Man-Bat

Rache für Ra’s

Warner Bros.

Warner Bros.

Titel: Son of Batman

Drehbuch: Joe R. Lansdale, James Robinson

Erschienen: 2014 (Direct-to-Video)


„I owe my grandfather a death.“ (Damian)

„The psychos are just keep getting younger.“ (Nightwing)

„You can’t fight crime by becoming a criminal.“ (Batman)

Der Film zu Grant Morrissons Comic-Storyline Batman and Son hat bis auf die Grundidee nicht viel mit der Vorlage zu tun: Talia al Ghul klärt Batman darüber auf, dass sie einen gemeinsamen Sohn haben und übergibt Damian in die Obhut des Vaters – und dann gibt es Kämpfe mit einer Man-Bat-Armee. Doch die Bedingungen sind im Film ganz andere. Der Gegner heißt Deathstroke. Er ist hier ein abtrünniger Anhänger von Ra’s al Ghul, der eines Tages mit einigen anderen der League of Assassins über die Burg seines Mentors herfällt und ihn umbringt. Klein-Damian sticht Deathstroke im Kampf ein Auge aus. Der Attentäter flieht, schwört Rache und zwingt Kirk Langstrom dazu, ein Serum zu entwickeln, dass seine Ninjas in Man-Bats verwandelt.

In der Zwischenzeit kommen sich Batman und Damian näher – eine Beziehung mit Hindernissen, denn der Sohn ist mehr Klugscheißer und Draufgänger als sein Vater. Allerdings fehlen einige Aspekte, die die Story im Comic interessant machen: die Rivalität und den Kampf mit Robin Tim Drake zum Beispiel. Stattdessen gibt es bloß einen kurzen Kampf mit Nightwing. Und Damian kommt auch nicht in den Genuss, einem Schurken den Kopf abzusäbeln – und das obwohl das Blut in dem Film nur so spritzt. (Zurecht ist er erst ab 16 Jahren freigegeben.) Schließlich vermisst man auch Batmans Ausraster, bei dem der Vater seinen missratenen Jungen zur Ordnung ruft. Die Konflikte spielen sich eher auf Sparflamme ab, zu schnell gehorcht der Bengel seinem Vater.

Doch allen Mangelerscheinungen zum Trotz sind die größten Veränderungen wie der Einsatz von Deathstroke nachvollziehbar und sorgen dafür, dass Son of Batman ein dichteres, stimmiges Ganzes bildet, wohingegen Grant Morrisons Vorlage ziemlich ausfranst. Damian wird mehr in die Story integriert, weil ihn ein klassisches Rachemotiv antreibt, und auch Deathstroke hat seine Gründe, gegen die Familie al Ghul vorzugehen. Leider ist der Film nicht ganz frei von Blödsinn. Zum Beispiel wenn etwa in der ersten Szene Ra’s al Ghul Gewehrkugeln mit dem Schwert abwehrt, obwohl er von Feinden umzingelt ist und sie einfach nur alle auf einmal auf ihn schießen müssten, um ihn umzulegen. Oder wenn später Deathstroke auftaucht und seinen Soldaten Einhalt gebietet, weil er selbst seinen Feind töten will. Von solchen Logiklöchern abgesehen ist Son of Batman eine kurzweilige Unterhaltung mit reichlich Action und knackigen One-Linern, was sowohl Comicleser als auch -nichtleser bei Laune halten dürfte.

Gotham After Midnight: Ein herzergreifender Mörder

DC Comics

DC Comics

Titel: Gotham After Midnight (dt. Mitternacht in Gotham)

Autor/Zeichner: Steve Niles/Kelley Jones

Erschienen: 2008-2009 (Mini-Serie #1-12; Paperback 2009), dt. Panini 2008-2009 (DC Premium)


„Gotham City after dark is a dangerous place. Gotham City after midnight is hell on earth.“

„It’s nothing to take a life and everything to save one, Jim.“

Ein neuer Serienmörder versetzt in Gotham in Angst: Midnight, ein Maskierter mit Zylinder und Totenkopfgesicht, reißt Straftätern bei lebendigem Leibe das Herz heraus. Auch andere Schurken wie Scarecrow, Man-Bat, Killer Croc, Joker, Clayface, Catwoman und ein gewisser Axe-Man sind involviert, allerdings auf ungewohnte Weise und unfreiwillig beeinflusst. Batman blickt nicht durch, was es mit Midnight auf sich hat, der ihm stets einen Schritt voraus ist. Parallel dazu verliert Bruce Wayne sein Herz (im übertragenen Sinn) an die Polizistin Detective April Clarkson, eine idealistische Verbrechensbekämpferin, die ebenfalls ihren Vater durch einen Mord verloren hat.

