Doug Moench

Legends of the Dead Earth: Dystopische Variationen

Titel: Legends of the Dead Earth

Autor/Zeichner: Doug Moench, Chuck Dixon, Alan Grant/Vincent Giarrano, Flint Henry, Barry Kitson, Brian Apthorp

Erschienen: 1996 (Batman Annual #20, Detective Comics Annual #9, Shadow of the Bat Annual #4, Legends of the Dark Knight Annual #6)


„Whatever happens to me — the legend will never die!“ (Batman)

Im Jahr 1996 standen alle DC-Annuals unter einem Titel: Legends of the Dead Earth. Erzählt wurden Geschichten aus alternativen Universen (allerdings ohne Elseworlds-Label), in denen die Helden in verschiedenen Versionen einer düsteren Zukunft kämpften. Auf einer toten Erde leben die Legenden weiter, so das Motto der Reihe.

Im Batman Annual erzählt ein alter Mann in einer dystopischen Zukunft ein paar Kindern Legenden von Bat-Man, einem geflügelten Helden, der einen Sidekick namens Darkbird hat. Die bekannten Schurken erscheinen in abgewandelter Form: der Joker ist der Mad Jester, der Menschen mit manipulierten Holo-Programmen zum Lachen bringt, Catwoman ist Cat-Fem, eine Mensch-Tier-Hybridin, Two-Face ist Split-Face und Scarecrow ist ein Vogelmensch, der tatsächlich zunächst als Vogelscheuche arbeitet, bevor er vor Angst wahnsinnig wird und seinen Job verliert. Auch wenn die Figuren und Anekdoten nicht alle durch Einfallskraft glänzen, ist dieses Heft das gelungenste der vier.

Im Detective Comics Annual ist Batman ein Riesen-Roboter, im Shadow of the Bat Annual führt Batman eine Armee gegen eine feindliche Reptilien-Spezies an und reitet dabei auf Dinosauriern. Der vierte Teil (Legends of the Dark Knight Annual) spielt zwar in einer Art Zukunft, aber das Szenario mutet mittelalterlich an. Batwoman ist hier die Heldin, die das Erbe ihres Vaters Robert Kane antritt. Batman war ein Henker für einen Schurkenstaat, der Selbstmord beging, nachdem er seine Schuld nicht mehr ertrug. Batwoman macht reinen Tisch.

Auch wenn das Konzept einen interessanten Ansatz verspricht und den Schöpfern kreative Freiheit zu gewähren scheint, kommt bei Batman nicht viel Interessantes bei rum. Bloß oberflächliche Variationen des Altbekannten in verschiedenen Dystopien. Kein Wunder, dass diese Storys bisher nicht wiederaufgelegt wurden.

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Durstig nach Blut

DC Comics

DC Comics

Titel: Bloodstorm (dt. Blutsturm)

Autor/Zeichner: Doug Moench/Kelley Jones

Erschienen: 1994 (One-shot, Paperback Batman Vampire: Tales of the Multiverse), dt. Panini 2001 (Sonderband)


„Death mocks me. Life tempts me. Thirst haunts me. And together, the three curse me.“ (Batman)

Nachdem Batman Dracula erledigt hat, gibt es immer noch einige Vampire, die ihr Unwesen treiben. Da ihnen aber ein Anführer fehlt, übernimmt der Joker die Rolle. Von da an fallen die Vampire über Gangster her und der Joker baut sich so sein eigenes Verbrechensimperium auf. Während Batman Jagd auf die Bande macht, hat er mit einem größeren Problem zu kämpfen: Als Vampir hat er nicht bloß Flügel und Superkräfte, sondern auch einen großen Blutdurst. Da er aber nach wie vor seinem Prinzip treu bleiben will, nicht zu töten, kommt er in einen Gewissenskonflikt und es fällt ihm schwer, der Versuchung zu widerstehen. Eine geliebte Frau könnte das Verlangen stillen – wie gut, dass gerade Selina Kyle, von einem Werwolf gebissen, zur Catwoman mutiert und Batman helfen kann …

