Batman (Comic-Serie)

Katze trifft Fledermaus

Catwoman im Golden Age (Teil 1)

DC Comics

Titel: The Cat

Autor/Zeichner: Bill Finger/Bob Kane

Erschienen: 1940 (Batman #1)


„Lovely girl! What eyes!“ (Batman)

Vor Catwoman gab es the Cat: eine hübsche wie raffinierte Diebin, ohne Katzenkostüm, aber schon verkleidet, eine Unbekannte, aber von Anfang an anziehend für Batman …

Beginnen wir am Anfang: Die erste Catwoman-Story beginnt als erste Robin-Solo-Story. Gleich in seinem dritten Abenteuer darf Dick Grayson sich zunächst alleine behaupten. Bruce Wayne lässt ihn als Kellner auf einer Yacht arbeiten, um eine teure Kette vor Dieben zu schützen. Dick ist sehr aufmerksam, hat auch schon gleich zwei Verdächtige unter den Gästen erspäht, als die Kette plötzlich weg ist – gestohlen von einem Unbekannten.

Kurz darauf treffen Gangster auf der Yacht ein, um die Kette zu rauben, aber sie kommen zu spät, also nehmen sie mit, was sonst noch da ist. Als Dick einen Kampf mit ihnen anfängt, springt er ins Wasser, zieht sich schnell sein Robin-Kostüm an, während er Maschinengewehrkugeln ausweicht. Da trifft auch schon Batman ein, überwältigt die Gauner auf ihrem Boot, Robin hält sie fest.

Aber weil es offenbar niemand eilig hat, passiert plötzlich etwas Seltsames: ein Experiment. Batman lässt vier Gangster auf Robin los, um den amerikanischen Kindern zu zeigen, wie feige sie ohne ihre Waffen sind. Hier ist sich die fiktive Held bewusst, dass er nur eine Comicfigur ist und dass er vor einem Kinderpublikum auftritt! Das ist einzigartig für Batman. Und als auf der nächsten Seite die Verbrecher ihre Lektion bekommen haben und vor Robin erzittern, wendet sich Batman direkt an die Leser, wiederholt seine Botschaft und ermuntert sie, sich dem Kampf gegen das Verbrechen anzuschließen.

Zurück zum Plot: Auf der Yacht sind mittlerweile alle so bedrückt, bestohlen worden zu sein, dass sie eine Kostümparty schmeißen, um sich wieder aufzuheitern. Ein Preis soll verliehen werden für die beste Verkleidung. Als Batman erscheint, geht der Preis an ihn, weil er nicht für den richtigen Batman gehalten wird. Und wieder haben wir es mit einer Selbstreferenzialität zu tun: „An ironical joke takes place!!“ Batman ist mittlerweile so legendär, dass seine tatsächliche Erscheinung nicht mehr für wahrscheinlich gehalten wird. Interessant: Während er sich selbst als das erkennt, was er wirklich ist, erkennen die anderen ihn nicht als echten Batman.

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„Quiet or papa spank!“ Batman und The Cat. (DC Comics)

Erst jetzt kommt die Hauptschurkin ins Spiel: Robin löst einen falschen Feueralarm aus und als alle Gäste losrennen, offenbart sich eine alte Frau als gute Läuferin mit schönen Beinen: „Nice legs for an old woman.“ Batman überwältigt sie, wischt ihr rüde die Schminke aus dem Gesicht („Quiet or papa spank!“ – Ja, er sagt es wirklich.) und nimmt ihr die Kette ab.

