Mini-Serie

Anarky: Alle Macht dem Volke

Batman: Anarky

Titel: Anarky: Metamorphosis

Autor/Zeichner: Alan Grant/Norm Breyfogle

Erschienen: 1997 (Miniserie Anarky# 1-4), Paperback Anarky (1998), (dt. Batman Special #6, Dino, 1998)


„The city needs a new breed of hero. The night needs a new kind of monster.“ (Anarky)

„The future is freedom … and all I ever wanted was to hasten its birth.“ (Anarky)

„I only wanted to bring a little sanity into an insane world.“ (Anarky)

„Dein ganzes Leben ist eine Lüge“, heißt es gleich zu Beginn, während wir den Dämon Etrigan gegen irgendein anderes Monster namens ‚Blasfemy‘ kämpfen sehen. Am Anfang, in der Kindheit, so heißt es weiter, sei das Leben voller Hoffnung gewesen, dann seien die Politiker, die Priester und die Philosophen gekommen und hätten die Menschen mit ihren Lehren desillusioniert. „All eure Götter und Dämonen sind Ausgeburten des Unterbewusstseins. Sie sind nicht wirklich real.“

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The Goddamn Batman

All Star Batman

Titel: All Star Batman & Robin, the Boy Wonder

Autor/Zeichner: Frank Miller/Jim Lee

Erschienen: 2005-2008 (#1-10); (Paperback 2009, #1-9)


„I love being the goddamn BATMAN.“

Es ist wohl eines der umstrittensten Batman-Comics der vergangenen Jahre. Spätestens seit Frank Millers Fortsetzung von The Dark Knight Returns (The Dark Knight Strikes Again), sorgte er mit seiner neuen, eigensinnigen Fassung von Robins Entstehungsgeschichte für Aufsehen und Entrüstung. Denn es ist nicht nur eine neue Story, die der Altmeister hier erzählt, es sind auch neue Charaktere.

Miller stellt Batman als Draufgänger dar: Er ist eitel, protzt gerne, gibt sich meist gutgelaunt, es sei denn, man begeht ein Verbrechen oder man kratzt an seinem Ego – was für ihn fast einem Verbrechen gleich kommt. In eine Prügelei stürzt er sich gerne mit irrem Gelächter, dann wird er zum Sadisten, fügt seinen Opfer üble Verletzungen zu und lässt sie länger leiden als nötig. Batman ist mehr denn je ein zweifelhafter Charakter, der auch von seinem Sidekick bloßgestellt wird. Batman erscheint hier verrückter als der Joker.

Cheesburger statt Ratten

Dick Grayson hingegen, gerade erst traumatisiert vom Tod seiner Eltern, wird nicht nur zu Batmans unfreiwilligem Begleiter, sondern auch zu dessen Mitstreiter im Kampf gegen das Verbrechen. Darauf hat der gerade erst einmal zwölfjährige Junge überhaupt keine Lust: „How lame is that?“ Aber Batman hat ihn offenbar längst dazu auserkoren und zwingt ihn in die Rolle hinein – mit höchst fragwürdigen Methoden. Ein Beispiel: Um ihn abzuhärten lässt er den Jungen allein in der kalten Bathöhle, wo er sich selbst mit Ratten versorgen soll. Wie gut, dass Alfred mit einem Cheesburger vorbeikommt …

Für Grayson ist Batman nur ein armer Irrer, der mit seiner verstellten Stimme einen auf Clint Eastwood macht. Das Batmobil? „Totally queer.“ Batman daraufin beleidigt: „Shut up.“ Es sind diese höchst seltsamen Dialoge und Monologe, die frischen Wind in diese Geschichte bringen. Einer der Höhepunkte ist der legendäre, vielzitierte Wortwechsel:

Grayson: „Who the hell are you anyway, giving out orders like this?“

Batman: „What, are you dense? Are you retarded or something? Who the hell do think I am? I’m the goddamn Batman.“

(Im Deutschen geht der Reiz leider flöten. Dort heißt es: „Bist du schwer von Begriff? Blöde oder so? Was glaubst du, wer ich bin? Mann, ich bin Batman.“)

