DC ComicsTitel: The Many Deaths of the Batman (dt. Batmans viele Tode)
Autor/Zeichner: John Byrne/Jim Aparo
Erschienen: 1989 (Batman #433-435), Hardcover 2017 (DC Universe by John Byrne) (nicht digital!), Paperback 2019 (Batman: The Caped Crusader Vol. 2); dt. Hethke 1990 (Batman Album 7)
Batman wird tot aufgefunden. Gekreuzigt an einen Zaun, in einer Gasse. Die Meldung macht die Runde. Doch der Tote unter der Maske sieht gar nicht aus wie Bruce Wayne. Kurz darauf wird ein weiterer falscher Batman in die Luft gejagt. Dann wird einer aus dem Fluss gefischt. So geht es weiter: Irgendwelche Leute in Batman-Kostümen werden ermordet, während sich der echte Batman sich bester Gesundheit erfreut. Doch dann bekommt auch Bruce Wayne ein Kostüm geschickt …
Es stellt sich heraus, dass die Toten eine Gemeinsamkeit haben: Sie sind alle Experten auf einem bestimmten Gebiet – und haben einst Batman unterrichtet. Sie haben Batman erst zu dem gemacht, der er ist.
Die Story beginnt spannend: nämlich mit einer Ausgabe ohne Worte. Der erste Teil wird fast nur über Bilder erzählt. So geht es im zweiten Teil noch ein paar Seiten weiter, bis dann ganz viel geredet wird, wie in einer Detektiv-Geschichte üblich. Es wird wild spekuliert, kombiniert und deduziert, die Story schlägt ein paar Haken und am Ende ist eigentlich alles ganz einfach. Die Auflösung muss nicht gerade durch Glaubwürdigkeit bestechen, aber hat einen interessanten Twist. Aber vor allem der wortlose Anfang ist lesenswert, weil er zeigt, dass Comics auch ganz gut ohne Sprechblasen auskommen. Man muss sich nur trauen, die Bilder für sich sprechen zu lassen.
Ein Hinweis:The Many Deaths of the Batman ist zwar im Band „DC Universe by John Byrne“ enthalten, aber nur in der Print-Ausgabe. In der digitalen Ausgabe fehlen aber die drei Hefte, stattdessen sind nur die Cover enthalten – eine dreiste Irreführung. Dafür gibt es die Einzelausgaben bei Comixology.
„There’s a certain freedom in letting insanity rule.“
Dass der Joker seinen Humor verliert, das kommt nicht erst im War of Jokes and Riddles vor: Schon nach dem Vorfall mit Jason Todd ist der Joker nicht mehr derselbe. Schmerzgeplagt und verwirrt kauert er in seinem Versteck und muss im Fernsehen mitansehen, wie ein Betrüger seine Rolle übernimmt. Doch der falsche Joker erzählt bloß miese Witze und will sich nur bereichern. Das kann das Original nicht auf sich beruhen lassen.
Joker, deprimiert und mit roter Haube
Und dann sind da noch Batman und James Gordon. Der Fall öffnet bei ihnen wieder frische Wunden: Batman hat Jason Todd (Robin II) an den Joker verloren (vgl. A Death in the Family), Gordons Tochter Barbara wurde von ihm verkrüppelt und gedemütigt (siehe The Killing Joke). Batman fragt sich, ob er sich das nächste Mal wird zurückhalten können und warum er seinen Widersacher nicht einfach erschießt. Gordon ist da ganz ähnlich.
Der Joker-Nachahmer hat große Ambitionen, er will Erfolg haben, wo der Joker gescheitert ist. Aber seine Motivation erschließt sich nicht wirklich. Er ist ein unsympathischer Typ, den man bloß schnell loswerden will, um den Status quo wieder zu haben. Umso sympathischer wirkt der echte Joker, der von einer sehr menschlichen Seite gezeigt wird: voller Selbstzweifel, in einer Identitätskrise steckend, manchmal überraschend, wenn er etwa für eine Zeitung bezahlt. Am Ende ist man froh, dass er wieder da ist – zurück in Arkham, wo sein ganz normaler Wahnsinn wiederhergestellt wird.
