics #40, #49)


„Clayface, from now on your name is mud!“ (Batman)

Clayface ist einer der ersten von Batmans Erzfeinden. Er tauchte kurz nach dem Joker auf, noch früher als Pinguin, Two-Face und Riddler. Allerdings erschien er noch nicht in seiner Gestalt als formwandelnder Schlammberg. Zu Beginn ist Basil Karlo (eine Namenskreuzung aus Boris Karloff and Basil Rathbone) nur ein frustrierter Schauspieler, der seine Karriere hinter sich hat und nun Rache nehmen will. Der Frust ist nachvollziehbar: Man wird abgesägt – und dann dreht Hollywood ein Remake eines der eigenen Filme. Basil Karlo tritt in seinem alten Filmkostüm als Schurke Clayface auf: mit Fratzenmaske, breitem Hut und Gewand. Schon bald gibt es die erste Leiche am Set.

Die Story ist für uns nicht mehr so aufregend, weil wir bereits wissen – oder uns denken können -, wer der Mörder ist. Allerdings ist sie wie ein klassischer Whodunit aufgezogen, bei dem zunächst mehrere Verdächtige infrage kommen. Batman und Robin dürfen sich als Detektive behaupten. Bruce Wayne muss dabei seine eigene Freundin Julie Madison retten, die unter dem Namen „Portia Storme“ gerade ihre Karriere als Schauspielerin beginnt. Julie lässt übrigens keine Gelegenheit aus, Wayne vorzuschwärmen, wie sehr sie sich wünschte, dass er mehr wie Batman wäre.

Einige Ausgaben später (Detective Comics #49) kehrt Karlo zurück. Aber dieser Auftritt ist nicht mehr so elegant wie seine Premiere. Kaum hat er sich aus dem verunglückten Gefangenentransport befreit, zieht er stumpfsinnig wieder aufs Set, um seine Rache zu vollenden. Batman kommt sehr schnell auf seine Spur. Clayface tut sein Bestes, aber das ist ziemlich armselig: er wirft einen Feuerhaken nach Batman, dann eine Modelleisenbahn (!), schließlich lässt er einen Lkw auf Batman zurasen, allerdings ohne am Steuer zu sitzen und sich zu vergewissern, dass der Wagen sein Ziel trifft. Ein Feuer soll dann Robin dahinraffen … naja, klappt alles nicht.

Denn die Helden stellen sich viel geschickter an, auch was die Schauspielerei angeht. Denn am Ende schießt Clayface auf die falsche Person, weil Robin und Julie die Rollen getauscht haben. Gegen so viel Rafinesse kommt der von Rachsucht geblendete Karlo nicht an.

Eine schwache Vorstellung, durchaus ausbaufähig. Aber er wird sich noch entwickeln. Aber zunächst verschwindet Basil Karlo für lange Zeit in der Versenkung; erst 1969 taucht er wieder auf. In der Zwischenzeit (Detective Comics #298, 1961) nennt sich Matt Hagen Clayface – und ist damit der erste Schlammschurke, den wir heute kennen. Aber das ist eine andere Geschichte.

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Batman macht Schule

DC Comics

DC Comics

Titel: Rise of the Batmen (dt. Angriff der Batman-Armee)

Autor/Zeichner: James Tynion IV/Eddy Barrows, Alvaro Martinez

Erschienen: 2016 (Detective Comics #934-940), Paperback 2017 (Detective Comics Vol. 1); dt. Panini 2017 (Paperback)


„The idea of Batman is powerful, but it’s pointed in the wrong direction.“ (Jacob Kane)

Nachdem Azrael von einem unbekannten Attentäter ins Koma gebracht wurde, vermutet Batman, dass es jemand auf den Rest der Bat-Familie abgesehen haben könnte. Also beginnt er, zusammen mit Batwoman den Nachwuchs für den Ernstfall zu trainieren: Spoiler, Orphan (Cassandra Cain) und Red Robin (Tim Drake, obwohl schon seit Jahren im Geschäft) – und sogar Clayface. Da offenbart sich der Gegner: the Colony, eine Armee von Batman-Kriegern, gesponsert von der US-Regierung, geleitet von Colonel Jacob Kane, dem Vater von Kate Kane (Batwoman). Er wiederum rüstet sich gegen die League of Shadows, die aber laut Batman nur eine Lüge von Ra’s al Ghul sein soll.

