Comic

80 Jahre Joker: Mord als Pointe

DC Comics

Titel: The Joker 80th Anniversary 100-Page Super Spectacular #1

Autor/Zeichner: Scott Snyder, James Tynion IV u.a/Jock, Tony S. Daniel u.a.

Erschienen: 2020 (One-shot)


Was wäre Batman nur ohne den Joker? Was wäre der Joker nur ohne Batman? „You complete me!“, hat einst Heath Ledger gesagt. Der eine kann nicht ohne den anderen. Zwar stellt jeder Schurke auf seine Weise das Gegenteil des Helden dar, aber der Joker ist auf dem Spektrum der Antipoden am äußersten Ende: Hier der ernste, rationale Dunkle Ritter, besessen von seiner Mission, Verbrechen zu bekämpfen. Dort der unberechenbare, amoralische Clown, der zum Spaß über Leichen geht und Batman immer neu herausfordert.

Der Joker war von Anfang an kein Spaßvogel: Er war ein zynischer Terrorist, sein starres Grinsen blanker Hohn. Der alberne Clown, dem es nur um Schabernack oder gar Reichtümer ging, kam erst etwas später, bis es schier unerträglich dämlich wurde. Seit den 70ern ist er immer mehr ein Psychopath, ein Massenmörder, mal das Böse schlechthin, mal ein Nihilist, dem es um nichts geht, als sich an Batman abzuarbeiten, um ihm etwas zu beweisen. Ihr Kampf ist reiner Selbstzweck: nichts als ein krankes Spiel mit vielen Opfern.

Das wahre Problem daran: Ohne den Joker scheint es kaum noch zu gehen. Sowohl in den Comics als auch in den Filmen dominiert stets er. Gerade in letzter Zeit häufen sich die Joker-Comics, auch angefeuert durchs Kino. Aber ist nicht mittlerweile alles erzählt und gesagt? Jedenfalls wird es immer schwieriger, noch etwas Neues zu sagen, je mehr Joker-Storys es gibt. Die Figur läuft Gefahr, sich zu verbrauchen.

Jokers Schwäche und Angst

Im 100-Seiten-Special zum 80. Jahrestag versuchen es die Autoren und Zeichner trotzdem. Und das gelingt meistens sogar. Scott Snyder hat in The Black Mirror, Death of the Family und Endgame die Figur schon tief ergründet. In „Scars“ zeigt er (zusammen mit Jock) wieder die Opferperspektive: Ein Psychiater versucht einem Mann zu helfen, der vom Joker entstellt wurde – einer von vielen. Er macht ihm klar, dass die Macht des Jokers darin besteht, seine Opfer denken zu lassen, er sei mehr als nur ein Mann, sondern Ausdruck ihrer jeweils größten Angst. – Eine kluge Analyse mit einer furchterregenden Wendung.

Dass den Joker selbst eine Angst plagt, zeigt sich „The Last Smile“ (Paul Dini/Riley Rossmo). Hier träumt er immer wieder davon, dass er hingerichtet wird und dabei Batman zuletzt lacht. Und in „Kill the Batman“ (Gary Whitta/Greg Miller/Dan Mora) wird die Frage, was der Joker ohne Batman tun würde, mit einer spitzen Pointe beantwortet.

Die zwei stärksten Geschichten zeigen den Joker von ungewohnten und unerwarteten Seiten: In „Birthday Bugs“ (Tom Taylor/Eduardo Risso) zeigt der Clown eine Schwäche für Kinder, indem er einem unbeliebten Jungen Gäste zum Geburtstag beschert. In „No Heroes“ (Eduardo Medeiros/Rafael Albuquerque) hinterfragt der Joker das Heldentum eines Bankangestellten während eines Banküberfalls. Hier wird es nicht nur gesellschaftskritisch, das Ende regt auch zum Nachdenken an.

Joker als Jack Nicholson

Auf kommende Ereignisse weist Autor James Tynion IV voraus. Er führt Harley Quinns Nachfolgerin an der Seite des Jokers ein: Punchline. Sie wird im Batman-Event Joker War (Batman #95-100) eine Rolle spielen. Aber für sich genommen ist die Geschichte eine der schwächeren (wenn auch stark von Mikel Janin gezeichnet).