Die Schurkin offenbart sich als the Cat, von der Batman schon gehört hat. Sie bietet ihm an, sich ihr anzuschließen; sie würden ein tolles Team als König und Königin des Verbrechens hergeben, findet sie. Aber Batman bleibt hart. So scheint es zunächst. Denn als das Dynamische Duo sie mit dem Boot zur Polizei bringen will, lässt er sie über Bord springen. Nicht nur, dass er sie nicht verfolgt, er hindert auch Robin daran, hinterherzuspringen. Am Ende schwärmt er laut von ihrer Schönheit und muss sich selbst daran erinnern, dass er bereits an eine gewisse Judy (Madison) vergeben ist, aber er sehnt sich jetzt schon nach einem Wiedersehen mit der Katzendiebin …

Auch das ist bemerkenswert, weil der unbestechliche Verbrechensbekämpfer hier erstmals mit seinen Prinzipien bricht. Von Anfang an hat die Schurkin eine ganz besondere Wirkung auf Batman. Man kann sagen: In dem Augenblick, in dem er sich seiner wahren Erscheinung selbst bewusst wird, ihn aber andere nicht als wahren Batman erkennen, wird er zu einem anderen Batman, einem Helden mit einer dunklen Seite, die von einer Frau hervorgerufen wird.

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Als Batman gegen Nazis kämpfte (Teil 2)

DC Comics

Titel: The Two Futures

Autor/Zeichner: Don Cameron/Jack Burnley

Erschienen: 1943 (Batman #15), Hardcover 2016 (The Golden Age Omnibus Vol. 2)


„Too bad this war wasn’t settled with fists!“ (Batman)

Was kommt nach dem Krieg? Diese Frage treibt Batman und Robin um. Deshalb suchen sie Professor Ranier auf, einen Historiker, der gerne Vorhersagen macht und die sich in der Regel als richtig herausstellen. Der Professor erzählt (zusammen mit seinen Kollegen Proe und Con) zwei Versionen der Zukunft.

In der einen haben die Nazis und Japaner den Krieg gewonnen, in den USA herrschen die Achsenmächte mit Gewalt und Terror, Menschen werden erschossen und in Konzentrationslagern gefangen gehalten. Batman und Robin legen sich mit den Nazis an, ein kleiner Junge mit Zwille hilft ihnen, auch bei einer späteren Flucht. Das Dynamische Duo verhaut Nazis, sie befreien Gefangene aus einem KZ, aber trotz aller Bemühungen werden sie angeschossen, gefangen genommen und hingerichtet. „Democracy doesn’t need saving“, sagt Batman am Ende noch trotzig. Solange noch Amerikaner lebten, könne man sie nicht töten.

In der zweiten Version komme es, so der Professor, nicht nur auf Soldaten an, sondern auch auf Zivilisten: „Every man, woman and child must win this war!“ Während die Achsenmächte von den Alliierten geschlagen werden, machen Batman und Robin eine geheime Funkstation der Schurken in den USA ausfindig, verkloppen die Deutschen und Japaner und helfen dabei, einen Luftangriff auf Gotham City abzuwehren. Die Achsenmächte kapitulieren und die freie Welt erstrahlt. Diese Version gefällt den beiden Helden viel besser.

Am Ende wird die Moral von der Geschicht wiederholt: Es komme auf jeden an. Aber wie soll das gehen? Batman und Robin gehen mit gutem Beispiel voran, indem sie so viele Kriegsanleihen kaufen, wie sie können. Das Dynamische Duo zeigt auf die Leser und ermahnt sie: „It’s your battle … your future … your America!!!“

Bemerkenswert ist, wie stark sich Comics in Kriegszeiten in den Dienst der Propaganda stellen ließen. Obwohl Batman schon lange keine Schusswaffen mehr benutzt, sieht man ihn auf dem Cover lächelnd mit einem Maschinengewehr schießen, Robin hilft beim Nachladen, als wäre Krieg ein Spiel, darunter steht der Satz „Keep those bullets flying.“ Auch wenn es für die gute Sache war: Die Geschichte ist voller Klischees und auch nicht frei von Rassismus, insbesondere die Japaner, die nur als „Japs“ bezeichnet werden, kommen schlecht weg. „Remember Pearl Harbor!“, ruft Batman einem von ihnen zu, während er ihn umhaut. Insofern dient der Comic nicht nur als patriotisches Bekenntnis zur Demokratie, sondern auch als Vergeltungsfantasie für ein nationales Trauma.

