Robin

Batmans böses Omen

DC Comics

Titel: Resurrection Night

Autor/Zeichner: Doug Moench/George Perez, Joe Kubert, Bill Sienkiewicz, Brian Bolland, John Byrne u.a.

Erschienen: 1986 (Batman #400)


Zur 400. Ausgabe von Batman hat DC ein 60-seitiges Jubiläumsheft mit einem All-Star-Aufgebot herausgebracht. Nicht nur eine Reihe bekannter Zeichner, sondern auch alle klassischen Schurken tauchen in der Story von Doug Moench auf.

Zeitgleich werden die Insassen von Arkham und Blackgate befreit. Batmans Erzfeinde schlüpfen in ihre Kostüme und entführen Vicky Vale, Harvey Bullock sowie Julia und Alfred Pennyworth. Dann übernimmt der Joker zusammen mit Pinguin und Mad Hatter das Polizeipräsidium und erklärt Commissioner Gordon zur Geisel.

Hinter der Aktion steckt Ra’s al Ghul. Er will – mal wieder – Batman auf seine Seite ziehen. Ra’s bietet ihm an, ihm zu helfen, alle Schurken auf einmal zu fassen oder auch zu töten. Auch wenn Batman das Angebot ausschlägt, gerät er doch in Selbstzweifel, seine Mühe könnte vergeblich sein. Selbst Alfred interpretiert Batmans Feldzug als Scheitern, denn es sei ihm nicht gelungen, seine Gegner zu resozialisieren. Am besten wäre eine Welt, die keine Gefängnisse nötig hat – aber damit setzt er die Messlatte ins Unerreichbare.

Robin und Catwoman unterstützen Batman als Sidekicks. Wie immer taucht Talia als Helferin in der Not auf, verschwört sich gegen ihren Vater und erklärt: Ra’s will Batman nicht wirklich bekehren, sondern ihn als Mann zerstören, er will seinen Geist brechen.

Und hier wird es interessant. Denn in gewisser Weise nimmt die Story (wissentlich oder nicht) viele weitere wichtige Ereignisse der späteren Jahre vorweg. Eine ähnliche Agenda wird Bane in Knightfall (1993) haben und sogar ähnlich vorgehen. Auch er wird die Arkham-Insassen befreien, was sich später auch durch das Beben wiederholen wird. Und Killer Croc spricht in Batman #400 sogar davon, Batmans Rückgrat brechen zu wollen.

Mehr noch: Ra’s Geheimversteck unter einer Windmühle wird von einem Erdbeben zerstört. Und als kurz darauf Batman mit seinen befreiten Freunden in der Bathöhle sein Jubiläum feiert (nicht gesagt wird, wie viele Jahre Batman im Dienst ist), setzt ein Nachbeben ein, das einen Stalaktiten von der Höhlendecke abbrechen und in die Torte fallen lässt. „An omen?“, fragt Robin, wie damals Bruce, als die Fledermaus in sein Fenster geflogen kam. „Yes“, sagt Batman. „A single ‚candle‘ … to mark the first night of a new beginning … an nothing, my friends — to laugh about.“ Es wirkt, als würde Batman bereits voraussehen, dass die Höhle ein Jahrzehnt später zusammen mit Gotham City bei einem Beben zerstört werden wird.

Man kann einwenden, dass Batman nur meint, es gehe eine Ära zu Ende, weil das DC-Universum nach der Crisis on Infinite Earths neu geordnet wird. Aber selbst dann drückte Batman den Pessimismus aus, dass alles noch schlimmer werden würde. Man kann auch einwenden, es sei unwahrscheinlich, dass ein Autor die Doug Moench so weit vorausgeplant hat. Aber darum geht es nicht: Im Rückblick erscheint diese Story prophetisch – und sei es nur durch schieren Zufall.

>> Liste der Ra’s al Ghul-Comics
>> Detective Comics #500

Robin mag keine Hippies

DC Comics

Titel: The Cry of Night is — ‚Sudden Death!‘

Autor/Zeichner: Mike Friedrich/Bob Brown

Erschienen: 1969 (Detective Comics #387)


30 Jahre nach dem Debut von Batman in Detective Comics #27 hat DC die Geschichte neu erzählt – allerdings mit großen Unterschieden. Der Titel ist anders, Robin ist da und es fehlt natürlich der Reiz des Neuen. Batman ist kein Mysterium mehr, sondern längst etabliert. Daher sehen wir auch keinen Bruce Wayne, der gemütlich mit Gordon raucht. Der Commissioner ist zu Beginn der Geschichte am Tatort und verdächtigt den jungen Mel Lambert, seinen Vater ermordet zu haben.

