Detective Comics

Die Comicserie „Detective Comics“ erscheint seit 1937. In Ausgabe 27 hatte Batman 1939 seinen ersten Auftritt. Anfangs handelte es sich noch um eine Anthologieserie, die sich Batman mit anderen Helden teilte.

Batman 1939: Detective Comics #33 – Origin

detective comics 33

DC Comics

Titel: The Batman and How He Came to Be/The Batman Wars Against the Dirigible of Doom

Autor/Zeichner: Bill Finger/Bob Kane

Erschienen: 1939 (Detective Comics #33), Paperback 2005/2016 (Batman Chronicles Vol. 1/Batman: The Golden Age Vol. 1)


Superhelden brauchen Entstehungsgeschichten. Dem Leser sollen damit die Motive erklärt werden, woher ein Superheld seine Kräfte hat, warum er als Held agiert und auch warum er ein Kostüm trägt. Damit soll den an sich unglaubwürdigen (fantastischen) Superhelden ein wenig Glaubwürdigkeit verliehen werden. Während Supermans Ursprung von der ersten Seite an erklärt wird, wird Batmans Origin erst bei seinem siebten Auftritt erzählt.

Auf zwei Seiten wird die Grundlage für den Mythos gelegt, der bis heute in verschiedenen Variationen fortbesteht. Der Origin ist der Geschichte „The Batman Wars Against the Dirigible of Doom“ vorangestellt und auf das erste Panel auf der ersten Seite zeigt Batman im Cockpit seines Flugzeugs, wie er zwischen Wolken auf das feindliche rote Luftschiff schaut. Es ist die typische Vorausschau auf eine Schlüsselszene, aber die Handlung hat nichts mit dem Orgin zu tun.

Batman's First Origin (Detective Comics #33)

DC Comics

Wer Batman ist, erfahren die Leser bereits in dem fledermausförmigen Caption: „… eerie figure of the night – nemesis of crime – this is the Batman!“ Ähnliche Beschreibungen gibt es bereits seit dem ersten Abenteuer, auch wurde er schon sehr früh „legendary“ genannt. Hier ist der Origin mit „Legend“ überschrieben. Das zuvor behauptete Legendäre an der Figur wird endlich seiner Bezeichnung gerecht. Auf anderthalb Seiten wird erzählt, wie vor 15 Jahren Bruce Waynes Vater, Thomas, mit seiner (namenlosen) Frau von einem Straßenräuber erschossen wurden.

Das Verbrechen geschieht auf dem Nachhauseweg von einem Kinobesuch. Welchen Film sie gesehen haben, ist unklar. (Erst später, in The Dark Knight Returns, wird The Mark of Zorro daraus.) Der namenlose Räuber verlangt die Halskette der Mutter, Thomas Wayne weigert sich: „Leave her alone, you. Oh …“ Da schießt der Räuber bereits und als Thomas am Boden liegt, schreit die Mutter um die Hilfe der Polizei. Der Räuber erschießt sie, um sie zum Schweigen zu bringen. Das alles geschieht in drei Panels.

Tod, Trauer, Schwur

Tod, Trauma, Schwur: Bruce Waynes Trauerbewältigung

Die nächsten drei Panels sind der Angst, dem Schock und der Trauer des jungen Bruce Wayne gewidmet: Im ersten sieht er sie tot auf der Straße liegen, im zweiten sieht man nur sein Gesicht mit drei Tränen und er realisiert: „…dead! They’re d..dead.“ Im dritten sind bereits Tage vergangen und Bruce schwört vor dem Bett kniend mit gefalteten Händen im Kerzenschein, dass er den Tod seiner Eltern rächen werde, indem er den Rest seines Lebens Verbrechen bekämpfen will („warring on all criminals“).

Bruce trainiert für seinen Kampf

Bruce trainiert für seinen Kampf.

In zwei Panels sehen wir den Bildungsgang, es ist eine Bildung der Dualität von Körper und Geist: Bruce Wayne bildet sich im Laufe der Jahre zu einem „master scientist“, wir sehen ihn als jungen Mann in einem Chemielabor zwischen Gaswolken. Im zweiten Panel ist sein Körper zur Perfektion trainiert und kann „amazing athletic feats“ vollziehen, zum Beweis hebt er mit einem Arm ein Gewicht über seinen Kopf.

Doch etwas fehlt noch. Bruce hat zwar viel Mühe investiert, um seinen Ziel näher zu kommen, aber er hat sich offenbar noch nicht überlegt, wie er es schließlich erreicht. Die naheliegendste Option, ein Polizist und damit ein legitimierter Verbrechensbekämpfer zu werden, kommt nicht zur Sprache. Bruce sinniert, er sei dank des Vermögen des Vaters reich und er sei bereit, aber er brauche eine Verkleidung. Offenbar schließt er einen orthodoxen Weg aus. Warum, bleibt allerdings rätselhaft.

Eine Fledermaus fliegt bei Bruce Wayne zum Fenster hinein.

Fledermaus als Omen für Batman

„Criminals are a superstitious cowardly lot“, sagt er im Selbstgespräch, während er im Sessel sitzt. „So my disguise must be able to strike terror into their hearts. I must be a creature of the night, black, terrible .. A. A…“ Im nächsten Panel fliegt eine große Fledermaus zum offenen Fenster hinein. „A bat! That’s it! It’s an omen“, sagt Bruce. „I shall become a bat!“ Im letzten Panel sieht man ihn bereits im Kostüm auf einem Dach, umschwirrt von Fledermäusen. „And thus is born this weird figure of the dark … this avenger of evil, ‚The Batman.‘“

Bemerkenswert ist Bruces Gedankengang. Denn was er über Kriminelle behauptet, trifft auch auf ihn selbst zu: Das Wort „terror“ ist bereits im vierten Panel gefallen, um zu beschreiben, wie Bruce sich beim Anblick seiner ermordeten Eltern gefühlt hat: „The boy’s eyes are wide with terror and shock as the horrible scene is spread before him.“ Auch wenn Bruce pejorativ von „cowardly“ (feige) spricht, meint er doch Angst damit. Er will, dass Verbrecher sich vor ihm fürchten, so wie er sich vor 15 Jahren gefürchtet hat. Er überträgt sein Gefühl auf sie.

