Comic

Wozu noch Superman?

DC Comics

Titel: What’s So Funny About Truth Justice and the American Way?

Autor/Zeichner: Joe Kelly/Doug Mahnke, Lee Bermejo

Erschienen: 2001 (Action Comics #775), Hardcover 2013 (Superman: A Celebration of 75 Years)


„How does it feel to have your flaws exploited? To be deconstructed? How does it feel to watch dreams die?“ (Superman)

Eine neue Gruppe von Vigilanten macht weltweit kurzen Prozess mit Schurken: The Elite. Viele finden das gut. Aber Superman ist nicht erfreut. Er hält immer noch an seinen Idealen fest, allerdings kann er die Neulinge nicht davon überzeugen. Auch nicht durch vorbidliches Handeln. Man muss die Meinungsverschiedenheit also mit Gewalt austragen. Also reist man ins All.

Zunächst machen die vier Superman fast alle, dann revanchiert er sich, indem er sie im Alleingang erledigt. Nicht nur Cape und Kostüm werden dabei zerrissen, auch das Ego leidet. Superman wird nicht gern hinterfragt. Für einen kurzen Moment denkt man, die selbsternannte Elite hätte ihn doch über die Grenze getrieben, aber dann bleibt er sich selbst doch treu.

Er tötet auch diese Schurken nicht, auch wenn es bedeutet, immer wieder gegen sie zu kämpfen. The Elite profitiert also von Supermans Gnade, die sie an ihm zuvor abgelehnt hat. Supermans Moral:

„Dreams save us. Dreams lift us up and transform us. And on my soul, I swear… Until my dream of a world whre dignity, honor and justice becomes the reality we all share … — I’ll never stop fighting. Ever.“

Superman soll mit dieser 40-seitigen Story eine Rechtfertigung für das neue Jahrtausend bekommen. Beantwortet werden soll die Frage: Wozu braucht es noch einen Superman? Geboten werden aber nur Gemeinplätze ohne neue oder tiefere Einsichten. Autor Joe Kelly betreibt am Rande Medienkritik und baut sogar einen Gastauftritt der „Men in Black“ ein. Allerdings hat er mit seinem Statement eine passende Reaktion auf die Terroranschläge vom 11. September 2001 vorweggenommen (die Story ist vom März). Im Nachhinein wirkt die Story damit wie ein Kommentar Richtung US-Regierung. Aber die hat ihn wohl nicht gelesen.

Elf Jahre später erschien mit Superman vs. The Elite eine Zeichentrick-Adaption des Comics.

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Batman heiratet Vicki Vale (fast)

Titel: The Bride of Batman

Autor/Zeichner: David Vern Reed/Dick Sprang

Erschienen: 1953 (Batman #79)


Sechs Jahre vor der Heirat mit Batwoman (die natürlich nicht wirklich stattfand) sollte Batman bereits die Fotografin Vicki Vale heiraten. Und das kam so: Als der Shah von Nairomi in der Stadt ist, König des Landes mit dem größten Uran-Vorkommen, verliebt er sich in Vicki Vale und macht ihr einen Heiratsantrag. Ihn abzuweisen würde eine diplomatische Krise auslösen. Deshalb denkt sie sich eine Ausrede aus: Sie ist schon mit Batman verlobt.

Batman spielt den Bräutigam. (DC Comics)

Der ist ganz und gar nicht begeistert von der Idee. Spielt aber das Spiel mit. Er lässt sich mit ihr von der Presse fotografieren, tanzt mit ihr in der Öffentlichkeit, besorgt ihr Blumen – und macht sich zum Gespött. Noch schlimmer ist, dass ständig der Shah an ihnen klebt, als wäre er ein Freund. Batman vernachlässigt seine Pflichten als Verbrechensbekämpfer, die Gauner nehmen sich mehr heraus, weil sie glauben, dass er wegen seiner Braut keine Zeit mehr für sie hätte.

Peinlich: Batman bringt Blumen. (DC Comics)

Noch schlimmer wird alles, als Gauner versuchen, Vicki zu entführen und Vickis Rivalin der Presse ein falsches Hochzeitsdatum steckt. Der Shah lässt eine Parade durch die Stadt ziehen, lässt seine Köche einfiegen und spendiert einen Diamanten – langsam wird’s übergriffig. Und dann befürchtet Robin, dass Batman ihn vernachlässigen wird, wenn er erst einmal verheiratet sein wird. Batman versichert ihm: „You know that nobody can ever seperate us!“

Doch kurz bevor alles eine furchtbare Wendung nimmt, kommt der Shah zu einem Sinneswandel: Die Hochzeit dürfe nicht stattfinden, weil Vicki sich sonst einer Gesichts-OP unterziehen müsse, um als Batmans Frau unerkannt zu bleiben. Aber die Schönheit dürfe nicht verschandelt werden … OK, aber dann wird der Shah also doch Vicki heiraten? Nein, da Batman schon seine Pfoten an ihr hatte, ist das auch vom Tisch.

