Bob Kane

Katze trifft Fledermaus

Catwoman im Golden Age (Teil 1)

DC Comics

Titel: The Cat

Autor/Zeichner: Bill Finger/Bob Kane

Erschienen: 1940 (Batman #1)


„Lovely girl! What eyes!“ (Batman)

Vor Catwoman gab es the Cat: eine hübsche wie raffinierte Diebin, ohne Katzenkostüm, aber schon verkleidet, eine Unbekannte, aber von Anfang an anziehend für Batman …

Beginnen wir am Anfang: Die erste Catwoman-Story beginnt als erste Robin-Solo-Story. Gleich in seinem dritten Abenteuer darf Dick Grayson sich zunächst alleine behaupten. Bruce Wayne lässt ihn als Kellner auf einer Yacht arbeiten, um eine teure Kette vor Dieben zu schützen. Dick ist sehr aufmerksam, hat auch schon gleich zwei Verdächtige unter den Gästen erspäht, als die Kette plötzlich weg ist – gestohlen von einem Unbekannten.

Kurz darauf treffen Gangster auf der Yacht ein, um die Kette zu rauben, aber sie kommen zu spät, also nehmen sie mit, was sonst noch da ist. Als Dick einen Kampf mit ihnen anfängt, springt er ins Wasser, zieht sich schnell sein Robin-Kostüm an, während er Maschinengewehrkugeln ausweicht. Da trifft auch schon Batman ein, überwältigt die Gauner auf ihrem Boot, Robin hält sie fest.

Aber weil es offenbar niemand eilig hat, passiert plötzlich etwas Seltsames: ein Experiment. Batman lässt vier Gangster auf Robin los, um den amerikanischen Kindern zu zeigen, wie feige sie ohne ihre Waffen sind. Hier ist sich die fiktive Held bewusst, dass er nur eine Comicfigur ist und dass er vor einem Kinderpublikum auftritt! Das ist einzigartig für Batman. Und als auf der nächsten Seite die Verbrecher ihre Lektion bekommen haben und vor Robin erzittern, wendet sich Batman direkt an die Leser, wiederholt seine Botschaft und ermuntert sie, sich dem Kampf gegen das Verbrechen anzuschließen.

Zurück zum Plot: Auf der Yacht sind mittlerweile alle so bedrückt, bestohlen worden zu sein, dass sie eine Kostümparty schmeißen, um sich wieder aufzuheitern. Ein Preis soll verliehen werden für die beste Verkleidung. Als Batman erscheint, geht der Preis an ihn, weil er nicht für den richtigen Batman gehalten wird. Und wieder haben wir es mit einer Selbstreferenzialität zu tun: „An ironical joke takes place!!“ Batman ist mittlerweile so legendär, dass seine tatsächliche Erscheinung nicht mehr für wahrscheinlich gehalten wird. Interessant: Während er sich selbst als das erkennt, was er wirklich ist, erkennen die anderen ihn nicht als echten Batman.

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„Quiet or papa spank!“ Batman und The Cat. (DC Comics)

Erst jetzt kommt die Hauptschurkin ins Spiel: Robin löst einen falschen Feueralarm aus und als alle Gäste losrennen, offenbart sich eine alte Frau als gute Läuferin mit schönen Beinen: „Nice legs for an old woman.“ Batman überwältigt sie, wischt ihr rüde die Schminke aus dem Gesicht („Quiet or papa spank!“ – Ja, er sagt es wirklich.) und nimmt ihr die Kette ab.

Die Schurkin offenbart sich als the Cat, von der Batman schon gehört hat. Sie bietet ihm an, sich ihr anzuschließen; sie würden ein tolles Team als König und Königin des Verbrechens hergeben, findet sie. Aber Batman bleibt hart. So scheint es zunächst. Denn als das Dynamische Duo sie mit dem Boot zur Polizei bringen will, lässt er sie über Bord springen. Nicht nur, dass er sie nicht verfolgt, er hindert auch Robin daran, hinterherzuspringen. Am Ende schwärmt er laut von ihrer Schönheit und muss sich selbst daran erinnern, dass er bereits an eine gewisse Judy (Madison) vergeben ist, aber er sehnt sich jetzt schon nach einem Wiedersehen mit der Katzendiebin …

Auch das ist bemerkenswert, weil der unbestechliche Verbrechensbekämpfer hier erstmals mit seinen Prinzipien bricht. Von Anfang an hat die Schurkin eine ganz besondere Wirkung auf Batman. Man kann sagen: In dem Augenblick, in dem er sich seiner wahren Erscheinung selbst bewusst wird, ihn aber andere nicht als wahren Batman erkennen, wird er zu einem anderen Batman, einem Helden mit einer dunklen Seite, die von einer Frau hervorgerufen wird.

