Autor: Lukas

Beruflich Online-Redakteur, privat Comic-Blogger.

Catwoman grillt Batman

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Catwoman (Julie Newmar) mit Katzenbetäubungspistolen.

Titel: Hot Off the Griddle/The Cat and the Fiddle (dt. Frisch vom Grill)

Drehbuch: Stanley Ralph Ross

Erschienen: 1966 (Batman S02E03-04)


Ein Katalog wird gestohlen. Dann ein Modell eines Katamarans. Schließlich drei Fäustlinge. Catalog, catamaran und „mittens from three kittens“ – dahinter kann nur eine stecken: Catwoman! Denn das einzige Gesetz, an das sich Gesetzlose in Gotham halten, ist, dass jedes Verbrechen zum Thema ihres Kostüms passen muss. Doch der ganze Aufwand ist nur die Vorstufe zu einem weitaus größeren Plan.

Wie der aussieht? Batman und Robin haben keine Ahnung. Aber auch dafür gibt es eine Lösung: Sie locken Catwoman in eine Falle. Oder versuchen es wenigstens. Sie lassen einen Klatschreporter eine falsche Fährte in seiner nächten Kolumne einbauen und vertrauen darauf, dass Catwoman diese auch liest. Aber das muss sie gar nicht, denn der Reporter (der in der Telefonzelle einer Drogerie arbeitet) warnt Catwoman über sein „gossip phone“, sodass sie vorbereitet zum Tatort im Museum eintrifft. Batman und Robin werden mit Gift betäubt und aus dem Fenster geworfen. Zum Glück ist aber unten ein Netz gespannt.

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Tante Harriet tanzt den „Catuzzi“.

Auf die nächste Spur bringt die beiden planlosen Helden Tante Harriet. Die alte Dame tanzt nämlich den Catuzzi, den neuesten Modetanz, der zu einer Art Katzenmusik gespielt wird. Der Batusi hat offenbar ausgedient. Jetzt heißt es, Krallen zeigen. Tante Harriet weiß auch, dass der Trend aus dem Lokal „The Pink Sandbox“ stammt. Kein Wunder, dass die beiden Spießer noch nie was davon gehört haben. Wer würde schon freiwillig in einen Laden gehen, der sich Katzenklo nennt?

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Tanzen im Katzenklo: The Pink Sandbox.

Dort sind alle passend gekleidet, von der Go-Go-Tänzerin bis hin zur Kellnerin. Auf der Speisekarte stehen: „Catburgers with catsup, Chicken Cat-atore, and various cuts of meat from choice Kansas City cattle.“ Hier wurde offenbar wieder mal das Wörterbuch geplündert.

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Die Qual der Wahl: Batman und Robin mit Katzenmenü.

Batman und Robin landen dann selbst in der Pfanne – und zwar buchstäblich. Zuerst werden sie in einen Raum gesperrt, dessen Boden so heiß wird, dass man Spiegeleier drauf braten kann (was Catwoman auch demonstriert). Dann landen sie auf zwei Grillrosten auf dem Dach, wo riesige Brenngläser über ihnen angebracht werden. Wozu der Aufwand? Um diesen literarischen Witz zu machen: „bat on a hot tin roof“.

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Auf der Speisekarte: Fledermaus auf dem heißen Blechdach.

Findet Batman gar nicht lustig. Aber für Humor war er ohnehin noch nie bekannt, wie Catwoman ernüchtert feststellt. Fragt sich nur, was sie dann an dem Langweiler findet. Wie dem auch sei: Zum Glück findet just in dem Moment eine Sonnenfinsternis statt, die den beiden Helden Zeit verschafft, sich zu befreien.

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Volle Kraft voraus: Batjets schießen Batman in die Höhe.

Beim Finale in einem Hochhaus kommt eine Rakete zum Einsatz, mit der Batman einen defekten Fahrstuhl wieder in Betrieb nehmen kann. Dort oben hat Catwoman eine Rakete für die Flucht bereit, die aber nicht starten will, während sich die anderen prügeln. Am Ende rettet Batman ihr das Leben mit dem Bat-Seil und stürzt dabei selbst fast ab. Doch dann kann Robin sie gemeinsam wieder hochziehen. Kräfte wie Superman muss dieser schmächtige Wunderknabe haben.

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Catwomans Fluchtrakete.

Apropos: Tatsächlich findet sich in dieser Folge eine Anspielung auf den Mann aus Stahl. Als die Polizei von der Straße aus Catwomans Bande auf dem Hochhaus sieht, fragt Chief O’Hara: „Are they birds?“Und Gordon fragt: „Are they planes?“ – „No“, sagt Batman. „They’re cat burglars!“ Schade, dass Superman es nie persönlich in die Serie geschafft hat.

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Ist es ein Vogel? Ist es ein Flugzeug? Nein, nur Einbrecher.

Außerdem lernen wir zweierlei. Erstens: Nie direkt in die Sonne schauen. Und zweitens erfahren wir etwas über englische Grammatik: „You can’t get away from Batman that easy!“, sagt Robin. – „Easily“, korrigiert Batman. „Good grammar is essential.“

Wunderbar.