Moment mal: Der Biss eines Werwolfs macht jemanden zur Katze? Ja, so ist das in der Fortsetzung von Batman & Dracula: Red Rain. Abgesehen von so einem hanebüchenen Unsinn und mal pathetischer, mal einfallsloser Dialoge hat Bloodstorm trotzdem seinen Reiz. Nicht nur wegen der schattenlastigen Gothic-Ästhetik von Kelley Jones, auch weil wir Batman in einem krassen Konflikt mit sich selbst sehen: einerseits als metzelnder Vampirjäger, andererseits als blutrünstiger Selbstzweifler und verzweifelter Junkie. Eine der stärksten Sequenzen zeigt, wie er einen Blut-Ersatz vom Boden aufleckt – wie ein Tier. Ansonsten wird viel expliziter Splatter-Horror und auch ein bisschen Erotik (sprich: fast nackte Frauenkörper) geboten. Ein kurzweiliges Elseworlds-Szenario. (Die Story wird in Crimson Mist, dt. Blutroter Nebel, fortgesetzt.)

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Leonardos Dämon

DC Comics

DC Comics

Titel: Black Masterpiece

Autor/Zeichner: Doug Moench/Frederico Cueva

Erschienen: 1994 (Batman Annual #18)


„Man, I have learned, is not inspired by the divine alone. Man is guided, as well, by a darker force.“ (Leonardo da Vinci)

Leonardo da Vinci hat nicht nur die Mona Lisa gemalt, sondern auch ein paar Geräte entworfen, zum Beispiel Fluggeräte, auf der Basis von Vogelstudien. Beim Selbstversuch brach sich sein Assistent Tommaso Masini ein Bein (oder auch einige Rippen). Der Entwurf für das Fluggerät ähnelt jedoch nicht den Schwingen eines Vogels, sondern denen einer Fledermaus. Das brachte Autor Doug Moench auf die Idee für eine Batman-Elseworlds-Story.

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In Black Masterpiece werden all diese Versatzstücke zusammengeworfen: Parallel werden zwei Geschichten erzählt. Die eine, die in der Gegenwart spielt, handelt von einem Raub der Mona Lisa in Gotham (als ob der Louvre sein wertvollstes Stück jemals verleihen würde), die andere handelt vom Making of des Bildes. Leonardo malt die Frau eines anderen, mit der er eine Affäre hat, während sein Schüler Tomas daran verzweifelt, nie das Genie seines Meisters zu erreichen. Tomas stammt aus dem Haus der Medici und hat seine Eltern bei einem Mordanschlag verloren. Als Mona Lisa von ihrem eifersüchtigen Mann in einem Turm gefangen gehalten wird, benutzt Tomaso das von Leonardo erfundene Fluggerät – und zieht sich passend dazu ein Fledermauskostüm an. So wird er zu „Leonardos Dämon“. Parallel macht der Batman der Gegenwart etwas ganz Ähnliches … Am Ende wissen wir, warum Mona Lisa lächelt, wer früher noch auf dem Bild zu sehen war und was ein Pentimento ist.

Batman von Leonardo Da Vinci in Rom (Foto: Lukas Gedziorowski)

Batman von Leonardo Da Vinci in Rom (Foto: Lukas Gedziorowski)

Das Ganze liest sich so banal wie es klingt. Die Story mag sich als Hommage, Gedankenspiel und Ausflug in die Kunstgeschichte und Philosophie verstehen, wird aber mit dem Holzhammer erzählt. Vielleicht hätte sie besser funktioniert ohne die Analogie zur Gegenwart und diesen lächerlichen Kunstraub, bei dem ein Kunstliebhaber zum Ikonoklasten wird. Die Zeichnungen sind ebenso fade, allein der in Leder gekleidete Batman des 16. Jahrhunderts macht eine gute Figur. Um nicht zu sagen: Sein Anblick ist das einzige, was an dieser weit hergeholten und albernen Story Freude macht.