Die Phrase wird im Laufe des Bandes zum Running Gag. Leider neigt Miller aber auch sonst stark zum Wiederholen: Immer wieder heißt es „Shut up“ hier und „Shut up“ da, nicht nur bei Batman übrigens, das wirkt schnell ermüdend. Der große Autor Frank Miller war schon mal reduzierter und einfallsreicher in der Wahl seiner Worte. Die Story zu beurteilen fällt schwer, da sie nicht zu Ende erzählt ist. Die ersten zehn Kapitel wirken aber sehr gedehnt (vor allem am Anfang), sprunghaft und wenig stringent. Der eigentliche Plot – die Suche nach dem Mörder der Graysons – gerät bei all dem Figuren-Aufgebot zur Nebensache: Wir sehen Superman, Green Lantern, Wonder Woman, Black Canary, Batgirl, Joker etc., ohne dass sie viel zur Geschichte beizutragen hätten. Witzig wird es, wenn Batman über all seine Superhelden-Kollegen vom Leder zieht und keiner dabei gut wegkommt: Superman ist zu blöd um erkennen, dass er fliegen kann, Green Lanterns Ring ist bei Hal Jordon bloß verschwendetes Potenzial usw. Trotz aller Angeberei ist Batman keinen Deut besser, immerhin bezeichnet er sich selbst als halbverrückt.

Ironische Helden-Dekonstruktion

Allen Hardcore-Fans sei deshalb gesagt: Die ganze Sache kann nicht ernst gemeint sein. Nur mit Ironie kann man den Band genießen, dann aber ist er für einige Lacher gut. Da er sowohl seine Meilensteine Year One als auch The Dark Knight Returns zitiert, stellt All Star Batman einerseits eine Art Verbindungsglied zwischen Anfang und Ende dar, andererseits treibt es die 1986 begonnene Dekonstruktion der Superhelden auf eine neue Höhe. Hier wird das gesamte Konzept des kostümierten Vigilantentums veralbert und in Frage gestellt – und damit auch sein Publikum mit seinen Erwartungen. Denn im Grunde geht es darum, dass Kerle und Frauen mit Astralkörpern irgendwelche Typen aufmischen, die es verdient haben. Der Sinn dahinter ist zweitrangig, Hauptsache, es sieht cool aus.

Das wird auch in den Zeichnungen von Jim Lee deutlich. Im Gegensatz zu Millers Texten erscheint hier alles zu glatt und perfekt, besonders die idealtypischen Frauen. Der eigentliche Hingucker ist jedoch die sechs Seiten (!) umfassende Splash-Page der Bathöhle. Mit diesem nicht endenwollenden Mega-Panorama hat er ein rekordverdächtiges Centerfold für Fanboys geschaffen. Auch das eine ironische Pose: Während Batman damit protzt („Pretty cool, huh?“), dürften die Fans davon ähnlich begeistert sein wie Robin. Ja, Frank Miller mag verrückt geworden sein, aber sein All Star Batman ist ihm weit unterhaltsamer und kurzweiliger geraten als sein unsäglicher zweiter Dark Knight. Und vor allem ist es sein witzigster Zugang zum Dunklen Ritter.

Die Fortsetzung Dark Knight: Boy Wonder, in der die Geschichte zu Ende erzählt werden soll, wurde bereits vor Jahren angekündigt, die Leser warten bis heute darauf. Oder eben auch nicht.

(Anmerkung: Die US-Paperback-Ausgabe umfasst nur die ersten neun Hefte der Serie, die jüngste deutsche Ausgabe enthält alle zehn.)

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Dark Knight 2: Krieg den Tyrannen

The Dark Knight Strikes Again

Titel: The Dark Knight Strikes Again (dt. Der Dunkle Ritter schlägt zurück)

Autor/Zeichner: Frank Miller

Erschienen: 2001-2002 (Mini-Serie #1-3)


 „It’s a whole new ballgame.“ (Batman)

„We blew it, Barry!“, sagt Bruce Wayne zu Flash. „We spent our whole careers looking in the wrong direction! I hunted down muggers and burglars while the real monsters took power unopposed!“ Die wahren Monster: Lex Luthor und Brainiac, sie beherrschen die Welt. Die USA – ein Polizeistaat, mit einem Präsidenten, der nur ein computergeneriertes Bild ist, geschaffen von Luthor. Gegen dieses System lehnt sich der alte Batman drei Jahre nach seinem Scheintod auf: „We aren’t here to rule. We aren’t here to bring chaos or anarchy. We’re here to end the reign of criminals.“

