Detective Comics

Batman und die Glühwürmchen

Batman und zwei Fireflys (DC Comics)

Titel: The Human Firefly/The Menace of the Firefly

Autor/Zeichner: Ed Herron, Bill Finger/Dick Sprang, Sheldon Moldoff

Erschienen: 1952/1959 (Detective Comics #184/Batman #126)


Batman hatte schon mit allerlei seltsamen Gestalten zu tun. Nach Killer Moth kam ein weiterer Insektenschurke: ein Glühwürmchen. Allein daran merkt man schon, warum Superhelden niemals eine deutsche Erfindung sein könnten, denn kein Autor, der noch bei Trost ist, würde einen Schurken „Glühwürmchen“ nennen. Da klingt „Firefly“ schon mehr nach Gefahr. Aber das scheint nur so.

Firefly beginnt als Garfield Lynns, das größte Genie für Lichteffekte, das die Welt je gesehen hat. Er arbeitet hinter den Kulissen eines Musicaltheaters. Leider wird dieses Genie aber nicht genug gewürdigt, er verdient mies. Also lässt Lynns auf der Bühne, wo eigentlich die Illusion einer Unterwasserwelt gezaubert wird, scheinbar ein Feuer ausbrechen – alles nur ein Trick, um Panik zu verbreiten und die Juwelen der reichen Zuschauer abzusahnen.

Glühwürmchen als Ablenkung und Inspiration (DC Comics)

Zufällig sind Bruce und Dick im Publikum, ziehen sich um und springen auf Lynns Fluchtauto, der sich davonmachen will. Als er versucht, sie abzuschütteln, stürzt das Auto in den Abgrund und überschlägt sich dreimal. Lynns überlebt nicht nur, sondern entkommt auch, weil ein Glühwürmchen die Aufmerksamkeit des Dynamischen Duos von dem Gauner ablenkt. Batman dachte, dass sich Lynns nach diesem Sturz erstmal eine Kippe angezündet hat …

Beginn einer kurzen Karriere: Firefly designt sein Kostüm. (DC Comics)

Der Gauner macht sich daraufhin das Insekt zu seinem Symbol. Und so tut er, was man in solchen Fällen so tut: Er näht sich ein grün-violettes Kostüm mit einem Cape, zwei Antennen auf dem Kopf und „FF“ auf der Brust, baut sich einen Gürtel für Lichteffekte und startet als Firefly so richtig durch. (Praktischerweise hat er schon ein Geheimversteck in einer Höhle unter einer Scheune, denn ohne geht es offenbar nicht.)

Zuerst versucht er, wertvolle Gemälde aus dem Museum zu stehlen, indem er ihnen die Farben raubt und sie so aussehen lässt, als wären sie nur Kopien. Was die Ablenkung soll, erschließt sich nicht ganz. Als Batman und Robin eintreffen, blendet er sie mit seinem Lichtgürtel. Auf der Flucht löst er mit Blitzen einen Verkehrsstau aus, sodass das Batmobil ihm nicht folgen kann.

Als nächstes wird Firefly zum falschen Leuchtturm und lässt ein Schiff auf Grund laufen. Im echten Leuchtturm sperrt er Batman und Robin ein, um sie mit einer Dauerdiscobeleuchtung entweder zu töten oder in den Wahnsinn zu treiben – beides ist ihm recht. Sie befreien sich natürlich und dann schlagen sie den luziferischen Lichtbringer mit seinen eigenen Waffen: Vom Batplane aus blenden sie seine Handlanger – und die haben leider ihre Schutzbrillen vergessen.

Ein neuer Firefly

Sieben Jahre später taucht Firefly wieder auf. Allerdings sieht er etwas anders aus: Er ist grün-gelb gestreift und seinen Rücken zieren nutzlose Flügel. Als er das Gold des Millionärs Ted Carson stiehlt, erkennt ihn Bruce Wayne zwar, aber hält ihn für einen neuen Gegner – so als hätte es nie einen anderen Firefly gegeben. Es ist auch tatsächlich nicht Garfield Lynns. Allerdings ist auch er ein Blender, wenn auch mit einer Leuchtscheibe am Kopf.

