Brian Azzarello

Dark Knight – Last Crusade: Vorschau auf die Vorgeschichte

Wie ist Robin Jason Todd gestorben und warum hat Batman den Dienst quittiert? Am 15. Juni erfahren wir es – in The Dark Knight Returns: The Last Crusade, einem 64-seitigen One-Shot. Frank Miller, Brian Azzarello und Zeichner John Romita Jr. erzählen darin die Vorgeschichte zum Klassiker The Dark Knight Returns. Neben dem Joker werden auch Poison Ivy und Selina Kyle (Catwoman) darin vorkommen. Mehrfach wurde der Erscheinungstermin verschoben, jetzt scheint der Comic endlich Wirklichkeit zu werden.

In einem Interview mit IGN erzählen Miller und Romita nun über die Hintergründe der Story, außerdem bekommt man eine Vorschau auf einige Seiten aus dem Heft. So viel sei verraten: Es geht drastisch zu. Oben kann man einige Variant Cover sehen, von Miller, Jim Lee, Lee Bermejo und Bill Sienkiewicz.

Am 29.6. soll der fünfte Teil der Fortsetzung, Dark Knight III, erscheinen. Was zuletzt geschah, kann man hier nachlesen.

Flashpoint: Die Zeit ist kaputt

DC Comics

DC Comics

Titel: Flashpoint/Batman: Knight of Vengeance (dt. Batman – Ritter der Rache)

Autor/Zeichner: Geoff Johns/Andy Kubert; Brian Azzarello/Eduardo Risso

Erschienen: 2011 (Miniserie #1-5; Mini-Serie #1-3), Paperbacks 2012 (Flashpoint/The World of Flashpoint Featuring Batman), dt. Panini 2013 (Paperback)


„Either we change this world, Flash, or we let it burn in hell.“ (Batman)

„All the blood on my hands … hasn’t changed a thin –“ (Batman)

Vor DC Rebirth war Flashpoint. Und danach kam The New 52. Und davor war Flash Rebirth. Alles klar? Nein? Dann noch mal von vorn:

Plötzlich hat Flash (Barry Allen) seine Kräfte verloren, dafür lebt aber seine Mutter wieder. Batman ist ein skrupelloser Killer. Superman gibt es nicht. Das Schlimmste aber: Wonder Woman und Aquaman befinden sich im Krieg – und das gefährdet die Welt; Europa ist bereits im Meer versunken. Der einzige, der sich an eine andere, bessere Welt erinnert, ist Barry. Er vermutet eine Intrige des Reverse Flash (Professor Zoom/Eobard Thawne), der bereits in die Vergangenheit gereits ist und Barrys Mutter ermordet hat. Barry sucht Batman auf und bittet ihn um Hilfe. Doch dann erfährt er, dass er es nicht mit Bruce, sondern mit Thomas Wayne zu tun hat, der nach dem Tod seines Sohnes zu Batman geworden ist. Zusammen mit Cyborg und ein paar anderen Superhelden verfolgen sie zwei Dinge: erstens, den Krieg zwischen Aquaman und Wonder Woman zu beenden, zweitens, die Zeitlinie zu ändern. Denn auch Batman will lieber nicht leben als in einer Welt zu existieren, in der sein Sohn tot ist.

Flashpoint ist ein wahres Ausnahme-Event. Keine Überschurken aus den Tiefen des Alls, keine 1000 Helden auf einem Haufen, die sich ins Schlachtgetümmel werfen, keine komplexen Geflechte aus Vorgeschichten und Ausläufern. Einfach nur eine fünfteilige Mini-Serie, die man gut ohne viele Vorkenntnisse verstehen – und vor allem genießen kann. Gerade die Überschaubarkeit des Personals, die Reduktion der Dramatik und die klaren Ziele machen Flashpoint zu einer aufregenden, kurzweiligen, aber nicht banalen Story. Auch das dystopische Elseworlds-Szenario weckt das Interesse, so dass man mehr über diese Welt erfahren will.

