Scarecrow

Batman Begins: Abgrund der Furcht

Batman Begins

Titel: Batman Begins

Regie/Drehbuch: Christopher Nolan/Christopher Nolan, David S. Goyer

Erschienen: 2005


 „Warum Fledermäuse, Master Wayne?“ – „Weil sie mir Angst machen. Und meine Feinde sollen meine Angst teilen.“

Ein Sturz in die Tiefe ändert alles. Fledermäuse fallen einem stillgelegten Brunnen über den jungen Bruce Wayne her. Fortan sind sie seine Dämonen, die ihn plagen, Symbole seiner Angst. Diese Angst ist es, die ihn aus der Vorstellung der Operette „Die Fledermaus“ treibt und seine Eltern einem Räuber zum Opfer fallen lässt. Diese Angst wird zum Schuldgefühl, das ihn rastlos werden lässt, umtreibt und in der Welt verloren gehen lässt.

Die Geschichte von Batman als Sturz in den Abgrund der Angst zu erzählen, liegt nahe. Geradezu organisch entwickeln Regisseur Christopher Nolan und Drehbuchautor David S. Goyer diese Geschichte aus diesem Schlüsselerlebnis heraus. Das Thema Angst zieht sich wie ein roter Faden konsequent durch den ganzen Film: Die Fledermäuse, Batman als ihre Menschwerdung und Angstfigur, das Halluzinogen aus dem blauen Mohn, Scarecrow als Schurke und Meister der Angst.

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Das Motiv funktioniert so gut, weil es kaum ein stärkeres gibt. Identifikation ist einfach, weil jeder Angst kennt und es wie bei jeder Heldenreise im Grunde darum geht, sie zu überwinden. So ist auch der eigentlich absurde, weil wirklichkeitsfremde Vorgang, in einem Fledermauskostüm Verbrecher zu bekämpfen, nachvollziehbar, weil folgerichtig. Man muss jemand, etwas anderes werden, ein Symbol, um über sich selbst hinaus zu wachsen.

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Haunted Knight: Heimsuchungen an Halloween

Batman: Haunted Knight

Titel: Haunted Knight (dt. Nacht des Schreckens; Einzelausgaben: Halloween in Gotham City, Irrsinn, Geister)

Autor/Zeichner: Jeph Loeb/Tim Sale

Erschienen: 1993/1994/1995 (Legends of the Dark Knight Halloween Specials), Paperback 1996


„It’s just the thing for a rainy day …“ (Martha Wayne)

Bevor Jeph Loeb und Tim Sale ihr 13-teiliges Epos The Long Halloween schufen und damit zum Batman-Dream-Team der 90er wurden, verdienten sie sich mit drei Halloween-Specials für Legends of the Dark Knight ihre Sporen: Fears, Madness und Ghosts. Gesammelt bilden sie den Band Haunted Knight. Schon hier beweisen sie sich als Meister des sequentiellen Erzählens: Stimmungsvolle Spiele mit Licht und Schatten wie beim Film Noir (wobei der Schatten überwiegt), dynamische Figuren, dramatische Splashpages zum Einrahmen, Anleihen beim Surrealismus. Hoffnungslos verloren wirkt Batman, wenn er im Sturz von Krähen angegriffen wird, wenn in einem schier endlosen Irrgarten seine Kräfte versagen oder angeschossen in Pieta-Stellung in der Gosse liegt.

Im Zentrum stehen nicht die Kämpfe gegen die Schurken Scarecrow, Mad Hatter und Pinguin. Sie bilden nur die Anlässe für Batmans eigene Vergangenheitsbewältigung. Loeb und Sale zeigen einen persönlichen und verletzlichen jungen Helden, der noch am Anfang steht und sich den Dämonen stellen muss, die ihn seit der Kindheit plagen. Besonders deutlich wird das in der dritten Erzählung, die Dickens Weihnachtsgeschichte an den Abend vor Halloween verlegt: Drei Geister suchen Bruce Wayne auf (in der Gestalt von Poison Ivy, Joker und dem Tod) und führen ihm vor Augen, dass er sich nicht damit begnügen kann, sich hinter der Maske von Batman zu verstecken, sondern auch ein Leben als Bruce Wayne braucht – und als dieser angewiesen auf Gesellschaft ist. So sehen wir nicht nur Episoden aus Bruce Waynes Kindheit und seiner Vorliebe für Zorro und Perlen, sondern auch als Erwachsenen in intimen Situationen, wenn er etwa wie ein Junge am Fenster hockt und Alice im Wunderland liest oder Süßigkeiten an Kinder verteilt.

Seit Frank Miller hat niemand Batman so eindrucksvoll inszeniert wie Loeb und Sale. Dieses Buch gehört in jede Sammlung von Freunden wahrer Comic-Kunst. Es ist die perfekte Lektüre für regnerische (Herbst-)Tage.

Die Freuden des Freudianers

The Batman of Arkham

Titel: The Batman of Arkham

Autor/Zeichner: Alan Grant/Alcatena

Erschienen: 2000 (One-shot)


Was wäre wenn … Bruce Wayne im Jahr 1900 Psychiater und Leiter von Arkham Asylum wäre?

