Mini-Serie

Wenn das Leben die Kunst imitiert

Titel: Hollywood Knight

Autor/Zeichner: Bob Layton/Dick Giordano

Erschienen: 2001 (Mini-Serie #1-3)


„I am not a comic book character!“ (Batman)

Hollywood im Jahr 1948: Batman wird gerade erfolgreich als Serial fürs Kino produziert. Den Titelhelden spielt der Kriegsveteran Byron Wyatt, unterstützt von seinem besten Freund und Stuntman als Robin. Doch die Konkurrenz ist neidisch: da seine Arkham Studios gerade schlecht laufen, versucht Jack Napier (genannt „Joker“), sich die Rechte an Batman zu sichern. Als er scheitert, lässt er das Cast und Crew abschlachten und ein Set verbrennen. Wyatt überlebt – aber er hält sich fortan für Batman und strebt nach Gerechtigkeit.

Unter all den halbherzigen und uninspirierten Elseworlds-Storys ist Hollywood Knight eine erfrischende Variation des Altbekannten. In dieser Comicwelt ist Batman eine Comic-Figur, die verfilmt wird und dann aus der Fiktion in die „Realität“ ausbricht – eine interessante Meta-Fiktion, die es wert wäre, mal von einem Batman-Forscher analysiert zu werden. Aber auch der einfache Leser wird hier seinen Spaß haben: Alfred ist ein alter Zirkusmann, der in einer alten Mine haust, Robin ist so alt, dass er bereits Geheimratsecken unter einer Perücke kaschiert. Und der eingebildete Batman ist so sehr in seiner Rolle gefangen, dass er zunächst auch das Verbrechen bekämpft, mit dem er persönlich nichts zu tun hat. Viele Anspielungen auf die Batman-Tradition, veredelt durch die Zeichnungen von Altmeister Dick Giordano, machen diese nette Geschichte zu einem kleinen Fest für Fans.

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Drachenritter im Mittelalter

Titel: Dark Knight of the Round Table

Autor/Zeichner: Bob Layton/Dick Giordano

Erschienen: 1999 (Mini-Serie #1-2)


Bislang war „Dunkler Ritter“ bloß eine Metapher. Hier aber wird sie beim Wort genommen: Batman wird ins Mittelalter übertragen. Oder besser gesagt: in eine Fantasy-Version davon. Die Geschichte spielt in England. King Arthur hat Ärger mit seiner Halbschwester Morgana, mit der er ein Kind gezeugt hat. Weil der Bastard Unheil verspricht, verbannt der König Familien aus dem Land, darunter die Waynemoors. Morgana, die auch noch eine Hexe ist, schickt fledermausartige Dämonen, um die Waynemoors dahinzuraffen. Der kleine Bruce überlebt und schwört Rache.

Den Rest kann man sich denken: hartes Training. Geschult wird er von Merlin, der in Form einer weißen Riesenfledermaus erscheint. Und am Ende zieht Bruce Rüstung und Schwert mit Drachensymbol an. Keine Ahnung, was dieser Umweg soll, wenn das Symbol ohnehin aussieht wie eine Fledermaus. Aber egal. Der Drachenritter Batman zieht in den Kampf gegen das austauschbare Böse. Da kommen Ra’s al Ghul und seine Tochter Talia ins Spiel …

Batmans Erzschurke ist auch schon der einzige nennenswerte Gegenspieler. Bis auf Alfred und einen Kurzauftritt von Robin gibt es kaum Wiedererkennungswert in diesem Elseworlds-Quark. Nicht einmal ein Joker als Hofnarr – aber das wäre wohl zu offensichtlich. Stattdessen gibt es nur das offensichtlichste und oberflächlichste Rittergedöns mit pathetischem, humorfreiem Gelaber und Gemetzel. Moral von der Geschicht: Es muss mehr als Rache geben. Für diese Erkenntnis muss man sich aber nicht durch fast 100 Seiten quälen.

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Dark Knight III: Wonder Woman gibt acht

DC Comics

Titel: Dark Knight III: The Master Race – Book 8

Autor/Zeichner: Frank Miller, Brian Azzarello/Andy Kubert, Frank Miller

Erschienen: 2017


„Batman?! Why won’t you stay dead?!“ (Bruno)

Ich habe wirklich keine Lust mehr auf diese Serie. Deshalb fasse ich mich kurz.

