Autor: Lukas

Beruflich Online-Redakteur, privat Comic-Blogger.

Riddler als Regisseur

That’s why the Riddler is a Tramp …

Titel: Death in Slow Motion/The Riddler’s False Notion (dt. Das Stummfilmfestival)

Drehbuch: Richard Carr

Erschienen: 1966 (S01E31-32)


Bei einem Stummfilmfestival taucht der Riddler verkleidet als Charlie Chaplins Tramp auf und raubt die Einnahmen. Nur 200 Dollar – das ist aber nur der Anfang. Danach ist eine Bäckerei dran, dort werden Torten mit „sleeping cream“ geworfen. Und schließlich führt die Spur zu einer Bibliothek. Die ist leider wegen fehlender Mittel mittwochs geschlossen, aber zum Glück hat Batman den Batkey dabei, einen Generalschlüssel für jede Tür.

Passt überall: der Batkey.

Doch kaum betritt das Dynamische Duo die Bibliothek, fällt ein riesiges Buch über Stummfilme auf sie drauf – „Holy headache!“ – und offenbart ihnen zwei weitere Rätsel. Auf einer Party versetzt der Riddler eine Limonade mit einer Droge, die die Gäste aggressiv macht, eine Schlägerei bricht aus. Draußen wird Robin kein bisschen misstrauisch, als er eine seltsam gekleidete Schäferin trifft, die ihn daraufhin betäubt, um ihn zu entführen und entzwei zu sägen. Batman lässt sich dann merkürdigerweise sehr viel Zeit, um seinen Partner zu retten. Und tatsächlich wäre er zu spät gekommen, wenn der Riddler es sich nicht anders überlegt hätte, um den Wunderknaben anders zu erledigen.

Riddler als Stummfilm-Regisseur – samt Crew.

Doch was hat der Riddler vor? Er filmt das alles mit seiner Crew aus Handlangern und der obligatorischen Femme fatale. Dabei hat er offenbar eine Zauberkamera, die zwar immer nur aus einer Perspektive filmt, aber trotzdem alle möglichen Einstellungen einfängt. Am Ende entsteht der erste Batman-Stummfilm. Den will der Riddler für viel Geld einem Sammler verkaufen, doch das ist ihm noch zu wenig. Der Riddler wird zum räuberischen Cowboy …

Zu groß für jeden Couchtisch: Die Geschichte des Stummfilms.

In dieser Doppelfolge wird von Anfang an viel gelacht, obwohl eigentlich kaum etwas witzig ist. Frank Gorshins Auftritt als Tramp ist erschreckend einfallslos, sodass man sich fragt, ob die Umstehenden unter Joker-Gas stehen. Eine verschenkte Chance, denn das Thema Stummfilm hätte einiges an Potenzial gehabt. Hierfür wäre der Joker vielleicht auch die besser Wahl gewesen. Und tatsächlich: Ein Jahr zuvor erschien ein Comic, in dem der Joker sich wie Stummfilmstars verkleidete – angefangen mit dem Tramp (The Joker’s Comedy Capers, Detective Comics #341, 1965).

Ein kleines Highlight dieser Episode: Batman bringt neben Riddlers Handlangerin auch Commissioner Gordon in die Bathöhle, als Zeugen fürs Verhör, falls er sich nicht mehr beherrschen könnte, Gewalt anzuwenden. Gordon wird zur Anstandsdame und lässt sich bereitwillig von Batman ausknocken, bevor der ihn in die Höhle fährt. Dort probiert Batman eine Art chemischen Lügendetektor an der jungen Dame aus.

Zweites Highlight: Als der Riddler Robin von einem Hochhaus stürzt, wirft ihm Batman einen Batarang zu, den Robin mit den Zähnen auffängt. An diesem kann Batman ihm dann hochziehen. Also immer schön Zähne putzen, Kinder!

Und liebe Drehbuchautoren: Witzig ist es nicht, wenn die Figuren lachen, sondern wenn das Publikum lacht.

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„A Death in the Family“ wird zum interaktiven Film

Die Storyline A Death in the Family schrieb im Jahr 1988 Comic-Geschichte. Damals standen die Leser von Batman vor einer folgenschweren Entscheidung. Sollte Robin (Jason Todd) sterben, nachdem er vom Joker mit einer Brechstange erschlagen wurde? Die Leser durften per Anruf abstimmen. Das Votum fiel knapp aus. Das Urteil lautete Tod. Jason starb, Batman war für eine Weile untröstlich, bis er dann sehr schnell Trost und Ersatz in Robin III, Tim Drake, fand. Später kehrte Jason Todd – ganz ohne Leservotum – von den Toten zurück und treibt seitdem als Killer Red Hood sein Unwesen.