Flashpoint Batman (DC Comics)

Flashpoint Batman (DC Comics)

Empfehlenswert ist der Spin-off Batman: Knight of Vengeance, in dem Batmans Vorgeschichte erzählt wird. Sie ist eine kühne Variation des Altbekannten: Thomas Wayne betreibt ein Spielcasino, um dem Verbrechen näher zu sein, Martha Wayne ist nach dem Tod ihres Sohnes verrückt geworden – zum Joker. Brian Azzarello und Eduardo Risso (Broken City) erzählen in gewohnt noiresker Manier von einer kaputten Familie und einem kaputten Batman, der sein Blutvergießen als vergeblich betrachtet.

Batman Flashpoint Knight of Vengeance

DC Comics

Flashpoint ist etwa zu einem Drittel auch eine Batman-Story. Das andere Drittel wird bestimmt von Flash. Die wohl tollste Sequenz ist die, in der Batman versucht, Flash seine Kräfte wiederzugeben – mit einem elektrischen Stuhl. Die Story steckt voller solcher interessanter Ideen. Wohltuend ist auch, dass Superman hier nur eine marginale Rolle spielt. Seine Darstellung ist das genaue Gegenteil aller bisherigen Inkarnationen, aber ich will nicht alles verraten. Nur so viel noch: Am Ende überreicht Flash Bruce Wayne einen Brief seines Vaters – und der soll angeblich dafür verantwortlich sein, dass den DC Helden zehn Jahre gestohlen worden sind (siehe DC Universe Rebirth #1).

Um Flashpoint besser zu verstehen, empfiehlt es sich, vorher Flash Rebirth zu lesen. Denn die Ereignisse knüpfen direkt aneinander an. Aus Flashs Versuch, die Zeit zu verändern, um alles wieder rückgängig zu machen, entsteht eine neue Welt, das neue DC Universum „The New 52“, das von 2011 bis 2016 kanonisch war und von „DC Rebirth“ abgelöst, bzw. erneuert wird. Am Ende ist von drei verschiedenen Zeitlinien die Rede, die eine werden sollen: gemeint sind die Comic-Universen DC, Vertigo und Wildstorm.

Wer Flashpoint gelesen hat, ist bereit für Rebirth.

Hinweis: Im Jahr 2011 wurde die Story als Animationsfilm unter dem Titel Justice League: The Flashpoint Paradox adaptiert.

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Sightseeing mit Batman und Joker

DC Comics

DC Comics

Titel: Batman Europa

Autor/Zeichner: Matteo Casali, Brian Azzarello/Giuseppe Camuncoli, Jim Lee, Diego Latorre, Gerald Parel

Erschienen: 2015 (Mini-Serie #1-4), Hardcover 2016, dt. Panini 2016 (Batman Europa #1-2)


„If I have to die … I want it to be in a mystery.“ (Batman)

Warum spielt Batman in Gotham City (das eigentlich ein Synonym für New York ist)? Ganz einfach: Weil es dort viele Wolkenkratzer gibt, zwischen denen man herumschwingen kann. Deshalb ist Batman auch nur selten woanders zu sehen. Und wenn, dann wirkt er dort deplaziert. Etwa im Wald. In der Wüste. Oder in Städten ohne Skyline. Brian Azzarello und Matteo Casali haben ihn dennoch nach Europa geschickt – nach Berlin, Prag, Paris und Rom – und ihnen war der Kontinent so wichtig, dass sie ihn zum Titel gemacht haben. Aber beim Lesen wird schnell klar: die Wahl der Städte ist – reine Willkür. Doch auch mit dem wohl „stärksten Stilelement aller Zeiten“ (Rubber) kann man es übertreiben.

Was führt die Protagonisten nach Europa? Batman erkrankt an einem unheilbaren, geheimnisvollen Virus. Zugleich befällt auch den Batcomputer ein Virus, das Batman darüber aufklärt, dass seine Krankheit den Namen Colossus trägt und er eine Woche zu leben hat. Batman verfolgt den Computerangriff nach Berlin zurück, wo er auf den Joker trifft und feststellt, dass sein Erzfeind das gleiche Problem hat. Es folgt eine Schnitzeljagd nach Prag, Paris und Rom. Also einmal durch die wichtigsten Tourismus-Hochburgen Europas.