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Wonder Woman beendet das Patriarchat

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DC Comics

Titel: Wonder Woman Earth One Vol. 1-3 (dt. Erde Eins)

Autor/Zeichner: Grant Morrion/Yanick Paquette

Erschienen: 2016/2018/2021 , dt. Panini 2016-2021


Hippolyta, die Königin der Amazonen, kniet gefesselt in Dreck, mitten unter Schweinen, über ihr lacht der Mannn im Löwenmantel: „To heel, bitch of Hercules!“ Die anderen Amazonen sind gefangen, versklavt von seinen Männern. Doch dann nimmt Hippolyta den Zaubergürtel wieder an sich, erdrosselt Herkules und befreit sich und ihre Schwestern von der Knechtschaft durch die Männer.

So beginnt die Geschichte von Wonder Woman auf Earth One von Grant Morrison. In ähnlicher Form ist sie seit 80 Jahren bekannt (siehe All-Star Comics #8, 1941), aber so wurde sie noch nie erzählt: drastisch, aber auch ausdrucksstark  und eingebettet in Bruchstücke antiker Malerei: Zeichner Yanick Paquette legt sich mächtig ins Zeug und ihm gelingt ein wahrer Hingucker auf jeder Seite. Nach dem Prolog ist Paradise Island 3000 Jahre später eine Pracht, idyllisch gelegen, klassizistisch bebaut und hochtechnisiert mit Fluggleitern und Heilungsstrahlen.

Zurück zu den Ursprüngen

Hier wird Prinzessin Diana in Ketten vorgeführt und angeklagt, weil sie sich mit der Welt der Männer eingelassen hat. Sie brachte den abgestürzten Piloten Steve Trevor zurück in seine Heimat und offenbarte so die Existenz der Amazonen. Anders als in der Urfassung der Geschichte von William Moulton Marston nimmt Diana nicht am Wettkampf teil, um auszulosen, wer Trevor nach Hause bringen soll. Dennoch tritt sie als Rebellin auf, die nach eigenem Kopf und Gewissen handelt. Sie hinterfragt ihr Erbe als Prinzessin. Anspielend auf ihre Entstehung aus Lehm sieht sie sich als Dreck, der sich nur einbildet, am Leben zu sein. Sie provoziert, indem sie sich für den Wettkampf den Löwenkopf des Herkules aufsetzt – die Maske des Unterdrückers. Zum Schluss stellt sich heraus, dass sie die Tochter des Herkules ist, eine Waffe Hippolytas gegen die Welt der Männer.

Wonder Woman: Earth One erzählt damit die altbekannte Geschichte in einer verblüffend frischen Variation, ohne die vertrauten Elemente und Figuren aufzugeben, betont aber vor allem die Ursprünge der Figur wie die Fesselspiele und die dazugehörige Unterwerfung unter eine liebende Autorität („submission in loving authority“). Im Unterschied zu ihrer klassischen Corsage trägt Diana hier ein Korsett sowie geschnürte Stiefel. Steve Trevor legt sie ein Hundehalsband um.

Ende des Patriarchats

Das zentrale Thema ist hier der Feminismus, der sich von einer unterdrückenden Welt der Männer abgrenzt. Von Anfang an wird Wonder Woman angefeindet und vom Milität für eine Bedrohung gehalten. Diana will die Welt vor dem Übel bewahren, indem sie sie den Amazonen unterwirft. „Then all be well. Trust me.“ Am Ende wird sie freigesprochen und setzt sich durch: Sie präsentiert sich der Welt, um sie zu einem besseren Ort zu machen – vor allem für Frauen. Das bedeutet ein radikales, aber friedliches Ende des Patriarchats.

Im zweiten Teil stellt sich Wonder Woman kritischen Fragen zu ihrer „unrealistischen“ Figur, der Inklusion von Trans-Frauen und inwiefern ihre Mission anmaßend ist. Wie anpassungsfähig sie selbst ist, zeigt eine Sequenz, in der sie Frauen im Nahen Osten von Terroristen befreit und dabei in einem Niqab auftritt.

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Undercover, aber nicht gerade unauffällig: Wonder Woman im Niqab. (DC Comics)

Nach einem Kampf gegen die Nazifrau Paula von Gunther („Uberfraulein“) und Dr. Psycho kommt es im dritten Teil zum Finale mit Maxwell Lord, der sich als Kriegsgott Ares entpuppt, der eine Reihe von Killer-Robotern auf die Insel schickt. Diese Schlacht wird etwas zu mühelos geschlagen, als dass hier Spannung aufkommen könnte.

Interessant ist aber das Resultat: Die Welt wird zum weiblichen Utopia, in dem die Männer den Frauen als Haustiere dienen. Aufständische werden mit Liebe besiegt. All you need is love? Fast zu schön, um wahr zu sein. Für die Machos dieser Welt, die ihre Vormachtstellung schwinden und sich dadurch diskrimiert sehen, eine Horrorvorstellung, die sicher als Provokation dient. Aber eine, über die es sich nachzudenken lohnt.