Was passiert: Wonder Woman und ihre Amazonen metzeln die bösen Kryptonier nieder.

Was noch passiert: Batman und Batgirl befreien Commissioner Yindel davor, von Bruno (die Nazi-Braut mit den Hakenkreuzen auf den Kurven) und einer Bande von Möchtegern-Jokern zu Wurst verarbeitet zu werden. (Frank Miller zeichnet, und das mal wieder mies.)

Was mit dem Helden los ist: Batman ist dank Lazarusgrube wieder verjüngt, aber zeigt sich seinem Retter Superman gegenüber äußerst undankbar. (Ein junger Batman im Dark Knight-Universum? Ziemlich sinnfrei.)

Und sonst so? Wonder Woman schwafelt sich einen ab über den Amazonen-Ethos. Starke Bilder, aber viel blabla. Und ihre Tochter weiß immer noch nicht, was sie will. Das scheint auch ein Problem der Autoren zu sein. Was soll diese Geschichte? Worauf läuft sie hinaus? Es ist nicht erkennbar. Alles ist bloß angerissen, nichts richtig ausgeführt. Man wird auch mit den Charakteren nicht warm.

Ursprünglich sollte DK III nur acht Teile umfassen. Im Mai soll noch ein neunter kommen. Weiß der Teufel, warum.

Die Dark Knight-Saga:

Batman Year 100: Die Zukunft wird hässlich

DC Comics

DC Comics

Titel: Year 100 (dt. Das 100. Jahr)

Autor/Zeichner: Paul Pope

Erschienen: 2006 (Mini-Serie #1-4), Paperback 2007; dt. Panini 2007


Ihr kennt Batmans Jahr eins und das Jahr null, jetzt kommt das Jahr 100. Genau gesagt ist es 2039, also das Jahr, in dem Batman 100 wird. Batman ist längst vergessen. Und dann taucht er wieder auf: Ein Typ im Cape, mit grauem Pullover, geschnürten Shorts, zu kurzen Handschuhen und Springerstiefeln. Zu Beginn wird er von der US-Bundespolizei über die Dächer von Gotham verfolgt. Schließlich wird in einer U-Bahn-Station ein Polizist erschossen – und Batman gilt als Mörder. Von da an wird er mit noch größerem Druck gejagt.

Und das war’s im Grunde auch schon. Unser Batman ist, wie Dr. Richard Kimble auf der Flucht und muss zugleich seine Unschuld beweisen, bzw. den Schuldigen ausmachen. Dabei entlarvt er eine große Verschwörung um eine Superwaffe. Unterstützt wird er von James Gordon, einem gewissen Robin (ohne Kostüm) und einem Hacker-Mädchen. Um seinen Verfolgern einen Schrecken einzujagen, setzt er sich falsche Raubtierzähne ein. Was übrigens sein Outfit vollends ins Lächerliche zieht.

Doch auch sonst ist Batman, dessen Gesicht stets geschwollen aussieht wie nach einem Kampf, ziemlich hässlich. Wie auch alles andere in diesem Comic. Autor und Zeichner Paul Pope kann offenbar nicht anders, als alles krumm und schief zu zeichnen. Selbst die Schönheiten sind abstoßend. Es ist ein Stil, der nur mit gutem Willen als gewöhnungsbedürftig bezeichnet werden kann. Denn angesichts dieser dünnen Story und der schwachen Charaktergestaltung wird man mit dieser Elseworld nicht warm. Schon gar nicht interessiert einen, worauf die Story hinausläuft.

Das Ganze ist bloß eine große, abgehetzte Verfolgungsjagd, unterbrochen von zu viel Gerede, in dem zu wenig Substanzielles gesagt wird. Wer sind diese ganzen Figuren? Und vor allem: wer ist Batman? Dazu gibt es bloß am Ende einen Hinweis, sonst wird man mit dieser Welt allein gelassen. Vor allem wird nicht klar, warum die Geschichte unbedingt in der Zukunft spielen muss; das Jahr 2039 hat mehr symbolischen Wert, um zwischendrin ein paar Reminiszenzen an die Batman-Historie unterzubringen, als dass es eine Funktion hätte.