Die Reise wirkt auch wie eine einzige Sightseeing-Tour. Seitenweise werden die bekanntesten Bauwerke und Sehenswürdigkeiten präsentiert wie Postkartenmotive, dazu klären uns die Erzählstimmen von Batman und Joker über Fun Facts der jeweiligen Stadtgeschichte auf. Es sind lauter Klischees wie Checkpoint Charlie und der Eiffelturm. Einmal sehen wir Batman auf der Siegessäule hocken (Warum? Weil’s cool aussieht), eine Szene spielt auf Notre Dame, die der Szenerie dank der gotischen Architektur an die Heimat Gotham erinnert, das Finale spielt im Colosseum, wo einst Gladiatorenkämpfe auf Leben und Tod stattfanden. Und wenn man bedenkt, dass der Virus Colossus heißt, hätte man sich den Umweg über die anderen drei Städte sparen können.

Reine Willkür

Die Spurensuche in den Städten verläuft lächerlich unmotiviert. Batman und Joker laufen meist planlos durch Abwasserkanäle und suchen nach der Nadel im Heuhafen, die sie nur zufällig finden. In Prag kriegen sie es mit einer Armee hölzerner Roboter zu tun (reine Willkür), in Paris offenbart sich Joker als francophile Szenefigur (reine Willkür), auf Notre Dame treffen sie auf einen bösen Batman (reine Willkür) und nach Rom gelangen sie, weil ein Mord an Julius Cäsar erinnert. Garniert wird dieses Tour der Willkür mit platten Wortspielen des Jokers, der vergeblich versucht, diese dröge Story aufzulockern. (Dazu gehört auch, in Prag das Wort „kafkaesk“ zu sagen, während ganz viele Käfer zu sehen sind – oje …)

Kommen wir zum Spoiler-Teil – aber keine Sorge, euch entgeht euch keine große Überraschung, wenn ihr wisst, dass  im Colosseum der ‚Gladiator‘ Bane sich als Strippenzieher offenbart (reine Willkür). Der Grund für die Europa-Tour: Bane wollte Batman zeigen, dass Batman und Joker nicht ohne einander leben können. Hat Bane wirklich nichts besseres zu tun, als Zeit und Mühe für einen solchen Blödsinn zu verschwenden? Nein, es ist – ihr könnt es euch denken – reine Willkür. Zudem ist diese Erkenntnis (für uns Leser) wahrlich nicht neu. Von The Dark Knight Returns über Secrets bis Death of the Family und Endgame wurde sie so oft breitgetreten, dass sie hier so uninspiriert wirkt wie der Rest. Da hilft auch nichts, dass es buchstäblich darauf hinausläuft, dass die beiden jeweils die Medizin des anderen sind und sie beide Blut gegenseitig ihr Blut trinken müssen, um zu überleben. Batman hadert mit sich selbst, denn er gerät in Versuchung, Joker sterben zu lassen, um Menschenleben zu retten. Am Ende fällt er über ihn doch über ihn her, um ihn zu erledigen oder auch nur um ihn schwer zu misshandeln – wer weiß, wen juckt’s …

Rettung in der Kunst

Das einzige, was diesen Band interessant macht, ist sein Artwork. Vier Künstler – daruner Jim Lee – inszenieren die Episoden in vier sehr unterschiedlichen, meist expressionistischen Malstilen. Allein Diego Latorre meint es mit seiner Paris-Episode etwas zu gut mit dem künstlerischen Anspruch: seine zittrigen, verschwommenen Bilder, die wie ein Drogenrausch wirken, lassen oft nur schwer erkennen, was zu sehen sein soll. Das war zwar bei Dave McKeans Arkham Asylum ähnlich, aber hier ist es – für meinen Geschmack – zu dick aufgetragen. Letztendlich sind die aufwendigen und ausdrucksstarken Bilder (europäischer Künstler!) aber genauso bloß Dekoration wie die Wahrzeichen der europäischen Städte bloß Kulissen sind – und damit verschwendet an eine schwache, spannungsarme Story, für die es keine zwei Autoren gebraucht hätte.