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Dem Katzenweib geht’s an den Leib

Titel: Catwoman – Guardian of Gotham (dt. Catwoman – Die dunkle Ritterin)

Autor/Zeichner: Doug Moench/Jim Balent

Erschienen: 1999 (Mini-Serie #1-2), dt. Dino Verlag 2000 (Batman Sonderband 7)


„… ich kriege immer meinen Mann.“ (Catwoman)

Was wäre, wenn Catwoman die Beschützerin von Gotham wäre und Batman ihr Erzfeind? Dann wäre wohl alles mehr oder weniger so wie sonst auch im Batman-Universum, nur eben andersrum. Aber vor allem wäre alles um einiges mehr sexy und voller Katzen. So könnte man die Antwort zusammenfassen, die Doug Moench und Jim Balent für dieses Elseworlds-Szenario gefunden haben.

Selina Kyle kämpft gegen den Joker, Killer Croc und Two-Face, bis ein gewisser Batman auftaucht und alle Schurken mit seinen überdimensionierten Batarangs umlegt. Warum? Weil er’s kann. Und weil er böse ist. Abgrundtief böse. Und damit daran auch kein Zweifel besteht, sind selbst seine Fledermausohren gezackt und seine Augen rot. Als er entdeckt, dass Selina Kyle Catwoman ist, entwirft er einen teuflischen Plan: Er verführt Selina als Bruce Wayne, um sie später zu ermorden und zu beerben. Gesagt, getan. Schon nach ein paar Tagen heiratet Selina Bruce Wayne – obwohl er ihr nicht einmal verraten will, was er eigentlich nachts treibt. Und sie schöpft auch keinen Verdacht. So nimmt der Unfug seinen Lauf. Bis hin zu solchen Sätzen wie: „Er ist wahnsinnig … hat den eigenen Handschuh abgeschnitten, damit ich in den Tod stürze …“

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Ein Beben geht durch Gotham

DC Comics

Titel: Cataclysm (dt. Inferno)/Aftershock (dt. Nachbeben)

Autor/Zeichner: Alan Grant, Doug Moench, Chuck Dixon u.a./Jim Aparo, Klaus Janson u.a.

Erschienen: 1998 (18-teilig in mehreren Serien und One-Shots), dt. Dino 1999-2000 (Batman #40-46, Batman Special #9-11, Batman präsentiert #1-2)


„It’s never easy to find inner strength and peace, even when the outer world is relatively stable…the destruction of physical reality always does spiritual damage.“ (Bruce Wayne)

„… there’s little I can do against disease and natural disasters. A lost cause can become a fool’s errand. I’m still only human. I did what was humanly possible. I hope you don’t think I’ve failed in my promise.“ (Batman)

Nach der Seuche kommt das Erdbeben. Gotham wird zerstört, es herrschen Tod, Chaos und Verbrechen. Ein gewisser Quakemaster bekennt sich, die Katastrophe verursacht zu haben und erpresst die Stadt. Die Frage ist nicht, ob er es wirklich war, denn umgehen müssen Batman und seine Verbündeten so oder so mit einer kaum zu bewältigenden Herausforderung. Batman verzweifelt an dem Verfall seiner Stadt und dem Massentod seiner Bewohner, vor allem aber an der Tatsache, dass er niemandem die Schuld an dem Unglück geben kann. Er kämpft an allen Fronten – aber es gibt keinen Gegner, den man verprügeln und einbuchten könnte. Das mag zwar das alte Batman-Schurken-Schema durchbrechen, indem es dem Helden neue Seiten und Leidenswege eröffnet, aber es funktioniert nur schleppend.

Ein One-shot ist Arkham Asylum gewidmet, einer dem Blackgate-Gefängnis, doch nichts davon ist der Aufmerksamkeit wert. Die Blackgate-Episode ist Mittelmaß, Arkham sogar deutlich darunter. Die Insassen der Irrenanstalt brechen aus und erzählen sich Geschichten – ganz in der Tradition von Boccaccios Dekameron, aber keine davon hat das Zeug zum Klassiker.

DC Comics

Der Erzählzyklus Aftershock ist so etwas wie ein langer Durchhänger – für Batman wie für seine Leser. Es gibt keinen Handlungsbogen, vielmehr eine Reihe von Kurzgeschichten über das Elend in Gotham, Arbeitslose, Obdachlose, Plünderer. Hin und wieder erscheinen ein paar der üblichen Verdächtigen (Mr. Freeze, Clayface, Mad Hatter, Joker) – allerdings nur, um gleich wieder zu verschwinden. Oft tritt die Sache auf der Stelle, es gibt Ausgaben, in denen nur lamentiert wird: wie schlimm alles ist und wie schön es früher war. In Batman #558 sieht man einen verzweifelten Batman, der seinen Butler umarmt und sagt: „Hilf mir, Alfred! Ich brauche Kraft! Ich komme einfach nicht mit dem Tod zurecht, alter Freund. Das kam ich noch nie. Er … zerreißt mich.“ Mehr Emo geht nicht.