Year 100 mag als moderner Klassiker gelten, der Grund dafür bleibt mir aber schleierhaft.

>> Liste der Batman-Elseworlds-Comics

Manbat gründet eine Familie

DC Comics

DC Comics

Titel: Manbat (The Subterraneans)

Autor/Zeichner: Jamie Delano/John Bolton

Erschienen: 1995 (Mini-Serie #1-3, Paperback 1997)


„The universal cruelty of nature is hard to face. But all life is subject to her one immutable law: adapt, or die.“ (Kirk Langstrom)

Die Tierschutzaktivistin Marylin Munro (nicht zu verwechseln mit der Schauspielerin) will eigentlich nur mit der Kamera dokumentieren, welche Monster in den Laboren von Edencorp erschaffen werden. Dabei kommt sie in den Besitz eines genetischen Materials für Killer-Heuschrecken, die die ganze Menschheit ausrotten könnten. Auf der Flucht fällt sie allerdings in eine Höhle, wo Kirk Langstrom eine Familie gegründet hat. Eine Familie von Manbats, also Mensch-Fledermaus-Mutanten. Langstrom hält sich und seinesgleichen für eine überlegene Superrasse und will die Menschheit mit den Heuschrecken auslöschen. In der Zwischenzeit düst Batman im Auftrag von Edencorp durch die Gegend, um Marylin zu finden und das Schlimmste zu verhindern. Es kommt zum Kampf zwischen den Fledermausmenschen.

So eine Story zusammenzufassen, klingt doch immer ein bisschen bescheuert. Es ist der alte Superhelden-Topos vom Mad Scientist, der die Apokalypse heraufbeschwört. Aber wenn man die im aufwendig gemalten Seiten von John Bolton sieht, merkt man schnell, dass der banale Inhalt in einer künstlerisch hochwertigen Verpackung steckt, wodurch er gleich viel weniger banal erscheint. Bolton schafft mit seinen Bildern, die irgendwo zwischen schwarzer Romantik (Füsslis Nachtmahr) und Expressionismus verortet sind, eine beklemmende, alptraumhafte Atmosphäre.

Aber auch die Handlung ist gar nicht mal so plump, wie sie sein könnte, weil Langstrom nicht einfach nur irre oder böse oder beides ist, sondern eine höchst konfliktreiche Figur. Ein Mann, äußerlich zwischen Mensch und Tier, der einfach nur seinen Frieden will und der innerlich zerrissen ist in der Frage, ob er den Untergang der Menschheit beschleunigen soll oder nicht. Auch die Nebenfiguren, wie Langstroms Frau Francine, sein Sohn oder die Aktivistin Marylin kommen zu ihrem Recht.

Nur Batman bleibt relativ primitiv und langweilig. Zwar macht er als blauer Koloss mit Riesenohren und extravagantem Umhang optisch was her. Sonst ist er aber so aufgesetzt steif, pflichtbewusst und humorlos wie ein Beamter – und erinnert dadurch an den alten Spießer-Batman Adam West. Passend dazu gibt es auch Szenen wie: Batman bekommt einen Strafzettel fürs Zuschnellfahren, Batman reitet auf einem Esel und Batman stülpt sich einen Schlapphut über seine spitzen Ohren oder er belehrt Prostituierte, wie sie ein besseres Leben führen können. Manche mögen das witzig finden, die Fledermaus abseits der vertrauten Routinen zu sehen, aber mir fällt es dadurch schwer, das Ganze ernst zu nehmen.

Mehr zum Thema:

Ra’s al Ghul muss sterben

Titel: Death and the Maidens (dt. Der Tod und die Mädchen)

Autor/Zeichner: Greg Rucka/Klaus Janson

Erschienen: 2003-2004 (Mini-Serie #1-9, Detective Comics 783; Paperback 2004, Deluxe Edition 2017), dt. Panini 2005 (2 Sonderbände)


„… it’s always for the greater good …“

Ra’s al Ghul ist dem Ende nah: da Batman ihn von seinen Kurbädern in Lazarusgruben abhält, droht dem Erzfeind der baldige Tod. Er bietet dem Detective einen Deal an: wenn Batman ihm verrät, wo er eine Lazarusgrube findet, bekommt er einen Trank, dank dem er mit seinen toten Eltern sprechen kann. Doch da ist noch Nyssa, eine Tochter des Dämons, die ihren eigenen Plan verfolgt: Rache zu nehmen an dem, was ihr Vater ihr über Jahrhunderte angetan hat. Auch Talia wird Teil des Plans.