>> Batman 2011-2019

Dark Knight III: Zur Halbzeit ist die Luft raus

DC Comics

DC Comics

Titel: Dark Knight III – The Master Race: Book 4

Autor/Zeichner: Frank Miller, Brian Azzarello/Andy Kubert, Frank Miller

Erschienen: 2016


„It’s you and me against the world, Boss.“ (Carrie Kelley)

Kaum hat Batman Superman aus dem Eis befreit, schon erweist sich der angebliche Mann aus Stahl als völlig unbrauchbare Memme. Widerstandslos lässt er sich von seiner Tochter Supergirl vermöbeln. Dabei gehen in Washington D.C. einige Wahrzeichen zu Bruch. Seine Tochter prügelt ihn bis zum Nordpol, wo er von den bösen Kandorianern in schwarze Materie gehüllt, geröstet und begraben wird. (Ähnlich geschunden wurde übrigens schon Carrie Kelley in Heft 1.)

Also muss Batman wieder ran. Der alte, sehr alte Bruce Wayne, der mehr Narben am Körper hat, als man zählen kann, der nur mit Schmerzmitteln überhaupt in der Lage ist zu stehen. Am Ende von Heft 3 gab er sich mit seinem „Go to hell“ kämpferisch und siegessicher, als hätten er und Superman einen Plan, um die Bösen zu erledigen. Jetzt ist er wieder nur passiver Zuschauer. Die Kandorianer fordern die Stadt Gotham auf, ihn auszuliefern. Batman lässt sich Zeit – warum auch immer. Erst am Ende der Episode zieht er das Kostüm wieder an und verbündet sich mit der trinkfreudigen Commissioner Yindel.

Allmählich ist der anfängliche Zauber dieser Mini-Serie dahin. Nicht nur, dass die Autoren die Geduld ihrer Leser damit strapazieren, dass sie ihre Veröffentlichungstermine nicht einhalten, sie bieten auch viel zu wenig Story, um über die Durststrecken hinweg zu helfen. Man hat den Eindruck, dass die Seiten bloß mit sinnfreier Action gestreckt werden, um über die dünne Handlung hinweg zu täuschen. Zwischendrin füllen die Gastauftritte anderer Superhelden die Panels und zögern alles noch mehr hinaus: Eine Seite für Wonder Woman, zwei für Atom, dreieinhalb für Flash, fünf für Aquaman. Doch keine dieser Figuren bereichert die Story, es wirkt so planlos wie das unselige The Dark Knight Strikes Again. Wonder Woman hat keine Lust mehr, Atom haben wir schon fast vergessen, Flash werden die Beine gebrochen so wie einst Green Lantern der Arm abgehackt wurde (warum stellen sich die Helden so jämmerlich an?), Aquaman spielt Deus ex machina für das neue Batgirl in Nöten, wobei er ein undefinierbares Ding reitet (keine Ahnung, was das für ein Tier darstellen soll).

DC Comics

DC Comics

Womit wir beim Batgirl-Mini-Comic wären. Und Frank Millers Zeichnungen. Ihre Qualität hat nicht nur stark nachgelassen, im Mini-Comic sind sie eine Unverschämtheit. Abgesehen davon, dass hier auch nichts passiert außer einer Klopperei, sind alle Figuren so unbeholfen, so dilettantisch oder auch einfach lieblos gezeichnet, dass man sich als Leser betrogen fühlt. Betrogen um die Erwartung, dass hier erstklassige Künstler ihr Bestes geben, und die Hoffnung, dass Miller mit DK III alte Fehler wieder gutmacht.