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„The day a case is too small for the Batman is the day I hang up my cowl!“
Batman und die Beatles? Ist das wirklich passiert? Nein, nicht wirklich. Aber doch ziemlich nah dran. Die Beatles heißen hier „Oliver Twists“. John Lennon heißt hier Glennan, Paul McCartney heißt hier Saul Cartwright, sie tragen Kleidung wie bei Sgt. Pepper und es ist die Rede von einem „Pink Submarine“. Und dann ist da noch ein Gerücht: Saul soll eigentlich tot und durch einen Doppelgänger ersetzt worden sein. Batman und Robin gehen der Sache nach.
Alles beginnt damit, dass Dick Grayson die Oliver Twists auf den Campus holen soll. Seine Kommilitonen bedrängen ihn, seine Beziehungen zu Bruce Wayne spielen zu lassen. Bruce, der zufällig Aktionär der Plattenfirma ist, lädt sie zu sich nach Wayne Manor ein. Dort versucht Robin mit einer Stimmenanalyse herauszufinden, ob Saul echt ist. Das klappt nur leidlich: Robin bekommt eins von hinten verpasst und stürzt die Treppe herunter. Später werden Profikiller auf das Dynamische Duo angesetzt …
Die Auflösung ist überraschend: Nicht Saul ist Fake, sondern der Rest des Quartetts. Die drei anderen Twists sind auf einer Reise nach Fernost gestorben und wurden ersetzt, nur noch Saul stammt aus der Originalbesetzung. Das Gerücht um seinen Tod sollte nur von der Wahrheit ablenken. Und der falsche Glennan ist der eigentliche Schurke. Die Twists machen dann als Trio weiter – mit neuem Sound.
Von Batman zu Taxman
Als das Heft herauskam, waren die Beatles schon Geschichte. Aber die Verschwörungstheorie „Paul is dead“ trieb bereits ihre Blüten. Fans meinten versteckte Hinweise auf Plattencovern und Songtexten zu finden, manche Songs wurden dafür sogar rückwärts abgespielt. Darüber macht sich diese Batman-Story zwar lustig, aber nimmt den Fall immer noch ernst genug, dass sich unsere Helden damit auseinandersetzen und es nicht als Unfug abtun. Merke: In Superheldencomics ist an Gerüchten und Verschwörungstheorien immer etwas dran.
Übrigens: Die Beatles ließen sich auch mal von Batman inspirieren. 1966, als die Batmania im Zuge der TV-Serie tobte, zitierte George Harrison in seinem Song „Taxman“ (erschienen auf Revolver) Neal Heftis Main Theme.
Dass Batman sich für nichts zu schade ist, gesteht er in der zweiten Geschichte des Heftes und stellt es erneut unter Beweis: Obwohl er völlig ausgelaugt ist, sich kaum noch auf den zittrigen Beinen halten kann, jagt er einem Kameradieb hinterher. Seine Performance ist erbärmlich, aber er erreicht sein Ziel trotzdem. Hauptsache, er sieht anschließend auf dem Foto gut aus. Auch Batman ist manchmal ein bisschen Fake …
Autor/Zeichner: Max Allan Collins u.a./Jim Starlin u.a.
Erschienen: 1987 (Batman #402-403, #408-416, Batman Annual #11), Paperback 2015
„In what I do there is no place for a child.“ (Bruce Wayne)
Jason Todd war als Robin-Nachfolger zunächst nichts als ein Dick-Grayson-Abklatsch – ein Zirkuskind, dessen Eltern ermordet wurden (von Killer Croc). Sein erster Auftritt war in Batman #357 (1983), im Robin-Kostüm in Batman #366 (1983). Doch nach der Crisis on Infinite Earths bekam Jason eine zweite Chance: Second Chances erzählt eine neue Version der Geschichte, wie Jason Todd zum zweiten Robin wurde und was er in seinen ersten Tagen erlebte.