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Als Batman gegen Nazis kämpfte (Teil 1)

DC Comics

Titel: Swastika Over the White House

Autor/Zeichner: Don Cameron/Jack Burnley

Erschienen: 1942 (Batman #14), Hardcover: The Golden Age Omnibus Vol. 2 (2016)


„Imagine … beaten by their own swastika!“ (Robin)

Als die USA im Dezember 1941 in den Zweiten Weltkrieg eintraten, machte sich das auch in den Superheldencomics von DC bemerkbar. Aber auch wenn schon im März 1941 die Konkurrenz Captain America gegen Hitler kämpfen ließ, griffen Superman und Batman nicht in den Krieg ein. Jedenfalls nicht direkt. Zunächst warb Batman auf dem Cover von Batman #12 für Kriegsanleihen, während er einen Armee-Jeep steuerte, in Batman #13 sah man ihn beim Fallschirmspringen. Doch erst eine Ausgabe später sollte er tatsächlich mit Nazis zu tun kriegen, wenn auch nur in Gotham City.

DC Comics

Seltsamerweise weist das Cover zu Batman #14 keinen Kriegsbezug auf, stattdessen sieht man den Pinguin. In einer der Geschichten wird schon im Titel „Swastika Over the White House“ das Schlimmste heraufbeschworen. Ein junger deutscher Spion namens Fritz Hoffner gibt sich als Reporter aus, um insgeheim Informationen über US-Militäranlagen zu sammeln und Sabotage-Akte zu verüben. Er berichtet an einen gewissen Count Felix, der sich in einem Antiquitätenladen versteckt und Monokel und Undercut trägt. Über ihm schwebt eine Deckenlampe in Form eines Hakenkreuzes. Die Schurken sprechen eine seltsame Mischform aus schlechtem Englisch und Pseudo-Deutsch („Himme! It iss too late! Step on der Gas!“).

Das Ziel: Das Weiße Haus soll Adolf Hitlers US-Hauptquartier werden. Doch zunächst soll Fritz dabei helfen, Batman ausschalten. Batman und Robin vollführen gerade akrobatische Kunsstückchen für die Kamera, als die Nazis mit einem Maschinengewehr vorbeifahren. Kein Problem für das Dynamische Duo. Auch als später Fritz versucht, einen Kameramann zu töten, eilen sie zur rechten Zeit zur Hilfe.

Batman und Robin machen den Swastika-Leuchter zur Waffe gegen Nazis. (DC Comics)

Beim dritten Mal werden Batman und Robin jedoch von den Nazis überwältigt (das geht erstaulich einfach) und in einem brennenden Auto auf Treibstofftanks losgelassen. Man kann sich denken, was gerade noch in letzter Sekunde passiert. Und da sich die Nazis auch nicht mehr die Mühe machen, nachzusehen, können die beiden Helden den Schurken in ihr Geheimversteck folgen und sie spielerisch überwältigen – indem sie sich am Hakenkreuz-Leuchter durch den Raum schwingen, Teile davon als Wurfgeschoss benutzen und das Ding schließlich auf die Bösen fallen lassen. Symbolträchtiger geht’s wohl kaum: Die Nazis werden sozusagen mit ihrer eigenen Waffe geschlagen.

Super Sache: Batman und Robin decken dabei auch andere Nazi-Verstecke auf.

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In der Ego-Schleife

DC Comics

Titel: I Am Bane (Batman Vol. 3)

Autor/Zeichner: Tom King/David Finch (u.a.)

Erschienen: 2016-2017 (Batman #16-20, 23-24, Batman Annual #1), Paperback 2017


„I’m Batman because I’m Batman.“

Nachdem Batman bei Bane eingefallen ist und ihm den Rücken gebrochen hat (siehe I Am Suicide), kommt jetzt die erwartete Retourkutsche. Und die läuft wie folgt:

Tag eins: Bane erhängt drei Robins.
Tag zwei: Bane nimmt Catwoman, James Gordon, Duke Thomas und Tyger als Geiseln.
Tag drei: Batman lässt sich von Bane verprügeln. (Schon wieder.)
Tag vier: Um sich den Psycho Pirate zurückzuholen, prügelt Bane sich durchs Arkham Asylum.
Tag fünf: Batman lässt sich von Bane verprügeln (schon wieder), gewinnt aber, durch einen Nasenbruch.