Die Hälfte der achtteiligen Mini-Serie ist hiermit geschafft. Man muss sich fragen, warum es nötig war, diese Geschichte zu erzählen. Warum man diesen alten Bruce Wayne nicht einfach ruhen oder sterben lassen konnte, denn es gibt bisher nichts, was diese zweite Fortsetzung rechtfertigt.

(Wohl aus einem schlechten Gewissen heraus hat DC ein paar Seiten mit Bleistiftzeichnungen von Andy Kubert drangehängt. Immerhin die sind hübsch anzusehen.)

Dark Knight III: Das dritte Buch Batman

DC Comics

DC Comics

Titel: Dark Knight III – The Master Race: Book 3

Autor/Zeichner: Frank Miller, Brian Azzarello/Andy Kubert, John Romita Jr.

Erschienen: 2016


„Go to hell.“ (Batman)

Lange habe ich darüber nachgedacht, welchen Satz man als Motto voranstellen könnte. Es gibt einige gute im dritten Kapitel von DK III – prägnant, tief, ausschlaggebend. Innere Einsichten von Bruce Wayne darüber, wie sehr sein Alter ihn daran hindert, Batman zu sein, wie sein Körper verfällt, wie er sich für eine Bürde hält, aber das Feuer in ihm noch brennt. Äußerungen von dem Kandorianer Quar, der mit seiner Horde über die Menschheit herfällt, um sie zu unterwerfen und Supergirl einredet, etwas Besseres zu sein. Selbst Superman sagt endlich etwas. Und so langsam nimmt die Handlung Fahrt auf.

Aber der Reihe nach. Was bisher geschah: Batman ist wieder im Ruhestand. Carrie Kelley schlüpft selbst ins Kostüm, wird von der Polizei gefangengenommen und wieder befreit. Superman hat aufgegeben und sitzt vereist in seiner Festung der Einsamkeit. Seine Tochter Supergirl befreit die Kandorianer mit Hilfe von Atom – und die Anhänger einer Sekte hinterlassen eine Spur von Tod und Verwüstung.

Was jetzt geschieht: Die Invasion der Kryptonier und die Vernichtung Moskaus lässt Batman mit Carrie zum Nordpol reisen, wo er Superman aus dem Eis holt und reaktiviert. Die Kryptonier stellen der Welt ein Ultimatum, sich binnen drei Tagen zu unterwerfen. Als das abläuft, machen Batman und Superman klar, dass die Unterdrücker zur Hölle fahren können. Doch dann kommt ihnen Supergirl in die Quere. Kara, beeinflusst von Quar, beschuldigt ihren Vater, sein Volk verraten zu haben. Cliffhanger! Ach, noch etwas: Im Mini-Comic bekommt Green Lantern Hal Jordan von drei Kandorianerinnen seinen Ring samt Hand abgenommen. Aber kurz vor einem tödlichen Sturz wird er von ihnen unerklärlicherweise aufgefangen.

Was uns freut: Endlich sehen wir wieder Bruce Wayne im Batman-Kostüm. Endlich tritt Superman in Aktion. Endlich passiert etwas Relevantes. Wenn man bedenkt, dass wir mit dem nächsten Heft die Halbzeit erreichen, wird es höchste Zeit. Aber man muss den Autoren auch lassen, dass sie die Erzählzeit nicht unbedingt vertrödeln, weil immerhin Bruce Wayne zu seinem Recht als Charakter kommt. Aber da ist noch mehr.

Die Meta-Ebene: Traditionsgemäß betreibt Frank Miller wieder seine Medienkritik. Schwachsinnige Debatten in TV-Talk-Shows wechseln sich mit unqualifizierten Internetkommentaren ab, Styling-Videos wirken umso absurder im Angesicht eines nuklearen Genozids. Und trotzdem fragen sich manche, ob die Kryptonier gar nicht die Bösen sind, sondern bloß so wie die üblichen Herrscher – nicht von ungefähr sieht einer der Fernseh-Kommentatoren aus wie Donald Trump. Charakterecht erklärt er Diplomatie zu einer Sache für Feiglinge. (Wie schon in The Dark Knight Returns sieht auch der Präsident aus wie der tatsächlich amtierende: damals war’s Ronald Reagan, heute ist’s Barack Obama.) Miller und Azzarello erlauben sich auch einen Kommentar zur Waffenfrage: angesichts der Übermenschen sind sie zwar nutzlos, aber sie werden angepriesen, um immerhin ein Zeichen des Widerstands zu setzen.