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Adam West trifft Lynda Carter

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DC Comics

Titel: Batman ’66 Meets Wonder Woman ’77

Autor/Zeichner: Marc Andreyko, Jeff Parker/David Hahn

Erschienen: 2016-2017 (Miniserie #1-6), Paperback 2017


Wenn man die beiden Intros der Batman-Serie der 60er mit der Wonder-Woman-Serie der 70er vergleicht, fallen große Parallelen auf: Beide haben einen eingängigen Titelsong, beide betonen den Bezug zu den Comics. Heute gelten beide Serien zugleich als Trash und Kult und beide haben Comic-Adaptionen nach sich gezogen – da lag es nahe, dass die Versionen der Figuren auch zusammentreffen: „Adam West“ und „Lynda Carter“ kämpfen gemeinsam gegen Ra’s al Ghul.

Die Geschichte beginnt mit Catwoman. Sie stiehlt das Buch Lost World of the Ancients für Talia al Ghul. Batman und Robin schnappen sich das Katzenweib, Talia entkommt, und Bruce erzählt, dass er die mysteriöse Frau kennt. Talia und ihr Vater Ra’s kamen in den 40ern zu einer Auktion der Wayne Foundation in Wayne Manor. Ra’s versucht dabei, das Buch (und ein weiteres mit gleichem Namen) zu ersteigern, doch es gewinnt ein anderer Büchersammler. (Warum er ihn nicht einfach überbietet, bleibt rätselhaft.) Dann wollen Nazis die Bücher rauben, bis die League of Assassins Ansprüche erhebt.

Zufällig ist auch Diana Prince mit Steve Trevor anwesend. Sie verwandelt sich mit einem Ballerina-Dreher in Wonder Woman, kämpft gegen die Nazis, rettet den kleinen Bruce und seine Familie vor ihnen. Nebenbei entdeckt Klein-Bruce durch einen Sturz die Batcave

22 Jahre später fliegt Batman mit Robin und Catwoman nach Themyscira, um Wonder Woman zu warnen und Ra’s davon abzuhalten, in eine Lazarusgrube zu steigen. Weitere zehn Jahre später kehrt Ra’s zurück. Bruce hat als Batman aufgehört, Dick Grayson ist Nightwing und Barbara Gordon Police Commissioner.

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Batmans neues Batmobil in den 70ern. (DC Comics)

Dafür, dass man etwas sehr Albernes erwartet, überrascht diese Story mit einer gar nicht mal so bescheuerten und sogar ziemlich einnehmenden Handlung. Sparsam mit Gags, aber trotzdem leichtfüßig kommt das alles daher, und erzählt eine nostalgische Geschichte über drei Jahrzehnte hinweg. Wir sehen, wie die Batman-TV-Serie aus ihrem Status quo herausentwickelt, sie bekommt eine Vorgeschichte und eine Fortsetzung in ferner Zukunft – inklusive eines neuen Batmobils. Es gibt Zitate aus den Comics dieser Zeit (z.B. Copperhead) wie auch aus der Popkultur (Disco und Kung-Fu).

Für riesige Plot Holes wird man mit Schauwerten wie Greifen, Zyklopen und sich in Rauch auflösenden Kämpfern entschädigt. Die schlichten Zeichnungen sind keine künstlerische Offenbarung, erfüllen aber ihren Zweck. Mit flottem Strich und knalligen Farben wirkt das Ganze, als würde man einen soliden und unterhaltsamen Zeichentrickfilm schauen.

Das Herz der Story bildet das Verhältnis zwischen Bruce und Diana. Sie ist es, die ihn erst zu Batman macht: „I wouldn’t be the man I am today without your inspiration“, sagt er zu ihr.  Und sie ist es, die ihn am Ende aus der Versenkung holt, sodass der Emeritus wieder ins Kostüm steigt. – Sehr schön.

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Wonder Woman hinterlässt verbrannte Erde

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DC Comics

Titel: Wonder Woman: Dead Earth

Autor/Zeichner: Daniel Warren Johnson

Erschienen: 2020 (Miniserie #1-4), Hardcover 2020, dt. Panini 2020-2021 (Vierteiler)


„You may have broken the world … but I know you’re the only one who can fix it.“ (Batman)

Die Erde ist verwüstet von einem Atomkrieg, nur noch wenige Menschen sind übrig, dafür viele riesige und furchtbare Monster. Und mittendrin erwacht eine Prinzessin aus ihrem Dornröschenschlaf – Diana von den Amazonen, ehemals Wonder Woman. Sie erwacht nicht irgendwo, sondern in der Batcave. Batman selbst ist längst tot. Sie kann sich nicht erinnern: Was ist denn hier passiert?

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Wonder Woman trifft Batman – auf Dead Earth. (DC Comics)

Diana stückelt sich wieder ein Wonder-Woman-Kostüm zusammen, zieht Batmans Gürtel an, befreit die Menschen aus der Oase Camp New Hope von ihrem Tyrannen und will sie nach Themyscira führen, denn die Insel dürfte immer noch das Paradies sein. Tja, falsch gedacht – es wird alles immer schlimmer.

