Autor: Lukas

Beruflich Online-Redakteur, privat Comic-Blogger.

Lois Lane wird Catwoman – und Superman eine Katze

Catwoman im Silver Age: Teil 1

DC Comics

Titel: The Catwoman’s Black Magic!/Bad Luck for a Black Super-Cat

Autor/Zeichner: Leo Dorfman/Kurt Schaffenberger

Erschienen: 1966/1967 (Superman’s Girlfriend Lois Lane #70-71)


Zwölf Jahre lang war Catwoman aus den Comics verschwunden. Erst im Jahr 1966 tauchte sie wieder auf, zunächst in der Batman-TV-Serie mit Adam West, schließlich auch in den Comics. Ihr Comeback hatte es in sich. In der Serie Lois Lane bekam sie eine 33-seitige Story, die sich über zwei Ausgaben erstreckte und so ziemlich alles bot, was man sich vorstellen kann – mit haarsträubendem Ergebnis.

Catwoman ist hier mehr Superschurkin als je zuvor. Sie verfügt nicht nur über beträchtliche Mittel, sie ist auch eine fähige Erfinderin: Catwoman schwingt einen Catarang (der noch gefährlicher ist als der Batarang), sie beherrscht Katzen, kann Menschen mit einem Ring hypnotisieren, hat ein neues Kitty-Car mit Autopilot, ihr Geheimversteck (Catacombs) gleicht einer voll ausgestatteten Bathöhle mit Raketen, Bomben und dem Zauberstab der Circe, mit dem sie Männer in Tiere verwandeln kann, sie verfügt über einen Kryptonitkäfig und züchtet außerdem chimärenhafte Großkatzen.

An der Aufzählung kann man bereits erkennen, wie viele wilde Wendungen die Story nimmt. Alles beginnt damit, dass der Pinguin aus dem Knast ausbricht und Lois zu einer Vogelausstellung führt, doch dann werden aus Vögeln Tiger, Panther, Leoparden und Ozelots, Catwoman taucht auf und macht Lois zu einer neuen Catwoman, samt Outfit und Gehirnwäsche. Pinguin will Catwoman heiraten und sich mit ihr ein Verbrechensimperium aufzubauen (vgl. Empress of the Underworld), aber sie lehnt ab. Superman und Batman arbeiten kurz zusammen, um den Pinguin zu schnappen, aber die eigentliche Heldin ist Lois. Clark Kent wird die Kleidung von Großkatzen zerrissen, er fürchtet wieder mal um seine Geheimidentität. Catwoman täuscht ihn, gibt sich als hypnotisierte Lois aus, küsst ihn und lockt ihn in die Falle.

Erst verwandelt sie Superman in eine Katze, dann macht sie Lois zu einer Maus, doch als die Superkatze sie angreift, wacht Lois Lane aus der Bewusstlosigkeit auf: Batman und Robin haben Catwoman und ihre Bande gefasst, nachdem Lois aus Versehen gegen eine Kiste mit Erdbeben verursachenden Bomben gekommen und so auf sich aufmerksam gemacht hat. (Wie bitte?)

Lois versucht, die Katze wieder zu Superman zu verwandeln, doch vergebens. Da erinnert der US-Präsident (der Lyndon B. Johnson sehr ähnlich sieht), dass Superman versprochen hatte, noch eine Raumkapsel vom Mond zurückzuholen. Die Katze fliegt hin und prügelt es zur Erde. Dann bringt Lana Lang die Lösung: Sie hat zufällig eine mumifizierte Katzenpfote gefunden, die ihr einen Wunsch erfüllt und aus der Katze wird wieder Superman.

Wow. Das alles auf 33 Seiten. Und das ist nur die Kurzfassung, ich habe vieles weggelassen. Der Auftakt der Figur ist furios, er bringt alles, was die Figur im Golden Age ausgemacht hat, und treibt es mit Science Fiction und Magie auf die Spitze der Absurdität, wie man sie aus der Batman-TV-Serie kennt. Netter Nebeneffekt: Es passiert so viel, man ist so sehr damit beschäftigt, der Handlung zu folgen, dass man gar nicht erst nach dem Sinn des Ganzen fragt. Denn eigentlich will Catwoman bloß Vögel stehlen, um sie zu verkaufen. Alles andere ist bloß Spektakel als Selbstzweck. Sinn ist hier Nebensache.