Das klingt revolutonär – und damit vielversprechend für eine Fortsetzung von The Dark Knight Returns, Frank Millers wegweisendem Meisterwerk von 1986. Zwar ist es auf bestimmte Weise revolutionär: Der Zeichen- und Erzählstil ist ein anderer, aber leider ein wenig überzeugender, ja enttäuschender. Zunächst ist es eine unpersönliche Geschichte: Der Titelheld spielt nur eine marginale Rolle, erst nach 86 Seiten tritt er in Aktion, um Superman zu vermöbeln, und auch danach ist er mehr der Anführer einer Superheldengruppe, der die Fäden im Hintergrund zieht. Die Hauptrolle spielt eigentlich Superman, der hadernde Sklave der Herrschenden. Zunächst hält er Batman für einen monomanischen, megalomanischen Soziopathen. Am Ende stellt er fest, dass es dieses skrupellose, radikale Vorgehen ist, das die Welt retten kann. Der grausamste Held mit der dunkelsten Seele wird zur letzten Hoffnung.

Grundweg unsypathisches Machwerk

So weit, so gut. Doch was sich sonst auf diesen 250 Seiten abspielt, ist oft alles andere als klar. Statt auf eine stringente Story und ausgefeilte Charaktere setzt Miller auf eine chaotische Erzählung ohne roten Faden, mit zu vielen Figuren und Nebenschauplätzen, zugespitzt in einer martialischen Botschaft. Lange genug hat Batman gewartet, die Welt zur Hölle fahren sehen, nun ist seine Geduld am Ende. Er versammelt die gefangenen Helden wie Atom und Flash, wir sehen Green Lantern wiederkehren, den Martian Manhunter sterben und auch Wonder Woman, Captain Marvel und Green Arrow tummeln sich auf den Seiten – ohne dass einer von ihnen in diesem Krieg Wesentliches zu tun oder zu sagen hätte. Zu allem Überfluss sieht man das unentwegte Geplapper von Figuren aus dem Fernsehen die Handlung – sofern vorhanden – kommentieren. Während es im ersten Teil noch eine narrative Funktion hatte, ist es hier nur nerviges Beiwerk, das sich aber stets in den Vordergrund drängt.

Nicht einmal optisch ist der Band ein Genuss: Miller rotzt kindisch-plumpe bis schlampige Zeichnungen hin, in denen er sich kaum die Mühe macht, Hintergründe zu zeichnen, wodurch sich die Handlung wie im luftleeren Raum abspielt und die Panels dadurch steril wirken. Die Farben sind entweder banal-flächig gehalten oder brechen in übertrieben psychedelischen Effekten aus. Ein weiterer Stilbruch zum ersten Teil: Die Figuren Superman und Batman, die im ersten Teil wie Riesen wirkten, sind nun schlanker geraten. Zur Begründung heißt es einmal, Batman habe „an Gewicht verloren“. Aber das ist nur das geringste Problem in diesem grundweg unsympathischen Machwerk.

The Dark Knight Strikes Again ist ein Haufen von Ideen, Szenen und Ansätzen ohne Sinn und Verstand. Stattdessen herrscht ein Rabiatismus vor: Batman hat die Schnauze voll und lässt seine Armee alles platt machen. Genauso verfährt auch Miller. Der einstige Meister hat mit The Dark Knight Returns vielleicht das beste Batman-Comic geschaffen, sein Nachfolger ist mit Abstand das missratenste.

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Totengott leistet Sterbehilfe

Batman: The Ankh

Titel: The Ankh (dt. Das Ankh)

Autor/Zeichner: Chuck Dixon/John van Fleet

Erschienen: 2001 (Mini-Serie #1-2, dt. 2003, Panini, DC Premium)


„Bitte verzeihen Sie mir, Sir … aber ich finde es beunruhigend, wie Sie von Bruce Wayne in der dritten Person sprechen.“ (Alfred)

Zwei Probleme auf einmal treiben die Polizei von Gotham um: Mehrere Milliardäre wurden entführt und ägyptische Antiquitäten entwendet. Batman kümmert sich um beides – und wie der Zufall es will, sind beide Fälle ein Fall. Denn für beides ist eine Frau verantwortlich, die wegen eines Zaubers seit der Zeit der Pharaonen lebt und nicht altert. Wie man spätestens seit Ra’s al Ghul weiß, ist Unterblichkeit nicht gerade ein anstrebenswerter Zustand. Und so sieht Batman ein, dass seine Kontrahentin eigentlich nur ihr Leben beenden will. Batman – verwechselt mit dem altägyptischen Totengott Amun Anubis – wird zum Sterbehelfer.

