Comic

Pinguin: Wie alles begann

 

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Pinguin auf dem Cover von Secret Origins Special #1 (1989)

40 Jahre lang blieb der Pinguin unter den Batman-Schurken der große Unbekannte. Im Gegensatz zum Joker wusste man zwar, wie er mit wahrem Namen hieß, doch erst 1981 erfuhren die Leser, wie Oswald Chesterfield Cobblepot zum Pinguin wurde.

In The Origin of the Penguin (The Best of DC #10) erzählt Autor Michael Fleisher von einem Jungen, der nach dem Tod seines Vaters von einer kranken Mutter aufgezogen wird. Die Mutter hat eine Tierhandlung für Vögel und besteht drauf, dass Oswald jederzeit einen Regenschirm dabei hat – auch wenn draußen die Sonne scheint, denn der Vater soll sich einst in einem Gewittersturm seine tödliche Lungenentzündung geholt haben.

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Vögel sind die besseren Menschen, findet Oswald Cobblepot. (DC Comics)

Oswald tut seiner Mutter den Gefallen, aber sich selbst keinen, denn er wird dafür von anderen Jungs gehänselt, auch wegen seines Watschelgangs und seines Aussehens. Oswald sucht Zuflucht unter den Vögeln der Zoohandlung, studiert nach der High School Ornithologie und übertrumpft sogar das Wissen seiner Professoren. Nach dem Tod seiner Mutter bleibt Oswald allein zurück mit Schulden, die sie gemacht hat, um ihre Behandlung zu bezahlen. Die Zoohandlung wird gepfändet und er verliert seine Vögel.

Verbittert beschließt Oswald, sich dem Verbrechen zu widmen, doch er wird von einer Bande abgelehnt. Oswald baut einen Schirm zu einer Schusswaffe um, legt sich einen Frack zu und knallt den Anführer kaltblütig ab. Die anderen Gangster folgen ihm sofort und damit beginnt seine Karriere als Schurke mit Schirm, Charme und Zylinder.

The Killing Peck

Acht Jahre später (nach dem DC-Reboot der Crisis) wird die Entstehungsgeschichte etwas anders nacherzählt. Mit dem Titel, The Killing Peck (Secret Origins Special #1, 1989), orientiert sich Autor Alan Grant an dem ein Jahr zuvor erschienenen The Killing Joke, allerdings ohne sich in Form und Ausmaß damit messen zu wollen.

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Am schönsten ist es unter Vögeln. (DC Comics)

Der Pinguin entführt einen Mann namens Sharkey. Die beiden haben eine gemeinsame Vergangenheit: Sharkey war einst sein Klassenkamerad, der ihn gemobbt und geschlagen hat. Er drückte Oswald das Gesicht ins Essen und verpasste ihm seinen Rufnamen: „Penguins just love fish!“ Bei einem Kostümball, als Oswald als Hamlet kam, hat ihn Sharkey sich zum Pinguin umziehen lassen.

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Training mit Monokel: Oswald plant seine Rache. (DC Comics)

Oswald begann dann zu trainieren: Gewichteheben und Kampfsport. Nach einigen Monaten verprügelte er Sharkey, dieser rächte sich dann an Oswald, indem er alle seine Vögel tötete. Nach Jahren spürt der Pinguin ihn wieder auf und rechnet mit ihm ab, indem er in dazu zwingt, Fisch zu essen. Schließlich will er ihn im Zoo Tigern zum Fraß vorwerfen, doch dann kommt Batman dazwischen.

Unerwiderte Liebe

In den folgenden Jahren werden die Motive in den Origins immer wieder variiert. Im Film Batman Returns wird der Pinguin zu einem Ausgestoßenem, der sich nach Liebe sehnt. Wegen seiner Missbildung wird er von seinen reichen Eltern in einem Korb in einen Fluss geworfen und von Pinguinen aufgezogen. Das Motiv wird ähnlich auch in Penguin Triumphant (1992) aufgegriffen. Auch hier geht es um unerfüllte Liebe und um Mobbing als Kind. Doch der Pinguin wandelt sich zu einem von Anfang an ruchlosen Charakter.