>> Liste der Catwoman-Comics

Signal: Batman für die Tagschicht

DC Comics

Titel: Batman and the Signal

Autor/Zeichner: Scott Snyder, Tony Patrick/Cully Hamner

Erschienen: 2018 (Mini-Serie #1-3, All-Star Batman #1-4, #6-9)


„… we have enough bat-people already …“

Batman ist keine Familie mehr, er ist ein Clan: Nightwing, Robin, Red Robin, Red Hood, Batwoman, Batgirl, Batwing, Azrael und Orphan bevölkern die Batcave (gehören Spoiler und Bluebird noch dazu?), sogar der verdammte Bat-Hund Ace ist wieder da (zum Glück ist Clayface wieder ausgemustert). Und jetzt auch noch Signal. Der Neuzugang (bürgerlich Duke Thomas) beginnt selbstironisch: Es braucht kein weiteres Mitglied im Batman-Clan. Trotzdem gibt es ihn. Was also tun? Duke sucht und findet eine Nische, er übernimmt die vakante Tagschicht in Gotham. Und natürlich gibt es sofort Ärger, denn Superhelden ziehen den bekanntlich an. Die Stimme des Volkes beschwert sich: Normalerweise ist Gotham am Tag sicher, tja, die Zeiten sind vorbei.

Lange im Voraus wurde die Figur Duke Thomas aufgebaut. Zunächst als Kind im Zero Year, dann fielen seine Eltern in Endgame dem Joker-Virus zum Opfer und Duke machte sich mit We Are Robin einen Namen. Robin braucht keinen Batman, Batman keinen Robin, lautete die Devise. Und als DC mit Rebirth alle Serien neu startete, begann Batman damit, Duke auszubilden. Ein neuer Robin sollte er nicht werden. Aber was sonst? „Etwas Neues“, sagte Batman und blieb selbst dann die Antwort schuldig, als Duke schon längst ein gelbes Kostüm hatte und in All-Star-Batman und Dark Days (Metal) aushalf.

Dann endlich, im Jahr 2018, bekam er seine eigene Mini-Serie, den Dreiteiler Batman and the Signal, wobei es eigentlich andersherum lauten müsste. Weil das Paperback dazu etwas dünn ausfallen würde, hat DC die Backup-Story The Cursed Wheel aus All-Star Batman vorangestellt, in der es um Dukes Ausbildung geht. Duke nimmt es in den episodisch erzählten Plots mit Zsasz und dem Riddler auf, letztere Teile wunderbar von Francesco Francavilla in Szene gesetzt.

Nach einem Lückenbüßer, der Duke beim Training mit Red Hood zeigt, geht dann die neue Story los. Duke hat jetzt ein neues Kostüm mit einer weißen statt einer schwarzen Fledermaus auf der Brust, und er hat Superkräfte: Er sieht, wo das Licht vor ein paar Minuten war und manchmal (wenn es die Story verlangt), wo es sein wird – also mal wieder so ein vages Irgendwas von Superkräften, um Duke irgendwie besonders zu machen.

Leider reicht das allein nicht aus, um die Story interessant zu gestalten. The Signal kämpft gegen ein paar Jugendliche, die dank des Superschurken Gnomon verschiedene Superkräfte erlangen. Gnomons Outfit sieht dem von Signal sehr ähnlich, es stellt sich auch heraus, dass er eine besondere Verbindung zu ihm hat. Hier wenden die Autoren den guten alten Trick an, dem Helden nachträglich noch mehr Backstory anzudichten, damit er mehr Tiefe bekommt. Hinzu kommt noch eine Polizistin mit Roboterarm, die ihm als Deus ex machina zur Seite steht, begleitet von Batman und dem Rest des Clans, die sich ums Grobe kümmern und Duke dabei helfen, seinen ersten Einsatz zu überleben.