Zunächst hört Dick Grayson als Robin auf, nachdem er vom Joker angeschossen wurde. Batman bekommt Skrupel, ein Kind zu gefährden, feuert seinen Partner und will auch keinen neuen Robin mehr rekrutieren. Doch als bald darauf ein neuer Junge auftaucht, scheinen alle guten Vorsätze vergessen. Jason Todd ist zunächst ein Straßenkind, das ohne Eltern in der Crime Alley aufwächst (Mutter tot, Vater Gauner). Als Batman seine Runde durch das Viertel dreht, erwischt er Jason dabei, wie er ihm die Reifen vom Batmobil klaut. Batman ist – anders als erwartet – sehr amüsiert darüber und lacht schallend. (Zugegeben: Etwas gruselig.) Beeindruckt vom Mumm des Knaben steckt er ihn in eine neue Schule für Straßenkinder, die eine alte Frau namens Ma Gunn in der Gegend betreibt. Doch die Alte ist in Wirklichkeit eine durchtriebene Schurkin, die Kinder zu Verbrechern heranzieht … (Ma Gunn ist eine Variation der Schurkin Ma Parker aus der Batman-TV-Serie der 60er.)
Batman lacht über geklaute Reifen.
Aber Jason hat da keine Lust drauf. Nicht etwa, weil er lieber ehrlich geworden wäre, er klaut lieber weiter Reifen. Nachdem er Batman hilft, die Bande hochzunehmen, entwickelt sich Jason aber zum Musterknaben: Batman zieht ihn sofort ins Vertrauen, bildet ihn in allem aus, was man als Verbrechensbekämpfer wissen muss (sogar im Schießen!) und macht ihn zum neuen Robin. Alles kein Problem. Auch die erste Bewährungsprobe gegen Two-Face meistert Jason mühelos. Als er erfährt, dass Two-Face dessen Vater ermordet hat, will er dann aber den Schurken eigenhändig kaltmachen. Eine Bat-Lektion später ist er aber wieder guter Dinge und rettet im Finale sogar Two-Face vor dem sicheren Tod. Als Robin auf Nightwing trifft, kommt es zur Aussprache zwischen Batman und Dick Grayson. Batman gesteht ihm den wahren Grund für den neuen Robin: weil er sich einsam gefühlt hat. Sehr bedenklich …
Batman spatziert durch Crime Alley.
Die Story ist nicht gerade ein Musterbeispiel an Eleganz. Batman ist hier nicht der typische düstere und mysteriöse Eigenbrötler, man sieht ihn nicht nur lachen, sondern auch bei Gordon lässig auf der Couch rumlümmeln. Wenn er bei ihm im Büro auftaucht, ist er nicht plötzlich da, sondern er wird beim Einstieg durchs Fenster gezeigt oder er benutzt einfach die Tür. Auf der Crime Alley geht Batman spazieren (eine ähnliche Szene gibt es in Gotham After Midnight), einmal sitzt er grübelnd auf der Motorhaube des Batmobils. Angesichts der Tatsache, dass erst ein paar Ausgaben zuvor das düstere Year One erschienen ist, wirkt diese heiter-lässige Batman-Version umso befremdlicher.
Und dann sind da noch ein paar lächerliche Momente, die an Rückfälle ins Golden Age erinnern: Two-Face leistet sich eine Jagd auf dem Baseball-Feld und dann noch eine in einem Riesen-Roulette. Der Schurke bleibt oberflächlich und plump – und damit hinter seinen Möglichkeiten zurück.
Warum denn so albern?
Nach der Haupthandlung kommen noch ein paar belanglose Einzelausgaben: Batman und Robin kämpfen gegen eine Pantomine, die die Klöppel aus Kirchenglocken stiehlt, um Stille in der Stadt herzustellen, dann gegen einen Dieb japanischer Schwerter, am Ende steht eine Anekdote über den Pinguin, der sich verliebt, aus dem Knast kommt und eine Schirmfabrik aufmacht. Außerdem gibt es eine Episode aus dem Crossover Millenium, mit dem man nichts anfangen kann, wenn man den Rest nicht kennt. Bemerkenswert sind lediglich zwei Storys: eine über einen ehemaligen Polizist, der sich für Batman hält und mit tödlicher Gewalt gegen Verbrecher vorgeht, und eine (Batman #414), in der Batman allein einen Serienmörder jagt – und dabei aus persönlichen Motiven die falschen Schlüsse zieht.
Jason Todd macht es als Robin bekanntlich nicht lange. Schon bald darauf (A Death in the Family) wird er vom Joker ermordet und von Tim Drake ersetzt (A Lonely Place of Dying). 2005 kehrt Jason als Red Hood von den Toten zurück.
