Das Poster zu „The Suicide Squad“ (Ausschnitt) (Warner Bros.)
Fünf Jahre nach David Ayers missratenem Suicide Squad ist James Gunns The Suicide Squad im Kino. Eine Fortsetzung, die so tut, als hätte es einen ersten Teil nicht gegeben und den Fehlschlag vergessen lässt? James Gunn, der Retter der Task Force X? Leider nein.
Zwar ist der neue Film gelungener als der erste, das zu übertreffen ist nicht schwierig. Gunn hat ein Talent für Humor und für Dialoge. Aber auch der Neuversuch leidet noch immer an den gleichen Problemen: Charaktere, die einen wenig bis gar nicht interessieren, austauschbare Schurken und daher auch eine Story ohne Spannung.
Stattdessen setzt James Gunn auf zwei Faktoren: Brutalität und Absurdität. Es wird mehr gemetzelt denn je, und man soll es lustig finden, tatsächlich verbraucht es sich schnell und ermüdet. Wahrscheinlich lässt Gunn deswegen irgendwann statt Blut Blumen regnen. Harley Quinn, Bloodsport und Peacemaker töten so routiniert, dass der Zynismus dahinter einen abstumpfen lässt. Ein Menschenleben ist nicht viel wert, auch um die Antihelden kümmert man sich daher nicht viel. Figuren wie Polka Dot Man und King Shark gehen über Kuriositätenkabinett mit platten Witzen nicht hinaus. Tragische Hintergrundgeschichten wie bei Ratcatcher ändern an der Anteilnahme nur wenig.
Worum es eigentlich geht, das ist dann ziemlich egal: Starro der Eroberer als Endgegner ist verheizt für eine bunte Zerstörungsorgie, ohne je bedrohlich zu wirken, und damit fällt er leider als potenzieller Justice-League-Schurke für die nächsten Jahre leider weg. Einzig die Wendung am Ende, dass Amanda Waller die wahre Schurkin ist, weil sie bloß Beweise für US-Verbrechen vertuschen will, hätte Potenzial gehabt, aber das kommt zu spät und spielt am Ende auch keine Rolle, um noch am Ende ernsthaft über moralische Fragen zu diskutieren.
Nein, ernst zu nehmen ist hier nichts. Mit Guardians of the Galaxy hat Gunn zumindest bewiesen, dass auch ein reiner Spaßfilm emotionale Tiefen haben kann. Sein Suicide Squad fühlt sich hingegen hohl an.
Autor/Zeichner: Scott Lobdell, Jeph Loeb/Marc Silvestri, Dave Finch, Clarence Lansang
Erschienen: 1999 (One-shot), 2017 (The Darkness: Darkness/ Batman & Darkness/ Superman 20th Anniversary Collection), dt. Dino 1999 (DC Crossover #30)
Letztens durchstöberte ich vor dem Comicladen ein paar Kisten mit alten Heften. Darin viele aus der Dino-Zeit, in der ich mit Comics angefangen habe. Eins nahm ich mit: das Crossover Darkness/Batman, für zwei Euro im guten Zustand – ein Schnapper mit Nostalgiefaktor.
Nun darf man nach einigen Crossovern nicht zu viel erwarten: Meistens haben sie keinen tieferen Sinn, als zwei Helden zusammenzubringen, die nicht zusammengehören. Und so ist es auch hier. Das Besondere soll sein, dass hier zwei Gestalten aufeinandertreffen, die in der Finsternis zu Hause sind, also scheinbar Gleichgesinnte sind, wenn auch mit anderen Zielen und Methoden.
Der Held mit dem nicht sonderlich einfallsreichen Namen Darkness (erschienen seit 1996 bei Top Cow) hat lange schwarze Haare, eine Metallmaske und trägt eine Art Rüstung. Mithilfe der Macht der Finsternis (also nachts) mordet er im Auftrag der Mafia. Außerdem wird er begleitet von den Darklings, einer Horde kleiner fieser Kobolde, die ihm helfen. Und genau das tun sie auch in Gotham: Sie richten ein Gemetzel unter Gangstern an. Batman ist entschlossen, sie aufzuhalten. Zugleich bekommt Darkness (der in zivil Jackie Estacado heißt) den Auftrag seines Bosses, Batman zu töten.