Die drei Kapitel sind schnell erzählt und schnell verdaut, leichte Kost, solide geschrieben und anständig gezeichnet, aber in der Kürze bleibt die Story uninspirierter Durchschnitt. Da ist keine Idee, die dem Batman-Mythos oder dem Sidekick-Problem auch nur eine neue Seite abgewinnt. The Signal ist der Versuch, in dem überladenen Batman-Clan noch etwas zu etablieren, das irgendwie Batman ist, ohne von Batman abhängig zu sein. Davon gibt es bereits genug. Ein kanariengelber Aushilfsbatman, der am Tag arbeitet, schließt keine nennenswerte Marktlücke. Auch hier gelingt es nicht, die Leser davon zu überzeugen, dass es diesen Charakter wirklich braucht.

Eigentlich lese ich keine Sidekick-Storys. Warum habe ich es hier trotzdem getan? Wahrscheinlich, weil Batman auf dem Cover ist. Aber wer Batman will, kann auf Signal getrost verzichten.

>> Batman 2011-2019

Lieber Schnitzel- als Verfolgungsjagd

Riddler klaut das Diadem

Titel: A Riddle a Day Keeps the Riddler Away/When the Rat’s Away the Mice Will Play

Drehbuch: Fred De Gorter

Erschienen: 1966 (Batman S01E11-12)


Was ist mit dem dynamischen Duo los? Manchmal wirkt es seltsam undynamisch: Der Riddler will bei einer Miss-Wahl ein Diadem stehlen, Batman und Robin wissen das, sie stehen direkt davor und warten, dass er zuschlägt. Und als er dann aus einer Falltür kommt, der gekrönten Miss einen Kuss aufdrückt und ihr das Diadem vom Kopf reißt, sehen sie einfach nur zu. Selbst als er wieder in die Falltür hinabsteigt, stehen sie einfach nur da. Statt ihm zu folgen: Schnell zum Batmobil, wo sie ihn orten wollen.

In der Tiefgarage gibt Riddler ihnen noch eine Chance. Er taucht aus einer Kanalöffnung auf: Er habe durchschaut, dass das Krönchen nur Fake war, er wirft es ihnen hin – mit einem weiteren Rätsel. Und wieder denkt Batman nicht daran, hinterher zu jagen. Er löst lieber das Rätsel. Robin fragt nach: Wollen wir ihm nicht folgen? Nein, sagt Batman. Da unten, in der Kanalisation, würden sie ihn kaum finden. Dabei ist er gerade einmal seit zehn Sekunden weg. Und kichert permanent wie blöde. Selbst ein Blinder würde ihn finden. Aber Batman versucht es nicht mal. Statt den Riddler zu schnappen, rätselt er lieber. Batman arbeitet eben lieber mit dem Kopf als mit den Muskeln, betreibt lieber Schnitzel- als Verfolgungsjagd – wie eben ein wahrer Detektiv.

Der Riddler entführt daraufhin einen gewissen König Boris. Doch eigentlich geht es um die „Queen of Freedom“, eine Statue, die der Riddler stiehlt, um sie mit einer Bombe zu versehen und so die Stadt um eine Million Dollar zu erpressen. Woher nehmen, wenn nicht stehlen? Gordon pumpt Bruce Wayne an, der gerne mit Bargeld aushilft. Da schickt der Riddler einen Fake-Batman vorbei für weitere Anweisungen. Der stellt sich zwar ziemlich dumm an, aber Commissioner Gordon spielt mit, um Bruce nicht in Gefahr zu bringen. (Wieder kommt niemand auf die Idee, den Kerl einfach festzunehmen.)

Keine Kunst für die Ewigkeit …

Der Rest in Kürze:

Das Utensil: Zum ersten Mal kommt die Bat-Tafel zum Einsatz. Das Besondere an ihr: Sie trägt als einziges Stück der Bathöhle keinen Namenszug.

Die Todesfalle: Batman und Robin werden an großen Rotoren festgemacht. Und irgendwie kommen sie frei. Man sieht gar nicht wie. Man sieht nur, dass da am Ende gar nicht mehr Batman und Robin hängen, sondern irgendwelche billig ausgestopften Puppen.