Die Sache mit dem Regenschirm kehrt wieder in Joker’s Asylum: Penguin (2008). Die schwere Kindheit bleibt die Standarderklärung für sein menschenverachtendes Verhalten. Gesteigert wird die Grausamkeit in Penguin: Pain and Prejudice (2012). Hier wird er vom Vater und seinen Brüdern für sein Aussehen gehasst, allerdings von der kranken Mutter geliebt. Später schreckt er nicht davor zurück, einen Schwarm mordender Vögel auf die Kinder vom Gotham loszulassen …

>> Pinguin-Comics

Wie der Pinguin zu seinem Namen kam

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Der Pinguin bedient sich im Postamt selbst. (DC Comics)

Von 1943 bis 1946 erschien Batman nicht nur in Comicheften, sondern auch in Zeitungen. Täglich ein Strip in Schwarzweiß, der am Tag darauf fortgesetzt wurde, sonntags kamen farbige Ganzseiter heraus, die eigene Geschichten erzählten. Bemerkenswerterweise kamen in diesen Strips die klassischen Schurken kaum vor. In den Dailies gab es nur einen Auftritt des Joker. Ansonsten behielt man sich die bunten Schurken für die bunten Seiten vor: Joker, Catwoman, Two-Face und sogar zweimal der Pinguin.

Im ersten Abenteuer (The Penguin’s Crime-Thunderstorms, #1-6, 1943) verkauft der Pinguin Regenschirme auf der Straße, für fünf Cent das Stück. Da greift sogar der reiche Geizhals Amos Q Pinchbeck beherzt zu. Doch der Schirm hat es in sich: Über einen Lautsprecher darin gibt der Pinguin Amos den Befehl, seine Diener und Wachen loszuwerden, damit der Schurke ihn ausrauben kann.

Dazu seilt er sich mit seinen Pinguinen zu Amos‘ Penthouse ab und bringt ihn um dessen Juwelen. Batman und Robin versuchen, ihn zu schnappen, kriegen aber nur seine zwei Pinguine zu fassen, dann rutschen sie auf einer Ölspur aus und fallen vom Dach. Aber zum Glück  die Polizei unten ein Netz gespannt. In dem fängt sie schließlich auch den Pinguin, der auf einem Regenschirm heruntergeglitten kommt.

Oswald Chesterfield Cobblepot

Interessanter ist aber das zweite Abenteuer (Oswald Who?, #119-123, 1946). Denn da erfahren wir erstmals, wie der Pinguin mit bürgerlichem Namen heißt: Oswald Chesterfield Cobblepot. Batman und Robin finden es heraus, als er gerade für Unruhe in einem Postamt sorgt. Eigentlich will er nur eine Postkarte abholen, die für ihn hinterlegt ist, doch der Beamte erkennt ihn auf einem Fahndungsplakat und will die Polizei rufen. Der Pinguin verschießt dann Tränengas und bedient sich selbst. Da schnappt das Dynamische Duo zu.

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Stadtrundfahrt mit Pinguin, Tante, Batman und Robin. (DC Comics)

Die Karte stammt von Pinguins Tante Miranda. Sie will ihn heute – an seinem Geburtstag – besuchen kommen, um zu sehen, wie er lebt. Da Batman und Robin ihn einbuchten wollen, wäre das eine Schande für ihn. Also tun sie ihm einen Gefallen und geben ihm den Tag Aufschub, begleiten ihn und spielen das falsche Spiel mit, Tante Miranda von Oswalds Ehrlichkeit zu überzeugen.

Miranda sieht ihrem Neffen sehr ähnlich, nur dass sie eine Brille statt eines Monokels trägt. Zuerst unternehmen sie eine Stadtrundfahrt in einem Doppeldeckerbus. Der Pinguin will die Gelegenheit nutzen, um zu türmen, doch Batman fängt ihn wieder ein.