Vielleicht muss die Geschichte so sein: Eine ermüdende Durststrecke. Es gibt darunter jedoch einige narrative Lichtblicke. Vor allem die Storys, die Alan Grant für Shadow of the Bat geschrieben hat, stechen in ihrer Qualität heraus. Etwa #76 (Dino: Batman #43), in der erzählt wird, wie eingeschlossene Menschen zu Kannibalen werden, oder #77 (Dino: Batman #44), wo ein Professor eine Klasse voller toter Studenten über Darwinismus unterrichtet und Batman dabei Teil eines Experiments wird. Leider muss Grant am Ende, für alle, die es nicht verstanden haben, die Moral wiederholen: „Vielleicht irrte sich Darwin doch. Nicht der Stärkste überlebt … Auch nicht der mit dem meisten Glück. … Sondern der, der nicht aufgibt!“

Die Geschichten leiten über zum größeren Event, dem No Man’s Land (dt. Niemandsland). Und genauso lesen sie sich auch: Wie Lückenbüßer.

Mehr zum Thema:

Batman als Vampir gegen Dracula

Batman & Dracula: Red Rain

DC Comics

Titel: Batman & Dracula: Red Rain (dt. Der Schwur des Vampirs/Roter Regen)

Autor/Zeichner: Doug Moench/Kelley Jones

Erschienen: 1991 (One-shot, HC), dt. Carlsen 1998, Panini 2002


„Vampires are real … but not all of them … evil.“

„To me, all criminals are ‚vampires‘ cloaked in night to prey on the innocent.“ (Batman)

Doug Moench und Kelley Jones so etwas wie das Batman-Dreamteam der 90er Jahre. Düstere Stories mit noch düstereren Bildern, Batman mit säbellangen spitzen Ohren, überdimensionalen Capes und mehr Schatten als sonstwas – so soll’s sein. Dieser surreale Stil scheidet die Geister: die einen hassen ihn, die anderen lieben ihn. Aber unter den sonst gewöhnungsbedürftigen hölzernen Stilen, die zu der Zeit vorherrschten, wirkt dieser wie seiner Zeit voraus. Bevor Jones von 1995 bis 1998 Hauptzeichner der Batman-Serie war, begann er im Jahr 1991 mit der Arbeit am Dunklen Ritter. Das erste Werk dieser Kooperation war Red Rain, eine der frühen Elseworlds-Stories. Der Untertitel sagt es bereits: Batman kämpft gegen Dracula.

So weit so naheliegend. Doch das Interessanteste daran ist, dass sich Batman nach einem Biss selbst nach und nach in einen Vampir verwandelt: er bekommt Superkräfte. Und die braucht er auch, wenn er sich mit einer Armee von Untoten anlegt. So wird Batman buchstäblich zu einem Bat-Man, während Dracula in seiner monströsesten Form als eine Art Man-Bat erscheint. Blöd ist nur, dass Batman selbst nicht auf das Cape verzichtet, nachdem ihm Fledermausflügel gewachsen sind. Bei aller Fantastik ist das doch etwas zuviel des Guten. Ich denke, dass es beim Fliegen – gerade in seinen Kelley Jones-Ausmaßen- doch ziemlich stören müsste …

Aber das ist nur eine Kleinigkeit. Sonst wird eine ziemlich simple, aber kurzweilige Story geboten: Es gibt die bösen Vampire um Dracula und ein paar gute Vampire, die von der sexy Tanya angeführt werden, einer Untoten im Badeanzug. Sie ist es, die Bruce Wayne nachts heimsucht, um ihn für ihren Kampf zu gewinnen, während in Gotham die Obdachlosen und Huren leergesaugt werden. Der Krieg währt nur kurz: Batman opfert Wayne Manor, dann befreit er Gordon aus Draculas Fängen – inklusive Finale bei Blitz und Donner.