Gastauftritte von Batman-Schurken
Dabei erweist sich der sonst ruchlose Killer als ziemlich halbherzig. Als er das erste Mal vor Batman steht und eine Waffe zückt, lässt er sich zunächst bequatschen und dann K.O schlagen. Seine Darklings machen sich später auch eher einen Spaß daraus, Batman mehr zu nerven als wirklich anzugreifen. Dritte Runde: Darkness packt sich Batman – lässt aber von ihm ab. Denn Batman ist nun mal der Gute und warum sollte man nicht zulassen, dass einer wenigstens versucht, was Gutes zu tun?
Sein Boss ist weniger einsichtig und schießt die Polizeiwache zusammen. Zwischendurch gehen Bruce und Jackie joggen und es wird über Frauen geredet. Ach ja, und das Ganze wird noch gewürzt durch völlig unmotivierte und folgenlose Gastauftritte klassischer Batman-Schurken: Two-Face, Catwoman, Killer Croc und der Joker auf einer Doppelseite, die man um 90 Grad drehen muss, um sie in seiner ganzen Aufdringlichkeit und Pointenlosigkeit genießen zu können.
Wenn aus Catwoman „Katzenweib“ wird. (DC Comics/Dino Comics)
Ja, auch dieses Crossover ist also ganz großer Quatsch. Aber auch Quatsch kann Spaß machen. Gerade in der deutschen Übersetzung, wenn sich Catwoman – völlig grundlos und ganz im Stil von Batman hält die Welt in Atem – „Katzenweib“ nennt. Nicht so spaßig sind die vielen Fehler, die zeigen, wie schnell und schlampig hier produziert wurde. Aber schaut euch mal die tollen detailreichen Zeichnungen an! Ja, schauen reicht eigentlich, denn Lesen muss man das Ganze nicht.
„I want to be part of something bigger than myself.“ (Jace Fox)
Anfang 2021 machten die DC-Serien einen Sprung in die nicht allzu weit entfernte Zukunft: In Future State ist Gotham ein Überwachungsstaat, in dem Superhelden verboten sind, Batman (Bruce Wayne) gilt als tot (siehe Dark Detective), der „Next Batman“ ist Tim „Jace“ Fox, Sohn von Lucius Fox. Doch wie es dazu kam, das wurde bisher nicht erzählt. Das holt Autor John Ridley in der Digital-First-Serie Second Son nach.
Wir sehen Jace zunächst als eine Art maskierter Rächer, der auf eigene Faust in Vietnam einen Mann namens Arkadine jagt, bis er von Grifter im Auftrag von Lucius Fox nach Gotham zurückgeholt wird. Dort plant Bürgermeister Nakano nach dem Joker War, „masks“, also Superhelden und -schurken zu verbieten, damit sich solche Zustände nicht mehr wiederholen. Renée Montoya wird Police Commissioner und sie macht Ernst, um für Ordnung in der Stadt zu sorgen.
Jace Fox‘ Vorgeschichte
Während Luke Fox als Batwing das Verbrechen bekämpft, aber auf Widerstand der Polizei stößt, erklärt sich Jace bereit, sich endlich nützlich zu machen und bei Foxtech für seinen Vater zu arbeiten. Doch er nutzt bloß die Infrastruktur für seinen Feldzug gegen Arkadine und stößt dabei auf das Geheimnis, dass Waynetech einst für Batman gearbeitet hat.
Wir erfahren: Tim war zuerst ein verzogener Junge, dessen Vater mehr mit Arbeit beschäftigt war, als mit der Erziehung seiner Kinder. Statt zur Schule zu gehen, hat Tim lieber Party gemacht, Mädchen flachgelegt und ist mit SUVs rumgefahren – bis er an seinem 17. Geburtstag einen Passanten überfuhr, weil er mit dem Handy abgelenkt war. Nachdem Tim Fahrerflucht begangen hat, rettete ihn Papa Lucius mit einer Kampagne, die das Opfer als selbst schuld darstellte. Später kam Tim auf ein Internat, wo er kämpfen lernte, noch später wurde er unter anderem von Katana ausgebildet.