Superheldencomics haben selten eine ausgefeilte Story, aber das ist einfach nur eine primitive Dauerschlägerei. Autor Tom King versucht das zu kaschieren, indem er die beiden Hauptfiguren in Rückblenden gegenüberstellt (die beiden sind ja so ähnlich!) und darüber hinaus viel schwadronieren lässt. Dabei übertreibt er mit dem Stilmittel der Wiederholung, vor allem mit den „I am“-Konstruktionen. Nicht nur, dass mehrmals „I am Bane“ fallen muss, damit es auch der Letzte kapiert, wie bedeutungsschwer dieser Satz sein soll, natürlich muss auch der Held am Ende entgegnen: „I am Batman.“ Herrje! Das wäre cool, wenn es nicht so aufgeblasen nichtssagend wäre.

Und dann das Arkham-Kapitel. Einen ganzen Tag lang, exakt 24 Stunden, vermöbelt Bane so ziemlich jeden Insassen (bis auf den Riddler, der einfach mal so nebenbei in zwanzig Sekunden ein Schloss von Mister Miracle knackt, na klar). Tom King referiert damit (auch explizit) auf Grant Morrisons und Dave McKeans Arkham Asylum, allerdings ist es dort ein Wortgefecht, in dem sich Batman mit sich selbst auseinandersetzen muss, bei Bane ist es bloß eine hohle Gewaltorgie.

Man muss sich fragen, warum auch die schmächtigsten Schurken sich Bane in den Weg stellen. Der Grund ist klar: Damit sie auch mal im Bild sind. Seit einigen Jahren, wenn nicht Jahrzehnten, gibt es diese Mode bei Batman, dass man den Fan-Service in den Mittelpunkt stellt. Es geht nicht mehr um eine gute Geschichte, es geht darum, den Lesern möglichst viele bekannte Gesichter vorzuführen, eine Reihe der üblichen Verdächtigen aus der Rogues Gallery. Begonnen hat dieser Trend mit Jeph Loebs The Long Halloween und Dark Victory, ging dann nach ähnlichem Prinzip weiter mit Hush, wurde aber in jüngster Zeit von David Finch in The Dark Knight (Knight Terrors) ad absurdum geführt.

Superheldencomics werden damit zu einer Endlosschleife, in der die 80 Jahrzehnte Tradition totzitiert werden. Tom King-Vorgänger Scott Snyder hat das auch schon gemacht, am deutlichsten in Death of the Family, in dem die ganze Joker-Comicgeschichte recycelt wurde. Bei Tom King kommt aber noch hinzu, dass er nicht nur andere Werke (Year One, Vengeance of Bane, Arkham Asylum) zitiert, sondern auch noch sich selbst – und das auch noch in Rückblenden. Damit wird der Abschluss seiner ersten Batman-Trilogie zu einer reinen Ego-Parade.

Und dann gibt es noch Kapitel sechs: Bruce Wayne macht Selina Kyle einen Heiratsantrag. Vorher reflektiert er noch mit der (inzwischen wieder geheilten) Gotham Girl über das Heldentum und Ängste. Schließlich kommt er zu dem Entschluss, dass er sich seiner Furcht stellen muss. Also bietet er Selina einen Verlobungsring an. Das ist immerhin schön inszeniert und emotional. Was draus wird? Mal sehen.