Zugleich behauptet er, dass Verbrecher abergläubisch seien, doch bereits ein Panel später deutet er die zufällige Erscheinung der Fledermaus als Omen, als Vorzeichen. Im Caption darüber heißt es distanzierter: „As if in answer, a huge bat flies in the open window!“ Es scheint nur so, als ob die Fledermaus die Antwort brächte. Aber Bruce ist überzeugt davon. So überzeugt, dass er sofort entscheidet: „I shall become a bat!“

Die Wortwahl ist ungewöhnlich. Denn er sagt nicht, er wolle sich wie eine Fledermaus verkleiden, wovon er noch zwei Panels zuvor gesprochen hat, sondern er sagt, er wolle eine sein. In dieser metaphorischen Verkürzung liegt eine Ambivalenz. Denn Bruce Wayne identifiziert sich sofort mit dem Tier, das bei ihm ins Haus eindringt. Und nach dieser ontologischen Willenserklärung spricht der Erzähler auch von einer Geburt, der Geburt einer „weird figure of the dark“. „Weird“ (also sonderbar, fremd, gruselig, bizarr) ist sie, weil der Mann plötzlich zu einem Zwitterwesen geworden ist. Als „Bat-Man“ (anfangs noch mit Bindestrich) ist er eine Chimäre, halb Mensch, halb Fledermaus.

Bruce Wayne erschafft sich also noch einmal selbst. Batman wird ihm zur zweiten Geburt, allerdings einer ohne Eltern, als Batman ist er buchstäblich ein (amerikanischer) Selfmade-Man. Sein ererbtes Vermögen erlaubt es ihm zwar nicht mehr, selbst reich zu werden, aber sich neu zu erfinden. Dieser Mensch ist aber nur ein halber, denn er teilt sich seine Erscheinung mit der einer Fledermaus. Das Tier wird zum Geburtshelfer einer neuen Form.

Seine geistigen und körperlichen Fähigkeiten allein reichen Bruce nicht aus, erst als Tier-Mensch ist er ermächtigt, das Verbrechen zu bekämpfen, sogar ein „Rächer des Bösen“ zu sein. Während Superman also ein Übermensch ist, der seine Fähigkeiten seiner außerirdischen, also einer Art himmlischen, göttlichen Herkunft verdankt, ist Bruce Wayne mehr als ein Mensch, weil er mit einem Tier verschmilzt. Während Superman also dem Urbild eines Gilgamesch (dem Zweidrittelgott) entspricht, ist Batman der wilde Tier-Mensch Enkidu. Zusammen bilden sie Antipoden, die erst zu Feinden und später zu besten Freunden und Verbündeten im Kampf gegen das Böse werden.

Diese auf zwei Seiten erzählte Geschichte wird im Laufe der Comicgeschichte erweitert, ausgeschmückt und variiert, die wesentlichen Elemente bleiben gleich und es kommen neue hinzu: Ein weiteres Trauma, wie den Sturz in eine Höhle, bei der der junge Bruce von Fledermäusen erschreckt wird, der Kinobesuch unmittelbar vor dem Mord, der Film „The Mark of Zorro“ nimmt die Vigilantenkarriere vorweg, die reißende Perlenkette der Mutter, als Symbol der zerstörten Familie und einer aus den Fugen gebrachten Ordnung, schließlich bekommt der junge Bruce durch sein Verhalten sogar eine Mitschuld an dem Tod der Eltern (Batman Begins/Earth One). Bei Frank Miller (Year One) wird aus „I shall become a bat!“ ein „Yes. Father. I shall become a bat.“ Die Fledermaus landet auf der Büste von Thomas Wayne. Batmans Ursprung aus dem Geist der Tragödie geht so weit, dass auch seine Sidekicks und Nachahmer nicht ohne das Motiv des Traumas auskommen. Auch Robin verliert seine Eltern durch ein Verbrechen, auch Batwoman erlebt als Kind ein Trauma. Aber das ist eine andere Geschichte.

Die nachfolgende Story aus Detective Comics #33 ist zwar nicht so wirkmächtig, aber trotzdem interessant – und das aus mehreren Gründen. Zunächst gibt es mal wieder einen Superschurken: Professor Carl Kruger. Es handelt sich (wie schon bei Doctor Death) um einen Mad Scientist, der aus einer Anstalt (noch nicht Arkham) entlassen wurde, einen Napoleon-Komplex hat und mit einem Luftschiff, das Todesstrahlen ausstößt, die Weltherrschaft anstrebt. (Wahrscheinlich nicht zufällig hat er einen deutschen Namen.)

Angriff der Red Horde

Angriff der Red Horde

Am Anfang sehen wir, wie Bruce Wayne durch die Straßen Manhattans streift (New York wurde in der Story davor erstmals beim Namen genannt). Plötzlich taucht das Luftschiff auf und lässt Hochhäuser über den Menschen einstürzen, Tausende sterben. Es ist der erste Massenmord, mit dem es Batman zu tun kriegt – und er kann nichts dagegen tun. (Wir sehen weder Polizei noch Militär.) Doch statt in sein Kostüm zu steigen, hilft er zunächst als Bruce Wayne, indem er einen Mann von einem Stahlträger befreit. Es ist das erste Mal, dass der gelangweilte Playboy sich von seiner engagierten und philantrophischen Seite zeigt.

Angriff der Red Horde

Angriff der Red Horde

Zuhause sehen wir eine Vorstufe der späteren Bathöhle: Bruce Wayne geht in sein verstecktes Geheimlabor, in dem er nicht nur raucht, sondern auch eine Verbrecherkartei führt. Darin entdeckt er Carl Kruger. Erst jetzt holt Bruce sein Kostüm aus der Truhe und wird Batman. Bei Kruger zuhause wirft er seinen Baterang auf ihn, doch der prallt gegen eine Glaswand. Batman wird von hinten bewusstlos geschlagen und gefangengenommen, kann aber entkommen, bevor das Haus mit ihm in die Luft fliegt. – Die typische Todesfalle.

