Jeff Lemire

Robin & Batman: Jason Todd

DC Comics

Autor/Zeichner: Jeff Lemire/Dustin Nguyen

Erschienen: 2025 (Miniserie #1-3), Hardcover 2025


„I’ll never be scared again. I’ll never get hurt again.“ (Jason Todd)

Nachdem Jeff Lemire und Dustin Nguyen sich in Robin & Batman (2021-2022) Dick Graysons Anfängen gewidmet haben, folgt nun ein Pendant mit Robin II, Jason Todd, in gleicher Manier. Ein schwieriger Robin, nicht nur wegen seiner Persönlichkeit, sondern auch weil es zwei verschiedene Origins gibt. Zunächst war er bloß eine Dick-Grayson-Kopie, ein Zirkusartist, dessen Eltern von Killer Croc ermordet wurden. Später war er ein Straßenkind, das Radkappen vom Batmobil stahl.

Doch da Killer Croc bereits bei Dick Grayson hinzugedichtet wurde (naheliegend wegen der gemeinsamen Zirkusvergangenheit), fällt diese Option bei Jason weg. Statt aber von Two-Face zu erzählen, denkt sich Autor Jeff Lemire einen neuen Schurken aus: Wraith (Kevin Gilroy), ein maskierter Killer, der nicht nur an den Reaper erinnert, sondern auch an viele andere, die sich Batman zum Vorbild nehmen, aber finden, dass er nicht weit genug geht – weshalb sie über Leichen gehen. (Im Grunde eine Art Punisher.)

Angry young Jason kommt das sehr entgegen und er schließt sich Wraith an, auch weil er gegen die Drogendealer vorgeht, die Jasons eigene Mutter auf dem Gewissen haben. Sie ist als Junkie an einer Überdosis von „Reaper Red“ gestorben. Batman hinterfragt – mal wieder – seine Entscheidung für Robin. Das Misstrauen macht die Beziehung nicht besser. Dick Grayson schaut als Nightwing vorbei, um den Mentor zu spielen und einige Doppel-Splash-Pages dem Team-up zu widmen. Dann aber sieht Robin rot …

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Absolute Flash Vol. 1: Of Two Worlds

DC Comics

Deutscher Titel: Absolute Flash: Eine neue Welt

Autor/Zeichner: Jeff Lemire/Nick Robles, A.L. Kaplan

Erschienen: 2025 (Absolute Flash #1-6), Hardcover/Paperback 2025; dt. Panini 2025


„Am I a hero or am I a monster?“ (Wally West)

Flash ist einer dieser DC-Charaktere, von dem es gleich mehrere Namensträger gibt. Aber wer ist eigentlich der beste Flash aller Zeiten? Jay Garrick war der erste, aber er ist mit seinem Suppenteller auf dem Kopf eher was für Nostalgiker. Barry Allen hat den Flash neudefiniert und 30 Jahre lang geprägt, bis er während der Crisis den Heldentod starb. Und auch wenn dessen Sidekick Kid Flash (Wally West) ihn erfolgreich beerbt hat, war es nur eine Frage der Zeit, bis Barry zurückkehrte – und wie! Mit Flash: Rebirth, Flashpoint sind zwei moderne Klassiker entstanden. Doch während des Reboots von The New 52 wurde Wally West ausradiert, was natürlich vielen Fans nicht gefiel, sodass er während DC Rebirth zurückkehrte. In Film und Fernsehen heißt der Flash definitiv Barry Allen.

DC hat sich für seine Version des Absolute Flash für Wally West entschieden, was seltsam ist, wenn man bedenkt, dass er so auch in der regulären Serie heißt. Hier ist er ein 15-Jähriger, der unter Entwurzelung und Einsamkeit leidet, während sein alleinerziehender Vater Rudy West für das Militär in Fort Fox Geheimwaffen entwickelt. Einer der Forscher heißt Barry Allen und macht Wally zum Flash. Warum und wie genau, wird in den ersten sechs Ausgaben nur angedeutet. Offenbar diente Wally als Versuchskaninchen in einem Experiment. Irgendwie ging das schief, Barry starb (ein Wink Richtung Crisis) und seitdem jagt ein orientierungsloser Wally durch die Wüste und versucht, seine Kräfte zu verstehen und zu kontrollieren. Währenddessen lässt Vater Rudy nach dem Sohn suchen – und zwar mit den Rogues, Militär-Varianten von Captain Cold, Captain Boomerang, Trickster und Golden Glider.