Als Zugabe gibt es am Ende noch zwei Kurzgeschichten: Einen Mordfall, den Batman mit Swamp Thing löst, sowie „Good Boy“, die neue Geschichte des Bat-Hundes Ace. Dafür hat Tom King den Eisner-Award bekommen. Hunde kommen halt immer gut an. Auch wenn man auch hier nicht das Gefühl hat, etwas Neues und unbedingt Lesenswertes geboten bekommen zu haben …

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Todbringendes Eis

DC Comics

Titel: Frozen Assets

Autor/Zeichner: Doug Moench/Kelley Jones

Erschienen: 1995 (Batman #525), Paperback 2017 (Batman Arkham: Mister Freeze)


Mal wieder die Sache mit dem ewigen Leben dank Eis. Mal wieder der Helm. Mal wieder ein Kühlschrank. Mal wieder Poesie.

Mister Freeze verspricht drei alten Menschen, ihr Leben einfrieren zu können, bis die Wissenschaft den Tod besiegt hat. Doch seine Motive sind nicht edel: In Wahrheit schert er sich nicht um ihr Wohlergehen, sondern will nur an ihr Geld. Die drei kennen Freeze’s kriminelle Vergangenheit und trauen ihm nicht. Daraufhin besucht er einen nach dem anderen von ihnen mit der Frostkanone. Als ob es nicht schon reichen würde, dass er Eisberge als Spuren hinterlässt, hat sich Freeze jetzt auch Visitenkarten zugelegt, auf denen „0°“ (null Grad) steht – soll wohl besonders cool sein.

Batman und Robin kommen dem Mörder auf die Spur (wie schnell das immer gehen kann, wenn Schurken so dick auftragen), Batman zerschlägt im Kampf wieder Freezes Helm und setzt ihn in einen Kühlschrank. Ist ihm nicht kalt genug. Aber ein Verlierer muss nehmen was kommt. Dem Schurken ist einfach nicht zu helfen, wenn er nicht aus seinen Fehlern lernt und endlich in bruchsicheres Glas investiert.

(Autor Doug Moench bringt wieder seine Vorliebe fürs Dichten ein, indem er die zwei Handlanger, die Ice und Cube heißen, miteinander reimen lässt. Soll wohl ein Comic Relief sein, nervt aber unglaublich.)

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Eiskalte Rache

DC Comics

Titel: The Glacier Under Gotham

Autor/Zeichner: Doug Moench/Don Newton

Erschienen: 1984 (Batman #375), Paperback 2017 (Batman Arkham: Mister Freeze)


Mister Freeze ist frustriert. Seine Verbrecherkarriere war bisher ziemlich erfolglos. Im Grunde ist er – trotz des Namenswechsels – immer der gleiche Mister Zero geblieben, eine Null. Da halfen auch weder Branchen- noch Stilwechsel. Jetzt will er nur noch Rache. Und die serviert man bekanntlich – Achtung Kalauer! – am besten eiskalt. Gotham City soll eingefroren werden. Weil ihm die Fantasie offenbar nicht genug ist, engagiert er erstmal einen Zeichner, der das Vorhaben erstmal auf Papier inszenieren soll, bevor es in die Tat umgesetzt wird. Da Mister Freeze zwar eine große Eiskanone gebaut hat, die aber immer noch nicht groß genug ist für sein Projekt, nutzt er die Waffe zunächst einmal für einen spektakulären Bankraub. Batman und Robin (Jason Todd) kommen vorbei, folgen der Eisspur und verhindern Schlimmeres, retten zwei Jungfern in Nöten und Batman bekommt einen Kuss als Belohnung.

Eigentlich ziemlich unspektakulär. Freeze legt eine ziemlich erbärmliche Performance hin. Damit man das gleiche nicht über Autor Doug Moench sagen kann, hat er sich die Mühe gemacht, das kurze Abenteuer mit einem Gedicht auszuschmücken, in das die banale Handlung gebettet ist. Das Profane im Kleid des Poetischen – das ist etwas albern und rettet diesen Charakter nicht vor der Unglückseligkeit.

(Das Cover, das Robin im Eis zeigt, hat nichts direkt mit der Geschichte zu tun, deutet aber an, dass Bruce Wayne das Sorgerecht für Jason Todd verlieren wird, aber das ist eine andere Geschichte.)