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Schirme, die es in sich haben: Pinguin gerät in Erklärungsnot. (DC Comics)

Später führt er seiner Tante seinen Regenschirmladen vor, der mehr einem verstaubtem Waffenarsenal gleicht. Ahnungslos ballert Miranda mit einem der Schirme los. Den habe er für die Armee entwickelt, lügt der Neffe. Miranda bringt daraufhin den Laden wieder in Schwung, um ihrem Neffen mit seinem Geschäft zu helfen.

Als Gauner sehen, dass der Pinguin mit Batman und Robin rumhängt, halten sie ihn für einen Verräter und wollen ihn erledigen. Doch sie haben nicht mit seiner Tante gerechnet. Sie geht mit ihrem Schirm auf die Gauner los, gefolgt von Pinguin, Batman und Robin. Zum Glück greift keiner zu einem Schirm, der Kugeln verschießt, sonst gäbe es Tote. Und zum Glück lassen sich die harten Kerle mit Netzen, Haken und Wasserfontänen überwältigen.

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Mit vereinten Schirmen gegen das Verbrechen: Pinguin, Tante, Batman und Robin. (DC)

Am Ende, als Tante Miranda wieder heimfährt, nehmen Batman und Robin den Schurken wieder fest – ungeachtet seiner Hilfe. Aber das scheint kein Problem zu sein: Er habe noch 237 Fluchtmöglichkeiten in petto, sagt er, nun bekommt er die Gelegenheit, eine weitere auszuprobieren.

Eine wunderbare Geschichte. Wie Autor Alvin Schwartz darauf kam, erklärt er im Kommentar: Er habe Spaß daran gehabt, sich lustige Namen auszudenken, sagt er. Außerdem verarbeitet er darin ein eigenes Erlebnis, als es ihm peinlich war, anderen seinen Ring zu zeigen, den er von seiner Mutter bekommen hat und in dem sein Name eingraviert war.

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Tod den Geretteten

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DC Comics

Titel: Batman: The Detective (dt. Equilibrium)

Autor/Zeichner: Tom Taylor/Andy Kubert

Erschienen: 2021 (Miniserie #1-6), Hardcover 2022


Es zeugt nicht gerade von Kreativität, eine Serie Batman: The Detective zu nennen. Dass sie ursprünglich „The Dark Knight“ heißen sollte, macht es nicht besser. Zum einen weil das nun mal die Allerweltsbezeichnungen für den Caped Crusader sind, zum anderen weil es bereits ähnlich klingende Serien gibt. Allen voran Detective Comics, die zuletzt allerdings selten ihrem Namen gerecht geworden ist.

Nun gut, jetzt also soll der Detektiv in Batman betont werden. Tom Taylors Batman ist aber ein anderer: deutlich gealtert, vom Leben gezeichnet, allein. Außerdem trägt er einen Mantel mit Stehkragen und Schutzbrille im Stil von Post-Apokolips-Batfleck aus dem Snyderverse, was zugegebenermaßen ziemlich cool aussieht.

Wiedersehen mit Henri Ducard

Dann wird ein Passagierflugzeug in England zum Absturz gebracht und eine Botschaft für Batman hinterlassen. Batman fliegt nach Europa, kommt nach London und Paris – und trifft dabei seinen alten Mentor Henri Ducard wieder. Weitere Menschen werden ermordet und hinter den Anschlägen steckt Equilibrium, eine Frau in einem weißen Batman-Kostüm, die zusammen mit Gleichgesinnten Menschen ins Grab bringt, die Batman einst gerettet hat, denn diese dürften eigentlich gar nicht mehr leben. Equilibrium will die Welt wieder ins Gleichgewicht bringen.

ACHTUNG: SPOILER!

Der Hintergrund ist fragwürdig: Batman hat einst einem Mann das Leben gerettet, der später einen Autounfall verursacht hat, bei dem Mann und Kind der Frau gestorben sind. Nun soll Batman einsehen, dass seine noblen Taten auch Konsequenzen haben können. Dummerweise hat Batman auch einmal ganz London vor einer Atombombe gerettet – und das soll ebenfalls „wiedergutgemacht“ werden.