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Swamp Thing am Ende der Welt

DC Comics

Titel: Swamp Thing: Green Hell

Autor/Zeichner: Jeff Lemire/Doug Mahnke

Erschienen: 2021-2023 (Dreiteiler), Hardcover 2023; dt. Panini 2023


Die Erde ist am Ende, von der Menschheit ist kaum noch was übrig. Die Meere sind leergefischt. Die letzten Überlebenden schlagen sich auf einer Insel mehr schlecht als recht durch, der Meeresspiegel steigt, und werden zu allen Überfluss auch noch von einer Bande ausgebeutet, die auf einer alten Bohrinsel lebt – dem Mahnmal der Umweltzerstörung.

Da beschließt die Natur, der Menschheit den Rest zu geben. Die drei Reiche – The Red, The Green und The Rot – sehen alles Leben auf der Welt bedroht und lassen das Grün ein neues Swamp Thing auferstehen (das so heißt, obwohl es aus dem Meer steigt). Dieses beginnt, mit seinen Tentakeln die Inselbewohner niederzumetzeln. Ein alter Mann und ein Mädchen holen Hilfe in einem Leuchtturm, wo John Constantine anscheinend auf einem unerschöpflichen Zigarettenvorrat hockt und nichts Besseres zu tun hat, als weiter Kette zu rauchen. Dieser wiederum holt dann das Original-Sumpfding namens Alec Holland aus dem Paradies, was dieser gar nicht lustig findet.

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Batman und sein Kindersoldat

DC Comics

Titel: Robin & Batman

Autor/Zeichner: Jeff Lemire/Dustin Nguyen

Erschienen: 2021-2022 (Miniserie #1-3), Hardcover 2022


„He’s a soldier, not some mascot like the others.“ (Batman)

Nach über 80 Jahren muss man sich fragen: Ist Robin überhaupt noch zeitgemäß? Der Charakter wurde anfangs für Kinder geschaffen und diente vor allem als Identifikationsfigur. Batman wurde freundlicher durch ihn, kindgerechter. Als er wieder ernster wurde, arbeitete er meist wieder allein – aber so ganz verschwand Robin nie und es wäre auch falsch zu sagen, die besten Batman-Storys kämen ohne Sidekick aus. Und auch wenn er längst seine eigenen Serien und Teams hat, hadert man mit diesem quietschbunten Jungen neben dem Dunklen Ritter …

Nun hat sich Jeff Lemire (Joker: Killer Smile) des Problemkinds angenommen, zusammen mit Dustin Nguyen, der bereits in Detective Comics und Streets of Gotham Batman und Robin zeichnen durfte. (Gemeinsam erschufen sie die Science-Fiction-Serien Descender und Ascender.) Diesmal heißt es aber: Robin & Batman. Es geht um Dick Graysons Anfänge in der Rolle. Die tragische Ursprungsgeschichte (zuerst dargestellt in Detective Comics #38) wird ausgelassen und nur angedeutet, dafür sehen wir, wie Dick mit Batman trainiert und seine Rolle erst finden muss. Nach einem verpatzten Einsatz wird er „gefeuert“, dann macht er sich selbst ein Kostüm, um es Batman zu beweisen, dass er würdig ist. Schließlich nehmen sie es gemeinsam mit Killer Croc auf, den Dick bereits aus Zirkustagen kennt.

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Neue Robin-Serien im November

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DC Comics

DC hat den November 2021 zum Robin-Monat erklärt. Am 9.11. startet zunächst der Dreiteiler Robin & Batman von Jeff Lemire (Joker: Killer Smile, Green Arrow) und Dustin Nguyen (Streets of Gotham). Die beiden haben bereits an ihren Science-Fiction Serien Descender/Ascender zusammengearbeitet. Nun erkunden sie den Beginn von Dick Graysons Karriere. Jede Ausgabe wird 40 Seiten umfassen.