Die Kryptonier wiederum wollen nicht einfach nur herrschen, sondern die Menschen vom Konsum befreien. Diese Kapitalismuskritik wirkt etwas unmotiviert und aufgesetzt. Man versucht wohl, den Eroberern mehr als nur den üblichen Willen zur Macht abzuringen, aber das gelingt nur holprig. Das breite Volk hingegen ist bloß eine schweigende Masse, das auf seine Smartphones starrt und sich die Ohren mit Kopfhörern zustöpselt. Wieder einmal ist Zukunft gleich Gegenwart.

Wie gesagt: Hier wird sehr viel aufgefahren …

Auf dem Pfad des Soldaten

DC Comics

Titel: Batman/Deathblow – After The Fire (dt. Nach dem Feuer)

Autor/Zeichner: Brian Azzarello/Lee Bermejo

Erschienen: 2002 (Mini-Serie #1-3, Paperback 2003, Deluxe Edition 2013), dt. Panini 2003


„The world’s not a coin, Deathblow — and it’s not round, either. It’s like a diamond, multifaceted.“

Bevor Brian Azzarello und Lee Bermejo ihr gemeinsames Meisterwerk Joker machten, bevor sie sich Lex Luthor zuwandten, liefen sie sich mit Deathblow warm. Der Supersoldat aus dem Wildstorm-Universum trifft auf Batman, könnte man meinen. Ist aber nicht so. Denn der Witz an dieser Story, wenn es denn einen gibt, besteht darin, dass der Titel zwar ein Crossover suggeriert, aber tatsächlich treffen die Helden nie zusammen. Vielmehr ist es so, dass Batman einem Fall nachgeht, der vor zehn Jahren schon Deathblow beschäftigt hat. Doch der Soldat ist mittlerweile tot. Und so sehen wir dabei zu, wie zwei Geschichten, Vergangenheit und Gegenwart, miteinander enggeführt werden – und das alles geschieht in der gewohnten visuellen Qualität, die man von Lee Bermejo kennt.

DC Comics

Und auch einige von Azzarellos Dialogen sind gelungen. Doch leider gibt es davon zu viel. Die Story lahmt daran, dass zu viel geredet wird über Auftragskiller, Terroristen, Geheimorganisationen und Doppelspiele, und zu wenig passiert. Ein bisschen Ballerei, ein bisschen Feuer und das war’s, sonst nur öde Wortwüste. Der zündelnde Schurke, der äußerlich an Tyler Durden (Brad Pitt) aus Fight Club erinnert, dient weder als Bindeglied zwischen den Helden noch weckt er als Charakter Interesse. Das einzig Überraschende ist, wenn am Ende Batman Deathblow zum Leben erweckt, allerdings leuchtet der Grund dafür nicht ein. Genauso wenig wie der Anlass, diese lahme Geschichte zu erzählen. Für einen hochbegabten Bildererzähler wie Lee Bermejo ist dieses Heft verschenktes Potenzial. Wie gut, dass er sich danach noch ein paar Mal beweisen durfte, bis hin zu großen Würfen wie Noel.