Baterang gegen Kruger

Baterang gegen Kruger

Später, als er Kruger in seinem Geheimversteck aufspürt, benutzt er wieder eine Pistole. Obwohl er vorher nie eine trug, sieht man jetzt erstmals ein Halfter an seinem Gürtel. Batman schießt damit nicht direkt auf die Schurken, sondern nur auf die Todesstrahler, die daraufhin explodieren und die Wachen töten. Dass seine Eltern durch eine Schusswaffe ums Leben gekommen sind, scheint ihn noch nicht daran zu hindern, selbst eine zu benutzen.

Batman schießt und tötet

Batman schießt und tötet.

Dann schießt auch Kruger auf ihn. Batman täuscht dank einer schusssicheren Weste seinen Tod vor, verkleidet sich als Wache und entkommt. Später braut er sich in seinem Labor eine Chemikalie zusammen, mit der er sein Batplane einsprüht und die es gegen die Strahlen immun macht. Es wiederholt sich die Szene aus dem Origin: Der Master Scientist Bruce Wayne beweist, dass er dem Mad Scientist gewachsen ist.

Bruce wieder im Labor

Bruce wieder im Labor

Schließlich steuert er das Batplane in das Luftschiff des Todes und lässt Kruger später in seinem Flugzeug abstürzen – noch ein Opfer. Am Ende schmaucht Bruce wieder sein Pfeifchen, während daneben auf dem letzten Bild ein abgewandter Batman mit einer schmauchenden Pistole steht. Nicht zum letzten Mal. Batman wird damit zum Rächer, der das Verbrechen mit seinen eigenen Waffen schlägt. Aber drastische Umstände fordern drastische Maßnahmen. Batman nimmt den Tod der Wenigen hin als Notwendigkeit, um den Tod der Vielen zu verhindern.

Rauchende Pfeife, rauchende Pistole

Rauchende Pfeife, rauchende Pistole

>> Batman 1939-1949


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Wie Batman zur Bathöhle kam

Titel: The Origin of the Bat-Cave

Autor/Zeichner: Bill Finger/Sheldon Moldoff

Erschienen: 1954 (Detective Comics #205), Paperback 2007 (Secrets from the Batcave)


Batman und Robin finden eine 300 Jahre alte Tonscherbe in der Bathöhle, sie stammt von Indianern. Daraufhin erzählt Batman, wie er zur Höhle kam. Nachdem er als Bruce Wayne das Haus gekauft hatte (ein Familienerbstück wird es erst später), wollte er die dazu gehörige Scheune als Geheimversteck nutzen.

Bruce Wayne kauft ein Haus

Bruce Wayne kauft ein Haus – und bricht ein.

Dann brach er durch den Boden und fand die Höhle voller Fledermäuse (in The Dark Knight Returns wird daraus eine Kindheitserinnerung). Und wieder heißt es: „An omen — if I ever saw one!“ Daraufhin stellt er die Standuhr als Eingang auf und richtet dort später mit Robin sein Labor und seine Trophäenhalle ein. Eine Lampe leuchtet auf, wenn das Batsignal eingeschaltet wird. Außerdem hat er eine fette Glotze.

Bruce Wayne entdeckt die Bathöhle

Bruce Wayne entdeckt die Bathöhle

Aber was hat es mit der indianischen Tonscherbe auf sich? Batman und Robin lassen sich, wie schon zuvor, von Professor Nichols per Hypnose in der Zeit zurückschicken. In der Vergangenheit treffen sie auf den Siedler Jeremy Coe, der von Indianern überfallen wird. Ohne zu wissen, worum es bei dem Konflikt geht, hilft ihm das Dynamische Duo – im Zweifel hält man einfach zu Leuten mit der gleichen Hautfarbe. Der führt sie zu seinem Geheimversteck, der späteren Bathöhle. Der Eingang befindet sich in einem ausgehöhlten Baum.

Batman und Robin richten sich ein

Batman und Robin richten sich ein

Coe hat sich als Indianer ausgegeben, um seine Feinde auszuspionieren. Weil er aber verletzt ist, kann er seine Mission nicht vollenden. Da springt Batman für ihn ein und verkleidet sich als Indianer. Doch vorher richtet er sich erstmal in der Höhle ein: ein Flaschenzug fürs Pferd, ein Periskop aus einem Birkenstamm, einen Kleiderschrank für Verkleidungen und eine Trophäensammlung, auch wenn es bisher nicht viel zu sammeln gibt.

Trophäensammlung in der Bathöhle

Eine Trophäensammlung muss sein.

Batman reitet als Indianer los, aber kaum ist er im Feindeslager, spült ein Regen seine falsche Hautfarbe weg und er muss doch wieder Batman werden. Er beeindruckt sie mit Batarangs und Rauchbomben, dann sendet er fledermausförmige Rauchsignale los und Robin eilt zur Hilfe. Am Ende fliehen sie mit Coe und Indianer zerstören seine Hütte. Damit ist auch der ganze Aufwand für die erste Bathöhle völlig vergebens gewesen – genauso wie die Mission. Denn die Siedler bekommen Verstärkung. Batman und Robin kehren in ihre Zeit zurück und stellen fest, dass sich alles tatsächlich zugetragen hat.

Batman als Indianer

Batman als Indianer

Batman trat im selben Jahr noch einmal als Indianer auf, sogar als Häuptling (Batman #86, 1954). In dieser Geschichte sind die Indianer freundlicher dargestellt, einer eifert Batman sogar nach – und wieder hat auch er eine eigene Bathöhle. Ohne das bekannte Inventar geht es nun mal nicht.