Eine Woche später, am 16.11., startet die sechsteilige Miniserie Robins, in der Autor Tim Seeley und Zeichner Baldemar Rivas die bisherigen Namensträger zusammentrommeln: Dick Grayson, Jason Todd, Tim Drake, Stephanie Brown und Damian Wayne diskutieren miteinander, ob das mit Robin eine gute Idee war. Für die Action sorgt eine Angreiferin, die behauptet, die erste Robin gewesen zu sein.

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Die abgründige Schönheit des Lächelns

DC Comics

Titel: Joker: Killer Smile

Autor/Zeichner: Jeff Lemire/Andrea Sorrentino

Erschienen: 2019-2020 (Joker: Killer-Smile #1-3, Batman: The Smile Killer #1), Hardcover 2020


„Laughter … That is true beauty.“ (Joker)

Wir haben ein Joker-Problem. Es gibt zu viel von ihm. Nicht nur in der regulären Serie taucht er ständig auf, auch in Specials und Miniserien. Und das liegt nicht nur am 80-jährigen Jubiläum in diesem Jahr. Keiner der Batman-Titel, die DC unter seinem Black Label herausgebracht hat, kommt ohne den Joker aus (z. B. Damned, Harleen, White Knight). Gleich drei Miniserien tragen seinen Namen, eine weitere ist angekündigt.

Eine davon ist der Dreiteiler Joker: Killer Smile. Eigentlich müsste man das mit einem Seufzen zur Ketnnis nehmen, wären da nicht die Macher: Jeff Lemire und Andrea Sorrentino sind so etwas wie ein Traumpaar der Comicbranche, gemeinsam haben sie nicht nur Green Arrow und Old Man Logan, sondern auch die Horrorserie Gideon Falls geschaffen. Und jede dieser Serien ist dank Sorrentinos Meisterschaft ein Genuss für sich. Der Zeichner versteht es nicht nur, eine beklemmende Atmosphäre zu schaffen, sondern reizt das Medium auch jedes Mal auf überraschende Weise aus, indem er mit Layouts experimentiert, Anordnungen fragmentiert und durcheinander wirft. Seine Seiten sind wahre Kunstwerke.

Der böse Clown Mr. Smiles

Und so wird auch in Killer Smile die Erwartung gebrochen: Statt den Joker mal wieder gegen Batman antreten und seine schwierige Beziehung zu ihm auszuloten (gähn!), wird eine kleine, fast schon intime Geschichte erzählt. Der Joker wird in Arkham von Dr. Ben Arnell behandelt. Während der Therapie gesteht der Joker ihm, dass er immer nur im Sinn gehabt habe, Schönheit in die Welt zu bringen – der Schurke verkannter als Künstler oder vielmehr Unterhalter, wie er sich selbst nennt. Der Psychiater ist ebenfalls ein Idealist, der sich einen Durchbruch erhofft, der nicht nur den Joker von seiner Psychose heilt, sondern auch Erkenntnisse bringt, die anderen helfen können. Doch die Geduld seiner Vorgesetzten ist am Ende: Er bekommt nur noch zwei Wochen Zeit.

Das eigentliche Problem jedoch: Arnell nimmt die Arbeit mit nach Hause. Der Joker verfolgt ihn in Gedanken, er kann nachts nicht schlafen, hat Albträume, im Wachzustand sieht er Morde, wo keine sind. Und dann ist da noch ein unheimliches Kinderbuch von dem bösen Clown Mr. Smiles, das er seinem Sohn vorlesen soll und von dem er sich fragt, wo es eigentlich herkommt.

DC Comics

Was ist hier los? Und wer behandelt hier eigentlich wen? Das sind die Fragen, die die Spannung erzeugen und am Ende auf eine furchterregende Eskalation hinauslaufen. So gruselig das Ganze inszeniert ist, so bildgewaltig und mitreißend ist es auch. Sorrentino erweist sich erneut als Virtuose des Visuellen und Lemire lässt ihm mit seiner aufs Nötigste reduzierten Geschichte viel Spielraum, sich zu entfalten. Da gibt es Panels in Form von Zähnen und Fischen, Seiten aus einem Kinderbuch, die wie von einem anderen Künstler geschaffen zu sein scheinen.

Der Joker wird hier mystifiziert als eine Urgewalt, als eine Art Krankheit, die jeden infiziert und korrupiert, mit der sie zu tun hat. Keine neue Facette (vgl. Azzarellos Joker), aber eine, in der sich die Leser wiederfinden und sich fragen können: Warum eigentlich sind WIR so fasziniert von dieser Figur? Vielleicht weil er so ungreifbar bleibt – und daher der perfekte Schurke ist.

