Comic

Catwoman wird literarisch

Catwoman im Golden Age (Teil 9)

DC Comics

Titel: Claws of the Catwoman

Autor/Zeichner: Bill Finger/Charles Paris

Erschienen: 1947 (Batman #42)


„Quick as a cat, that Catwoman!“ (Batman)

Superschurken brauchen eine Masche, ein Markenzeichen, ein Thema. Und jedes Mal, wenn sie einen neue Serie von Coups starten, müssen sie beim Modus operandi diesem Thema treubleiben. Es scheint sich um eine Art Zwang zu halten. Nachdem Catwoman zuerst sich beim Aberglauben bediente (zuerst tat sie so, als hätte sie neun Leben und dann, als könnte sie Pech bringen), bedient sie sich jetzt in der Literatur.

Dank eines explosiven Buchs bricht sie (wieder) aus dem Knast aus, dann leitet sie jeden Raub mit einer Referenz auf berühmte Katzen ein: Zehn kleine Kätzchen hängen am Baum und lenken einen Polizisten ab, während sie Juwelen raubt, beim zweiten Mal gibt es gestiefelte Katze beim Rodeo – Batman und Robin legen eine Show hin, die die Menge jubeln lässt.

Beim dritten Coup, in einem Kohlewerk, nimmt Catwoman Batman und Robin gefangen und mauert sie ein. Warum? Damit sie wie die Grinsekatze aus Alice im Wunderland nach und nach verschwinden kann, bis nur noch ihr Gesicht und schließlich ihr Lächeln übrig bleiben. Das Dynamische Duo kann sich dank einer Kerze von den Fesseln befreien und dann dient ihnen Catwomans Haustier Hecate als Bote, um die Polizei um Hilfe zu rufen.

Batman tanzt mit einer Katzenfrau (DC Comics)

Das Finale findet im Tanzclub „The Cat and the Fiddle“ statt (benannt nach einem Volkslied). Batman gerät in eine Menge von Tänzern in Katzenkostümen – und muss sogar mittanzen. Überfordert ruft er Robin um Hilfe, der sich köstlich amüsiert. Danach ist es für Batman ein Leichtes, Catwoman zu fassen. Beim Showdown auf einer Riesengeige stolpert Catwoman, landet mit dem Hintern im Mittelbügel und bleibt dort stecken.

Catwoman bleibt mit ihrem Hintern stecken. (DC Comics)

Ein erotischer Moment ist das nicht gerade, aber Erotik ist zwischen den beiden in letzter Zeit ohnehin rar gesät. Batman gibt Catwoman keine zweite Chance mehr und an Intimitäten denkt offenbar keiner von beiden …

>> Liste der Catwoman Comics

Batmobil jagt Catmobil

Catwoman im Golden Age (Teil 8)

DC Comics

Titel: The Black Cat Crimes

Autor/Zeichner: Bill Finger/Bob Kane

Erschienen: 1947 (Detective Comics #122)


„I bragged too soon!“ (Batman)

Catwoman bricht mal wieder aus dem Knast aus (obwohl sie zuletzt dort nicht gelandet ist). Da hat sie auch schon eine Idee für einen neuen Coup: Sie erpresst drei Unternehmer, ihr 50.000 Dollar zu zahlen, sonst lasse sie eine schwarze Katze ihren Weg kreuzen. Als die sich nicht davon beeindrucken lassen, lässt Catwoman selbst Unglücke geschehen.

Catwoman in ihrem Versteck

Dem Pelzmagnaten lässt sie ein Frachtflugzeug in einen Zeppelin krachen, dem Zirkusbesitzer lässt sie einen Panther frei, zum Schluss kapert sie mit ihrer Bande ein Schiff. Batman und Robin sind jedes Mal zur Stelle, sie vollführen sogar einen Zirkustrick (Dick ist in seinem Element), aber Catwoman haut zwei Mal in ihrem Catmobil, dem Kitty Car ab.

