Supergirl

Weltbeste Unterhaltung

Batman v Superman, Teil 25: The Superman-Batman-Split (1968)

Titel: The Superman-Batman Split!/No Rest For Heroes

Autor/Zeichner: Cary Bates/Neal Adams; David Anthony Kraft/David Mazzucchelli

Erschienen: 1968/1984 (World’s Finest #176/302)


„I’ve only a few minutes to live … I’ll tell you the whole story!“ (Ronald Jason)

Nach dem Trauma, den der Film Batman v Superman hinterlassen hat, empfiehlt sich der Eskapismus in die Comicgeschichte. Deshalb geht es mit unserer Serie über die Duelle von Batman und Superman weiter. Diese Geschichte „The Superman-Batman Split!“ war offenbar so beliebt, dass DC sie gleich zweimal in der Serie World’s Finest abdruckte – beim zweiten Mal sogar mit einem etwas cooleren Cover, auf dem Batman mit Kryptonithandschuhen Superman eine reinhaut.

Am besten lässt sich die Story so nacherzählen: Kommen zwei grüne Aliens auf die Erde. Eines behauptet gegenüber Superman, Asyl vor einem Attentäter zu suchen, das andere erzählt Batman, es sei auf der Suche nach einem Verbrecher von seinem Planeten. Ohne tiefere Fragen zu stellen oder die Behauptungen zu überprüfen, glauben die World’s Finest einfach ihren jeweiligen Aliens und helfen ihnen. Ja, mehr noch: Die Helden sind so sehr überzeugt, dass sie gegeneinander kämpfen und dafür sogar Batgirl und Supergirl in die Sache mitreinziehen – die übrigens ebenso naiv sind. (Sehr kreativ: Superman verkleidet sich dazu als Statue von General Grant, um Batgirls Aufmerksamkeit zu bekommen.) So tritt das Team Batman und Supergirl gegen Superman und Batgirl gegeneinander an. Batman legt seine Kryptonithandschuhe an, Superman beendet den kurzen Kampf, indem er Batman mit seinem (Supermans) Umhang fesselt. Der Slapstick hätte auch gut in die Batman-TV-Serie der 60er gepasst.

Schauspieler, Alien, Schauspieler

Aber das ist noch nicht alles. Die ganze Sache beginnt damit, dass Clark Kent einen alten Schauspieler, Ronald Jason, interviewt. Obwohl Clark ein bekennender und langjähriger Fan ist, gibt er sich sehr überrascht, wie vielseitig der Schauspieler ist. Doch da entlarvt Jason zunächst den Reporter als Superman, indem er dessen Anzug wegäzt, und offenbart sich als asylsuchendes Alien. Klingt das weit hergeholt? Es kommt noch besser. Am Ende stellt sich heraus: Es gibt gar keine Aliens. Ronald Jason hat gelogen und ein doppeltes Spiel gespielt. Weil er nur noch kurze Zeit zu leben hat, wollte er noch einmal einen großen Auftritt vor dem weltbesten Publikum haben.

Superman und Batman behaupten hinterher, vielleicht nur um ihre Ehre zu retten, alles von Anfang an gewusst zu haben. Superman durchschaute die Charade und weihte Batman ein – damit Jason glücklich sterben konnte. So kommt es dann auch. Und zum Dank verschwendet der Schauspieler am Ende seine letzten Atemzüge, um die ganze Geschichte zu erzählen, obwohl die Helden sie bereits kennen. Was muss das Silver Age für eine unbeschwerte Zeit gewesen sein, als die World’s Finest nichts besseres zu tun hatten, als einer sterbenden Berühmtheit ihren letzten Wunsch zu erfüllen …