Dann wäre er ein Freudianer, Philanthrop und natürlich auch Batman. In Alan Grants Elseworlds-Story erscheint Wayne als fortschrittlicher Arzt, der – anders als zu der Zeit üblich – seine Patienten nicht wegsperrt und unterdrückt, sondern zu heilen versucht. Bei Killer Croc hat das offenbar funktioniert, nun versucht Wayne sein Glück auch mit Poison Ivy, dem Bauchredner und Two-Face. Die Frage, die ihn dabei beschäftigt ist, was Menschen zu Mördern macht. Die Antworten darauf fallen unterschiedlich aus.

Wie üblich vertritt der Joker die steilste These: „The whole world is a death factory! Sooner or later, everybody dies … What matter if I hasten things along? Some might say I’m doing everybody a favor!“ Gesagt, getan. Der Joker tyrannisiert die Stadt mit seinem berüchtigten Lachgas. Als Batman eine Dosis abbekommt, kann er das Lachen nicht lassen und wird selbst Patient in Arkham. Dort übernimmt Dr. Crane die Leitung, was einer Schreckensherrschaft gleichkommt. Crane macht allen Fortschritt Waynes zunichte, er glaubt an die Macht der Angst. Nicht von ungefähr hat er den Schatten einer Vogelscheuche …

Wie so häufig bei Alan Grant ist auch diese Story voller Grübeleien über Gott und die Welt: „Gotham has always been synonymous with insanity“, sinniert Wayne. „The city has always carried the taint of madness. Is it someting in the water, perhaps … or even in the air itself?“ Für Two-Face ist die Ursache globaler Natur: „The world is an irrational place, doctor. Men fight wars, burn cities, torture each other. How can a product of this madness ever make a rational decision?“

Das gerade einmal 48 Seiten umfassende Buch ist vor allem formal interessant, nicht nur wegen der schön düsteren Zeichnungen von Alcatena, sondern auch weil die Panels in Jugendstil-Ornamenten untergebracht sind. Batman ist in einem Kostüm unterwegs, das an das von 1939 erinnert. Außerdem gibt es eine schöne Variation des Elternmordes – er findet bei einer Zirkusvorstellung statt, in der gerade Clowns das Publikum zum Lachen bringen … Man kann jedes Trauma noch steigern.

Weitere Arkham-Storys:

>> Liste der Batman-Elseworlds-Comics

Batman in der Zwangsjacke

The Last Arkham

Titel: The Last Arkham (dt. Wahnsinn in Arkham)

Autor/Zeichner: Alan Grant/Norm Breyfogle

Erschienen: 1992 (Shadow of the Bat #1-4), Paperback 1995; dt. 1997 (Ehapa)


Der gefährlichste Insasse des Arkham Asylum, so sagt es uns der Anstaltsleiter persönlich, –  ist Batman. Zu lange habe er sich am Abgrund bewegt, eines Tages sei er abgestürzt. Ein Mord soll ihn hergebracht haben. „Du bist jetzt hier zu Hause“, sagt Jeremiah Arkham zu einem angeketteten Batman. Wie er dort hingekommen ist? Auf der Jagd nach einem Serienmörder ist Batman selbst zum Mörder geworden. Comissioner Gordon überwältigte ihn und ließ ihn in Arkham einliefern. Dort muss der Held nicht nur einen Weg hinaus finden, sondern auch den Fall lösen.

Der mutmaßliche Killer ist Zsasz, der Typ, der seine Opfer mit Narben am eigenen Körper zählt, und der hier seinen ersten Auftritt hat. Der eigentliche Hauptgegner der Geschicht ist jedoch Jeremiah Arkahm, der zweifelhafte Ansichten und Methoden vertritt sowie es wegen seiner Verstocktheit an Kooperationsbereitschaft vermissen lässt. Daneben darf sich Batman auch gegen ein All-Star-Aufgebot der Arkham-Insassen prügeln, was ihm aber auffällig leicht gelingt …

Norm Breyfogle gehört zwar zu den besseren Zeichnern, doch man hat schon bessere Leistungen von ihm gesehen. Zuweilen wirken seine Figuren zu sehr hingeworfen als fein herausgearbeitet; die plumpe Farbgebung ist nicht gerade ein Genuss, aber der Mode der Zeit geschuldet. Die Story selbst hat ihre Schwächen: Batmans Einlieferung ist zwar ein toller Aufhänger, aber lässt es an Logik vermissen. Die Erklärung, warum der Held in Arkham seine Maske aufbehalten darf und folglich anonym bleibt, hinkt ziemlich. Die größte Stärke bleibt die Ausarbeitung der Figur Jeremiah Arkham, der am Ende die Welt – und vor allem sich selbst – mit anderen Augen sieht.

Batman: Dreams in Darkness

Interessanterweise erschien im selben Jahr eine Episode der Batman-Zeichentrickserie (S01E28, „Dreams in Darkness“), in der es ebenfalls darum geht, dass Batman Patient in Arkham ist. Dort ist er allerdings wirklich dem Wahnsinn nah, weil er ein halluzinogenes Gas von Scarecrow (dem „Panikmacher“) eingeatmet hat. Verglichen mit The Last Arkham erzählt diese Episode die bessere Geschichte.

Weitere Arkham-Storys: