Lex Luthor

Luthor, der moderne Prometheus

DC Comics

Titel: The Superman Monster

Autor/Zeichner: Dan Abnett, Andy Lanning/Anthony Williams

Erschienen: 1999 (One-Shot)


Vor 200 Jahren erschien Mary Shelleys Roman Frankenstein, vor 80 Jahren Action Comics #1, vor 19 Jahren kam ein Comic heraus, das beide Mythen verband: The Superman Monster. Die Story spielt 1988 in der Schweiz. Victor Frankenstein ist hier Vicktor Luthor, ein übereifriger Student der Naturphilosophie, der sich an der Uni unbeliebt mit seinen Experimenten macht. Er sieht sich als moderner Prometheus. Auch in seinem künftigen Schwiegervater findet er keinen Freund, denn Luthor macht keinen Hehl daraus, dass er seine Eloise vor allem wegen der Mitgift heiraten will.

Eines Nachts entdeckt er Kal-Els Rakete, doch das Baby an Bord ist tot. Mithilfe einer Projektion von Jor-El und einigen Leichenteilen erweckt er das namenlose Monster. Superman trägt schwarz und ein silbernes Symbol auf der Brust – also passenderweise das Kostüm nach dessen Tod und Auferstehung in den Comics der regulären Serien. Luthor ist beim Anblick erschüttert, er denkt, dass das Monster ihn töten will, aber tatsächlich rettet es ihn aus seinem Labor, das in Flammen aufgeht. Ähnlich ergeht es Superman später: Obwohl er Menschen rettet, verabscheuen sie ihn.

Superman findet Asyl bei Familie Kant, bekommt den Namen Klaus und macht sich auf dem Acker nützlich. Luthor setzt ein Kopfgeld auf ihn aus, findet ihn, tötet seine Zieheltern und Superman rächt sich auf der Hochzeit mit der schlimmstmöglichen Wendung: Über den Umweg des Todes wird aus Eloise Frankensteins Braut …

Wie schon mit Two Faces, in dem Batman als Dr. Jekyll und Mr. Hyde kombiniert wurde, legen die Autoren Dan Abnett und Andy Lanning eine weitere solide und kurzweilige Adaption eines Literaturklassikers hin. Eine ähnliche Elseworlds-Story hat es bereits 1994 mit Batman gegeben (Castle of the Bat), damals wirkte es äußerst bemüht, Batman zu Frankensteins Monster zu machen. Mit Superman funktioniert es, weil Luthor ohnehin den perfekten Mad Scientist abgibt und er auch sonst Superman als Monster verachtet. Überraschungen gibt es zwar keine, außer der Tatsache, wie gut sich die beiden Geschichten ineinander fügen. Ansonsten bekommt man, was man erwartet, und dazu noch ausdrucksstarke Zeichungen.

Kritisieren könnte man höchstens, was häufig das Problem von Elseworlds-Storys ist: 48 Seiten sind auch hier zu kurz, um in die Tiefe zu gehen. Man hätte mehr draus machen können. Aber als Hommage reicht das Format völlig aus.

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Supermans langer Abschied

DC Comics

Titel: All-Star Superman

Autor/Zeichner: Grant Morrison/Frank Quitely

Erschienen: 2005-2008 (Mini-Serie #1-12), Paperback 2011; dt. Panini 2011


“ If I want to die happy, it’s time to get serious about killing Superman.“ (Lex Luthor)

Nach einem Einsatz in der Sonne überlädt sich Superman mit Sonnenenergie und setzt damit einen Verfallsprozess seiner Zellen in Gang: Superman stirbt. Und Lex Luthor lacht sich ins Fäustchen, denn er hat Supermans Tod vom Gefängnis aus orchestriert, um über Superman zu triumphieren. Seine letzten Tage nutzt Superman, um einiges nachzuholen. Wie Herkules muss er zwölf Aufgaben bewältigen. So nimmt Superman Abschied von der Welt.

Bis auf die Rahmenhandlung hat All-Star Superman keinen Spannungsbogen. In zwölf Episoden wird erzählt, wie der sterbende Held sich Lois offenbart, sie für einen Tag zu Superwoman macht und wie er seine alten Freunde und Feinde wieder trifft: Jimmy wird zu Doomsday, der Parasit greift Luthor an, Superman strandet auf einem Bizarro-Planeten, muss sich gegen despotische Kryptonier behaupten und mit seinen Nachfolger aus der Zukunft ein zeitfressendes Monster in Smallville bekämpfen.