Wenig Action, viel Gerede
Das ist im Wesentlichen die Story, die hier erzählt wird. Arm an Action, reich ein zwischenmenschlicher Spannung, doch insgesamt zu dialoglastig und ohne rechte Dramaturgie dümpelt dieser Comic vor sich hin, ohne viel Mehrwert zu bringen. Wie so oft wird auch in diesem Prequel meist erzählt, was man sich denken konnte. Allein Tims Vorgeschichte erklärt den Charakter – und darum geht es hier vor allem. Die Handlung um Arkadine wird nicht zu Ende erzählt. Dass Schwester Tam ins Koma fällt, ist eher Zufall und wirkt unmotiviert, Lukes Groll auf Jace geht kaum über das hinaus, was man bereits weiß.
Fade Zeichnungen, arm an Atmosphäre, Hintergund und Schatten machen Second Son nicht einmal zu einem visuellen Vergnügen. Uninspirierte Layouts im Querformat (angepasst für Tablets) überschreiten die Grenze zur Seitenschinderei. Die Cover sind noch das Beste an dieser Serie, auch wenn sie kaum etwas mit der Handlung zu tun haben: Batwing verprügelt eine Bande von Clowns? Nein, das passiert hier nicht, aber es dürfte die Verkaufszahlen nach oben getrieben haben. Auch Jace als Batman kommt nicht vor.
Insgesamt ist Second Son also entbehrlich. Und es bestätigt den Verdacht, den ich länger hege: Wenn etwas als „Digital First“ erscheint, handelt es sich meist um Material, das das gedruckte Papier nicht wert ist.
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Die Story dreht sich um einen Blackout, also einen Stromausfall während einer Hitzewelle in Gotham. Batman muss einen Superschurken namens E.M.P. nach Blackgate Prison eskortieren, während dieser nach und nach die Stadt ausknipst.
Die erste Ausgabe von Batman: One Dark Knight soll am 7. Dezember 2021 bei DC Black Label erscheinen. 48 Seiten kosten 6,99 US-Dollar.
Gotham ist eine totalitäre Überwachungsdiktatur geworden. Superhelden sind verboten und zusammen mit den Schurken weggesperrt. Wer noch frei ist, wird verfolgt. Bruce Wayne ist tot, aber ein neuer Batman hat seine Nachfolge angetreten (siehe The Next Batman). Aber natürlich scheint es nur so, denn Bruce lebt – und will den Magistrate und die Peacekeepers ausschalten, die die Stadt beherrschen. Bruce fehlen zwar die üblichen Ressourcen wie Technik, Geld und Verbündete, aber der wahre Batman kann improvisieren.
Er bastelt sich ein Kostüm zusammen, ganz Oldschool mit lila Handschuhen (siehe auch Zero Year), dazu Ledermantel und selbstgemalter gelber Fledermaus auf der Brust. Und dann zieht er los gegen Drohnen, bevor die totale Überwachung in Gotham einsetzt. Dabei nutzt er das Vertrauen eines Verschwörungstheoretikers aus.
Mariko Tamaki erzählt in Future State: Dark Detective ihre erste größere Batman-Story (nach Detective Comics #1027 und bevor sie Detective Comics übernimmt) und sie macht das sehr souverän. Es beginnt bereits mit einer schönen Metapher wie „Gotham is a funeral no one’s attending“ und setzt Bruces inneren Monolog in bester Hardboiled-Manier fort, wie es Frank Miller bereits zur Meisterschaft trieb.
Bruce trifft Jace: Zwei Batmen in Future State (DC Comics).
Wir sehen, wie Batman von Peacekeeper-01 angeschossen wird und mit dem Leben davonkommt, dann wie er als neuer Batman gegen Roboter kämpft und dabei auch auf den neuen Batman trifft. Hier könnte es eine spektakuläre Kampfszene geben. Aber Tamaki umgeht das übliche Muster, indem sie die beiden bloß einander fragen lässt: „Who the hell are you?“ Das hat eine gewisse Situationskomik, ohne ins Lächerliche zu kippen. Nach ein paar guten Ratschlägen geht man getrennter Wege. Sehr schön.