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DC Comics

Wem die Absurdität dieser Logik noch nicht klar genug wird, der sei daran erinnert, dass Batman (zusammen mit der Justice League und unzähligen anderen Superhelden) auch schon mehrfach den gesamten Planeten vor dem Tod gerettet hat. Demnach dürfte kein Mensch mehr existieren – aber ist Batman deshalb für all das Leid in der Welt verantwortlich? Da hilft es auch nicht, den Joker als schlechtes Beispiel heranzuziehen. Nach Equilibriums Ansicht dürfte es weder Polizei noch Ärzte noch Sanitäter geben. Es dürfte niemand mehr irgendwem helfen, weil jeder Mensch eine potenzielle Gefahr darstellt …

Abgesehen von dieser höchst fragwürdigen Grundidee (ganz zu schweigen von der Frage, warum sich jemand, der Batman hasst, wie Batman kleiden sollte) liefert Tom Taylor (Injustice, DCeased) eine kurzweilige Geschichte ab, die zumindest auf der Ebene Bruce Wayne und Ducard gut funktioniert. Lieber hätte man mehr über das Verhältnis der beiden gelesen. Ducard erinnert Batman daran, dass er nicht alle Probleme alleine lösen kann – und dieser lernt seine Lektion. Dass er vorher bereits mit Alfred, diversen Robins und anderen Helden zusammengearbeitet hat, lässt jedoch auch diese Lektion etwas hinken.

Mobile Batcave im Bat-Truck

Hier helfen ihm unter anderem die britischen Pendants Knight & Squire. Dann kommt noch eine mobile Batcave zum Einsatz (samt Mini-Dino und Mini-Riesenpenny, als wäre ein einfacher Penny nicht Miniatur genug), die in einem riesigen Bat-Truck über Europas Autobahnen und dann in ein belgisches Comicmuseum brettert. Wie so oft läuft am Ende für Batman alles super easy. Auch für gute alte Detetektivarbeit bis dahin bleibt zwischendurch nicht viel Gelegenheit, die findet meist zwischen den Kapiteln statt.

Doch auch diese Schwächen verzeiht man dem Comic, weil es von Meister Andy Kubert gezeichnet wurde (Batman and Son, Whatever Happened to the Caped Crusader, Dark Knight III). Er inszeniert Batman sehr klobig, aber sehr expressiv und voller kraftstrotzender Eleganz. Kuberts Actionsequenzen und Splash Pages sind Augenweiden wie seine Cover. Er bleibt einer der ganz Großen und hebt diese Geschichte etwas über den Durchschnitt.

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Chip Zdarsky und Jorge Jimenez übernehmen Batman-Serie

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DC Comics

Nach dem abrupten Abschied von James Tynion IV von DC und Batman sind Autor Joshua Williamson nur sechs Ausgaben vergönnt, bis er wieder abgelöst wird. Williamson war also nur ein Übergangsautor für einen noch größeren Namen: Chip Zdarsky soll laut DC im Juli ab Batman #125 übernehmen, gemeinsam mit Zeichner Jorge Jimenez, der bereits einige Batman-Ausgaben gestalten durfte.

In der ersten Storyline, Failsafe, hat Bruce Wayne Albträume über eine Zukunft, die er nicht aufhalten kann. Allerdings könnte er selbst die Zukunft nicht mehr erleben, denn ein alter Feind aus seiner Vergangenheit trachtet ihn nach dem Leben. Also schon wieder eine Verschwörungs- bzw. Rachegeschichte … Aber dieser Sechsteiler soll natürlich nur der Auftakt zu noch Größerem sein: „really wild places“, verspricht der Autor.

Zdarsky durfte sich bereits mit Detective Comics #1027Batman: Urban Legends und Batman Black and White warmschreiben. Außerdem erscheint gerade seine zehnteilige Serie Batman: The Knight über die Anfänge von Bruce Wayne. Zdarsky ist parallel noch bei Marvel mit seiner grandiosen Daredevil-Serie beschäftigt, die nach dem Event Devil’s Reign im Juni mit einer neuen Nummer 1 startet.

Das Multitalent erhielt bereits mehrere Eisner-Awards, darunter als Autor für Peter Parker: The Spectacular Spider-Man und als Zeichner der Serie Sex Criminals, geschrieben von Matt Fraction. Ebenfalls empfehlenswert ist seine Miniserie Spider-Man: Life Story.