Batman und der Smile Killer

Auch Batman ist davor nicht gefeit. Im One-shot Batman: The Smile Killer lernen wir, dass schon der junge Bruce Wayne Bekanntschaft mit Mr. Smiles gemacht hat – in einer TV-Show für Kinder. Wenn auch einer ziemlich seltsamen Show, in der die Handpuppe Kinder dazu auffordert, mit einer möglichst großen und scharfen Schere zu basteln. Nachdem Bruce Mr. Pouts gezeichnet hat (eine Art Batman), soll er sich ein Auge ausstechen. Seine Mutter kann ihn gerade noch davor bewahren. Allerdings verpasst sie ihm eine Ohrfeige.

Jahre später jagt Batman den Joker und findet sich plötzlich selbst als Patient in Arkham wieder. Batman soll nur eine Illusion sein, sagt ihm sein Mitinsasse, Ben Arnell. Das Motiv ist vertraut: Man kennt es aus The Last Arkham, sowie aus Dreams in Darkness (BTAS S01E28), außerdem bedient sich die Story bei Motiven aus Identity Crisis (Detective Comics #633, 1991) bzw. Perchance to Dream (BTAS S01E30). Hier jedoch wird es zugespitzt: Der kleine Bruce soll, in Clownsschminke, seinen Vater erschossen haben. Seitdem wird er von James Gordon behandelt. Hier wird eine Shutter-Island-Story draus. So scheint es zumindest …

Denn es endet offen, wenn man überhaupt von einem Ende sprechen kann, selbst das bleibt offen. Und so lässt einen dieser Schlussteil mit einem Rätsel zurück. Wird es eine Fortsetzung geben? So verlockend es scheint: Vielleicht wäre es besser, wenn manche Rätsel ungelöst bleiben. So bleibt man als Leser selbst in dieser kafkaesken Situation gefangen. Und damit hätte man immerhin eine weitere Joker-Story mit Mehrwert. Eine, die sich traut, die Grenzen des Erzählbaren weiter auszureizen. Bis hin ins Irrationale.

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Superhelden auf Austauschfahrt

Titel: Black Hammer/Justice League: Hammer of Justice

Autor/Zeichner: Jeff Lemire/Michael Walsh

Erschienen: 2019 (#1-5), Hardcover 2020


Abseits von DC und Marvel ist Black Hammer eines der interessantesten Superhelden-Comics der vergangenen Jahre – überschüttet mit Lob und Preisen. Schöpfer Jeff Lemire die Welt innerhalb kürzester Zeit zu einem eigenen Universum mit immer neuen Spin-offs erweitert (Sherlock Frankenstein, Doctor Star), und das ist erst der Anfang.

Eines dieser Spin-offs ist ein Crossover mit der Justice League: In Hammer of Justice erzählt Lemire, wie die Helden aus Black Hammer, die auf einer Farm gefangen sind, mit Superman, Batman, Wonder Woman, Flash und Cyborg tauschen. Verantwortlich ist ein mysteriöser Mann mit violetter Kleidung. Für die DC-Helden sind plötzlich (wie einst in Black Hammer) zehn Jahre vergangen, während die Black-Hammer-Helden sich vor Aquaman, Martian Manhunter und Hawkgirl verantworten müssen. Und dann trifft Colonel Weird auf Green Lantern (John Stewart).

Ohne tieferen Sinn oder Mehrwert

Keine Frage: Jeff Lemire ist ein überaus fähiger Autor, der dieses Gipfeltreffen kurzweilig und sogar witzig gestaltet. Golden Gail baggert Aquaman und Martian Manhunter an, dann fragt sie sich (wunderbar selbsreferenziell), warum sie in der DC-Welt nicht fluchen darf, aber im Finale lösen sich die Probleme schnell, ohne dass sie je als echte Probleme erschienen waren – da nimmt sich die Geschichte selbst nicht ernst. Zeichner Michael Walsh lässt das alles auch solide aussehen. Aber am Ende bleibt auch die Frage: Was sollte das?