Dan Mora bringt mit seinen Zeichnungen die Figuren zum Leben in einem Stil, der an Greg Capullo erinnert, dazu leuchtet die düstere Zukunft in bunten Farben. Und wenn dann auch noch eine spektakuläre Doppelseite mit splitterförmigen Panels eine Kampfszene illustriert, wertet das auch eine sonst simple Story um einiges auf.
Gesplitterte Panels: Dark Detective #4 (DC Comics)
Außerdem sieht man wie Batman und Superman am Anfang der Krise in Gotham gegen Menschen mit Tierköpfen und anderen fiesen Mutationen kämpfen. Andere Geschichten in dem Sammelband widmen sich Catwoman, Harley Quinn und Robin. Die habe ich mir gespart, da Lebenszeit begrenzt und kostbar ist.
Er ist erst 33 Jahre alt und hat nicht nur eine beachtliche Karriere im Comicgeschäft hingelegt, jetzt wurde er auch noch mit dem Eisner-Award als bester Autor geehrt: James Tynion IV. Der „Oscar“ der US-Comicbranche wurde ihm zuteil nicht nur für sein Schaffen an der Batman-Serie, für die er seit Anfang 2020 schreibt, sondern auch für seine eigenen Serien wie Something Is Killing the Children, Wynd (BOOM! Studios), The Department of Truth (Image) und Razorblades (Tiny Onion). The Department of Truth war zudem zweimal als beste Serie nominiert.
James Tynion IV begann bereits 2011 nach dem Reboot für The New 52, an Batman zu schreiben. Zusammen mit Scott Snyder war er für die ein Jahr dauernde und wöchentlich erscheindende Serie Batman Eternal verantwortlich, später auch für Batman & Robin Eternal. Mit dem Neustart von DC Rebirth übernahm er die Traditionsserie Detective Comics, in der er Batman als Teamplayer mit Robin, Batwoman, Clayface und anderen darstellte. Er schuf die neue Joker-Gefährtin Punchline und brachte darüber hinaus in eigenen Miniserien Batman mit Teenage Mutant Ninja Turtles zusammen.
DC/Image/Boom Studios
Ich war – abgesehen von Batman Eternal – von Tynions Arbeit an Batman bisher nicht sehr angetan. Detective Comics war geschwätzig und soaphaft, die aktuelle Batman-Serie wirkt bemüht, etwas Bedeutsames zu sagen, bleibt aber hinter dem Anspruch zurück, indem sie in alte Muster und Banalitäten zurückfällt. Vielleicht ist an Tynions eigenen Serien mehr dran. Bei DC Black Label erscheint sein Horror-Comic The Nice House on the Lake. Überzeugt euch am besten selbst.
Lucius Fox‘ erster Auftritt in Batman #307 (DC Comics)
Da die Familie Fox zuletzt eine große Rolle in Future State: The Next Batman gespielt hat, ist es an der Zeit, endlich mal ausführlich über Lucius Fox zu sprechen. Die meisten (Nicht-Comicleser) verbinden ihn wohl mit dem Gesicht von Morgan Freeman, der die Figur in Christopher Nolans Dark-Knight-Trilogie gespielt hat. In Batman Begins war Lucius Fox zunächst Vorstandsmitglied von Wayne Enterprises und half Thomas Wayne dabei, seine Hochbahn zu bauen, dann wurde er in den Keller der Forschungsabteilung verbannt, steigt schließlich zum Geschäftsführer auf und versorgt seinen Chef alias Batman – ganz in der Tradition von James Bonds Q – mit nützlichen Dingen wie einem neuen Anzug („Drei Knöpfe sind Neunziger Jahre“), einem Gleitschirm-Umhang und einem Batmobil („Gibt’s den auch in Schwarz?“). Lucius Fox gehören die einige der besten Szenen.
Das Interessante daran: Durch seine Anfragen vertraut Bruce Lucius implizit sein größtes Geheimnis an. Er hat offenbar von Anfang an das Gefühl, ihm vertrauen zu können. Lucius bleibt loyal, sogar als er herausfindet, dass er eine illegale Überwachungstechnologie einsetzen soll, um den Joker zu fassen. Er hilft Batman zwar, aber er kündigt daraufhin.