David Warren Johnson zeichnet diese Post-Apokalypse mit unruhigem, schroffen, aber ungemein dynamischen Strich. Er hat ein gutes Gespür für Dramatik und einige starke Einfälle, die altbekannte Figuren wieder interessant erscheinen lassen, wie etwa bei einem Gladiatorenkampf gegen eine mutierte Cheetah. Und was die Heldin mit Superman macht, ist zu herrlich, als dass ich es hier spoilern wollte.

Diese Wonder Woman ist keine Idealschönheit nach klassichen US-Maßstäben, sondern erscheint als normale Frau, die trotzdem unfassbare Kräfte in sich vereint – Kräfte von Göttern, die erst einmal gebändigt werden müssen und zum Schluss entfesselt werden. Die Amazone vereint damit zwei Extreme, die größte Gefahr und die größte Hoffnung der Menschheit zu sein. Und das Beste: Sie kommt ganz ohne Superman, Batman und andere Superhelden aus, auch wenn sie am Rande als Echo der Vergangenheit vorkommen. Dafür steht ihr Verhältnis zu den Menschen und den Amazonen im Vordergrund.

Damit ist Dead Earth ein spannendes, blutiges, kurzweiliges und bildgewaltiges Vergnügen für alle Fans (und Nichtfans) von Wonder Woman, Endzeitszenarien, epischen Schlachten und Mainstreamcomics jenseits des Mainstreams.

>> Wonder-Woman-Comics


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Wonder Woman gegen Superman – und die Atombombe

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DC Comics

Titel: Superman vs. Wonder Woman

Autor/Zeichner: Gerry Conway/José Luis García López

Erschienen: 1978 (All-New Collectors‘ Edition #C-54), Reprint 2020; dt. Panini 2021


„I don’t believe it! Wonder Woman hit me! She actually hit me! Even if she is a woman — no one treats me that way–And I mean no one!“ (Superman)

Das Jahr 1942. Superman kämpft an der Front gegen Japan mit. Er wirft mit feindlichen Flugzeugen um sich, aber keine Sorge: Die fliegen automatisch, daher muss der Strahlemann niemanden töten. Superman versenkt ein japanisches U-Boot und erfährt vom Kapitän, dass ein japanischer Agent nach Mexiko gereist ist, um mit einem Nazi etwas zu verhindern, das sich „Manhattan Project“ nennt. Superman weiß noch nicht, dass es sich dabei um den Bau der Atombombe handelt.

Das findet Wonder Woman heraus, die in Washington D.C. Nazis jagt. Die sind leicht zu erkennen an ihren Glatzen und den riesigen Hakenkreuzen auf Brust und Rücken (die fehlen in der deutschen Fassung). Nachdem sie zufällig Albert Einstein rettet und ihr eigenes Land ausspioniert, wird ihr klar, was sich hinter Project Manhattan verbirgt – und ist entsetzt. Weil sie befürchtet, die Bombe könnte die nächste Büchse der Pandora sein, will sie verhindern, dass sie eingesetzt wird.

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Superman vs. Wonder Woman (DC Comics)

Also fängt Wonder Woman an, in Chicago mit einer Straßenlaterne zu randalieren, um einen Kernreaktor zu zerstören. Das erregt Supermans Aufmerksamkeit und die beiden prügeln sich die Seelen aus dem Leib. Wonder Woman versucht zwar, ihm ihren Grund zu erklären, aber Superman beharrt auf seinem Patriotismus: „I’ve lived in America, and I trust my adopted country.“ Als ob Vertrauen in die Heimat Massenmord und Massenvernichtung rechtfertigen würde – Superman ist hier nicht gerade ein Superbrain.

Da man mit Argumenten nicht weiterkommt, kloppt man sich weiter dort, wo niemand verletzt werden kann, nämlich auf dem Mond. Doch auch als die beiden dort Ruinen einer vergangenen Zivilisation entdecken und Wonder Woman herausfindet, dass die sich mit Atomwaffen ausgelöscht hat, ist das Superman herzlich egal.

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Wonder Woman teilt gegen Superman aus. (DC Comics)

In der Zwischenzeit verbündet sich Baron Blitzkrieg mit Sumo, dem Samurai, um die Atombombe zu stehlen. Klingt bescheuert, ist aber so. (Das kann nur getoppt werden von „Captain Nazi“ – den gibt’s bereits seit 1941 …) Der Baron trägt ein knallgelbes Kostüm mit eiserner Maske (wie Doctor Doom) und sechs Hakenkreuzen, damit es keine Missverständnisse ob seiner Geisteshaltung gibt (auch hier nur im Original zu sehen). Erst ein SOS-Ruf per Blinklicht von der Erde kann die beiden Helden zurückholen, um gegen die wahren Feinde zu kämpfen.