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Zweite Chance für Two-Face

DC Comics

DC Comics

Titel: The End of Two-Face

Autor/Zeichner: Bill Finger/Bob Kane

Erschienen: 1943 (Detective Comics #80), Paperback 2015 (Batman Arkham: Two-Face)


„I’m going straight!“ (Two-Face)

Two-Face bricht aus dem Knast aus. Und macht weiter wie bisher: tut mal Böses, mal Gutes, je nachdem, wie die Münze entscheidet. Als es zur Konfrontation mit Batman und Robin kommt, gerät Harvey Kents Frau, Gilda, in die Schusslinie. Nachdem sie ihm seine Liebe gesteht, trifft er den Entschluss, sein Leben zu ändern. Doch die Mitglieder seiner Gang lassen ihn nicht so leicht davonkommen.

Das Besondere an dieser Story ist der Optimismus: die tragische Geschichte von Kent, die Mitgefühl erregt hat, kommt hier zu einem (vorläufig) guten Ende. Harvey wird bekehrt, er rettet sogar Batman das Leben und lässt sich sein Gesicht wieder reparieren (just in dem Moment ist der besagte plastische Chirurg aus Nazi-Deutschland entkommen). Etwas zu naiv und märchenhaft? Mag sein. Aber es zeigt auch Batman von einer menschenfreundlichen Seite. Er ist froh, dass er nicht – wie sonst üblich – einen Bösen in den Knast stecken must, sondern dass Besserung möglich ist.

Two-Face ist kein Schurke, der als Dauergast konzipiert war. Genauso wie Clayface, Scarecrow oder der Riddler. In den darauffolgenden zwei Jahrzehnten taucht er kaum in den Comics auf. Erst in den 70ern wird er zu einem von Batmans Erzfeinden. Doch er bleibt einer der interessantesten Charaktere, nicht nur wegen der Tragödie seiner Entstehung, sondern auch, weil er ein zerrissener Charakter ist – wie Batman auch.

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Das Two-Face-Double-Feature

DC Comics

Titel: The Crimes of Two-Face/The Man Who Led a Double Life

Autor/Zeichner: Bill Finger/Bob Kane

Erschienen: 1941 (Detective Comics #66, 68), Paperback 2015 (Batman Arkham: Two-Face)


„… the most bizarre criminal of all time … a twentieth century Jekyll-Hyde …“

Einer der interessantesten von Batmans Erzfeinden ist Two-Face. Nicht nur wegen seines Doppellebens, das er mit Batman gemeinsam hat, nicht nur wegen des persönlichen Bezugs zu ihm, weil er einst ein Freund gewesen ist, sondern vor allem wegen seiner tragischen Vorgeschichte. Die wird gleich in der ersten Ausgabe ausführlich ausgebreitet. Ganze vier Seiten bekommt Harvey Kent (!), um zu Two-Face zu werden. So viel hat nicht einmal Batmans Entstehungsgeschichte bekommen.

Es ist bemerkenswert, wie gut die Figur durchdacht ist, von Anfang an ist alles da: der Staatsanwalt, der vom Gangster Moroni im Gerichtssal Säure ins Gesicht geschüttet bekommt, die Entfremdung von seiner Frau Gilda, der Doppelkopf-Dollar, die für ihn die Entscheidungen trifft. Die Münze ist zunächst ein Beweisstück gegen den Moroni. Weil Two-Face sie für sein Unglück verantwortlich macht, zerkratzt er sie mit einem Skalpell und widmet sein Leben einer Obsession für die Dualität: Sein Versteck ist zweigeteilt, seine Verbrechen haben stets mit der Zahl zwei zu tun: ein Doppeldecker-Bus, ein Double-Feature-Kino. Doch wenn die Münze auf die unversehrte Seite fällt, spendet er seine Beute auch für wohltätige Zwecke. Es ist noch Gutes in ihm …

