Bob Kane

Joker auf Eis

DC Comics

DC Comics

Titel: The Joker Walks the Last Mile!

Autor/Zeichner: Bill Finger/Bob Kane

Erschienen: 1942 (Detective Comics #64), Paperback 2014 (The Joker: A Celebration of 75 Years)


„The Joker shall die so that he may live again!“

Der Joker leidet. Den ganzen Tag über muss er sich mit seinen Handlangern verstecken. Ein normales Leben in der Außenwelt ist nicht möglich, wegen seiner auffälligen Erscheinung kann der Clown nur verkleidet raus. Doch da heckt der Joker mal wieder einen genialen Plan aus: er stellt sich der Polizei, er gesteht alle Verbrechen vor Gericht und lässt sich zum Tode verurteilen. Ein paar Stromstöße auf dem Stuhl später liegt der Joker im Leichenschauhaus. Seine Handlanger holen die Leiche raus, beleben sie wieder und der Joker ist frei und kann in Ruhe shoppen gehen.

Als Batman den Erzschelm auf der Straße sieht, ist er entsetzt und schleppt ihn wieder vor Gericht. Aber da bekommt er eine Grundlektion Jura verpasst: zweimal wegen derselben Verbrechen verurteilen geht nicht. Der Joker hat seine Strafe bekommen, jetzt darf er wieder bei Null anfangen.

Aber ein neues Leben führt der Joker deshalb nicht. Seine Handlanger übernehmen die Überfälle für ihn, er stellt sich dabei als Raubopfer dar. Batman und Robin dürfen ein paar Kunststückchen auf dem Eis durchführen (nachdem sie sich schnell umgezogen und sich Schlittschuhe besorgt haben) und am Ende landet der Joker – schon wieder – im Meer, bevor er sich erneut in seinem Versteck wiederfindet.

Bemerkenswert: In dieser Story wird der Krieg sichtbar. Zum einen ist ein Schild zu sehen, auf dem für Kriegsanleihen geworben wird. Zum anderen stiehlt der Joker einen Jeep der Armee, schlägt einen Soldaten und sagt: „You idiot, I’m the Joker! More important than your whole silly army!“ Einen größeren Schurken kann man sich nicht vorstellen, der in so schwierigen Zeiten ein solches Sakrileg begeht und damit den Zusammenhalt der Nation gefährdet.

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Kartenspiel mit Joker

DC Comics

DC Comics

Titel: The Riddle of the Missing Card

Autor/Zeichner: Bill Finger/Bob Kane

Erschienen: 1941 (Batman #5), Paperback 2014 (The Joker: A Celebration of 75 Years)


„All life is a gamble.“ (Batman)

Der Joker kehrt mal wieder von den Totgeglaubten zurück. Rastlos, wie er nun mal ist, stürzt er sich sofort ins nächste Verbrechen: Drei Gauner holen ihn buchstäblich ins Boot, um ihr nächstes Ding zu planen. Da kommt dem Criminal Mastermind auch schon gleich eine Idee: Als ihm auffällt, dass die Namen der Komplizen sich auf Spielkarten übertragen lassen (wie auch seiner), will er einen Haufen Bonzen am Kartentisch abziehen – und dabei herausbekommen, welche Juwelen sie zu Hause bunkern, um auch die zu stehlen.

Als Batman den Schurken auf die Schliche kommt, nimmt der Joker Robin gefangen und lockt Batman in eine Falle: dort muss Batman gegen die Bande an einem Kartenspiel teilnehmen, um Robins Leben zu retten. Das Spiel dauert nicht lange, der Joker gewinnt – mit einer Joker-Karte. Aber das ist Batman egal: er wirft dem Joker die Karten ins Gesicht, wirft den Tisch um und befreit Robin. Fragt sich nur, warum er sich überhaupt auf das Spiel eingelassen hat. Klar: sonst gäbe es diese absurde Szene nicht. Aber Batman erklärt es damit, dass das Leben ohnehin ein Glücksspiel sei. No risk, no fun.

Interessant ist dabei ein Nebenaspekt: eine Frau, die zu den Gaunern gehört, deckt Batmans Geheimidentität auf. Sie erkennt ihn an einer Schnittwunde am Kinn von Batman. (Da zeigt sich, wie gefährlich so eine Maske sein kann, die nur das halbe Gesicht verdeckt.) Aber statt ihn zu verpfeifen, weckt gerade diese Erkenntnis ihre Sympathie und sie hilft Batman. Dass dabei plötzlich aus dem Nichts Waffen auftauchen und wieder spurlos verschwinden, ist eine dieser vermeintlichen Macken, die den Geschichten aus dem Golden Age ihren trashigen Charme verleihen.

Übrigens endet die Sache nach einer wilden Verfolgungsjagd wieder damit, dass der Joker im Wasser landet – und offen bleibt, ob er überlebt hat … Diese Cliffhanger-Masche war schon damals ein alter Hut – aber als Tradition des Genres wird sie bis heute gepflegt (z.B. in Death of the Family).