Dieser Battle Royale folgt also dem klassischen Muster, das die Menschheit bereits seit dem Gilgamesch-Epos kennt und das besonders beliebt in Superheldencomics ist: Zuerst misst man miteinander die Kräfte, um einzusehen, dass der Feind ein anderer und man zusammen am stärksten ist. Das ist etwas blöd, aber es erfüllt seinen Zweck. Was an dem Kampf auffällt: Wonder Woman schlägt als erste zu – und sie teilt auch am meisten aus. Tatsächlich sieht man Superman nur einmal zuschlagen und er hadert mit sich, einer Frau Gewalt anzutun. Klar, Frauen zu schlagen steht niemandem gut, erst recht nicht einem Superman.

ACHTUNG SPOILER: Die beiden kloppen sich also gegen die Schurken und die Bombe geht trotzdem hoch.

Am Ende verspricht Präsident Roosevelt, er werde die Bombe niemals einsetzen, solange er Präsident sei. Geschickt, denn das übernimmt dann sein Nachfolger Harry S. Truman mit dem Abwurf der Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki im August 1945, bei dem insgesamt über 100.000 Menschen sofort sterben und noch einmal etwa  130.000 an den Folgeschäden bis Ende des Jahres.

Wonder Woman erweist sich im Epilog als hellsichtig. Sie weiß, dass früher oder später jemand die Büchse der Pandora öffnen wird. „And once the demons escape, they can never be recaptured … not if we try and try … till the end of time.“ Sehr weise. Nur leider schweigt Superman dazu – und wirkt dadurch nicht klüger als zuvor.

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80 Jahre Wonder Woman

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Sensation Comics #1 & Wonder Woman #1 (DC Comics)

Als Wonder Woman ihren ersten Auftritt in All-Star Comics #8 (1941) hat, ist auf dem Cover noch kein Platz für sie. Dort sind nur ein paar Typen zu sehen, die Justice Society, die das Heft seit Ausgabe 3 beherrscht. Wonder Woman wird nicht einmal erwähnt. Umso selbstsicherer wird sie in ihrer ersten Geschichte eingeführt.

In einer Welt, die vom Hass und Krieg der Männer zerrissen wird, erscheint eine Frau, für die diese Probleme ein Kinderspiel sind. Liebenswert wie Aphrodite, weise wie Athene, schnell wie Merkur und stark wie Herkules. Aber noch keiner weiß, wer sie ist. Wir sehen eine Frau mit blauem Sternenrock, roter Korsage mit goldenem Adler auf der Brust und roten Stiefeln ins Bild springen – eine US-Ikone, die auch die Farben von Superman spiegelt. Das Bild wird später für das zweite Abenteuer in Sensation Comics #1 wiederverwendet.

Die Geschichte beginnt mit einem Mann. US-Pilot Steve Trevor stürzt auf Paradise Island ab, wo unsterbliche Amazonen seit der Antike in einem Matriarchat leben. Die Prinzessin (die noch nicht benannt wird) findet Trevor, bringt ihn ins Krankenhaus, doch die Königin Hippolyte besteht darauf, dass er schnell wieder von der Insel verschwindet, sobald er genesen ist, denn Männer seien nicht erlaubt. Einst wurden die Amazonen von Herkules besiegt und versklavt, bevor sie sich selbst befreien konnten. Mit Aphrodites Hilfe gründeten sie eine Gesellschaft abseits der Männerwelt, denn Männer bedeuten Ärger, sie stören die friedliche Ordnung.

Doch die Prinzessin verliebt sich in Steve. Sie findet heraus, dass er einem Ring von Nazi-Spionen auf der Spur war, und will ihn zurückbringen. Hippolyte will daraufhin in einem Wettbewerb die Frau küren, die ihn begleiten soll. Die Prinzessin darf nicht teilnehmen, aber maskiert sich und macht trotzdem mit. Nachdem sie den Wettlauf gegen eine Hirschkuh besteht und ein paar Kugeln mit ihren Armbändern abwehrt, gewinnt sie. Hippolyta verleiht ihr den Namen Diana (nach der Mondgöttin) und ein buntes Kostüm. Diana bringt Steve in ihrem unsichtbaren Flugzeug in die USA zurück (Sensation Comics #1).

Von Princess Diana zu Diana Prince

Der Nachteil: Diana gibt damit ihre Erbrechte und ihre Unsterblichkeit auf. Glücklicherweise verliebt sich Steve sofort in sie, sobald er aufwacht. Die Prinzessin findet sich in der Männerwelt ein: Sie besiegt ein paar Räuber, leistet sich ein Wettrennen mit einem Autofahrer, lässt sich für eine Bühnenshow einspannen, wo sie mit ihren Armbändern Kugeln abwehrt, und wird schließlich Krankenschwester. Sie übernimmt die Identität der Krankenschwester Diana Prince, der sie zufällig ähnlich sieht. Diana bekommt eine Abfindung, die Prinzessin ihre Brille und wird sofort unkenntlich – wie Clark Kent.

Wie Superman ständig seine Lois Lane rettet, so rettet Wonder Woman Steve Trevors Leben. Allerdings hilft Steve ihr auch oft aus der Klemme, die beiden bilden also ein Paar auf Augenhöhe. Gemeinsam schalten sie zunächst Nazi-Spione aus, die planen, Armee-Camps mit Giftgas zu bombardieren. Und so wie Lois Lane mehr auf Superman als auf Clark Kent steht, so kann Steve Trevor mit Diana nicht viel anfangen. An Wonder Woman komme sie nicht heran, findet er.