Batmobile und Kittycar

Das Auto ist bemerkenswert: Es sieht einer Katze sehr ähnlich. Neben dem Katzenkopf hat es vier ausgestreckte Pfoten und einen Schwaz. Dank Raketenantrieb kann sie damit richtige Katzensprünge vollführen. Das ist ein echtes Spektakel. Am Ende wird ihr das Auto leider zum Verhängnis.

Catwoman und Robin auf der Freiheitsstatue

Das zweite Highlight ist der Schauplatz des Finales: Catwoman flieht – sehr symbolträchtig – auf die Freiheitsstatue, Robin verfolgt sie bis in die Fackel, bis er gekidnappt wird. Ja, Gotham hat eine Freiheitsstatue. Es ist DIE Freiheitsstatue. Ein weiterer Beleg dafür, dass mit „Gotham“ keine andere Stadt als New York City gemeint ist.

Und was ist mit der Beziehung zwischen Batman und Catwoman? Da geht gerade nicht viel. Als Robin ihr gegenüber andeutet, dass sie ihn irgendwie möge, streitet Catwoman ab: „Of course not! We’re sworn enemies!“

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Der Wrestler mit der Fledermausmaske

Just Imagine Stan Lee's Batman

DC Comics

Titel: Just Imagine Stan Lee’s Batman

Autor/Zeichner: Stan Lee, Michael J. Uslan/Joe Kubert

Erschienen: 2001 (One-shot), Paperback 2002 (Just Imagine Stan Lee Creating the DC Universe Vol. 1), Omnibus 2013


In den 60er Jahren hat Stan Lee so ziemlich jeden großen Marvel-Charakter miterfunden. Mit der Konkurrenz hatte er nix am Hut. Jedoch Anfang des 21. Jahrhunderts hat er doch einmal die Seiten gewechselt und für DC mit einem Team 13 One-shots geschrieben, in denen er die größten Helden einmal ganz anders dachte: Just Imagine.

Bei Batman wird Bruce Wayne zu Wayne Williams, einem jungen schwarzen Mann, der soeben seinen Vater verloren hat – einen Polizisten, im Dienst umgekommen. Jetzt, da er allein mit seiner Mutter ist, muss er sich auch noch gegen Gangster zur Wehr setzen. Als Wayne die Freundin eines Verbrechers vor dem Kugelhagel endet, dankt dieser es ihm, indem er ihm einen Raubüberfall und Mord anhängt. Wayne landet im Knast, schließt Freundschaft mit einer Fledermaus und pumpt seine Muskeln auf.

Nachdem er draußen ist, wird er zum Wrestler, um Geld zu verdienen. Zu diesem Zweck näht er sich ein Fledermauskostüm. Nein, kein stilisiertes Batman-Kostüm, sondern so wie eine Fledermaus wirklich aussieht. Trotz fehlender Erfahrung im Ring macht er als Batman alle Gegner platt und wird reich und berühmt. Inklusive Haus in Hollywood Hills. Dann lässt er von einem Wissenschaftler sein Kostüm aufmöbeln und zieht seinen Racheplan durch …

So reizvoll das neue Setting für Batman auch erscheinen mag, leider macht Stan Lee nichts Interessantes draus. Auf 43 Seiten rast er im Eilverfahren durch den Plot, um alles zu erzählen, und gerade da, wo man denkt, jetzt geht es endlich los, ist es schon vorbei. Die Charaktere sind oberflächlich, der Schurke ein eindimensionaler Haudrauf und Tyrann, der seine Angebetete umbringen lassen will, wenn sie ihn nicht heiratet. Die Tatsache, dass der Held schwarz ist, spielt kaum eine Rolle. Hier geht es nicht um Rassenfragen oder Milieustudien. Hier geht es nur darum, dass Batman mal etwas anders ist. Was das angeht, wird das Heft seinem Anspruch gerecht. Wayne weist hier auffallend viele Parallelen zu Peter Parker alias Spider-Man auf. Aber leider bleibt die Fantasie sonst auf der Strecke.