Batman redet Gordon den Verdacht schnell aus. Gordon steht ziemlich blöd da, als inkompetenter Polizist. Der Verdächtige ist nicht irgendein Typ, sondern ein Repräsentant der Jugendkultur: ein Hippie mit langen Haaren, Peace-Zeichen-Anhänger und Motorrad. Als das Dynamische Duo eintrifft, nennt er sie ironisch „Big Brother and the Holding Company“, aber Batman versteht die Anspielung – er weiß sogar, dass Janis Joplin die Leadsängerin ist. (Allerdings hat die Anspielung einen doppelten Boden: „Big Brother“ lässt auch an den Überwachungsstaat von 1984 denken.)

Doch während Batman damit beweist, auf der Höhe der Zeit zu sein, und damit keineswegs, wie ihm Lambert vorwirft, Teil des Systems, stellt sich der junge Robin als Gegenpol heraus: „Punks like Mel Lambert ought to be locked up and the key thrown away! He’s got no respect for anyone — not even you!“, wirft er seinem Mentor in der Bathöhle vor. „If it weren’t for guys like you, he couldn’t even walk the streets at night!“

Das sind starke Worte für den sonst eher optimistischen Charakter. Robin fällt als reaktionärer Spießer aus der Rolle. Im Laufe der Handlung versucht er auch einen weiteren Mord Lambert anzuhängen. Vieles spricht zunächst auch dafür, Lambert hat seinem Vater vorgeworfen, dass dessen Forschung von der Regierung für den Krieg missbraucht werden könnte, aber Batman bleibt skeptisch, solange eindeutige Beweise fehlen.

Am Ende läuft es auf die gleiche Auflösung wie in der Vorlage hinaus: Der Chemiker Stryker hat die Morde an seinen Kollegen aus Habgier in Auftrag gegeben. Der Mörder hat sich nur als Mel Lambert verkleidet. Das Finale ist mit zwei Schlägen und einem Überwurf erledigt, aber es fehlt leider die Sequenz, in der Batman unter die Glasglocke springt und verhindert, dass ein drittes Opfer vergast wird.

Die Story will auf etwas anderes hinaus: Die Pointe besteht in der pädagogisch wertvollen Erkenntnis, dass sowohl Robin als auch Lambert ihre Vorurteile überdenken. Interessant ist, dass Robin hier als der unzeitgemäße Charakter dargestellt wird. Bald darauf (in Batman #217, Dezember 1969) verlässt er Batman, Dick Grayson beginnt sein Studium und erlebt eigene Abenteuer, und Batman verlässt Wayne Manor – und damit auch die Batcave. Es war das Ende einer Ära – das Silver Age ging ins Bronze Age über.

Zum Vergleich der beiden Versionen wurde in diesem Heft auch The Case of the Chemical Syndicate nachgedruckt.

>> Batman in den 60ern

80 Jahre Batman: Detective Comics #1000

Detective Comics #1000 Jim Lee Cover (DC Comics)

Detective Comics #1000-Cover von Jim Lee (DC Comics)

Eine von DCs besten strategischen Entscheidungen der vergangenen Jahre war es, die Hauptserien von Batman und Superman zweiwöchentlich erscheinen und Action Comics und Detective Comics zur alten Nummerierung zurückkehren zu lassen. Zum einen, weil man so mehr Comics verkaufen und die Leser bei der Stange halten konnte, zum anderen, weil dadurch die jeweils 80-jährigen Jubiläen mit den 1000er-Ausgaben zusammenfielen.

Allerdings: Während Superman von Anfang an Action Comics war, kam Batman erst in Detective Comics #27 vor. Strenggenommen müssten wir also noch 27 Ausgaben warten, bis Batman seinen 1000. Auftritt in der Serie hat – ein Umstand, der bei früheren Jubiläumsausgaben (627) berücksichtigt wurde. Aber das sind nur Zahlenspielereien, denn Batman hat in 80 Jahren weit mehr als 1000 Hefte gefüllt, zusammen mit allen Ablegern sind es unzählige.

Ein Jubiläumsheft, das versucht, dieser sehr langen und unüberschaubaren Tradition Rechnung zu tragen, ist daher schon ein gewagter Versuch. 96 Seiten umfasst Detective Comics #1000, elf Geschichten und auch ein paar Seiten, die bloß hübsch zum Ansehen sein sollen. Jede dieser elf Geschichten trägt die Last dieser Tradition und will zugleich einen Beitrag dazu leisten.