Pazifistische Kriegsführung

In Sensation Comics #2 geht es wieder um Nazis und Nervengift. Diesmal ist Dr. Poison der Schurke, bzw. die Schurkin. Trevor wird mit Diana entführt. Ein Wahrheitsserum soll ihn zum Sprechen bringen – das Lasso der Wahrheit ist noch nicht erfunden. Dafür wird gefesselt. Zweimal muss sich Wonder Woman befreien, bevor dann die Männer selbst gefesselt werden – von den Frauen.

Statt mit Waffen auf die Feinde loszuziehen, rekrutiert die Heldin in einem Frauencollege eine Parade von Frauen (angeleitet von der übergewichtigen Etta Candy), die die Soldaten mit einer Aufforderung zum Tanz entwaffnen. Die Schurken fallen drauf rein und enden in Handschellen. Die Waffe der Frauen ist ihr Grips. Da sie unterschätzt werden, können sie sich das zum Vorteil machen.

Damit hat Charles Moulton eine moderne und emanzipierte Frauenfigur erschaffen. Moulton, der eigentlich William Moulton Marston heißt, war Psychologe und hat den Lügendetektor miterfunden. Er erkannte das erzieherische Potenzial in Comics und erfand daraufhin Wonder Woman. Marston war Feminist, lebte er in einer polyamourösen Beziehung und liebte Fesselspiele, was sich als Motiv immer wieder durch seine Comics zieht.

Besonders deutlich wird das in Sensation Comics #6. Darin bekommt Wonder Woman ihr goldenes Lasso. Es ist unverwüstlich und wer damit gefesselt wird, muss ihr gehorchen. Es wird zu ihrem Markenzeichen: eine Waffe, die weder tötet noch foltert. Als Pazifistin geht Wonder Woman stets den sanften Weg. Ihre Botschaft ist die Liebe.

Nachdem es immer nur um Nazi-Spione im eigenen Land geht, widmet sich die Heldin auch internen Feinden und sozialen Problemen. In Sensation Comics #7 geht sie gegen Betrüger vor, die die Milchpreise hochtreiben, sodass Mütter ihre Kinder nicht mehr ernähren können. Auch dahinter stecken zwar am Ende Nazis, aber zum ersten Mal sind die Schwächsten der Gesellschaft die Opfer. In der nächsten Ausgabe setzt sich Wonder Woman für bessere Arbeitsbedingungen von Verkäuferinnen in einem Kaufhaus ein.

Schneller als Superman und Batman bekam Wonder Woman ihr eigenes Heft. In Wonder Woman #1 (1942) wird die Vorgeschichte noch einmal ausführlicher nacherzählt. Diesmal formt Hippolyta, angeleitet von Athene, Diana aus Lehm. Der Kriegsgott Mars wird als klassischer Gegenspieler eingeführt.

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All-Star Comics #12 und Comic Cavalcade #1 (DC Comics)

Der Erfolg hielt an. 1942 kehrte Wonder Woman zu All-Star Comics zurück, diesmal aber als Mitglied der Justice Society of America, zusammen mit Hawkman, Starman, Atom und Co. Als Ehrenmitglied und als Sekretärin durfte sie auch beim Kampf gegen die Achsenmächte helfen. Etwas später im selben Jahr bekam Wonder Woman Abenteuer in der neuen Anthologieserie Comic Cavalcade, sie teilte sich das Cover mit Flash und Green Lantern. Mit vier Serien hatte sie damit zweitweilig sogar eine mehr als Superman und Batman.

Doch Wonder Womans Golden Age währte nicht lange. Marston starb bereits 1947 an Krebs. Er wurde nur 53 Jahre alt. Danach verflachten die Abenteuer der Superheldin, das Interesse an ihr ließ nach, wie ohnehin an Superhelden nach dem Krieg. Die Amazone verschwand 1948 aus Comic Cavalcade, drei Jahre später auch aus Sensation Comics, kurz zuvor wurde All-Star Comics eingestellt. 1958 starb Stammzeichner Harry G. Peter.

Trotzdem verkaufte sich die Serie Wonder Woman kontinuierlich. Derzeit erscheint das Heft sogar alle zwei Wochen, sodass im kommenden Jahr voraussichtlich die 800. Ausgabe herauskommen wird.

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Catwomans Stunde der Wahrheit

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DC Comics

Titel: Batman Adventures: Cat Got Your Tongue?

Autor/Zeichner: diverse

Erschienen: 2021 (Adventures in the DC Universe #2, #19; Batman: Gotham Adventures #4, #24, #50; Batman Adventures #10)


Catwoman klaut Wonder Woman das Lasso der Wahrheit. Nicht für sich selbst, sondern für einen Schurken, der damit einen Wissenschaftler befragen will, wie er zu einem Katzengott wird. Doch als das Schlimmste eintrifft, bereut Catwoman ihre Auftragsarbeit, denn der Katzengott randaliert in der Stadt. Aber da eilt auch schon Wonder Woman zur Hilfe, um gemeinsam mit Catwoman wieder für Ordnung zu sorgen. Moral: In jedem Größenwahnsinnigen steckt ein kleiner, armseliger Mann.