Das Grundprinzip der Story erinnert stark an die beiden Klassiker The Long Halloween und Dark Victory: Auch in Gotham After Midnight wird ein Serienmörder mit einer besonderen Masche gesucht, während einmal die Rogue’s Gallery abgeklappert wird, auch hier finden Schlüsselereignisse an Feiertagen wie Halloween, Weihnachten, Silvester oder Valentinstag statt. Und trotzdem wird genug Neues geboten, was den Kenner bei Laune hält: Da ist zum einen der Hauptschurke, der im Gegensatz zu den anderen genannten Geschichten, in Erscheinung tritt und dabei eine schön theatralisch-düstere Figur abgibt. Da gibt es einen Kampf zwischen einem Riesen-Clayface und einem Batman-Roboter, bei dem ein paar Häuser zerstört werden. Der eigentliche Höhepunkt ist eine herrlich absurde Halloween-Szene, bei der Batman einfach so die Straße entlangflaniert, weil er unter allen Verkleideten nicht auffällt. Dass er dabei auch einen alten Bekannten wiedertrifft, zeugt von einer genialen Selbstironie.

Meister der Übetreibung

Alles in dieser Story ist zu viel, hier werden alle Register der Batman-Orgel gezogen. Gesteigert wird das Szenario von den Zeichnungen: Künstler Kelley Jones übertrifft sich als Meister der Übertreibung. Abgesehen von der üblichen langen Ohren der Batman-Maske, dem meterlangen wallenden Umhang und den vielen Schatten, zeigt sich Batman in fast jedem Panel in einer anderen dramatischen Pose. Jones kreiert beeindruckende Splash Pages, in denen sich Handlung und Symbole verdichten. Außerdem gibt es drei Batmobile, zwei davon mit Raketenantrieb, eines kurioser als das andere, selbst ein motorisiertes Einrad kommt zum Einsatz.

Trotz der Verspieltheit hat die Story eine eigene Ernsthaftigkeit und Dynamik, sodass man sie mit Spannung verfolgt – bis zu einem überraschenden Ende. Da verzeiht man ihr auch die Logiklücken oder langen Monologe von Batman am Ende oder von Alfred, der ermüdend die Moral von der Geschichte ausbreitet. Gotham After Midnight bietet alles, was man von einer Batman-Geschichte erwarten kann. Es ist nicht die stille Klasse von Loeb/Sale, aber das Schrille von Niles und Jones hat auch eine nicht zu verachtende Qualität.

>> Batman 2000-2011

Gothams Tierleben

Warner Home Video

Bitte lächeln! (Bild: Warner Home Video)

Titel: Batman Unlimited: Animal Instincts

Drehbuch: Heath Corson

Erschienen: 2015 (Direct-to-Video)


 „Man-Bat hat Langstrom die Hosen geklaut.“ (Flash)

Batman, das vergisst man leicht, bezieht sich auf eine Fledermaus. Und es gibt auch einige Schurken, die sich auch auf Tiere beziehen: Pinguin, Killer Croc, Cheetah, Gorilla Grodd und eben Man-Bat, womit wir wieder bei der Fledermaus wären. Was wäre also, wenn man einen Film rund um Tiere machen würde? Das hat man sich bei DC und Warner so gedacht und einfach mal drauflos gelegt – so ist Animal Instincts entstanden. Damit war der Ideenvorrat allerdings erschöpft.