Beim ersten Mal fand ich All-Star Superman langweilig. Selten habe ich mich durch ein Superman-Comic so hindurchgequält. Beim zweiten Mal, als ich wusste, was mich erwartete, konnte ich mich etwas besser darauf einlassen. Man muss sich klarmachen, dass hier keine typische Superman-Story mit gewohnt moderner Action geboten wird. Es ist lediglich eine Hommage an den Superman des Silver Age, Morrison bedient sich bei bekannten Versatzstücken, wie den Geschichten, in denen Luthor tatsächlich Superman tötet (The Death of Superman, Superman #149, 1961) oder Superman sein Testament macht (The Last Days of Superman (Superman #156, 1962). Grant Morrison reichert diese Stücke mit eigenen Mythen an, wie etwa der bösen Sonne Solaris und dem Superman des 853. Jahrhunderts (bekannt aus dem Event One Million). Wer die Comics aus den 50er und 60er Jahren kennt, weiß auch Variationen dieser Ideen wie Zibarro, den einzig klugen Bewohner des Bizarro-Planeten, zu schätzen.

Superman wird von seiner menschlichsten Seite gezeigt: Er wird demütig gegenüber seiner eigenen Vergänglichkeit, er muss mit dem Verlust seines Vaters umgehen, gegenüber Schurken erweist er sich gnädig. Bei einem Gefängnisaufstand bewahrt er als Clark Kent sogar Luthor vor dem Tod, allerdings ohne dass dieser das merkt. Das Kapitel zählt zu den Höhepunkten des Bandes – nicht zuletzt wegen des Humors.

Allerdings: Das Comic bleibt episodisch, die einzelnen Plots plätschern mehr vor sich hin, als dass sie echtes Drama zu bieten hätten, Neues hat uns Morrison nicht über den Vater aller Superhelden zu sagen und selbst Luthor gibt zu, dass sein Verhältnis zu Superman ein ziemlich banales ist. All-Star Superman ist nichts anderes als die Liebeserklärung eines Fans und es bedient eine emotionale Ebene, vor allem aber ist es ein nostalgisches Erlebnis.

Frank Quitelys Stil ist gewöhnungsbedürftig. Einerseits ist er sehr klar und seine detaillierten Figuren wirken lebendig, andererseits kann er auch keinen Menschen zeichnen, ohne ihn verrunzelt aussehen zu lassen. Weil er sich aber selten die Mühe macht, detaillierte Hintergründe zu zeichnen, scheinen sich die Figuren im luftleeren Raum zu bewegen, was die Panels oft steril wirken lässt.

Wem das nichts ausmacht und sich auf eine Story abseits gewohnter Superhelden-Prinzipien einlassen kann, der wird an All-Star Superman seine Freude haben. Aber wer darauf verzichtet, hat auch nichts verpasst. Meine Meinung dürfte damit eine unpopuläre sein: Die Mini-Serie wurde mit Lob und Preisen (darunter auch Eisner-Awards) überschüttet. 2010 folgte eine Zeichentrick-Adaption. Im Dezember 2018 erscheint eine neue Ausgabe unter DCs neuem „Black Label“.

DC Comics

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Superman als Green Lantern

Titel: Superman – Last Son of Earth/Last Stand on Krypton

Autor/Zeichner: Steve Gerber/Doug Wheatley

Erschienen: 2000 (Zweiteiler)/2003 (One-Shot)


„Ours is a culture founded on fear. We fear each other. We fear our past. We fear the unknown.“ (Kal-El)

Was wäre, wenn Clark Kent auf der Erde geboren und zu Krypton geschickt worden wäre? Dann wäre er nicht Superman, sondern ein Green Lantern geworden. Der Elseworlds-Zweiteiler Last Son of Earth spielt das Szenario durch. Jonathan Kent ist ein Astrophysiker, der im Jahr 1968 als einziger einen Asteroiden auf die Erde zurasen sieht. Weil ihm keiner glaubt, baut er eine Rakete für seine Frau Martha und seinen noch ungeborenen Sohn. Der folgende Teil der Story ist der altbekannte, aber bleibt genauso unglaubwürdig: Statt mit ihrem Kind zu reisen, stirbt Martha lieber bei ihrem Mann. Dabei schießt er es ohne ein Ziel ins Weltall – alleine würde es mit hoher Wahrscheinlichkeit sterben! (Immerhin gibt Martha später zu, dass es ziemlich abwegig war, bei ihrem Mann zu bleiben.)