Schmankerl als Zugabe

In der Zweitauflage (World’s Finest #302) gibt es noch eine kleine Zugabe, ein wahres Schmankerl: Batman und Superman gehen nach einem gemeinsamen Abenteuer in eine Bar. Batman hat nämlich – hört, hört! – profane menschliche Bedürfnisse wie Hunger und Durst. Man setzt sich an einen Tisch, bestellt Milch. „Even a loner needs a friend, sometimes“, bekennt Batman. Doch während er bedauert, dass man vor lauter Kämpfen selten dazu kommt, Freundschaften zu knüpfen und mal in Ruhe zu reden, fangen die zwielichtigen Gestalten der Bar eine Prügelei mit den Kostümierten an. Die beiden lassen sich aber nicht aus der Ruhe bringen. Während die Gauner auf die Helden losgehen, pariert Batman die Angriffe lässig im Sitzen und man redet weiter. Schließlich, weil der Service so mies ist (die Milch lässt auf sich warten), geht man eben wieder. So muss Alfred den beiden ein spätes Brunch herrichten. Da wird klar, warum Batman eine Bathöhle braucht: zu Hause ist es doch am schönsten …

>>> Weitere Abenteuer und Duelle von Batman und Superman.

Aushilfen bringen’s nicht

Batman versus Superman, Teil 18: World’s Finest (2009-2010)

DC Comics

DC Comics

Titel: World’s Finest

Autor/Zeichner: Sterling Gates/Julian Lopez, Ramon F. Bachs, Jamal Igle, Phil Noto

Erschienen: 2009-2010 (Mini-Serie #1-4, Paperback 2010), dt. Panini 2010 (DC Premium #68)


„A giant Superman/Batman robot? That might be the stupidest thing I’ve ever heard.“ (Robin)

„This is a job for the both of us, Batman. But you’ve got to get me close enough to help.“ (Superman)

Batman ist verschwunden, Superman hat sich auf New Krypton niedergelassen. Jetzt müssen die Aushilfen ran: Red Robin und Chris Kent (Supermans Sohn alias Nightwing) gegen den Pinguin und den Kryptonite Man, die Flamebird gefangen halten. Der Kryptonitmann wird von Toyman gefangen genommen. In Metropolis kämpfen Robin und Guardian gegen das Team Parasit und Mr. Freeze, letzterer wird von Toyman befreit. Dann verbünden sich Supergirl und Batgirl gegen Toyman und Freeze, die einen Riesen-Superman-Batman-Roboter (mit Kryptonite Man als Waffe) ins All jagen wollen, um New Krypton zu vernichten. Toyman mag nämlich keine Aliens. Weil aber die Aushilfen damit nicht klarkommen, müssen zum Schluss die altgedienten Profis ran: Batman (Dick Grayson) ruft Superman und zusammen haben die beiden leichtes Spiel gegen Toymans mechanisches Monster … (Verzeiht den Kalauer.)

Viel kann man über das Verhältnis von Batman und Superman nicht sagen: Am Ende ist Superman stolz auf Dick und freut sich schon aufs nächste Team-up. Die eigentlichen Konflikte beider Sphären tragen die Robins aus: Red Robin hat keine Lust auf eine Kooperation, weil er den echten Batman sucht, Robin widersetzt sich dem fliegenden Polizisten Guardian, der ihm nicht viel entgegenzusetzen hat. Aber das alles bleibt sehr oberflächlich.

Dieses World’s Finest ist eine Mogelpackung: Statt Batman und Superman bekommt man drei Team-ups von Stellvertretern beider Dunstkreise bis erst am Ende die eigentlichen Helden zum Einsatz kommen. Es wäre noch zu verkraften gewesen, wenn wenigstens Superboy dabei gewesen wäre, aber Guardian und der kryptonische Nightwing sind einfach alles andere als „World’s Finest“, sondern sehr lahme Nebenfiguren. Das Aufgebot an Helden und Schurken kann auch nicht über die altbackene und banale Story hinwegtrösten. So setzt auch die dritte Mini-Serie mit diesem Titel die Tradition der Enttäuschung fort. Und weil zu wenig Superman und Batman darin vorkommen, ist diese Story auch die schwächste.

Fortsetzung folgt.