In einem futuristischen Gotham kämpft Batman mit Nightwing, Red Robin, Green Arrow und Flash (wie auch immer diese Gruppe entstanden ist) gegen den Pinguin, der Man-Bat, Killer Croc, Cheetah und die Gorilla Grodd-Sparversion Silverback versammelt hat. Als hätte man damit nicht schon einen ganzen Zoo beisammen, gibt es noch ein paar Roboter-Raubkatzen und eine Robo-Fledermaus, die aussieht wie ein Flaschenöffner für Bacardi (aber der kommt dummerweise meistens mit Schraubverschluss). Und wozu der ganze Aufwand? Der Pinguin, der Batman noch nicht als Schurke bekannt ist, will mit einem Traktorstrahl einen Meteoriten auf Gotham stürzen lassen, um sich an allen Menschen zu rächen, die ihn wegen seines Äußeren verspottet haben …

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Ausgelutscht

DC Comics

DC Comics

Titel: Corporate Rider/In the Shadow

Autor/Zeichner: Gregg Hurwitz/Ethan Van Sciver

Erschienen: 2014 (Batman: The Dark Knight #28-29)


„You know as long as I sit behind that desk, I’m bound by the law. You, on the other hand, you’re a vigilante. So… start vigilante-ing.“ (James Gordon)

Mit der zweiteiligen Man-Bat-Story endet die Serie The Dark Knight nach 29 Ausgaben. Wir werden sie nicht vermissen. Obwohl sich ihre Qualität mit dem Autorenwechsel verbessert hat, erweckte sie nie den Eindruck, dass die Leute bei DC wussten, wohin sie diese Serie steuern sollten. Da wurden Handlungsstränge angefangen und nicht fortgesetzt, neue Figuren eingeführt und nicht wieder aufgegriffen. Und auch wenn Gregg Hurwitz die interessanteren Geschichten erzählte, wurden die Vorgeschichten der Schurken allzu formelhaft abgespult: schlimme Kindheit schafft böse Männer. Besonders bei Clayface wurde es ermüdend. Immerhin das Annual und die wortlose Geschichte Voiceless boten ein paar interessante Ansätze, die über den Durchschnitt hinausreichten.

Und zum Schluss Man-Bat. Die Figur bekam bei Detective Comics schon mehr als genug Aufmerksamkeit, warum sie hier schon wieder eine Rolle spielt, kann nur mit der Einfalls- und Lieblosigkeit erklärt werden. Dieses Mal verschafft sich Langstroms böser Vater das Serum, verbessert es, wird zu einer Art Super-Man-Bat, metzelt ein paar Leute hin. Da Batman es nicht schafft, ihm das Gegenserum zu verabreichen, verpasst er es sich selbst und lässt sich von dem Monster aussaugen … Äh, Moment mal – hatten wir das so ähnlich nicht schon in Detective Comics? Ja, genau. Aber lassen wir das, es ist nicht der Rede wert. Beenden wir das Kapitel und hoffen wir auf bessere Geschichten. Drei Solo-Batman-Serien sind wohl auch zu viel gewesen.

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Der Zorn des Lesers

DC Comics

DC Comics

Titel: The Wrath (Detective Comics Vol. 4), (dt. Der Anti-Batman)

Autor/Zeichner: John Layman/Jason Fabok, Andy Clarke u.a.

Erschienen: 2014 (Detective Comics #19-24, Detective Comics Annual #2), dt. Panini 2014 (Batman #21-22, #24-25), Paperback 2015 (enthält Detective Comics #21-24)


 „What is it about this town and cutting off faces anyway?“ (Bullock)

Ernsthaft? Da müssen wir sechs Hefte lang mitansehen, wie ein gewisser Ogilvy, irgendein dahergelaufener Niemand, ein Handlanger, den Pinguin ausbootet und dessen Imperium übernimmt (und sich schwachsinnigerweise „Emperor Penguin“ nennt) und dann ist nach einer kurzen Prügelei mit Batman – zwei Hefte später – wieder Schluss mit der Geschichte? Der Pinguin kommt frei, weil er mal eben einen Richter bedroht, und er rettet zufälligerweise Batman das Leben. Der gute alte Deus ex machina darf mal wieder aushelfen, wenn dem Autor keine originelle Lösung eines Problems einfällt. Blöd nur, dass Batman durch den Glücksfall als unfähig dargestellt wird.

