Monat: Oktober 2019

Vom Ikonoklasten zum Künstler

Death of a Mauve Bat

Jokers Meisterwerk: „Death of a Mauve Bat“.

Titel: Pop Goes the Joker/Flop Goes the Joker (Meister Joker)

Drehbuch: Stanford Sherman

Erschienen: 1967 (Batman S02E57-58)


Nein, Jack Nicholsons Joker war nicht der erste, der sich als Künstler betätigt hat, indem er andere Kunstwerke zerstörte. Lange vor ihm hat es Cesar Romero vorgemacht. Bereits in seiner ersten Episode hat er eine Büste und sogar eine Statue von sich angefertigt (The Joker is Wild). Jetzt aber betätigt er sich zunächst als Kunstkritiker. Oder vielmehr als Kritikaster. Empört stürmt er eine Ausstellung und zieht erst mit wüsten Beschimpfungen über die Werke her, dann mit zwei Farbpistolen.

Ikonoklasmus bei Batman

Clown-Ikonoklasmus: Joker beschmiert Kunstwerke.

Weil gerade zufällig Alfred in der Nähe ist, treffen bald darauf auch Batman und Robin ein. Doch zu ihrer Überraschung müssen sie feststellen, dass der Ikonoklasmus des Jokers das Wohlwollen eines Künstlers findet: Er sieht erst jetzt seine Werke zur wahren Kunst aufgewertet. Wider Willen hat der Joker einen großen Wurf gelandet – also schlägt er eine neue Karriere ein. Batman bekommt einen roten Fleck auf die Brust geschmiert, inklusive Signatur. Leider kann sich Alfred nicht um die Wäsche kümmern, weil er gerade die Batpoles neu streicht.

Signed, the Joker.

Bei einem Malwettbewerb treten die größten Künstler der Welt gegeneinander an, um innerhalb von drei Minuten ein Meisterwerk zu pinseln. Ihre Namen erinnern an Picasso, Pollock, Leonardo und Van Gogh, ihre Werke zaubern sie mit Füßen und Affen, die Farbbomben werfen. Nur der Joker malt gar nichts. Die leere Leinwand nennt er „Death of a Mauve Bat“. Das einzige weibliche Jurymitglied, Baby Jane, sieht darin ein Symbol für die Leere des modernen Lebens und ruft den Joker zum Sieger aus.

Joker gibt Bruce Wayne Kunstunterricht.

Joker gibt Bruce Wayne Kunstunterricht.

Der Joker gründet seine eigene Kunstschule, in der er Millionären Unterricht gibt. Baby Jane darf mitmachen, aber auch Bruce Wayne. Natürlich wird da nur herumgestümpert. Der Joker geht hart mit Bruces Werk ins Gericht und erteilt ihm Nachhilfe in Wichtigtuerei. Dann offenbart der Schurke sein wahres Gesicht. Obwohl er einen leichten und legalen Weg gefunden hat, wie man Bonzen um ihr Geld erleichtern kann, kidnappt er alle TeilnerInnen und verlangt Reinaissance-Kunst als Lösegeld. Steckt doch ein Liebhaber und Kenner hinter der Clowns-Maske?

Jokers Mobile des Todes.

Jokers Mobile des Todes.

Robin kommt Bruce zur Hilfe, wird aber gefangen genommen und auf ein tödliches Mobile geschnallt. Hier stellt sich die Frage: Hatte der Joker das Ding bereits vorbereitet, für den Fall, dass Robin kommt, oder hat er es erst danach schnell zusammengezimmert? Wie auch immer, es ist ein immenser Aufwand, dafür, dass er nicht einmal zusehen will, wie Robin zum Hamburger verarbeitet wird.

Joker mit Muse Baby Jane.

Künstler kommen bei Frauen stets gut an: Joker mit Muse Baby Jane.