Und natürlich gibt es auch hier die obligatorische Meta-Story: Das Dream-Team Brian Azzarello und Lee Bermejo (Joker, 2008) vereint in „Two Fell Into the Hornet’s Nest“ Arkham Asylum mit der Anstalt aus dem Filmklassiker Einer flog über das Kuckucksnest (1975). Die Geschichte ergibt an sich wenig Sinn, aber ist vor dem Hintergrund des Films eine interessante wie skurrile Adaption, vor allem wenn man bedenkt, dass Hauptdarsteller Jack Nicholson 14 Jahre später selbst den Joker gespielt hat.

Man soll ja nicht schlecht über (jüngst) Verstorbene reden, aber die mit Abstand schwächste Geschichte erzählt leider Autorenlegende Dennis O’Neil: In „Introducing the Dove Corps“ schließt sich der Joker pazifistischen Soldaten an, die im Bürgerkrieg von Guatemala für Frieden sorgen sollen. Abgesehen davon, dass hier eine Art (unnötige) Vorgeschichte zu The Killing Joke erzählt wird, fällt die Pointe platt aus: Töten macht dem Joker am meisten Spaß. Das ist selbst gemessen an den Standards des schwärzesten Humors nicht lustig. Das ist einfach nur mies.

Revue der schönsten Joker-Momente

Aber oft enden auch andere Geschichten in diesem Heft mit Mord als Pointe. Liest man das alles am Stück, kann einem bei all dem Gemetzel schon mal mulmig werden. Nein, Anlass zum Lachen bietet der Joker immer noch eher selten. Der Joker von heute verstört vor allem durch seine Skrupellosigkeit.

Wie schon beim Catwoman-Special wird hier auch viel fürs Auge geboten: Neben einer Auswahl der ikonischsten Joker-Cover zeigt eine Reihe neuer Pin-ups von Künstlern wie Tim Sale, Kelley Jones, Ivan Reis und John Romita Jr. den Clown aus moderner Sicht. Dazu inszenieren Peter J. Tomasi und Simone Bianci in „The War Within“ den immerwährenden Kampf der Kontrahenten bildgewaltig als große Revue-Show, mit großen Momenten von The Laughing Fish, The Killing Joke bis hin zu Tim Burtons Batman-Film. Damit dürften auch altgediente Fans und Nostalgiker mit diesem Comic glücklich werden.

Hinweis: Im Oktober werden die bisher erschienen 80-Jahre-Specials in einem Paperback erscheinen: Batman: 80 Years of the Bat Family.

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Detective Comics #1027 wird zum Jubiläums-Special

Detective Comics #1027 von Andy Kubert (DC Comics)

Normalerweise feiert man Jubiläen bei schönen runden Jahreszahlen: Erst im vergangenen Jahr zum Beispiel wurde Batman 80 und dank geschickter Verlagstricks erschien dazu Detective Comics #1000 als extragroßes Special. (In diesem Jahr folgten ähnliche Specials zu Robin, Catwoman und Joker.)

Am 15. September erscheint nun Detective Comics #1027 und das müsste keinen besonders interessieren, aber weil die Zahl 27 eben eng mit Batmans erstem Erscheinen verbunden ist, nimmt DC das wieder zum Anlass, die Nostalgie mit einer 144-Seiten-Extra-Ausgabe zu bedienen.

Enthalten wird Detective Comics #1027 Kurzgeschichten mit Betonung auf „Detective“. Sie stammen von bekannten Größen, darunter vielen Batman-Veteranen, aber auch namhaften Autoren, die bisher noch nicht am Dunklen Ritter gearbeitet haben: Greg Rucka/Eduardo Risso, Grant Morrison/Chris Burnham, Tom King/Walt Simonson, James Tynion IV/Riley Rossmo, Peter J. Tomasi/Brad Walker, Dan Jurgens, Marv Wolfman/Emanuela Lupacchino und Bill Sienkiewicz, Brian Michael Bendis/David Marquez, Mariko Tamaki/Dan Mora, Scott Snyder/Ivan Reis, Kelly Sue DeConnick/John Romita Jr und Klaus Janson, Matt Fraction/Chip Zdarsky.