Scott Snyder & Greg Capullo besinnen sich auf die Anfänge zurück: Batman als Detektiv. In Batman’s Longest Case geht Batman einer Spur aus seinem ersten Fall (aus #27, 1939) nach und folgt ihr über Jahre um die ganze Welt. Am Ende landet er wieder in Gotham und stellt fest, dass alles nur ein Test war, um in eine Geheimgesellschaft der besten Detektive aufgenommen zu werden. Dazu gehören auch Slam Bradley, Hawkman und Martian Manhunter.

Man kann einwenden, dass der World’s Greatest Detective keinen solchen Aufnahmetest braucht und seine Zeit nicht mit Spielchen verschwenden sollte, aber was zählt ist – abgesehen von dem Willen, ein paar Comic-Veteranen in einer Splash Page zu versammeln – die Botschaft, dass jede Antwort immer zu anderen Fragen führt, jedes Rätsel zu neuen Rätseln. Man stehe immer wieder am Anfang. Diese Einsicht lässt am Ende Batman staunen. Und dem Leser wird klar, warum Batman eine unendliche Geschichte sein muss.

Zu einem Ende kommt Batman in Manufacture for Use. Kevin Smith und Jim Lee erzählen, wie Batman als Matches Malone die Waffe erwirbt, mit denen die Waynes erschossen wurden. Alfred fragt ihn hinterher, ob er das wirklich für eine gute Idee halte, dieses schmerzhafteste aller Andenken im Trophäenraum aufzubewahren. Doch Batman hat eine andere Idee, wie er daraus etwas Neues und Nützliches erschaffen kann. Eine ziemlich gute Idee. Sie zeigt, wie auch Autoren aus alten Motiven noch überraschende Geschichten machen können.

The Legend of Knute Brody ist ein Beispiel für so eine Geschichte. Paul Dini beweist mal wieder Einfallsreichtum und Witz, wenn er die Story des schlechtesten Handlangers in Gotham erzählt und dabei eine interessante Auflösung findet. Dafür tut er sich mit seinem Zeichner aus Streets of Gotham, Dustin Nguyen, zusammen.

Drei Storys zeigen pessimistische Sichtweisen auf den Mythos. In The Batman’s Design (Warren Ellis & Becky Cloonan) hält Batman einen Terroristen von seiner Tat ab, indem er sich selbst als schlechtes Beispiel darstellt: „I’m already dead.“ In Return to Crime Alley (Denny O’Neil & Steve Epting), einem Sequel zu „There’s No Hope in Crime Alley“ (Detective Comics #457, 1976), trifft Batman wieder auf Leslie Thompkins. Als eine maskierte Bande versucht, sie zu überfallen, übertreibt er es mit der Prügelei. Am Ende bemitleidet Leslie Batman statt der Verbrecher. In Heretic (Christopher Priest & Neal Adams) wird Bruce Waynes Brieftasche zum Auslöser für einen Brudermord. Klingt seltsam? Ja, es ist auch die schwächste Geschichte in dem Heft. Neal Adams Zeichnungen lassen auch schon seit Jahren die alte Eleganz vermissen.

DC Comics

Dafür ist I Know einer der Höhepunkte. Brian Michael Bendis erzählt von einem alten Pinguin, der auf einen alten Bruce Wayne trifft und ihm sagt, er hätte schon lange gewusst, dass er Batman sei. Alex Maleev inszeniert es nicht nur herrlich atmosphärisch und lebendig, sondern auch mit gelungenen Anspielungen auf den Pinguin im Film Batman Returns (1992).

Einen Altmeister in Hochform sieht man in The Last Crime in Gotham. Kelley Jones scheint mit dem Alter immer besser zu werden, einige Panels, wie etwa eine Nahaufnahme des Jokers, strotzen vor ausdrucksstarker Schaurigkeit. Das bildet das Gegenstück zu der optimistischen Geschichte von Geoff Johns, der Batman von einem verbrecherfreien Gotham und einer echten Bat-Familie träumen lässt.

Familär geht es auch am Ende zu. The Precedent (James Tynion IV & Alvaro Martinez) ist mal wieder eine Meditation auf die Rolle von Robin. Diesmal erscheint der Skeptiker Alfred als derjenige, der in Verbrechensbekämpfung ein Abenteuer statt eine Gefahr sieht. Ein gutgemeinter Versuch, Robin glaubwürdig zu erklären. Die hervorragenden Zeichnungen lassen aber über die logische Schwäche hinwegsehen.

Um Logik schert sich auch Tom King wenig. Batman’s Greatest Case (gezeichnet von Tony Daniel & Joëlle Jones) besteht darin, die Familie für ein Gruppenfoto zusammenzutrommeln. Das legt Bruce Wayne am Jahrestag ihres Todes seinen Eltern ans Grab. Sinn ergibt das nicht. Es ist nur sentimental. Und dazwischen gibt es typisch geschwätzigen Dialog der Robins und Bat-Frauen, der allerdings sehr witzig ist.