>> Batman in den 50ern

Two-Face als Batmans Sidekick

Deface the Face

DC Comics

Titel: Deface the Face

Autor/Zeichner: James Robinson/Steven Segovia, Carmine Di Giandomenico

Erschienen: 2018 (Detective Comics #988-993), Paperback 2019 (Detective Comics Vol. 9)


James Robinson gehört für mich zu den heimlichen Alt-Stars unter den Batman-Autoren. Geschichten wie Blades und Face the Face gehören zum Besten, was es gibt. Es hat mich also sehr gefreut, als ich gelesen habe, dass Robinson wieder sechs Ausgaben von Detective Comics schreiben darf.

Der Titel Deface the Face deutet an, dass er eine Art Fortsetzung seiner Two-Face-Story bringt. Aber in Wahrheit ist es nur irgendeine weitere Two-Face-Story, die stärker Bezug nimmt zu Batmans Hochzeits-Trauma und den neuen Outsiders. Und leider hält sie nicht, was der Name verspricht. Batman untersucht einen gewöhnlichen Mord, den er auf Two-Face zurückführt. Aber siehe da: Es war gar nicht Two-Face, sondern Harvey Dent. Die „gute Seite“ wollte damit ein altes Versäumnis wiedergutmachen. Two-Face arbeitet mit zwei Fireflys zusammen und schließlich kämpft er als Batman Sidekick (wie schon in My Own Worst Enemy) gegen den Schurkenkult Kobra.

Als ich das las, habe ich immer wieder gefragt, wohin diese Geschichte steuert. Und bis zum Schluss habe ich nicht begriffen, worauf Robinson damit hinauswill. Es drängt sich der Verdacht auf, dass alles im Nirgendwo verläuft. Wieder mal geht es vordergründig um das Verhältnis zwischen Batman und Two-Face, aber diesmal will Batman ihn nicht vom Guten überzeugen. Two-Face erteilt ihm eine Absage: Dafür ist es zu spät. Aber über die Figur erfährt man nichts Neues. Und alle Plot-Twists wirken beliebig. Weder die beiden Fireflys noch Kobra erscheinen als interessante Gegner. Das alles wirkt sehr halbherzig und nicht richtig durchdacht.

Schade, denn dafür glänzen die Zeichnungen umso mehr. Beide Künstler schaffen grandiose Perspektiven auf düstere Settings, die Bilder bekommen viel Raum in großen Panels, eine Doppelseite ist sogar ziemlich genial gelayoutet, aber schließlich wirkt das alles nur wie Seitenschinderei. Mal wieder so ein Comic fürs Auge statt fürs Hirn. Und leider eines, das man nur einmal lesen wird – wenn überhaupt.

>> Liste der Two-Face-Comics

Batman 1939: Detective Comics #31-32

Titel: Batman Versus the Vampire

Autor/Zeichner: Gardner Fox/Bob Kane

Erschienen: 1939 (Detective Comics #31-32), Paperback 2005/2016 (Batman Chronicles Vol. 1/Batman: The Golden Age Vol. 1)


Batman-Logo Detective Comics #31

DC Comics

Schon das Cover von Detective Comics #31 schreibt Geschichte: Ein Schloss auf einem kargen Berg, bei Mondschein und Nebel, ein Mönch in einer roten Kutte mit Totenkopf und gekreuzten Knochen auf der Brust trägt eine ohnmächtige Frau, Fledermäuse flattern umher, über der Szenerie schwebt ein übergroßer Batman mit übergroßen Ohren, die wie riesige Teufelshörner wirken. Der Titel auf Seite eins zeigt Batmans Kopf noch einmal mit Cape, stilisiert zu dem späteren Logo, wie es die Batman-Serie zieren wird.

Detective Comics #31

DC Comics

Aber die Geschichte hat noch mehr Innovationen zu bieten: Zunächst lernen wir, dass Batman in New York unterwegs ist, später werden der „Baterang“ (!) und der Batgyro, eine Art fledermausartiger Helikopter eingeführt. Während Batman auf den Dächern patrouilliert, sieht er, wie eine Frau im Bademantel einen Mann auf der Straße angreift. Statt sich die Frau zu schnappen, schwingt Batman ein Lasso um den Mann und zieht ihn einen Strommast hoch. Eine eigenartige Weise von Opferschutz.

Detective Comics #31

Julie Madison ist hypnotisiert

Batman erkennt in der Frau Julie Madison, die Bruce Waynes Verlobte ist. Hier bekommt Bruce erstmals ein Privat- und ein Liebesleben. Julie wurde hyptnotisiert. Bruce bringt sie später zum Arzt, doch der scheint auch hyptnotisiert zu sein und schickt Julie auf eine Reise nach Paris und Ungarn, dem Land der Werwölfe. Batman folgt Julies Schiff mit dem Batgyro. Kaum erscheint das Gefährt am Himmel, versetzt es Menschen in Angst: „The end of the world! We are attacked by martians!“ Batman hat dafür nur ein müdes Lächeln übrig.

Auch Julie hält es zunächst für eine Monster-Fledermaus. Als Batman auf das Schiff kommt und der Batgyro im Autopilot über ihm weiterfliegt, erscheint der rote Mönch. Batman wirft einen Baterang nach ihm, der Mönch duckt sich weg, aber statt es anders zu versuchen, steckt Batman seine Waffe ein, steigt wieder in sein Fluggerät und folgt dem Schiff nach Paris.

Batgyro und Baterang

Batgyro und Baterang

Offenbar hält er den Mönch für eine zu große Gefahr für sich, aber nicht für Julie – oder es liegt ihm nicht viel an ihr. Seine Motivation bleibt so lückenhaft wie der Plot. In Paris muss er Julie erst eine Weile suchen, als er sie in einem Schloss findet, greift ihn ein Riesenaffe an und er landet in einem Netz des Mönchs.

Batman und der Riesenaffe

Batman und der Riesenaffe

Der Schurke verrät, dass er Julie nach Ungarn bringen will, um sie seinen Werwölfen zum Fraß vorzuwerfen. Man fragt sich, warum der Mönch so weit für Tierfutter reisen musste. Batman befreit sich mit dem Baterang, entkommt und rettet Julie. Aber er bringt sie nicht nach Hause, sondern nach Ungarn – der erste Cliffhanger.