Anfangs habe ich mich etwas schwer damit getan, weil mich Klaus Jansons sperrige Zeichnungen abgeschreckt haben. Aber die Story hat mich dann doch sehr schnell eingenommen, dass das Buch zum regelrechten Pageturner wurde. Denn Death and the Maidens ist eine sehr persönliche Geschichte, die viel Wert legt auf innere Konflikte und Charaktere. Insofern gibt es hier kaum Batman zu sehen, im Vordergrund steht Bruce Wayne und sein Verhältnis zu seinen Eltern. Er muss sich die Frage stellen: Handelt er überhaupt in ihrem Sinne, wenn er sich als Batman verkleidet? Und spielt das überhaupt eine Rolle, ob er damit ihren Willen erfüllt?

Die Frage verliert sich gegen Ende, wenn es um den Familienkonflikt der al Ghuls geht. Aber der hat es in sich. Ra’s bekommt eine neue Tiefe: wir erfahren nämlich, dass er schon mit den Nazis gemeinsame Sache gemacht hat, auch wenn er ihre Motive nicht teilte, hieß er dennoch ihren Genozid gut. Noch dramatischer wird es, dass er selbst seine Tochter Nyssa nicht vor dem Konzentrationslager bewahren wollte – alles „für das größere Wohl“, die Welt von allem Bösen, also den Menschen, zu befreien.

Die Story funktioniert auf mehreren Ebenen hervorragend. Und dann kann man auch darüber hinwegsehen, wenn die Zeichnungen nicht den persönlichen Geschmack treffen. Death and the Maidens ist einer der besten Batman-Comics des neuen Jahrtausends. Es wurde höchste Zeit, dass er wieder neu aufgelegt wurde – in einer gebundenen Deluxe-Edition.

Die Geschichte um Ra’s al Ghul und seine Familie wird fortgesetzt in:

Außerdem empfohlen als Vorgeschichte: Son of the Demon.

Dark Knight III: Das verflixte siebte Heft

DC Comics

DC Comics

Titel: Dark Knight III: The Master Race – Book 7

Autor/Zeichner: Frank Miller, Brian Azzarello/Andy Kubert, Frank Miller

Erschienen: 2016


„Batman is dead? Oh sure … How many times have we heard that before, boss?“ (Batgirl)

Batmans Tod – ja, ein alter Hut. Ein Running Gag. Aber hier lahmt er. Denn abgesehen davon, dass Batman natürlich nicht sterben kann (wir brauchen unseren Helden noch), findet Superman schnell eine Lösung für dieses gravierende Problem: wie gut, dass die nächste Lazarusgrube nie zu weit weg ist. Immerhin wird die Rettungsszene dramatisch eingeführt mit einer schönen Variation des alten Bird-Plane-Superman-Motivs. Superman sieht sich am Rande seiner Möglichkeiten – und dann geht es doch ganz einfach.

Warum ist das so? Weil Frank Miller und Brian Azzarello sich nicht genug Zeit lassen für ihre Geschichte. Probleme tauchen hier schnell auf – und ebenso schnell werden sie wieder gelöst. Nach einer kurzen Badekur ist Bruce wieder da. Neues Problem: Der Schurke Quar will sich an Supermans Sohn Jonathan rächen, doch als Lara das Baby von der Paradiesinsel holen will, stellen ihr sich Mutter Wonder Woman und ihre Amazonen in den Weg. Man wird nicht so recht schlau aus dieser Lara, warum sie so handelt, wie sie es tut.

Im Mini-Comic holt Hal Jordan sich seine abgetrennte Hand wieder, um wieder Green Lantern zu sein – und wird von zwei Hawkmen gerettet. Frank Miller gibt sein Bestes, diese Episode wenigstens ansehnlich zu gestalten. Packend wird sie dennoch nicht.