>> Mehr zum Thema: Shadow War

Two-Face gegen Two-Face

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DC Comics

Titel: Double Image/One out of Two… Isn’t Bad…

Autor/Zeichner: Mike W. Barr/Jim Baikie

Erschienen: 1987 (Detective Comics #580-581), Paperback 2018 (Batman: The Dark Knight Detective Vol. 1)


Ein Mann mit bandagiertem Gesicht erwacht in einem Hotelzimmer und wirkt ganz erstaunt, wie er da hin gekommen ist. Eine Gesichtshälfte ist entstellt, ein geteilter Anzug hängt im Schrank, einen Münzwurf später steht der Entschluss: Na gut, bin ich halt Two-Face …

Und so lässt der nächste Raubzug in der High Society nicht lange auf sich warten, zusammen mit eineiigen Zwillingen als Komplizen. (Wo kriegt man die eigentlich her?) Batman und Robin greifen ein, Two-Face entkommt, man sieht sich wieder in einer Spiegelfabrik – weil Spiegel bekanntlich Doppelgänger erschaffen. Da stellt sich heraus: Dieser Two-Face ist nicht Harvey Dent, sondern ein anderer, aber alter Bekannter: der Schauspieler Paul Sloane, der zweite Two-Face des Golden Age!

Sloane hat einst Harvey Dent in einem Film gespielt, bis ihm in der Gerichtsszene echte Säure ins Gesicht geschüttet wurde und sich die Geschichte wiederholte (Batman #68, 1951). Sein Gesicht wurde wiederhergestellt, doch nun hat Dent es ihm wieder zerstört, weil er ihm sein Glück nicht gönnt.

Mit Säure gegen die Verfassung

Als Batman und die Polizei Sloane mit einem Zug voller Zwei-Dollar-Noten in eine Falle locken, taucht Harvey auf – ebenfalls mit Zwillingen als Handlangern. Er überwältigt die Polizei mit Schallkanonen, schießt Sloane, Batman und Robin mit Betäubungspfeilen bewusstlos und die Münze entscheidet für einen doppelten Tod durch Feuer und Eis: in einem Kühlwaggon mit Zeitbombe. Doppelt hält bekanntlich besser. Entweder die Helden erfrieren in zwei Minuten oder werden in die Luft gejagt. Batman reißt die Leitungen von der Wand und das Trio entkommt.

Nächster Halt: „Noah’s Park“, ein Freizeitpark mit einem Fahrgeschäft, in dem paarweise Tiere das Thema bilden. Two-Face trifft wieder auf Two-Face, doch dank Sloanes Frau verbündet sich Sloane mit Batman und Robin gegen Dent. Der versucht schließlich, die Verfassung der USA zu stehlen, die wird im Jahr 1987 nämlich 200 Jahre alt und in Gotham ausgestellt. Two-Face geht amphibisch vor (was „Doppelleben“ bedeutet), bricht also als Taucher ins Ausstellungsgebäude, und kippt dann Säure auf das wertvolle Dokument. Da wirft Sloane den Silberdollar und schlägt ihm die Säureflasche aus der Hand, um Schlimmeres zu verhindern.

Two-Face geht wieder auf Two-Face los – doch wer ist der echte? Batman entscheidet per Münzwurf: Beiden schnippt er je einen Silberdollar entgegen. Der eine fängt mit links, der andere mit rechts, letzterer kriegt einen rechten Haken verpasst, Sloane eine zweite Gesichts-OP – und eine zweite Chance.

Wie auch schon die anderen Storys von Mike W. Barr aus dem Jahr 1987 ist auch diese eine Over-the-Top Hommage ans Golden Age mit absurden Wendungen, riesigen Requisiten und allen möglichen Wortspielen mit „two“, „double“ etc. Leider kann Zeichner Jim Baikie mit seinem sperrigen Stil aber nicht mit einem wunderbaren Künstler wie Alan Davis mithalten, der die früheren Geschichten elegant illustriert hat.