Batman mit Familie und Schurken von Jason Fabok (DC Comics)

Zum Schluss wird dann noch ein Familienfoto mit Schurken von Jason Fabok hinterhergeschoben und dann auch noch zwei Pin-ups von Mikel Janin und Amanda Conner, die wirken wie verworfene Variant Cover.

Ganz zum Schluss wird es relevant: Medieval (Peter J. Tomasi & Doug Mahnke) zeigt den ersten Auftritt des Arkham Knight, einer neuen Konkurrenz für Batman, die in Detective Comics #1001ff. eine Rolle spielen wird. Erzählt wird keine Story, sondern was wir sehen, ist eine Abfolge von Splash Pages, die Batmans Kämpfe gegen seine einige (klassische) Schurken zeigen, dazu liest man den inneren Monolog des Arkham Knight, der Batman für ein Auslaufmodell hält.

Das Jubiläumsheft beweist, dass er es natürlich nicht ist. Von solchen einfallsreichen und hervorragend gezeichneten Ausgaben kann es ruhig noch weitere 1000 geben.

>> Detective Comics: 80 Years of Batman

>> Batman 2011-2019

King Kong Batman

DC Comics

Titel: The Batman Creature

Autor/Zeichner: Dave Wood/Sheldon Moldoff

Erschienen: 1964 (Batman #162), Paperback 2009 (The Black Casebook)


Zwei Männer, die sich wie Tiere benehmen, rauben eine Bank aus. Die Polizei ist machtlos, selbst Batman und Robin kommen gegen sie nicht an. Die seltsamen Hybridwesen hat ein krimineller Wissenschaftler erschaffen, indem er mit einem Strahl Tiere menschenähnlich macht. Als er einen Stier- und einen Jaguar-Mann losschickt, folgt ihnen Batman ins Versteck und gerät selbst unter den Strahl.

Der Logik zufolge müsste der Strahl keinen Effekt auf ihn haben, weil er bereits ein Mensch ist. Stattdessen ist es umgekehrt: Batman wird zu einem übergroßen, affenähnlichen Tier. Zuerst reißt er Bäume aus, dann randaliert er in der Stadt und klettert auf ein Hochhaus, wo er sofort von Kampfflugzeugen beschossen wird. So ist es eben seit King Kong Tradition.

Und einen Riesenaffen kann nur eine Schöne zähmen. In diesem Fall Batwoman. Erst durch ihr gutes Zureden beruhigt sich die Batman-Kreatur und macht sich daraufhin sogar nützlich. Er schnappt zwei weitere Tierganoven, rettet Robin und Batwoman vor einem Nashorn und einem Tiger. Schließlich wird er zurückverwandelt. Das ist dann aber auch die letzte Transformation, die Batman in diesen wilden Jahren durchmachen muss.

>> Batman in den 60ern

Batman als Flaschengeist

DC Comics

Titel: The Bizarre Batman Genie

Autor/Zeichner: Dave Wood/Sheldon Moldoff

Erschienen: 1963 (Detective Comics #322)


Im Gotham Museum wird eine relativ wertlose Öl-Lampe gestohlen und schon wird Batman herbeigerufen. Was ist mit der Polizei? Der ist das Ganze wohl zu banal. Aber nein: Die Lampe gehörte dem Magier Larko, der mit einem Zauberpulver Menschen in der Lampe gefangennehmen konnte, sodass sie ihm als Dschinn drei Wünsche erfüllten.

Als der Dieb Aristo mit dem Pulver abhaut, wirft er es nach Batman und der löst sich in Luft auf. Kurz darauf beschwört ihn Aristo aus der Lampe herauf. Batman ist ein übergroßer Dschinn mit Turban geworden – und zum Komplizen. Erster Wunsch: Die Münzanstalt von Gotham auszurauben. Robin und Batgirl versuchen, das zu verhindern, indem Robin Batman den Turban klaut und ihn ablenkt, während Batgirl das Geld gegen Minzblätter austauschen lässt.

Zweiter Wunsch: Batman hält die Polizei auf, während die Gauner die Diamantenbörse ausräumen. Auf der Flucht versucht Robin, sich die Lampe zu schnappen, fällt aber damit in einen Fluss und nur die Lampe taucht auf. Doch da erscheint Batman, der wieder ganz der alte ist. Warum? Weil Robin den dritten Wunsch verbraucht hat, indem er Batman bat, ihn aus dem Fluss zu retten.