Darüber hinaus wird das Heft „Tribute-Art“ von Zeichnern wie José Luis García-López, Jamal Campbell, Lee Bermejo, Jorge Jiménez und anderen enthalten. Neben dem Cover von Andy Kubert erscheinen zehn Variant Cover.

Detective Comics #1027 soll 9,99 US-Dollar kosten.

Die bisher erschienen Jubiläums-Specials werden im Oktober in einem Paperback versammelt: Batman: 80 Years of the Bat Family.


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Batman-Autor Dennis O’Neil ist tot

Ra’s al Ghul, Joker, Two-Face von Dennis O’Neil und Neal Adams. (DC Comics)

Der langjährige Batman-Autor und DC-Redakteur Dennis O’Neil ist im Alter von 81 Jahren gestorben. Das berichtet Gamesradar und beruft sich dabei auf O’Neils Familie. „Denny“ O’Neil hat seit den 60er-Jahren Comics geschrieben, zuerst für Marvel und Charlton, dann für DC.

O’Neil, geboren im selben Jahr wie der Dunkle Ritter, war der bedeutendste Batman-Autor der 70er. Zusammen mit Zeichner Neal Adams hat er den Joker und Two-Face modernisiert sowie die Figuren Ra’s al Ghul, Talia al Ghul, Leslie Thompkins und später auch Azrael geschaffen.

Ebenfalls mit Neal Adams hat er Green Lantern und Green Arrow zusammengebracht und auf eine sozialkritische Reise durch die USA geschickt. Nach einer Rückkehr zu Marvel war er von 1986 bis 2000 als Redakteur für DC tätig.

Von O’Neil stammen auch mehrere klassische Storys aus der Serie Legends of the Dark Knight, darunter Shaman, Venom und Images. Zu seinen weiteren Werke gehören:

Noch bis ins hohe Alter hat Dennis O’Neil Kurzgeschichten geschrieben, zuletzt auch eine für das Jubiläums-Special The Joker 80th Anniversary 100-Page Super Spectacular #1.

Das Ei des Riddlers

DC Comics

Titel: When Riddled by the Riddler

Autor/Zeichner: Doug Moench/Don Newton

Erschienen: 1983 (Batman #362), Paperback 2015 (Batman Arkham: The Riddler)


Der Riddler versucht sich in Resozialisierung: Als Aushilfe eines Winzers hat er die ehrenvolle Aufgabe, jeden Tag Weinflaschen umzudrehen. Doch an Resozialisierung hat der Riddler gar kein Interesse – er heckt dort bloß seinen nächsten Coup aus. Als ihm endlich eine Idee kommt, haut er ab, steigt ins grüne Kostüm und schickt Commissioner Gordon ein goldenes Gänse-Ei mit der Aufschrift „MA“.

„Ma Goose“ – also Mother Goose, das deutet auf einen gleichnamigen Vergnügungspark hin. Aber Vergnügungspark – das riecht eigentlich sehr nach Joker. Und als Batman dort eintrifft, sieht man auch die fidelnde Katze, die an eine Catwoman-Story erinnert, und Humpty Dumpty, der auch Erinnerungen an Alice im Wunderland weckt und an den Mad Hatter denken lässt. Der Riddler bewegt sich also in fremden Gefilden, um nicht zu sagen: Er schmückt sich mit fremden Federn. Tatsächlich springt er dann aus Humpty-Dumpty-Ei wie ein Springteufel, was wiederum an Jokers Masche erinnert und dann schießt er mit einem Maschinengewehr auf Batman.

Busfahrt mit Maschinengewehr

Der Riddler, der einige Jahre zuvor noch gegen das Töten geträubt hat, ist nun wieder nicht mehr ganz so abgeneigt, seinen Spielkameraden zu erledigen, bevor das Spiel vorbei ist. Batman verliert die Spur. Im Gordons Büro lässt Harvey Bullock inzwischen Riddlers Ei fallen und es kommt das eigentliche Rätsel zutage. Über einige Ecken kommen Batman und Gordon darauf, dass der Riddler eine Game-Show namens „Enigma“ überfallen und den Hauptpreis erbeuten will.