Im Comic wurde die Figur zunächst unvermittelt von Autor Len Wein als „Second-in-command“ bei Wayne Enterprises eingeführt (Batman #307, 1979). Der Mann mit der Brille und den grauen Schläfen ist nicht nur der erste schwarze Charakter, der eine tragende Rolle in einem Batman-Comic spielt, nachdem „People of Color“ in den 40 Jahren davor kaum in dem Comicuniversum vorkamen. Er ist auch der Mann mit dem Durchblick, er warnt Bruce Wayne, der anderes im Kopf hat, vor einem Milliardär namens Gregorian Falstaff, der eine feindliche Übernahme plant. Im weiteren Verlauf wird deutlich, dass der zweite Mann in dem Unternehmen eigentlich der erste ist. Er macht die harte Arbeit hinter den Kulissen und Bruce nickt nur ab, damit er in Ruhe Batman sein kann. Schließlich wird Lucius auch CEO von Wayne Enterprises.
Tochter Tiffany und Sohn Tim
Während also Alfred Pennyworth Bruce den Rücken in Wayne Manor und der Batcave freihält, tut dies Lucius beim Geschäftlichen und ist damit eine zweite Vaterfigur. Als Witwer und damit Alleinerzieher ist er sogar der Vater schlechthin. Eine Ausgabe nach seiner Premiere stellt Lucius Bruce seine erwachsene Tochter Tiffany vor, die das Ghetto Drug Rehabilitation Program der Wayne Foundation leitet. Bruce schüttelt ihr freundlich die Hand, setzt aber Lucius darauf an, alles über Selina Kyle herauszufinden, denn mit der bandelt er gerade an (eine Story für sich). Als Selina das später herausfindet (Lucius plappert es aus), ist sie gar nicht erfreut.
Timothy Fox im Streit mit Vater Lucius (Batman #313, DC Comics)
Lucius‘ Sohn Timothy Fox lernen wir in Batman #313 (1979) kennen. Er geht aufs College, pflegt aber offenbar zweifelhaften Umgang, wie Lucius beanstandet. Vater und Sohn verstehen sich daher nicht gut. Ein kurzes Gespräch endet nach einer Seite damit, dass Tim hinter sich die Tür zuschlägt. Lucius macht sich Sorgen um die Zukunft seines Sohnes. Tim will in Ruhe gelassen werden.
In Batman #330 (1980) wird klar, mit wem Tim rumhängt: mit der Ronald Watkins Gang. Die schlägt eines Tages Lucius zusammen, sodass er im Krankenhaus landet – ein Anschlag, der von Falstaff in Auftrag gegeben wurde. Tim ahnt nichts davon. Stattdessen beteiligt er sich an einem weiteren Anschlagsversuch auf die Wayne Foundation. Watkins und seine Gang wollen das Gebäude (und damit auch Bruce Waynes Penthouse) in die Luft jagen. Damit wollen sie sich dafür rächen, dass Wayne angeblich rund 30 heruntergekommene Wohnhäuser besitzt, mit denen er die Ärmsten ausnimmt. Tim ist nicht überzeugt, er will aussteigen, aber Ron Watkins lässt ihn nicht, bedroht ihn mit einer Waffe und will ihn mit dem Gebäude sprengen.
Robin verfolgt die Szenen mit, Batman kann im letzten Moment das Schlimmste verhindern. Robin verteidigt Tim später, die Gang habe ihn manipuliert. Batman gibt sich hartleibig und pocht auf Tims Eigenverantwortung. Robin will Tim eher helfen, um wieder auf den rechten Pfad zurückzufinden.
Bruce zeigt Tim schließlich an. Lucius, der immer noch im Krankenhaus liegt, macht sich selbst Vorwürfe: „Bruce, what on earth have I done to make Timmy behave this way!“ (Batman #331) Die Sache klärt sich zwei Ausgaben später auf. Als Ron aus dem Knast freigelassen werden soll, gibt er vor Tim zu, dass Falstaff bloß Bruce ruinieren wollte und sie Lucius angegriffen haben. Da taucht Lucius auf Krücken auf, vergibt seinem Sohn und Tim sieht seinen Fehler ein.