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Mad Hatter hat Leichen im Keller

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DC Comics

Titel: Tea Time

Autor/Zeichner: Landry Q. Walker/Keith Giffen, Bill Sienkiewicz

Erschienen: 2010 (Joker’s Asylum II: The Mad Hatter #1), Paperback 2011 (Batman: Joker’s Asylum Vol. 2)


Der Joker erzählt uns eine etwas andere Geschichte über den Mad Hatter. Jervis Tetch wohnt im Keller eines Hauses in Gothams Lower East Side und schreibt ein Buch über eine Welt ohne Regeln, in der die Farben leuchten und der Sonne immer scheint, es ist ein Buch über ein Mädchen namens Alice. Allerdings, so betont er, sei es kein Buch über ihn oder Hüte.

Da hockt also der kleine Mann mit dem Überbiss in seiner Wohnung und denkt über sein Leben nach, während ihn unzählige kleine Zettel davor warnen, bloß keinen Tee zu trinken. Früher sei er ein Neurowissenschaftler gewesen, dann hat er herausgefunden, dass es keinen freien Willen gibt – und das hätte alles geändert.

Tetch ist einsam. Er schwärmt für eine junge Kassiererin, die ihn an seine Alice erinnert. Jeden Tag beobachtet er sie durchs Schaufenster und fragt sich, wie sie heißt. Er hofft, dass sie die Frau sein könnte, die ihn glücklich macht und ihn von Tee und Hüten fernhält. Als er erfährt, dass sie Cathryn heißt, ist er so enttäuscht, dass er rückfällig wird: Er zieht sich sein altes Kostüm an, trinkt den Tee und wird wieder zum Mad Hatter.

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Cathryn ist leider nicht Alice: Mad Hatters Teestunde. (DC Comics)

Er entführt Cathryn, macht sie sich unterwürfig mit seiner Gedankenkontrolltechnik, doch dann ist er so enttäuscht von ihr, dass er sie mit einem Hackbeil umbringen will. In dem Moment schreitet Batman ein. Als der Hatter fliehen will, öffnet er eine Schranktür, aus der einige tote Frauen im Alice-Kostüm herausfallen. Später wird er in einem Krankenwagen fortgebracht und er verspricht, sich zu bessern. Doch dann geht die Erzählung von vorne los …

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Jervis Tetch wird zum Mad Hatter – und der hat Leichen im Keller. (DC Comics)

Diese höchst verstörende Kurzgeschichte, gezeichnet in einem rauen Stil orientiert sich an dem Mad Hatter aus Batman: The Animated Series und überspitzt ihn zu einem Psychogramm des Grauens. Der Tee wird zur Droge, die genauso wie die Hüte eine Transformation ermöglichen. Jervis Tetch und der Mad Hatter sind zwei Persönlichkeiten: Die eine sehnt sich nach Gesellschaft, die andere will die Realität nach der Vorstellung einer Fantasiewelt formen – und geht dabei über Leichen. Es ist eine Geschiche, die zeigt, dass die Suche nach dem Ideal einen nur weiter von ihm wegführen kann, bis hin zum Wahn.

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Mad Hatter und die Glücksdroge

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DC Comics

Titel: The Blank Generation, Part 1-2: Corporate Nightmares/A Favorable Wind (dt. Generation Null)

Autor/Zeichner: Alan Grant/Mark Buckingham

Erschienen: 1998 (Shadow of the Bat #78-79), erschienen in: Road to No Man’s Land Vol. 1 (2015), dt. Auf dem Weg ins Niemandsland Bd. 1 (2017)


Gotham nach dem Beben: Die Stadt ist verwüstet, viele sind tot, andere obdachlos, arbeitslos, mittellos. In dieser Verzweiflung streift der Schurke Narcosis umher und versetzt Menschen durch ein Gas in Glückszustände. Bald will er ganz Gotham beglücken. Der Mad Hatter hat seine eigene Agenda: Er lässt in dem Chaos von zwei Lakaien seine wertvolle Hutsammlung aus den Trümmern bergen und geht dabei über Leichen. Als Narcosis auftaucht, verbündet er sich mit ihm, um an dessen Kopfbedeckung (ein Tuch) heranzukommen.