Man kann sich natürlich fragen, warum sich die Gauner nicht einfach alles Geld der Welt gewünscht haben, ohne den ganzen Ärger. Aber dann gäbe es die Geschichte nicht. Vielleicht wäre es besser so gewesen. Denn Batman als Flaschengeist war vielleicht nicht die beste Idee. Man merkt, dass die Autoren gegen Ende dieser Phase immer verzweifelter waren, Batman zu etwas zu machen, was er einfach nicht war. Mit dem Dunklen Rächer hatte er nichts mehr zu tun.

>> Batman in den 60ern

Batman als Alien

Titel: The Alien Batman/The Eight Wonder of Space

Autor/Zeichner: Edmond Hamilton, Bill Finger/Sheldon Moldoff

Erschienen: 1958/1961 (Detective Comics #251/Batman #140)


In Gotham wird eine nicht genehmigte Landung registriert. Commissioner Gordon und Vicki Vale fahren hin und was sie sehen, können sie nicht glauben: Zwei Aliens fliegen mit einem Ufo weg – und eines der Aliens trägt ein Batman-Kostüm! Jetzt könnte man sagen: Eines der Aliens ist ein Batman-Fan, fliegt zu einem Maskenball oder die ganze Sache ist ein Schwindel. Stattdessen schöpfen Gordon und Vale einen bösen Verdacht: Könnte Batman ein feindseliges Alien sein?

Gordon stellt das Dynamische Duo zur Rede. Batman streitet alles ab. Seine Maske ablegen kann er nicht, sonst würde er seine Identität preisgeben, aber eine Untersuchung beim Arzt ergibt, dass sein Blut tatsächlich nicht von dieser Welt stammt.

Daraufhin beginnen die Spekulationen. Seine einstigen Freunde sehen seine frühreren Heldentaten in einem anderen Licht: Wie konnte Batman einen Arbeiter vor Hochspannung retten? Hat er vielleicht übermenschliche Kräfte? Kann er Gedanken lesen? Hat er sogar telekinetische Kräfte? Ist er unverwundbar? Und waren seine hanebüchenen Erklärungen für all das vielleicht doch nur Lügen? Auch die Menschen von Gotham sind verunsichert. Die besorgten Bürger befürchten finstere Machenschaften.

Während Polizei, Presse und Pöbel mit wilden Spekulationen beschäftigt sind, versuchen Batman und Robin mit guter alter Detektivarbeit den Fall zu lösen. Und tatsächlich ist die ganze Sache nur ein Trick gewesen, um Batmans Ruf zu schaden. Batman revanchiert sich, indem er vor den Gaunern so tut, als wäre er tatsächlich ein Alien mit spitzen Ohren und Fühlern.

Batman als Fake-Alien

Die Episode hinterlässt einen bitteren Nachgeschmack. Erstens weil sie zeigt, wie schnell das Vetrauen in Batman verloren gehen kann, zweitens, wie paranoid und fremdenfeindlich die Menschen sein können. Darin wirkt noch die McCarthy-Ära der 50er nach. Denn man kann sich fragen: Selbst wenn Batman ein Alien wäre – was wäre daran so schlimm? Superman ist auch eins, aber daran stört sich niemand. Wahrscheinlich, weil Superman wie ein Mensch aussieht …

Drei Jahre später werden Batman und Robin tatsächlich in Aliens verwandelt. Während sie mit ihrem Batplane durch die Gegend düsen, bringt sie ein außerirdischer Energiestrahl auf einen anderen Planeten, wo sie sich (wegen der Atmosphäre) in grüne Männchen mit langen grünen Gesichtern und Fühlern verwandeln.

Gordon glaubt den beiden mal wieder nicht: „You’re lying!“ Er und Batwoman halten die Aliens für Betrüger. Batman kann die beiden überzeugen, indem er etwas über sie sagt, was nur er wissen kann. Aber ihre Verwandlung hat auch etwas Gutes: Als Aliens können Batman und Robin mit ihren telekinetischen Kräften die Yellow Sweater Gang aufhalten.

Batman als Alien

Nur was machen sie als Bruce Wayne und Dick Grayson? Bruce ist mit Kathy verabredet … Da hat Bruce eine Idee: Sie gehen zu einem Maskenball und er tut so, als würde er sich als Alien-Batman verkleiden. Doch Kathy findet das gar nicht witzig und knallt ihm die Tür vor der Nase zu. (Natürlich kommt sie nicht auf den naheliegenden Schluss.) Bruce‘ Plan geht auf.