Warner Bros.

Verfilmt wurde diese Geschichte in Kurzform bereits im Prolog von Under the Red Hood (2010). Jetzt hat DC eine Langfassung der besonderen Art angekündigt: Batman: Death in the Family – als „Interactive Movie“. Die Zuschauer können dann wie damals selbst entscheiden, was aus Jason Todd wird. Nach der Schlüsselszene gibt es drei Optionen und der Trailer deutet an, dass es auf Hush, Red Hood oder Red Robin (mit Panzerfaust) hinauslaufen kann – auch Two-Face wird dabei sein.

Der interaktive Film von Brandon Vietti soll am 13. Oktober 2020 in den USA herauskommen – auf Blu-ray und auch in digitaler Form, dann allerdings nicht interaktiv (Under the Red Hood: Reloaded). Zu dem Hauptfilm wird es als Bonus eine Zusammenstellung von bereits anderweitig veröffentlichten Kurzfilmen aus der Reihe DC Showcase geben: Sgt. Rock, Death, Phantom Stranger und Adam Strange.

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Catwoman, Cash und Cavalier

DC Comics

Titel: Batman/Catwoman: Follow the Money

Autor/Zeichner: Howard Chaykin

Erschienen: 2011 (One-shot)


In den 40er-Jahren gehörte der Cavalier zu den obskureren Gestalten in Batman-Comics: ein Typ im Musketier-Kostüm und elektrisch geladenem Schwert, der eigentlich Mortimer Drake hieß und in der High Society Bekanntschaft mit Bruce Wayne machte. 1992 gelang es zwar in Blades, diese Figur zu einem echten Schurken zu machen, aber dabei blieb es. 2011 kramte Howard Chaykin ihn wieder hervor.

Er ist immer noch der Musketier mit dem elektrischen Degen. Mal nervt er Batman, mal nervt er Catwoman – und beide Male entkommt er, ohne dass man so richtig weiß, warum ihm niemand hinterher rennt. Vielleicht weil der Mann einfach nicht die Mühe wert ist.

Batman bekommt kurz darauf ein anderes, echtes Problem: Bei Wayne Enterprises hat sich jemand mit dem Pensionsfonds davongemacht. Drei Mitarbeiter sind verdächtig, sie haben das Land verlassen. Batman muss das Geld wiederbeschaffen – auch weil die Ermittler auf Batman stoßen könnten, wenn sie zu genau in die Buchhaltung des Unternehmens schauen. Batman verbündet sich mit Catwoman, um das Problem zu lösen. Das bedeutet aber: Batman muss selbst zum Dieb werden. Und so muss er moralische Flexibilität beweisen.

Das Problem ist schnell und mühelos gelöst – eine Routineaufgabe, würde zwischendrin nicht der Cavalier eine Opernsängerin auf der Bühne entführen. Warum er das tut? Keine Ahnung. Wahrscheinlich weil ihm der Name der Oper gefällt: Der Rosenkavalier … Jedenfalls können ihn weder Batman noch Catwoman fassen. Am Ende geht es dann doch superleicht.

Ich war noch nie ein Fan von Howard Chaykin (Thrillkiller, Dark Allegiances), weder von ihm als Erzähler noch als Zeichner. Follow the Money reiht sich ein in diese Comics der Belanglosigkeit.

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Alex Ross: Einblicke eines Comic-Künstlers

Seit drei Jahren erklärt Comic-Künstler Alex Ross seine Arbeit in seinem YouTube-Kanal. Meistens sind es kurze Clips zu einzelnen Themen, wie etwa Batman oder Shazam. Jetzt hat Ross ein halbstündiges Video veröffentlicht, in dem er nicht nur erklärt, was er seit der Coronakrise gemacht hat, sondern er beantwortet auch Fragen seiner Fans: zu seinem Meisterwerk Kingdom Come, zu seinem realistischen Malstil und zu seinem Arbeitsprozess. Das ist nicht nur für Zeichner und alle, die es werden wollen, interessant, sondern auch für alle Fans, die mehr über die Kunst und das Handwerk hinter den bunten Bildern wissen wollen.