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Batman wird zum Eis-Zombie

DC Comics

Titel: There’ll Be a Cold Time in the Old Town Tonight!

Autor/Zeichner: Len Wein/John Calnan

Erschienen: 1979 (Batman #308), Paperback 2017 (Batman Arkham: Mister Freeze)


Nachdem seine Ansätze als Bankräuber und Kunstdieb gescheitert sind, hat Mister Freeze bei seinem dritten Versuch eine neue Mission: Ewige Jugend durch Frost. Er verspricht sie reichen Leuten, die lassen sich naiverweise von ihm einfrieren, aber weil ihre Hirne dabei Schaden erleiden, werden sie zu Eiszombies, die ihm willenlos dienen. Doch das ist nur Mittel zum Zweck: denn Freeze hat sein kaltes Herz für eine junge, schöne Frau erwärmt: Hildy. (Die steht aber gar nicht auf ihn, sondern benutzt ihn nur.)

Batman kommt dem Schurken auf die Spur und es kommt, wie es auch die Male davor gekommen ist: Er wird auf Eis gelegt. Batman wird also selbst zum Eiszombie! Wer jetzt enttäuscht ist, wie schlecht Batman – im Vergleich zu früher – vorbereitet ist, der irrt. Denn statt Streusand und einer integrierten Heizung hat er Make-up dabei, um sich weiß anzumalen, damit er wie ein Eiszombie aussieht und so Freeze täuschen kann. Fragt sich nur, wann und wie er das schafft – ganz zu schweigen davon, woher er von den Eiszombies weiß. Naja, im Zweifel gilt: weil er halt Batman ist …

Am Ende ist die Lösung ganz einfach: Ein Schlag gegen Freeze’s Helm, den er immer noch trägt, obwohl er schon beim ersten Auftritt als geheilt galt. Der ist nämlich nicht aus Panzerglas, wie seine Eiskammern. Egal: Schicker Anzug übrigens, der nicht nur besser den eiszapfenförmigen Körper betont, sondern in weiß-blau mehr der Eis-Ästhetik enspricht. Aber hilft alles nix, wenn man am falschen Ende spart …

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Mister Freeze fängt bei Null an

DC Comics

Titel: The Ice Crimes of Mr. Zero

Autor/Zeichner: Dave Wood/Sheldon Moldoff

Erschienen: 1959 (Batman #121), Paperback 2017 (Batman Arkham: Mister Freeze)


„Got to keep rocking! … It’s … our only chance …“ (Batman)

Bevor Mister Freeze der gefühlskalte Griesgram und kriminelle Dauermelancholiker war, den wir aus The Animated Series kennen und lieben, hat er als lächelnder Mr. Zero angefangen. Zunächst ist er bloß ein Wissenschaftler, der bei der Entwicklung einer Eiskanone mit einem Gas kontaminiert wurde, sodass er nur noch Temperaturen unter Null erträgt. Seitdem muss er einen seinen Anzug tragen, der zwar noch grün-rot ist, aber schon den charakteristischen Glashelm hat. Allerdings erklärt der tragische Unfall nicht seine Vorliebe fürs Verbrechen.

Mr. Zero zieht nämlich getarnt im Eiswagen umher, um Raubüberfälle zu begehen. Batman und Robin kommen ihm sofort auf die Spur, weil kurz nach dem Raub nicht die Polizei kommt, sondern zunächst das Batsignal leuchtet und das Dynamische Duo wie durch ein Wunder sofort am Tatort ist. Naja, egal: die beiden erleben jedenfalls ihr kaltes Wunder, als ihre Verfolgungsjagd von einem Eisstrahl unterbrochen wird.