Auch als Alien-Crimefighters haben die beiden weniger Glück: Da sie ihre Kräfte noch nicht im Griff haben, lassen sie die Gangster entwischen, als sie sie aufspüren, lassen sie sich gefangennehmen. Und als dann auch noch ihr Alien-Erscheinung von selbst schwindet, drohen sie aufzufliegen. Aber natürlich geht in letzter Minute alles wieder gut.

Aber das ist noch längst nicht die letzte verrückte Verwandlung, die Batman in den 60ern erleben darf. Es kommt noch viel dicker …

>> Batman in den 50ern
>> Batman in den 60ern

Batman und Robin als Mumien

DC Comics

Titel: The Mummy Crime-Fighters

Autor/Zeichner: Dave Wood/Sheldon Moldoff

Erschienen: 1963 (Detective Comics #320)


Bruce Wayne und Dick Grayson fahren durch die Gegend, als sie zufällig sehen, wie eine außerirdische Raumkapsel neben ihnen abstürzt. An Bord entdecken sie neben einem kaputten Roboter-Piloten eine seltsame grüne Scheibe, die vor ihren Augen explodiert. Danach sind ihre Haut und ihre Haare grün gefärbt. Der Doktor sagt zwar: Es besteht keine Gefahr. Doch als Batman und Robin können sie sich so nicht blicken lassen, weil sie sonst auffliegen könnten.

Sie versuchen es mit Make-up. Doch das hält nicht. Bruce schlägt Masken vor, die das Gesicht verdecken. Aber da Dick als Robin mit nackten Armen und Beinen rumläuft, würde auch das nichts bringen. Die einfachste Lösung wäre hier natürlich ein neuer Style: lange Ärmel und anständige Hosen. Allerdings ist die einfachste Lösung selten die spaßigste. Deshalb denken sich die beiden was Kreativeres aus.

Als Batman und Robin tun sie so, als wären sie gefährlich verstrahlt und leuchten sich gelb an, dann wickeln sie sich in Verbände und bekämpfen im Mumien-Look das Verbrechen. So soll es aussehen, als würden sie andere vor der Strahlung schützen. Bei einer Mission kann Robin die Täuschung sogar als Bluff gegen die Gangster verwenden.

Alles gut also? Nihct ganz: Super-Reporterin Vicky Vale ist skeptisch und glaubt, einen Beweis für ihre langgehegte Vermutung zu haben, dass Batman und Robin Bruce und Dick sind. Die täuschen sie dann mit ihren grünen Gesichtern, faulen Ausreden und Make-up. Vicky fällt drauf rein – und das Problem mit der Farbe löst sich von selbst.

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Batman wird Negativ

DC Comics

Titel: The Negative Batman

Zeichner: Sheldon Moldoff

Erschienen: 1960 (Detective Comics #284)


Batman hatte in den 50ern die kuriosesten Kostüme. Nach dem bunten Rainbow-Batman war Anfang der 60er aber Schwarz-weiß angesagt. Zuerst als Zebra. Und dann als Negativ. Das kam so: Im Gotham verschwinden plötzlich Banken und tauchen wieder aus dem Nichts auf – allerdings ohne Geld. Dahinter steckt die Gang des ehemaligen Wissenschaftlers Hal Durgin, der ein besonderes Gerät gebaut hat: eine Kamera, die das Funktionsprinzip von Kameras wörtlich nimmt. Mit ihr kann man Dinge verkleinern und im Gehäuse festhalten.

Batman und Robin finden die Gauner schnell und hier könnte die Story vorbei sein, wenn Durgin nicht Batman mit der Kamera erwischen würde. Unser Held wird zwar nicht verkleinert eingesperrt, aber in ein wandelndes Negativ in Schwarz-weiß verwandelt. Aber der neue Look ist nicht das Problem: Batman fühlt sich auch nich schwach – und er reagiert (wie ein echtes Negativ) empfindlich auf Licht. Batman wird also notgedrungen zu einem Helden der Nacht, der im Schatten agieren muss.

Was heute normal für Batman ist, war aber im bunten Silver Age undenkbar. Ein Negativ-Batman ist damals wörtlich zu nehmen. Die Wissenschaft weiß leider keinen Rat. Wenn das so bleibt, wird Batman sterben. Es sieht düster für ihn aus. Dann lässt er sich auch noch vom Schurken gefangen nehmen. Doch dann stellt sich raus: Alles nur ein Trick. Batman hat seinen Roboter in ein Schwarz-weißes Kostüm gesteckt und wurde hinter den Kulissen durch den Kamera-Einsatz geheilt.

Am Ende kann sich Batman wieder normal ablichten lassen – sogar im Blitzlichtgewitter. Hurra, die Farbe ist wieder da!