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Mad Hatter und Narcosis haben verschiedene Interessen. (DC Comics)

Tetch will die Stadt mit dem berauschenden Gas erpressen, doch Narcosis interessiert sich nicht für Geld, sondern nur für Glück. Da knockt ihn Tetch kurzerhand aus, schnappt sich das Tuch und lässt das Gas los, um Gotham einen Vorgeschmack darauf zu geben. Batman taucht mit einem Bat-Monstertruck auf und zerstört den Schornstein, aus dem das Gas entweicht. Narcosis kommt wieder zu sich, geht auf Batman los und bekommt sein eigenes Gas zu spüren. Dann versucht Tetch, Batman mit einem Hut zu kontrollieren, aber der scheint immun dagegen zu sein. Reine Willensstärke scheint zu reichen.

Am Ende lässt man das Gas in einer großen Explosion verschwinden, die den Himmel in bunte Lichter taucht. Als alles vorbei ist, zieht Batman Tetch seinen Zylinder über die Augen und verpasst ihm einen völlig überflüssigen Haken zur Strafe – wohl als Vorgeschmack auf den Knast, den er ihm verspricht.

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Neu aufgelegt: JLA/Avengers

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DC Comics/Marvel

Die Zeit der DC/Marvel-Crossover ist lange vorbei. Zwar gab es seit den 70ern immer wieder Aufeinandertreffen der Helden aus den beiden Comic-Universen (Superman/Spider-Man, Batman/Hulk), doch das letzte ist bereits fast 20 Jahre her: Der Vierteiler JLA/Avengers bzw. Avengers/JLA erschien 2003 bis 2004. Allerdings sind die Verlage seitdem ziemlich geizig, was Nachdrucke all dieser Geschichten angeht.

Nun hat DC eine Neuauflage von JLA/Avengers für März 2022 angekündigt: 288 Seiten im Softcover für 29,99 US-Dollar – allerdings limitiert auf 7000 Exemplare. Der Erlös soll der Hero Initiative zugute kommen, einer Organisation, die prekär lebenden Comic-Künstlern finanziell hilft, etwa bei der Krankenversicherung. (2020 versteigerte die Hero Initiative bereits von Künstlern bemalte Batman-Ausgaben.)

Der Band soll nur über Comic-Shops vertrieben werden. Bei etwa 2000 Comicläden in den USA macht das etwa Exemplare drei pro Laden. Selbst wenn für der Rest der Welt auch etwas abfallen sollte, dürfte es schwierig werden, eine Ausgabe zu bekommen. Bleibt nur: Fragen, vorbestellen, vor dem Laden des Vertrauens campieren oder am besten gleich dort einziehen. (Aber bitte auch dann vorher fragen, sonst könnte es rechtliche Konsequenzen geben.)

64 Extra-Seiten

JLA/Avengers hat eine lange Geschichte: Ursprünglich sollte das Crossover bereits Anfang der 80er herauskommen. Gerry Conway schrieb den Plot, Roy Thomas das Skript, George Pérez soll 1981 bereits 21 Ausgaben gezeichnet haben, doch dann wurde das ganze Vorhaben wegen Differenzen zwischen den Redakteuren gestoppt. Erst 20 Jahre später wurde das Projekt wieder aufgegriffen. Diesmal schrieb Kurt Busiek (Marvels) das Skript,  George Pérez fing noch mal von vorn an zu zeichnen. Die Serie erschien in vier Teilen (auch in Deutschland bei Panini als JLA/Die Rächer), bekam einen Sammelband und wurde seit 2008 nicht mehr nachgedruckt.

Die Neuauflage soll 64 Extra-Seiten enthalten, darunter auch die Vorworte von Stan Lee und Julius Schwartz sowie ein neues Nachwort von Kurt Busiek. Und wer weiß, vielleicht könnten sogar die 21 unveröffentlichten Seiten von Pérez dabei sein – wenn man ein wenig träumen darf.