Egal: Durch einen glücklichen Zufall fliegt die Rakete in ein Wurmloch und landet auf Krypton. Dort nimmt Jor-El das Kind auf. Damit ist allerdings ein Risiko verbunden. Krypton ist eine sterile Welt, die sich vor dem Fremden und vor physischer Nähe fürchtet. Jor-El zieht den Jungen, den er Kal-El nennt, im Geheimen groß. Kal-El muss einen Spezialanzug tragen, um auf dem Planeten zu überleben.

Superman als Green Lantern (DC Comics)

Eines Tages findet er den grünen Ring, wird Green Lantern, rettet Krypton vor dem Untergang (Explosion), fliegt zu Oa, dann zur Erde. Dort haben nur wenige Menschen überlebt und kämpfen sich in einem dystopischen Mad-Max-Szenario durch. Einige schließen sich dem Diktator Lex Luthor an, aber Perry White, Lois Lane und Jimmy Olsen leisten Widerstand. Kal-El hilft ihnen und entdeckt neue Superkräfte …

Lois Lane als Widerstandskämpferin (DC Comics)

Bereits 1994 wurde Batman zu Green Lantern gemacht. Während damals aber die Story furchtbar abgehetzt erzählt wurde, nimmt man sich bei Superman zwei Teile á 48 Seiten Zeit. Die Geschichte bleibt zwar simpel, kann sich aber so entfalten, dass man an ihr Anteil nehmen kann. Der Aspekt der Angst wird gut herausgearbeitet; der Held kämpft dagegen auf zwei Welten an, die unter jeweils anderen Schreckensszenarien leiden.

Zusammen mit sehr naturalistischen Zeichnungen und lebendigen Farben ergibt sich eine solide Lektüre für Fans alternativer Welten. Allerdings überzeugt Kal-Els Green Lantern-Kostüm nicht wirklich – warum ist es blau-weiß? Und das Logo hätte man auch eleganter gestalten können, ohne dass es aussieht, als wäre die Laterne in die Diamantenform gequetscht worden.

In Last Stand on Krypton geht die Geschichte weiter. Da Kal-El seinen Ring aber schon in Teil 1 aufgegeben hat, hat diese Fortsetzung nichts mehr mit Green Lantern zu tun. Kal-El ist nur noch Superman (sieht aber nicht aus wie auf dem Cover!) und hat zehn Jahre später der Erde Kryptons Technologie beschert. Ein unzufriedener Politiker wirft Kal-El vor, gewisse Techniken zurückgehalten zu haben und verhilft Luthor zu einem Gefängnisausbruch, um an das Wissen heranzukommen. Doch Luthor hat seine eigene Agenda: Er reist nach Krypton, wo Jor-El sich damit unbeliebt gemacht hat, die Flora und Fauna auf den Wüstenplaneten zurückzubringen. Es kommt zum letzten großen Gefecht.

Superman als Red Hulk (DC Comics)

Weil Superman auf Krypton keine Superkräfte hat, wird er mittels roter Kryptonit-Strahlung zu einer Art Red Hulk gemacht. Zusammen mit einer Lois Lane im Kampfanzug und einigen geklonten Supertierchen kann er es mit einem – ebenfalls optimierten – Luthor aufnehmen.

ACHTUNG SPOILER!

Am Ende läuft es darauf hinaus, dass Krypton wirklich zerstört wird und Jor-Els leiblicher ungeborener Sohn mit Lara den Planeten verlässt. Es ist also mal wieder eine Elseworlds-Story, die nur einen Umweg nimmt, um zum bekannten Status quo zurückzukehren. Schon der erste Teil lief darauf hinaus. Ja, mehr noch: Clark ins All zu schießen war letztlich sinnlos, weil die Kents den Aufprall überlebt haben und Krypton ohnehin untergegangen ist. Alles kommt also, wie es kommen muss. Und auch wenn der Weg dorthin kurzweilig unterhält, ist die Unvermeidlichkeit dieses Szenarios zutiefst deprimierend, berechenbar und daher langweilig.