Immerhin überzeugen hier die starken Zeichnungen von Altmeister Joe Kubert. Hier sieht man eine der seltenen Gelegenheiten, bei denen er Batman gezeichnet hat – auch wenn es hier nicht der „wahre“ Batman ist.


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Superman ist einer von uns

DC Comics

Titel: A Hero’s Journey

Autor/Zeichner: Joe Kelly/Pascual Ferry, Duncan Rouleau u.a.

Erschienen: 2003 (Action Comics #800), Hardcover 2018 (Action Comics: 80 Years of Superman)


Als Superman 65 wurde, erschien Action Comics #800. Wieder ein Anlass, um in die Geschichte zu schauen, wieder ein Anlass, um dessen Vorgeschichte zu erzählen, wieder ein Anlass, um nostalgisch und sentimental zu werden.

Wir sehen erneut das Altbekannte: Vom Kind aus der Rakete bis zum ersten Auftritt im Cape. Wie die Kents diskutieren, ob sie das Kind adoptieren sollen, wie Jonathan Kent seinem Sohn mit bestem Beispiel vorangeht, wie Clark fliegen lernt und sich in Metropolis zunächst verloren fühlt und es dann in Paris und Venedig versucht, wo er sich erstmals als Held beweisen kann. Später lernt er das Journalisten-Handwerk von Ed Wilson, rettet das Flugzeug Constitution (Superman rettet als guter Amerikaner sozusagen die Verfassung) und wird zu Superman im bekannten Kostüm.

Es sind Momente der Introspektion und Selbstreflexion, es sind Momente des großen Zweifels eines Heranwachsenden, der seinen Platz in der Welt sucht – vor allem vor dem Hintergrund, dass er besondere Fähigkeiten hat. Und wir kennen es bereits zum Erbrechen. Hier nochmal dargestellt in bonbonbunten Farben.

Was diese Jubiläumsausgabe interessant macht, sind die Zwischenspiele: Mehrere Zeichner, darunter Tim Sale, Jim Lee, Lee Bermejo und Klaus Janson, schildern entweder eine sehr persönliche Sicht auf Superman oder aber erzählen kurze Geschichten, wie Superman „einfache Menschen“ inspiriert. Das kranke Kind will wieder gesund werden, die gelähmte Frau lernt wieder gehen, ein Polizist zieht zur Arbeit ein Superman-T-Shirt als Glücksbringer an, wird von seinen Kollegen verspottet und nach einer Heldentat respektiert. Doch da sind auch nostalgische Momente: Alex Ross reinszeniert das Cover von Action Comics #1, wir sehen den Superman aus den Fleischer-Cartoons der 40er und Jerry Siegel mit Joe Shuster, wie sie Superman erfinden.

Wir sehen also Supermans Geschichte zum einen durch seine und zum anderen durch unsere Augen, aus der Sicht des Helden und aus der Sicht der Leser. Zwischen den Panels steht also Supermans Rechtfertigung im 21. Jahrhundert. Nein, er ist nicht nur eine kindische Fantasie, er ist einer von uns – und deshalb kann er auch Menschen in der realen Welt dazu bringen, über sich selbst hinauszuwachsen. Pathetisch? Ja, natürlich. Aber wenn ich nach all der Superman-Lektüre eines verstanden habe, dann dass Superman ohne Pathos nicht geht. Das ist die Garantie von Superman-Comics: dass sie eine optimistische, menschenfreundliche Haltung haben. Man kann sich darauf verlassen, dass sie Trost spenden, motivieren und ein gutes Ende finden. Ob das einem gefällt, ist eine andere Frage.

Mehr zum Thema:

Catwomans neuer Look

Catwoman im Golden Age (Teil 7)

Catwoman im neuen Look – und mit neun Leben.

Titel: Nine Lives Has The Catwoman

Autor/Zeichner: Bill Finger/Bob Kane

Erschienen: 1946 (Batman #35)


Catwoman bricht aus dem Knast aus. Sie will neu durchstarten. Sie legt sich ein neues Kostüm zu. Weg mit der alten Katzen-Maske, jetzt sieht man endlich ihr Gesicht. Es ist der klassische lila Look mit grünem Cape, der sich im Golden Age weitgehend so halten wird. Allerdings ist Catwoman hier plötzlich blond … (Aber sie ändert ihre Haarfarbe wie ihren Namen.)