Richtige Sorgen hat Bruce Wayne aber eher wegen Kathy Kane (alias Batwoman), die mit Ted Carson anbandelt. Bruce wird eifersüchtig und buhlt mit Blumen um sie, was nicht von Erfolg gekrönt ist. Als Batman kämpft er an der Seite von Batwoman gegen Firefly, aber sie scheitern daran, dass der Schurke Vibrationen auslöst, die Glas zerspringen lassen. Kathy kommt zu dem Schluss, dass Ted Batman ist und Bruce Firefly – warum auch immer. Jedenfalls verliebt sie sich nur wegen dieses Irrglaubens in Ted.

Doch der (Achtung: Kalauer) entpuppt sich als Firefly und fesselt Batwoman. Es kommt zum Showdown im Gotham Museum of Natural History: Firefly steht auf einer alten mexikanischen Pyramide und will Batman mit einem tödlichen Strahl treffen, da rettet ihm Batwoman das Leben (siehe Cover). Wie sie sich befreit hat, könnt ihr selbst nachlesen. Klar ist nur: Obwohl sie hinter Bruce Batman vermutet, traut sie sich nicht, den richtigen Schluss zu ziehen.

Batman als Leuchtturm

Batman als Leuchtturm (DC Comics)

Dass Batman selbst nicht nur Hoffnungsträger und Lichtgestalt, sondern auch buchstäblich ein Lichtbringer ist, kann man in einer anderen Geschichte desselben Heftes nachlesen: The Batman Lighthouse. Darin wird erklärt, dass in Gotham eine riesige Batman-Statue steht, die eine Lampe in der Hand hält – wie die Freiheitsstatue in New York City. Allerdings wird in Detective Comics #122 (1947) gezeigt, dass Gotham ebenfalls eine solche Freiheitsstatue hat, auch in Batman: The Animated Series (Off Balance, S01E50) sieht man sie. Aber hier hat Batman offenbar ihren Platz eingenommen – auch wenn diese Statue mit knapp 92 Meter etwas niedriger als das Vorbild.

Wie dem auch sei: In den 90er-Jahren wird Firefly wiederkehren: ernster, tödlicher und mit der Betonung auf Feuer – aber das ist eine Geschichte für später.

>> Batman 1950-1959


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Riddler wird Privatdetektiv

DC Comics

Titel: E. Nigma, Consulting Detective/Honor Among Thieves

Autor/Zeichner: Paul Dini/Don Kramer

Erschienen: 2006/2007 (Detective Comics #822/837), Paperback 2015 (Batman Arkham: Riddler)


Ein Jahr lang lag der Riddler nach einer Kopfverletzung im Koma, jetzt ist er wieder da: Zurück im Bowler, grünem Jackett und mit Krawatte – und einer neuen Profession. Denn der neue Edward Nigma verspürt nicht mehr den Zwang, Verbrechen zu begehen und Rätsel als Hinweise zu hinterlassen, nein, er setzt sein Genie dafür ein, um Rätsel zu lösen, als Privatdetektiv. (Das größte Rätsel bleibt jedoch, warum er immer noch Fragezeichen auf dem Jacket trägt.)

Sein erster Fall ist ein Mord und er führt ihn zu Bruce Wayne. Zusammen mit James Gordon fragt er ihn nach dem Opfer, Karrie Bishop, aus, einer Frau, die Bruce nur flüchtig kannte. Jemand hat sich als Bruce ausgegeben. Batman und Riddler verbünden sich, um den Fall zu lösen.

Die Geschichte ist ein klassischer Whodunit, führt in Gothams Rotlicht- bzw. S/M-Szene. Der Riddler löst den Fall nur scheinbar, denn am Ende ist wie immer alles ganz anders als gedacht, wodurch es dann doch wieder ziemlich wie erwartet läuft.

Ein paar Detective-Ausgaben später spielt Batman kaum eine Rolle. Bruce Wayne gibt Edward Nigma den Auftrag, nach einer Angestellten zu suchen, die mit einem Kraft-Serum verschwunden ist. Edwards Recherche führt ihn nach Metropolis, wo er im „Athenian Women’s Help Shelter“, einer Art Amazonen-Camp, auf Harley Quinn trifft. Diese kapert dann die Story. Nach einer albernen Rückblende in Harleys jüngste Vergangenheit gibt es eine Prügelszene mit der Schurkin, bis Edward sie ausknockt.