Das Ganze ist zwar bemerkenswert grafisch realisiert: John van Fleet (der schon für The Chalice verantwortlich war) bedient sich seiner bewährten Technik, seine groben Zeichnungen wirken wie Holzschnitte und werden mit Fotos collagiert. Dadurch wird The Ankh zu einem ungewöhnlichem Hingucker voller Atmosphäre. Doch Dixons Story bleibt oberflächlich. Leider beginnt er seine Erzählung am chronologischen Anfang im alten Ägypten und braucht zu lange bis er in der Gegenwart ankommt. Spannung kommt so wenig auf, das detektivische Rätsel ist dem Leser von vornherein aufgelöst. Deshalb stellt sich Batman zuweilen dümmer an, als er ist, und ein paar Mumien und Killer Croc müssen die Actiongelüste befriedigen. Zudem sind manche Dialogzeilen von peinlicher Redudanz: „Du bist so jung. So vital. Geist und Körper leben.“ Oder: „Ich will nur noch ruhen … den Schlaf der Toten schlafen … in die Ewigkeit jenseits dieses Schleiers eintauchen.“

The Ankh ist bei weitem nicht Dixons bestes Werk, aber wegen John van Fleets Panels eine halbe Stunde Lebenszeit wert.

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Verfluchte Stadt

Batman: Haunted Gotham

Titel: Haunted Gotham

Autor/Zeichner: Doug Moench/Kelley Jones

Erschienen: 2000 (Mini-Serie #1-4) (dt. 2001, Dino-Verlag, Batman Sonderband)


„Hey, jeder stirbt mal … und in Gotham ist es meistens Mord.“ (Cal)

Denken wir uns ein Gotham, so finster wie es nie eines gab: Abgeschottet von der Außenwelt und heimgesucht von bösen Geistern, Dämonen und Monstern. Das Verbrechen ist an der Tagesordnung, aber gelenkt von übernatürlichen Mächten, gegen die man als Mensch nichts ausrichten kann. Wenn man den Mord an seinen Eltern rächen will, muss man sich was einfallen lassen. Zum Beispiel zur Fledermaus werden – und den Rest kann man sich denken.

Batman kämpft gegen Werwölfe, Zombies und Schlangenmenschen in einem typisch düster-surrealen Szenario, das Kelley Jones mit vielen schwarzen Schatten versetzt. Das kann man mal machen, aber für eine Batman-Story wirkt dieser Ausflug ins Okkulte zu abgehoben. Und vier Teile mit fast 200 Seiten hätte es für dieses Elseworlds-Abenteuer auch nicht gebraucht. Schnell wirkt diese Fülle von Dämonen, Geistern und Monstern ermüdend.

>> Liste der Batman-Elseworlds-Comics

Catwoman in Rom

Catwoman: When in Rome

Titel: Catwoman: When in Rome (dt. Damals in Rom)

Autor/Zeichner: Jeph Loeb/Tim Sale

Erschienen: 2004 (Mini-Serie #1-6), dt. Panini 2006, Eaglemoss 2017 (DC Comics Graphic Novel Collection 112)


„Cat. Woman. That last part about the ‚woman‘ is pretty important.“ (Catwoman)

Während Batman in Dark Victory den Hangman-Killer jagt, reist Selina Kyle nach Rom, um herauszufinden, ob Carmine „The Roman“ Falcone wirklich ihr Vater ist, wie sie vermutet. Mit dabei ist Edward Nygma, der Riddler, der ihr dabei helfen soll, das Geheimnis zu lüften. Der aber erweist sich dabei ziemlich untauglich, sondern nutzt nur jede Gelegenheit, sich an seine Auftraggeberin ranzuschmeißen. Die aber träumt und halluziniert nur von Batman, während sie in Wirklichkeit mit einem blonden italienischen Auftragskiller anbandelt. Ach so, und ganz nebenbei gerät die Dame in Nöte, weil die italienische Mafia hinter ihr her ist.