„What’s the difference between a joke and a riddle? (…) The answer is ‚Who cares?'“ (Selina Kyle)
Ein Jahr nach dem Zero Year: Dem Joker ist der Humor abhanden gekommen. Egal, was er auch tut, er kann nicht mehr lachen. Auch wenn er Komiker vorsprechen lässt, auch wenn er wahllos irgendwelche Leute umbringt. Der Riddler, der im Knast einsitzt, hat auch keinen Spaß mehr an Rätseln, auch wenn ihn die Polizei ständig um Hilfe bittet, welche für sie zu lösen. Und der Grund für die Miseren der beiden ist Batman. Riddler bricht aus dem Knast aus, kommt zum Joker und schlägt ihm einen Pakt vor. Der Joker lehnt ab, schießt auf den Riddler – und damit beginnt ein Krieg, bei den sich Batmans Rogue Gallery in zwei Lager spaltet …
Es gibt einige bemerkenswerte Momente in dieser Story: Das Vorsprechen der Komiker bei Joker. Riddlers Gefängnisausbruch. Ein Abendessen der Kontrahenten bei Bruce Wayne. Einen Exkurs zu Kite-Man, der dem lächerlichen Schurken eine ernst zu nehmende Tiefe verleiht. Es gibt Fan-Service wie eine Variation der Joker-Spiegel-Szene aus Tim Burtons erstem Batman-Film, einen Pinguin, der an Danny DeVito aus Batman Returns erinnert und eine Anspielung auf den ersten Auftritt des Jokers in Batman #1. Außerdem sind die präzisen Zeichnungen von Mikel Janin und Clay Mann wie immer beeindruckend.
Aber: Trotz allem hat die Geschichte bei mir nicht funktioniert. Warum? Es gibt einen Grundsatz beim Schreiben: Show, don’t tell. Das heißt: Werde konkret, lass Charaktere handeln und sprechen, erzähle nicht einfach, was sie denken, fühlen und tun. Autor Tom King kennt diesen Grundsatz, wie jeder Profi. Und dennoch ist sein War of Jokes and Riddles meistens eine reine Nacherzählung, in der er Batman in zu vielen Captions einfach nur reden lässt, statt der Handlung mehr Raum zu geben, sich entwickeln zu lassen. Der Krieg bleibt abstrakt, wir sehen kaum etwas davon, er wird nur behauptet, aber selten gezeigt – auch nicht in seiner Wirkung auf Gotham und seine Einwohner. Einzig ein dreitägiger Kampf zwischen den Profikillern Deathstroke und Deadshot bekommt ein paar Seiten gewidmet, aber auch der bleibt spannungsarm, weil man nie das Gefühl hat, dabei zu sein, zu distanziert wirkt das alles.
Das andere große Problem bildet die Motivation der Figuren. Es ist etwas müßig, beim Superhelden-Genre das Maß der Wahrscheinlichkeit anzulegen, aber jede noch so fantastische Story braucht ein gewisses Maß an Glaubwürdigkeit innerhalb ihrer Ansprüche und Möglichkeiten. Hier ist es nicht nur fragwürdig, warum Joker und Riddler sich so verbittert bekriegen, sondern auch dass sich wirklich alle großen Schurken auf eine der beiden Seiten schlagen und sich souveräne Einzelgänger wie Two-Face oder Poison Ivy als Handlanger bzw. Soldaten einspannen lassen. Tom King zeigt uns nicht, wie es dazu kam, er spart die Rekrutierung einfach aus – so wie vieles andere.
So bleibt The War of Jokes and Riddles da sprunghaft, wo es interessant geworden wäre. Stattdessen gibt es seitenweise Gräueltaten, Dialoge zwischen und Monologe von Joker und Riddler. Und obwohl viel geredet wird, bleiben ihre Motive dennoch schwammig und dadurch wirkt der große Krieg sehr bemüht. Auch die Lösung und Auflösung am Ende überzeugen (mich) nicht. Und sowohl Bruce Waynes Fahrlässigkeit als auch Batmans Handeln bleiben (mir) unverständlich.
Das ist auch deshalb schade, weil damit eine grundsätzlich interessante Idee verheizt wurde. So wirkt der Comic nur wie der feuchte Traum eines Fanboys, der sich ausmalt, wie cool es wäre, wenn der Joker und der Riddler gegeneinander Krieg führten, aber nicht genug Fantasie und Fähigkeiten entwickeln, aus der Idee eine durchdachte, spannende und vielleicht sogar innovative Geschichte zu schreiben.