Puh, Glück gehabt! Nein, nicht ganz: Natürlich ist auch das ein Trick von Batman gewesen. Aber der Einfluss dieses Shah auf die angeblich so freien US-Bürger hinterlässt bei dieser Geschichte einen bitteren Beigeschmack …

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Batman und Catwoman: Die zweite Hochzeit

DC Comics

Titel: The Autobiography of Bruce Wayne!

Autor/Zeichner: Alan Brennert/Joe Staton

Erschienen: 1983 (The Brave and the Bold #197)


Nach der ersten Hochzeit von Bruce Wayne und Selina Kyle im Jahr 1977 wurde sechs Jahre später eine alternative Story erzählt, in der Batman und Catwoman zueinander finden. Allerdings spielt auch diese nur auf Erde II, der Parallelwelt des Golden Age.

Als Bruce Wayne zu Gast ist bei der Hochzeit seiner Freundin Linda Page, gerät er ins Grübeln: Er hat das Versteckspiel als Bruce Wayne satt. Die Playboy-Fassade hat ihm sämtliche Frauen vergrault, die ihn hätten glücklich machen können. Er sieht sich festgefahren. Seine einzigen Freunde sind nur die, die er als Batman hat.

Da schlägt Scarecrow zu. Die Gäste geraten in Panik, sehen Spinnen, Käfer und Schlangen. Als Bruce zu Batman wird, sieht er Linda, Robin und Batwoman verschwinden. Die Illusion wirkt ungeachtet der Tatsachen, auch Alfred verschwindet aus Wayne Manor. Batman sieht nur noch eine, die ihm gegen Scarecrow helfen kann: eine alte Gegnerin – Catwoman.

Selina Kyle hat ihre Amnesie überwunden und büßt für ihre Taten im Knast. Batman bietet ihr Bewährung an, aber sie zieht das Kostüm nur widerwillig wieder an. Wie er sie aus dem Gefängnis bekommt, bleibt offen. Sofort macht sich Catwoman nützlich: Gegen einen weiß angemalten Löwen und später indem sie Batman verarztet. Man kommt sich näher: Sie sieht die Narben auf seinem Rücken, Batman erzählt ihr von seinem Kindheitstrauma.

Selina erzählt ihm ihre Geschichte: Das mit der Amnesie war nur eine Lüge. In Wahrheit war sie vor ihrer Karriere als The Cat unglücklich verheiratet. Der Mann war reich, aber hat sie misshandelt. Nach der Scheidung rähte sie sich, indem sie seinen Safe plünderte. Das gab ihr so viel Genugtuung, dass sie weitermachte. Die Story mit der Amnesie hat sie nur erzählt, weil sie das Leben als Catwoman satt hatte und eine Familie gründen wollte.

Selina will Batman davon überzeugen, dass er nur einer Halluzination anheim gefallen ist, und dass er selbst sein größter Feind ist. Nach dem Tod seiner Eltern habe er sich eine Welt voll Konflikte geschaffen, um nie wieder jemanden an sich heranzulassen. Als auch Selina zu verschwinden droht, legt sie ihre Maske ab, dann macht Bruce es ihr nach. Bald darauf heiraten sie und leben 20 Jahre zusammen.

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Wählt Joker – sonst gibt’s Tote!

Titel: Dark Detective

Autor/Zeichner: Steve Englehart/Marshall Rogers

Erschienen: 2005 (Mini-Serie #1-6), Paperback 2006; dt. Panini 2007 (DC Premium #49)


Der Joker will als Gouverneur kandidieren. Sein Wahlversprechen: Sonst gibt’s Tote. Two-Face hat etwas dagegen – und schließlich mischt auch Scarecrow mit. Der Joker macht einem Politiker Konkurrenz, der Lebensgefährte von Silver St. Cloud ist, ehemalige Liebe von Bruce Wayne. Als sie wieder auftaucht, kommt sie wieder mit Bruce zusammen und löst ihre Verlobung …

Rund 30 Jahre nach Strange Apparitions, einer der bekanntesten Storylines der 70er, haben Steve Englehart und Marshall Rogers eine Fortsetzung geschrieben und gezeichnet. Entstanden ist eine Story, die mehr in der Gegenwart als in den 70ern angesiedelt ist, weil sie stark auf die turbulente Bush-Wahl 2000 anspielt. Allerdings darf man keine tiefgreifenden politischen Statements erwarten. So weit wagt sich DC dann doch nicht aus der Unterhaltungsecke hervor.

