Dustin Nguyen

Verprasste Vermögen

DC Comics

DC Comics

Titel: Streets of Gotham Vol. 1: Hush Money (dt. Die Straßen von Gotham)

Autor/Zeichner: Paul Dini/Dustin Nguyen

Erschienen: 2009 (Detective Comics #852, Batman: Streets of Gotham #1-4, Paperback 2010), dt. Panini 2010 (Batman Sonderband 25, enthält #1-6)


„Gotham City … even in these hard times it’s the home of unlimited opportunity. Of course you’ve got to keep your eyes open.“

„And that’s the formula for doing business in Gotham. You give, you take, you bend and you bleed.“

Der Schurke Hush erweist sich als ewiges Stehaufmännchen: Seine aufwendigen Versuche, Batman zu vernichten, sind gescheitert. Er wäre fast draufgegangen, hat sein gesamtes Vermögen an Catwoman verloren (siehe Heart of Hush). Nach einem gescheiterten Selbstmordversuch berappelt er sich wieder und unternimmt einen neuen Versuch der Rache. Das Dumme ist nur: Batman ist tot. Oder wenigstens verschollen im Kampf. Daher nimmt sich Hush einfach das, was noch übrig ist: den Ruf von Bruce Wayne. Da Tommy Eliott bereits dessen Gesicht trägt, nimmt er dessen Identität an, verschafft sich Wohlstand und geht dabei über Leichen. In Vietnam wird er zwar von der Bat-Familie gefangen genommen, aber kurz darauf – als Firefly Gotham in Brand steckt – bricht er aus und verpulvert öffentlich als Bruce Wayne Milliarden von Dollar für wohltätige Zwecke. Die Bat-Familie muss das zähneknirschend mitansehen und ihn gewähren lassen. In der Zwischenzeit lässt Black Mask Victor Zsasz und den besagten Firefly in Gotham Chaos stiften. Zsasz bekommt dabei einen neuen Anzug und einen eigenen Schlachthof, um seine mörderischen Fantasien auszuleben.

Die kurzlebige Serie Streets of Gotham hat zwar Batman auf dem Cover, aber legt den Schwerpunkt auf die Schurken und Bewohner von Gotham, wie etwa den Broker, einen Immobilienmakler für Gangster, der mit leerstehenden Gebäuden für sinistre Zwecke seine Seele mitverkauft. Die Tatsache, dass Dick Grayson im Batman-Kostüm steckt, spielt im ersten Band fast keine Rolle – es hätte ebenso gut Bruce Wayne sein können.

Streets of Gotham verdankt seinen Reiz der ungewöhnlichen Erzählweise: Statt eines durchgehenden Plots mäandert die Geschichte durch mehrere Geschichten, die ineinandergreifen. So bekommt man nicht nur Einblicke in Hushs und Zsasz‘ Innenleben, sondern auch in die dunkle Seele des eigentlichen Protagonisten: Gotham City. Dustin Nguyens Zeichnungen sind sperrig und nicht immer gelungen, entfalten aber hin und wieder einen besonderen Charme – besonders bei den Covern.

>> Batman 2000-2011

Superman von der Kette gelassen

DC Comics

DC Comics

Titel: Superman Unchained

Autor/Zeichner: Scott Snyder/Jim Lee, Dustin Nguyen

Erschienen: 2013-2015 (Mini-Serie #1-9, Paperback 2015/2016) dt. Panini 2015 (Serie)/2016 (Paperback)


„You’re living in a place between. Don’t you see that? A limbo that can’t last.“ (Wraith)

„Your whole life is on a collision course with reality.“ (Wraith)

Raumstationen fallen vom Himmel, Wolkenkratzer stürzen ein – dahinter steckt die Terror-Organisation Ascencion – und Superman muss sich um alles allein kümmern. Dann attackiert ihn auch noch General Lane und hetzt eine Superwaffe auf ihn, den Außerirdischen Wraith, eine lebende Atombombe, die schon lange darauf wartet Superman zu töten. Zunächst beschützt Wraith ihn, dann verhaut er ihn ein bisschen, dann lädt er ihn zu sich nach Hause ein, dann haut man gemeinsam ein paar Roboter kaputt, tauscht Tipps aus, schließlich gibt’s wieder Keile untereinander. Parallel zu diesem Spielchen bricht Superschurke und Erzfeind Lex Luthor aus dem Hochsicherheitsgefängnis aus (man hat es ihm sehr leicht gemacht) und versucht erneut, in aller Seelenruhe (Homer lesend und Origami faltend) Superman nun wirklich und endgültig umzubringen. Und am Ende gibt’s noch eine Alien-Invasion …

Aber davor versucht es noch General Lane, indem er über Supermans Festung der Einsamkeit herfällt. Parallel dazu dringt Wraith in die Bathöhle ein – und dort kommt es zu einer herrlichen Verwüstung: Batman wirft zunächst das Batplane auf den Schurken, dann alle Batmobile, die es je gab (kein Problem, da sie versichert sind). Wonder Woman kommt zur Hilfe und erschlägt Wraith mit dem Riesenpenny („Penny for your thoughts“), Wraith schlägt zurück mit dem Robo-Dinosaurier. Reiner Unsinn – aber wegen der Verspieltheit ist die Episode lesenswert, auch wenn Batman in der Story eigentlich keine Funktion hat.