Bisher erschienen:

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Vier Fäuste gegen Darkseid

Batman versus Superman, Teil 14: Supergirl (2004)

Titel: Supergirl (The Supergirl from Krypton)

Autor/Zeichner: Jeph Loeb/Michael Turner

Erschienen: 2004 (Superman/Batman #8-13, Paperback 2005/2014), dt. Panini 2006, Eaglemoss 2015


„I am … not alone …“ (Superman)

„You prattle on like a child reciting bits of meaningless trivialities.“ (Darkseid)

Auch wenn Superman nie zu spüren bekommen hat, dass er eine Waise ist, fühlt er sich allein: Zwar hat er Eltern, Ehefrau, Freunde, Verbündete wie Batman, aber als Kryptonier ist er der Letzte seiner Art. Das ändert sich mit der Ankunft von Supergirl, die – wie früher, vor der Crisis – Kal-Els Cousine Kara Zor-El ist. Batman entdeckt sie beim Aufsammeln der Trümmer, die der Kryptonit-Asteroid hinterlassen hat: eine ausgewachsene junge Frau, die nackt in Metropolis für Verwirrung und Zerstörung sorgt. Nach einem kurzen Plausch auf Kryptonisch schließt sie Superman ins Herz. Doch Batman bleibt skeptisch …

Kara integriert sich schnell: innerhalb eines Monats lernt sie Englisch und andere Sprachen und entdeckt ihre Leidenschaft fürs Shoppen, aber noch bevor sie ihren Platz auf Erden finden kann, wird sie zweimal entführt und in Kriegerrollen gezwängt. Zuerst bringt sie Wonder Woman auf die Paradiesinsel Themyscira, wo Kara sich ohne Protest zum Kämpfen ausbilden lässt, kurz darauf lässt sie Darkseid nach Apokalips bringen, um seiner Sache zu dienen. Darauf lässt sich Kara ebenso schnell ein, wenn auch dank Gehirnwäsche. Superman und Batman starten mit Wonder Woman und Big Barda eine Rettungsaktion.

Was eigentlich wie eine klassische Superman- oder JLA-Story anmutet, lässt Batman etwas aus der Rolle fallen, damit er mit den Übermenschen mithalten kann. So wird er dank Mr. Miracles Rüstung zu einem Krieger, der es mit dämonischen Kötern und schließlich sogar mit Darkseid selbst aufnimmt. Solche Abenteuer wirken stets etwas bemüht, weil Batman in solchen Szenarien eigentlich keine fünf Minuten überleben dürfte. Dass er es tut, strapaziert seine Glaubwürdigkeit enorm. Batman ist eben immer Herr der Lage. Warum? „Because he’s Batman.“

Was aber wirklich nervt ist das Finale, wenn Superman aus Zorn Darkseid durchs All prügelt. Während Clark unendlich scheinende pathetische Reden schwingt, monologisiert Batman aus dem Off sentimentale Gemeinplätze, in denen er erneut, noch einmal und schon wieder in aller Ausführlichkeit Clarks Entwicklung nacherzählt. Man möchte den beiden zurufen: Aufhören, wir haben es verstanden! Und wenn dann noch zum Schluss Superman seine besten Momente mit Kara Revue passieren lässt, wird der Kitsch unerträglich. Bei der Wendung am Ende weiß man gar nicht, ob man wütend oder vor Erleichterung dankbar sein soll. Und dann muss Superman alle Helden zusammentrommeln, um ihr das neue Supergirl vorzustellen. Bei all dem Gedöns bleibt das Verhältnis zwischen Batman und Superman leider auf der Strecke. Das Auftauchen von Kara hat keinen großen Effekt auf die beiden, weder führt die Meinungsverschiedenheit zu großen Konflikten noch wachsen die beiden zusammen. Das hohe Frauenaufkommen lenkt vielmehr von der Tatsache ab, dass die World’s Finest gemeinsame Sache machen.

(The Supergirl from Krypton wurde im Jahr 2010 unter dem Titel Superman/Batman: Apocalypse als Animationsfilm adaptiert.)

Fortsetzung folgt.

Bisher erschienen:

>> World’s Finest Comics

Helden aus der zweiten Reihe

DC Comics

DC Comics

Titel: Batman/Superman: Game Over (dt. Monguls Todesspiel/Erstkontakt)

Autor/Zeichner: Greg Pak, Paul Levitz/Brett Booth, Jae Lee

Erschienen: 2014 (Batman/Superman #5-9, Annual #1, World’s Finest #20-21) (dt. 2014, Batman/Superman #2-3)


„… eine plausible Geschichte macht die Action doch viel interessanter.“

Offenbar reicht es nicht, einfach nur eine Batman-Superman-Geschichte zu erzählen. Jedenfalls trauen die Jungs von DC ihren Charakteren nicht mehr zu, zu zweit eine Geschichte zu tragen. Oder es fehlt den Autoren einfach an Fantasie. Liest man den zweiten Band von Batman/Superman an, macht das leider den Eindruck. Geboten werden – je nach Standpunkt – zwei bis drei Geschichten. Und in jeder müssen sich mehr Helden tummeln, als der Story gut tut. Das heißt: Eigentlich müssen sie die dünne Story kompensieren.