„I didn’t say it would be easy, son …“, sagt Lucius. „I just want us to be a family … again!“
Lucius Fox als (Entführungs-)Opfer
Aber wie haben sich Lucius und Bruce kennengelernt? In The Untold Legend of the Batman ist Fox ein Aufsteiger: Er arbeitete zunächst in der Finanzabteilung für Wayne und stellte ihm einem „portfolio management plan“ vor, um den „cash flow“des Unternehmens zu verbessern. Danach hat Bruce ihm immer mehr Verantwortung übertragen.
In Batman: Haunted Knight lernen sie sich sogar noch früher kennen: Da rettet ein junger Bruce auf seiner Weltreise Lucius vor Räubern in Paris. Zum Dank lädt Lucius ihn zum Essen ein und schlägt vor, etwas gemeinsam aufzubauen, aber Bruce erteilt ihm eine Absage. Sein Geld sei für etwas anderes vorgesehen. In Detective Comics #501 erfahren wir, dass Lucius mit Alfred Pennyworth im Zweiten Weltkrieg dem französischen Widerstand gegen die deutschen Besatzer geholfen hat.
DC Comics
In den 80ern beginnen für Lucius Fox aufregende Jahre, in denen ihm immer wieder die Opferrolle zufällt. Er wird immer wieder entführt, wie etwa vom Mad Hatter (Detective Comics #510, 1981), von Baron Bedlam (Batman and the Outsiders #1, 1983), von Black Mask in Batman #484 (1992) und von Poison Ivy (Batman #495, 1993).
Batman rettet Lucius Fox vor dem Ku-Klux Klan (DC Comics)
Als einmal von Zauberern das Böse schlechthin entfesselt wird und unter anderem Antisemiten eine Synagoge verwüsten und mit Hakenkreuzen beschmieren, zieht auch der Ku-Klux-Klan los, stellt bei Lucius Fox ein brennendes Kreuz in den Garten und versucht, ihn zu erhängen (World’s Finest #286, 1982). Dann tauchen aber Batman und Robin auf, retten Lucius und vermöbeln die Klansmen. Superman wirft das Kreuz in die Atmosphäre, wo es (noch schneller) verbrennt.
Obwohl der Job also ziemlich anstrengend bis lebensgefährlich ist: Lucius bleibt Bruce Wayne treu. Zwischendurch versucht er sogar, Bürgermeister zu werden und vernachlässigt seine Pflichten, sodass Hugo Strange sich an Bruce Wayne rächen kann (Batman Annual #10, 1986). Aber das hält nur kurz an.
Von Luke zurück zu Tim Fox
Zurück zur Familie Fox. In Batman Retroactive 70’s (2011) erzählt Len Wein von einem weiteren Versuch Tims als Verbrecher. Wieder mal streiten sich Vater und Sohn um schlechte Einflüsse durch falsche Freunde. Dann entpuppt Tim sich am Ende als Mitglied des schurkischen Terrible Trio (einem Relikt aus den 60ern): Shark, Vulture und Fox. Aber nein, hinter der Fuchsmaske verbirgt sich ein anderer. Tim Fox verkleidet sich als Geier. Warum nur? Weil ihm sein Vater nicht genug Aufmerksamkeit geschenkt habe, sagt Tim.
Das neue Terrible Trio (DC Comics)
Mit dieser außerkanonischen Spielerei hat sich Tim aber für zehn Jahre erledigt. Nach dem Reboot von Flashpoint (The New 52) bekam Lucius einen neuen Sohn: Lucas bzw. Luke, der zum Superhelden Batwing (dem zweiten) wurde. Der Held in einer fliegenden Rüstung bekam sogar eine eigene Serie, die auf 35 Ausgaben kam. Von Tim war nicht mehr die Rede.
Luke Fox als Batwing (DC Comics)
Zuletzt hat Lucius, nach dem Tod von Alfred Pennyworth, die Rolle des Mentors für Bruce übernommen. Er versorgte ihn wieder mit allerlei technischen Spielereien. In eine ähnliche Richtung ist auch die Lucius-Fox-Version in Batman: Earth One gegangen. Da treibt ein junger Lucius die Forscher bei Wayne Enterprises zur Verzweiflung, weil er ständig neue Aufträge für sie hat, um die Wünsche seines Bosses zu erfüllen.