Vielmehr erinnert die Kampagne des Jokers an seinen Versuch in Strange Apparitions, seine lachenden Fische patentieren zu lassen – es ist bloß eine Schnapsidee, mit der der Joker um Aufmerksamkeit buhlt. Die Kampagne endet so schnell wie sie angefangen hat. Der Joker entführt Silver St. Cloud und lockt Batman in ein Haus voller Todesfallen. Wie bei Jäger des verlorenen Schatzes und Kevin allein zuhaus müssen Batman und der Gouverneurs-Kandidat allerlei Gefahren ausweichen. Und am Ende erklärt der Joker ihre Beziehung: dass sie einander bedingen, dass sie einander zu dem machen, was sie sind, dass das Scheitern des Jokers zum Konzept gehöre.

(ACHTUNG: SPOILER!)

Keine ganz neuen Einsichten. Überraschend ist nur Batmans Reaktion darauf: Es ist ihm egal. Für ihn ist der Joker am Ende nur ein Schurke wie jeder andere. Noch überraschender fällt seine Folgerung am Ende aus. Weil Silvers Ex-Verlobter durch den Joker zwei Gliedmaßen verloren hat, schickt Batman sie wieder zu ihm zurück. Er „leiht“ sie an ihn aus, solange er sich regenerieren muss. Silver ist entsetzt. Und ich bin es auch. Denn erstens bevormundet er die Frau, die er liebt, zweitens geht er mit ihr um wie mit einem Objekt, drittens will auch der Geschädigte nicht nur eine Frau, die aus Mitleid mit ihm zusammen ist. Die einzig logische Lösung? Im Gegenteil: Es leiden alle drei.

Zwischendrin gibt es noch Intermezzi mit Scarecrow und Two-Face. Während der erste Batman (mal wieder) mit seinen größten Ängsten konfrontiert, lässt sich Two-Face einen Klon von sich anfertigen, der allerdings nach fünf Minuten vom Joker getötet wird. Dann taucht noch ein böser Klon auf. Aber diese Handlungsstränge enden mehr oder weniger im Nichts.

Insgesamt ist Dark Detective eine Fortsetzung, nach der keiner verlangt hat und die niemand braucht. Marshall Rogers zeichnet einen prächtigen düsteren Batman und lebendige Figuren. Allein Nostalgiker und Fans von Strange Apparitions könnten ihren Spaß daran haben.

Lex Luthor trifft Brainiac

DC Comics

Titel: The Team of Luthor and Brainiac

Autor/Zeichner: Cary Bates, Edmond Hamilton/Curt Swan

Erschienen: 1964 (Superman #167)


Es war nur eine Frage der Zeit. Wenn Lex Luthor es alleine nicht schafft, Superman zu besiegen, würde er sich früher oder später einen Verbündeten suchen. Nach seinem erneuten Knastausbruch (und einem gescheiterten Mordanschlag) braucht er einen Gedankenübertragungshelm, um den richtigen Partner zu finden. Da der Helm ins All und in die Vergangenheit schauen kann, erfährt Luthor die Entstehungsgeschichte von Brainiac.

Der ist nämlich nicht nur ein Außerirdischer, sondern auch eine Maschine, die von anderen (tyrannischen) Maschinen geschaffen wurde. Doch Brainiac ist seit seiner jüngsten Begegnung mit Superman im Knast. Allerdings ein Knast mit einer entscheidenden Schwachstelle: Wenn’s brennt, geht die Tür auf. Da musste erst Luthor drauf kommen. Kaum ist der Schurke draußen, schraubt Luthor ihm am Gehirn herum, um ihn nicht nur klüger, sondern auch gefügig zu machen. (Dafür wird Brainiac sich später revanchieren.)