Aber halten wir uns nicht mit Dingen auf, die wir einfach gestrickten Köpfe nicht verstehen. Der Joker kommt auch mit seiner Entführung davon, weil seine Muse, völlig verblendet vom Charisma ihres Lieblingskünstlers, keine Anklage erhebt. Trotzdem versucht er noch einmal den illegalen Weg, indem er die Kunstwerke aus dem Museum gegen seine eigenen Farbschmierereien eintauscht.

Alfred beim Fechten mit dem Joker.

Alfred beim Fechten mit dem Joker.

Doch da ist ihm Batman zuvorgekommen: Er hat Alfred schnell ein paar Bilder pinseln lassen und die gegen die echte Kunst ausgetauscht. Als der Joker in Wayne Manor einfällt, kann Alfred ihn mit Leichtigkeit beim Fechten besiegen und sogar davon abhalten, die Bathöhle zu finden. Am Ende landen die kindischen Werke des Butlers sogar in der Galerie. Da soll mal einer den Kunstbetrieb verstehen – der ist sogar noch verrückter als der Joker selbst.

Alfred schenkt Chief O'Hara ein Gemälde.

Alfred schenkt Chief O’Hara ein Gemälde.

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Joker reitet ein Riesenhuhn

Titel: The Joker’s Last Laugh

Autor/Zeichner: John Broome/Sheldon Moldoff

Erschienen: 1964 (Detective Comics #332), Paperback 2008 (Joker: The Greatest Stories Ever Told)


Vor einem Rubingeschäft fährt ein Auto mit Lautstprechern vor: „Why does a chicken cross the road?“, tönt es daraus. „To get to the other side.“ Der Witz ist ein alter Hut. Und trotzdem brechen alle Passanten, die ihn hören, in schallendes Gelächter aus. Dann springt der Joker aus dem Auto aus, das plötzlich zu einem Lieferwagen gewachsen zu sein scheint, er reitet ein Riesenhuhn, schnappt sich die Rubine und haut wieder ab.

The Joker's Last Laugh

Joker reitet das Riesenhuhn.

Als nächstes verkleidet er sich als Feuerwehrmann, um Gemälde aus einer Kunstgallerie zu stehlen, diesmal bringt er auch Batman und Robin mit einem faden Gag zum Lachen. Die beiden finden später heraus, dass der Joker mit einem bestimmten Staub die Leute erheitert hat. Batman und Robin nehmen ein Gegenmittel ein, aber dann überrascht der Joker sie mit einem Heulmittel.

The Joker's Last Laugh

Batman und Robin lachen über Jokers schlechten Witz.

Das Dynamische Duo folgt dem Clown, sie schnappen ihn vor einer Polizeiwache, aber kaum ist er eingebuchtet, dreht sich plötzlich die Zellentür und Batman und Robin sitzen in der Falle. Ihre einzige Chance ist der Schlüssel, den nur der Joker bei sich hat. Wenn sie einen anderen Weg versuchen, fliegt alles in die Luft.

Aber wie gut, dass Batman so ein gutes Gedächtnis hat: Er hat sich gemerkt, wie der Schlüssel des Jokers aussieht und schnitzt sich aus einem Stuhlbein ein Duplikat – schon sind die beiden wieder frei. Als der Schurke versucht, einen wertvollen Globus bei einer Fernsehübertragung zu rauben, kommen sie ihm zuvor. Zurück im Knast lachen die Insassen dann über ihn.

„This proves one thing about the Joker, Batman!“, sagt Robin. „He has no sense of humor when the joke is on him.“ Tatsächlich ist die Vorstellung, die er hier abgibt, ein Armutszeugnis. Hier zeigt sich, dass der Joker alles andere als witzig ist.

Warum kann er keine besseren Witze erzählen? Und wie wurde aus dem Auto ein Lieferwagen? Und woher hatte der Joker das Riesenhuhn? War es eine Superrasse oder ein Roboter? Das alles wird für immer ein Rätsel bleiben.