Ein Plan, der zunächst aufgeht. Nur für die Flucht hat sich der Riddler nichts Besseres einfallen lassen, als in einen (voll besetzten) Omnibus zu steigen. Das ist höchstens gut für ein Wortspiel mit „Re-Bus“, aber nicht um vor Batman abzuhauen, der mit Gordon im Auto hinterjagt. Batman springt aufs Dach, der Riddler schießt ein paar Löcher hinein – gerade groß genug, dass Batman eine Rauchkapsel hineinwerfen kann. Und so erweist sich Riddlers grandioser Plan mal wieder als schneller Rohrkrepierer. Wäre er mal lieber beim Flaschendrehen geblieben.

Ein anderer Riddler, ein anderer Bullock

Für einen kurzen Moment gibt es in dieser Ausgabe einen Riddler mit grünem Bowler und Jackett zu sehen – ein Stilwechsel, den der Schurke erst wieder 1990 in Batman #452 (Dark Knight, Dark City) vollziehen wird. Aber dann wird er auch ein radikal anderer Schurke sein.

Übrigens: In dieser Ausgabe sieht man einen anderen Harvey Bullock, als man ihn heute kennt. Hier ist er noch ein korrupter Polizist, der für Bürgermeister Hamilton Hill James Gordon aus dem Amt drängen will. Eingeführt wird er in Batman #361 (1983) – allerdings taucht ein Harvey Bullock schon 1974 in Detective Comics #441 auf, eine komplizierte Geschichte für ein anderes Mal …

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Catwalk für Catwoman

DC Comics

Titel: Catwoman 80th Anniversary 100-Page Super Spectacular

Autor/Zeichner: Paul Dini, Tom King, Ed Brubaker u.a./Mikel Janin u.a.

Erschienen: 2020 (One-shot)


Nun hat also auch Catwoman die 80 Jahre geknackt. Dank der eigenen Gesetze der Comics sieht man ihr das Alter nicht an. Und dank der Gesetze der freien Marktwirtschaft hat DC zu dem Jubiläum ein weiteres 100-Seiten-Special herausgebracht. Acht Seiten davon zeigen die Evolution von Catwoman. Aber wenn man sich den ersten Auftritt ansieht, kommen Zweifel auf: Die Figur von 1940 hat mit der heutigen Catwoman fast nichts gemein. Anfangs war sie nur eine namenlose Frau, die sich einfach nur „The Cat“ nannte. Und sie war auch nicht als Katze verkleidet, sondern als alte Frau. Dann erst kam die Katzenmaske und später folgten unzählige Kostümwechsel, wie man auch auf den Variant Covers sehen kann.

So versucht auch dieses Special, all diesen Inkarnationen Rechnung zu tragen, zu denen auch verschiedene Rollen gehören: Ann Nocentin zeigt uns die peitschenschwingende Diebin im Kostüm von Michelle Pfeiffer, Jeff Parker lässt Julie Newmar aus der Batman-60er-TV-Serie auferstehen und in übertrieben-trashiger Manier eine Alien-Invasion abwenden, Mindy Newell kehrt zurück zu Catwomans Neuanfängen in den späten 80ern zurück (Catwoman: Her Sister’s Keeper), Paul Dini erzählt – wie schon in The Animated Series – von der Tierschützerin und Ed Brubaker bietet erneut seine Version aus den Nuller-Jahren, die schwarzes Leder trägt und die er mit Darwyn Cooke erschuf (Cameron Stewart ist hier der Zeichner).

Catwoman wird Mutter

Tom King lässt Catwoman aus der Rolle fallen und schwanger werden und mit der Mutterrolle kämpfen. Allerdings betritt er damit kein Neuland, sondern greift nur eine Story von Erde 2 auf (From Each Ending… A Beginning!“, DC Super Stars #17, 1977), in der Bruce Wayne und Selina Kyle eine Tochter namens Helena (die erste Huntress) haben. Könnte diese alternative Zukunft bald kanonisch werden? Definitiv weist nur eine Story auf eine Fortsetzung hin („Addicted to Trouble“ von Ram V und Fernando Blanco), in der Selina mit ihrem Sidekick Holly durch die Staaten reist und für Ärger sorgt.