Aber wen interessiert schon die Handlung, wenn man einer so heißen Braut mit Idealmaßen beim Baden, Räkeln und Nacktschlafen zusehen kann? When in Rome wirkt wie ein einziger feuchter Traum von Comic-Nerds, die sehen wollen, wie Catwoman endlich von Batman flachgelegt wird. Natürlich gibt sie – ganz die Emanze – die Unnahbare. Es ist die dick aufgetragene Erotik, die der Geschichte ihre Spannung verleiht. Bereits in The Long Halloween machte das doppelte Knistern zwischen Bruce und Selina/Batman und Catwoman einen Reiz aus, hier werden die damit verbundenen Sehnsüchte regelrecht ausgeweidet.

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Dark Victory: Bullen am Strick

Batman: Dark Victory

Titel: Dark Victory

Autor/Zeichner: Jeph Loeb/Tim Sale

Erschienen: 1999-2000 (Mini-Serie #0-13)


Seit dem Tod seiner Eltern ist Bruce Wayne allein, seit Harvey Dent zu Two-Face geworden ist (vgl. The Long Halloween), kämpft auch Batman allein gegen das Verbrechen. Das heißt, nicht ganz allein, denn da ist ja immer noch Comissioner Gordon, der gute Polizist. Doch seinesgleichen geht es an den Kragen: Ein Jahr nach dem Ende des Langen Halloween, als der Serienmörder Holiday an Feiertagen Mafiosi erschoss, treibt nun ein weiterer Mörder sein Unwesen. Ein gewisser Hangman knüpft Polizisten und Ex-Polizisten auf – wieder an Feiertagen. Die Rätsel, die der Unbekannte im Stil des Galgenmännchen-Spiels hinterlässt, weisen wieder auf Harvey Dent hin …

Der Nachfolger des Epos The Long Halloween macht es Neueinsteigern nicht leicht. Man muss den ersten Teil gelesen haben, um auch den zweiten zu verstehen, der um einiges komplexer aufgebaut ist. Es gibt sehr viele alte und neue Charaktere, viele Settings und viel Neben-Handlungen wie die Flucht mehrerer Arkham-Insassen und das Familiendrama um die Mafiosi Falcone. Wieder einmal wird hier die Schurken-Parade aus dem ersten Teil aufgefahren. Dennoch behalten Jeph Loeb und Tim Sale ihren selbstgesetzten Qualitäts-Standard bei – und das obwohl sie dieses Mal auch die Entstehungsgeschichte von Robin miteinbauen.

Glücklicherweise ist diese aber auf das Nötigste beschränkt und Robin bekommt eine düstere Erscheinung, der ihn sympathisch und nicht wie sonst nervig erscheinen lässt. Die Engführung von dem jungen Bruce Wayne und Dick Grayson gehört zu den besten Sequenzen des Bandes: Die Szene, in der Grayson das Schlafzimmer der Waynes betritt, wird gespiegelt mit einer Rückblende, in der der junge Bruce sich fast genauso verhält. Das mag vielleicht etwas dick aufgetragen sein, formal gelungen ist es allemal.

Ebenso bemerkenswert ist das visuelle Konzept der Cover, die immer einen andere Figur (meistens Schurken) eingefärbt vor einem schwarzen Hintergrund zeigen. Die letzte Seite der Kapitel zeigt jeweils Jim Gordon vor einer Pinnwand, auf der immer andere Beweismittel zu sehen sind. Das hat den Effekt, dass der Leser so zum Co-Ermittler wird. Allerdings ist es nicht leicht zu erraten, wer der Mörder ist. Doch darum geht es sowieso nicht primär, sondern wie immer um Bruce Wayne, seine Sorgen und Ängste. Diesen Charakter definiert das Dream-Team Loeb/Sale als einen einsamen Rächer, der eigentlich nur Freunde und Mitstreiter sucht.