Mal wieder ist also alles anders als gedacht. Und wie immer, wenn ein Autor die Retcon bemüht (bekanntes Beispiel: Under the Hood), bleiben offene Fragen: Warum hat Jacob Kane seiner Tochter dazu verholfen, Batwoman zu werden, wenn er hinter ihrem Rücken eine Batman-Armee aufgebaut hat? Warum hat er sie nicht gleich eingeweiht? Und warum erledigt er Azrael, wenn er angeblich niemanden verletzen will? Und dann gibt es noch weitere Fragen: Warum trägt Red Robin ein neues Kostüm, das eher an sein altes erinnert und ihn weniger „red“ erscheinen lässt? Warum darf Clayface im Team Batman mitmachen? Zuletzt war er noch gemeingefährlich (siehe Graveyard Shift, Batman Eternal, Arkham Manor). Dass der Schurke zum Helden wird, ist zwar eine erfrischende Idee, aber die Motivationen dafür bleiben auf der Strecke – auch wenn die Sequenz, in der Clayface ein Kino aufsucht, um sich auf der Leinwand als Mensch wiederzusehen, sehr einfühlsam gelungen ist.

Überhaupt schafft es Autor James Tynion IV (Batman Eternal, Batman & Robin Eternal), den vielen Charakteren seiner Geschichte gerecht zu werden, allein Orphan bleibt auf der Strecke, aber sie hat ja ohnehin nicht viel zu sagen. Aber dafür gibt es ja die Action. Und davon nicht zu wenig. Die Zeichner Eddy Barrows und Alvaro Martinez inszenieren ihre Figuren filigran und die Posen spektakulär, wenn auch ohne große Experimentierfreude.

Der erste Detective Comics-Band nach Rebirth hat zwar kein Potenzial, ein Klassiker zu werden, aber er ist ein kurzweiliger Auftakt, der Spaß und Lust auf die Fortsetzung macht. Das Wichtigste aber: der Neustart hebt die Qualität der Traditions-Serie, die in den vergangenen Jahren sehr zu wünschen übrig ließ.

>> Batman 2011-2019

Ra’s al Ghul muss sterben

Titel: Death and the Maidens (dt. Der Tod und die Mädchen)

Autor/Zeichner: Greg Rucka/Klaus Janson

Erschienen: 2003-2004 (Mini-Serie #1-9, Detective Comics 783; Paperback 2004, Deluxe Edition 2017), dt. Panini 2005 (2 Sonderbände)


„… it’s always for the greater good …“

Ra’s al Ghul ist dem Ende nah: da Batman ihn von seinen Kurbädern in Lazarusgruben abhält, droht dem Erzfeind der baldige Tod. Er bietet dem Detective einen Deal an: wenn Batman ihm verrät, wo er eine Lazarusgrube findet, bekommt er einen Trank, dank dem er mit seinen toten Eltern sprechen kann. Doch da ist noch Nyssa, eine Tochter des Dämons, die ihren eigenen Plan verfolgt: Rache zu nehmen an dem, was ihr Vater ihr über Jahrhunderte angetan hat. Auch Talia wird Teil des Plans.

Anfangs habe ich mich etwas schwer damit getan, weil mich Klaus Jansons sperrige Zeichnungen abgeschreckt haben. Aber die Story hat mich dann doch sehr schnell eingenommen, dass das Buch zum regelrechten Pageturner wurde. Denn Death and the Maidens ist eine sehr persönliche Geschichte, die viel Wert legt auf innere Konflikte und Charaktere. Insofern gibt es hier kaum Batman zu sehen, im Vordergrund steht Bruce Wayne und sein Verhältnis zu seinen Eltern. Er muss sich die Frage stellen: Handelt er überhaupt in ihrem Sinne, wenn er sich als Batman verkleidet? Und spielt das überhaupt eine Rolle, ob er damit ihren Willen erfüllt?

Die Frage verliert sich gegen Ende, wenn es um den Familienkonflikt der al Ghuls geht. Aber der hat es in sich. Ra’s bekommt eine neue Tiefe: wir erfahren nämlich, dass er schon mit den Nazis gemeinsame Sache gemacht hat, auch wenn er ihre Motive nicht teilte, hieß er dennoch ihren Genozid gut. Noch dramatischer wird es, dass er selbst seine Tochter Nyssa nicht vor dem Konzentrationslager bewahren wollte – alles „für das größere Wohl“, die Welt von allem Bösen, also den Menschen, zu befreien.

Die Story funktioniert auf mehreren Ebenen hervorragend. Und dann kann man auch darüber hinwegsehen, wenn die Zeichnungen nicht den persönlichen Geschmack treffen. Death and the Maidens ist einer der besten Batman-Comics des neuen Jahrtausends. Es wurde höchste Zeit, dass er wieder neu aufgelegt wurde – in einer gebundenen Deluxe-Edition.

Die Geschichte um Ra’s al Ghul und seine Familie wird fortgesetzt in:

Außerdem empfohlen als Vorgeschichte: Son of the Demon.