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Honest Trailer zu Batman: The Movie (1966)

Kurz vor dem Kinostart des Joker-Films rekapitulieren die Screen Junkies noch einmal den ersten Leinwandauftritt des Schurken in Batman: The Movie von 1966, der bei uns unter dem klangvollen Titel Batman hält die Welt in Atem bekannt ist.

Es ist kein Geheimnis, dass Cesar Romero der erste Darsteller eines DC-Charakters war, der versuchte, einen Schnurrbart zu kaschieren. Auch Batmans Wampe ist deutlich zu erkennen. Aber der Honest Trailer offenbart diesen allseits gutbekannten und viel zitierten Film von einigen neuen Seiten, die ihn noch merkwürdiger erscheinen lassen, als er ohnehin schon ist.

Zum Beispiel wie aggressiv Bruce Wayne reagiert, als man scheinbar seine Freundin entführt. Geradezu blutrünstig droht er mit Mord. Und Robin äußert sich sehr bedenklich, als er den Tod dem Trinken vorzieht und und sich als Befürworter der Eugenik outet. Überhaupt kann Robin mit seinem ständigen „Holy …“ auf die Nerven gehen.

Oder könnte – wenn das alles denn ernst gemeint wäre. Aber an diesem Video zeigt sich, wie schwer es ist, sich über klamaukige Komödie lustig zu machen. Einem Witz kann man eben nur wenig hinzufügen.

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Der Sohn des Jokers

The Son of the Joker

DC Comics

Titel: The Son of the Joker

Autor/Zeichner: Bill Finger/Sheldon Moldoff

Erschienen: 1962 (Batman #145), Paperback 2019 (The Joker: His Greatest Jokes)


Was macht Alfred eigentlich in seiner Freizeit? Er schreibt Geschichten. Am liebsten denkt er sich Zukunftsszenarien für Batman und Robin aus. Eine davon ist, dass Bruce Wayne Kathy Kane (Batwoman) heiratet und mit ihr einen Sohn hat. Der wird zum neuen Robin, neben Dick Grayson als neuem Batman II.

In der neuen Geschichte fragt sich Alfred: Was wäre, wenn auch der Joker einen Sohn hätte? Das neue Dynamische Duo trifft auf ihn, als sie zum Wasserski zu wohltätigen Zwecken wollen. Da schnappt sich ein durchtrainierter junger Mann mit Joker-Gesicht das Preisgeld. Batman verfolgt ihn, knockt ihn aus, der Joker-Epigone fällt ins Wasser – und taucht ab.

Papa Bruce geht der Sache nach: Er sucht seinen ehemaligen Erzrivalen auf, der mit ergrautem Haar seinen Lebensabend mit Gärtnern verbringt – seine Zeit im Knast hat er abgesessen und scheint jetzt ein umgänglicher alter Kauz geworden zu sein. Der Joker bestreitet, einen Sohn zu haben.

Bald darauf verkleidet sich der vermeintliche Joker-Sohn als römischer Legionär, um auf dem Filmset eines Historienschinkens eine unbezahlbare Halskette abzugreifen. Er liefert sich ein Wagenrennen mit Batman und Robin, aber wieder entkommt der Gauner. Sie folgen ihm zum Haus des Jokers, wo sie herausfinden, dass die beiden doch unter einer Decke stecken – wenn auch ohne miteinander verwandt zu sein.

Als der alte Bruce von dem Vorfall mit der Kutsche liest, erinnert er sich an einen alten Fall mit dem Joker und bricht auf, um Dick und seinem Sohn aus der Klemme zu helfen. Und tatsächlich: Die beiden sind bereits Gefangene der beiden Joker. Als der alte Schurke Batman II seine Maske abnehmen will, kommt Batman I hereingeplatzt und kann das Schlimmste verhindern. (Leider kann Batwoman nicht mitkommen, weil sie krank im Bett liegt, aber die Männer kommen auch allein gut klar.)