Green Lantern, Aquaman, Flash, Superman, Batman, Wonder Woman, Martian Manhunter

JLA von Alex Ross (DC Comics)

Ross erklärt auch, was ihn zum Arbeiten antreibt – und das ist ernüchternd: Er muss ganz einfach Geld verdienen. Und sein Tipp, wie man ein Comiczeichner wird? Man muss es zu den Job machen, noch bevor man dafür bezahlt wird. Das heißt auch: viele Dinge zu zeichnen, auf die man nicht unbedingt Lust hat, nicht nur Pin-ups, sondern auch ganze Comicseiten. Am Ende ist das Dasein als Künstler also auch nur ein Broterwerb mit viel Kärrnerarbeit.

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Der rätselhafte Edward Nigma

DC Comics

Seien wir ehrlich: Warum eigentlich halten wir den Riddler für einen coolen Schurken? Wenn man sich die Figur bis zum Jahr 1990 ansieht, ist daran gar nichts cool. Potenzial hat er ja, mit seinen Rätseln, aber meistens ist die Figur lächerlich, die Rätsel sind belanglos und die Auflösungen lachhaft weit hergeholt. Zwar gab es mit Dark Night, Dark City den Versuch, das zu ändern, aber dann fiel man doch wieder ins alte Schema zurück. (Ganz zu schweigen von Jim Carrey in Batman Forever …)

Erst in den 2010er-Jahren wird der Riddler wieder dauerhaft zu einem ernstzunehmenden Schurken umgeschrieben. Das alte Spandex-Kostüm ist vergessen. Man trägt den grünen Anzug samt passendem Bowler. Nach dem Reboot von The New 52 wird er in Zero Year (Jahr Null) zu Batmans erstem großen Gegner (nach dem Anführer der Red Hood Gang), in Earth One Vol. 2 wird er zum Terroristen, der sogar ohne Kostüm auskommt. Der Riddler schöpft in beiden Geschichten sein Potenzial aus und tritt endlich als das Mastermind auf, für das er sich bisher nur gehalten hat. (Später führt er sogar einen Krieg gegen den Joker.)

Der verliebte Riddler

Doch auch in drei Kurzgeschichten aus diesem Jahrzehnt schafft er es, immer wieder zu überraschen: Zum einen, weil er mehr Menschlichkeit bekommt. In „The House the Cards Built“ (Joker’s Asylum: The Riddler #1, 2010) verliebt sich Edward Nigma erstmals. Bei einem Raub lernt er eine Kunststudentin kennen. Er entkommt einer Begegnung mit Batman und schickt ihr daraufhin Blumen und Geschenke – doch sie schickt alles wieder zurück. Dann zahlt er ihren Studienkredit ab – doch sie kann man nicht kaufen. Schließlich bietet ihm ein Schurke Hilfe an und Edward setzt alles an, um das größte Rätsel seiner Laufbahn zu lösen. Ich will nicht zu viel verraten, aber die Sache geht natürlich nicht gut aus. Für den Leser aber endet es überraschend und mit einer offenen Frage …

In „Solitaire“ (Batman #23.2: The Riddler, 2013) bricht der Riddler in das Wayne Enterprises Tower ein. Mühelos dringt er durch die Sicherheitsvorkehrungen, überwältigt das Personal – und wozu? Alles nur, um eine Kleinigkeit zu rächen, die lange her ist. Edward Nigma ist ein Mann, dem neben seinem Ego auch Details wichtig sind.

Der Riddler bleibt sich treu

Rätselhaft verhält sich der Schurke ebenfalls lange in „Riddler in the Dark“ (Legends of the Dark Knight 100-Page Super Spectacular #2, 2014). Gleich zu Beginn lässt er sich von der Polizei festnehmen, bevor er sie auf ein Rätsel aufmerksam macht. Batman zieht los und findet einen geheimen Server in einem Zug – und stößt auf Black Mask … Wieder mal stellt sich die Frage: Hätte man das, was der Riddler will, nicht einfacher haben können?

„You know, Riddler, there are easier ways“, sagt Batman. „It doesn’t always have to be a riddle.“ Und der Riddler antwortet knapp: „For you, perhabps. Not me.“ Also finden wir uns damit ab: Ein Detektiv braucht Rätsel, die er löst. Und er braucht jemanden, der sie aufgibt. Der Riddler ist die Verkörperung dieses Prinzips. Mal albern und harmlos, mal tödlich ernst. Aber Hauptsache er bringt mit seinem erfrischenden Grün Farbe in das allzu schwarze Gotham. Grün wie die Hoffnung, dass sich jedes noch so knifflige Rätsel auch lösen lässt.