Zusammen locken sie Superman in eine Falle: Sie berauben ihn seiner Kräfte, verkleinern ihn und sperren ihn in einen Käfig. Allerdings gehen sie dabei noch schlampiger vor als Superman mit seinem Knast: Sie sperren nicht einmal die Tür zu. Superman haut ab, startet eine von Luthors Raketen und ruft so Hilfe aus der Flaschenstadt Kandor herbei. Brainiac versetzt ihn dafür ins Koma, kann jedoch nicht verhindern, dass eine Horde kleiner Supermänner die Schurken überwältigt, sie verkleinert und sie in Kandor vor Gericht stellt.

Doch weil Superman in einem Koma steckt, aus dem ihm nur Brainiac befreien kann, werden die Schurken begnadigt, wenn er Superman wieder befreit. So geschieht es auch – und Superman muss die beiden Erzfeinde von dannen ziehen lassen. Na ja, dann bis zum nächsten Mal …

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Catwoman rächt sich an Batman

DC Comics

Titel: Never Scratch a Cat

Autor/Zeichner: Gerry Conway/Don Newton

Erschienen: 1983 (Batman #355)


„We are responsible for each other.“ (Batman)

Bruce Wayne lässt nichts anbrennen. Nachdem seine kurze Romanze mit Selina Kyle gescheitert ist, bandelt er jetzt mit Vicky Vale an. Selina sieht das nicht gern. Sie steigt in ihren Catillac und drängt das Paar in ihrem Auto von der Fahrbahn ab, man landet im Wasser.

Als Batman Selinas Appartment aufsucht, muss er gegen einen Panther kämpfen, obwohl er Tierquälerei nicht ausstehen kann. Armer Batman! Die Spur führt ihn zu einem Lagerhaus und dort kommt es zu einem erbitterten Kampf. Selina hasst Batman, macht ihm Vorwürfe, sie will ihn töten. Aber als er am Boden liegt, erbarmt sie sich seiner. Er zeigt sich verständnisvoll, gibt ihr eine zweite Chance, eine Katharsis („CATharsis“) und entschuldigt sich bei ihr.

Aufmerksame Leser werden sich wundern, dass Catwoman hier weiß, dass Batman Bruce Wayne ist. Diese Aufklärung hat es nie gegeben. Und tatsächlich: Autor Gerry Conway ist hier ein Fehler unterlaufen, der bald darauf wieder rückgängig gemacht wurde.

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Schwefelgeister und Killerbräute

DC Comics

Titel: Ghosts/Batman – Lobo: Deadly Serious

Autor/Zeichner: Sam Kieth

Erschienen: 2007/2010 (Batman Confidential #40-43, Batman/Lobo: Deadly Serious #1-2), Paperback 2018 (Batman: Ghosts)


Ein Killer geht auf Gothams Straßen umher. Er hat es auf Obdachlose abgesehen. Leichen mit zerrissenen Knochen liegen auf der Straße. Der einzige Hinweis: Spuren von Schwefel. Da der Stoff ein Bestandteil von Schießpulver ist, kommen für Batman alte Erinnerungen an sein Trauma hoch. Der Täter scheint nicht greifbar, scheint ein Geist zu sein – und er weiß über Batman Bescheid.

Batman wird angegriffen und von der fast blinden Sozialarbeiterin Callie gerettet. Sie hilft ihm, wird angefallen. Und kurz darauf spüren sie eine Anziehung zueinander. Denn auch sie hat durch Waffengewalt ihre Mutter verloren. Trotzdem bleibt ein Rätsel, warum sich so schnell Gefühle zwischen ihnen entwickeln, genauso was es mit dem Geist auf sich hat, oder warum Callie auch bei Schnee bauchfrei herumläuft. Das Ende ist sehr beliebig.

Auf rationaler Ebene ist da nicht viel zu holen. Wenn man sich die Bilder von Sam Kieth ansieht, kommt es auch mehr aufs Grafische an. Kieth zeichnet Figuren und Welt expressionistisch bis surreal. Alles ist verzerrt bis ins Extrem. In einer so irre erscheinenden Welt sucht man Sinn vergebens. Das funktionierte besonders in Arkham Madness sehr gut. Hier kann man nur dazu raten, die Sprechblasen zu ignorieren und einfach die Zeichnungen zu genießen – falls sie den eigenen Geschmack treffen.