Ansonsten geht es im Catwoman-Bändchen der neuen Batman-Adventures-Reihe für Kinder vor allem um ihre Beziehung zu Batman. In Claws setzt sich Catwoman gegen Tierversuche an streunenden Katzen ein. Als sie die Verantwortliche (eine Herstellerin von Kosmetikprodukten) zur Rede stellt und die sich nicht einsichtig zeigt, fährt ihr Catwoman mit den Krallen durchs Gesicht, sodass sie für immer entstellt ist. Das wiederum belastet ihr Verhältnis zu Batman.

Missverständnisse und Vertrauensprobleme

Doch eine Aussprache findet nicht statt. Also lockt Catwoman Batman in eine Falle, um mit ihm zu reden. Leider erwischt sie aber zunächst alle anderen: Robin, NightwingBatgirl und Killer Croc. Als sie schließlich Batman bekommt, läuft das Gespräch auf ein einziges Missverständnis hinaus. Sie sagt nicht, was sie will, und er hat nichts zu sagen, außer dass er sie festnehmen will. Catwoman haut ab.

Das Problem, wie sich später zeigt: Batman traut Catwoman nicht. Als er sie bei einem Einbruch erwischt und sie ihn vor einer Bombe bewahrt (und dabei selbst fast draufgeht) ermittelt er so lange, bis er ihre Unschuld beweist. Warum ist Batman so viel härter zu ihr als zu anderen?, fragt Nightwing. Weil er mehr von ihr erwarte, sagt Batman. Das ist fast schon keine richtige Antwort.

Zum Schluss hat Batman wieder allen Grund, Catwoman zu misstrauen. Zunächst lässt sie eine Farbbombe hochgehen, die die wertvollen Gemälde in einem Club beschmiert. Dann wird sie zusammen mit Batman von der Polizei gejagt (denn der Pinguin ist Bürgermeister). Doch selbst als sie ihm aus der Patsche hilft, traut er ihr nicht. Zu Recht, wie sich am Ende herausstellt: Catwoman hat die Bilder vorher ausgetauscht und die Originale gestohlen. Doch statt die Diebin auszuliefern, stiehlt Batman einfach die Bilder zurück.

Die Beziehung bleibt ein kompliziertes Hin und Her. Ganz zum Schluss (im kurzen Epilog des Bandes) bricht dann Catwoman nur deshalb in Wayne Manor ein, um im Safe eine Nachricht zu hinterlassen: ihren Neujahrsvorsatz, brav zu sein. Plötzlich gibt sich Bruce Wayne freundlich: „After all, I’m a strong believer in the power of a simple vow.“

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DC Fandome: Neue Trailer zu „The Batman“ und „The Flash“

Da ist er: Nach stundenlangem Geschwätz bei DC Fandome kam endlich die Hauptattraktion: zweieinhalb Minuten Bilder aus dem Film The Batman. Nicht alles neue Bilder, aber immerhin konnte man sich einen guten Eindruck von Catwoman (Zoë Kravitz), Pinguin (Colin Farrell) James Gordon (Jeffrey Wright) und Alfred Pennyworth (Andy Serkis) verschaffen. Der Riddler (Paul Dano) bleibt noch ein Mysterium, dafür wirkt Batman (Robert Pattinson) wie der absolute Berserker.

The Batman von Regisseur Matt Reeves soll im März 2022 in die Kinos kommen. Der Filmstart wurde bereits wegen der Corona-Pandemie verschoben.

Noch einmal Batman gab es im „First Look“ zu The Flash. Der Held taucht (zusammen mit Supergirl) in der Batcave auf, Batman (Michael Keaton?) sieht man nur von hinten. Und es gibt eine kleine Enthüllung des Batmobils – allerdings nur off screen. The Flash soll

Und hier noch ein Vorgeschmack auf den Black-Adam-Film mit Dwayne Johnson:

Und hier noch ein Trailer zum Animationsfilm Catwoman: Hunted:

Neue Comics: „The Knight“ und Detective Comics #1050

 

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Batman: The Knight (DC Comics)

DC hat ein paar potenzielle Comic-Highlights fürs Jahr 2022 angekündigt: Autor Chip Zdarsky (Daredevil) und Zeichner Carmine Di Giandomenico (The Flash, Daredevil: Battlin Jack Murdock) erkunden in Batman: The Knight, wie Batman zu dem wurde, der er ist. Ja, genau: Schon wieder. Diesmal soll es um seine Lehr- und Wanderjahre gehen, also die Zeit zwischen Elternmord und „Yes, father, I shall become a bat“ (siehe Year One und Zero Year).