>> Batman 1990-1999

The Long Halloween: Das Überschreiten der Grenze

Batman: The Long Halloween

Titel: The Long Halloween (dt. Das lange Halloween)

Autor/Zeichner: Jeph Loeb/Tim Sale

Erschienen: 1996-1997 (Mini-Serie #1-13)


„Two shots to the head. You ask me, it couldn’t have happened to a nicer guy.“ (Harvey Dent)

Stehen drei Männer auf dem Dach des Polizeipräsidium: Gordon, Dent und Batman. Sie sind sich einig über ihr Ziel, sie wollen die Mafia bekämpfen, sie schmieden einen Pakt, dass sie dabei eine bestimmte Grenze nicht überschreiten. Dem Staatsanwalt und dem Vigilanten scheint die Übereinkunft schwer zu fallen. Und kurz darauf beginnt eine Mordserie an der Mafia, ein Jahr lang schlägt der Unbekannte an Feiertagen zu – das lange Halloween. Jeder der drei könnte der Täter sein …

In 13 Kapiteln erzählen Loeb und Sale eines der größten und großartigsten Batman-Epen: In einem Film-Noir-Stil, der sich schon bei Haunted Knight bewährt hat. Am beeindruckendsten sind die Mord-Sequenzen, die in Schwarz-weiß gehalten sind und nur Details zeigen, sowie die doppelten Splash-Pages, wie etwa die mit der eine Lagerhalle voller Geldscheine (die Szene wird später im Film The Dark Knight zitiert). Die Story lässt sich Zeit; das tut vor allem den Charakteren gut. Autor Loeb beweist viel Gespür für Figurenzeichnung, besonders für das Trio Bruce Wayne, Gordon und Dent, deren Hintergründen er viel Platz einräumt. Im Grunde macht The Long Halloween da weiter, wo Year One aufgehört hat. Dort wurde das Bündnis von Batman und Dent nur angedeutet, hier wird es näher ausgeführt und zu einer tragischen Klimax gesteigert. Wir sehen, wie ein fanatischer Gerechtigkeitskämpfer zuerst seine Ehe ruiniert und dann sein Leben, indem er verunstaltet und dadurch zu Batmans Erzfeind Two-Face wird.

Doch selbst den Nebenfiguren, wie etwa der Mafia-Familie Falcone, wird Leben eingehaucht. Dass sich Loeb dabei dreist bei Der Pate bedient, wollen wir es aber, wegen seiner sonst großen Originalität, wohlwollend als intertextuelle Anspielung verstehen. Ansonsten brennt Loeb nämlich ein wahres Feuerwerk für Batman-Fans ab, indem er den wichtigsten Schurken einen Auftritt gibt: Joker, Poison Ivy, Scarecrow, Mad Hatter, Riddler, Catwoman. Hier ist für jeden was dabei.

>> Batman 1990-1999

Thrillkiller: Batman zurück in den 60ern

Batman: Thrillkiller

Titel: Thrillkiller/Thrillkiller ’62

Autor/Zeichner: Howard Chaykin/Dan Brereton

Erschienen: 1997/1998 (#1-3, One-shot), dt. Carlsen 1999


Was wäre, wenn … es zuerst Batgirl und Robin gegeben hätte, Bruce Wayne nur Detective bei der Polizei wäre und der Joker eine Frau? Davon geht Thrillkiller aus. Die vierteilige Elseworlds-Story spielt in den Jahren 1961 bis 1962. Das dynamische Duo mischt „knüppelschwingende Bullen“ auf, die gegen Studentenproteste vorgehen, legen sich aber auch mit der Unterwelt und korrupten an – wogegen aber Papa Gordon bei der Polizei vorgehen muss.

Wir sehen, wie Bruce Wayne zu Batman wird, einer ambigen moralisierenden Figur, die einerseits protestierende Studenten in die Bibliothek verdonnert und andererseits der Polizei den Rat gibt, sich nicht wie die Gestapo zu verhalten. Das war’s aber auch schon in Sachen Charaktertiefe. Robin, der eine bemüht europäische Herkunft erhält („Richard Graustark“?!), wird zum größten Waschlappen der Story; einzig sein Kostüm mit der College-Jacke überzeugt. Dass Barbara Gordon zur Batgirl geworden ist, nachdem sie ihre Mutter in einer fledermausförmigen Blutlache hat sterben sehen, wirkt ebenso konstruiert wie die Erklärung, warum sie Wayne Manor bewohnen darf.

Bei Elseworlds-Geschichten geht es um Verschiebungen. Doch mehr als eine Rochade bietet Thrillkiller nicht. Die Story bleibt flach, konzentriert sich eher auf Liebeleien zwischen den Hauptcharakteren und wird durch sprunghaftes, allzu übereiltes Erzählen nicht besser. Einige Motive der Figuren bleiben unklar, wie etwa warum Batgirl ihr Kostüm ablegt, aber dann zu Robin wird oder warum „Harley Quinn“ eine Mörderin ist. Der blumige Stil der Erzählstimme nervt, die melodramatischen Dialoge heben das Niveau nicht über den Durchschnitt. Die unbeholfene deutsche Übersetzung tut dem Text keinen Gefallen.