Bei so viel Traditionsbewusstsein darf auch eine Meta-Story nicht fehlen, die sich nicht nur vor all diesen Catwomen verneigt, sondern auch die Fan-Kultur ad absurdum führt. In „Conventional Wisdom“ (von Will Pfeifer und Pia Guerra) findet sich Selina Kyle auf einer „Bat-Con“ wieder, auf der sie auf lauter verkleidete Fans und Schurken trifft, die zusammen mit Bruce Autogramme geben. Doch Selina weiß nicht, wie ihr geschieht und wie sie dorthin gekommen ist. Dafür darf sie bei der Gelegenheit schön über die Kostüme von Newmar und Pfeiffer ablästern. Bei so viel Augenzwinkern kann man auch mal zwei Augen bei der Auflösung zudrücken, denn darum geht es hier natürlich nicht.

Oberflächliche Modenschau

Insgesamt ist diese Wundertüte allerdings voller eher durchschnittlicher Geschichten, die man höchstens als „nett“ zur Kenntnis nimmt, aber von denen keine wirklich tiefen Eindruck hinterlässt. Nur wenig erlaubt neue Einsichten in die Figur, das Meiste bleibt auf der Oberfläche einer Modenschau und das Special erscheint eher als ein Catwalk für Catwoman. Da hatte Batman mit Detective Comics #1000 mehr Glück.

Das Catwoman-Special dürfte eher nur etwas für richtige Fans sein, die auch mit den Verweisen etwas anfangen können. Um Einsteiger für die Figur zu begeistern taugt es eher weniger. Es empfiehlt sich daher, die Originalstorys zu lesen – die machen eindeutig mehr Spaß.

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Batman und Riddler schreiben Krimi-Geschichte

DC Comics

Titel: Batman and the Riddler: The Death of Batman

Autor/Zeichner: Don Karr/Carmine Infantino

Erschienen: 1982 (The Brave and the Bold #183), Paperback 2015 (Batman Arkham: The Riddler)


Ein Unbekannter holt den Riddler aus dem Knast, gibt ihm sein Kostüm und lädt ihn ein zu einem Spiel: „The Death of Batman“. Am selben Abend wird bei einem Empfang der Krimi-Autor Hugh Rutherford Creighton entführt. Batman wird zum Polizeipräsidium gebeten. Dort wurde ein Spiel abgegeben: The Death of Batman. Der Mitspieler muss Karten ziehen, auf denen steht, wo er als nächstes sein soll. Batman trifft auf den Riddler und sie spielen gemeinsam.

Die Schnitzeljagd führt nicht nur durch Gotham, sondern auch durch die Literaturgeschichte: vom ersten Rätselknacker Ödipus, zum Haus von Edgar Allan Poe bis hin zum Aschenbecher von Sherlock Holmes und Dashiell Hammett (Autor von The Maltese Falcon). Zwischendurch gibt es eine Explosion und eine tödliche Schlange und einmal holt der Riddler mit dem Schwert nach Batman aus.

Beim Finale in Creightons Haus stellt sich der Schurke – ACHTUNG SPOILER – als Creighton selbst heraus. Er hat seine eigene Entführung bloß inszeniert, um sich an Batman zu rächen, weil der Krimi-Autor durch ihn nicht mehr von der Polizei konsultiert wird. Außerdem hat er Spaß dran und ohnehin nicht mehr lange zu leben. Als der Lebensmüde alles in Flammen aufgehen lässt, versucht der Riddler zunächst Batman vor dem Rauch zu retten – und wird dann selbst von ihm gerettet.

„I have ethics!“, sagt der Riddler. „For me the game is everything!“ Außerdem sei Batman der einzige, der das Rätsel auflösen könne.