Nicht, dass das alles schon Dutzende Male erzählt worden wäre, in Rückblenden, Kurzgeschichten oder im Film Batman Begins. Aber eben noch nicht von Chip Zdarsky, der bereits mit Spider-Man: Life Story bewiesen hat, dass er auch den bekanntesten Geschichten noch eine neue Seite abtrotzen kann. Seine derzeit laufende Daredevil-Serie ist jedenfalls Gold wert (lesen!) und in Batman: Black and White hat er sich bereits am Dunklen Ritter warmgelaufen. Die ersten Bilder zeigen einen „angry young man“ beim Faustkampf.

Die erste Ausgabe erscheint am 18. Januar 2022, wird 40 Seiten umfassen und 4,99 US-Dollar kosten. Es sind zehn Teile geplant.

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Variants zu Detective Comics #1050 von Jorge Fornes und Jason Fabok. (DC Comics)

Eine Woche später soll Detective Comics #1050 erscheinen. Und weil derzeit alles, was auf 50 oder 00 endet (manchmal auch 27), als Jubiläum gilt, wird auch diese Ausgabe auf Sonderformat aufgeblasen. Mariko Tamaki erzählt den vierten Teil ihres Events Shadows of the Bat. Außerdem wird es eine Backup Story von Matthew Rosenberg (The Joker Presents: A Puzzlebox, DC vs. Vampires) und eine von Mark Waid (Kingdom Come) geben, in der auch Superman vorkommt. Die Zeichnungen stammen von Ivan Reis, Fernando Blanco und Dan Mora. 48 Seiten kosten 5,99 US-Dollar.

>> Mehr Infos, Bilder und weitere Comics bei DC

Batman als Audio zum Nachlesen

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DC Comics

Titel: Batman The Audio Adventures Special

Autor/Zeichner: Dennis McNicholas u.a./Jacob Edgar u.a.

Erschienen: 2021 (One-shot)


Batman gibt es in jedem Medium, nur im Radio war er bisher unterrepräsentiert. Aber warum sollte es anders sein? Ohne Bilder ergibt die Figur nicht viel Sinn. Aber weil Podcasts gerade der heiße Scheiß sind, gibt es seit September eben die zehnteilige Hörspielserie The Audio Adventures mit Jeffrey Wright in der Titelrolle (er spielt bald auch James Gordon im Film The Batman).

Für alle, die nicht hören, sondern weiterhin lieber lesen und bunte Bilder anschauen, ist nun auch ein Comic erschienen: The Audio Adventures Special hat zwar nichts mehr mit „Audio“ zu tun, soll aber anscheinend Comicleser dazu bringen, sich den Podcast anzuhören.

In der Tradition der Jubiläumsanthologien (z.B. Detective Comics #1000/1027) werden auch hier ein paar Kurzgeschichten geboten, manche sind abgeschlossen, andere teasern auf die Hör-Abenteuer (wie z.B. mit dem Joker). Doch vor allem führen sie ein in einen interessanten Kosmos: Batman etabliert sich in einer korrupten Stadt gerade erst als Verbrechensbekämpfer, bekommt die Anerkennung der Polizei und ein Batsignal.

Selbstironische Reflexionen

Es wird zum Leitmotiv dieser Storys: „It’s theatrical, impractical, ridiculous–in a word, perfect–the quintessence of Gotham City“, denkt sich Batman. Auch der Riddler findet es lächerlich, wünscht sich aber ein eigenes, während sich ein Reporter fragt: Was hat es zu bedeuten? „Could this ‚bat‘ signal brighter days for Gotham?“

Auch wenn hier der Mythos zelebriert wird: Die Geschichten sind wohltuend selbstironisch, und im Gegensatz zu vielen gewollt-witzigen Batman-Storys zünden die Gags wirklich. Der Zeichenstil der Künstler ist cartoonhaft, erinnert an die Batman: The Animated Series bzw. die Batman Adventures, aber auch sonst knüpfen die Geschichten an die besten Momente der Serie bzw. Comics an.

Alte und neue Schurken

Passend zu einem Hör-Abenteuer jagt Batman eine „Three Blind Mice-Gang „(daher auch die großen Lauscher), auch Catwoman (im Golden Age-Kostüm) kriegt mit ihnen zu tun und verleiht dem Plot eine überraschende Wendung. Ansonsten gibt es eine Two-Face-Story über ständige duale Entscheidungen in seinem Leben, Scarecrow verkauft Drogen an Kinder, der Pinguin erweist sich erneut als fieser Tyrann und den schönsten Auftritt bekommt aber der Riddler, der in Arkham besucht wird von einer Art Sidekick. Hier gibt es viel zu lachen.

Eine Geschichte widmet sich der Entstehung eines neuen Schurken (King Scimitar), der nicht ernst genommen wird, weil ihm ein Gimmick fehlt. Unterwegs begegnen ihm (neben Killer-Moth, Polka-Dot-Man und Calendar Man) viele verrückte Schurken wie ein Imker mit Bienenbande und ein laufender Hot-Dog. Wunderbarer Irrsinn – der Condiment King lässt grüßen.

Ach ja, und wer immer noch hören will, hier die erste von zwei Episoden auf YouTube:

Man kann sie sich auch bei Spotify anhören. Den Rest gibt es bei HBO Max.

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