Beim zweiten Mal werden sie von Zero in Eisklötzen gefangen genommen. Batman befreit sich und Robin, indem er von innen heraus den Klotz bewegt. Mr. Zero muss beim Vereisen zu viel Bewegungsraum gelassen haben. Die Blöcke brechen, dann gibt’s nach althergebrachter Art für den Schurken was aufs Maul. Aber statt Schmerzen spürt er große Freude: Dank der Dämpfe, das Batman aus Leitungen gelassen hat, ist Mr. Zero von seiner Kältesucht geheilt. Eine einfache Dampfkur hätte also alle Verbrechen verhindern können. Batmans Kommentar: „That steam treatment must have changed you back to normal! Now we’ll see if the law can straighten out your distorted mind!“ Wie wir wissen, wird das nicht so gut klappen. Aber immerhin wird erstmal für die nächsten neun Jahre Ruhe sein – bis Mr. Zero als Mr. Freeze zurückkehrt.

Und nun zum Abschluss ein wenig Musik, passend zum Thema Rocken bei Kälte:

>> Liste der Mister Freeze-Comics

Der Preis des Zweifels

DC Comics

Titel: Face the Face

Autor/Zeichner: James Robinson/Don Kramer, Andy Clarke u.a.

Erschienen: 2006 (Detective Comics #817-820, Batman #651-654), Paperback 2006, Deluxe Edition 2017


„Better than sex. Better than heroin.“ (Harvey Dent)

Vor einiger Zeit fragte mich ein Leser dieses Blogs, der sich über meine Kritiken ärgerte, warum ich überhaupt noch Batman-Comics lese, wenn ich so viel daran auszusetzen hätte. Die Antwort ist einfach: Ich liebe Comics, ich liebe die Figur und daher interessieren mich auch die Geschichten. Leider können bei der Masse davon aber nur die wenigsten richtig gut sein. Was aber macht eine gute Batman-Story aus?

Wie bei vielen Lesern setze ich den Maßstab bei den prägendsten Comics an: The Dark Knight Returns und Year One, bei The Long Halloween und Dark Victory. Die besten Geschichten sind nicht nur spannend oder überraschend, sie werden auch dem Charakter und dem Medium Comic gerecht. So eine Geschichte ist Face the Face.

James Robinson (Autor des Juwels Blades) beschränkt sich auf ein Thema: Nach einem Jahr Abwesenheit (nachzulesen im Event 52, das auf Infinity Crisis folgt) sind Batman und Robin (Tim Drake) wieder zurück in Gotham. In der Zwischenzeit hat Harvey Dent, der chirurgisch und psychologisch von Two-Face befreit wurde, auf die Stadt aufgepasst. Doch kaum ist Batman wieder da, tötet ein Unbekannter Superschurken – und alles spricht dafür, dass Dent wieder zu alten Gewohnheiten zurückkehrt.

Obwohl wir einen Gang durch die Rogues Gallery bekommen (Poison Ivy, Scarecrow, Scarface, Killer Croc), bleiben diese Figuren nebensächlich und die Geschichte verliert nie ihren Fokus: das Verhältnis zwischen Batman und Dent. Wir sehen, wie mit jedem neuen Mord und Indiz der Zweifel an der Rechtschaffenheit des Geläuterten wächst – und man wünscht sich, dass Dent doch noch die Kurve kriegt, auch wenn man ahnt, dass der Wandel zum Guten nicht von Dauer sein kann. Der Zweifel sät aber Misstrauen und daraus erwächst das Böse. Der eigentliche Höhepunkt ist Dents Kampf gegen den eigenen Dämon, den er in jedem Spiegel sieht. (Die Rehabilitation von Two-Face ist übrigens eine sehr alte Idee, die schon 1943 in The End of Two-Face durchgespielt wurde, 1996 erneut in Batman Black and White.)

Robinson gibt den Charakteren und der Handlung genug Raum, sich zu entfalten, jedoch ohne Seiten zu schinden. Ihm ist es wert, auch mal die Panels für sich sprechen zu lassen. Auch wenn in einer Sequenz mal nichts passiert. Oder so gut wie. Da wird zum Beispiel eine Seite für eine Sequenz aufgewendet, um zu zeigen, wie Tim Drake einen Bleistift zerbricht – und es wird klar, wie sehr er um seinen toten Vater trauert (siehe Identity Crisis). Ohne Worte wird hier die Tragik der Figur deutlich, was die spätere Adoption durch Bruce Wayne emotional vorbereitet. Auch der Polizei wird die nötige Aufmerksamkeit zuteil: Der wieder als Commissioner eingesetzte James Gordon kann aus Sorge um seine Stadt nicht schlafen, Harvey Bullock bekommt eine zweite Chance, nachdem er der Korruption überführt wurde.