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Robin wird 80: Neue Anthologie

Robin (Dick Grayson) in Star Spangled Comics #65 (DC Comics)

In diesem Jahr ist 80 Jahre alt geworden. DC hat das bereits mit einem 100-Seiten-Special gefeiert. Für den 1. September 2020 hat der Verlag eine neue Anthologie angekündigt: Robin: 80 Years of the Boy Wonder wird als Hardcover mit 416 Seiten erscheinen und 29,99 US-Dollar kosten.

Das Beste: In diesem Band wird sich bis auf den obligatorischen ersten Auftritt von Dick Grayson nichts mit der Anthologie doppeln, die vor fünf Jahren zum 75. Jahrestag herausgekommen ist. Der neue Band wird Robins erste Solo-Story in Star Spangles Comics #65 enthalten, den ersten offiziellen Auftritt von Jason Todd als Robin (1984) sowie das Special The Gauntlet (1997).

In der Auflistung bei Amazon finden sich noch folgende Titel, die aber in der Verlagsankündigung von DC fehlen:

  • The Olsen-Robin Team versus the Superman-Batman Team (World’s Finest Comics #141, 1964)
  • Batman Incorporated #1
  • Super Sons #5

Das neue Cover soll wieder von Jim Lee stammen, ist aber wohl noch in Arbeit.

>> Robin-Comics

Neues aus dem Kriegsgebiet Gotham

DC Comics

Titel: Gotham Nights

Autor/Zeichner: Michael Grey, Mark Russell/Ryan Benjamin, Jim Lee u.a.

Erschienen: 2020 (Gotham Nights #1-6)


Nach den ersten Ausgaben von DCs neuer „Digital First“-Serie Gotham Nights habe ich mal einen Blick hineingewagt. Erzählt werden meist 17-seitige Kurzgeschichten, die jeweils für sich allein stehen.

Die erste Ausgabe beginnt mit zwei kurzen Geschichten, die Militärbezug haben. In „Medal of Honor“ (gezeichnet von Jim Lee) passiert etwas Ungewöhnliches: Wir sehen Batman an der Seite der Polizei gegen eine schwer bewaffnete Clownsbande kämpfen. Aus dem Off erzählt jemand das Geschehen nach. Batman setzt sich dem Kugelhagel aus, Gordon wird verwundet – und Batman rettet ihm das Leben. Am Ende wird klar, dass die Worte aus einer Rede von 2010 stammen, in der US-Präsident Barack Obama den Soldaten Sal Giunta mit der Medal of Honor für seinen Einsatz in Afghanistan ausgezeichnet hat. Damit ist Giunta der erste Soldat seit dem Vietnam-Krieg, der diese Auszeichnung erhielt.

Joker als Anwalt der Unterwelt

Indem Giuntas wahre Geschichte mit der von Batman fusioniert, soll der Soldat geehrt werden. Zugleich aber wird natürlich auch Batman die Ehre zuteil, auch wenn in der Story ihm niemand eine Medaille umhängt. Batman als Soldat auf dem Schlachtfeld von Gotham, der selbstlose Dunkle Ritter. Ein interessantes Experiment. Die folgende Geschichte, die Kate Kane (Batwoman) bei einem Einsatz in Afghanistan zeigt, kann da nicht mehr mithalten.

In den nächsten zwei Ausgaben folgen Geschichten über Clayface und Poison Ivy, wie man sie schon zu Dutzenden gelesen hat: Clayface nimmt die Gestalt eines Schauspielerkollegen an, um einen Studio-Boss zu erschießen, der sich an einer Kollegin vergriffen hat – der Rest ist Selbstmitleid und Kampf. Und Poison Ivy rächt sich für die Rodung des Regenwaldes – gähn … Immerhin solide gezeichnet von Ryan Benjamin.

DC Comics

Doch dann übernimmt ein neuer Autor, Mark Russell, und es wird wieder interessanter: In „The Dragnet“ spioniert Bruce Wayne seine reichen Freunde aus, die das Trinkwasser verseuchen und ihr Geld mit Partydrogen verdienen. Batman bringt sie ins Gefängnis, aber er spielt weiter ein Doppelspiel als Bruce Wayne. Am Ende kommt der Joker ins Spiel – als Anwalt der Unterwelt. Auch hier ist alles schnell vorbei, aber es ist immerhin eine einfallsreiche Geschichte, die man sich auch gerne etwas länger gewünscht hätte.