DC Comics

Ihre alte Gang ist weniger begeistert. Sie glauben nicht mehr an ihre Chefin. Also lässt sie ihre Leute glauben, sie hätte neun Leben. Bei einem Diamantenraub in einem Zeppelin kommt es zum Kampf mit Batman, sie stürzt in die Tiefe – und überlebt. Schließlich führt die Spur in Catwomans neues Geheimversteck: ein Labyrinth. Batman und Robin spielen Theseus mit ihrem Batseil. Und als das nicht mehr reicht, zerreißen sie ihre Capes (wobei danach noch viel davon übrig ist).

Batman schlägt Catwoman mit ihrer eigenen Waffe, einer Neunschwänzigen Katze (Peitsche), dann versucht sie mit einem Traktor abzuhauen, aber stürzt in die Tiefe. Wie sich herausstellen wird, hat sie tatsächlich noch ein paar Leben übrig.

>> Liste der Catwoman Comics

Alfred wird Batman, liebt Catwoman – und verhaut sie

Catwoman im Golden Age (Teil 6)

DC Comics

Titel: The Duped Domestics

Autor/Zeichner: Alvin Schwartz/Bob Kane

Erschienen: 1944 (Batman #22)


„A little spanking will do the trick. And, believe me, it will hurt you more than it will me!“ (Alfred)

Alfred ist nicht mehr ganz bei sich. Zuerst muss Bruce Wayne seinen rechten Schlappen suchen, dann verschüttet sein Butler auch noch den Kaffee – was ist da los? Ganz einfach: Alfred ist verliebt. Er trifft sich mit der jungen und schönen Belinda. Um sie zu beeindrucken, prahlt er damit, Batman zu kennen. Sie glaubt ihm nicht. Also steigt er selbst ins Kostüm. Doch dann wird er von ihr entführt. Denn pretty Belinda ist in Wirklichkeit Catwoman, die sich mit Butlern einlässt, um die Häuser der Reichen auszuräumen.

Alfred als Batman mit Catwoman.

Als Bruce und Dick nach ihm suchen, geraten sie ebenfalls in ihre Fänge und werden zu Alfred in eine Kühlkammer gesperrt. Dabei kommt es zu einer herrlichen Szene: Um sich von ihren Fesseln zu befreien, versucht das Trio, einen Haken an der Wand zu erreichen. Weil er zu hoch ist, stapeln sie sich aufeinander, wobei Alfred unten sich am meisten verrenkt und die größte Last tragen muss.

Das Dynamische Trio: Alfred, Bruce und Dick.

Zum Schluss fängt der Aushilfs-Batman Catwoman bei der Flucht ab. Und es kommt zu einem bedenklichen Höhepunkt: Alfred rächt sich an der Frau, indem er ihr den Hintern versohlt. Gezeigt wird es nicht, der Erzähler bleibt „diskret“, aber selbst Bruce findet sein Vorgehen zu drastisch. Alfred rechtfertigt sich: Catwoman habe seine Gefühle verletzt. Im Übrigen wäre er ein guter Batman. Zu gut, findet Bruce Wayne, der Catwoman schon bei ihrer ersten Begegnung Prügel angedroht hat …

Alfred-Batman und Catwoman: Strafe muss sein.

Catwoman verliebt sich in Bruce Wayne

Catwoman im Golden Age (Teil 5)

DC Comics

Titel: Your Face Is Your Fortune

Autor/Zeichner: Jack Schiff/Bob Kane

Erschienen: 1943 (Batman #15)


Nein, Catwoman reitet hier nicht wirklich auf einer Riesenkatze. Sie stolpert nur über eine kleine. Aber der Reihe nach. Catwoman, so erfahren wir zum ersten Mal, heißt oder nennt sich Elva Barr. Sie steht jeden Morgen früh auf, um in einem Schönheitssalon zu arbeiten. Am Ende des Tages ist sie völlig fertig. Eines Tages macht sie bei einem Schönheitswettbewerb mit, gewinnt und verliebt sich in einen der Juroren: Bruce Wayne.