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Lex Luthor trifft Brainiac

DC Comics

Titel: The Team of Luthor and Brainiac

Autor/Zeichner: Cary Bates, Edmond Hamilton/Curt Swan

Erschienen: 1964 (Superman #167)


Es war nur eine Frage der Zeit. Wenn Lex Luthor es alleine nicht schafft, Superman zu besiegen, würde er sich früher oder später einen Verbündeten suchen. Nach seinem erneuten Knastausbruch (und einem gescheiterten Mordanschlag) braucht er einen Gedankenübertragungshelm, um den richtigen Partner zu finden. Da der Helm ins All und in die Vergangenheit schauen kann, erfährt Luthor die Entstehungsgeschichte von Brainiac.

Der ist nämlich nicht nur ein Außerirdischer, sondern auch eine Maschine, die von anderen (tyrannischen) Maschinen geschaffen wurde. Doch Brainiac ist seit seiner jüngsten Begegnung mit Superman im Knast. Allerdings ein Knast mit einer entscheidenden Schwachstelle: Wenn’s brennt, geht die Tür auf. Da musste erst Luthor drauf kommen. Kaum ist der Schurke draußen, schraubt Luthor ihm am Gehirn herum, um ihn nicht nur klüger, sondern auch gefügig zu machen. (Dafür wird Brainiac sich später revanchieren.)

Zusammen locken sie Superman in eine Falle: Sie berauben ihn seiner Kräfte, verkleinern ihn und sperren ihn in einen Käfig. Allerdings gehen sie dabei noch schlampiger vor als Superman mit seinem Knast: Sie sperren nicht einmal die Tür zu. Superman haut ab, startet eine von Luthors Raketen und ruft so Hilfe aus der Flaschenstadt Kandor herbei. Brainiac versetzt ihn dafür ins Koma, kann jedoch nicht verhindern, dass eine Horde kleiner Supermänner die Schurken überwältigt, sie verkleinert und sie in Kandor vor Gericht stellt.

Doch weil Superman in einem Koma steckt, aus dem ihm nur Brainiac befreien kann, werden die Schurken begnadigt, wenn er Superman wieder befreit. So geschieht es auch – und Superman muss die beiden Erzfeinde von dannen ziehen lassen. Na ja, dann bis zum nächsten Mal …

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Duell unter roter Sonne

DC Comics

Titel: The Showdown Between Luthor and Superman

Autor/Zeichner: Edmond Hamilton/Curt Swan

Erschienen: 1963 (Superman #164)


Lex Luthor hat die Schnauze voll. Während er im Knast sitzt, fliegt Superman frei herum. Und warum? Nur weil Superman eifersüchtig ist auf das Genie! Es muss keinen großen Sinn ergeben, jedenfalls bricht Lex mal wieder aus (indem er eine Maschine zu einem Panzer umbaut). Und dann fordert er Superman zu einem Kampf heraus, bei dem beide die gleichen Chancen haben – ohne Superkräfte.

Man könnte argumentieren, was Lex an Kräften fehlt, hat er im Kopf. Man könnte sagen: Er ist schon so oft gegen Superman gescheitert, dass sich jeglicher weitere Zweikampf erübrigt. Superman muss also keinem noch etwas beweisen, Lex ist in der Bringschuld. Trotzdem willigt Superman ein. Warum eigentlich? Wegen seines Rufs. Superman fürchtet, für einen Feigling gehalten zu werden, wenn er die Herausforderung nicht annimmt. Die naheliegendste Lösung wäre, den flüchtigen Verbrecher wieder zu verknacken. Aber dann gäbe es die folgende Story nicht … Und so bleibt keine andere Erklärung als: Es geht ums Ego.

Um zu einem Planeten mit roter Sonne zu fliegen, baut Superman sogar eine Rakete. Sie fliegen auf einen Wüstenplaneten, bauen sich einen Ring, ziehen ihre Hemden aus und prügeln sich. Superman gewinnt, Lex liegt am Boden. Hier könnte die Geschichte zu Ende sein.

Doch als Superman Wasser holt, um Lex aus dem K.O. zu holen, lässt dieser einen Kakteenwald wachsen, sodass sie Superman zu erdrücken drohen. Dann rollt er noch einen Felsen auf ihn. Superman kann die Gefahren zwar abwenden, aber als ein Sandsturm ausbricht, verdurstet er fast in der Wüste.