Mehr zum Thema:

Dark Knight III: Der zweite Eindruck

DC Comics

DC Comics

Titel: Dark Knight III – The Master Race (Book Two)

Autor/Zeichner: Frank Miller, Brian Azzarello/Andy Kubert, Eduardo Risso

Erschienen: 2015


„I always thought I’d die alone.“ (Bruce Wayne)

Batman ist Carrie Kelley. Batman ist von der Polizei in Haft genommen. Bruce Wayne ist tot. Natürlich ist er das: Spätestens seit Batmans vorgetäuschtem Ableben in The Dark Knight Returns ist sein Alter Ego begraben. Aber Carrie behauptet beim Verhör, dass Batman tatsächlich gestorben ist – nachdem er von Lex Luthor zusammengeschlagen wurde (in The Dark Knight Strikes Again). Dass das im Widerspruch zu dem Eindruck steht, den er zuletzt machte, nämlich heiter Tee trinkend, muss nicht verwundern: Natürlich ist der alte Bruce noch wohlauf, denn einen so lahmen Tod im Krankenbett kann Frank Miller seinem Batman nicht zumuten.

Schließlich werden seine Dienste wieder gebraucht: Denn Ray Palmer alias Atom hat Mist gebaut. Indem er die Bewohner der Flaschenstadt Kandor wieder auf Normalgröße gebracht hat, befreite er damit auch den bösen Priester Quar und seine Anhänger. Die bringen gleich bei ihrer Ankunft ein paar Leichen mit und kündigen an, zuerst die Erde und dann das Universum zu erobern. Damit dürfte wohl die Frage geklärt sein, worum es sich bei der titelgebenden Herrenrasse handelt.

Viel mehr passiert im zweiten Heft von Dark Knight III: The Master Race nicht, außer dass Carrie Kelley bei ihrem Transport nach Blackgate den altbewährten Bat-Panzer herbeipfeift und entkommt. Wir sehen also zwei Gefängnisausbrüche. Und einen Emanzipationsversuch: Im Mini-Comic wird während eines kurzen Kampftrainings die Beziehung zwischen Wonder Woman und ihrer Tochter Lara vertieft. Dabei wird klar, dass sich Lara mit der kryptonischen Herkunft ihres Vaters identifiziert. Doch Superman spielt noch keine Rolle.

Das zweite Kapitel ist nicht ganz der Klopper geworden wie das erste, aber das ist in Ordnung. Die Cliffhanger wurden aufgelöst und die Handlung mit Kandor aufgebaut, es gibt einen Schurken und ein zu lösendes Problem. Jetzt kann Bruce Wayne endlich als Batman in Aktion treten. Das Interesse ist geweckt, wie sich die Teile zu einem Ganzen fügen werden. Zeichner Andy Kubert liefert erneut eine solide Arbeit ab, Frank Millers Stil nachzuahmen, vor allem bei seinen schattenreichen Splash Panels. Dafür enttäuscht Eduardo Risso bei seiner etwas unbeholfen wirkenden Darstellung von Lara. Aber für feine Striche ist er ohnehin nicht bekannt.

Dark Knight III: Der erste Eindruck

DC Comics

DC Comics

Titel: Dark Knight III: The Master Race – Book One

Autor/Zeichner: Frank Miller, Brian Azzarello/Andy Kubert, Frank Miller

Erschienen: 2015


„A good death? There’s no such thing.“

Endlich: da ist das erste Heft von Dark Knight III: The Master Race ist da. Obwohl ich lieber Storys am Stück lese, wollte ich nicht bis nächstes Jahr warten bis das Paperback herauskommt. Nach all den Vorberichten war ich zu gespannt, um mir die Erstausgabe entgehen zu lassen – schon allein wegen des Gimmicks Mini-Comic.

Der erste Eindruck: das Warten hat sich gelohnt. Die Story ist mitreißend erzählt, in Wort wie im Bild. Der Stil klingt ganz nach dem Frank Miller der 80er Jahre, selbst Andy Kuberts Zeichnungen erinnern an die Vorlage; auch Miller selbst überzeugt mit seinem Zeichenstift im Mini-Comic zu Atom, das in der Heftmitte an einem Pappeinleger befestigt ist (gut gelöst). Und es gibt einige Überraschungen.