Ähnlich in Ausgabe fünf: In „Concrete Jungle“ muss Batman einen Zeugen an einem schießwütigen Mob vorbeibringen, um ihn der Polizei auszuliefern. Harley Quinn hat hier einen unbedeutenden Gastauftritt. Und während man sich fragt, wie Batman einen Menschen in einem Sack herumtragen und werfen kann, ohne dass sich das Opfer alle Knochen bricht, gibt es am Ende wieder eine nette überraschende Wendung.

Codewort: Balyushka

Das Beste aber kommt zum Schluss: Nachdem Batman so viele Verbrecher schnappt, dass Gotham ein neues Gefängnis bauen muss, um sie alle unterzubringen, fehlt Geld im Haushalt. Also kürzt man bei der Krankenversicherung. Daraufhin springt der Joker ein. Per Video-Botschaft verkündet er, die jeden Monat die Versicherung für fünf Bürger zu übernehmen, wenn sie ihm ein Video schicken, auf dem sie das Wort „Balyushka“ sagen. Natürlich muss es ein Video nach Jokers verdrehtem Geschmack sein.

Kurz darauf ist die Stadt voller Verzweifelter, die allen möglichen Unfug anstellen, um ihre dringend benötigte medizinische Behandlung bezahlen zu können, und Batman muss einige von ihnen retten, bevor sie sich ernsthaft wehtun.

Mark Russells Story ist nicht nur unterhaltsam und schwungvoll gezeichnet (Viktor Boddanovics Stil erinnert sehr an Greg Capullo), sondern auch verblüffend vielschichtig: Da ist die Kritik an dem menschenverachtenden Gesundheitssystem der USA, Kritik an Batmans rücksichtslosem Feldzug, der einen hohen Preis für die Verbrechensbekämpfung zahlt, aber auch an der Sensationskultur des Internets, in der täglich auch ohne Not Menschen sich zu Idioten machen, um ein paar Minuten Aufmerksamkeit zu bekommen. Selbst das Ende hält noch eine starke Wendung parat.

Insgesamt also ist Gotham Nights bislang einerseits ein solider Einstieg für Neulinge und Gelegenheitsleser, ohne sich in die Vorgeschichten und Continuity vertiefen zu müssen. Andererseits können auch eingeschworene Batman-Fans, die leichte Lektüre für zwischendruch suchen, ein paar kleine Perlen entdecken.

Es wäre zu früh, aus den ersten sechs Ausgaben einen Trend abzuleiten, aber wenn es so weitergeht, dann hat diese Serie noch großes Potenzial, ähnlich wie die Anthologie-Sammlungen Legends of the Dark Knight und auch Batman: Black and White.


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Riddlers Coup des Jahrhunderts – mit Hühnern

DC Comics

Titel: The 1,001 Clue Caper or Why Did the Riddler Cross the Road?

Autor/Zeichner: Len Wein/Irv Novick

Erschienen: 1979 (Batman #317), Paperback 2015 (Batman Arkham: The Riddler)


1977 wirkte der Riddler in Who Killed the Batman? noch mordlüstig, er hat sogar damit geprahlt, Batman getötet zu haben, indem er ihn in die Luft gejagt hat, zwei Jahre später verfolgt er ganz andere Interessen – und als er im Finale Batman mit einer Waffe bedroht, schießt er nur zur Abschreckung.