Im zweiten Teil des Paperbacks ist der Zweiteiler Batman/Lobo: Deadly Serious enthalten. Batman wird auf ein Raumschiff im Weltall transportiert, auf dem eine Seuche um sich greift. Sie betrifft nur Frauen. Sie rauchen, trinken und töten. Zufällig ist Lobo auch da. Und so verbünden sich die ungleichen Partner, um die wildgewordenen Weiber in den Griff zu kriegen. Schließlich endet das Gemetzel auf der Erde …

Im Vergleich zu „Ghosts“ ist die Lobo-Story noch abgedrehter. Sam Kieth interessiert sich hier weder für Charaktere noch für irgendeine Dramaturgie. Nicht einmal für die übertriebene Gewalt. Mal zieht er sie ins Lächerliche, dann ins Nebensächliche und oft sieht man sie nur angedeutet, wenn man nach der Tat ein paar Knochen herumliegen sieht. Kieth macht sich selten die Mühe, einen Hintergrund zu zeichnen. So wirkt es, als würden seine verzerrten Figuren im leeren Raum handeln.

Wahrscheinlich soll das alles nur ein großer Spaß sein. Vielleicht mit sozialkritischen Untertönen. Aber nichts davon funktioniert wirklich, dass es einen bei der Stange hält.

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Duell unter roter Sonne

DC Comics

Titel: The Showdown Between Luthor and Superman

Autor/Zeichner: Edmond Hamilton/Curt Swan

Erschienen: 1963 (Superman #164)


Lex Luthor hat die Schnauze voll. Während er im Knast sitzt, fliegt Superman frei herum. Und warum? Nur weil Superman eifersüchtig ist auf das Genie! Es muss keinen großen Sinn ergeben, jedenfalls bricht Lex mal wieder aus (indem er eine Maschine zu einem Panzer umbaut). Und dann fordert er Superman zu einem Kampf heraus, bei dem beide die gleichen Chancen haben – ohne Superkräfte.

Man könnte argumentieren, was Lex an Kräften fehlt, hat er im Kopf. Man könnte sagen: Er ist schon so oft gegen Superman gescheitert, dass sich jeglicher weitere Zweikampf erübrigt. Superman muss also keinem noch etwas beweisen, Lex ist in der Bringschuld. Trotzdem willigt Superman ein. Warum eigentlich? Wegen seines Rufs. Superman fürchtet, für einen Feigling gehalten zu werden, wenn er die Herausforderung nicht annimmt. Die naheliegendste Lösung wäre, den flüchtigen Verbrecher wieder zu verknacken. Aber dann gäbe es die folgende Story nicht … Und so bleibt keine andere Erklärung als: Es geht ums Ego.

Um zu einem Planeten mit roter Sonne zu fliegen, baut Superman sogar eine Rakete. Sie fliegen auf einen Wüstenplaneten, bauen sich einen Ring, ziehen ihre Hemden aus und prügeln sich. Superman gewinnt, Lex liegt am Boden. Hier könnte die Geschichte zu Ende sein.

Doch als Superman Wasser holt, um Lex aus dem K.O. zu holen, lässt dieser einen Kakteenwald wachsen, sodass sie Superman zu erdrücken drohen. Dann rollt er noch einen Felsen auf ihn. Superman kann die Gefahren zwar abwenden, aber als ein Sandsturm ausbricht, verdurstet er fast in der Wüste.

Lex findet eine Stadt mit Menschen, macht sich beliebt, indem er böse Vögel verjagt und verspricht ihnen, mehr Wasser zu besorgen. Obwohl er alte Maschinen wieder instand setzt und fleißig gräbt, scheitert er. Am Ende findet ihn Superman, sie kämpfen noch einmal in einem Ring, Lex schickt einen Tornado und einen Roboterhund auf ihn los, aber Superman wird mit allem fertig, auch im Zweikampf mit Lex.

Doch der lässt sich absichtlich besiegen, damit er mit Superman zu einem Eisplaneten fliegen und den Menschen auf dem Wüstenplaneten Wasser verschaffen kann. Offenbar ist er nicht so ein Mistkerl, wie er gerne wäre. Aber das verrät er Superman natürlich nicht – so viel Ego muss sein.

>> Liste der Superman-Comics

Bruce liebt Selina: Ein Melodrama

Titel: Shadow of the Cat/The Cat Who Would Be King

Autor/Zeichner: Len Wein/Irv Novick

Erschienen: 1980 (Batman #323-324), Hardcover 2014 (Tales of the Batman: Len Wein),


Kaum hat Bruce Wayne die Beziehung mit Silver St. Cloud in den Sand gesetzt, taucht eine Frau aus seiner Vergangenheit in seinem Büro auf: Selina Kyle! Die ehemalige Catwoman ist auf Bewährung frei und will ein neues, ehrliches Leben anfangen. Dazu bittet sie Bruce um eine Chance. Sie will Geld, das sie geerbt hat, in Wayne Enterprises investieren. Selina verspricht: Catwoman hat sie hinter sich gelassen. Dass sie eine Katze dabeihat, lässt sie allerdings nicht sehr glaubwürdig erscheinen.