In Kürze: Batman ist wieder da. Und auch Gotham. Wir sehen den Dunklen Ritter wieder auf der Straße, wie er Cops aufmischt. Die Medienresonanz ist gewaltig. Comissioner Ellen Yindel muss sich erneut rechtfertigen. Parallel dazu erlegt Wonder Woman (immer noch in engen Boxer Shorts) einen Minotaurus, Superman ist in seiner Festung der Einsamkeit buchstäblich auf Eis gelegt und ihre gemeinsame Tochter Lara will die Einwohner der Flaschenstadt Kandor befreien, hier kommt Atom ins Spiel.

Und jetzt kommt der Spoiler:

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Frank Miller plant Dark Knight 4

DC Comics

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Frank Miller ruht nicht. Und er lässt auch seinen Batman nicht ruhen. Eine Woche vor dem Start von Dark Knight III: The Master Race hat der Autor einen vierten Teil angekündigt. Er soll den (vorläufigen) Abschluss der Geschichte bilden. Aber auch das ist nicht das Ende: Denn außerdem plant Miller eine Spin-off-Serie um den weiblichen Robin Carrie Kelley, wobei er Kinder als Zielgruppe nennt. Beides will er wieder alleine schreiben; ob er wieder zeichnen wird, ist unklar. Bei Teil drei arbeitet er mit Co-Autor Brian Azzarello zusammen, Hauptzeichner ist Andy Kubert. Die erste Ausgabe kommt am 25. November heraus, sieben weitere folgen.

Das Dark Knight-Universum erweitert sich auch retroaktiv: Zuvor wurde das Prequel Last Crusade angekündigt, geschrieben von Miller und Azzarello und gezeichnet von John Romita Jr. Der 64-Seiten-One-Shot soll erzählen, wie Robin Jason Todd beim Kampf gegen den Joker umgekommen ist. Erscheinen soll es am 17. Februar 2017.

Batman und der vorletzte Kreuzzug

DC Comics

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Ein dritter Teil ist nicht genug. Einige Tage vor der ersten Ausgabe von Dark Knigth III: The Master Race kündigt DC Comics ein Prequel an: Dark Knight Returns – The Last Crusade soll ein 64-Seiten-One-Shot werden, das über zehn Jahre vor dem ersten Teil von 1986 spielt. Die Story, von Frank Miller und Brian Azzarello geschrieben, wird von John Romita Jr. (Daredevil: The Man Without Fear) gezeichnet und erzählen, wie Robin Jason Todd im Dark Knight-Universum zu seinem Ende kam. Wie das Cover zeigt, wird dabei der Joker eine wichtige Rolle spielen. Die Veröffentlichung ist für den 17. Februar 2016 angesetzt. Ein Interview mit Romita, der auch ein Variant Cover zu DK III beisteuert, gibt es hier.

DC Comics

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Die Nachricht ist mit gemischten Gefühlen verbunden: Einerseits war ein erster Teil genug, der zweite überflüssig und enttäuschend und alle Hoffnung ruht jetzt auf dem dritten; ein Prequel erscheint da erst recht wie zu viel des Guten – auch angesichts der riesigen Marketingmaschine, die DC mit seiner Flut an Variant Covern betreibt. Andererseits ist auch diese Welt ein Universum für sich und daher auch unendlich erweiterbar. Schließlich wollen die Fans beides: Pflege ihres Kults, aber auch ständig Neues. Die unendliche Geschichte von Batman muss immer weiter gehen. Auch wenn das manchmal heißt, einen Schritt zurück zu machen.

Leider sind Prequels schon deshalb weniger interessant, weil man bereits weiß, wie die Geschichte ausgeht, und weil sie die Leerstellen ausfüllen, die bislang von der Fantasie der Leser zu füllen sein konnte. Und braucht es noch eine Version von Jasons Todds Tod? Allerdings muss man dazu anmerken, dass Frank Miller 1986 diesen Tod schon vorweggenommen hat, bevor er tatsächlich innerhalb der offiziellen Batman-Continuity eingetreten ist (in A Death in the Family). Und schließlich ist das keine besonders gute Story gewesen. Eigentlich eine ziemlich miese. Vielleicht wird jetzt endlich eine Variation dieser Geschichte geliefert, die würdiger und zeitgemäßer erscheint.