Der Verantwortliche für das Ganze ist vorhersehbar (auch wenn ich gehofft hatte, falsch zu liegen). Ein tieferer Sinn ergibt sich leider nicht, aber auch kein großer Mehrwert: Die Haupthelden beider Welten treffen nämlich durch den Austausch nicht aufeinander, haben meistens nichts miteinander zu tun. Der Kampf mit den drei DC-Helden wirkt bemüht. Konnte Martian Manhunter nicht mal Gedanken lesen? Wäre damit nicht das Missverständnis aus der Welt geschafft?

Vergessenswertes Gipfeltreffen

Stattdessen sehen wir, wie sich die DC-Helden ideal ins Farm-Szenario fügen: Clark Kent ist ohnehin ein Landei und ist damit wie Abraham Slam der Anführer, der sich dort am wohlsten fühlt, Batman ist der Tüftler, der nach einer Lösung sucht, Cyborg lässt sich mit Talky Walky kurzschließen, Flash nimmt die Rolle von Black Hammer ein … Fragt sich: Wozu der Rollentausch, wenn die Rollen ohnehin gleich besetzt werden?

Am treffendsten fasst es Madame Dragonfly am Ende zusammen: „You’ll all forget this ever happened by morning. It will all just be another imaginary story.“ Recht hat sie. Damit dürfte auch die Frage nach dem Sinn geklärt sein. Es geht bei diesem Gipfeltreffen, wie so oft, nur darum, für eine Weile etwas zusammen zu sehen, was nicht zusammen gehört. Insofern: Zweck erfüllt, weiter im Text.

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Lemire und Sorrentino machen „Joker – Killer Smile“

2019 ist das Jahr des Jokers. Zum Kinofilm mit Joaquin Phoenix erscheinen mehrere neue Titel mit dem Schurken (wie etwa Joker/Harley: Criminal Sanity) und eine neue Anthologie. Außerdem warten wir immer noch auf einen Termin für Three Jokers von Geoff Johns und Jason Fabok. Bis dahin kann man sich die Zeit mit einem anderen Dreiteiler vertreiben, der bei DCs Black Label erscheint: Joker: Killer Smile von Jeff Lemire und Andrea Sorrentino. Der erste Band erscheint am 30. Oktober 2019 und die beiden folgenden sollen im Abstand von zwei Monaten herauskommen.

Die Story: Nachdem der Joker jahrelang Gotham terrorisiert hat und gegen Batman angetreten ist, hat er einen neuen Gegner gefunden: einen Arzt, der ihn in Arkham behandelt. Der Joker dringt immer tiefer in den Verstand seines Opfers ein und setzt damit eine Kettenreaktion in Gang, die Gotham City ins Chaos zu stürzen droht.

Lemire und Sorrentino sind ein Dream-Team der Comics. Zusammen haben sie Green Arrow, Old Man Logan und zuletzt die Horror-Serie Gideon Falls gemacht. Sorrentino ist bekannt für seine sehr düsteren, schattenlastigen Zeichnungen und aufwendigen Layouts, mit denen er die Möglichkeiten des Comics immer wieder neu ausreizt. Mit Joker: Killer Smile verspricht er, neue Höhen zu erreichen.

Lemire, von dem auch das Crossover Justice League/Black Hammer stammt, wird außerdem eine The Question-Miniserie fürs Black Label schreiben: The Question: The Deaths of Vic Sage. Für die Zeichnungen sind die Altmeister Denys Cowan und Bill Sienkiewicz zuständig. Die erste Ausgabe des Vierteilers erscheint am 20. November 2019.

Angekündigt ist ein „philosophical mystery“, die an die Question-Comics von Dennis O’Neil und Denys Cowan anknüpfen: Die Geschichte beginnt im Wilden Westen und erstreckt sich in die gesetzlosen 1930er und soll von einem ungelösten Fall handeln, der zum Tod von The Question geführt hat. Nun, da sich die Geschichte zu wiederholen droht, muss der Gesichtslose versuchen, sich aus dieser Falle zu befreien.

Joker Carpenter

DC Comics

UPDATE: Horror-Filmemacher John Carpenter (Halloween, The Thing) wird den One-Shot The Joker: Year of the Villain #1 mit Anthony Burch schreiben. Zeichnungen stammen von Philip Tan und Marc Deering. Das Heft erscheint am 9. Oktober, umfasst 40 Seiten und kostet 4,99 US-Dollar.