Zunächst soll Kent von einem plastischen Chirurgen aus Deutschland behandelt werden – aber der wurde von den Nazis in ein Konzentrationslager gesteckt. Und Kent entscheidet sich, nicht auf dessen mögliche Befreiung zu warten. Interessant ist auch, dass seine Frau Künstlerin ist, die Skulpturen anfertigt. Nachdem sie sich vom entstellten Gesicht ihres Mann erschüttert zeigt, zerschlägt er eine Büste, die ihn darstellt, mit zwei Hammern. Früher, sagt er, sei er Apollo genannt worden, aber die Büsten zeigten nicht mehr sein wahres Gesicht. Er kommt in eine Persönlichkeitskrise: „Who … what am I? I’m not a man! I’m half a man … beauty and beast … good and evil! I’m a living Jekyll and Hyde!“ Seine Spaltung wird schon beim ersten Blick in den Spiegel deutlich: schon da ist sein Anzug zweifarbig.

Der Showdown wird zum Kammerspiel: Batman versucht, Kent zum Guten zu bewegen, Two-Face wirft seine Münze – und sie landet auf der Kante. Mit diesem Cliffhanger endet der erste Teil, zwei Ausgaben später geht es weiter. Two-Face entkommt durch den übereifrigen Einsatz der Polizei. Als nächstes entführt er das Double eines alten Unternehmers, dann versucht er ein Wohltätigkeits-Baseball-Spiel zwischen der Polizei und der Feuerwehr auszurauben. Auch Batman, da Ehrenmitglied der Polizei, spielt mit.

Der Höhepunkt ist allerdings ein emotionaler: Nachdem Two-Face feststellen muss, dass seine Frau mittlerweile Trost bei einem anderen Mann gefunden hat, stellt er sein Gesicht mit Wachs wieder her und besucht sie. Zunächst scheint alles wieder gut zu werden, Harvey will sich sogar der Polizei ausliefern, um wieder gut zu werden. Aber als sie bei Kerzenschein beisammen sitzen, sein Gesicht schmilzt und dann auch noch Batman reinplatzt, ist es mit den guten Vorsätzen vorbei. Armer Harvey. Der perfekte Schurke ist geboren – aus dem Geist der Tragödie.

>> Liste der Two-Face-Comics

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Pinguins erster Coup

DC Comics

DC Comics

Titel: One of the Most Perfect Frame-Ups

Autor/Zeichner: Bill Finger/Bob Kane

Erschienen: 1941 (Detective Comics #58)


„I’m afraid you’d never appreciate the beauty of a successful robbery!“ (Pinguin)

Bevor der Pinguin zu einem Herrscher der Unterwelt wird, einem Gangster, der illegale Geschäfte unter dem Deckmantel des Legalen macht, ist er zunächst ein Dieb, der für andere Aufträge ausführt. Allerdings ein sehr geschickter. Von Anfang an hat er schon alle seine Attribute, die ihn so klassisch machen: Zylinder, Mononkel, Zigarettenspitze, eine Vorliebe für Edelsteine und vor allem Regenschirme aller Art. Einer hat einen Dolch versteckt, ein anderer Betäubungsgas, ein anderer spritzt Säure. Obwohl körperlich unterlegen, bleibt der kleine dicke Mann für Batman eine Herausforderung.

In seiner ersten Geschichte erfahren wir nicht, woher er kommt, aber dafür geht es um Kunst: Bruce und Dick besuchen gerade eine Ausstelung, Dick stellt sich wie ein Banause an und macht sich bei einem Künstler unbeliebt, da kommt ein kleiner Mann mit Zylinder herein, ähnlich einer Pinguin-Plastik, die zufällig in der Ausstellung steht. Kurz darauf ist ein teures Gemälde verschwunden. Die Besucher werden daraufhin durchsucht, auch der Pinguin, doch er kommt davon, denn er hat das Gemälde aus dem Rahmen genommen und in seinem Schirm versteckt.

Pinguin (DC Comics)

Pinguins erster Auftritt (DC Comics)

Ziemlich ausgebufft, der Kleine. Als nächstes raubt er einen Diamanten. Wie schon beim ersten Mal handelt er im Auftrag eines Gangsterbosses. Doch als ein Streit um ihre Anteile ausbricht, knallt der Pinguin seinen Auftraggeber mit seinem Schirm ab, übernimmt seine Bande und setzt seinen Raubzug fort.