Doch Bruce erkennt, dass es sich um Catwoman handelt. Batman und Robin verfolgen sie. Elva schleicht sich unter falschem Namen und Gesicht bei einer Hochzeit ein, um dort Beute zu machen, Batman nimmt sie hoch. Doch dann kommt eine unerwartete Wendung: Catwoman gesteht ihm, in Bruce Wayne verliebt zu sein und darüber nachzudenken, das Verbrechen sein zu lassen. Batman gibt ihr eine Chance, lässt sie davonkommen.

Als Bruce Wayne nimmt er sich ihrer an: Trinkt mit ihr, tanzt mit ihr, reitet mit ihr aus. Aber alle wissen, dass Bruce mit Linda Page ausgeht. Linda verzweifelt, als sie in den Klatschspalten liest, dass er mit Elva verlobt ist. Aber Elva zweifelt, ob Bruce es ernst meint. Sie verkleidet sich als Linda und erfährt von Bruce, dass das alles nur ein Trick ist. Jetzt hat er zwei Herzen gebrochen.

Catwoman wird wieder rückfällig, schlägt immer wieder zu, am Ende bei einer Ausstellung von Haustieren. Auf der Flucht stolpert sie über eine Katze. Batman schnappt sie sich diesmal – und Catwoman geht in den Knast.

Mehr zum Thema:

Catwoman klaut sich ein Brautkleid

DC Comics

Titel: Bride or Burglar

Autor/Zeichner: Tom King/Mikel Janin, Joelle Jones

Erschienen: 2018 (Batman #38-44), Paperback 2018 (Batman Vol. 6)


„I have a Batcave, I drive a Batmobile, I throw a Batarang. Some people break their patterns. Some don’t.“ (Batman)

Erinnern wir uns: In Ausgabe #24 hat Bruce Selina einen Heiratsantrag gemacht. Sie hat ja gesagt. 20 Ausgaben später sind wir immer noch nicht weiter. Denn die Hochzeit soll erst in der Jubiläumsausgabe #50 stattfinden – so will es die Verkaufsstrategie. Autor Tom King hat deswegen das Event The War of Jokes and Riddles als Rückblende dazwischen gelegt. Aber was sollte er mit den Ausgaben danach machen?

Wenn man sich durch die Hefte Rules of Engagement und Bride or Burglar liest, entsteht der Eindruck, dass er bloß Zeit totschlägt. Gab es im letzten Heft ein Wiedersehen mit Talia al Ghul sowie ein kurioses Doppeldate mit Lois und Clark, gibt es hier Wiedersehen mit Wonder Woman und Poison Ivy. Batman lässt vor seiner Ehe noch einmal die Frauen in seinem Leben Revue passieren.

Auf die Handlung muss man gar nicht groß eingehen, sie spielt kaum eine Rolle. Batman und Wonder Woman kämpfen sich in einer anderen Welt 37 Jahre (!) lang durch Monsterhorden und geraten dabei nur einmal in Versuchung – allerdings ohne ihren Geliebten untreu zu werden. (So eine Geschichte Geschichte gab es schon einmal mit Superman und Wonder Woman.) Selbst das bisschen Action dient nur dazu, wortkarge Dialoge über Beziehung und Ehe zu führen. Poison Ivy will mal wieder die Welt retten, indem sie sich alle Menschen zugleich untertan macht. Und zum Schluss klaut sich Catwoman ein Brautkleid. Dazu benutzt sie – gar nicht catlike – eine Bombe …

Am Anfang steht eine Geschichte über einen reichen Jungen, der seine Eltern verliert und wie Bruce Wayne sein will. Das ist immerhin stark erzählt, wenn auch die Handlung stark übertrieben wirkt. Aber ebenfalls nur Füllmaterial.