Das alles fordert den Verstand nicht besonders, trieft hin und wieder zu sehr vor Pathos, aber ist im Wesentlichen stimmungsvoll erzählt und beeindruckt vor allem visuell. Kelley Jones zeichnet wunderbare furchterregende Monster und einen spektakulären Batman, der selbst bei guten Lichtverhältnissen alle Schatten auf sich zieht. Eins gerät dafür lächerlich: Das Batmobil wirkt so plump wie das Auto von Donald Duck (auch später in der Serie). Aber das kommt hier ohnehin kaum zum Einsatz. Fledermausflügel sind so viel cooler.

Hinweis: Red Rain ist Teil einer Trilogie: 1994 erschien die Fortsetzung Bloodstorm, 1998 Crimson Mist. 2007 wurden die drei Teile in dem Paperback Tales of the Multiverse: Batman – Vampire gesammelt.

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Batmans Nullnummern

Titel: Batman #0, Detective Comics #0, Shadow of the Bat #0, Robin #0

Autor/Zeichner: Chuck Dixon, Doug Moench, Alan Grant u.a.

Erschienen: 1994 (dt. Dino 1997 als Batman #1-2, mit Ausnahme von Shadow of the Bat #0)


„Der Kampf adelt, nicht der Sieg.“

„Die Dunkelheit ist wie ein Umhang. Er trägt sie wie eine zweite Haut. Wie einen Schild.“

Im Jahr 2012 brachte DC Nullnummern seiner Serien heraus: Darin wurden ein paar Vorgeschichten der Helden erzählt, wie etwa zu Batmans Zero Year und der Zeit davor. Die Idee ist nicht neu: Im Jahr 1994 hat es so etwas schon einmal gegeben, im Rahmen des Zero Hour-Events. Dabei wurden ein paar Hefte gemacht, in denen die Origins leicht modifiziert wurden und die eine perfekte Einstiegslektüre ins DC-Universum bildeten. Daher haben sich diese Ausgaben auch hervorragend für den deutschen Dino-Verlag angeboten, damit im Jahr 1997 seine neue Batman-Serie zu starten.

In Batman #0 bekommt man Batmans Ursprung auf 22 Seiten zusammengefasst – inklusive der jüngsten Ereignisse nach dem Epos Knightfall mit Bane etc. Wir sehen den Sturz in die Bathöhle (vgl. Shaman), die erste Begegnung mit Alfred, den Elternmord, der in dieser neuen Version nie gelöst wurde, während zuvor Joe Chill als Mörder im Auftrag gehandelt hat. Eine Seite ist der Kindheit als Waise gewidmet, eine der Ausbildung im Ausland, dann folgen die drei Robins. Letzteres wird noch einmal ausführlicher in Robin #0 erzählt: Nightwing erzählt Robin III (Tim Drake), was bisher mit den Robins geschehen ist. Im Zentrum steht Two-Face, der bekennt, Robin doppelt so sehr wie seinen Erzfeind zu hassen: „Er ist Batmans Geheimwaffe!“ Die Geschichte wird – wie könnte es anders sein – aus doppelter Sicht erzählt.

In Detective Comics #0 werden die Lücken von Batman #0 mit Ausschmückungen gefüllt: Die Erkundung und der Ausbau der Bathöhle, das Beschaffen das Batmobils von Wayne Industries und der Umbau, das Nähen des Kostüms durch Alfred. Leider verträgt sich diese Version, in der das Batmobil zugleich mit dem Kostüm entstand, nicht mit der Version, die in Batman and the Monster Men erzählt wird: da wird das Auto erst später eingeführt. Aber sicher kann man auch diesen Bruch mit irgendwelchen Erschütterungen des Raum-Zeit-Kontinuums in Folge weltbewegender Ereignisse erklären. Von entscheidender Wichtigkeit sind solche Details natürlich nicht.