Die Meta-Ebene: Batman und Robin zerstören ein Gemälde, das sie in Lebensgröße zeigt und in einer Kunstgalerie hängt. Das Dynamische Duo springt einfach durch die Leinwand. Die beiden haben für statische Kunst eben nichts übrig, wir sind hier im Fernsehen, da geht es um Bewegung. Hauptsache die Queen bleibt heil. Und Bruce Wayne bekommt sein Geld zurück.

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Kampf der Supermänner

DC Comics

Titel: Three Supermen from Krypton

Autor/Zeichner: William Woolfolk/Al Plastino

Erschienen: 1950 (Superman #65)


„The planet Earth is not big enough for both you and us!“

In Metropolis schlägt eine Rakete ein, Hochhäuser fallen um, Superman kann sie gerade noch vor dem Einsturz retten. Kurz darauf erscheinen drei Typen mit Superkräften: sie laufen so schnell wie Superman, fliegen und können auch sonst alles, was er kann. Es stellt sich heraus: Die drei Brüder stammen von Krypton. Sie wurden von dort verbannt, nachdem sie versucht haben, die Macht an sich zu reißen. Jor-El hat ihren Plan vereitelt, Krypton zu erpressen, und hat eine Rakete gebaut, um sie ins All zu verbannen.

Jetzt sind sie – wie der Zufall so spielt – auf der Erde gelandet und wollen das Gleiche hier versuchen. Zuerst versetzen sie die Menschen in eine Starre, um ein Labor auszurauben. Unklar, was das soll, denn immerhin haben sie Superkräfte und können sich überall nach Belieben selbst bedienen. Aber immerhin lenken sie Superman ein wenig ab.

Die Drei schlagen ihm einen Deal vor: Wenn er sie im Kampf besiegt, hauen sie ab. Superman geht mit ihnen auf eine unbewohnte Insel, prügelt auf sie ein, wirft Felsbrocken nach ihnen, zerlegt die halbe Insel, aber er kommt nicht gegen sie an. Da kommt ihm eine Idee: Mittels seiner Bauchrednerkunst legt er einem der Brüder Worte in den Mund und hetzt so die anderen beiden gegen ihn auf. Die drei kloppen sich bis zum Umfallen, Superman baut ihnen eine neue Rakete und schickt sie zum Teufel.

Superman kann Bauchreden? Superman kann alles! Einfach alles. Herrje, wie öde. Lustiger wär’s gewesen, das Problem hätte sich von selbst erledigt. Aber in den 50ern galt: Wenn uns keine Lösung einfällt, zaubern wir einfach eine neue Superkraft aus dem Hut.

>> Liste der Superman-Comics

Catwomans letzter Wurf

Catwoman im Golden Age (Teil 16)

Titel: The Jungle Cat Queen

Autor/Zeichner: Edmond Hamilton/Dick Sprang

Erschienen: 1954 (Detective Comics #211)


Wieder sehen wir Catwoman auf Seite eins auf einer Katze reiten, einem Tiger, doch diesmal ist es nicht nur eine Metapher, diesmal wird es wirklich. Und das kommt so: Catwoman stiehlt Juwelen und fliegt mit ihrem neuesten Gefährt, dem Cat-Plane davon. Dieses Flugzeug hat sogar ausfahrbare Krallen … Batman und Robin haben keine Ahnung, wohin sie geflogen sein könnte, folgen ihr aber trotzdem auf die richtige Südsee-Insel, wo sie gemeinsame Sache mit Juwelendieben macht.

Catwoman im Cat-Plane

Batman und Robin werden gefangengenommen, in Tarzan-Uniformen gesteckt und von einem Löwen, einem Leoparden und einem Panther gejagt. An einem Katzentempel entdecken sie noch mehr Tiere, die aus einem Zirkus stammen, bringen die Großkatzen in ihre Käfige. Doch dann wird es noch wilder: Robin wird von einem Gorilla mit King Kong-Ausmaßen angegriffen und nimmt es mit einem Löwen auf, Batman wird wieder in sein Kostüm gesteckt und gefesselt einen Wasserfall hinabgeworfen. Catwoman sagt, sie hätte alle Hilfsmittel aus seinem Gürtel entfernt. Hat sie aber nicht.