Ach ja, und vorher entfesselt Ogilvy eine Seuche mit dem Man-Bat-Virus, Zsasz wird zum Man-Bat, aber das ist Autor John Layman nur eine Ausgabe von Detective Comics wert. Dieses Problem ist schneller abgehandelt, als es aufgebaut wurde: Langstrom nimmt das Mittel selbst und fertig. Wie es mit Man-Bat weitergeht, wird jeweils an den Heft-Enden in kleinen Episoden nachgereicht. Bemerkenswerter Weise sind sie es, die den interessantesten Teil des vierten Detective-Comics-Bandes bilden. Langstroms Frau nimmt nämlich ebenfalls das Man-Bat-Serum und wird zur Mörderin, es kommt zum Kampf – und zu einer unerhörten Auflösung, was es mit der Beziehung zwischen den beiden auf sich hat.

Es ist ein befremdliches Erzählverfahren, das Layman seinen Lesern zumutet. Ohne richtig einzuführen – weder in Charaktere noch Themen – sind die Fälle immer schon da und werden viel zu schnell erledigt. Negativ fällt das vor allem in Titelgeschichte – The Wrath – auf. Der Schurke erscheint gleich zu Beginn in seiner Metallrüstung, sagt, was er will – nämlich Polizisten zu töten, und schon setzt er seinen Plan auch um. Geheimnis und Spannung? Völlig überschätzt!

Parallel muss Bruce Wayne sich buchstäblich mit dem Industriellen Caldwell rumschlagen, weil dieser Waynes Firma übernehmen will. Und weil ein Karatekampf langweilig ist, prügeln sich beide eben in einem Ring, der einem Balkon ohne Brüstung gleicht. (Als ob Batman sich nicht schon oft genug nachts in Lebensgefahr begeben hätte.) Der eigentliche Kampf Batman gegen Wrath ist ein High-Tech-Krieg, bei dem sich zunächst beide in ihren spacigen Gleitern durch Gotham jagen und am Ende als zwei Iron-Men miteinander kloppen. Und weil das wieder alles sehr schnell vorbei geht, gibt’s im Epilog noch einen Ausblick auf eine Kooperation zwischen Caldwell und Ogilvy im Knast …

Zwei Einzelstorys bilden abgeschlossene Geschichten: In einer taucht die in Detective Comics Annual #1 eingeführte Mio (eine alte Bekanntschaft aus Asien) wieder als Attentäterin auf und verschwindet wieder – das alles übrigens nur, um Ra’s al Ghul mal eben kurz als Mann im Schatten einzuführen. In der zweiten Story geht es um einen Mörder, der die Persönlichkeit seiner Opfer annimmt. Hier darf sich Harvey Bullock mal kurz verlieben, aber kaum ist die Beziehung zu einer Psychiaterin eingeführt, ist sie auch schon wieder vergangen. Bullocks Frage, was diese Stadt es nur mit dem Abschneiden von Gesichtern hat – eine Anspielung auf Detective Comics #1, wo dem Joker ebendies widerfährt – liest sich wie ein Eingeständnis der Planlosigkeit der Autoren.

Leider macht Detective Comics nach vier Bänden immer noch keinen Spaß, John Layman schafft es nicht, gegenüber dem ebenfalls schwachen Tony Daniel das Niveau zu heben. Die Stories sind zu sprunghaft, zu verworren, zu sehr ineinander geschachtelt – und vor allem ohne nennenswerte neue Ideen. Von Detektivarbeit ist ebenfalls nicht viel zu sehen. Ganz abgesehen von Bruce Waynes Privatleben: Zu Beginn des Reboots hatte er noch eine Freundin, doch schon lange hat er weder einen Gedanken noch eine SMS an sie verschwendet – oder sich mit einer anderen getröstet.

Eine Chance geben wir der Serie noch. Und vielleicht noch eine, denn in Band 6 darf wieder mal ein neues Kreativ-Team dran. Offenbar hält es die Künstler nicht lange bei DCs Hauptserie. Und das ist kein gutes Zeichen.

>> Batman 2011-2019