Superman Unchained ist der Versuch von Autorenwunderkind Scott Snyder, nach Batman auch den anderen großen DC-Helden zu der Größe zu verhelfen, die ihm gebührt. Ob es gelingt, kommt darauf an, welche Ansprüche man stellt. Es ist, wie oben beschrieben, eine Story, in der viel zu viel passiert, aber eigentlich geht es die meiste Zeit um Keilereien im Großformat: Zuerst Superman gegen Wraith in der Horizontalen, einmal um den Globus, dann in der Vertikalen, ins All und zum Erdmittelpunkt. Die Alien-Bedrohung im Finale wird etwas lieblos abgehandelt. Superman mus selbst zur Bombe werden, um die Invasoren zu vernichten – er opfert sich, ohne Fragen zu stellen. Die Handlung wirkt beliebig. Star-Zeichner Jim Lee illustriert das Ganze zwar in der gewohnten epischen Qualität – larger than life -, aber an diesem detailversessenen Stil hat man sich mittlerweile sattgesehen. Aufgelockert wird der Stil durch die Kapitel von Dustin Nguyen, der einen etwas ‚künstlerischeren‘ Einschlag hat.

Panini

Panini

Immerhin bemüht sich Snyder mit der Backstory aus Clarks Jugend in Smallville um ein wenig Charaktertiefe. Und mit Lex Luthors Monolog gelingt ihm auch eine interessante, weil äußerst kritische Analyse der Figur:

„… Superman, whoever he is, is trial and error. (…) He avoids a situation and it worsens; next time, he involves himself. The point I’m making is that Superman doesn’t stand for anything. He’s just a man, stumbling through life. He’s not a great beacon, he’s barely a candle, lighting a path for himself the best he can. And as we all know, eventually … candles go out.“

Superman als Fehlender, der seinen Weg durch die Dunkelheit sucht – das ist ein treffendes Bild. Man muss ihn wohl so darstellen, wenn man ihn von seinem Pfadfinder-Image abbringen will. Er soll mehr Mensch als Übermensch sein. Das Dilemma ist: Als Suchender nach sich selbst scheint der Charakter nie irgendwo anzukommen, wodurch sich diese Ichfindung schnell erschöpft. Wenn er aber seinen Charakter definiert, wirkt er zu perfekt – und damit auch langweilig. Dass man diesen Widerspruch nicht auflösen kann, wird wohl immer das Problem an Superman bleiben.

Batman Eternal Vol. 1: Schwere Geschütze, alle Register

DC Comics

DC Comics

Titel: Batman Eternal Vol. 1

Autor/Zeichner: Scott Snyder, James Tynion IV u.a./Jason Fabok, Dustin Nguyen, Guillem March, Andy Clarke u.a.

Erschienen: 2014 (Batman Eternal #1-21), Paperback 2014, dt. Panini 2015 (Batman Eternal #1-11)


„You have no idea what’s happening, no idea who’s been pulling the strings behind the curtain.“

Gotham brennt. Batman hängt unmaskiert und gefesselt an einem zerstörten Bat-Signal, auf seiner nackten Brust ist sein Symbol eingeritzt. Was ist geschehen? Die Geschichte beginnt hier: Bei einem gemeinsamen Einsatz von Batman und Polizei gegen Professor Pyg verfolgt Commissioner James Gordon einen Verdächtigen in den U-Bahn-Tunnel. Weil Gordon sieht, dass der Verdächtige bewaffnet ist, schießt er auf ihn und trifft dabei auch eine Leitung der U-Bahn, sodass zwei Züge miteinander kollidieren. Gordon wird verhaftet und muss sich für den Tod von über 160 Menschen verantworten. In der Zwischenzeit übernimmt Major Forbes seinen Posten und erklärt Batman zum primären Ziel der Polizei. Doch Forbes dient Carmine Falcone, einem alten Mafioso, der sich vor fünf Jahren aus Gotham zurückgezogen hat und nun die Stadt zurückerobern will. Während zwischen Falcone und dem Pinguin ein Bandenkrieg ausbricht, müssen sich Batman und seine Familie um viele andere Probleme kümmern:

  • Batgirl reist mit Red Hood und Batwoman nach Brasilien, um die Unschuld ihres Vaters zu beweisen,
  • Red Robin untersucht mit der Hackerin Harper Row in Japan einen mysteriösen Nanobot-Virus, der in Gotham grassiert,
  • Batwing und Jim Corrigan (The Spectre) gehen in Arkham Asylum der Wiederauferstehung von Deacon Blackfire nach,
  • Stephanie Brown entdeckt, dass ihr Vater der Superschurke Cluemaster ist und muss fortan um ihr Leben fürchten,
  • Alfred Pennyworth bekommt ein unverhofftes Wiedersehen mit seiner Tochter Julia,
  • Catwoman legt sich mit Falcone an und gerät in seine Gefangenschaft,
  • Batman spielt Detektiv in Hong Kong, rettet Catwoman in Gotham und geht mit Killer Croc und dem Polizisten Jason Bard in der Kanalisation einer Kindesentführung nach.