Lex findet eine Stadt mit Menschen, macht sich beliebt, indem er böse Vögel verjagt und verspricht ihnen, mehr Wasser zu besorgen. Obwohl er alte Maschinen wieder instand setzt und fleißig gräbt, scheitert er. Am Ende findet ihn Superman, sie kämpfen noch einmal in einem Ring, Lex schickt einen Tornado und einen Roboterhund auf ihn los, aber Superman wird mit allem fertig, auch im Zweikampf mit Lex.

Doch der lässt sich absichtlich besiegen, damit er mit Superman zu einem Eisplaneten fliegen und den Menschen auf dem Wüstenplaneten Wasser verschaffen kann. Offenbar ist er nicht so ein Mistkerl, wie er gerne wäre. Aber das verrät er Superman natürlich nicht – so viel Ego muss sein.

>> Liste der Superman-Comics

Supermans Tod: Vergebliche Re-Animation

Warner Bros.

Titel: The Death of Superman

Regie/Drehbuch: Jack Castorena, Sam Liu/Peter Tomasi

Erschienen: 2018 (Direct-to-Video)


Superman ist vor 80 Jahren zur Welt gekommen und vor 25 Jahren gestorben – Anlass genug, die Story nochmal als Animationsfilm zu erzählen. DC folgt damit dem erfolgreichen Rezept, Comic-Klassiker zu verfilmen, statt auf neue Storys zu erzählen. Bereits 2007 hat man Superman vs. Doomsday antreten lassen mit dem gleichen Ergebnis, aber das hatte nur lose, sehr lose mit der Vorlage zu tun. Elf Jahre später bittet man die Fans erneut zur Kasse, um eine zweite Chance zu bekommen: The Death of Superman.

Das Ergebnis? Vorhersehbar. Tatsächlich hält sich der Film eng an die Vorlage. Das Problem ist leider nur, dass die Vorlage nicht besonders interessant ist. Der Film macht ein wenig davon wieder gut, vieles andere macht er wiederum schlechter.

Das Gute: Die echte Justice League darf zuerst gegen Doomsday kämpfen. Während es im Comic eine ziemlich lahme Truppe aus Zweit- und Drittligisten war (Booster Gold, Blue Beetle, Guy Gardner, Ice, Fire, Bloodwynd), kriegen wir hier endlich unter anderem Wonder Woman, Flash, Green Lantern und sogar Batman geboten. Außerdem findet das Finale am Abend statt, was viel dramatischer ist, als im Comic, wo alles im stimmungslosen Tageslicht passiert.

Das Schlechte: alles andere. Am Anfang sehen wir ein steriles, totes Metropolis, in dem nur drei Leute auf der Straße zu sein scheinen, eine beliebige Bande raubt eine Bank aus, Superman hält sie auf. Das ist ein Beginn, der für jeden anderen Superman-Film durchgehen würde, aber hier werden nur Minuten verschwendet, die nichts mit der Story zu tun haben. Die Comic-Story hingegen beginnt mit Doomsdays Hand, die gegen ihre Gefängniswand schlägt – was viel bedrohlicher erscheint. Im Film taucht Doomsday erst sehr spät auf – das zwar sehr wirkungsvoll als Asteroid, der eine Raumstation zerstört, ohne dass Superman hilft, aber trotzdem eine vertane Chance.

Clark Kent offenbart sich unbeholfen Lois als Superman. Aber während die Comic-Vorlage hier wenigstens eine Splash-Page für diesen historischen Moment übrig hat, tut es Clark hier in Bibbos Bar, mitten unter Leuten, wo er nicht wirkungsvoll sein Hemd aufreißen kann, sondern nur die Brille abnimmt und Lois die Erkenntnis wie Schuppen von den Augen fällt. Die Szene hat höchstens Wert in Sachen unfreiwilliger Komik. Danach gibt es nichts zu lachen, denn der Großteil des Films besteht (wie der Comic) aus nichts als stumpfer Prügelei. Selbst Lex Luthor versucht sein Glück in einem Kampfanzug, aber egal.

Ansonsten ist The Death of Superman einer dieser am Fließband produzierten, generischen Zeichentrickfilme, die steif, steril und tot wirken. Da hilft auch alles Blutvergießen nichts. Doomsday ist ein beliebiges Monster, das nicht genug gewürdigt wird, um so gewaltig zu wirken, wie es das in den Comics tut. Der Animation fehlt es an Dynamik und an interessanten Perspektiven. Es scheint, als wäre dieser Film ein weiterer Beleg dafür, wie tot DCs alte Kunst des Zeichentrickfilms ist, wie man sie von Batman: The Animated Series bis heute verehrt. Dabei sollte gerade ein Animationsfilm es schaffen, Comic-Panels zum Leben zu erwecken. Neue Impulse für altbekannte Storys sind von DC bislang nicht zu erwarten. Man geht lieber auf Nummer sicher. Wie langweilig.