Batman und Robin gegen King Kong

Batman überlebt dank Klinge und Seil, fesselt Catwoman und nimmt die Diamantenbande hoch. Doch Catwoman kommt frei und reitet auf einem Tiger davon. Robin fragt sich, ob es Nachlässigkeit war, dass sie die Klinge und das Seil im Gürtel gelassen hat, Batman glaubt das nicht. „Murder isn’t in the Catwoman’s heart. Sentiment is her weakness — and that’s why we’ll catch her next time!“

Catwoman flieht auf einem Tiger.

Aber das nächste Mal wird erst in zwölf Jahren sein. So lange wird es dauern, bis Catwoman wiederkehrt. Die Schurkin fällt nämlich dem vorauseilenden Gehorsam des Comics Code zum Opfer. Was einerseits seltsam ist, weil sie Batman vom Verdacht befreien konnte, schwul zu sein. Andererseits ist eine Verbrecherin auch kein guter Umgang für einen Helden – und daher auch kein Vorbild für die Jugend.

>> Liste der Catwoman Comics

Die Katze lässt das Mausen nicht

Catwoman im Golden Age (Teil 15)

DC Comics

Titel: The Crimes of the Catwoman

Autor/Zeichner: Edmond Hamilton/Bob Kane

Erschienen: 1954 (Detective Comics #203)


„They say a leopard never chances its spots …“ (Catwoman)

Einblick in eine Zeitungsredaktion: Wenn gerade Nachrichtenflaute herrscht, berichtet man eben live aus dem Archiv. Und weil Batman und Robin die Straßen von Verbrechen befreien, bringt die Gotham Gazette einen Rückblick auf die größten Abenteuer des Dynamischen Duos. Als Selina Kyle die Zeitung liest, ist sie gar nicht erfreut. Obwohl sie ihr Leben als Catwoman aufgegeben hat, kommt ihr Ego durch. Batman gibt an, er wäre schlauer als sie? Na, der kann was erleben!

Kurz darauf sind alle guten Vorsätze vergessen und Selina trägt wieder ihr lila Kostüm. Catwoman kommt mit einem großen Auftritt wieder, angekündigt durch das Cat-Signal am Himmel stiehlt sie mittels eines Cat-apults Iridium aus einem fliegenden Hubschrauber.

Als nächstes setzt sie „Catbirds“ ein, um bei einer Löwen-Vorstellung in einem Zirkus die Einnahmen zu stehlen. Dabei bekommen ihre Komplizen Gelegenheit, Batman abzuknallen, aber da zeigt sich ihre alte Schwäche für ihn: „I couldn’t bear to see him killed!“ Sie nimmt ihn als Geisel.

Batman befreit sich, indem er seine Fesseln von Katzen aufbeißen lässt. Beim Showdown beweist Catwoman, dass sie keine Angst vor Wasser hat. Sie lässt sich von einem Millionär in einem Cat-Fish fangen und will ihn um einen Juwelen bringen. Bei einer Verfolgungsjagd verschwindet sie spurlos im Wasser.

Die Geschichte zeigt die ganze Tragik der Figur, aber auch wie Superhelden-Comics funktionieren: Am Anfang gibt es nichts zu berichten, was zwar gut ist für die Gesellschaft, aber schlecht fürs Printgeschäft. Also lässt man eine geläuterte Kriminelle rückfällig werden. Niemand will ewig nur Selina Kyle sehen.

Für Selina Kyle geht es ums Ego, sie handelt zwanghaft, alles, was sie tut, unterwirft sie dem Diktat ihrer Katzenmanie. Bloß von Katzen umgeben zu sein, hat ihr nicht gereicht. Zugleich erkennt man an den vielen Wortspielen mit „cat“, wie die Storys im Golden Age geschrieben wurden, nämlich mit einem Wörterbuch. Nicht nur alles, was mit Katzen zu tun hat, sondern auch, was die Silbe „cat“ enthält, wird hier bemüht. Damit verfallen die Autoren dem Diktat der Sprache, damit Catwoman auf ihre „cat-astrophe“ zusteuern kann, die tatsächlich einen Untergang bedeutet.