Dabei wird klar: Der „Sohn des Jokers“ trägt noch nicht mal Make-up, sondern bloß eine plumpe Maske. Und am Ende sagt auch der Joker, dass dieser Epigone seines Namens nicht würdig sei. Aber auch das neue Dynamische Duo bringt es immer noch nicht ohne die Hilfe des Originals …

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Der erste Trailer zu „Birds of Prey: The Emancipation of Harley Quinn“

Acht Monate ist es her, seit der erste Teaser zum Film Birds of Prey herausgekommen ist, gerade mal 20 Sekunden, die mehr nach einem Werbespot für Klamotten aussahen als für einen Spielfilm. Jetzt hat Warner endlich einen anständigen Trailer herausgebracht. Aber hat sich der Eindruck verändert? Kein bisschen. Das Ganze wirkt wie eine knallbunte, überdrehte Harley-Quinn-Show, bei der die anderen Teammitglieder wie Huntress, Black Canary und Renée Montoya nur blasse Sidekicks sind. Wir haben uns wohl auf eine Art „Pyjamaparty“ einzustellen, um es mit Quinns Worten zu sagen.

Ewan McGregor scheint als Schurke Black Mask auch nur auf Spaß und Harley Quinn selbst aus zu sein. Es wirkt nicht so, als ob wir einen ernstzunehmenden Gegner bekämen, der sich an den Comics orientiert. Natürlich kann man von einem Trailer nur schwer über einen Film urteilen. Aber es ist schon seltsam: Ein echtes Highlight, einen wirklich zündenden Gag zeigen diese ersten zwei Minuten nicht.

„Birds of Prey: And the Fantabulous Emancipation of One Harley Quinn“ wird auf Deutsch einfach nur den Untertitel „The Emancipation of Harley Quinn“ tragen und erscheint am 6. Februar 2020 im Kino.

Joker wird zum Dienstleister

batman #37 1946

DC Comics

Titel: The Joker Follows Suit

Autor/Zeichner: unbekannt/Jerry Robinson

Erschienen: 1946 (Batman #37), Paperback 2004 (Batman in the Forties)


Plötzlich erscheint ein Licht am Himmel über Gotham – doch statt einer Fledermaus ist das Gesicht des Jokers zu sehen. Was steckt dahinter? Der Joker hat ein Serviceunternehmen für Gauner gegründet und dafür Batmans Masche adaptiert: mit dem Jokersignal können Gauner um Hilfe rufen, wenn sie in der Klemme stecken und der Joker kommt dann mit dem Jokermobile oder dem Jokergyro vorbei, um ihnen zu helfen.

Als Batman und Robin einmal den Ganoven per Batplane folgen, hat der Joker einen fiesen Trick auf Lager: Er wirft Pakete ab, die sich um die Tragflächen schlingen und Fallschirme aufspannen, um das Flugzeug zu bremsen.

Später folgt das Dynamische Duo dem Joker in sein Geheimversteck. Er überwältigt sie mit einem starken Wasserstrahl, sperrt sie in einen Käfig und haut mit dem Batmobil ab. Batman und Robin befreien sich auf ziemlich geschickte Weise und folgen dem Schurken im Jokermobil.

Im Finale kommt es zur Verfolgungsjagd. Der Joker versucht, auf einer Straßenbahn abzuhauen, aber Batman kann seine eigene Waffe gegen ihn verwenden. Der Joker fällt zu Boden – und macht sich zum Clown. Batman und Robin lachen ihn aus. Am Ende leuchtet das Joker-Signal durch Oberleitungen und das Bild wirkt, als säße der Joker bereits hinter Gittern.

Eine wirklich fantasievolle Geschichte, herausragend inszeniert vom Joker-(Mit-)Erfinder Jerry Robinson, nur wissen wir nicht, wer sie geschrieben hat. Leider ist diese Story bisher in keiner Joker-Anthologie erschienen.

Später wird der Joker noch einmal versuchen, Batman nachzuahmen: zuerst seine Kostüme, dann seinen Gürtel.

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