Beim nächsten Fall kann zwar Batman intervenieren (dabei zerstört er ein Gemälde, indem er es zwei Handlangern über den Kopf schlägt), aber er wird vom Pinguin überwältigt und (wegen einer vagen Behauptung) von der Polizei gefangen genommen. Doch kurz darauf lässt der Schurke Batman wieder befreien, nur um ihn selbst gefangen zu nehmen. Das hat angeblich mehrere Gründe. Nachvollziehbar sind sie nur bedingt.

Batman ruft Robin mit einer interessanten Vorrichtung herbei: einem Morsetelegrafen in seinem Schuhabsatz. Beim Endkampf kann der Schurke entkommen, indem er auf einen fahrenden Zug springt. Er soll demnächst noch öfter wieder auftauchen. Drei Jahre später wird er gemeinsame Sache mit dem Joker machen.

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Der seltsame Fall des Jonathan Crane

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DC Comics

Titel: The Riddle of the Human Scarecrow

Autor/Zeichner: Bill Finger/Bob Kane, Jerry Robinson

Erschienen: 1941 (World’s Finest Comics #3)


„Poor Crane! He looks like a scarecro in those clothes – he certainly is a queer fellow“

Oft ist es ein Ereignis aus der Kindheit, das bestimmt, wie sich ein Mensch entwickelt. Jonathan Crane hat schon als Kind schon gerne Vögel aufgescheucht. Und so fasziniert ihn noch als Erwachsener die Angst so sehr, dass er sie als Psychologe erforscht und bei seinen Vorlesungen seinen Studenten einen Schrecken einjagt, indem er sinnlos mit einer Pistole herumballert. Das kostet ihn dann bald darauf den Job. Aber das macht nichts, denn schon zuvor hat er einen anderen Weg gefunden, wie man bequem Geld verdienen kann: indem er als Vogelscheuche verkleidet anderen Leuten Angst einjagt.

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Jonathan Cranes zweifelhafte Angst-Vorlesung. (DC Comics)

Crane sucht einen Geschäftsmann auf und bietet ihm für ein Honorar seine Dienste an: Als Scarecrow will Crane seinen Rivalen, der ihn vor Gericht verklagt, so sehr zu erschrecken, dass dieser daraufhin die Klage fallen lässt. Warum er nicht einfach den ersten erpresst, ist wohl ein Teil des Rätsels um diesen seltsamen Fall bleiben. Doch auch der umständliche Plan bleibt zunächst erfolglos, weil das Opfer sich nicht einschüchtern lässt. Crane muss mit Gewalt nachhelfen – und wird zum Mörder. Macht nix, denn er bekommt, was er will: Geld. Und damit kauft er sich Bücher, noch mehr als er ohnehin schon hat.

Jonathan Crane muss man nicht verstehen, aber er bietet viel Potenzial dazu: denn es ist die tragische Geschichte eines Nerds, der in abgewetzten Klamotten herumläuft, weil er lieber sein ganzes Geld in Bücher investiert. Und damit wird er zur Identifikationsfigur für die Außenseiter und Comicsammler, denen es ähnlich gehen dürfte. Hätte  man bloß den Respekt, von anderen gefürchtet zu werden, hätte man bloß die Kohle, um sich alles zu kaufen, was einem noch fehlt … Crane aber übertreibt es: er protzt mit seinem Swag. Und er kriegt den Hals nicht voll, er stiehlt sogar Bücher, obwohl er es nicht nötig hätte. Das wird ihm zum Verhängnis.

Batman und Robin kommen ihm auf die Spur. Obwohl sie mit vereinten Kräften auf ihn losgehen, gibt ihnen Scarecrow ordentlich was zu tun. Dünne Typen kämpfen, wie wir seit Tyler Durden wissen, bis sie Ragout sind. Und auch Batman muss am Ende gestehen: „He certainly gave me the fight of my career“. Da weiß der Held aber noch nicht, dass ihm der größte Kampf noch bevorsteht, nämlich der gegen seine eigenen Ängste, wenn Scarecrow sein Angstgas auf ihn loslässt. Aber das ist eine andere Geschichte.