Doch bald stellt sich für Batman heraus, dass im Hintergrund jemand anderes die Fäden zieht. Leider hat er keine Ahnung, wer das sein könnte. Klar ist: Es ist ein Feind aus seiner Vergangenheit.

In Batman Eternal, der wöchentlichen, ein Jahr laufenden Serie zu Batmans 75. Geburtstag, wird Großes aufgefahren: Eine Story, die nicht nur viele Charaktere und viele Erzählstränge aufbietet, sondern auch jede Facette von Superhelden-Storys abbildet: Klassische Schurkenjagd gegen Psychos und organisiertes Verbrechen, Science Fiction und Übernatürliches/Magie. Dabei stehen die Autoren tief in der Schuld von Jeph Loeb, bei dessen drei großen Batman-Epen (The Long Halloween, Dark Victory und Hush) sie sich reichlich bedienen. Schließlich findet sich auch etwas von der Polizeiserie Gotham Central darin und mit dem Erzählstang mit der Gotham Gazette-Reporterin Vicky Vale bekommt das Ganze Ausmaße von The Wire.

Batman Eternal liest sich daher so wie eine gute moderne Fernsehserie: Vielschichtig und komplex, allerdings ohne – wie sonst bei Comic-Events/-Crossovern üblich – in unendliche Tie-ins auszufransen. Die überbordende Story entwickelt einen großen Sog und hält mit vielen überraschenden Wendungen bei Laune, auch wenn man zuweilen fürchtet, vor lauter Subplots den Überblick zu verlieren. Daher empfiehlt sich hier ein Binge-Reading. Die Zeichnungen sind zwar wegen der verschiedenen Zeichner von schwankender Qualität, aber die meisten liefern eine solide Arbeit ab.

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Hirnchirurg pfuscht am Herzen

Batman: Heart of Hush

DC Comics

Titel: Heart of Hush (dt. Hush – Herz der Finsternis)

Autor/Zeichner: Paul Dini/Dustin Nguyen

Erschienen: 2008-2009 (Detective Comics # 846-850, Paperback 2009), dt. Panini Sonderband 2009


„Beware the man who can strike from a distance.“

Ein drittes Mal versucht Hush, seine Rache an Batman zu vollziehen: Rache dafür, dass Bruce Waynes Vater damals bloß seinen Job gemacht hat, als er Tommy Elliots Mutter rettete. In Heart of Hush wird ausführlich die Geschichte nach dem von Tommy verursachten Autounfall erzählt, von der Schreckensherrschaft der Mutter bis zu ihrem unglückseligen Ende. Autor Paul Dini versucht damit, stärker das Rachemotiv herauszuarbeiten, was aber nur leidlich glückt. Wie schon bei Jeph Loeb ist Hushs Hass auf Batman weit hergeholt und nur damit zu erklären, dass der Schurke eben – wie die meisten – verrückt ist.

Als Chirurg hat sich Tommy Elliot weiterentwickelt: Vom Hirnchirurgen hat er sich auf Kardiologie spezialisiert und eine leerstehende Klinik gekauft, in der er ein paar Obdachlose unter Drogen setzt und sie zu seinem Personal macht. Nach einem Vorspiel mit Scarecrow und Venom (Hush lässt immer noch gerne andere die Drecksarbeit erledigen), nimmt er Catwoman gefangen und entfernt ihr Herz, wobei er sie und ihr Organ mit einem komplexen Apparat am Leben erhält (Mr. Freeze hilft dabei). Batman muss sich beeilen. Doch Hush hat auch als plastischer Chirurg dazugelernt und verfolgt noch weitere Pläne …

Die Story, die als Tie-in zu Batman R.I.P. angelegt ist, aber vor den Ereignissen spielt, ist zwar ebenso kurzweilig wie Hushs erster Auftritt, aber bei weitem nicht so furios. Sie ist bescheidener angelegt, aber auch fader. Dass ein Großteil der Story der Vorgeschichte gewidmet ist, beraubt sie der Spannung und lässt den Verdacht entstehen, dass sonst nicht viel zu erzählen war. Das Finale leidet darunter, dass man den Schurken nicht besonders ernst nehmen kann, wie er mit seinen Waffen durch Wayne Manor streift – selbst Alfred kann ihn erledigen, und als noch Robin und Nightwing dazu kommen, ist die Sache ohnehin gelaufen.

Heart of Hush ist ein ziemlich durchschnittliches Vergnügen, auch in visueller Hinsicht: die kantigen Zeichnungen von Dustin Nguyen haben ihren Charme, doch überzeugen sie nicht durchgehend. Außerdem werden zu viele alte Griechen zitiert – lauter kluge Sprüche machen noch kein kluges Buch.

>> Batman 2000-2011