Nach dem Joker War hat Fox sogar Wayne Enterprises ganz übernommen, er kann Batman nicht mehr helfen und durch eine Kette von Ereignissen wird er in der Zukunft (Future State) zum Waffenhändler für den Überwachungsstaat des Magistrate und der Peacekeeper. Und da taucht auch plötzlich wieder Sohn Tim wie aus dem Nichts auf, der sich nun „Jace“ nennt (vielleicht weil schon ein Robin so heißt), wird „The Next Batman“, jedoch ohne dass die Familie davon weiß. Er liegt im Streit mit Luke, Schwester Tamara liegt im Koma, und es gibt auch wieder eine Mutter namens Tanya.
Wie zu all dem kam, wird in The Next Batman: Second Son erzählt.
Autor/Zeichner: John Ridley u.a./Nick Derington u.a.
Erschienen: 2021 (Miniserie #1-4), Paperback 2021
Ein paar Jahre in der Zukunft: Gotham ist ein Polizeistaat, bewacht vom Magistrate, einer privaten Paramilitärischen Einsatztruppe, angeführt von den Peacekeepern, die auf alles schießen, was eine Maske trägt, also Superhelden und Schurken zugleich. Batman ist bereits tot (angeblich), doch es gibt einen mysteriösen Nachfolger: Tim „Jace“ Fox, Sohn von Lucius Fox.
Dieser Batman trägt eine Maske, die das ganze Gesicht bedeckt und einen gepanzerten Anzug, der ihm am Verbluten hindert, sowie mit weiteren netten technischen Spielereien gespickt ist. Seine Familie weiß nichts davon. Bruder Luke (ehemals Batwing) ist nicht gut auf ihn zu sprechen, Schwester Tamara liegt im Koma, Vater Lucius liefert Waffen, während Mutter Tanya als Juristin den Bürgermeister berät, wie das „Shoot-on-sight“-Gesetz verbessert werden kann. Ihre Tochter Tiff ist nicht begeistert und versucht, zwischen den zerstrittenen Brüdern zu vermitteln.
Tim „Jace“ Fox als Next Batman (DC Comics)
Während der neue Batman also von Polizei und Magistrate gejagt wird, versucht er, das Verbrechen zu bekämpfen, zum Beispiel die Jugend von den Gangs fernzuhalten. Und dann taucht eine Leiche auf, die Täter sind schnell gefasst, doch diese sind Eltern, die bloß ihre ermordete Tochter gerächt haben. Was tun, wenn eine Auslieferung bedeutet, sie dem Tod zu überlassen?
John Ridley (Autor von 12 Years A Slave, wie DC nicht müde wird zu betonen) legt einen Vierteiler vor, der von familiären und moralischen Konflikten durchzogen ist, und zugleich eine Menge Action bietet. Vielleicht steckt auch zu viel in diesen wenigen Seiten, sodass vieles nur angedeutet werden kann, um es anderswo weiterzuerzählen (siehe The Next Batman: Second Son). Trotzdem eine unterhaltsame Lektüre. Leider wird das Vergnügen getrübt durch die ausdrucksarmen Gesichter, die Laura Braga zeichnet. Nick Derington ist bloß für das erste Kapitel verantwortlich und man vermisst ihn schmerzlich.
Nightwing, Batgirls und Outsiders
Ferner sehen wir Nightwing, wie er sich im stillgelegten Arkham Asylum verschanzt, um gegen den Magistrate Krieg zu führen. Dabei wird er unterstützt vom neuen Batman und anderen Mitgliedern der Familie wie Robin, Batgirl, Batwoman, Huntress, Talia al Ghul, Two-Face und Man-Bat.
Im Paperback werden außerdem noch viele andere Geschichten von Nebencharakteren erzählt: Batgirls, Outsiders, Gotham City Sirens sowie Grifter. Wer sich – wie ich – für die Marginalien nicht interessiert, dem sei der Sammelband Batman by John Ridley: The Deluxe Edition empfohlen. Darin ist nur die Geschichte The Next Batman enthalten, neben wenigen Extras.
Ende 1969 beginnt für Batman ein neues Zeitalter: das Bronze Age. Dick Grayson wird erwachsen, er zieht aus, geht aufs College. Das nimmt der wehmütige Bruce Wayne zum Anlass, ebenfalls von vorn anzufangen, denn er fühlt sich unzeitgemäß.