Zunächst schickt der Riddler Batman ein Buch mit 1001 Rätseln – als Ankündigung dessen, was da kommen mag, auch wenn die Auswahl der Rätsel dafür etwas zu groß scheint. Auf dem Cover spricht er jedenfalls vom „Crime of the Century“. Dann entführt er einen Laster voller Hühner, um sie später auf ein paar Arbeiter loszulassen, die Stapel von Zeitschriften verladen. Der Riddler nutzt die Ablenkung, um die Hefte zu stehlen. Warum? Weil in den Stapeln Waffen versteckt sind, die er verhökern möchte. Das soll der Coup des Jahrhunderts sein? Na ja …

Das Neue daran ist höchstens, dass er diesmal kein Rätsel hinterlässt, außer dass das Rätselbuch aus der Gefängnisbibliothek stammt, was wiederum dazu führt, mal im Knast nachzufragen. Auf der Krankenstation liegt Edward Nigmas ehemaliger Zellengenosse seit einem gescheiterten Fluchtversuch in einer Art Wachkoma und murmelt einen Hinweis, der Batman und Robin zu dem falschen Zeitschriftenlager führt. Batman weiß daraufhin durch eine Eingebung, wo die Waffenübergabe stattfinden soll, also fahren sie zum Hafen, wo sie den Schurken nach einem kurzen Gefecht in einem Netz einfangen.

„Sometimes I wonder why I ever bother!“, sagt er, während er schmollt. Das fragen sich die Leser nach dieser Geschichte sicher auch. Von wegen „Crime of the Century“ …

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Kind, Mann, Detektiv, Rächer

DC Comics

Titel: The Four Faces of Batman

Autor/Zeichner: Mike W. Barr/Kevin O’Neill, Jerry Ordway, Alex Nino, Dan Jurgens, Paul Smith

Erschienen: 1985 (Batman Annual #9)


Batman ist nicht nur ein maskierter Superheld. Er ist vieles auf einmal. Mike W. Barr beleuchtet im Batman Annual #9 die Figur in vier Rollen: als Kind, als Rächer, als Detektiv und als Mann. Zum Kind wird Batman wieder, als er mitansehen muss, wie ein Junge seine Eltern verliert. Nach einem gescheiterten Raubüberfall gerät der Fluchtwagenfahrer in Panik und überfährt sie. Der Junge schwört Rache, aber Batman kann das verhindern, indem er selbst den Schuldigen aufspürt.

Als Bruce Wayne spielt er Detektiv: Ein alter Freund, der seit zehn Jahren im Rollstuhl sitzt, lädt Verwandte und Weggefährten ein, weil er einem von ihnen die Schuld an seiner Behinderung gibt. Kurz darauf wird er ermordet. Wer ist der Täter? Der Hinweis, den er hinterlässt, deutet auf alle vier hin, jeder könnte es gewesen sein, aber Batman findet schnell die Lösung – indem er ziemlich gewagt um die Ecke denkt.

Batman hat Blut an den Händen

Die letzte Geschichte zeigt Batman als Mann der Tat, wie er Kinder aus einem brennenden Krankenhaus rettet. Mehrere Zeugen erzählen der Polizei verschiedene Versionen der Geschichte, bis am Ende Batman selbst erzählt, wie es wirklich gewesen ist. Obwohl er nach 36 Stunden ohne Schlaf sein Leben riskiert und sich eine Kugel eingefangen hat, ist es für ihn nicht genug: „I’ve been too easy on myself, Alfred.“ Nicht einmal ausschlafen gönnt er sich. Das ist kein Heldentum mehr, das ist Selbstzerstörung.

Die krasseste Episode jedoch ist die über den Rächer („Avenger“): Nachdem eine Bande einen Raubüberfall begeht, bei der eine Frau an einem Herzinfarkt stirbt, schwört Batman, die Täter zu finden. Da sich die Bande jedoch einer Masche von Terroristen bedient hat, sind auch die hinter ihr her. Aber als die beiden Gruppen die Sache unter sich mit Geld regeln, geht ein Knall los. Die beiden Parteien schießen aufeinander und jagen sich gegenseitig mit Sprengstoff in die Luft. Den ersten Knall hat Batman verursacht, indem er draußen einen Böller explodieren ließ.

Sein Schlusswort fällt erschreckend zynisch aus: „Bank robber or self-proclaimed ‚revolutionary‘, they’re all the same…and they’ve shed innocent blood…for the last time.“ Dass Blut auch an seinen Händen klebt, scheint ihn hier nicht zu stören.

>> Batman 1980-1989