In der ersten werden die Helden zu Spielfiguren in einem realitätsübergreifenden Computer-Game. Der gelbhäutige Sterneneroberer Mongul hat erkannt, dass in der Spielernatur des Menschen auch das Potenzial von Strategen und Gewalttätern lauert. Also macht er sich diese zunutze und missbraucht die Gamer dieser Welt, um Batman gegen Superman antreten zu lassen. Das geht natürlich nur, weil der von irgendwelchen Nano-Bots gesteuert wird. So sehen wir die meiste Zeit einen rotäugigen Batman Superman verkloppen. (Unterhaltsamer ist es da schon Injustice auf der Playstation zu zocken.) Nervig wird die Geschichte, weil ständig irgendwelche Spieletester umherschwirren und blöde Kommentare zum Geschehen abgehen. Unglaubwürdig wird die Geschichte, wenn Batman mal fremd gesteuert wird und mal Herr über sich ist.

Das Querformat ist die beste Idee

Dabei fängt der Quatsch eigentlich vielversprechend an: mit einem Wortgefecht zwischen Batman und Superman. Beide sind Freunde und Verbündete obwohl sie grundverschieden sind und einander nicht mögen. Superman ist ein Hitzkopf, der erst handelt bevor er überlegt, Batman der grübelnde Miesepeter. In diesem Aufeinandertreffen zweier Welten liegt das eigentliche Potenzial der World’s Finest-Stories, aber die Autoren sind so unkreativ, dass sie ihre Geschichten lieber mit Firlefanz aufblasen. Dass die erste im Querformat angelegt ist, ist schon die beste aller Ideen.

Hanebüchen geht es weiter im Annual, wo die Geschichte fortgesetzt wird. Monguls Sohn bittet Superman und Batman, an einem Wettkampf teilzunehmen – sonst wird die Erde vernichtet. Dafür müssen die Helden mit jeweils zwei Tributen antreten. Batman holt Red Hood und Batgirl, Superman bringt Supergirl, Steel und den Superhund Krypto mit (warum hat diese Farce von einem Haustier den Reboot überlebt?). Also gut, wieder wilde Klopperei, um die Welt zu retten. Dass Red Hood und Batgirl dabei eigentlich nichts verloren haben, weil sie im Kampf gegen die Aliens zermalmt werden müssten, sei dahingestellt. Am Ende müssen die Helden gegeneinander antreten, also sich gegenseitig umbringen. Kommt uns das bekannt vor? Ja, genau: Die Tribute von Panem. Eine billige Anbiederung an den Zeitgeist …

Zickenfaktor

Die zweite große Geschichte ist ein Crossover zwischen Batman und Superman sowie Huntress und Power Girl, die übrigens den World’s Finest-Titel für ihre eigene Serie beanspruchen. Da die beiden von einer Parallelwelt, Erde 2, stammen, gibt es mal wieder eine Cross-World-Story. Huntress ist Batmans Tochter, Power Girl (die Frau mit der Kraft von Doppel-D) ist zu Hause eigentlich Supergirl, sodass eine gewisse Verwandtschaft zu den A-Helden besteht. Dennoch ist es unnötig, dass Huntress Batman ständig „Nicht-Dad“ nennt und sich Power Girl ständig von ihrem Mentor emanzipieren muss. Ebenso dürftig sind die häufigen inneren Monologe, die selten etwas Substanzielles zur Handlung beizutragen haben.

Kurz: Die weiblichen Leser wird das ausgewogene Verhältnis zwischen Männern und Frauen freuen, aber Heldinnen aus der zweiten Reihe machen eine lahme Geschichte nicht reicher – außer vielleicht um einen Zickenfaktor. Auf den können Batman und Superman aber gut verzichten. Es wäre zu wünschen, dass das Dream Team auch mal wieder ein Problem alleine lösen darf.

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