Zuerst ziert sich Bruce, er sorgt sich um den Ruf seiner Firma. Doch dann überlegt er es sich anders: Was, wenn er sie zurückweist und sie wieder kriminell wird? Da er sich das nicht verzeihen könnte, sagt er zu. Aber natürlich nicht, ohne dass Lucius Fox sie gründlich prüft.

Selina besucht Bruce – mit Katze

Mit diesen drei Seiten in Batman #308 (1979), die anfangs nur eine Nebenhandlung bilden, beginnt ein Handungsbogen, der sich über mehrere Ausgaben bis Batman #326 (1980) erstreckt. Autor Len Wein macht aus der Geschäftsbeziehung schnell eine Romanze, die dadurch verhindert wird, dass der Batman in Bruce Wayne bis zum Schluss an Selinas Rehabilitation zweifelt.

Bruce und Selina: Der erste Kuss

In Batman #313 kommt es zum ersten Abendessen – und dann auch gleich zum ersten Abschiedskuss. Selina gesteht ihm, dass sie nur zum einen wegen der „thrills“ Catwoman geworden sei, zum anderen, um Batmans Aufmerksamkeit zu erregen: Sie habe ihn geliebt. Und Bruce erinnere sie sehr an ihn …

Später findet Selina heraus, dass Bruce sie von Lucius hat untersuchen lassen – und sie ist gar nicht erfreut. Dafür gibt es Wasser ins Gesicht. Doch schon bald kann Bruce die Wogen wieder glätten und es gibt einen zweiten Kuss. Gegenüber Dick Grayson gerät er ins Schwärmen: „She is one fascinating woman!“

Bruce und Selina: Der zweite Kuss

Selina leidet allerdings unter mysteriösen Kopfschmerzen. Die Diagnose ist übel: Eine exotische Krankheit, sie hat nur noch einen Monat zu leben. Allerdings: Ihr Arzt weiß, dass die alten Ägypter ein Heilmittel hatten – leider ist es verloren gegangen. Zufällig findet Selina beim Museumsbesuch heraus, dass einige ägyptische Katzenstatuen offenbar Kräuter enthalten, die sie retten könnten.

In Batman #323-324 erreicht die Story ihren Höhepunkt. Aus einem Museum wurden ägyptische Katzenstatuen gestohlen. Obwohl er nur Indizien, aber keine Beweise hat, platzt Batman bei Selina rein, um sie zu verhaften. Als er sich von ihr nicht überzeugen lässt, wirft sie ihm eine Katze ins Gesicht und haut ab. Dabei hatte sie selbst mit dem Gedanken gespielt, die Statuen zu stehlen, um sich das Leben zu retten.

Batman trägt Catwoman

Um ihre Unschuld zu beweisen, steigt sie wieder ins Catwoman-Kostüm und ersucht Bruce um Hilfe. Eine eigenwillige Überzeugungsmethode, und so ist auch er nicht überzeugt. Bruce bietet ihr – wie Batman – auch nur Anwälte und Privatdetektive an, um sie zu entlasten. Catwoman und Batman untersuchen den Fall parallel und finden heraus, dass der Cat-Man dahintersteckt. In einer Höhle lockt der Schurke sie in eine Falle: ein Netz aus klebrigen Bändern, das die beiden Helden zu zerreißen droht. Aber dank Batman zerreißen nur die Kleider …

Batman und Catwoman in der Höhle

Er bringt Selina in die Bathöhle, versorgt sie mit einem alten Kostüm aus der Trophäensammlung und dann geht die Reise nach Griechenland. Dort versucht Cat-Man eine Insel zu kaufen. Batman und Catwoman verhindern das zwar, aber auch die Statuen gehen dabei verloren. Trotzdem erlebt Selina in Gotham eine Wunderheilung. Die nicht befriedigende Erklärung: Ein Fetzen von Cat-Mans Umhang hatte noch eines seiner neun Leben für sie übrig …

Es hilft alles nichts: Zwei Ausgaben später verlässt Selina Bruce und Gotham. Cat-Man habe alles, was sie sie sich habe aufbauen wollen, zunichte gemacht. Auch das überzeugt nicht, denn immerhin ist ihre Unschuld bewiesen. Der wahre Grund: Sie nimmt es Bruce immer noch übel, dass er ihr nicht vertraut hat, als sie ihn um Hilfe gebeten hatte. Melodramatisch reist sie ab, um in Ruhe über alles nachzudenken. Bruce macht sich Vorwürfe, zweifelt an seiner Rolle als Batman, verflucht sie sogar. Aber dann ruft die Pflicht – und alles ist wieder so wie immer.