Zwei Jahre später (World’s Finest #126) gab es dann auch einen Negative Superman …

>> Batman in den 60ern

Schamloser Cowboy

Showdown mit Shame

Titel: Come Back, Shame/It’s How You Play the Game (High Noon in Gotham City)

Drehbuch: Stanley Ralph Ross

Erschienen: 1966 (Batman S02E25-26)


„Shame on you, Shame!“

Ein Ganove klaut einen Rennwagen und noch zwei weitere Autos. Als Gordon bei Batman anruft, ist der Held verwundert: Damit müsste selbst die Polizei vom Gotham fertig werden können. Doch der Dieb ist nicht irgendwer, sondern Shame, ein bekannter Ganove, der sich wie ein Cowboy anzieht. Offenbar reicht das schon, um die besondere Expertise von Batman und Robin zu bemühen. Dafür müssen Bruce und Dick leider ihr Spiel mit der Autorennbahn unterbrechen. (Bruce ist übrigens auch darin seinem Mündel überlegen.)

 

Shame klaut die Autos, um aus den Teilen einen eigenen Motor für sein Fluchtfahrzeug zu bauen. Damit will er vier wertvolle Stiere stehlen und das Batmobil abhängen. Mal wieder so ein sehr umständlicher Plan, der nicht wirklich Sinn ergibt. Aber was will man auch von einem solchen Typen erwarten? Shame entspricht dem Klischee des Westernhelden, sein Geheimversteck liegt auf einem verlassenen Studiogelände für Westernfilme.

Schamloses Kostüm

Warum der Schurke Shame heißt, erschließt sich nicht, denn wenn der Cowboy eins nicht hat, dann ist es Schamgefühl für sein mangelndes Stilbewusstsein: Seine rote Weste, sein geblümtes Hemd und seine lila Krawatte mit weißen Punkten wollen so gar nicht zu der Lederkluft passen, die er trägt. Das ist aber auch schon das Bunteste an seinem Charakter. Dieser Möchtegern-John Wayne (dargestellt von Uncle Ben-Darsteller Cliff Robertson) hat den Charme eines Spucknapfs und ist so humorlos und fade, dass man sich nach King Tut und Egghead sehnt. (Auch seine Komplizen machen es nicht besser und schon gar nicht der Junge, der redet wie ein Zombie und Shame hinterher rennt, um von ihm sein Radio wiederzukriegen.)

 

Trotzdem gibt die Folge einige Höhepunkte her: Bruce und Dick kaufen Unterwäsche für Tante Harriet, Bruce versucht eine Kuh von der Straße zu ziehen und als Bruce sein Auto von Shame stehlen lässt, kommt das Batcycle per Fernsteuerung angefahren, Bruce überreicht Alfred ein zusammenfaltbares Fahrrad und auf diesem „Alf-Cycle“ fährt er davon. Bruce und Dick steigen in zivil auf das Batcycle, ohne sich darum zu sorgen, dass jemand sie sehen könnte. Hier fällt der Unterschied zwischen den Rollen auf: Wenn Bruce das Kostüm nicht trägt, redet er ganz ruhig und ohne Pathos, ja man könnte ihn fast schon cool nennen. Ein Jammer, dass Adam West nie James Bond gespielt hat.

Bat-Ballistik

Eine Saloon-Prügelei später liegt das Dynamische Duo besiegt am Boden. Jetzt könnte Shame sie einfach erschießen. Warum er es nicht tut? Weil es unsportlich wäre, sagt er. Offenbar denkt Shame, es wäre viel sportlicher, die beiden zu fesseln, mit Holzpflöcken am Boden zu befestigen und sie von einer Viehherde zertrampeln zu lassen.

 

Batman rettet sich mal wieder sehr kreativ: Er befreit seine Hände, nimmt seinen Umhang ab und wedelt damit rum wie ein Stierkämpfer, ruft „Toro! Toro!“ und lenkt so die Herde von sich und Robin ab. Reagieren Stiere nicht eigentlich auf rote Tücher? Nein, sagt Batman, das sei ein Irrtum, denn Stiere seien farbenblind und reagierten nur auf die Bewegung. „Holy toreador!“, ruft Robin, doch Batman korrigiert: Nein, es heiße „Matador“. Toreador sage man nur umgangssprachlich, in Anlehnung an Bizets Oper Carmen. Wieder was gelernt.