Black Hammer trifft Justice League

Dark Horse/DC Comics

Jeff Lemire ist immer wieder für eine Überraschung gut, aber diesmal hat er etwas angekündigt, womit wohl niemand gerechnet hätte: Ein Crossover zwischen Black Hammer (Dark Horse) und der Justice League. Batman, Superman, Wonder Woman, Flash, Green Lantern und Cyborg treffen in diesem Sommer auf die Superhelden aus dem von Lemire geschaffenen Universum. Dazu gibt es ein Wiedersehen mit Starro. Lemire schreibt die fünfteilige Mini-Serie Hammer of Justice, Michael Walsh zeichnet sie. Die erste Ausgabe erscheint am 10. Juli 2019 in den USA. Es wird insgesamt sechs Cover geben, die von Michael Walsh, Andrea Sorrentino, Yanick Paquette, Yuko Shimizu und Jeff Lemire stammen.

Black Hammer hat 2017 zwei Eisner-Awards gewonnen und wird – völlig zurecht – mit Lob überhäuft. Die Serie handelt von Superhelden, die aus einem rätselhaften Grund auf einer Farm gestrandet sind. Das Universum expandiert mittlerweile in mehreren ebenfalls sehr lesenswerten Spin-offs. Neben der Hauptserie (Black Hammer: Age of Doom) gibt es auch Sherlock Frankenstein, Doctor Star, The Quantum Age und Black Hammer ’45. Lemire hat sich innerhalb von wenigen Jahren eine eigene Welt aufgebaut, die noch weiter trägt als seine anderen Serien wie Sweet Tooth und Descender.

Auf Deutsch erscheint Black Hammer im Splitter-Verlag. Einen Erscheinungs-Termin für Hammer of Justice in Deutschland gibt es noch nicht.

Bogen überspannt, ins Schwarze getroffen

Titel: Green Arrow by Jeff Lemire and Andrea Sorrentino (War of the Clans)

Autor/Zeichner: Jeff Lemire/Andrea Sorrentino

Erschienen: 2013-2014 (Green Arrow #17-34, #23.1), Hardcover 2016 (Deluxe Edition), Paperback 2019 (DC Essential Edition); dt. Panini 2014-2015 (Green Arrow Megaband 2-3)


Nach dem DC-Reboot von The New 52 hatte Green Arrow ein paar Startschwierigkeiten. Nach 16 Ausgaben übernahm Jeff Lemire mit Andrea Sorrentino (das Team von Old Man Logan und später Gideon Falls) die Serie und brachen sie zu neuer Blüte – davon war sogar Mark Millar begeistert, dass er sich nicht nur (nach eigenen Angaben) die Hefte kaufte, sondern auch das Vorwort zur Deluxe Edition schrieb.

Das Interessante an dieser Storyline ist, dass Lemire sich alle Freiheiten nimmt, um Green Arrow völlig auf den Kopf zu stellen. Alles, was wir über den Helden wussten, negiert er so sehr und erweitert es um so viele überraschende Wendungen, dass es fast schon zu viel des Guten ist.

Zunächst ist Oliver Queen pleite. Sein Familienunternehmen geht den Bach runter, sein Vertrauter Emerson wird vor seinen Augen ermordet, der Mord wird ihm angelastet, dann wird auf sein eigenes Unternehmen ein Anschlag verübt. Oliver Queen ist auf der Flucht vor der Polizei – und dann auch noch vor dem Attentäter. Dieser heißt Komodo, ist ein böser Schütze und hat schon mit Queens Vater zu tun gehabt. Queen wird von einem mysteriösen Blinden gerettet, dann nimmt er sich zwei neue Helfer und versucht, das Rätsel in Europa zu enthüllen, er trifft auf Count Vertigo und erfährt immer mehr, dass nichts in seinem Leben so ist, wie es scheint. Dann droht zu Hause in Seattle ein neuer Bandenkrieg auszubrechen …

Jeff Lemire gilt als ein Wunderkind der Comic-Branche. Er ist nicht nur Autor und Zeichner, er fällt nicht nur auf durch seinen immensen Output auf, es scheint auch so, als würde alles, was er anfasst, zu Gold. Seine eigenen Graphic Novels und Serien (Sweet Tooth, Descender, Black Hammer) werden gefeiert ebenso wie seine Werke für DC (Animal Man) und für Marvel hat er neben Moon Knight und Thanos ebenfalls schon an einem Bogenschützen (Hawkeye) gearbeitet.