Coole Prämissen, schwache Umsetzungen – Superhelden-Comics sind leider voll davon.
Batman und Robin sind an Heiligabend mit einem Rentierschlitten unterwegs und wollen Geschenke verteilten. Da rekrutieren sie drei Aushilfsweihnachtsmänner, drei Männer, die gerade darüber jammern, welches Unrecht ihnen widerfahren ist. Der eine ist ein Schauspieler, der im Alter keine Rollen mehr bekommt – dem kommt es gerade recht, Santa Claus zu sein. Ein anderer saß jahrelang zu Unrecht für einen Mord im Knast. Der dritte wurde von seinen Erben in die Klapse gesteckt, um abzukassieren, obwohl er gar nicht irre ist, jetzt ist er abgehauen.
Der Letzte ist der Wichtigste in dieser Geschichte, denn seine Erben bekommen seinen Ausbruch mit und beschließen, ihn umzulegen. Weil da aber noch zwei andere als Weihnachtsmann verkleidet herumlaufen, entführen sie alle drei. Was natürlich keinen Sinn ergibt, weil es einfacher wäre, allen dreien zunächst die Maske vom Gesicht zu reißen, aber so wird es dramatischer, wenn am Ende alle drei sich gegenseitig schützen, indem sie sich dazu bekennen, der Gesuchte zu sein.
Batman und Robin wurden da schon von den Schurken in Rollstühlen gefesselt. Nachdem sie sich befreit haben, kommt es zum Finale im Theater, wo Batman und Robin die drei Schurken auf der Bühne verprügeln, während die Kinder zusehen. Einen falschen Santa Claus befördert Batman mit einem Kinnhaken in einen Schornstein – was ihn in die Nähe von Superman rücken dürfte.
Am Ende findet jeder der drei Unglücklichen zurück ins Leben, mit neuen Aufgaben und neuen Jobs. Und die Moral von der Geschicht: Santa Claus gibt es wirklich – als Geist, der Licht in die Leben der Menschen bringt. Das Gleiche könnte man natürlich auch über Batman sagen …
Erschienen: 1944 (Batman #27), Hardcover 2017 (Batman: The Golden Age Omnibus Vol. 4)
„I never thought anybody could be mean enough to turn christmas into a racket!“ (Robin)
„We’ll teach them the proper spirit!“ (Robin)
Bruce Wayne und Dick Grayson kaufen sich einen Weihnachtsbaum. Acht Dollar? Das ist selbst für einen Millionär zu viel – denn der preisbewusste Wayne weiß, dass so ein Baum nicht mehr wert ist als einen Dollar. Aber die Preise sind Wucher, weil eine Bande sie Verkäufer dazu zwingt, um sich daran zu bereichern.
Das geht natürlich nicht, dass Leute aus dem Fest eine Abzocke machen, also steigen Bruce und Dick in ihre Kostüme und stellen den Gaunerboss zur Rede. Der aber redet sich heraus, indem er die Verantwortung an den Millionär Scranton Loring abgibt. Der ist ein minderjähriger Erbe, der alle Qualitäten eines Scrooge hat. Selbst für seinen Onkel, der sich ihm am Weihnachtsabend im Santa Clause-Kostüm präsentiert, hat der Bengel nichts übrig. Hauptsache, die Zahlen stimmen.
Batman und Robin spielen daraufhin die guten Geister, die ihn eines besseren belehren. Aber was bei Charles Dickens im Reich der Fantastik funktioniert, wird hier zur Freiheitsberaubung, Kindesentführung und -gefährdung. Der Zweck heiligt die Mittel – das ist das Vigilantenprinzip, aber niemand kommt auf den Gedanken, dass er damit genauso rücksichtslos handelt wie Scrooge Loring. Denn: Solange das Motiv edel ist, so die Logik dahinter, kann man Menschen auch zu ihren Glück zwingen …
Das Dynamische Duo führt dem Jungen also die Opfer seiner Abzocke vor: die Geschädigten, die Armen und Kranken. Loring knickt immer mehr ein. Erst gibt er Almosen, dann übernimmt er ganze Arztrechnungen, schließlich wird er bekehrt. Die Gauner haben mittlerweile seinen Onkel (Santa Claus) entführt und wollen ihn abknallen, weil er sie davon abhalten wollte, Loring auszunehmen. Batman und Robin verprügeln die Verbrecher, befreien Santa Claus und gehen Geschenke shoppen. Mit dem fliegenden Bat-Schlitten verteilt der geläuterte Jungmillionär die Gaben an Kinder im Krankenhaus und sagt, er habe das Geheimnis wahren Glücks erfahren. Jetzt will er sein Vermögen nur noch für andere ausgeben.