Eine richtige Riddler-Story ist das nicht, eine Batman-Story noch weniger. Und von Paul Dini hat man auch schon Unterhaltsameres gelesen als diesen belanglosen Quark.

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Riddlers Bombenspaß mit Cluemaster

DC Comics

Titel: Badd Girls/Lethal Pursuits/Riddled

Autor/Zeichner: Chuck Dixon/Graham Nolan

Erschienen: 1997 (Detective Comics #705-707), Paperback 2020 (Batman: Knight Out), dt. Dino Verlag 1998-1999 (Batman #25-26)


Während der Riddler nach einer Operation seiner gebrochenen Hand im Krankenhaus liegt, befreien seine Handlangerinnen Query und Echo den Schurken Arthur Brown. Dessen Zeit als Möchtegern-Riddler namens Cluemaster sind zwar vorbei, aber der Riddler hat andere Pläne mit ihm: Er legt ihm eine Sprengstoff-Weste an und lässt Batman und Robin Rätsel lösend durch die Stadt hetzen. Sie haben jeweils 15 Minuten Zeit, um zur nächsten Station zu gelangen, sonst stirbt Brown.

Die Rätsel sind auffallend einfach, meistens sind nur Buchstaben und Zahlen gefragt, aber was haben sie zu bedeuten? Was hat der Riddler mit dieser Masche vor? Während Robin und Oracle knobeln, begibt sich Batman in ernsthafte Lebensgefahr …

Ach ja, die guten alten 90er: Chuck Dixon und Graham Nolan bildeten neben Doug Moench und Kelley Jones das andere Dreamteam (neben Alan Grant und N. Wem die düsteren Zeichnungen von Jones zu viel waren, der fand beim klaren Stil von Nolan seinen Trost. Und Dixon landete als Storyteller bei der Masse an Output immer wieder einen Treffer. Dieser Dreiteiler gehört zu den Höhepunkten dieser Zeit zwischen Knightfall und dem Beben (Cataclysm) und er gehört auch zu den wohl besten, weil cleversten Riddler-Storys überhaupt (und clever sind sie leider selten).

Der Riddler tritt hier mit seinen Rätseln erneut als Künstler nach eigenem Selbstverständnis auf. Aber auch als Baseball-Fan. Zum einen treibt er also sein Spiel mit Batman, zum anderen geht es ihm bei seiner Beute nicht um Profit, sondern um einen ideellen Wert. Allerdings ist er mehr als nur ein Spieler: Wieder einmal schreckt er auch hier nicht vor Mord zurück.

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Riddler als Performance-Künstler

DC Comics

Titel: Questions Multiply the Mystery

Autor/Zeichner: Chuck Dixon/Kieron Dwyer

Erschienen: 1995 (Detective Comics Annual #8), Paperback 1998 (Four of a Kind)


„I’m sick of all your questions!“ (Riddler)

Im Sommer 1995, als Batman Forever in die Kinos kam, nahm DC das zum Anlass, die Entstehung des Riddlers von vorn zu erzählen. Das geschah im Rahmen des „Year One“-Events, das sich durch alle Annuals zog (bei Batman waren es noch Man-Bat, Scarecrow und Poison Ivy). Hier erzählt der Riddler selbst – und entlarvt sich als widersprüchlicher Charakter zwischen Betrüger, gelangweiltem Genie und Möchtegern-Künstler.

Typischerweise ist es mal wieder eine rührselige Geschichte, die bereits mit einer schwierigen Kindheit beginnt (ist es jemals anders?): Edward Nigma ist ein neugieriger Junge, der gerne Fragen stellt, etwa warum Blätter grün sind. Seine Eltern wissen es nicht, schicken ihn genervt weg, aber Edward kommt offenbar nicht auf die Idee, einen Lehrer zu fragen oder ein Buch aufzuschlagen.

Dann kommt es zu dem Schlüsselerlebnis, das Bill Finger bereits in Detective Comics #140 (1948) erzählt hat: Edward soll in der Schule ein Puzzle lösen. Damals trickste er, indem die Lösung abfotografierte. (Was irgendwie nicht zu dem angeblichen späteren Genie passt.) Diesmal geht es aber darum, die Zeit dabei zu messen. Edward trickst, indem er es vorher übt, dann löst er es am schnellsten. Der Außenseiter Edward, ein ungeliebtes Kind, sehnt sich nämlich nach Anerkennung. Er ist bloß Mittelmaß, ein Niemand, den nicht mal die bösen Buben verkloppen wollen. Doch als er den Puzzletest gewinnt, kriegt er statt Anerkennung Schläge.