Teil 2, Reign of the Supermen, erscheint 2019.

>> Superman-Comics und -Filme

Noch ein letzter Kryptonier

DC Comics

Titel: Last Son (of Krypton) (dt. Kryptons letzter Sohn)

Autor/Zeichner: Geoff Johns, Richard Donner/Adam Kubert

Erschienen: 2006-2008 (Action Comics #844-846, #851, Action Comics Annual #11), Paperback 2013; dt. Panini 2013


„You’ve taught humanity to rely on you and not fight for themselves.“ (Lex Luthor)

Superman gilt als der letzte Kryptonier. Eine traurige Figur. Doch das blieb nicht lange so: Da gab es Cousine Supergirl, General Zod und seine Mitstreiter und es gab die ganze Stadt Kandor. Der letzte Kryptonier ist also keineswegs allein mit sich.

In Last Son geht es genau darum: Es kommt ein Kind zur Erde, das offenbar von Krypton stammt. Das Militär nimmt ihn in Obhut, Superman befreit es, dann will sich Lex Luthor den Jungen holen und bringt Bizarro ins Spiel. Letzten Endes ist der Junge nur die Vorhut von Zod, dem Vater des Kindes, der mit den anderen Gefangenen aus der Phantomzone die Weltherrschaft übernimmt. Selbst die Justice League kommt dagegen nicht an.

Superman landet selbst in der Phantomzone, er verbündet sich mit Lex Luthor und anderen klassischen Schurken. Hier beginnt der wahre Spaß. Geoff Johns und Richard Donner (Regisseur der ersten beiden Superman-Filme) entwerfen eine typische All-Star-Story, die alles bietet, was Superman-Fans kennen und lieben: die größten Schurken, Krypton-Backstory, eine vernichtende Alien-Invasion – und das alles dargestellt in vielen großen, atemberaubenden Splash Pages. (Allerdings bin ich kein großer Fan von Adam Kubert, die Zeichnungen seines Bruders Andy sprechen mich persönlich eher an.)

Dabei wird das Rad leider nicht gerade neu erfunden: Lex Luthor geht wieder in seiner Rolle als xenophobes Genie auf, das sich in seinem Kryptonier-Hass bestätigt sieht und Superman die Schuld dafür gibt, nicht den Krebs besiegt zu haben. Superman, so Luthor, sei auch verantwortlich dafür, dass die Menschen sich zu sehr auf ihn verlassen, statt selbst nach Höherem zu streben. Das alles hat man schon oft gelesen.

Leider bleibt die Story auch hinter der Erwartung zurück, dem kryptonischen Jungen, der später Christopher Kent getauft wird, so etwas wie einen Charakter zu geben. Dafür aber bekommt Zod eine ungeahnte Tiefe, als er sich als Mann mit einst noblen Motiven entlarvt.

Anmerkung: Die 2013er Ausgabe enthält auch die Storyline Brainiac von Geoff Johns und Gary Frank.

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Jeder will ein Held sein

DC Comics

Was macht einen Helden aus? Außergewöhnliche Fähigkeiten? Oder vielmehr außerordentliche Taten? In der bislang unveröffentlichten Superman-Story Too Many Heroes (1945), die in der Jubiläumsausgabe Action Comics: 80 Years of Superman erschienen ist, wollen plötzlich sehr viele den Helden spielen. Denn in der Geschichte von Jerry Siegel und Joe Shuster geht es um Geld. Ein reicher Schauspieler vermacht auf dem Sterbebett demjenigen eine Million Dollar, der sich innerhalb einer Woche als größter Held beweist. Als Testamentsvollstrecker engagiert er Jonathan Trundle, einen der miesesten Anwälte der Stadt, nach dem Zufallsprinzip.