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Batman und Robin gegen Waffennarren

DC Comics

Titel: Seduction of the Gun

Autor/Zeichner: John Ostander/Vince Giarrano

Erschienen: 1992 (One-shot)


„I learned at an early age what guns could do.“ (Batman)

Ein Deal geht schief: Eigentlich sollten zwei Banden miteinander Drogen gegen Waffen tauschen – doch als die Polizei auftaucht, endet es mit Toten, auch ein Polizist stirbt dabei. Die eine Gang, die New Zealot Nation, entkommt. Batman und Gordon quetschen einen Informanten aus, den Waffendealer Lasker. Er soll ihnen helfen, die gesuchte Gang zu fassen. Während Batman sich als Lasker verkleidet, geht Robin undercover in eine Schule, um Laskers Tochter zu beschützen – doch die hat bereits eine Waffe.

Seduction of the Gun handelt vom Waffenwahn in den USA und stellt ihn auch genauso dar: als Wahnsinn. Völlig skrupellose Ganoven töten hier aus dem geringsten Anlass, und sei es, weil jemand gerade nervt und man ihm die Schuhe neidet.

Batman hält aus Erfahrung nichts von Schusswaffen, da er als Kind seine Eltern durch eine verloren hat. Er hält daher auch nichts von der Binsenweisheit, dass Menschen töten und nicht Waffen. Denn ohne eine Waffe hätte der Mörder auch nie seine Eltern töten können. Sein Appell: Es endet erst, wenn wir entscheiden, es zu beenden.

Bruce Wayne hält wenig von Waffen. (DC Comics)

Commissioner Gordon trifft einen Waffenhersteller, der sich von jeder Schuld reinwäscht, weil er nun mal nur eine Nachfrage bedient, die schon da ist. Sein größtes Problem ist, dass Waffen heutzutage einfach zu gut sind und man die Waffen ständig sexier machen muss, um die Kunden zum Kauf zu verführen. Zwar wirbt er damit, dass auf seinen Waffen keine Fingerabdrücke hinterlassen werden können, aber mit Gangs will er nichts zu tun haben.

Helfen mehr Waffen gegen Waffen?

Tim Drake hört in der Schule von den Erfahrungen der Schüler: Fast jeder ist dort entweder Opfer von Waffengewalt geworden oder kennt zumindest jemanden, der es ist. Waffen werden in die Schulen geschmuggelt und selbst Metaldetektoren nützen dagegen wenig. Wenn sie einen Politiker sagen hören, die einzige Lösung sei es, alle mit Waffen auszustatten, können sie darüber nur Tränen lachen. Es dürften bittere Tränen sein.

Waffen können tödlich sein – besonders für Minderjährige. (DC Comics)

Eine Geschichte wie diese kann nicht gut ausgehen. Es spielt kaum noch eine Rolle, ob Batman und Robin, den „Schurken“ fassen, wenn bis dahin noch weitere Menschen durch Kugeln sterben. Seduction of the Gun ist eine Geschichte mit Haltung, die nicht ohne Pathos und Ansprachen auskommt, aber es ist auch eine verstörende Geschichte, die den Mut beweist, Gewalt in seinem ganzen furchtbaren Ausmaß zu zeigen und zu problematisieren. Erschreckend ist es, zu sehen, dass dieses Special aus dem Jahr 1992 stammt und nach fast 30 Jahren dieselbe Debatte immer noch mit denselben Argumenten und Pseudo-Argumenten geführt wird. Diese Realität macht diese Story noch deprimierender.

Als das Heft herauskam, wurden die Einnahmen einer Stiftung gespendet, die sich für Waffenkontrolle einsetzt. Vielleicht wäre es eine gute Idee, diesen Comic neu aufzulegen und gratis an allen US-Schulen zu verteilen.