Hoffentlich wird er dabei von Bruce Wayne beraten, der trotz seiner spendablen Art um den Wert eines Weihnachtsbaums weiß …
Titel: Two-Face, Part 1: The Face Schism/Part 2: Schismed Faces (dt. Die Zerreißprobe)
Autor/Zeichner: Doug Moench/Kelley Jones
Erschienen: 1996 (Batman #527-528), Hardcover 2014 (Batman by Doug Moench and Kelley Jones Vol. 1), 2017 (Two-Face: A Celebration of 75 Years); dt. Dino 1998 (Batman #9)
„We all wear two faces. What counts is what they mask.“
Two-Face bricht aus Arkham Asylum aus – mit dem Entschluss, alte Rechnungen zu begleichen. Er bricht in Harvey Dents alte Wohnung ein, knallt den Mieter ab und holt alte Akten aus der Wandverkleidung, weil Staatsanwälte die gerne für alle Fälle dort deponieren. Damals konnte Dent den Zirkusdirektor Lockhart nicht des Mordes überführen, aber überzeugt von dessen Schuld, will er den Mann zur Rechenschaft ziehen.
Günstigerweise ist der Zirkus in der Stadt. Ungünstigerweise fällt aber die Münze schon wieder auf die falsche Seite (oder vielmehr günstig für Lockhart). Daher versucht Two-Face, die Siamesischen Zwillinge namens „Schism“ dazu zu überreden. Denn die beiden werden in der Freakshow vorgeführt und von Lockhart misshandelt …
Batman torkelt ziemlich planlos über das Zirkusgelände, kämpft gegen einen Kraftmenschen und einen Messerwerfer und weil das zu schnell geht, um zwei Comichefte zu füllen, gibt es für beide auch eine zweite Chance (Two-Face gefällt das). Was Two-Face aber nicht gefällt, ist dass er sich wieder mal um alles selbst kümmern muss. Er schminkt sich als Clown und schießt auf Batman. Aber – jetzt kommt’s: nur einmal. Und in die Brust. Wie bitte? Das ist nicht nur nachlässig, das ist überaus schlampig. Und halbherzig. Wie diese ganze Geschichte, die vor Albernheiten in grotesker Aufmachung nur so strotzt.
Erschienen: 1944 (Batman #26), Hardcover 2017 (Batman: The Golden Age Omnibus Vol. 4)
„We must never forget that the past reveals our past mistakes and glories both!“ (Brane)
Während des Zweiten Weltkriegs hat Batman gegen Nazi-Spione im eigenen Land gekämpft und gegen Nazi-Soldaten in Atlantis, sogar in einem dystopischen Szenario gegen Nazi-Besetzer. Im fünften Abenteuer geht der Kampf in der fernen Zukunft weiter – und im Weltall. Diese Science-Fiction Geschichte handelt auf den ersten Blick nicht wirklich von Nazis: Es fehlen die Deutschen, Hitler und Hakenkreuze. Trotzdem geht es um sie, wenn auch nur im Gewand der Allegorie.
Führer Fura
Im Jahr 3000 leben die Menschen auf der Erde in Frieden, haben sich der Wissenschaft zugewandt und treiben Handel mit Außerirdischen. Da fallen Invasoren vom Saturn über die Erde her: Die grünen Männchen mit Segelohren tragen den Ringplaneten als Abzeichen und folgen ihrem Alleinherrscher, der den Namen Fura trägt, was in der englischen Aussprache nicht zufällig wie „Führer“ klingt. Die Aliens unterwerfen die Menschen in einem „Blitzkrieg“ und stecken sie in Konzentrationslager. Spätestens hier wird klar, dass wir uns nicht in einer futuristischen Fantasiewelt befinden, sondern in der Gegenwart des Zweiten Weltkrieges.