Für Green Arrow reichert er die Entstehungsgeschichte so an, dass er mehr als ein Held, sondern ein uralter Mythos wird. Es gibt einen ganzen Clan des Pfeils, sogar mehrere Clans mit einer langen Tradition, die sich jeweils einer Waffe verschrieben haben. Oliver Queen gerät in einen Krieg der Clans und lernt auch noch Erschütterndes über seine eigene Vergangenheit. Hier aber wird – Achtung: Kalauer – der Bogen überspannt.

ACHTUNG: SPOILER!!!

Oliver Queen erfährt von seinem Vater (der nur scheinbar gestorben ist), dass er von ihm auf die Insel gebracht wurde, um auf den drohenden Kampf vorbereitet zu werden. Der Vater inszenierte also seinen eigenen Tod, ließ seinen Sohn auf einer einsamen Insel stranden und um sein Überleben kämpfen, er ließ ihn foltern und drängte ihn zum Mord, als Teil einer geheimen Ausbildung. Das ist selbst für ein Superhelden-Comic sehr weit hergeholt. Einfacher wäre es gewesen, den Sohn in sein Geheimnis einzuweihen und ihn dann dazu auszubilden. So aber macht sich der Vater gleich mehrerer unverzeihlicher Verbrechen an seinem eigenen Sohn schuldig.

Der Sohn hasst ihn dafür, beschimpft den Vater als Irren, will nichts mit ihm zu tun haben. Aber als dieser dann den Heldentod stirbt, weint Oliver dem Irren dann doch hinterher. Vor widersprüchlichen Gefühlen sind selbst Superhelden nicht gefeit.

[SPOILER-ENDE]

Batman á la Sorrentino (DC Comics

Trotzdem ist Lemires Green Arrow eine spannende, zuweilen auch witzige Lektüre, die im Zusammenspiel mit den liebevoll gestalteten Charakteren und flapsigen Dialogen kurzweilig gehalten wird. Auch die Schurken bekommen viel Raum, um ihren Charakter zu entfalten. (Es gibt sogar einen kleinen Gastauftritt vom Batman aus dem Zero Year.)

Warum man den Band aber vor allem lesen sollte, sind die Bilder von Andrea Sorrentino. Der Italiener hat einen einerseits sehr realistischen, andererseits sehr düsteren Stil. Selbst bei Sonnenschein tränkt er alles in harte Schatten. Doch Sorrentino neigt auch zu einem experimentellen Layout. Kurze Momente wie das Schießen mit Pfeil und Bogen zerlegt er gerne in viele kleine Panels, in größere Panels baut er kleinere ein, die einzelne Teile des Bildes hervorheben oder sogar einen Röntgenblick erlauben.

Count Vertigo zerfällt in Panels (DC Comics)

Mal bröckeln die Bilder auch, als würden Kacheln von ihnen abfallen, mal wird eine Kampfsequenz mit Bildern erzählt, die in die großformative Schrift von Lautwörtern eingefügt werden. Ein Kampf in einer Kathedrale findet in Panels statt, die wie Kirchenfenster aussehen.

Green Arrows Kampf in der Kathedrale (DC Comics)

Manche Doppelseiten sind sogar so überwältigend, dass man sehr lange sehr genau hinsehen muss, um zu begreifen, was da alles los ist.

Green Arrow in vielen kleinen grünen Panels (DC Comics)

Sorrentino treibt Comics als fragmentiertes Medium ins Extrem. Und diese Verspieltheit, ist es, die beim Lesen immer wieder überrascht und in Staunen versetzt. Es sind die atemverschlagenden Bilder, die Lemires atemlose Geschichte zu einem Meisterwerk aufwerten und die Schwächen verzeihen lassen.

Kampf der Interjektionen

Dieser Green Arrow-Band beweist mal wieder, wie auch Superhelden-Comics innotive Comic-Kunst sein können. Um noch einmal das Bild zu bemühen: Der Bogen mag überspannt sein, aber am Ende trifft der Pfeil ins Schwarze.

Mehr über Green Arrow: