Stan Lee

Model wird Mieze

DC Comics

Titel: Just Imagine Stan Lee’s Catwoman

Autor/Zeichner: Stan Lee/Chris Bachalo

Erschienen: 2002 (One-shot)


„She’s like a real comicbook heroine! Here’s where I start readin‘ comics again!“

Stan Lees Catwoman ist Joanie Jordan, ein blondes Model, das lieber etwas anderes wäre, aber was tut man nicht alles fürs Geld? Eines Nachts wird sie von Gangstern überfallen, die sie für einen Bankraub einspannen wollen. In dem Moment schlägt ein grüner Blitz ein, erfasst Joanie und ihre Katze Ebony, daraufhin hat sie Katzenkräfte, samt Klauen. Sie überwältigt die Gauner und wird zur Heldin.

Diese Catwoman trägt statt einer Maske nur zwei Katzenöhrchen in einer schwarze Perücke und ein schwarz-grünes Kostüm. Dazu kann sie ihre Klauen ausfahren – wie Wolverine. Sie schlagfertig und furchtlos, außer ihrem Vater gegenüber, einem Polizisten, der nicht viel von Superheldinnen hält. Seine Meinung nach lassen sie die Cops schlecht dastehen. Also macht Joanie im Geheimen weiter.

Die Bösen arbeiten für einen Superschurken namens Furgo, the Flesh Crawler, einem alten Mann in einem Raumanzug, der unschöne Dinge mit Gesichtern anstellt. Er ist besessen von der Idee, die Bank mit Hilfe eines Models auszurauben. Er entführt Joanie, verliebt sich in sie, sie entkommt und verhindert den Bankraub.

Diese Story ist nicht wirklich der Rede wert, einzig die Zeichnungen überzeugen, allerdings sind die Figuren oft in so kleine Panels gequetscht, dass sie zu wenig Raum haben, um zur Geltung zu kommen.

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Blonder Superman mit Schulterpolstern

DC Comics

Titel: Just Imagine Stan Lee’s Superman

Autor/Zeichner: Stan Lee u.a./John Buscema

Erschienen: 2001 (One-shot)


Anfang des 21. Jahrhunderts ist Marvel-Legende Stan Lee mit DC fremdgegangen. Die größten Helden hat er einmal neu gedacht, nach Batman und Wonder Woman kam auch Superman.

Bei Superman ist vieles anders: Er stammt zwar von einem anderen Planeten und kommt zur Erde, aber der Planet heißt nicht Krypton, er hat einen so komplizierten Namen, dass Stan Lee sich nichtmal die Mühe macht, ihn aufzuschreiben. Der Held der Geschichte ist hier kein Kind, das von seinen Eltern zur Erde geschickt wird, sondern ein Erwachsener, der als Polizist arbeitet. Er heißt Salden, er ist blond und humorbefreit, er hat eine Frau namens Lyella, und er kann fliegen dank seiner Schulterpolster. Unter seinen Kollegen ist er der schwächste, weil er als Einziger nicht genetisch optimiert ist. Zur Erde kommt er, weil er den Verbrecher Gundor Gorrock in dessen Fluchtraumschiff verfolgt. An dem Schurken ist übrigens nichts bemerkenswert.

Auf der Erde stellt Salden fest, dass er wegen der geringeren Gravitation Superkräfte hat, er lernt in Windeseile Englisch, um Geld zu verdienen, tritt er im Zirkus auf, da wird die Öffentlichkeit auf ihn aufmerksam – darunter auch Lois Lane. Sie ist keine Reporterin, sondern eine Agentin, und sie will Salden unter Vertrag nehmen. Salden ist aber damit beschäftigt, Gundor Gorrock zu fassen, der auf der anderen Seite der Welt damit beginnt, sich die Menschen untertan zu machen. Ziel: Weltherrschaft. Es kommt alles, wie es kommen muss.

Salden wird Superman. Zwar ohne großes Symbol auf der Brust, aber trotzdem zur Marke und damit auch zum Geschäft. Der Epilog greift das selbstironisch in einer cartoonhaft gezeichneter Sequenz auf: Ein Comicverlag macht Superman zum Comichelden, da taucht Lois auf und macht ihnen die Hölle heiß.

Bemerkenswert ist, dass dieser Superman zurück zu seinem Heimatplaneten will, aber nicht kann, weil die Raumfahrt der Erde noch unterentwickelt ist. Es frustriert ihn, dass die Menschen lieber ihr Geld in Krieg und Massenvernichtungswaffen investieren als in die Erforschung des Weltalls. Das macht diese Version von Superman zwar nicht viel spannender, aber es gibt ihm eine sozialkritische Komponente.

Ansonsten ist es okay, mal in diese Welt hineinzuschauen, aber dann ist es auch wieder gut, dass es nur für eine Heftlänge ist.

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Der Wrestler mit der Fledermausmaske

Titel: Just Imagine Stan Lee’s Batman

Autor/Zeichner: Stan Lee, Michael J. Uslan/Joe Kubert

Erschienen: 2001 (One-shot), Paperback 2002, Omnibus 2013


In den 60er Jahren hat Stan Lee so ziemlich jeden großen Marvel-Charakter miterfunden. Mit der Konkurrenz hatte er nix am Hut. Jedoch Anfang des 21. Jahrhunderts hat er doch einmal die Seiten gewechselt und für DC mit einem Team 13 One-shots geschrieben, in denen er die größten Helden einmal ganz anders dachte: Just Imagine.

Bei Batman wird Bruce Wayne zu Wayne Williams, einem jungen schwarzen Mann, der soeben seinen Vater verloren hat – einen Polizisten, im Dienst umgekommen. Jetzt, da er allein mit seiner Mutter ist, muss er sich auch noch gegen Gangster zur Wehr setzen. Als Wayne die Freundin eines Verbrechers vor dem Kugelhagel endet, dankt er es ihm, indem er ihm einen Überfall anhängt. Wayne landet im Knast, schließt Freundschaft mit einer Fledermaus und pumpt seine Muskeln auf.

Nachdem er draußen ist, wird er zum Wrestler, um Geld zu verdienen. Zu diesem Zweck näht er sich ein Fledermauskostüm. Nein, kein stilisiertes Batman-Kostüm, sondern so wie eine Fledermaus wirklich aussieht. Trotz fehlender Erfahrung im Ring macht er als Batman alle Gegner platt und wird reich und berühmt. Inklusive Haus in Hollywood Hills. Dann lässt er von einem Wissenschaftler sein Kostüm aufmöbeln und zieht seinen Racheplan durch …

So reizvoll das neue Setting für Batman auch erscheinen mag, leider macht Stan Lee nichts Interessantes draus. Auf 43 Seiten rast er im Eilverfahren durch den Plot, um alles zu erzählen, und gerade da, wo man denkt, jetzt geht es endlich los, ist es schon vorbei. Die Charaktere sind oberflächlich, der Schurke ein eindimensionaler Haudrauf und Tyrann, der seine Angebetete umbringen lassen will, wenn sie ihn nicht heiratet. Die Tatsache, dass der Held schwarz ist, spielt kaum eine Rolle. Hier geht es nicht um Rassenfragen oder Milieustudien. Hier geht es nur darum, dass Batman mal etwas anders ist. Was das angeht, wird das Heft seinem Anspruch gerecht. Aber leider bleibt die Fantasie sonst auf der Strecke.