Shame haut ab, die Helden folgen ihm dank Essensspuren auf dem Lenkrad zu einem Imbiss („Holy guacamole!“), aber finden ihn dort nicht mehr. Nur wo könnte er sich verstecken? Robin meint, er könnte nicht zurück zu dem alten Studio-Set zurückkehren, weil sie das bereits kennen. Aber Batman ist schlauer: Was ist, wenn Shame genau das denkt, dass sie das denken und deshalb denkt, dass er sich wieder dort verstecken könnte? „Holy Bat-logic!“, ruft Robin und tatsächlich treffen sie Shame dort wieder.

Doch sie geraten in einen Hinterhalt. Als Robin an der Ferse angeschossen wird, sieht man weder Blut noch Wunden. Stattdessen holt Batman die Kugel ohne größere Schmerzen aus dem Fuß, bringt ihn in die Bathöhle und heilt ihn mit Decken (?), heißem Wasser (?) und Baticillin-Pillen. Eine Wunderkur: Kurz darauf springt Robin wieder munter durch die Bathöhle.

Shame raubt in der Zwischenzeit seine begehrten Stiere. Und wieder stellt sich die Frage: Wo könnte er sich (und die Stiere) verstecken? Wieder kommt die Bat-Logik zum Einsatz: Doch ganz bestimmt nicht auf einem Viehhof, denn in einer Menge, denn da könnten sie ja leicht gefunden werden. Stattdessen eher auf einem verlassenen Ort, wo niemand nachschauen würde. Also geht es wieder zurück auf das alte Studiogelände. Die Bat-Logik verlangt nach einer würdigen Kulisse für das Finale.

Shame beim Showdown

Beim typischen Western-Showdown treten Batman und Robin ihrem Gegner ohne Waffen gegenüber. Natürlich zu High Noon. Und um auch das letzte Klischee zu erfüllen, fällt der Satz „This town ain’t big enough for both of us.“ Batman ist sich sicher: Shame würde nie auf einen Unbewaffneten schießen, das verstieße gegen den Western-Code. Dass sie bereits aus vollen Rohren beschossen worden sind und Robin bereits eine Kugel abgekriegt hat, scheint vergessen. Man hilft sich mit einer Rauchbombe, die Bösen schießen die Magazine leer und man kann die Sache mit Fäusten lösen. Auch dabei kommt es zu absurden Szenen, wie Robin, der auf einem Schurken Rodeo reitet …

 

Zum Schluss erteilt uns Batman noch eine Lektion zum Umgang mit Schusswaffen: „Great care must be taken in the use of firearms. They can be quite dangerous if used improperly.“ Von Batman können die Amerikaner noch heute viel lernen. Oder, wie es Cliff Robertson später als Uncle Ben sagt: „Aus großer Macht folgt große Verantwortung.“

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Batman mit Zebrastreifen

DC Comics

Titel: The Zebra Batman

Autor/Zeichner: Bill Finger/Sheldon Moldoff

Erschienen: 1960 (Detective Comics #275)


Ein neuer Schurke treibt in Gotham sein Unwesen: der Zebra-Man, ein schwarz-weiß gestreifter Mann, der mit elektromagnetischen Kräften schwere Gegenstände anziehen, kontrollieren und von sich stoßen kann. Reguliert wird das Ganze mit einem Gürtel.

Der Zebra-Man stiehlt Kunstwerke, hebt einen versunkenen Frachter vom Meeresgrund, aber für Batman und Robin ist er nicht zu fassen. Doch dank guter alter Detektivarbeit (die gute alte Schlammprobe im Labor!) spüren sie den Tunichtgut in seinem Geheimversteck auf. Und dort wird Batman zufällig ebenfalls mit der Strahlung aufgeladen – inklusive Zebrastreifen. Batman wirkt auf alles und jeden fortan abstoßend, sodass der Zebra-Man wieder entkommt.

Weil Batman aber keinen Gürtel hat, mit dem sich seine neuen Kräfte beherrschen ließen, malt er sich eine düstere Zukunft aus: Er wird nie wieder essen können! Er wird Chaos verusachen! Und wenn er als Bruce Wayne auftritt, werden alle wissen, dass er Batman ist! Dass er sich nie wieder einer Frau wird nähern können (oder andersrum) scheint ihm seltsamerweise keine Sorgen zu bereiten … Ein Held hat eben klare Prioritäten.

So zieht ein verzweifelter Zebra-Batman durch die Gegend und stellt sich auf sein Dasein als Außenseiter ein, da bringt ihn ein Magnet auf einem Schrottplatz auf eine Idee. Mittels eines Tricks kann er den Schurken besiegen und sich mit dessen Gürtel wieder „neutralisieren“.

Der Zebra-Batman gehört zu den schrägsten Kostümen, die Batman im Silver Age tragen durfte. Mittlerweile gibt es ihn auch als Funko-Pop-Figur …

>> Batman in den 60ern