>> Liste der Catwoman-Comics

Die recycelte Katze: Cat-Man

Als Catwoman in den Comics ihre zwölfjährige Pause machte, bekam Batman es mit einem anderen Katzenschurken zu tun: Cat-Man. Anfang der 60er schrieb Bill Finger drei Geschichten über ihn, allerdings zunächst nicht aus einer Inspiration heraus. Im Gegenteil. Cat-Man war zunächst nichts als ein männlicher Abklatsch von Catwoman.

Die Geschichte beginnt mit Challenge of the Cat-Man (Detective Comics #311, 1962): Der reiche Großkatzenjäger Thomas Blake langweilt sich. Er könnte sich die Zeit auch so verkürzen wie Bruce Wayne und das Verbrechen bekämpfen, aber da es ja schon einen Batman gibt, reizt ihn die Aufgabe nicht. Nein, vielmehr wäre er lieber ein Schurke. Nur so zum Spaß. Aber es muss etwas Originelles her, er braucht ein Thema, eine Masche.

Als er sich in seinem Privatzoo und seinem mit Katzen geschmückten Haus umsieht, erinnert ihn das an Catwoman. Sie soll einst Batmans größte Gegnerin gewesen sein, aber dann sei sie rehabilitiert (dass sie rückfällig geworden ist, weiß er entweder nicht oder spielt keine Rolle, denn Selina ist seit 1954 in keinem Comic mehr aufgetaucht). Außerdem sei sie „nur eine Frau“ gewesen. Nicht auszudenken, was er als Mann ausrichten könnte, denkt er und beschließt, zum Cat-Man zu werden.

Naja, originell ist es nicht wirklich, die Katzenmasche einfach zu übernehmen. Auch sein Kostüm, eine orange-gelbe Variation von Batman mit „CM“ auf der Brust, ist auch nicht gerade einfallsreich. Catwoman hat die Farbkombination bereits 1940 getragen, bevor sie später auf violett und grün umgestiegen ist.

Cat-Mans erster Raub

Passend dazu wird eine Woche später im Gotham Museum ein Flügel für altägyptische Kunst eröffnet. Ausgestellt wird eine goldene Katzenstatue: die Queen of all the Cats. Da taucht der Cat-Man aus einem Sarkophag auf und ernennt sich zum König aller Katzen. Unbemerkt bleibt, dass es auch schon einmal so einen Schurken gegeben hat (The King of the Cats! Batman #69, 1952).

Cat-Man im Cat-Car

Vor den Augen von Batman und Robin stiehlt er die Statue und haut mit seinem Cat-Car ab. Die Idee hat er ebenfalls von Catwoman geklaut. Bewundernswert ist nur, dass er es innerhalb von einer Woche konstruiert hat. Noch bewundernswerter ist sein Geheimversteck. In diesen „Catacombs“ (wieder bei Catwoman abgeguckt) hat er sogar eine riesige Roboterkatze, die er auf das Dynamische Duo hetzt. Das ist mal was Neues, aber Catwoman haben wir natürlich auch schon mal auf Riesenkatzen reiten sehen.

Cat-Man und die geigende Katze

Richtig dreist fällt der Abklatsch auf, als Catman zum Klub „Cat and the Fiddle“ fährt und auf einer Riesenkatze mit Geige gegen Batman kämpft. Auch das hat es schon mit Catwoman gegeben (Claws of the Catwoman, Batman #42, 1947)! Vorher begegnet ihm noch Batwoman und er bietet ihr an, sich zu verbünden, damit sie „King and Queen of Crime“ werden, was wiederum an die Story Catwoman – Empress of the Underworld (Batman #65, 1951) und den King of Cats erinnert. (Auch Catwoman hat Batman die Partnerschaft angeboten.) Selbst Cat-Mans Ende ist abgeguckt: Er verschwindet in den Fluten eines Wasserfalls …

Cat-Man scheint sich seiner wahren Motive zunächst nicht bewusst zu sein. Im Laufe der Geschichte wird klar, dass er sein Vermögen verzockt hat und offenbar wieder Geld braucht, um wieder so reich zu werden, wie andere es von ihm denken.