Kaum hat der Daily Planet die Story gedruckt, begehen plötzlich sehr viele Menschen in Metropolis Heldentaten. Kleiner Haken: sie alle sind fingiert. Ein Zoowärter lässt einen Tiger frei, ein Mann wirft einen anderen vor einen Bus, einer stürzt sich von einer Brücke usw. Schließlich aber wird Trundle selbst von der Nichte des Schauspielers gerettet, später erwidert er den Gefallen und wird selbst zum Begünstigten.

Natürlich hilft Superman kräftig mit, dass es dazu kommt. Er legt für den Loser-Anwalt ein gutes Wort beim Richter ein. Und am Ende findet Trundle nicht nur einen Topf voll Gold, sondern auch die große Liebe. Moral: Jeder kann ein Held sein – selbst der größte Versager. Aber die Story ist viel interessanter, weil sie die Frage aufwirft, was Heldentum ausmacht. Wer nur für Geld den Helden spielt, ist ein Betrüger und verdient keine Belohnung. (Allerdings lässt das Polizisten und Feuerwehrleute in einem fragwürdigen Licht dastehen.) Da hat DC jedenfalls für den Jubiläumsband eine schöne Geschichte aus dem Archiv gegraben. Und dankenswerterweise wurde sie unkoloriert und offenbar auch sonst unbearbeitet abgedruckt – am Rand kann man immer noch handschriftliche Anmerkungen lesen.

DC Comics

Die zweite neue Geschichte im Jubiläumsband ist The Game. Die Comic-Urgesteine Paul Levitz und Neal Adams erzählen von einem Schachspiel zwischen Superman und Lex Luthor. Die Szene erinnert an das Spiel der Erzfeinde und Freunde Charles Xavier und Erik Lehnsherr aus X-Men, aber leider kommt hier weder ein interessanter Dialog zustande noch sonst irgendeine Spannung. Nach wenigen Panels ist Luthor matt, dann fesselt Luthor Superman mit Kryptonitketten (Klischee) und Superman befreit sich sofort daraus dank einer Motherbox von Scott Free (Deus ex machina). Ende der Geschichte. So schnell gelesen wie vergessen. Eine Enttäuschung.

Die dritte neue Superman-Story ist Supersquare, ein zweiseitiger Comic Essay von Gene Luen Yang. Ein Mann, der dem Autor ähnlich sieht, wirft Superman vor, langweilig und lächerlich zu sein. Warum ist Superman so ein Spießer?, fragt er. Aber Superman schweigt. Der Autor antwortet sich selbst: Weil Superman ein Alien, ein Immigrant sei, müsse er sich wie ein mustergültiger Staatsbürger benehmen. Dadurch werde er von den Menschen akzeptiert. Ein interessanter Gedanke, leider etwas einfallslos ausgeführt …

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Supermans Aufstieg, Luthors Fall

DC Comics

Titel: Superman – Up, Up and Away (dt. Auf, auf und davon!)

Autor/Zeichner: Kurt Busiek, Geoff Johns/Pete Woods, Renato Guedes

Erschienen: 2006 (Superman #650-653, Action Comics #837-840), Paperback 2006; dt. Panini 2007


„You’re the worm in the apple, Superman …“ (Lex Luthor)

Ein Jahr nach der Infinite Crisis: Superman hat keine Kräfte mehr, lebt nur noch als Clark Kent. Wenn’s Ärger gibt, ruft er Supergirl. Lex Luthor hat seine politische Karriere hinter sich und ist von der Justiz freigesprochen worden. Doch seine Firma will ihn nicht mehr wieder, sein guter Ruf ist endgültig ruiniert. Jetzt will er Rache: Er schnappt sich den Sunstone von Krypton, entführt den Kryptonite Man, klaut alles Kryptonit zusammen und will Metropolis vernichten.

Up, up and away ist eine Story, die in zweifacher Hinsicht den Status quo wiederherstellt: Superman bekommt allmählich seine Kräfte wieder (einfach so), er kann zunächst nur springen, bevor er fliegen kann. Er wächst mit seinen Aufgaben. Und Lex Luthor ist kein gewiefter Unternehmer, sondern mehr der Mad Scientist, der sein Genie nur dazu benutzt, alles in Schutt und Asche zu legen, um sein Ego zu pampern. Wir sehen zu, wie der eine wieder aufsteigt und der andere noch tiefer sind.