Die Geschichte von Catwoman zeigt exemplarisch, welchen Zwängen Helden, Schurken, Verleger und Autoren unterliegen. Daher muss bei Batman (und bei Superhelden überhaupt) immer alles zum Status quo zurückkehren, die Geschichten folgen einem unentrinnbaren Zyklus. Ein sinnloser Kreislauf? Nein, es geschieht alles zu unserer Unterhaltung.

>> Liste der Catwoman Comics

Catwomans Nachfolger

Catwoman im Golden Age (Teil 14)

DC Comics

Titel: The King of the Cats

Autor/Zeichner: Bill Finger/Bob Kane

Erschienen: 1952 (Batman #69), Hardcover 2015 (Catwoman: A Celebration of 75 Years)


Selina Kyle kommt einfach nicht zur Ruhe. Sie hat dem Verbrechen abgeschworen, doch schon wieder imitiert ein anderer ihre Methode, indem er Katzen Juwelen rauben lässt. Batman und Robin befürchten schon, dass Selina rückfällig geworden sein könnte, doch dann offenbart sich ihnen eine Überraschung: ein neuer Schurke, der sich King of the Cats nennt.

Der Mann trägt ein hautenges violettes Kostüm mit Katzenschwanz und fährt mit einem eigenen Kitty-Car davon. Bald darauf schlägt er immer wieder zu. Als das Dynamische Duo Selina Kyle dazu befragt, scheint sie darin involviert zu sein. Der King of Cats schickt ihr Blumen … Später stellen sie fest, dass sie tatsächlich von ihm weiß. Der Schurke will sie dazu überreden, seine Königin des Verbrechens zu werden. Batman geht dazwischen, doch Selina verhindert, dass er den King festnimmt. Sie versucht ihn lieber zu überreden, wieder ehrlich zu werden.

Spätestens hier könnte Batman Selina der Polizei übergeben. Doch es ist alles anders als man denkt. Als der King of Cats versucht, einen schwarzen Löwen zu kidnappen und er im Kampf mit Batman in ein Tigergehege fällt, rettet Catwoman den King und riskiert ihr Leben, um Batman zu schützen. Am Ende stellt sich heraus: der King of Cats ist Karl, Selina Kyles Bruder! Und er sieht ein, dass er sich bessern muss. Merkwürdig erscheint nur, dass in einem Panel zwischen den beiden viele Herzchen erscheinen. Aber Geschwisterliebe ist bekanntlich ein zweideutiger Begriff …

Diese Catwoman-Story erinnert (wie die vergangene) an das Prinzip von Two-Face im Golden Age. Nach einem Auftakt als Verbrecher wurde Two-Face ebenfalls resozialisiert und danach kamen drei Nachahmer, bis er selbst wieder rückfällig wurde. Catwoman wird das nächste Mal zur alten Gewohnheit zurückkehren …

>> Liste der Catwoman Comics

Auf einen Kaffee mit Mad Hatter

DC Comics

Titel: New Gotham Vol. 2

Autor/Zeichner: Greg Rucka/Shawn Martinbrough, Rick Burchett

Erschienen: 2001-2002 (Detective Comics #755-765, Superman #168), Paperback 2018


Polizisten in Gotham begehen Raubüberfälle, darunter auch Renee Montoya. Beeinflusst werden sie durch den Mad Hatter, der verkleidet als Verkäufer mit Drogen versetzten Kaffee an die Polizei verteilt. Aber er stellt keine Forderungen. Er will bloß Chaos stiften. Und auch sonst hat der Schurke nichts Sinnvolles zu sagen.

Batman vereitelt den Plan mit Hilfe von Sasha Bordeaux, seinem neuen Sidekick. Im ersten Band von New Gotham wurde sie als Bruce Waynes Bodyguard eingeführt, im zweiten kommt sie hinter sein Geheimnis und Batman spannt sie gleich mit ein. Mehr noch: Innerhalb eines Monats trainiert er sie zur Vigilantin. Sie bekommt sogar ein Kostüm.