Die Nullnummer von Shadow of the Bat wirkt neben den anderen überflüssig. Abgesehen davon, dass die Figur Leslie Thompkins erwähnt wird und wir erfahren, dass Bruce sechs Wochen lang fürs FBI gearbeitet hat („Age 20, he scored perfect on every F.B.I. test except for gun handling“), ist die Geschichte nichts als noch ein Aufguss der immergleichen Motive. Wieder einmal sehen wir, wie Batman sich mit Kleinganoven rumschlägt, wieder wird der gesamte Werdegang nacherzählt. Die Ausbildung wird zwar ausführlicher behandelt, aber fast nur in Worten aufgezählt. Weil das Ganze ohne Mehrwert ist, kann man leicht nachvollziehen, warum der Dino-Verlag damals auf den Nachdruck verzichtet hat.

Legends of the Dark Knight: Terror

DC Comics

DC Comics

Titel: Terror

Autor/Zeichner: Doug Moench/Paul Gulacy

Erschienen: 2001 (Legends of the Dark Knight #137-141, Paperback 2003, Neuauflage 2012 als Prey, zusammen mit der gleichnamigen Story)


 „No one gets away with killing Dr. Hugo Strange.“ (Hugo Strange)

„… I’ve got to shift from prey to predator …“ (Batman)

„… some criminals can be stopped only by the bat. The weird ones, the mad ones … the demons.“ (Batman)

Zehn Jahre nach dem Erscheinen von Prey haben Doug Moench und Paul Gulacy eine Fortsetzung gemacht: Terror. Hugo Strange, der einst im Gotham River verschwand, kehrt wieder zurück: als Mörder im Batman-Kostüm. Er will sich an seinem Peiniger rächen. Dafür befreit er Scarecrow aus Arkham, weil er dessen Angstgas für seinen Plan braucht. Doch Scarecrow, bestärkt in seinem Selbstvertrauen, macht sich selbständig, tötet Strange und macht sich auf, offene Rechnungen an den Menschen zu begleichen, die ihn mit Mobbing zu dem gemacht haben, was er ist. Und der böse schwarze Mann mit den spitzen Ohren steht ganz oben auf der Liste.

Catwoman spielt in der Story dieses Mal eine größere Rolle als in Prey. Sie wird zum Köder für Batman. Viel interessanter jedoch ist das erotische Spielchen zwischen den beiden. Catwoman macht Batman an – und Batman bekennt sich dazu. Aber zu mehr als einem hauchzarten Küsschen kommt es leider nicht …

Anders als bei Prey handelt es sich bei Terror um eine klassische Batman-Story, ohne den Schwerpunkt auf Bruce Wayne zu legen. Im Vergleich zum ersten Teil ist sie schon fast banal unterkomplex. Und leider löst Scarecrow zu schnell Strange als Antagonisten ab. Allerdings zeigt Strange auch keine neue Facette: immer noch hängt er an seinem Batman-Fetisch fest und spricht gerne zu leicht bekleideten Schaufensterpuppen. Scarecrow, als armer Außenseiter ein Opfer der bösen Gesellschaft, hat auch nicht gerade mehr Tiefe zu bieten. Gulacys Zeichnungen kommen nicht an sein Niveau bei Prey heran, was vielleicht an dem neuen Tuscher liegen mag. Die Körper sind zwar immer noch dynamisch, aber die Gesichter wirken häufig missraten: steif und entgleist. Und so ist Terror nur eine solide Batman-Geschichte im oberen Mittelmaß.

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Legends of the Dark Knight: Prey

DC Comics

DC Comics

Titel: Prey (dt. Die Intrigen des Dr. Strange/Beute)

Autor/Zeichner: Doug Moench/Paul Gulacy

Erschienen: 1992 (Legends of the Dark Knight #11-15), Paperback 1992, Neuauflage 2012 (zusammen mit Terror); dt. Carlsen 1992, Panini 2014


 „Batman is actually good for morale. It doesn’t hurt, for some of the men, at least, to know we’re not out there on the street alone.“ (James Gordon)

„Must I act alone? Is my ego that huge? My obsession that great? What would it take for me to trust someone? And who could I trust?“ (Bruce Wayne)

„Oh, he’s a killer, this Batman … A killer who doesn’t kill.“ (Hugo Strange)

„The one crime the Bat-Man can never stop is the one that started him.“ (Hugo Strange)