Trotz verschiedener Zeichner wirkt das Werk auch visuell wie aus einem Guss. Es geht nicht allein um ausdrucksstarke Panels mit dynamischen Figuren und überwältigende Bildarrangements, sondern vor allem um eine düstere Grundstimmung, wie man sie von Gotham erwartet. Auch wenn es an Action nicht mangelt: Was Batman ausmacht, wird hier im Stillen zelebriert.

Seit Jahren war Face the Face vergriffen – und es war eine Schande, dass DC es nicht neu aufgelegt hat. Das wurde jetzt mit einer Hardcover-Deluxe Edition nachgeholt. Es war längst überfällig. Denn diese Story gehört zu den besten Batman-Comics der 2000er Jahre. Deswegen liest man überhaupt Batman.

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Hals- und Kreuzbruch

DC Comics

Titel: I Am Suicide (dt. Selbstmord-Trip)

Autor/Zeichner: Tom King/Mikel Janin, Mitch Gerads

Erschienen: 2017 (Batman #9-15), Paperback 2017 (Batman Vol. 2); dt. Panini 2018 (Paperback)


„Now, we break his damn back.“ (Batman)

Um Gotham Girl von ihrem Angst-Trauma zu heilen, will Batman den Psycho Pirate herbeischaffen. Doch der Schurke steht gerade Bane auf Santa Prisca zu Diensten. Statt seine Kumpels anzurufen, trommelt Batman eine Bande von Arkham-Insassen zusammen, eine eigene Suicide Squad, bestehend aus Catwoman, dem Bauchredner und drei anderen Nasen, von denen man noch nie gehört hat.

Bane hat es dank Psycho Pirate geschafft, von der Droge Venom runterzukommen. Er fühlt sich so frei, dass er auch ohne Wrestlermaske und Kleidung auskommt, also Batman nackt begrüßt. Batman führt einen komplizierten Plan mit einem Doppelbluff aus, bei dem er hals- und kreuzbrecherisch von einer Situation in die nächste stolpert und sich dabei gegen hunderte von Schergen prügelt, während er gebetsmühlenartig seine Drohung wiederholt, Banes Rücken zu brechen. Doch zunächst darf ihm Bane einmal mit dem Knie ins Kreuz fallen, weil das nun mal sein muss, wenn Batman gegen Bane antritt, aber das ist nur halb so wild und lässt sich nebenbei schnell wieder einrenken.

Viele Doppelseiten ließen das Ganze nach Seitenschinderei aussehen, wenn sie nicht von Mikel Janin stammten. Der Zeichner, der bereits das Batman Rebirth Special gezeichnet hat, behauptet sich hier wieder mal als wahrer Künstler. Seine Figuren sind voller Leben und Ausdruckskraft, seine aufwendig komponierten Seiten strotzen vor Dynamik.

Worum es in I Am Suicide aber eigentlich geht, ist die Beziehung zwischen Catwoman und Batman. Zwei Kapitel lang erstreckt sich ein Briefwechsel zwischen den beiden, bei dem auch erklärt wird, warum Selina Kyle zu Unrecht des Massenmords beschuldigt wird, am Ende bekommen sie ein bisschen Zeit für Liebesspiele auf dem Dach, bevor Catwoman wieder in den Knast zurück muss. Das ist schön erzählt und eröffnet einen weiteren Handlungsbogen.

Wie schon I Am Gotham macht die Fortsetzung kurzweilig Spaß, bietet mächtig Action und sogar Humor, aber ein abschließendes Urteil hängt davon ab, wie es in Teil 3, I Am Bane, zu Ende geht.

>> Batman 2011-2019