Verbrecher aus Langeweile

Edward bekommt aber auch ein Rätselbuch als Preis. Seitdem ist die Liebe zu Rätseln geweckt. Als Erwachsener ist er gelangweilt von seinem Botenberuf, daher fängt er mit Diebstahl und Raub an. Weil auch das langweilig ist, schickt er der Polizei Hinweise. Zunächst ist James Gordon hinter ihm her, dann hält ihn Batman auf. Riddler erklärt, was seine Masche soll: Es gehe nicht darum, erwischt zu werden. „To me crime is performance art!“ Wer das nicht sehe, dem fehle es eben an Vorstellungskraft.

Der Riddler findet mit dem Verbrecherduo Query und Echo zwei willige Helferinnen und gibt der Polizei und Batman mit ein Kreuzworträtsel auf. Doch statt, wie erwartet, ein Bankett zu plündern („banquet“), raubt er einen Safe im Wasser aus („bank wet“). Diese Sequenz erinnert an die Batman-Episode „Batman’s Anniversary/A Riddling Controversy“ (dt. Riddlers Geheimwaffe, S02E45-46), in der der Riddler einen ähnlichen Tauchgang macht, was bei Adam West aber deutlich spaßiger ist.

Zum Schluss „entführt“ der Riddler eine Sammlung von Stradivary-Geigen, wobei er sich als Banause entlarvt, indem er eine zerschlägt. So richtig mag man ihm das mit der Performance-Kunst nicht mehr glauben. Es kommt zum großen Finale bei einer Wagner-Oper, die dann auch eher Batmans Metier zu sein scheint. Und dann kommt das Geständnis: „It wasn’t the money I wanted“, sagt der Riddler. „It wasn’t the action I sought. I just like the attention.“ Nein, er sei kein kriminelles Genie, sondern in Wahrheit nur ein einsamer kleiner Junge, der sich nach Liebe sehnt. Armer Eddie …

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Der Riddler bringt Batman in den Knast

DC Comics

Titel: The Riddler’s Prison-Puzzle Problem

Autor/Zeichner: Gardner Fox/Frank Springer

Erschienen: 1968 (Detective Comics #377), Paperback 2015 (Batman Arkham: The Riddler)


Batman bekommt eine Benachrichtigung: Er kann in der Bibliothek ein bestelltes Buch über Krimonlogie abholen. Obwohl der Detektiv keines bestellt hat, fährt er mit Robin trotzdem vorbei. Als er das Buch vorsichtshalber mit einem langen Lineal öffnet, geht eine Bombe hoch. Zum Glück keine große. Und zum Glück macht die Bibliothekarin, angetan von dem prominenten Besuch, just im Moment der Explosion ein Foto, sodass auf dem Foto eine Nachricht in der Explosionswolke sichtbar wird: „Why is a diamond like a stew?“ (Was wäre eigentlich gewesen, wenn niemand ein Foto gemacht und Batman nicht überlebt hätte?)

Das klingt doch sehr nach dem Riddler. Eine wilde Assoziationskette später treffen Batman und Robin am Tatort ein, wo der Riddler gerade eine Goldmünzensammlung an sich nimmt. (Ist es nicht seltsam, dass das Dynamische Duo immer exakt dann eintrifft, wenn der Diebstahl noch im Gange ist?) Es folgen vier Seiten Prügelei. Der Riddler kommt in den Knast, kommt aber dann bald wieder auf Kaution frei. (Fragt sich nur, wie das bei einem manischen Wiederholungstäter sein kann.) Batman untersucht dessen Zelle und findet wieder einen Hinweis, den er gerade noch lesen kann, bevor er beinahe von einem Gas ausgeknockt wird, scheint aber nicht weiter schlimm zu sein.