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Catwoman auf Waffenjagd

DC Comics

Titel: Batman and Catwoman: Trail of the Gun

Autorin/Zeichner: Ann Nocenti/Ethan van Sciver

Erschienen: 2004 (Zweiteiler)


In Gotham treibt ein neuer Schurke sein Unwesen: kein Mensch, kein Monster, sondern eine Superwaffe, die immer ihr Ziel trifft und garantiert tötet. Die ersten Opfer hat sie bereits gefordert. Jetzt ist nicht nur Polizei auf der Suche nach ihr, um weitere Morde oder Bandenkriege zu verhindern, auch ein Waffenhändler will sie haben, um sie nachbauen zu können – er bietet zwei Millionen Dollar Finderlohn an. Catwoman nimmt die Herausforderung an. Von Anfang an ist klar: Das wird nicht gut ausgehen – und Catwoman selbst steht unter Mordverdacht. Und dann kommt ihr Batman in die Quere und hält ihr eine Standpauke über seine Einstellung zu Schusswaffen …

Die Handlung spielt allerdings nur eine untergeordnete Rolle. Im Grunde ist Trail of the Gun ein einziger Kommentar zur Waffendiskussion in den USA. Autorin Ann Nocenti lässt verschiedene Sichtweisen aufeinandertreffen: Waffenkritiker und Lobbyisten, Hersteller und Opfer. Catwoman ergreift zunächst die Seite der Befürworter, nachdem sie erfährt, dass die Waffe für manche auf der Straße überlebensnotwendig ist. Batman zeigt ihr, dass erst die Verfügbarkeit von Schusswaffen möglich macht, dass täglich zehn Kinder durch sie sterben. Ein anderer erklärt ihr, inwiefern Waffen per se für Rassismus stehen.

Diskussion um Waffenregulierung

Das Ganze liest sich wie ein wütender Aufschrei gegen die Waffenlobby, die laschen Waffengesetze, die untätige Politik und das Verbrechen. Aus US-Sicht ist das sicher ehrenwert und notwendig, wenn auch vergeblich, weil 16 Jahre nach dem Erscheinen dieses Zweiteilers sich immer noch nichts an den Zuständen geändert hat und die Diskussion nach jedem Amoklauf immer wieder dieselbe ist. Das ist zwar auch aus europäischer Sicht ein Aufreger, aber hier stellen Waffen eben kein so großes Problem dar. Die Story wirkt aber arg konstruiert, um alle Positionen überzeichnet darzustellen und hinterher zu einer weit hergeholten Auflösung zu kommen.

Ethan van Sciver zeichnet eine altmodische Catwoman im grauen Kostüm mit großen Katzenohren und langen Schnurrbarthaaren, dazu mit langem wallenden Haar. Seine Panels sind extrem detailreich, was den Zeichnungen eine Art Überrealismus verleiht: jedes Haar, jede Falte schreit nach Aufmerksamkeit. Das ist zwar handwerklich gut gekonnt und anfangs auch beeindruckend, aber auf Dauer auch anstrengend anzuschauen. Zusammen mit der stark aufgeladenen Botschaft, mit der man auf jeder Seite konfrontiert wird, ist Trail of the Gun im privaten Comicarchiv unter G wie gut gemeint einzusortieren.

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Neues Watchmen-Spin-off: „Rorschach“

DC Comics

DC kann’s nicht lassen. Vor nicht einmal einem Jahr ging die Watchmen-Fortsetzung Doomsday Clock zu Ende. Jetzt hat der Verlag eine neue zwölfteilige Serie angekündigt: Rorschach. Starten soll sie am 13. Oktober 2020. Geschrieben wird sie von Tom King und gezeichnet von Jorge Fornés, die beide schon an der Batman-Serie zusammengearbeitet haben.

DC Comics

Die Handlung spielt 35 Jahre nach Watchmen. Rorschach ist nach seinem Tod zur Ikone geworden. Dann taucht er wieder auf, um zusammen mit einem anderen Vigilanten den Kandidaten zu ermorden, der Präsident Robert Redford ablösen soll. In der Ankündigung heißt es:

Follow one determined detective as he walks backward in time, uncovering the identities and motives of the would-be killers, taking him deep into a dark conspiracy of alien invasions, disgraced do-gooders, mystical visions, and yes, comic books.

Es ist nicht das erste Spin-off zu Rorschach. Im Jahr 2012 hat es im Rahmen der Reihe Before Watchmen eine vierteilige Rorschach-Minserie von Brian Azzarello und Lee Bermejo gegeben – und schon die wäre nicht unbedingt nötig gewesen. In Doomsday Clock hat Rorschach in Reggie Long einen Nacheiferer gefunden, der sein Vorbild missverstanden hat. Die Watchmen-Serie auf HBO hat es geschickt geschafft, das schwierige geistige Erbe dieser Figur einer Gruppe von White Supremacists anzudichten, der Seventh Kavalry.