Auch wenn sein Schöpfer Bill Finger jegliche Kreativität bei dieser Figur vermissen ließ, kehrte Catman bald darauf zurück – aber noch dreister als zuvor. Denn The Cat-Man Strikes Back (Detective Comics#318, 1963) ist fast identisch mit der Story Claws of the Catwoman (Batman #42, 1947). Entweder haben es die Redakteure nicht gemerkt, dass ihnen ihr Autor dieselbe Geschichte zweimal verkauft hat, oder man dachte sich, es würde den jungen Lesern nicht auffallen, denn vor 16 Jahren waren die meisten noch nicht geboren.

Cat-Man rettet Batwoman

Wieder gibt es die ganzen Anspielungen auf Katzenliteratur, den gestiefelten Kater, Alice im Wunderland, wieder hängen die Kätzchen am Baum usw. Neu ist die Handlung mit Batwoman. Durch ihre Fehler lässt die Cat-Man davonkommen, Batman macht ihr Vorwürfe, aber weil Cat-Mans Angebot noch steht, sich ihm anzuschließen, er ihr das Leben rettet und behauptet, sie zu lieben, wechselt sie die Seiten.

Batwoman als Catwoman

Batwoman wird zur neuen Cat-Woman, aber das nur für etwa ein paar Minuten. Denn kaum hat sie das neue Kostüm angezogen, tauchen Batman und Robin im Versteck des Katzenmannes auf. Batwoman hat sie hergeführt. Doch Cat-Man durchschaut das Falschspiel. Am Ende befreit der Bat-Hound die beiden Helden aus der Falle, Batwoman macht sich doch nützlich und Cat-Man stirbt scheinbar bei der Flucht in einem Motorboot – aber nur bis zur nächsten Ausgabe.

Beim dritten Mal wird es spannender. Zwar bemüht Bill Finger wieder die alte Leier, dass Katzen neun Leben haben, doch im Vergleich zu Catwoman, die damals nur so getan hat, als ob es so wäre (Nine Lives Has The Catwoman, Batman #35, 1946), kann Cat-Man tatsächlich neun Mal weiterleben, obwohl er tot sein müsste. Zwei Male hat er bereits in den ersten beiden Geschichten verbraucht, den Rest macht er in „The Strange Lives of the Cat-Man“ (Detective Comics #325, 1964) zunichte.

Cat-Mans Kostüm verleiht neun Leben

Zuerst entführt er einen schwarzen Löwen und macht auf der Flucht einen halsbrecherischen Sprung in die Tiefe, dann lässt er einen Stromschlag über sich ergehen. Batwoman kommt dem Rätsel auf die Spur: Cat-Mans Kostüm besteht aus einem mysteriösen Stoff, der von Katzenanbetern auf einer pazifischen Inseln stammt, dieser verleiht ihm seine Kräfte. Also steigt Batwoman in das Catwoman-Kostüm, das er für sie genäht hat, rettet Batman und Robin das Leben, indem sie durch einen Ring aus Feier läuft und sie daraus befreit.

Als Catwoman verfolgt sie Cat-Man, verbraucht weitere zwei Leben, will ihn verhaften, doch erst mit den vereinten Kräften von Batman und Robin kriegen sie ihn endlich hinter Gitter. Am Ende hat er nur noch ein Leben übrig.

Auch wenn die Figur zunächst nur eine dreiste Kopie war, entwickelte sie dank der Catwoman-Story zu eine gewisse Eigenständigkeit. Aber richtig durchgesetzt hat sie sich nicht. Besonders als bald darauf die echte Catwoman zurückkehrte, war Cat-Man überflüssig. Mit dem Original konnte er ohnehin nicht mithalten. Zumindest vorläufig.

Erst in den 80ern bekam er ein Comeback (dann ohne den Bindestrich), als gemeinsamer Gegner von Batman und Catwoman, in den 90ern bekam er ein neues Kostüm. Später schloss er sich Schurkengruppen wie den „Misfits“ und den Secret Six an.

Weitere Auftritte von Catman (Auswahl):

  • Batman #323-324, 1980
  • Detective Comics #509, 1981
  • Batman #371/Detective Comics #538 1984
  • Detective Comics #612, 1990
  • Heat (Legends of the Dark Knight #46-49, 1993)

>> Liste der Catwoman-Comics