Darin besteht die eigentliche Handlung von New Gotham. Aber sie überzeugt nicht. Schon als Bodyguard nervte Sasha, auch später wird sie weder interessanter noch sympathischer. Dass Batman sie einspannt und dass sie das mitmacht, wirkt unglaubwürdig. Batman behandelt sie (wie immer) wie Dreck, aber sie lässt alles über sich ergehen. Außerdem wird sie noch eifersüchtig, als Bruce wieder mit Vesper Fairchild anbandelt.

In einer zweiteiligen Story bricht Batman mit Lois Lane ins Weiße Haus ein, um von Luthors Kryptonitring zu stehlen, und Superman interveniert. Das ist auch schon das einzige Highlight des Bandes. Der Rest besteht bloß aus Kurzgeschichten über den Alltag in Gotham: Batman kämpft gegen Kleinganoven, James Gordon geht (nach einem Attentat auf ihn) in Ruhestand, die Polizei bekommt einen neuen Commissioner, es wird intern wegen Mordverdacht ermittelt, Bullock hört auf, Sawyer kommt, und Sidekick Sasha trifft auf Huntress.

Das sind Geschichten, die man als Hinführung auf die Storyline Bruce Wayne: Murderer? lesen kann, aber nicht muss. Freunde von Gotham Central könnten ihre Freude daran haben. Allerdings ist der Band (wie schon in Teil 1) meist sperrig gezeichnet und zweifarbig koloriert, was bei Superman sehr bemüht wirkt, allein die Seiten von Rick Burchett (Batman Adventures) bilden eine angenehme Ausnahme.

>> Liste der Mad Hatter-Comics

Neue Serie: Batman and the Outsiders

DC Comics

Batman hat ein neues Team: Zusammen mit Black Lightning, Signal, Orphan und Katana bildet er die Outsiders. Im Dezember startet DC eine neue Comicserie mit den Helden. Angefangen hat alles bereits in der Storyline „On The Outside„, die in Detective Comics #983-987 erschien. Jetzt setzen Autor Bryan Edward Hill und Zeichner Dexter Soy die Geschichte in Batman and the Outsiders fort. Soy hat bereits Red Hood and the Outlaws gezeichnet.

Batman and the Outsiders ist ein Konzept, das aus dem Jahr 1983 stammt. Damals hat Batman die Justice League verlassen, als sie ihm nicht helfen wollte, und hat sich ein eigenes Superheldenteam zusammengestellt. Schon da waren Black Lightning und Katana dabei. Mit Ausgabe 32 hat Batman das Team verlassen, doch später kamen sie mehrmals wieder zusammen, von 2007 bis 2009 (und eine Ausgabe 2011) gab es erneut eine Serie unter dem Titel.

Batman surft mit Joker

Joker und Batman surfen

Titel: Surf’s Up! Joker’s Under (dt. Heiliges Surfbrett)

Drehbuch: Charles Hoffman

Erschienen: 1968 (Batman S03E10)


Nur Freunde: Skip und Barbara

In Gotham City kann man sogar surfen. Der Joker entführt den Surfer X, der zufällig Barbara Gordons Freund ist. Mit dem Surfing Experience & Ability Transferometer überträgt der Joker alles Wissen und alle Fähigkeiten auf sich. Doch wozu das? Joker will die Surf-Weltmeisterschaft von Gotham Point gewinnen: Ihn locken Ruhm und Ehre, Neid, Respekt und Bewunderung der Surfer. Sie würden ihm folgen, ihm gehorchen und für ihn Gotham plündern und verwüsten. Der Joker könnte mit dem Gerät natürlich auch seine Gier auf andere übertragen, aber wo wäre dann der Spaß?