Diesmal hat es der Riddler auf einen Diamantenring abgesehen. Am Tatort tappen Batman und Robin in eine Falle – aber keine Todesfalle, denn was würde der Riddler nur ohne die beiden machen? Er wäre arbeitslos! (Auch wenn er sie gerade noch in die Luft zu jagen versuchte.) Also gestaltet er die Falle so, dass seine Spielkameraden leicht entkommen können, aber wenn sie sich freisprengen, ruinieren sie den nächsten Hinweis, den der Riddler mit Spielklötzen vor ihnen aufbaut, und zwar so, dass sie ihn vom Käfig aus nicht lesen können. Also werfen sie zunächst die Klötze um, sodass sie sie lesen können, dann sprengen sie sich frei, folgen der Spur – und bringen den Riddler zur Strecke.

„When will I learn not to try and outwit Batman?“ Wieder ist Aufgeben keine Option. Edward Nigma hat seine Bestimmung gefunden: Zwanghaft muss er Verbrechen begehen und Fährten legen, auch wenn er gar nicht gefasst werden will – aber das alles ist nur ein Spiel um seiner selbst willen.

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Der Geist, der Clown und der Killer

DC Comics

Titel: Detective Comics Vol. 3: Greetings From Gotham

Autor/Zeichner: Peter J. Tomasi/Christian Duce, Doug Mahnke

Erschienen: 2019 (Detective Comics #1006-1011), Hardcover 2020


„It’s time to let the moonshine in and enjoy the basic pleasures of life … the classics.“ (Joker)

Nach zwei längeren Storylines (Mythology, Arkham Knight) erzählt Peter J. Tomasi in Detective Comics drei kürzere Geschichten: von Spectre, Joker und Deadshot.

In der ersten wird Jim Corrigan von Anhängern eines Spectre-Kults entführt, um ihn zu töten und das gründgewandete Gespenst, das die personifizierte Rache Gottes darstellt, für eigene Zwecke zu missbrauchen. Spectre selbst bittet Batman um Hilfe. So ganz klar wird nicht, wozu er ihn braucht. Ich meine: Der Kerl ist doch schier allmächtig. Von daher wirkt es auch etwas albern, wenn er sich zunächst übergroß vor Batman aufbaut, ihn fängt und Batman sich dann mit allerlei Gadgets gegen ihn zur Wehr setzt. Am Ende geht alles auch sehr einfach. Aber: Ausdrucksstark gezeichnet ist diese Belanglosigkeit immerhin, der schaurige Stil von Kyle Hotz erinnert an Kelley Jones. Highlight: Spectre ergreift von Batmans Dino Besitz …

Mit dem Joker auf dem Rummelplatz

Die zweite Story ist die titelgebende: Der Joker lädt Batman – ganz klassisch – zu einem Abend im Vergnügungspark ein. Der Clown hat dafür alle Mitarbeiter und Besucher in Geiselhaft genommen. Batman muss mitspielen. Also fahren die beiden Achterbahn, Autoscooter und in den Liebestunnel. Der Joker hat riesigen Spaß, Batman eher weniger.

Diese simple Quatsch-Story erinnert an The Joker’s Playground of Peril (Batman #286, 1977) und weckt natürlich Erinnerungen an Klassiker wie The Dark Knight Returns und The Killing Joke. Allerdings ohne inhaltlichen Mehrwert. Von daher kann man sie eine Hommage nennen. Oder auch nostalgisch. Oder auch einfach nur: abgedroschen und einfallslos. Ich meine: Joker auf dem Rummelplatz? Das ist kein Topos mehr, das ist längst ein Klischee …

Mit Deadshot im Pazifik

Das Beste kommt zum Schluss: Auftragskiller Deadshot kapert ein Flugzeug, in dem Bruce Wayne und Lucius Fox zusammen mit ein paar anderen Millionären sitzen. Doch dann schlägt ein Blitz ein und das Flugzeug stürzt auf einer einsamen Insel im Pazifik ab. Zwei Kriegsveteranen – einer japanisch, einer amerikanisch – die seit dem Krieg abgeschottet von der Außenwelt dort festsitzen, versorgen den verletzten Bruce Wayne. Mit ihrer Hilfe besorgt er sich ein notdürftiges Batman-Kostüm und nimmt den Kampf mit Deadshot auf.