Das größte Plus sind die gemalten Panels von Dan Brereton, der sich eines knallbunten, expressionischen Stils bedient. Allerdings wirken seine Figuren oft steif und gleichförmig. Die Gesichter der Figuren sind so ähnlich (Stichwort: Schmollmünder), dass sie meist nur an ihren Haaren oder ihrer Kleidung zu unterscheiden sind. Bei Frauen scheinen nur Oberweite und Dekolleté zu zählen. Naja, immerhin ein paar Hingucker …

Dafür hätte es den Sprung in die 60er wirklich nicht gebraucht.

(Übrigens verließ Elvis die Army bereits 1960 und nicht, wie behauptet wird, 1961.)

>> Liste der Batman-Elseworlds-Comics

The Cult: Herrschaft des Untergrunds

DC Comics

Titel: The Cult (dt. Der Kult)

Autor/Zeichner: Jim Starlin/Bernie Wrightson

Erschienen: 1988 (Mini-Serie #1-4), Paperback 1991/Deluxe Edition 2024; dt. Hethke 1989, Panini 2022 (Deluxe Edition)


 „There’s nothing we can do to help Gotham. It’s all over. We’ve lost.“ (Batman)

Fast zehn Jahre lang hat Batman gegen die übelsten Verbrecher und Psychos gekämpft und immer gesiegt – er schien unbesiegbar. Doch dann kommen ein paar buchstäbliche Penner dahergelaufen, überwältigen ihn, nehmen ihn in der Kanalisation gefangen. Und ihr Anführer Deacon Blackfire, ein selbsternannter Messias, schafft es, Batman mit Folter und Drogen zu brechen. Schlechte Aussichten. Während Batman da unten halluziniert und zum Ein-Personen-Kult bekehrt wird, übernehmen die Penner eine Schreckensherrschaft über Gotham. Brutal schlachten sie zunächst alle Verbrecher ab, dann alle, die sich ihnen in den Weg stellen. Gotham wird evakuiert, selbst die Army wirkt machtlos. Und obwohl Batman es schafft, sich zu befreien, gibt auch er seine Stadt auf …

DC Comics

The Cult zeigt uns einen schwachen Batman. Sein Gesicht sieht meist aus, als würde er gleich in Tränen ausbrechen, er hat Angst zu kämpfen, kurzum: der Held ist hier mehr denn je ein Waschlappen. Selbst der lahme Robin II wirkt dagegen, als stünde ihm das Fledermauskostüm besser. Einerseits nervt das, andererseits sind es Batmans Albträume und Halluzinationen, die die stärksten Eindrücke hinterlassen. Zeichner Bernie Wrightson und Kolorist Bill Wray schaffen es, ein Gefühl von Bedrückung und Horror zu vermitteln. Kunstvolle Einfälle wie ‚zerbrechende‘ Panels verstärken den Effekt. Besonders gelungen sind die gemalten Cover der ersten beiden Einzelausgaben, auf denen Batman in Details nur angedeutet wird.

Autor Jim Starlin hat eine der brutalsten Batman-Stories geschrieben, doch die Gewalt bleibt nicht Selbstzweck. Sie führt Batman an ihre Grenzen – und darüber hinaus. Da dieser Aspekt der stärkste an der Geschichte ist, sei ihr auch verziehen, dass sie im Finale ziemlich abflacht. (Dass er am Ende wieder zur Pistole greift, wird – anders als in Year Two – leider nicht problematisiert.)

Cover zu The Cult: Deluxe Edition 2024 und Paperback 1991. (DC Comics)

Starlin bietet in seinem Vorwort an, The Cult als eine Allegorie auf die Lobby der Moralapostel lesen könnte, die in den USA gegen Superheldencomics und andere unliebsame Kunstformen vorgehen – eine Rückkehr zu den Anfängen des Comics Codes. Erschreckend, dass es immer noch Menschen gibt, die glauben, dass man mit Zensur, Verboten und der Vernichtung von Kulturgütern etwas Gutes tun kann. Im Gegenteil: Ein Buch wie The Cult verdient es jedenfalls, wieder neu aufgelegt zu werden.

>> Batman 1980-1989


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