Keine Frage: Es darf auch mal ein paar Ausgaben zum Durchatmen geben. Aber was ich beim letzten Mal dem Autor habe durchgehen lassen, weil er immerhin gut schreibt, fällt hier durch als belangloses Geplänkel. Tom King erscheint mal wieder wie ein Autor, der sich selbst ziemlich toll findet und das geschickt inszeniert (z.B. in Alan Moore’schen 9-Panel-Seiten), aber es steckt nicht mehr dahinter als Banalität.

Die Zeichnungen von Joelle Jones und Mikel Janin sind wie immer hervorragend und ergänzen sich im letzten Kapitel auch sehr gut. Damit ist Bride or Burglar eher was zum Überblättern als zum Lesen. Im nächsten Band findet dann endlich die Hochzeit statt. Aber worauf ich hoffe, ist endlich mal eine lesenswerte Batman-Story.

>> Batman 2011-2019

Der totale Hush

In vergangenen Jahr ist die Storyline Hush 15 Jahre alt geworden. Dazu hat DC eine Deluxe Edition herausgebracht. Im März 2019 erscheint Batman: The Hush Saga Omnibus. Der 800-Seiten-Band enthält alle Hush-Storys von 2002 bis 2011. Im Klartext sind das:

  1. Hush (Batman #608-619)
  2. Hush Returns (Batman: Gotham Knights #50-74)
  3. Heart of Hush (Detective Comics #846-852)
  4. Hush Money (Batman: Streets of Gotham #1-4)
  5. House of Hush (Batman: Streets of Gotham #14, #16-21)

Darüber hinaus sind drei weitere Storys enthalten: Batman #685, Batman Villains Secret Files and Origins 2005 #1 und eine aus Wizard #0. Etwas irritierend ist, dass so viel aus Gotham Knights enthalten sein soll. Die Ausgaben, die Hush betreffen, sind nur die Nummern 50-55 sowie 60-74 (bis Joker vs. Hush). Die Hefte dazwischen sind Teil von War Games bzw. eines handelt von Mister Freeze. Aber vielleicht handelt es sich bloß um einen Fehler in der Ankündigung.

Abgesehen davon, dass das Meiste davon als Paperback erhältlich ist (außer der Gotham Knights-Storys), ist erstaunlich, dass es noch eine Hush-Ausgabe geben soll. Insgesamt wird es nämlich, wenn ich mich nicht verzählt habe, die achte Hush-Edition sein. Bisher gibt es folgende:

  • Batman Hush Vol. 1-2 (Paperbacks 2004)
  • Batman Hush (Paperback, 2009)
  • Absolute Batman: Hush (Hardcover 2011)
  • Batman: Hush Unwrapped Deluxe (Hardcover 2011)
  • Batman Noir: Hush (Hardcover 2015)
  • Coloring DC: Batman-Hush Vol. 1 (2016)
  • Batman Hush: The 15th Anniversary Deluxe Edition (Hardcover 2017)
  • Batman: Hush Unwrapped Deluxe Edition (New Edition, Hardcover 2018)

Hush gibt es in jeder erdenklichen Fassung: Hardcover und Softcover, in Farbe, in Schwarzweiß, mit Bleistift gezeichnet und zum Ausmalen. Keine Frage: Die Story ist gut. Aber wer braucht das alles? Vielleicht ist „brauchen“ der falsche Ausdruck. Das Angebot schafft ja die Nachfrage …

Allerdings fällt dabei unter den Tisch, dass der angekündigte Omnibus bei weitem nicht alles versammelt. Denn Hush spielt auch in der Serie Batman Eternal eine zentrale Rolle – diese Kapitel kommen im Omnibus nicht vor. Wäre auch sinnlos, wenn man sie aus dem Zusammenhang reißen würde. Außerdem gibt es noch Hush Beyond (2010), was ebenfalls nicht enthalten ist. Andererseits kann man einwenden, dass diese beiden in anderen Continuitys stattfinden …

Supermans Moment der Wahrheit

DC Comics

Titel: Secrets in the Night

Autor/Zeichner: Roger Stern/Bob McLeod

Erschienen: 1991 (Action Comics #662), Hardcover 2018 (Action Comics: 80 Years of Superman)


„There’s something I’ve been wanting to tell you, Lois …“

Clark Kent und Lois Lane sind ein Paar. Sie wollen heiraten. Und trotzdem konnte er sich noch nicht dazu durchringen, seiner Verlobten diese eine kleine Nebensächlichkeit stecken, dass er Superman ist. Seit über 50 Jahren ist das Thema der Elefant im Raum. Zigmal hatte Lois schon diesen Verdacht, dass der schüchterne Mann mit Brille dieser selbstbewusste Typ im Strampelanzug ist, doch der Verdacht wurde immer wieder zerstreut – ganz beweisen konnte sie es ihm nie. Und wenn doch, war es nur eine Imaginary Story oder sonstwas.

Jetzt aber wirklich: Das Cover verspricht die Enthüllung, den Moment der Wahrheit. Lois schaut endlich hinter die Brille. Wobei man sich fragen muss: Wenn Lois und Clark schon mal ein Bett geteilt haben, dürfte sie ihn doch schon mal ohne Brille gesehen haben? Oder war es immer zu dunkel? Oder hat er seine Brille auch beim Schlafen aufgelassen? Oder war Lois von der Liebe zu Clark geblendet? Egal: Jetzt aber wirklich.

Doch Autor Roger Stern schafft es, die ganze Sache bis zum Gehtnichtmehr hinauszuzögern. Wer sich das Heft damals gekauft hat, bekam zwei Seiten Enthüllung und dazwischen 20 Seiten Bullshit zu lesen. Denn der Moment der Wahrheit wird unterbrochen durch eine sinnlose Nebenhandlung mit Silver Banshee, der schwarz-weißen Schurkin mit der schrillen Stimme. Das interessiert wirklich niemanden, muss auch niemanden interessieren, weil es nichts, absolut nichts mit der Hauptsache zu tun hat. (Nebenbei wird noch Lex Luthors Testament gefunden.)

Clark will es Lois sagen, sie macht gerade Popcorn, dann wird Clark aus irgendeinem unerfindlichen Grund von Banshee überfallen, weil sie nach Superman sucht. Als Superman sie findet, überwältigt sie ihn und will ihn in irgendeinem magischen Ritual opfern, um … ach, egal … Kommt endlich zur Sache!

Superman gesteht. (DC Comics)

Aber nein, erst ganz am Ende kommt es zu der kurzen Sequenz, auf die alle gewartet haben. Superman redet viel zu viel, das letzte Panel (ganzseitig) gerät alles andere als pointiert. Clark nimmt die Brille ab und offenbart das S auf seiner Brust, aber da sind drei Sprechblasen, erst in der letzten steht das Entscheidende, aber viel zu umständlich. Verdammt nochmal, da hätte nur eins stehen sollen: „I am Superman!“ DAS wäre eine Seite gewesen, die in Erinnerung bleibt, die hätten sich Gelegenheitsleser aus dem Heft ausschneiden, einrahmen und an die Wand hängen können, aber nein, man hat den Moment versaut und verwässert und unnötig mit ödem Quark in die Länge gezogen.

Und so bleibt einem nur das tolle Cover in Erinnerung, auf dem Lois Clark die Brille vom Gesicht nimmt, in den Gläsern spiegelt sich das Superman-Symbol. Das Besondere ist: Wir Betrachter nehmen die Position von Superman ein, Lois sieht UNS an. Ihr erstaunter Blick fragt damit auch uns, wie wir so lange das Geheimnis vor ihr bewahren konnten. Es ist ein entrüsteter und anklagender Blick. Und wir müssen gestehen: Wir Leser standen 50 Jahre lang mit Superman in einem Geheimbund des Schweigens. Jetzt weiß Lois so viel wie wir. Zwei Jahre vor Doomsday ist das der eigentliche Tod von Superman

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