Klingt bescheuert? Ist es aber nicht. Tatsächlich ist das Ganze so stark und humorvoll erzählt, dass diese Episode am meisten Vergnügen macht. Es ist wahrscheinlich sogar die beste Story, seit Tomasi Detective Comics übernommen hat. Und wer hätte das gedacht: Deadshot steht auf The Who …

Zwischendurch sieht man, wie die nächste größere Geschichte vorbereitet wird: Mr. Freeze schließt einen Pakt mit Lex Luthor, um endlich seine geliebte Nora aus dem kryogenischen Schlaf zu holen – eine Story im Rahmen von „Year of the Villain„. Davon dann beim nächsten Mal mehr.

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Alfred als Spion im Auftrag Ihrer Majestät

Alfred stellt sich den Waynes vor. (DC Comics)

Titel: Regnum Defende

Autor/Zeichner: Scott Beatty/Jeff Parker

Erschienen: 2005 (Detective Comics #806-807), Paperback 2020 (Batman Allies: Alfred Pennyworth)


Alfreds Vorgeschichte wurde im Laufe der Jahre immer weiter ausgebaut und verändert. Anfangs war er nur ein aufdringlicher und trampelhafter Butler, der Detektiv werden wollte. Dann wurde er zu einem Kriegshelden, der den französischen Widerstand gegen die Nazis unterstützte (und nebenbei eine Tochter zeugte). In The Untold Legend of the Batman #2 (1980) half er Flüchtlingen aus Deutschland, dem Nazi-Regime zu entkommen.

Seine wahre Leidenschaft war aber die Bühne. Doch Alfred musste seine Karriere als Schauspieler beenden, nachdem sein Vater ihm das Versprechen abrang, die Familientradition als Butler aufrecht zu erhalten. Noch später, in Waiting in the Wings (Batman Annual #13, 1989), will er nach Bruces Wanderjahren zurück auf die Bühne, überlegt es sich aber anders, als er sieht, wie Bruce sich selbst in Theatralik versucht …

Alfred gegen Nazis und Kommunisten

25 Jahre später, in Regnum Defende, läuft die Geschichte wieder ganz anders: Alfred ist Schauspiellehrer für den britischen Geheimdienst (MI-5), unterrichtet etwa, wie man in einer Menschenmenge verschwindet. Allerdings hat er keine Erfahrung im Außendienst. Da bekommt den Auftrag, in Polen ein paar Superschurken auszuspionieren, darunter Parsifal, einen alten Nazi, der Superkräfte ausschalten kann.

Es herrscht der Kalte Krieg, auch Sowjet-Schurken wie Red Scare und Iron Curtain sind da, aber auch Blitzkrieg und die Walküre Gudra. Ich habe nicht ganz verstanden, wie diese bunten Gestalten, die konkurrierenden Ideologien dienen, zusammenpassen und was sie zusammen machen. Jedenfalls darf Alfred sie als Butler bei einem Empfang bedienen. Als er sieht, dass ein anderer Spion Parsifal vergiften will, rettet er ihm das Leben. Dann wird Red Scare erschossen und Alfred outet sich als Spion …

Als er nach dieser Aktion untertauchen muss, wird er zum Butler für die Waynes. Alfred heißt damals noch Beagle. Und dank eines besonderen Pennys, der ihm das Leben rettet, nennt er sich Pennyworth. So werden alle Stränge der Tradition miteinander vereint. (Und zugleich der Grundstein für die spätere TV-Serie Pennyworth gelegt.) Außer der des tollpatschigen Möchtegern-Ermittlers – der ist endgültig in der Mottenkiste gelandet. Aber wer weiß, im Comic darf man bekanntlich niemals nie sagen …

>> Alfred-Pennyworth-Comics

Alfred bekommt eine Tochter

DC Comics

Titel: The Man Who Killed Mlle. Marie/Who Shot Mlle. Marie?

Autor/Zeichner: Gerry Conway/Don Newton

Erschienen: 1981 (Detective Comics #501-502), Hardcover 2017 (Tales of the Batman: Gerry Conway Vol. 1), Paperback 2020 (Batman Allies: Alfred Pennyworth)


Alfred Pennyworth und Lucius Fox bekommen jeweils ein Telegramm aus Paris und brechen plötzlich dorthin auf. Bruce Wayne ist skeptisch und reist hinterher. Dort erklärt ihm der Geheimdienst, dass die beiden einst im Zweiten Weltkrieg den französischen Widerstand unterstützt haben, Alfred für den britischen, Lucius für den amerikanischen Geheimdienst. Unabhängig voneinander haben sie mit der berühmten Widerstandskämpferin Mademoiselle Marie gekämpft. Aber die wurde eines Tages von einem Unbekannten ermordet. Alfred und Lucius werden nach Frankreich geholt, um den Mord aufzuklären. Doch als Batman die beiden aufsucht, werden sie von einigen Resistance-Kämpfern überfallen, angeführt von einer gewissen Julia Remarque, der Tochter von Mlle. Marie. Batman will sie beschützen, aber da schlägt ihn Alfred von hinten nieder, um Julia zu schützen. Daraufhin beschuldigt sie Alfred des Mordes an ihrer Mutter.