Zwei blauhaarige junge Männer, Brane und sein jüngerer Freund (?) Ricky, finden in einer Zeitkapsel aus dem Jahr 1939 nicht nur Dokumente, die sie an den US-Freiheitskampf erinnern, sondern auch an die Heldentaten von Batman und Robin. Kurzerhand werden die beiden jungen Männer zu freiheitsliebenden Patrioten, legen sich Kostüme zu und proben den Aufstand. Als Guerillakrieger gehen sie mit gutem Beispiel voran, andere folgen ihnen in den bewaffneten Widerstand, die Aliens werden vertrieben. Doch das reicht nicht: Es kommt zum Showdown auf dem Saturn, bei dem sich herausstellt, dass die Saturnbewohner nicht alle böse sind, und dass Fura bloß über eine Roboter-Armee geherrscht hat. Fura stirbt beim Kampf im Weltall, indem er erfriert.
Ende 1944 befanden sich die USA noch im Krieg, aber in dieser Story wird bereits der Friedensprozess vorweggenommen. In dieser Allegorie sind die Aliens vom Saturn nur Opfer eines Schurken geworden, der sie unterjocht hat. Seine Krieger sind keine Menschen, sondern bloß Marionetten. Am Ende jubeln beide Seiten, Erdlinge und Außerirdische über das Ende des Krieges und der Diktatur.
Brane ist selbstverständlich ein direkter Nachfahre von Bruce Wayne (daher auch der Name) und er hat ebenso ein Problem damit, seiner Liebsten seine Geheimidentität offenzulegen, weshalb sie ihn zunächst für einen Feigling hält. Erst als er sich öffentlich dazu bekennt, Batman zu sein, wird auch sie bekehrt.
Ganz abgesehen davon ist The Year 3000 auch die erste Story, in der nicht Bruce Wayne der Held ist, sondern ein alternativer Batman. Damit wurden die späteren „Imaginary Stories“ und „Elseworlds„-Comics vorweggenommen.
„Fate has cursed me with duality — and I decided long ago that it is my ugly evil side which dominates! Similarly, Batman’s fate-given destiny is to oppose evil and ugliness.“ (Two-Face)
Harvey Dent hat in Arkham ein neues Hobby: Bildhauerei. Am liebsten Form er Batman-Büsten, die er zur Vollendung gerne halbseitig entstellt. Mittels dieses neu entwickelten Talents bricht Two-Face aus, stiehlt zwei identische Supercomputer und lässt sich ausrechnen, wo er als nächstes zuschlagen soll. Ein Münzwurf entscheidet. Seine Ziele tragen stets ein „two“ oder „double“ oder „twin“ im Namen. Aber braucht es wirklich einen Computer, um herauszufinden, dass Gotham eine Twin Towers Bank hat? Eigentlich ist Two-Face dank seines immer gleichen (wenn auch nicht bewährten) Modus Operandi der alte Gauner geblieben – und damit auch berechenbar. So spannend der Charakter wegen seiner Spaltung ist, so langweilig ist er auch in seinem Handeln. Einen großen Plan hat Two-Face nicht.
Batman hingegen schon. Er holt sich Hilfe von Circe, einer Maskierten, deren Gesicht von Black Mask entstellt worden ist. Zusammen versuchen sie, Harvey Dent in eine Falle zu locken. Ihm wird die Aussicht auf eine wundersame Heilung durch Magie aus dem Alten Ägypten verheißen. Doch als sich Two-Face die Totenmaske eines Pharao aufsetzt und Circe ihn zu hypnotisieren versucht, geht die Sache nach hinten los …
Harvey Dent erscheint mit einem wieder heilen Gesicht, doch dann reißt er sich das Make-up herunter und es offenbart sich ein total entstelltes – er hat sich eine doppelte Maske geformt. (Wozu der Aufwand?)
Two-Face hat sich für das Böse entschieden. Er kann, so sagt er, seine Münze so oft werfen, bis er ein Resultat bekommt, das ihm gefällt. Das ist eine neue Entwicklung: Harvey ist nicht mehr Sklave seiner Münze. Seine böse Seite herrscht über ihn.