Zum Schluss sei noch erwähnt: Die Autoren erlauben sich einen weiteren Seitenhieb auf Donald Trump. Der twittert, dass die Kryptonier für den Wiederaufbau Gothams bezahlen müssten. Ein billiger Gag, der nicht funktioniert, weil der Vergleich mit Trumps ursprünglicher Aussage, eine Mauer nach Mexiko zu bauen, stark hinkt. Nicht jeder Zeitbezug ist ein passender Kommentar zur politischen Lage.

Noch zwei Ausgaben stehen bevor. Teil acht soll am 29. März 2017 erscheinen … – wenn es denn klappt. Schade, dass man das Ende nicht deshalb herbeisehnt, weil man wissen will, wie es weitergeht, sondern damit das Trauerspiel endlich abgeschlossen wird.

Die Dark Knight-Saga:

Die dunkle Seite der Seele

DC Comics

DC Comics

Titel: Jekyll & Hyde

Autor/Zeichner: Paul Jenkins/Jae Lee, Sean Phillips

Erschienen: 2005 (Mini-Serie #1-6, Paperback 2008)


„Man is not truly one but truly two.“ (R. L. Stevenson)

Two-Face will mit einer neu entwickelten Substanz die wahre Natur der Menschen entfesseln. Offenbar besteht diese in Mordlust und Kannibalismus, denn einige Bewohner Gothams werden zu Bestien, die sich gegenseitig umbringen und sogar essen. Two-Face will nicht nur sein ursprüngliches Ich als Harvey Dent vernichten, er nimmt sogar Batman gefangen, um dessen wahre Natur Überhand nehmen zu lassen. Zugleich erfahren wir etwas über Two-Faces Motivation: während eine Seite von ihm Harvey Dent ist, ist die andere Seite eine Art Projektion seines als Kind gestorbenen Bruders Murray. Der Schurke war also immer schon in sich gespalten.

Dieses Buch sollte man nicht an einem trüben Tag lesen – und schon gar nicht wenn man schlechter Laune ist. Nicht nur, dass hier die größten Grausamkeiten dargestellt werden, es ist von den Zeichnern Jae Lee und Sean Phillips so bedrückend düster inszeniert, dass man froh ist, wenn man das Heft wieder weglegen kann. Was zurückbleibt, ist aber nicht mehr als ein mulmiges Gefühl. Denn weder Story noch einzelne Momente hinterlassen einen tieferen Eindruck. Die Story erschöpft sich in allzu vielen Rückblenden und Brutalität. Wer eine gute Two-Face-Story lesen will, ist mit The Long Halloween besser bedient.

Mehr zum Thema:

Warum Superman Kanadier sein müsste

DC Comics

DC Comics

Titel: Superman – Secret Identity (dt. Geheimidentität)

Autor/Zeichner: Kurt Busiek/Stuart Immonen

Erschienen: 2004 (Mini-Serie #1-4), Paperback 2004, Deluxe Edition 2016; dt. Panini 2004 (Paperback)


„Life is good.“

„I think I’m supposed to worry too much.“ (Clark Kent)

Der Junge aus Kansas heißt Clark, aber nur weil seine Eltern Kent mit Nachnamen heißen und sich einen Spaß erlaubt haben. Denn Clark lebt in einer Welt, in der es bereits einen Superman gibt – in Comics. Er ist ein normaler Junge, bis auf die Tatsache, dass er in seiner Freizeit gerne in einem Traktor auf einer Schreibmaschine Tagebuch führt. Eines Tages kann er plötzlich fliegen. Und auch andere Superkräfte treten hervor, wie bei Superman. Clark tut, was man eben so mit solchen Kräften tut: Gutes. Bald auch im passenden Kostüm. Die Presse wird auf ihn aufmerksam, er vertraut sich einer Reporterin an, bewahrt jedoch seine Geheimidentität, sie hintergeht ihn und inszeniert schließlich Notfälle, um ihn aus der Reserve zu locken.

Was vielversprechend beginnt, läuft schnell auf das Übliche hinaus, was hochgelobte Superman-Storys ausmacht. Auch wenn Secret Identity einen alternativen Zugang zu dem Stoff versucht, indem sie einen normalen Jungen aus unserer Welt zu Superman werden lässt, stellt sich bald gepflegte Langeweile ein. Denn solche Superman-Comics sind meist Idyllen. Sie stecken voller Harmonie und Familienglück, alle Probleme lösen sich fast von selbst in Wohlgefallen auf.