Während Batman in einer Scheune gefesselt wird, hält Julia mit den anderen ein Tribunal ab, bei dem der Schuldige bereits feststeht. Doch Alfred schweigt zu den Vorwürfen. Batman befreit sich und versucht, innerhalb eines Tages Alfreds Unschuld zu beweisen und den wahren Mörder zu finden. Das gelingt ihm auch so schnell, dass man sich fragt, warum nicht Julia von selbst darauf gekommen ist. Aber es ist nicht die einzige Frage, die offen bleibt. Denn während der Ermittlung stellt sich heraus, dass Julia Alfreds Tochter ist. Alfred wusste es von Anfang an, hat sie finanziell unterstützt, aber offenbart sich ihr gegenüber bis zum Schluss nicht als Vater. Angeblich um sie nicht zu verstören. Aber ist sie mit ihrer Rachsucht nicht schon verstört genug? Warum sollte er nach dem ganzen Drama nicht die Wahrheit sagen?

Damit endet dieser Zweiteiler seltsam unbefriedigend. Alfreds wahre Verwandtschaft wird zwar erweitert (nach seinem Bruder und seiner Nichte), aber es bleibt alles ohne Folgen. Alle kehren zurück zum Status quo, sodass Alfred weiter nur Ersatzvater für Bruce und Ersatzgroßvater für Dick Grayson spielen muss.

Ach ja: Und was hat am Ende Lucius Fox mit all dem zu tun? Warum wurde auch er nach Paris gebracht? Keine Ahnung.

(Julia Pennyworth bekommt viel später, in Batman Eternal, eine größere Rolle in Alfreds Leben.)

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Das Batmobil der 50er – immer der Zeit voraus

DC Comics

Titel: The Batmobile of 1950/Secret of the Batmobile

Autor/Zeichner: Joseph Samachson, Bill Finger/Dick Sprang, Sheldon Moldoff

Erschienen: 1950/1956 (Detective Comics #156/Batman #98)


Das Jahr 1950: ein neues Jahrzehnt – also höchste Zeit für ein neues Batmobil! Und zwar eins, das seiner Zeit gleich um zehn Jahre voraus ist. Aber zuerst muss das alte entsorgt werden. Denn das ist immerhin auch schon fast zehn Jahre alt.

Als Batman und Robin drei Gauner nach einem Raubzug verfolgen, haben die dreimal Pech: Batman wird zunächst von einem Netz aufgehalten, dann angeschossen, schließlich sprengen die Ganoven auf der Flucht eine Brücke und das Batmobil stürzt samt den Helden in die Tiefe. Das Auto ist Schrott. Batman kommt mit einem gebrochenen Bein davon. Schon spotten die Gauner, er könne sie bald im Rollstuhl verfolgen, aber Batman wäre nicht Batman, wenn er nicht einen Plan hätte.

Schon zuvor hat er nämlich ein neues Batmobil entworfen: mit Raketenantrieb, Radar (um im Dunkeln sehen zu können) und mit einem integrierten Kriminallabor. Sofort macht sich der Wunderknabe an die Arbeit, das Wunderauto zu bauen. Aber das Verbrechen steht nicht still. Robin muss alleine los – und blamiert sich bis auf die Knochen, als er in einem schrottreifen Oldtimer die Verfolgung aufzunehmen versucht.

Das neue Batmobil: Detective Comics #156 (1950)

Doch kaum zurück, ist das Batmobil wie durch ein Wunder fertig, obwohl Batman noch immer seinen Gips trägt. Im Grunde sieht es nicht viel anders aus als das Alte, aber es fällt sofort auf, dass es leichter und schneller ist. Robin findet die Gauner, Batman wartet im Wagen. Per Monitor auf dem Armaturenbrett kann er sehen, als Robin Hilfe braucht und mit dem Auto zur Hilfe eilen. Später macht ihnen eine gesprengte Brücke nichts aus – dank Raketenantrieb springt das neue Batmobil einfach drüber.