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Clayface feiert Premiere

DC Comics

DC Comics

Titel: The Murders of Clayface/Clayface Walks Again

Autor/Zeichner: Bill Finger/Bob Kane

Erschienen: 1940/1941 (Detective Comics #40, #49)


„Clayface, from now on your name is mud!“ (Batman)

Clayface ist einer der ersten von Batmans Erzfeinden. Er tauchte kurz nach dem Joker auf, noch früher als Pinguin, Two-Face und Riddler. Allerdings erschien er noch nicht in seiner Gestalt als formwandelnder Schlammberg. Zu Beginn ist Basil Karlo (eine Namenskreuzung aus Boris Karloff and Basil Rathbone) nur ein frustrierter Schauspieler, der seine Karriere hinter sich hat und nun Rache nehmen will. Der Frust ist nachvollziehbar: Man wird abgesägt – und dann dreht Hollywood ein Remake eines der eigenen Filme. Basil Karlo tritt in seinem alten Filmkostüm als Schurke Clayface auf: mit Fratzenmaske, breitem Hut und Gewand. Schon bald gibt es die erste Leiche am Set.

Die Story ist für uns nicht mehr so aufregend, weil wir bereits wissen – oder uns denken können -, wer der Mörder ist. Allerdings ist sie wie ein klassischer Whodunit aufgezogen, bei dem zunächst mehrere Verdächtige infrage kommen. Batman und Robin dürfen sich als Detektive behaupten. Bruce Wayne muss dabei seine eigene Freundin Julie Madison retten, die unter dem Namen „Portia Storme“ gerade ihre Karriere als Schauspielerin beginnt. Julie lässt übrigens keine Gelegenheit aus, Wayne vorzuschwärmen, wie sehr sie sich wünschte, dass er mehr wie Batman wäre.

Einige Ausgaben später (Detective Comics #49) kehrt Karlo zurück. Aber dieser Auftritt ist nicht mehr so elegant wie seine Premiere. Kaum hat er sich aus dem verunglückten Gefangenentransport befreit, zieht er stumpfsinnig wieder aufs Set, um seine Rache zu vollenden. Batman kommt sehr schnell auf seine Spur. Clayface tut sein Bestes, aber das ist ziemlich armselig: er wirft einen Feuerhaken nach Batman, dann eine Modelleisenbahn (!), schließlich lässt er einen Lkw auf Batman zurasen, allerdings ohne am Steuer zu sitzen und sich zu vergewissern, dass der Wagen sein Ziel trifft. Ein Feuer soll dann Robin dahinraffen … naja, klappt alles nicht.

Denn die Helden stellen sich viel geschickter an, auch was die Schauspielerei angeht. Denn am Ende schießt Clayface auf die falsche Person, weil Robin und Julie die Rollen getauscht haben. Gegen so viel Rafinesse kommt der von Rachsucht geblendete Karlo nicht an.

Eine schwache Vorstellung, durchaus ausbaufähig. Aber er wird sich noch entwickeln. Aber zunächst verschwindet Basil Karlo für lange Zeit in der Versenkung; erst 1969 taucht er wieder auf. In der Zwischenzeit (Detective Comics #298, 1961) nennt sich Matt Hagen Clayface – und ist damit der erste Schlammschurke, den wir heute kennen. Aber das ist eine andere Geschichte.

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Joker verkleidet sich als Clown

DC Comics

DC Comics

Titel: The Case of the Joker’s Crime Circus

Autor/Zeichner: Bill Finger/Bob Kane

Erschienen: 1940 (Batman #4)


„Odd, how that clown reminds me of someone.“ (Bruce Wayne)

Diese Idee scheint so naheligend. Dass der Joker nicht früher drauf gekommen ist! Aber manchmal sieht man eben das Offensichtliche nicht, auch wenn es vor der eigenen Nase liegt. Der Joker veranstaltet ein paar Zirkusvorstellungen in den Häusern der Reichen. Er selbst verkleidet sich – wer hätte das gedacht – als Clown. Kurz darauf sind die Reichen etwas ärmer. So geht das ein paar Mal – und keiner kommt auf die Idee, dass das etwas mit diesem seltsamen Zirkus zu tun hat, der durch die Häuser zieht.

Da muss erst Batman in seiner zivilen Verkleidung als Bruce Wayne kommen, um der Sache nachzugehen. Dieser Clown der Truppe kommt unserem Helden auch sehr bekannt vor, aber beim besten Willen: Er kommt einfach nicht drauf, wer das sein könnte. Es mag wohl daran liegen, dass der Joker, der ohnehin so ein Allerweltsgesicht hat, seine lange Nase rot gefärbt hat. Sie wirkt anscheinend so täuschend und ablenkend wie Clark Kents Brille. Man ändert nur eine Sache an seinem Gesicht – und schon wird man nicht mehr erkannt.