Zu Beginn seiner Karriere hat Batman nicht viele Freunde. In Prey hat der Held nur Captain James Gordon auf seiner Seite, der nicht vergessen hat, dass Batman in Year One sein Kind gerettet hat. Ansonsten bringt der Vigilant immer noch die Polizei gegen sich auf, der Bürgermeister verurteilt die Selbstjustiz und initiiert ein Sonderkommando, das Batman endlich ausschalten soll. Gordon führt die Einheit an, beruft einen gewissen Sergeant Cort dazu, der gerne rabiat gegen Batman vorgeht. Zu der Task Force gehört auch der Psychiater Dr. Hugo Strange. Der ist ganz versessen darauf, Batman zu analysieren und dessen wahre Identität herauszufinden (die Idee stammt aus Strange Apparitions), er entwickelt einen regelrechten Batman-Fetisch, verkleidet sich sogar wie der Held. Um die Stimmung gegen Batman weiter anzuheizen, entführt Strange die Tochter des Bürgermeisters und manipuliert Cort so, dass dieser selbst zum Vigilanten Night-Scourge wird. Batman ist umgeben von Jägern, die es auf ihn abgesehen haben.

Batman-Altmeister Doug Moench fährt eine dichte Story mit vielen Facetten auf, die trotz der Handlungsstränge den Helden nicht aus dem Fokus verliert. Wie häufig bei den Geschichten über Batmans Frühzeit geht es um den Menschen hinter der Maske: den schwachen, zweifelnden und verletzlichen. Bruce Wayne wird von Strange infrage gestellt und mit seinem Ur-Trauma konfrontiert. Er verspürt Müdigkeit und Hunger (letzteres eine Seltenheit!). Die dunkle Bathöhle dient als Rückzugsort der Kontemplation, hier findet Batman zu seinem wahren Selbst zurück. Darüber hinaus sehen wir erstmals Batmobil und Batsignal im Einsatz. Dass Catwoman ein paar Mal auftaucht, hätte es allerdings nicht gebraucht. Hier wird sie noch für Batmans Komplizin gehalten, am Ende darf sie deus ex machina spielen. Sie nimmt die Doppelrolle von Gegnerin und Gefährtin auf.

Doch eine mitreißende Story ist bekanntlich nur die halbe Miete. Paul Gulacys filigrane Zeichnungen machen die andere Hälfte aus: detail- und schattenreich, dynamisch und voller schräger Perspektiven sorgen sie für eine düstere Noir-Stimmung und lassen den Dunklen Ritter trotz seines blauen Capes schön dramatisch erscheinen. Das alles macht die dritte Legends-Geschichte zu einem mustergültigen Beispiel dafür, wie man Batman erzählen sollte.

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Verfluchte Stadt

Batman: Haunted Gotham

Titel: Haunted Gotham

Autor/Zeichner: Doug Moench/Kelley Jones

Erschienen: 2000 (Mini-Serie #1-4) (dt. 2001, Dino-Verlag, Batman Sonderband)


„Hey, jeder stirbt mal … und in Gotham ist es meistens Mord.“ (Cal)

Denken wir uns ein Gotham, so finster wie es nie eines gab: Abgeschottet von der Außenwelt und heimgesucht von bösen Geistern, Dämonen und Monstern. Das Verbrechen ist an der Tagesordnung, aber gelenkt von übernatürlichen Mächten, gegen die man als Mensch nichts ausrichten kann. Wenn man den Mord an seinen Eltern rächen will, muss man sich was einfallen lassen. Zum Beispiel zur Fledermaus werden – und den Rest kann man sich denken.

Batman kämpft gegen Werwölfe, Zombies und Schlangenmenschen in einem typisch düster-surrealen Szenario, das Kelley Jones mit vielen schwarzen Schatten versetzt. Das kann man mal machen, aber für eine Batman-Story wirkt dieser Ausflug ins Okkulte zu abgehoben. Und vier Teile mit fast 200 Seiten hätte es für dieses Elseworlds-Abenteuer auch nicht gebraucht. Schnell wirkt diese Fülle von Dämonen, Geistern und Monstern ermüdend.

>> Liste der Batman-Elseworlds-Comics