Dann verwirrt es die Ganoven mit Rauch und mit dem Radar kann das Dynamische Duo gut erkennen, wo es zuschlagen muss. Zum Schluss lehrt das Batmobil einen der Schurken das Fürchten, indem es ihm ein kleines Batsignal ins Gesicht scheinen lässt. Batman war übrigens die ganze Zeit wieder fit. Er wollte nur sehen, ob das Batmobil sein Handicap kompensieren kann. Schade, denn ich dachte, er wollte testen, ob sich Robin auch alleine bewährt. Aber der Junge ist noch nicht so weit – auch wenn er bereits Auto fahren darf.

Panzer, Amphibienfahrzeug, Schneemobil

DC Comics

Sechs Jahre später bekommt das Batmobil Konkurrenz von einem Gegner im gelben Rennwagen: dem Racer. Als wäre der nicht schon schwierig genug zu fassen, macht Reporterin Vicky Vale noch ein Foto vom Batmobil, das Batmans Geheimidentität lüften könnte. Um die Veröffentlichung des Bildes zu verhindern, hält Batman sie mit neuen Geschichten über das Batmobil hin.

Dabei erfahren auch wir, wie vielseitig das Gefährt ist: Mal bauen Batman und Robin es zum Panzer aus, der Stürmen standhält, mal dient es als Amphibienfahrzeug, das sowohl im Wasser als auch an Land fahren kann, schließlich wird es zum Schneemobil, wo es sogar durch Eis brechen kann. Weil dabei aber der Motor zerstört wird, muss Bruce Wayne sein Privatauto als Batmobil tarnen – das ist das Geheimnis, das Vicky beinahe lüftet.

Aber natürlich nur beinahe. Denn am Ende wird wie immer das Schlimmste verhindert. Und auch der gelbe Racer wird gefangen genommen. Nichts ist schneller als das wahre Batmobil.

Batmobil als Schneemobil. (DC Comics)

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Alfred als Gastgeber für Ganoven

Unverhoffter Besuch: Alfred mit Gaunern. (DC Comics)

Titel: Alfred: The Hospitable Hostage

Autor/Zeichner: Bob Rozakis/George Tuska

Erschienen: 1979 (Detective Comics #486)


Als Alfred Pennyworth eines Tages das Hochhaus der Wayne Foundation betritt (in den 70ern hatte Batman Wayne Manor und Bathöhle verlassen), wird er von drei Gaunern in den Fahrstuhl gestoßen. Sie wollen Bruce Waynes Wohnung leerräumen und er soll ihnen dabei helfen. Bruce ist nicht da, doch das größte Problem ist, wenn er als Batman zurückkehren sollte – dann fliegt er nämlich auf.

Damit die Gauner auf der Suche nach Beute nicht zufällig die Bathöhle finden, zeigt Alfred ihnen den Safe und serviert ihnen Kaffee, denn ein guter Butler bleibt auch gegenüber ungebetenen Gästen, die sich lieber selbst bedienen, stets ein guter Gastgeber. Alfred öffnet ihnen sogar den Safe, bevor sie noch größeren Schaden anrichten. Viel Geld ist da zwar nicht drin, wertvoller sind die Aktien, aber die sind nur wertvoll, wenn Bruce Wayne sie unterschreibt. Also warten die drei Ganoven auf die Rückkehr des Hausherren.

Um die Begegnung zu verhindern bietet Alfred ihnen seine Briefmarkensammlung als Ersatz an. Die nehmen sie ihm auch gerne ab, bleiben aber trotzdem, bis Bruce kommt. Aber wo bleibt er denn?, fragen sie, als es langweilig wird. Wahrscheinlich bei James Gordon, sagt Alfred. Mit Polizei wollen die drei aber nichts zu tun haben, also hauen sie wieder ab. Alfred blockiert per Konsole den Aufzug und als Bruce zurückkehrt, kann er sich in aller Ruhe darum kümmern, für seine Gäste eine Mitfahrgelegenheit zu rufen – im Streifenwagen.

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