Detective Comics #32

Batman in Dracula-Pose

Im zweiten Teil sehen wir keinen Batman auf dem Cover, dafür erscheint er auf dem ersten Bild in Dracula-Pose: das Gesicht halverhüllt vom Cape. Spätestens hier zeigt sich, woher Bob Kane und Bill Finger ihre Inspiration genommen haben, Bela Lugosis Dracula war ein großer Einfluss. Batman erscheint damit nicht nur als Mysterium, sondern auch selbst als eine Art Vampir, obwohl er einen bekämpft. Batman ist ein Held, der wie ein Schurke aussieht.

In Ungarn befreit Batman eine Unbekannte aus einer Kutsche. Als er sie zu Julie bringt, stellt sie sich als Dala vor. Auch sie scheint hypnotisiert zu sein, sie schlafwandelt, doch da knockt sie Batman aus und haut ab. Batman bemerkt Beißspuren an Julies Hals – Dala ist also eine Vampirin! Batman erwischt sie und stellt sie zur Rede, sie gibt sich als Opfer des Mönchs aus. Batman muss versprechen, ihn zu töten. Sie fliegen hin.

Doch der Mönch gibt sich selbst als Werwolf aus (offenbar sind die Grenzen zum Vampir fließend), er will plötzlich Julie nicht mehr verfüttern, sondern sie zu seinesgleichen machen. Der Mönch verwandelt sich in einen Wolf, heult ein Rudel herbei und wirft ihm Batman zum Fraß vor. Dank Gasampullen und Baterang kann er sich retten, dann schmilzt er sich zwei Silberkugeln und erschießt die beiden Vampire, Mönch und Dala, in ihren Särgen.

Batman erschießt die Vampire

Batman erschießt die Vampire

Batman hat zwar schon in der Story davor Gangstern eine Waffe vorgehalten und ihnen mit dem Tod gedroht, aber hier ist es das erste Mal, dass Batman eine Schusswaffe für tödliche Gewalt einsetzt, auch wenn es hier nur Untote sind, die sich bestimmt nicht von der Justiz resozialisieren lassen.

Es ist schon eine kuriose Geschichte, in der Batman erstmals Bekanntschaft mit dem Übernatürlichen macht: Vampire und Werwölfe werden hier miteinander vermischt, die Motivation des Schurken ist völlig schleierhaft, ebenso woher der Riesenaffe kommt. Aber das größte Rätsel bleibt, wie er mit einer Frau in einem Arm mit dem anderen eine Strickleiter hinaufsteigen kann. Offenbar ist Batman doch mehr als nur ein Mensch.

Im Jahr 2006 hat Matt Wagner die Story in der Miniserie Batman and the Mad Monk adaptiert. In Detective Comics #455 (1976) wird Batman selbst zum Vampir, auch 1991 in der Elseworlds-Story Red Rain, wenn er es sogar gegen Dracula aufnimmt.

>> Batman 1939-1949

Batman 1939: Doctor Death

Titel: The Batman Meets Doctor Death/The Return of Doctor Death

Autor/Zeichner: Gardner Fox/Bob Kane

Erschienen: 1939 (Detective Comics #29-30), Paperback 2005/2016 (Batman Chronicles Vol. 1/Batman: The Golden Age Vol. 1)


Die dritte und vierte Batman-Story fallen durch drei Neuerungen auf: Sie stammen von einem neuen Autor, Gardner Fox, sie bilden einen Zweiteiler und sie führen den ersten Superschurken ein, einen Mad Scientist namens Doctor Death.

Der heißt eigentlich Karl Helffern und hat aus Pollenextrakten ein Gift entwickelt, mit dem er reiche Leute erpressen will. Vorher will er jedoch „Bat-Man“ aus dem Weg schaffen. Dazu gibt er eine Zeitungsanzeige auf, in der steht, dass sich Batman einen Brief für John Jones bei der Post abholen soll. Bruce Wayne geht hin (keinen kümmert’s) und der Brief führt ihn zu einem Apartment.

Erstmals sehen wir Batman bei der Vorbereitung: Er nimmt Handschuhe und Knieschoner mit Saugnäpfen mit, um die Wand hochgehen zu können, außerdem steckt er Tränengas in seinen Gürtel, der zum ersten Mal eine Funktion bekommt. Die Leser bekommen alles gezeigt: Wie Batman in seinem roten Auto hinfährt, wie er es an einem abgelegenen Ort parkt, wie er sich mit einem Lasso am Haus hochzieht und dann weiter hinaufkrabbelt – wie eine Riesenfledermaus, heißt es, aber es wirkt eher wie eine Spinne.

Batman überwältigt die zwei Auftragskiller, die schon auf ihn warten, und bedroht sie mit ihrer Waffe: Wenn sie ihm nicht verraten, wo Helffern ist, will er sie erschießen. Doch da wird er von Doctor Deaths Diener, einem Inder namens Jabah, angeschossen. Er rettet sich mit seiner Gaskapsel und schwingt sich wieder vom Dach. Da er noch keinen allseits begabten Alfred hat, muss ihn sein Hausarzt zusammenflicken.

Als Jabah loszieht, um sein erstes Opfer zu töten, rettet Bruce Wayne den Mann, dann folgt ihm Batman in Helfferns Geheimversteck und erwürgt ihn offenbar mit einem Lasso. Helffern haut ab, will eine Feuerkapsel nach Batman werfen, der kommt ihm mit einem Feuerlöscher zuvor und Helffern verbrennt durch seine eigene Waffe. „Death … to Doctor Death“, sagt Batman. Aber da täuscht er sich.