King kündigt für seinen Comic ebenfalls einen politischen Kommentar zum Zeitgeschehen an:

„Like the HBO Watchmen show and very much like the original ‘86 Watchmen this is a very political work. It’s an angry work. We’re so angry all the time now. We have to do something with that anger. It’s called Rorschach not because of the character Rorschach, but because what you see in these characters tells you more about yourself than about them.“

King ist zwar Eisner-Preisträger, hat zuletzt aber einen zähen und bestenfalls umstrittenen Batman abgeliefert. Eine Batman/Catwoman-Serie ist angekündigt. Er hat auch Mister Miracle, The Sheriff of Babylon und Vision geschrieben.

Was auch immer der Autor mit dem Charakter macht: Watchmen-Autor Alan Moore dürfte dagegen sein. Er hält weder etwas von den Verfilmungen noch den Comics zu seinem Klassiker.

White Knight geht weiter mit Harley Quinn

DC Comics

Die deutsche Paperback-Ausgabe von Curse of the White Knight (Der Fluch des Weißen Ritters) gibt es schon im Laden (ich warte immer noch auf die englische, die erst im September herauskommt), nun hat DC Nachschub angekündigt: Am 20. Oktober 2020 startet die sechsteilige Miniserie Batman: White Knight Presents Harley Quinn. Diese spielt zwei Jahre nach den Ereignissen des „Fluchs“ und behandelt die Rolle von Harley Quinn als Mutter von Zwillingen.

Geschrieben wird die Story von Katana Collins, Ehefrau von Sean Murphy, dem Autor und Zeichner von Batman: White Knight und Curse of the White Knight. Murphy ist hier als Co-Plotter und Cover-Zeichner beteiligt. Für die Zeichnungen im Inneren wird Matteo Scalera verantwortlich sein.

Ein erster Spin-off von White Knight war im vergangenen Jahr Batman: White Knight Presents Von Freeze. Ferner hat Murphy auch neue Storys zu Nightwing und Batgirl angekündigt, allerdings noch ohne Details zu nennen.

Eine gemeinsame Arbeit von Collins und Murphy gibt es schon am 31. Juli zu sehen: Sie gestalten gemeinsam das sechste Kapitel der Digital First-Serie Harley Quinn: Black + White + Red.

>> Harley Quinn-Comics

Riddler wird Privatdetektiv

DC Comics

Titel: E. Nigma, Consulting Detective/Honor Among Thieves

Autor/Zeichner: Paul Dini/Don Kramer

Erschienen: 2006/2007 (Detective Comics #822/837), Paperback 2015 (Batman Arkham: Riddler)


Ein Jahr lang lag der Riddler nach einer Kopfverletzung im Koma, jetzt ist er wieder da: Zurück im Bowler, grünem Jackett und mit Krawatte – und einer neuen Profession. Denn der neue Edward Nigma verspürt nicht mehr den Zwang, Verbrechen zu begehen und Rätsel als Hinweise zu hinterlassen, nein, er setzt sein Genie dafür ein, um Rätsel zu lösen, als Privatdetektiv. (Das größte Rätsel bleibt jedoch, warum er immer noch Fragezeichen auf dem Jacket trägt.)

Sein erster Fall ist ein Mord und er führt ihn zu Bruce Wayne. Zusammen mit James Gordon fragt er ihn nach dem Opfer, Karrie Bishop, aus, einer Frau, die Bruce nur flüchtig kannte. Jemand hat sich als Bruce ausgegeben. Batman und Riddler verbünden sich, um den Fall zu lösen.

Die Geschichte ist ein klassischer Whodunit, führt in Gothams Rotlicht- bzw. S/M-Szene. Der Riddler löst den Fall nur scheinbar, denn am Ende ist wie immer alles ganz anders als gedacht, wodurch es dann doch wieder ziemlich wie erwartet läuft.

Ein paar Detective-Ausgaben später spielt Batman kaum eine Rolle. Bruce Wayne gibt Edward Nigma den Auftrag, nach einer Angestellten zu suchen, die mit einem Kraft-Serum verschwunden ist. Edwards Recherche führt ihn nach Metropolis, wo er im „Athenian Women’s Help Shelter“, einer Art Amazonen-Camp, auf Harley Quinn trifft. Diese kapert dann die Story. Nach einer albernen Rückblende in Harleys jüngste Vergangenheit gibt es eine Prügelszene mit der Schurkin, bis Edward sie ausknockt.

Eine richtige Riddler-Story ist das nicht, eine Batman-Story noch weniger. Und von Paul Dini hat man auch schon Unterhaltsameres gelesen als diesen belanglosen Quark.

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