„We’re in grave danger of becoming — outmoded! Obsoluete Dodos of the mod world outside!“, sagt Bruce zu Alfred. „Our best chance is to — close up shop here! (…) The Batcave is destined to join all the caves of history housing the extinct past!“
Das Penthouse auf dem Dach der Wayne Foundation (DC Comics)
Die Bathöhle ist damit als Geheimversteck erledigt. Bruce verlässt Wayne Manor, zieht in ein schickes Penthouse auf dem Dach der Wayne Foundation. Als Batman fängt er von vorn an, macht sein Unternehmen schlanker, beseitigt all den Ballast der Vergangenheit und kehrt zurück zu seinem Ursprung, um wieder Verbrecher das Fürchten zu lehren. Daher zieht er ins Stadtzentrum, um am Puls der Zeit zu sein.
Damit streift der Charakter alles ab, was sich in 30 Jahren an unnötigem Ballast angehäuft hat, vor allem aber sein albernes Image, das mit der TV-Serie mit Adam West ins kulturelle Gedächtnis eingegangen ist. Aber die Welt hat sich weitergedreht, die Jugend wird ernster und erwartet auch von Comics, ernst genommen zu werden. Die Konkurrenz von Marvel macht es seit Jahren vor, dass es anders geht. Einen ersten Ansatz in diese Richtung gab es für Batman bereits 1964 (Detective Comics #327), jetzt geht man diesen Weg wieder konsequent weiter.
Opfer als VIPs
Indem Bruce sich auf seine Ursprünge zurückbesinnt, fokussiert er sich auf das, was ihn antreibt. Deshalb will er den Opfern von Verbrechen helfen und gründet das Victims, Inc. Program, kurz V.I.P. – die Unschuldigen rücken in den Mittelpunkt. Als erstes klärt er den Mord an Dr. Jonah Fielding auf, der mit seiner Frau eine Praxis betrieben hat. Statt als Batman bei der Witwe Susan Fielding aufzutauchen, erscheint er als Bruce Wayne. Leider stellt er sich nicht sofort vor (und die Frau gibt ihm auch keine Gelegenheit dazu), daher fängt er sich zunächst eine Backpfeife ein. Dann aber besänftigt er die Frau mit einem zinslosen Kredit.
Der Täter scheint skrupellos vorgegangen zu sein: Er kam mit einer Schusswunde in die Praxis und tötete seinen Arzt. Bruce hat nur die Kugel, die Jonah Fielding zuvor aus dem Täter herausgeholt hat. Also setzt er Susan Fielding als Köder ein, indem er in der Stadt verbreitet, sie könne den Täter identifizieren. Es funktioniert. Ein Gauner mit Knarre taucht in der Praxis auf, doch statt ihn zu fangen, fängt sich Batman eine weitere Kugel ein – sie gleicht der ersten. So kann er zusammen mit der Polizei dem Täter auf die Spur kommen.
Auch damit kehrt Batman zu seinen Wurzeln zurück: als Detektiv. Und zwar ganz ohne die dämlichen Rätsel von Superschurken lösen zu müssen.
Batman Returns, der zweite Teil von Tim Burtons Batman-Reihe, ist vielleicht ein Beispiel dafür, das eine Fortsetzung das Original übertreffen kann. Im Kritikerspiegel bei Rotten Tomatoes schneidet er jedenfalls deutlich besser ab (80 zu 71 Prozent). Zwar gibt es auch hier Albernheiten wie fliegende Regenschirme, Riesengummienten und eine Pinguin-Kamikaze-Armee, aber dank eindrucksvoller Darstellungen des Pinguins (Danny DeVito) und Catwoman (Michelle Pfeiffer) hinterlässt Batman Returns einen tieferen Eindruck als der Vorgänger.
Trotzdem gab es keine Fortsetzung. Offenbar war Tim Burtons Ansatz – trotz des Kassenerfolgs – zu düster und brutal für eine Filmreihe, die Spielzeuge verkaufen sollte. Dafür wird die Geschichte nun in einer Comicserie weiter erzählt: Batman 89.
Ein interessantes Making-of lässt Darsteller und Macher zurückschauen auf die Entstehung des Films.