Luthors Feldzug ist persönlich. Eigentlich wollte er Krebs heilen und den Welthunger bekämpfen, aber er gibt Superman die Schuld dafür, dass daraus nichts geworden ist. Am Ende kommt es zu einem Faustkampf … Und dann noch zu einem unnötig langen Epilog. Aber schließlich ist die Story eine im Großen und Ganzen runde Sache. Es gibt ein gutes Gleichgewicht zwischen Action und Zwischenmenschlichem, man kommt auch ohne Vorkenntnisse gut rein und findet raus, ohne unbedingt weiterlesen zu müssen. Als Extra gibt es Gastauftritte einiger anderer Superhelden.

Up, up and away ist eine solide wie altmodische Superhelden-Story, nur im neuen Gewand. Leider überzeugen die Zeichnungen nicht ganz, was Ausdruck und Einfallsreichtum angeht. Aber alles erfüllt hier ganz seinen bescheidenen Zweck.

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Die letzte Superman-Geschichte

Titel: Whatever Happened to the Man of Tomorrow? (dt. Was wurde aus dem Mann von morgen?)

Autor/Zeichner: Alan Moore/Curt Swan

Erschienen: 1986 (Superman #423, Action Comics #583), Paperback 1997, 2006 (DC Universe: The Stories by Alan Moore), 2009 (Whatever Happened to the Man of Tomorrow?); dt. Panini 2010 (Paperback)


„I think I’m going to die, and there’s so much in my life I have to get straight …“ (Superman)

Nachdem die Crisis on Infitite Earths das DC-Universum auf Null gesetzt hat, wurde es Zeit, von Superman Abschied zu nehmen, wie man ihn kannte. Also erschien in den Serien Superman und Action Comics die letzte Story über den Helden – vor dem Reboot (Man of Steel). Doch dabei handelte es sich auch nur um eine „Imaginary Story“, eine „Was wäre wenn“-Geschichte nach der Tradition des Silver Age.

Im Jahr 1997 ist Superman seit zehn Jahren tot. Lois Lane, die geheiratet hat, gibt einem Reporter ein Interview darüber, wie es zum Ende des Helden gekommen ist. Viele Schurken waren bereits erledigt, als eine Kette von Ereignissen in Gang kam: Bizarro begeht Suizid, nachdem er Amok läuft. Toyman und Prankster enthüllen öffentlich, dass Superman Clark Kent ist. Brainiac ergreift Besitz von Lex Luthors Körper. Eine Bande Metallos stürmt den Daily Planet und greift Clark Kents Freunde an. Superman rettet sie in die Festung der Einsamkeit. Brainiac folgt ihm dorthin zum letzten Gefecht.

Niemand kann behaupten, Batman hätte es nicht versucht.

Es kommen noch viele andere Helden und Schurken wie der Kryptonite Man. Doch die meisten Helden können Superman nicht helfen, weil sie von einem Energiefeld abgeschirmt werden (selbst Batman kommt nicht rein, obwohl er mit einem Holzknüppel dagegen schlägt). Viele sterben – selbst Krypto, der Hund mit dem Cape. Am Ende ist der schuld, der bisher gefehlt hat: Mr. Mxyzptlk, der Quälgeist aus der fünften Dimension. Superman tötet ihn. Aber weil Superman nicht töten darf, bringt er sich daraufhin selbst um. Er läuft durch ein Lager mit Goldenem Kryptonit, wodurch er seine Kräfte verliert, und erfriert daraufhin im arktischen Eis.

Aber natürlich ist das eine Lüge: Superman lebt mit Lois Lane als Jordan Elliott (abgeleitet von Jor-El) und hat mit ihr ein Kind, das mit bloßen Händen Kohlenstücke in Diamanten verwandeln kann. Das bedeutet aber auch, dass Superman offenbar nicht darunter zu leiden scheint, seinen Widersacher getötet zu haben.

Eine seltsame Geschichte. Hier geht es darum, vieles zu einem Abschluss zu bringen, aber ohne kanonischen Anspruch. Das heißt, dass wir sehen nur ein mögliches Szenario, das zugleich als Hommage an die Comics aus den 50ern und 60ern dient. Trotz der abgehetzten Handlung findet sich Raum für Komtemplation: Superman geht davon aus, dass er sterben wird, und will noch einiges zum Abschluss bringen, wie etwa Lois seine Liebe gestehen.

23 Jahre später, als Batman starb, erschienen nach diesem Vorbild zwei „letzte“ Batman-Ausgaben: Whatever Happened to the Caped Crusader? von Neil Gaiman und Andy Kubert.

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