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Ein Tag für Batman, ein Comic für Fans

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Panini Comics

Titel: 75 Jahre Batman

Autor/Zeichner: Gregg Hurwitz, Jeph Loeb, Bill Finger/Neal Adams, Jim Lee, Bob Kane

Erschienen: 29.11.2014 (Panini)


 „Entwickelt euch weiter.“ (Pinguin)

Batman ist in diesem Jahr 75 Jahre alt geworden. Und da er fiktiv ist, muss man ihm nichts schenken. Man ehrt ihn – und die Geschenke bekommen die Fans. Logisch: immerhin erhalten sie ihn auch am Leben. DC hat seinen Fans im Sommer eine Sonderausgabe von Detective Comics #27 spendiert (eine Jubiläumsausgabe mit sieben Stories, unter anderem einer Neufassung von The Case of the Chemical Syndicate). Am 29. November zog Panini nach. Ein Gratis-Comic! Das treibt die treuen Fans scharenweise in die Comicläden. Erst recht wenn es dazu Batman-Pappmasken gibt …

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Batman – Das Jahr Eins

 

Titel: Detective Comics #27 (The Case of the Chemical Syndicate) – Batman #1

Erschienen: Mai 1939 – Frühling 1940

Autor/Zeichner: Bill Finger/Bob Kane


Vor 75 Jahren erschien Detective Comics #27. Es enthielt die erste Batman-Geschichte: The Case of the Chemical Syndicate. Ich kann mich noch erinnern, als ich dieses historische Werk zum ersten Mal las: Im Juni 1999, der Dino-Verlag hatte zum 60. Geburtstag des Helden die 37. Ausgabe seiner Batman-Serie  zur Jubiläumsausgabe erklärt: Das Heft war 64 Seiten dick, bot fünf Geschichten, das Cover war matt-schwarz, mit dem schwarz-gelben Batman-Logo in Hochglanz und wenn man es umdrehte, war da das legendäre Cover von Detective Comics #27 – schon deshalb legendär, weil das Original selten und teuer war.

Die Geschichte dahinter enttäuschte mich zunächst: Sechs Seiten, schlecht gezeichnet (besonders Batman sieht seltsam aus) und eine abgehetzt erzählte Standard-Story um ein Mordkomplott, ohne Spannung oder interessante Charaktere. Man kann diese Story nicht ernst nehmen, zu sehr ist sie von heutigen Lesegewohnheiten entfernt. Aber nach einigen Jahren erkannte ich, dass man sie mit einer historischen Brille lesen muss, so wie man Stummfilme schaut – es ist ein anderes Sehen. Die überraschende Wendung der Geschichte ist nämlich nicht das Lösen des Falls, also wer wen warum getötet hat, sondern dass der reiche, gelangweilte Schnösel Bruce Wayne sich als der Mann hinter Batmans Maske herausstellt. Das mag für heutige Leser klar sein, bei den Lesern von 1939 dürfte das Interesse geweckt und der neuen Figur zum Erfolg verholfen haben.

Auch das Cover ist auf diesen Effekt aus: Im Vordergrund stehen zwei Männer in Hüten, die uns den Rücken zukehren, einer hält eine Waffe in der Hand. Er richtet sie auf Batman, der sich an einem Seil durchs Bild schwingt und einen Mann im Schwitzkasten hält. Wir nehmen die Perspektive der Gangster ein. In gewisser Weise spiegelt sich darin das Cover von Action Comics #1, der ersten Superman-Geschichte aus dem Jahr 1938. Dort ist im Vordergrund ein Mann zu sehen, der erschreckt vor Superman wegläuft, während der Held ein Auto an einem Felsen zerschmettert. Hier hält sich zumindest einer der Gangster bereit zum Schießen. Während das Superman-Cover Übermacht ausstrahlt, geht vom Batman-Cover Gefahr aus. Die Szene kommt – anders als das Bild von Action Comics #1 – im Heft nicht vor. Sie drückt nur aus, für was die Figur steht, nämlich Abenteuer in brenzligen Situationen. Es geht darum, neugierig zu machen: Wer ist dieser Typ im Fledermauskostüm und Maske, der diesen anderen Kerl so souverän am Hals durch die Gegend schwingt? Und wie wird es ihm angesichts dieser anderen Gangster ergehen? Oder vielmehr: Wenn Batman einen Mann mit einem Arm festhalten kann, was wird er erst mit den anderen beiden anstellen?

Es ist lohnenswert, die Batman-Stories aus dem ersten Jahr zu lesen. Man kann dabei zusehen, wie die Figur sich entwickelt, besonders äußerlich: Wie die Maske immer deutlichere Konturen bekommt, wie die Handschuhe sich verändern. Schon in diesem ersten Jahr werden wichtige Wegmarken für den Mythos gesetzt: Schon die erste Geschichte handelt von der für Batman so wichtigen Chemie, eine Gaskammer kommt darin vor und – noch viel wichtiger – ein Sturz in einen Chemietank (was für den Joker wichtig werden soll). Später erfahren wir Batmans Entstehungsgeschichte (Detective #33/Batman #1), in der bereits alle wichtigen Elemente auf zwei Seiten vorkommen, der Sidekick Robin hat seinen ersten Auftritt (Detective #38) und es werden Superschurken eingeführt wie der verrückte Wissenschaftler Hugo Strange (Detective #36) und der Joker (Batman #1). Vor allem letzterer ist bereits ganz der irre, Chaos stiftende Mörder, der Batman immer einen Schritt voraus ist. Nicht zuletzt verdankt diese Pulp Fiction ihren Unterhaltungswert der unfreiwilligen Komik: Es ist drollig zu lesen, wie Batman mit sich selbst spricht und so Sätze sagt wie „Feet, run like you’ve never run before!“ Oder, wenn der Joker auf ihn einschießt und sich fragt, warum sein Gegner nicht stirbt, denkt sich Batman: „Hasn’t the Joker ever heard of a bullet-proof vest!“ Und einmal beginnt eine Geschichte damit, dass Batman sich verfahren hat und nun an einem Haus hält, um nach dem Weg zu fragen (Detective #37). Solche Szenen sind es, die den ersten Stories ihren Charme verleihen.

Batmans erstes Jahr ist versammelt in dem Paperback Batman Chronicles #1 (Englisch) sowie dem Batman Archiv #1 (Deutsch, Dino-Verlag).