Okay, der beste Detektiv der Welt ist hier nicht in Höchstform. Aber am Ende reicht es trotzdem, um die Bande zu erwischen. Zugegeben: Batman ist davon ausgegangen, dass der Joker tot ist. Der Schurke spielt damit, indem er als falsches Gespenst Verwirrung stiftet. Letztendlich stürzt er doch wieder in einen Abgrund, in dem ihn das Wasser auffängt bis zur nächsten Geschichte. War wohl doch keine so gute Idee mit dem Zirkus …

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Weihnachten mit Batman: Trost für die Einsamen

DC Comics

DC Comics

Titel: The Loneliest Men in the World

Autor/Zeichner: Don Cameron/Bob Kane

Erschienen: 1943 (Batman #15)


„It was a stroke of genius, throwing that chicken! Your salary is doubled!“

Das Cover irriert: Batman bedient ein Maschinengewehr? Und Robin hilft beim Nachladen? Das Bild hat nichts mit dem Inhalt des Heftes zu tun, Batman erschießt schon lange niemanden mehr. Aber in der Realität des Erscheinungsjahres 1943 herrscht Krieg – und das Cover fordert die Leser dazu auf, Kriegsanleihen zu kaufen, um die Kugeln (gegen die Nazis und Japaner) weiter fliegen zu lassen.

Auch im Heft geht es um Nazis – aber das soll hier erstmal nicht interessieren. Denn es geht auch um Weihnachten. Und da zeigt sich Batman als selbstloser Wohltäter. Batman und Robin wollen an Heiligabend die Einsamsten glücklich machen: einen alten Portier, einen Komiker, einen Leuchtturmwärter. Das Batplane wird zum Batschlitten umgerüstet.

Batmans Weihnachtsschlitten

Batmans Weihnachtsschlitten

Für Aufregung sorgt der Gangster Dirk Dagner, der Batman töten – und dabei auch noch Reibach machen will. Zuerst versucht er mit seiner Bande, ein paar Bonzen bei einer Party auszurauben, dann stehlen sie das wertvolle Witze-Archiv des Komikers – ja, sie lassen sich nicht einmal davon abhalten, dass das Ding in einem riesigen Schrank steckt. (Wie bekommen sie den nur weg?) Und schließlich wollen sie ein Schiff mit Kriegsgütern ausrauben. Das Wie muss niemanden interessieren, denn dazu kommt es nicht. Dank Batman. Aber sie hätten sich bestimmt etwas einfallen lassen, denn auch sonst ist Dirk Dagner ziemlich ausgebufft: Die obligatorische Todesfalle für Batman ist besonders tricky – ebenso wie Batmans Lösung dafür …

Am Ende, wenn die Schurken mit Schleife bei der Polizei abgeliefert sind und Weihnachten gefeiert wird, kommt die Moral: Der einsamste Mensch der Welt sei Dirk Dagner, weil er voller Gier und Hass sei und daher wie ein wildes Tier weggesperrt gehöre, sagt Batman. Er verdiene kein frohes Weihnachten.

Bei Verbrechern hört also das Mitgefühl auf. Wie gesagt: Es sind raue Zeiten, es herrscht Krieg …

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Weihnachten mit Batman: Ein Vater als Geschenk

DC Comics

DC Comics

Titel: Christmas

Autor/Zeichner: Bill Finger/Bob Kane

Erschienen: 1942 (Batman #9)


„The Batman is going to play Santa Claus!“ (Bruce Wayne)

Heiligabend. Bei einem Besuch im Waisenhaus trifft Bruce Wayne den kleinen Timmy Cratchit, der sich vom Weihnachtsmann wünscht, er möge ihm seinen Vater wiederbringen. Doch der Vater steckt im Knast – lebenslänglich wegen Mordes. Batman macht sich daraufhin auf zum Gefängnis, wo er sich von dem Insassen Bob Cratchit erzählen lässt, er säße zu Unrecht ein. Batman und Robin glauben ihm und nehmen sich den Gauner Hal Fink vor, der schuldig sein soll. Obwohl sich das Dynamische Duo mit Fäusten, Tintenfässern und Kleiderhaken gegen seine Bande wehrt, wird es überwältigt.