Auch die Welt von Secret Identity ist eine, in der es am Weihnachtsmorgen schneit, in der Clark schon als junger Reporter einen Buchvertrag nachgeworfen bekommt und nicht nur Bestseller-Autor wird, sondern auch Standard-Werke zu allen möglichen Themen herausbringt. Da gibt es zwar die böse US-Regierung, die ihn verfolgt und einmal sogar in einem düsteren Labor festhält, aber auch das ist ein Konflikt, der schnell in einem Kompromiss beendet wird. Und selbst seine Familie mit seinen beiden Zwillingstöchtern wird perfekt. Am Ende ist das einzige Problem, das sich Clark stellt, ob er sie auf ihre geheimgehaltenen Superkräfte ansprechen soll. Solche Probleme hätte bestimmt jeder mal gerne, der wirklich in dieser Welt lebt …

Keine Frage: Secret Identity ist von Kurt Busiek weitegehend meisterhaft erzählt (auch wenn er am Ende in Gemeinplätze abdriftet) und prächtig von Stuart Immonen gezeichnet (hätte nicht gedacht, dass ich das mal schreiben werde). Aber an dem 200-Seiten-Comic haftet der Makel, doch nur das Superman-Klischee zu bedienen. Superman mag ur-amerikanisch sein, die Verkörperung des amerikanischen Traums. Aber es ist eben ein nie zu erreichendes Ideal. Während Batman die düstere Seite Amerikas zeigt, mit seinen Abgehängten, Verbrechern und Gestörten, steht Superman für ein romantisches Amerika, das es wohl nie gegeben hat. Man kann sagen: Batman ist USA, aber Superman ist eigentlich wie Kanada. Schön, nett, fast perfekt – aber verdammt öde.

>> Mehr Superman-Comics

Mann aus Stahl, Comic aus Blei

DC Comics

DC Comics

Titel: Superman – American Alien

Autor/Zeichner: Max Landis/Ryan Sook, Jae Lee, Jock, Francis Manapul u.a.

Erschienen: 2016 (Mini-Serie #1-7), Hardcover 2016; dt. Panini 2016 (Paperback)


„… whatever happened to the man of tomorrow?“ (Lex Luthor)

Superman ist lahm. Als Figur ist er eine Ikone, aber kein interessanter Charakter. Auch seine Entstehungsgeschichte war noch nie besonders spannend. Zwar hat er, wie Batman, seine Eltern verloren – aber es war kein traumatisches Erlebnis. Superman ist zwar die Geschichte eines Außenseiters, aber keines Normalos, sondern eines Überfliegers in jeglicher Hinsicht. Es ist nicht leicht, sich in jemanden hineinzuversetzen, der in allem super ist und dessen einziges Problem ist, zu gut für diese Welt zu sein.

Und trotzdem wird immer wieder versucht, Supermans Origin neu zu erzählen. Nach John Byrnes Man of Steel von 1986, der den modernen Superman definierte, aber heute lachhaft erscheint, kam Ende der 90er die Idylle Superman for All Seasons, im neuen Jahrtausend Birthright, Secret Origin, Earth One und Grant Morrisons Reboot von The New 52 – ganz zu schweigen von der TV-Serie Smallville, die zehn Staffeln lang die Vorgeschichte als Teenager-Seifenoper ausbreitete. Superheldengeschichten sind Geschichten einer Entwicklung – die Anfänge, das Entdecken der Kräfte, waren schon immer die reizvollsten Aspekte dieser modernen Mythen.

Clark Kent als Bruce Wayne

Und jetzt noch einmal: American Alien. Erzählt wird wieder alles von vorn. Als gäbe es da noch etwas Neues zu erzählen. Max Landis erzählt es eben ein bisschen anders, aber doch in alter Gewohnheit. In sieben Episoden, von der Kindheit bis Supermans Anfängen, jedes Kapitel hat einen anderen Zeichner. Clark Kent lernt fliegen. Clark Kent überwältigt einen Geiselnehmer. Und es wird viel geredet. Nach sehr viel Nabelschau beginnt ein wenig Handlung: Clark Kent kommt durch Zufall auf Bruce Waynes Yacht, gibt sich als Wayne aus, macht Party und hat Sex.

Doch die Handlung kommt nicht in Gang. Eigentlich wird nur geredet, was meist schwafeln bedeutet. Auch als Clark in Metropolis ankommt, landet er in einer Bleiwüste aus Sprechblasen. Lange Dialoge mit Lois Lane, ein ewiger, selbstgefälliger Monolog von Lex Luthor, ein altkluges Gespräch mit Dick Grayson, der ihm die Idee dazu gibt, dass Batman einen Gegenpol brauche (wtf?), schließlich ein Treffen mit Batman. Zugegeben: das ist stark, wie Batman zum Gruß Clarks Gesicht auf den Schreibtisch knallt und dann von ihm selbst gegen die Wand gedrückt wird. Da helfen auch weder Elektroschocker noch Pfeffersprays. Eine Sequenz zum Schmunzeln. Aber das war’s auch schon mit dem Spaß.

Superman: American Alien #4 (Jae Lee Variant)

DC Comics

Am Ende des Kampfes trägt Clark Batmans zerfetzten Umhang. Wie schon zuvor, als ihm als Kind ein zerfetztes T-Shirt zum Cape wurde. Lex Luthor bringt ihn auf die Idee, sein S-Symbol auf der Brust zu tragen. Das Buch ist voll von solchen Andeutungen mit dem Holzhammer. Dieser Fanservice nervt, denn er trägt mehr zur Mythenbildung als zum Charakter Clark Kent bei – obwohl das Buch doch eigentlich genau letzteres will.

Superman beginnt seine Karriere also mit Batmans Cape, Fliegermütze und einem selbstbemaltem schwarzen T-Shirt. (Denn die Variante mit T-Shirt und Arbeiterstiefeln hatten wir schon bei Morrison.) Doch kaum kommt mal mit dem Parasiten ein wenig Action in diese lahme Angelegenheit, endet der Kampf ganz schnell wieder, um mal wieder ein paar Leute Vorträge halten zu lassen: Lois Lanes pathetisch, Lex Luthor arrogant – der Leser gelangweilt. Und so geht das immer weiter, auch Pete Ross darf lang und breit seinen Senf abgeben. Nebenbei erfahren wir, dass Supermans das S-Symbol auch auf der Brust trägt, weil er hofft, dadurch von seinesgleichen gefunden zu werden.

Zwischendrin schauen auch mal ein paar Promis vorbei: Oliver Queen (Green Arrow) zum Beispiel, oder zwei Green Lanterns als Deus ex machina, die Clark den Arsch retten, als er zum ersten Mal ins Weltall fliegt. Die Lanterns teilen ihm mit, dass er von Krypton komme, und später sagt Lobo Superman, dass dieser der letzte seiner Art sei. Mit anderen Worten: wieder ein Vortrag. Wie ermüdend.

Ein wenig entschädigt wird man durch die Zeichnungen von Jae Lee (Batman/Superman), Francis Manapul (Detective Comics) und auch Jock (The Black Mirror), die anderen Zeichner können, was Ausdruck angeht, da nicht mithalten – das zieht die Qualität insgesamt stark runter. Herrlich anzusehen sind auch die einfallsreichen Cover von Ryan Sook, von denen leider die ersten beiden falsche Erwartungen wecken: Auf dem ersten sehen wir einen jungen Clark mit rotglühenden Augen im Maisfeld stehen – das wirkt bedrohlich, hat aber nichts mit der Handlung zu tun. Gleiches gilt für das zweite, das einen Mugshot von Clark zeigt, das ihn als jugendlichen Delinquenten darstellt – obwohl er in dem Kapitel kein Verbrechen begeht, sondern eines verhindert.

Aber auch die besten Zeichner können American Alien nicht vor der Belanglosigkeit bewahren. Wer sich tiefer mit dem Wesen von Superman beschäftigen will, sollte lieber den Comic-Essay It’s a Bird … lesen – das ist immer noch das Eichmaß der Superman-Kritik. Von American Alien ist jedoch jedem abzuraten, der nicht vor Langeweile sterben will.