Joker stiehlt Skips Surf-Skills

Während Batman und Robin den Batcopter starten, gehen Commissioner Gordon und Chief O’Hara undercover mit kurzen Hosen und schrillen Sonnenbrillen an den Strand, Decknamen: Buzzy und Duke. In dieser „unauffälligen“ Verkleidung treffen sie sich in einer Surferbar mit Batman und Robin, wodurch es nicht unbedingt unauffälliger wird. Aber Jokers Komplizin Undine spricht in ein Walkie-Talkie in Form eines Hot-Dogs, was durchaus bemerkenswert erscheint …

Cops Undercover

In der Bathöhle wird es noch seltsamer: Der Batcomputer spuckt ein Bild von zwei nackten Füßen aus. Eine von Alfreds Neuerungen: Statt eindeutiger Ergebnisse liefert der Computer Bilderrätsel. Batman und Robin lassen sich sofort drauf ein und schließen scharf auf den Ten-Toes-Surfboard-Shop, der schon lange leersteht und ein perfektes Versteck für den Joker wäre.

Hot-Dog-Walkie-Talkie

Batman und Robin machen sich auf und werden vom Joker gefangengenommen: Er und seine Handlanger werfen eine Handvoll Giftstacheln auf die beiden, doch statt sich die Dinger aus der Brust zu ziehen (immerhin könnten sie tödlich sein), schlägt Batman ein Bad in heißem Wasser und Epsom-Salz vor. Da beides gerade nicht zur Hand ist, fallen sie dem Joker in die Hände. Der lässt sie in Surfbretter verwandeln.

Batman, Robin und Giftstacheln

Zuerst werden sie mit flüssigem Schaumstoff übergossen, eine Werbepause später sind sie auf wundersame Weise platt wie Surfbretter. Doch dank eines Gürtel-Gadgets können sie sich freibrennen und kehren zur Ausgangsform zurück. Natürlich werden die beiden Komplizen nicht verfolgt, man hilft lieber dem Entführungsopfer.

Batman und Robin als Surfbretter

Jetzt könnte die Polizei den Joker festnehmen und der Fall wäre erledigt. Tut sie aber nicht, sie wartet lieber darauf, dass das Dynamische Duo etwas unternimmt. Und die spielen das Spiel mit: Batman surft gegen den Joker um die Weltmeisterschaft. Denn aus irgendeinem Grund gibt es keinen Wettbewerb ohne Batman. Man zieht sich in der Herrenumkleide um, das beudeutet jeder zieht sich eine Badehose über seine Hosen.

Joker surft

Obwohl weit und breit kaum Wellengang zu sehen ist, schaffen es die beiden trotzdem, sich auf den Brettern zu halten. Batman wirkt unsicher auf dem Brett, souverän wirkt er nur, als er zwischendurch einen Hai mit dem (aus dem Film) bekannten Spray abwehrt. Und obwohl der Joker besser surft (einmal sogar einbeinig), gewinnt Batman.

Batman vertreibt den Hai

Erst dann, wenn der Held seine moralische Überlegenheit bewiesen hat und wenn der Joker noch einer weiteren Entführung überführt wird, und natürlich erst nach der obligatorischen Prügelei, bei der spontan auch Batgirl mitmischt, nimmt ihn die Polizei endlich fest. Als hätte die bloße Tatsache, dass dieser Irre frei rumläuft, nicht gereicht, um ihn dingfest zu machen.

Schluss mit lustig, Joker!

Am Ende bleibt nur die Frage offen, was diese Band soll, die mit grüngefärbten Haaren am Strand musiziert: Jonnie Green and the Green Men singen „Just A Little Bit Harder“. Zwischendurch fragt sich die Polizei, ob sie etwas mit dem Joker zu tun haben könnte, aber: nein. Es ist einfach so. Und das passt wunderbar zu dieser herrlich abgedrehten Folge, an der einfach alles toll ist, was man an dieser Serie feiern kann. Viele sehen „Surf’s up! Joker’s Under“ als lächerlich und peinlich an, weil ihr jeglicher Sinn abgeht. Ich denke aber, dass diesen Leuten das Konzept der Serie entgangen ist.

Johnnie Green and the Green Men

Fußnote: Diese Folge ist nicht das erste Mal, das Batman auf einem Surfbrett steht. Bereits auf dem Cover von World’s Finest #36 (1948) surfte er – zusammen mit Robin und Superman.

World’s Finest #36 (DC Comics)

>> Liste der Batman-Episoden