Aber weil Gangster einen im Comic nicht einfach abknallen können, sondern das Töten meist dramatisch inszenieren müssen, bekommen die Helden noch eine Überlebenschance. Die Gauner schleppen die bewusstlosen Körper von Batman und Robin aufs Dach und werfen sie in einen Wassertank. Sie entkommen, werden von einem falschen Weihnachtsmann verraten, wehren sich mit Schneebällen.

Batman #9: Christmas

DC Comics

Am Ende holt Batman ein Geständnis von Fink heraus, indem er sich als Geist des Mordopfers verkleidet. Dickens lässt grüßen. Und nachdem der falsche Santa Claus gezwungen wird, im Waisenhaus aufzutreten, wird er zum Guten bekehrt – und kommt auf Bewährung frei.

Trotzdem kommt bei Robin keine Weihnachtsstimmung auf. Er beneidet die Waisenkinder um ihre Weihnachtsfeier. Batman gibt sich zunächst hartherzig: „Sorry, Robin! But we crimefighters don’t have time for that sort of thing! That’s our penalty, I guess!“ Doch dann führt Batman ihn zu Commissioner Gordons Haus, wo er mit Linda Page schon auf sie wartet. Moral: Santa Claus gibt es wirklich, wenn wir das, wofür er steht, in unser Herz lassen. Nein, gemeint sind nicht Kapitalismus und Coca-Cola, sondern Selbstlosigkeit und Nächstenliebe.

So endet die erste Batman-Weihnachtsgeschichte.

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Batman stiehlt Joker die Show

DC Comics

DC Comics

Titel: The Crimes of Batman

Autor/Zeichner: David Vern Reed/Bob Kane, Lew Sayre Schwartz

Erschienen: 1952 (World’s Finest Comics #61), Paperback 2014 (The Joker: A Celebration of 75 Years)


„Look! It’s Batman and some clowns! Ha-ha! This must be a special act!“

Batman, der Verbrecher! Gleich drei Schandtaten begeht er hintereinander: er betrügt, stiehlt, tötet sogar! Wirklich? Natürlich nicht. Aber so hätte es der Joker gerne. Nachdem der Joker einmal unfreiwillig Batman dazu verholfen hat, eine Gangsterbande hochzunehmen, will sich der Schurke rächen und den Helden richtig in die Scheiße reiten.

Es beginnt damit, dass der Joker mal wieder aus dem Knast entlassen wurde. Schon wieder? Nach so kurzer Zeit? Angesichts des rigiden US-Justizsystems ist das eine beachtliche Leistung, für einen unverbesserlichen Räuber ständig wieder auf freien Fuß gesetzt zu werden. Ganz zu schweigen von den Morden im Golden Age … aber die scheinen in den 50ern bereits vergessen zu sein.

Aber ich schweife ab. Der Joker nimmt Robin als Geisel und verlangt von Batman, drei Verbrechen zu begehen: Betrug, Diebstahl und Mord. Aber Batman wäre nicht Batman, wenn er für das Problem nicht eine ausgefuchste Lösung parat hätte. Nein, nicht was ihr denkt: Ja, heute würde Batman einfach über den Joker und seine Handlanger herfallen und ein paar gebrochene Knochen später wäre Robin wieder frei. Aber wir sind hier im Silver Age, da lässt sich Batman auf solche Spielchen ein.

Batman betrügt, indem er seinen Tod vortäuscht. Er stiehlt, indem er der Joker-Bande einen Coup vermiest – er stiehlt also dem Joker die Show. Und am Ende erweist Batman sich als mehrfacher Mörder: er schlägt Zeit tot, haut das Publikum um und schlägt zwei Fliegen mit einer Klappe (im Original: „kill two birds with one stone“). Ihr seht: Batman lässt keinen, aber wirklich keinen Kalauer aus, um seinen Witz auszureizen.

Aber auch sonst ist unser Held in Topform: Zuerst schaltet Batman die Bande spielend mit Golfschläger und Football aus, dann führt er mit dem Joker Trapez-Kunststücke im Zirkus auf und schließlich verkleidet er sich sogar als Joker im Clownskostüm. Leider hat Zeichner Bob Kane letztere Szene zu bescheiden inszeniert. Aber sonst ist die Story ein mustergültiges Comic seiner Zeit: herrlich fantasievoll und schräg.

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