In der nächsten Ausgabe, die ein paar Tage später spielt, ist der Schurke wieder da und hat sein erstes Opfer getötet. Nun will er auch die Diamanten von der Witwe stehlen. Da Jabah tot zu sein scheint (warum, bleibt unklar), muss der Kosake Mikhail die Beute besorgen. Wieder kann ihm Batman folgen, wieder wird nach ihm geschossen, doch diesmal entgeht er der Kugel und bricht dem Diener das Genick mit einem Tritt.

Als Batman die Beute von dem Pfandleiher zurückholen will, stellt der sich als verkleideter Doctor Death heraus. Diesmal überlässt Batman ihn der Polizei.

Batman erscheint als sehr finsterer Charakter mit noch längeren Ohren, die wie Teufelshörner wirken. Vielen Panels sind wortlos und nur seinen dramatischen Auftritten gewidmet. Batman schwingt sich aber auch immer wieder, das Gesicht im Schatten, durch die Nacht, wobei Bob Kane (wie auf dem Cover) immer wieder die gleiche Pose benutzt – ein einfallsreicher Zeichner war er nicht. Außerdem fällt auf, dass Batman bevorzugt durch Fenster steigt, einmal öffnet er es, einmal springt der durch das Glas – damit nimmt er bereits die Fledermaus vorweg, die ihm in seinem späteren Origin als Omen erscheinen wird, aber auch sonst gehören zu einem dramatischen Auftritt stets Splitter.

Batman wird bereits zu Beginn seines dritten Abenteuers als „legendary figure“ bezeichnet. Er ist eine Legende noch bevor er richtig angefangen hat. Und er ist skrupellos: In bisher jedem Heft stirbt jemand durch seine Hand, auch wenn er selbst keine Schusswaffe bei sich trägt.

Batman: I’ll kill you!

>> Batman 1939-1949

 

Batmans unglücklichste Nacht

DC Comics

Titel: The Night of Thanks, But No Thanks!

Autor/Zeichner: Harlan Ellison/Gene Colan

Erschienen: 1986 (Detective Comics #567), Hardcover 2019 (Detective Comics: 80 Years of Batman)


Batman erlebt die schlimmste Nacht seines Lebens. Nein, nicht etwa den Tod seiner Eltern, sondern eine Nacht, in der es nichts für ihn zu tun gibt. Bewaffneter Ladenraub? Der Bürger hilft sich selbst. Einer alten Frau wird die Handtasche geraubt? Dei Dame weiß sich zu helfen. Batman darf nur die Polizei rufen. Doch da will sich einer von einem Haus stürzen! – Die Polizei ist schon zur Stelle. So geht das immer weiter.

Wenn man es verstanden hat, verbraucht sich der Witz. Naja, beinahe. Denn als Batman einen großen Kerl, der ein Papier auf den Boden wirft, zur Ordnung ruft, gibt der sich einsichtig, dreht um, hebt das Papier auf und wirft es reumütig in den Mülleimer.

Solche Nächte kann es in Gotham also auch geben. Es ist nicht alles verloren in dieser Stadt. Und Batman kann sich auch mal entspannen. Aber dass er es gleich so tragisch sieht, zeigt nur, dass man es ihm nie recht machen kann. Batman ist einfach nicht fähig, sich einmal über den Müßiggang zu freuen. Irgendwie auch verständlich: Niemand fühlt sich gern überflüssig – schon gar nicht als Vollzeitheld.

Fun Fact: Diese abseitige Geschichte ist der erste Auftritt für den neuen Batman nach dem Reboot der Crisis on Infinite Earths.

Batman macht ernst

DC Comics

Titel: The Mystery of the Menacing Mask

Autor/Zeichner: John Broome/Carmine Infantino

Erschienen: 1964 (Detective Comics #327), Hardcover 2014/2018 (Tales of the Batman: Carmine Infantino, Batman: A Celebration of 75 Years, Detective Comics: 80 Years of Batman)


Und plötzlich war Schluss mit dem Quatsch. Zumindest für eine Weile. Nach den irren Science-Fiction-Eskapaden, verrückten Kostümen und bizarren Wandlungen, die Batman Ende der 50er und Anfang der 60er durchmachen musste, richtete Redakteur Julius Schwartz Batman neu aus. Batman wurde ernster, realistischer und bekam dank Carmine Infantino einen neuen Look, erkennbar an dem gelb-schwarzen Logo, das von nun an auf Batmans Brust prangte – die nächsten 36 Jahre lang. (Auch wenn der neue Look bereits in World’s Finest #141 eingeführt wurde.)

Der Wandel ist schon auf dem Cover erkennbar. Statt einer üblichen Schlüsselszene, die den Clou der Geschichte verrät, sieht man eine Sequenz aus drei Panels, die neugierig macht, ohne zu viel zu verraten. Batman liegt am Boden, Robin eilt herbei, fragt, ob er okay sei, Batman sagt etwas von einer Explosion, da ruft ihm Robin zu, schnell seine Maske abzunehmen. Was ist hier los?

Die Maske abnehmen – das war für den frühen Batman stets mit der Angst verbunden, als Bruce Wayne entlarvt zu werden und damit seine Karriere beenden zu müssen. Hier wird die Maske selbst zur Bedrohung.

Wie sehr Batman plötzlich in der Realität ankommt, sieht man schon auf der zweiten Seite: Es geht um Politik, Stadtentwicklung, Gentrifizierung. In Gotham soll ein Stück Altstadt, Gotham Village, abgerissen werden, weil es als Rückzugsort für Verbrecher gilt, andere wollen es erhalten, weil Wohnraum sonst verloren geht. Bruce Wayne und Dick Grayson spazieren gerade durch das Viertel, als eine junge Frau Bruce vorwirft, dass er sich für den Erhalt einsetze. Ihr Grund: Sie befürchtet, ihr Freund habe mit Verbrechern zu tun.

Bevor er sie verlassen hat, hat er ihr eine Karte hinterlassen, auf der ein Kreuz in einen Kreis gemalt ist. Das erinnert Bruce und Dick an einen jüngsten Vorfall, als sie einen Juwelendieb verfolgten. Nach einer Explosion hatten sie plötzlich das gleiche Symbol auf ihren Stirnen. Doch als die Spur sie wieder zu dem Dieb führte, erstarrten sie vor ihm, weil er sie wegen des Symbols kurzzeitig lähmen konnte.