Weitere Batman/Marvel-Crossover:


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Neue Comicserie: „Batman: Fortress“

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DC Comics

Ein unbekanntes Alien-Raumschiff tritt in die Erdatmosphäre ein und stürzt den Planeten ins Chaos: Stromausfälle, Zusammenbruch der Kommunikation, Unruhen. Wo ist Superman, wenn man ihn braucht? Nicht da. Batman muss zunächst das Verbrechen in Gotham aufhalten, das der Blackout verursacht hat, dann trommelt er die Justice League zusammen.

Batman: Fortress heißt die Geschichte, die uns Gary Whitta (Rogue One: A Star Wars Story) und Darick Robertson (The Boys) erzählen wollen. Die Miniserie soll acht Ausgaben umfassen und am 24. Mai 2022 starten. DC verspricht „a brutal and shocking 8-issue adventure that will challenge everything you think you know about Superman“.

Weitere Comic-News:

Bruce Waynes mörderische Nachbarn

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DC Comics

Titel: The Neighborhood (Detective Comics Vol. 1)

Autorin/Zeichner: Mariko Tamaki/Dan Mora, Viktor Bogdanovic u.a.

Erschienen: 2021 (Detective Comics #1034-1039), Hardcover 2022


Zwischen Joker War und Future State versucht Bruce Wayne sich als Mittelloser durchzuschlagen. Statt Wayne Manor muss der verarmte Milliardär nun in ein Reihenhaus in der Stadt ziehen, allerdings ein sehr schönes Reihenhaus, ein Altbau, mitten in einer gutsituierten Nachbarschaft. Doch kaum hat er seine Nachbarn kennenlernt, wird eine von ihnen –  Sarah Worth – entführt und ermordet. Bruce gerät unter Verdacht. Und ihr Vater, Roland Worth, ein Schwergewicht, dem halb Gotham gehört, sinnt auf brutale Rache …

Während Batman, Huntress und Oracle den wahren Mörder jagen und dabei auf Lady Clayface treffen, wird Bruce Wayne zwischenzeitlich festgenommen und Mr. Worth jagt die Polizeiwache in die Luft. Spätestens hier ist jegliches Verständnis für den trauernden Vater ebenfalls vernichtet. Erst recht verblüfft es, als er nach seiner Festnahme wieder freigelassen wird. Aber wir wissen ja: Geld gewinnt immer – wenn es auch verrückt macht. Intelligenter wird die Story dadurch aber nicht.

ACHTUNG SPOILER!

Und leider bringt Worths fanatischer Kampf gegen Batman weder Mehrwert noch Erkenntnis. Der Mörder ist ein bloß ein x-beliebiges Monster, das von Menschen Besitz ergreift und aus reiner Bosheit tötet. Wie öde. Aus der potenziellen Gesellschaftskritik an der High Society wird eine banale Horrorstory.

Autorin Mariko Tamaki (die erste Frau seit Devin Grayson, die über längere Zeit an einer Batman-Serie schreiben darf und die erste für Detective Comics) legt eine sympathisch erzählte Geschichte vor, die zwar Detective Comics ihrem Namen wieder gerecht werden lässt, aber leider hinter ihrem Potenzial zurückbleibt. Verdächtig ist es immer, wenn so verschwenderisch mit Platz umgegangen wird wie hier. Zwar freut es das Auge, wenn die Zeichner Dan Mora und Victor Bogdanovic (dessen Stil sehr an Greg Capullo erinnert) sich mit prächtigen Splash Pages austoben dürfen, aber es bestätigt auch den Eindruck, dass hier nicht viel zu erzählen ist.

Etwas mehr Tiefe gewinnt das Ganze durch die Backup-Storys, mit denen wieder an die alte Anthologie-Tradition von Detective Comics angeknüpft wird. Hier bekommen Nebenfiguren wie Huntress, Pinguin aber auch Lucius Fox ihre kleine Bühne, am Ende wird dann die Vorgeschichte des Monsters nachgereicht, was niemand braucht.

Doch auch das rechtfertigt keinen Preis von 30 Euro. Nicht mal 20. Und schon gar nicht zwei kostbare Stunden Lebenszeit.

>> Batman 2020-2029


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