Die ganze Sache führt zu einer Art Refugium für Verbrecher, das unter Gotham Village liegt. Die bittere Pointe: Der Mann, der zu Beginn das Village erhalten will, um Wohnraum zu retten, stellt sich als Verbrecher heraus und seine Argumente als bloßer Schein. Trotzdem wird das Viertel vor dem Abriss verschont.

Am Ende sieht man etwas Ungewöhnliches: Batman nimmt einem Gauner die Waffe ab und hält die Bande damit in Schach. Das fiel schon damals den Fans unangenehm auf. Batman benutzt keine Pistolen. Tatsächlich war es ein Fehler des neuen Redakteurs. Julius Schwartz gab zu, dass er damals kaum etwas über Batman wusste. Dieser Fehler passierte ihm nicht nochmal.

>> Batman in den 60ern
>> Batman-Anthologien

Batman und der nervige Kobold

DC Comics

Titel: Batman Meets Bat-Mite

Autor/Zeichner: Bill Finger/Sheldon Moldoff

Erschienen: 1959 (Detective Comics #267), Hardcover 2019 (Detective Comics: 80 Years of Batman)


„Crime-fighting isn’t fun … It’s serious business!“ (Batman)

Wir müssen über Bat-Mite sprechen. Nur einmal, dann nie wieder, versprochen. Aber einmal muss es sein, denn Bat-Mite mag nerven, aber er steht symptomatisch für die Albernheit des Silver Age.

Der Kobold aus einer anderen Dimension taucht plötzlich in der Bathöhle auf, trägt ein schräges Batman-Kostüm und behauptet, Batman und Robin helfen zu wollen. Die brauchen aber keine Hilfe. Bekommen sie aber trotzdem. Als die Helden Gauner über eine Brücke verfolgen, verbiegt sich diese und schlägt Wellen wie ein Gummiband, später bringt Bat-Mite eine übergroße Schallplatte zum Fliegen und schließlich stellt er eine leere Lagerhalle mit anderen übergroßen Objekten voll, damit die Verbrechensbekämpfung mehr Spaß macht.

Darunter ist nicht nur ein Wikingerschiff, mit dem die Verbrecher abhauen, sondern auch eine Batman-Statue. Bat-Mite bringt die Statue zum Laufen und lässt sie die Gauner schnappen. Batman schimpft Bat-Mite zwar jedes Mal aus, aber als sich alle anderen fragen, was passiert sei, denkt er sich Erklärungen für das Übernatürliche aus. Am Ende schickt er den Kobold endlich fort und ist froh, ihn loszusein.

Aber das ist nur vorübergehend. Denn Bat-Mite trifft danach Batwoman (Detective Comics #276, 1960), Batgirl (Batman #144, 1961) und er nervt Batman und Robin auch in Detective Comics #289 (1961) und #310 (1962). Als die Comics ab 1964 wieder ernsthafter wurden, war der Kobold erstmal für lange Zeit erledigt.

Aber da er ab 1977 in der Zeichentrickserie The New Adventures of Batman vorkam, meldeten sich die Fans und wollten ihn auch in den Comics wiederhaben. Also legte DC „Bat-Mite’s New York Adventure“ vor (Detective Comics #482, 1979). In dieser kurzen Geschichte taucht Bat-Mite in der DC-Redaktion auf und fordert, endlich wieder ein Comic gewidmet zu bekommen. Zuerst zeichnet er selbst eine, dann bringt er alle nötigen Leute dafür zusammen. Aber die Redakteure wimmeln ihn ab und es kommt nur zu der Story, die in der Ausgabe eben vorliegt.

Später kam der Charakter in Legends of the Dark Knight #38 vor, bekam mit Mr. Mxyzptlk eine Elseworlds-Story namens World’s Funnest und tauchte immer wieder auch in der regulären Continuity auf, wie etwa in Grant Morrisons Batman R.I.P. Schließlich 2015 bekam Bat-Mite eine eigene sechsteilige Serie. Aber das alles muss uns nicht interessieren.

>> Batman in den 50ern

Batman 1939: Detective Comics #28

DC Comics

Titel: Frenchy Blake’s Jewel Gang

Autor/Zeichner: Bill Finger/Bob Kane

Erschienen: 1939 (Detective Comics #28), Paperback 2005/2016 (Batman Chronicles Vol. 1/Batman: The Golden Age Vol. 1)


Batmans zweites Abenteuer beginnt mit einer Besonderheit: Batman ist nicht auf dem Cover. Insgesamt erscheinen mit dieser vier Ausgaben von Detective Comics, die nicht Batman (oder etwas Verwandtes) auf dem Titelbild haben. Die Entscheidung mutet heute seltsam an, aber geschadet hat es der Figur nicht. Immerhin wurde Batman zumindest klein auf dem Cover angekündigt.

Wie schon die erste hat auch diese Geschichte nur sechs Seiten, aber die Seiten sind nicht so vollgepackt. Statt vier Reihen haben die Seiten nur drei, die Panels sind größer und entfalten eine stärkere Wirkung.

Auf der ersten Seite sehen wir im Titel Batmans Kopf neben seinem Schriftzug, der immer noch in Anführungszeichen steht. Daneben ein kleines Waagensymbol mit der Inschrift „Justice“. Der Ankündigungstext ähnelt sehr dem ersten, nur dass diesmal erklärt wird, dass er in Wahrheit Bruce Wayne ist.

Zu Beginn der Geschichte haben unbekannte Diebe Juwelen im Wert von 100.000 Dollar gestohlen. Der Polizei fehlt jede Spur. Bruce Wayne klärt den Fall mit einem Telefonat: Er ruft einen Informanten im Knast an, gibt sich als Gordon aus und erfährt, dass Frenchy Blake und seine Gang dahintersteckt.

Als Batman überwältigt er zwei Diebe auf einem Dach, einen stürzt er in die Tiefe – Batmans zweites Todesopfer. Als einer eine Waffe auf ihn richtet, schlägt er ihn K.O. Er schnappt sich die Beute, doch als er zwei Polizisten auf sich zukommen sieht, lässt er sie absichtlich fallen. Die Polizisten schießen nach ihm, aber er springt vom Dach, macht einen Salto und schwingt sich mit einem Seil davon. Das ist das erste Mal, dass Batman als Akrobat auftritt.

Danach wird Batman aber für den Kopf der Gang gehalten. Aber Batman wollte das so. Die Diebe machen dann nämlich weiter – und Batman sie auf frischer Tat schnappen. Er belauscht sie am Fenster, er schwingt sich später am Tatort zum Fenster rein und knockt die Diebe aus, informiert Gordon.

Schurke mit Monokel und Ziegenbärtchen: Frenchie Blake

Später stürzt er sich auf den Anführer Frenchy Blake, einem Mann mit Monokel und Ziegenbärtchen. Zunächst sieht man, wie schwarze Silhouette zur Tür hereinkommt und ihn erschreckt. Batman schlägt ihn zur Begrüßung, dann wickelt er ein Seil um ihn und wirft ihn aus dem Fenster. Batman erpresst ihn, ein Geständnis zu schreiben oder er schneidet das Seil durch. Frenchy tut, wie ihm geheißen, versucht es trotzdem nochmal mit Gewalt, aber bei Batman ist nichts zu machen, er verpasst ihm noch eine, und zwar so stark, dass Frenchy ihn anfleht, es nie wieder zu tun. Der Held lädt den Gauner vorm Polizeihauptquartier ab, samt Geständnis, Juwelen und einer Botschaft an Gordon.

Der Mythos wird hier beträchtlich erweitert: Batman ist nicht nur ein beliebig kostümierter Vigilant, er verbreitet mit seinem Kostüm Angst und wird ihm gerecht, indem er im Rahmen seiner Möglichkeiten zu fliegen scheint. Batman nutzt aber auch moralisch alle Möglichkeiten aus: Er foltert und er tötet, auch wenn man es hier ihm als Notwehr durchgehen lassen kann.

Obwohl er außerhalb des Gesetzes wirkt und von der Polizei verfolgt wird, arbeitet er hier direkt der Polizei zu. Dabei geht er sogar den Umweg, selbst des Diebstahls verdächtigt zu werden. Batman ist ein Held, der wie ein Schurke aussieht. Aber es sollen nur die Schurken sein, die vor ihn Angst haben. Man könnte sagen, er arbeitet an seiner Reputation. Das gibt Gordon am Ende zu denken.

>> Batman 1939: Detective Comics #27
>> Batman 1939-1949

Batman trifft Sherlock Holmes

DC Comics

Titel: The Doomsday Book

Autor/Zeichner: Mike W. Barr/Alan Davis, Carmine Infantino u.a.

Erschienen: 1987 (Detective Comics #572), Hardcover 2012 (Legends of the Dark Knight: Alan Davis Vol. 1), Paperback 2018 (Batman: The Dark Knight Detective Vol. 1)


Als die Serie Detective Comics 50 Jahre alt wurde, wurde Sherlock Holmes 100. DC nahm das Doppeljubiläum zum Anlass, die beiden berühmtesten Detektive der Welt zusammenzubringen. Und dafür ist noch nicht einmal eine Zeitreise nötig. Außerdem brachte man noch zwei weitere Detective Comics-Veteranen zusammen: Slam Bradley, den Detektiv, der in der ersten Ausgabe auftrat, und den Elongated Man, der eine Zeitlang die Zweitstory in der Serie bekam.

Die Geschichte beginnt mit Slam Bradley, der kurz vor Weihnachten von einem jungen Engländer namens Morton den Auftrag bekommt, seine Verlobte wiederzufinden, die gekidnappt worden ist. Slam kann noch nicht mal ja sagen, als Morton entführt wird. Batman und Robin können noch verhindern, dass Schlimmeres passiert. Die Spur führt nach London, wo bereits der Elongated Man in der Baker Street einen Mann aufsuchen will, der ihm eine unveröffentlichte Sherlock-Story zeigen will. Der Held trifft dabei auf einen Nachfahren des Schurken Moriarty, der einen doppelten Anschlag auf die königliche Familie plant.

Mit vereinten Kräften können die drei Helden das Schlimmste verhindern. Aber wo bleibt Sherlock selbst? Der bekommt eine ausführliche Rückblende: In The Adventure of the Red Leech verhindern Holmes und Watson ebenfalls einen Anschlag auf die Königin. Die Geschichte droht sich 100 Jahre zu wiederholen.

[ACHTUNG: SPOILER!]

Und am Ende kommt es zum Treffen der Detektive: Sherlock steht plötzlich da, als sehr alter Mann, der immer noch lebt, weil er nicht mehr raucht, sich ausgewogen ernährt (unter anderem von einem Präparat aus Gelée royale) und im tibetischen Hochland lebt. Auch dank ihm kann der Fall schließlich gelöst werden.

Die Story feiert auf sympathische Weise sowohl Literatur- als auch Comicgeschichte, indem sie Batman nicht zum Haupthelden macht, sondern zu einem unter mehreren. Sowohl Slam Bradley als auch der Elongated Man kommen zu ihrem Recht. Batmans Rolle wird sogar für die Sherlock Holmes-Hommage sehr zurückgefahren. Die Rahmenhandlung zeichnet Alan Davis mit gewohnt elegantem Strich, während Carmine Infantino mit seinem sperrigen Stil das Niveau leider wieder senkt und sich einmal sogar blamiert, weil er nicht weiß, wie man eine Geige zeichnet – bei ihm sieht sie wegen der falschen Lochform aus wie eine Ukulele.

Auch wenn hier keine Innovation geboten wird, das muss es auch nicht. Hier geht es um Nostalgie. Und als Jubiläumsstory funktioniert diese hier allemal.

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