Mad Hatter

Ein schlechter Trip ins Wunderland

DC Comics

DC Comics

Titel: Batman: Through the Looking Glass

Autor/Zeichner: Bruce Jones/Sam Kieth

Erschienen: 2012 (One-shot)


„It’s like some insane game …“ (Alfred)

Während Batman über den Mord an einem Politiker nachdenkt, erscheint ihm ein weißes Kaninchen, er folgt ihm in die Kanalisation und trifft – Alice? Nein, sondern seine alte Jugendfreundin Celia. Sie wird zu seiner Führerin durch das Wunderland, in dem bekanntlich allerlei Kuriosa wohnen und den besten Detektiv der Welt an seiner Zurechnungsfähigkeit zweifeln lassen. Denn Batman steht unter Halluzinogenen und bemüht sich, in diesem Zustand einen Serienmörder zu schnappen. Währenddessen versuchen Robin und Alfred, ihren Gefährten wiedereinzufangen …

Es ist nicht das erste Mal, das Alice im Wunderland  für eine Batman-Geschichte Pate stehen muss. Der Mad Hatter verdankt bekanntlich seine Herkunft dem Buch von Lewis Carroll. Und so ist er auch hier der Mann hinterm Spiegel, der Batmans Verstand verwirrt. Allerdings ist die Story so bemüht irre, sind die Figuren so nervig, die Motive so altbekannt, die Witze so platt, dass das Lesen dieses schmalen Bändchens schnell ermüdet. Selbst Zeichner Sam Kieth, der sich bei Secrets und vor allem Arkham Asylum: Madness als fähiger Künstler erwiesen hat, kann dieses Comic nicht retten. Im Gegenteil: Er bietet hier meist bloß krakelige Bilder, durch die alles noch viel schräger wirken soll, die aber tatsächlich nur albern und übertrieben aussehen. Ein Buch so grässlich wie ein schlechter Trip.

 

Schatten und Nebel

DC Comics

DC Comics

Titel: Once Upon a Midnight Dreary (dt. Einst, um eine Mitternacht graulich)

Autor/Zeichner: Gregg Hurwitz/Szymon Kudranski

Erschienen: 2013 (Batman: The Dark Knight Annual #1, dt. Batman: The Dark Knight #22)


 „Ich glaub‘, das nennt man Ironie.“ (Pinguin)

Am Halloweenabend kommen der Mad Hatter, Pinguin und Scarecrow in die Arkham Erziehungsanstalt für Jugendliche. Jeder von ihnen hat eine anonyme Einladung bekommen, die denken, es sei Batman gewesen und vermuten einen Hinterhalt. Da die Anstalt bei Nacht ein gruseliger Ort ist, brechen die drei in Panik aus, versuchen zu fliehen und werden schließlich mit ihren persönlichen Dämonen konfrontiert.

Autor Gregg Hurwitz erweist sich mal wieder als Meister der kleinen Form, Zeichner Szymon Kudranski als Meister von Schatten und Nebel. So wird die Geschichte zu einem schaurig-schönen Nachtstück mit einer guten Portion Ironie. So darf jeder der Schurken mal über Batmans schlechte Angewohnheiten ablästern. „Es gibt vermutlich in ganz Gotham kein Fenster, durch das er noch nicht gesprungen ist“, sagt der Mad Hatter. „Ha! Das wäre doch mal ’ne Idee …“, sagt der Pinguin. „Wir machen ’nen Fensterreparaturservice auf. Wir wären reich.“

Am Ende kommt natürlich alles anders als gedacht – und alles wird gut.

(Die Story ist im Paperback Batman: The Dark Knight Vol. 3 – Mad (dt. Liebe und Wahn) enthalten.)

Alter Hut passt gut

DC Comics

DC Comics

Titel: Mad (Batman: The Dark Knight Vol. 3) (dt. Liebe und Wahn)

Autor/Zeichner: Gregg Hurwitz/Ethan van Sciver, Szymon Kudranski

Erschienen: 2013 (Batman: The Dark Knight #16-21)


 „… es gibt gewisse Standards, die man einhalten muss. Es gibt keine Abkürzungen. Man kann nicht tricksen, sonst taugt das Produkt am Ende nichts. Und das ist ausgeschlossen.“ (Mad Hatter)

Woher kommt die Redensart ‚verrückt wie ein Hutmacher‘? Früher wurden Hüte mit Kupfernitrat behandelt und von den giftigen Dämpfen bekamen die Hutmacher Krankheiten und Halluzinationen. Das erfährt man in Gregg Hurwitz‘ zweiter Dark-Knight-Story. Wie schon zuvor bei Scarecrow bekommt nun auch Jervis Tetch eine neue Vorgeschichte verpasst. Die hat zwar auch mit einer Alice und einer Affinität zum Wunderland zu tun, ist aber noch ein Stück drastischer. Der Hauptunterschied: Die Vorgeschichte erklärt mehr, als dass sie Empathie für den späteren Schurken weckt. Denn der Mad Hatter ist ein skrupelloser Massenmörder, dem ein Menschenleben nichts bedeutet.

Darin liegt der Horror dieser Story. Menschen werden zur Wegwerfware degradiert, Tetch und seine Schergen erschießen oder ertränken jeden, der nicht ins Konzept passt. Tetch, der auch um einiges hässlicher ist als zuvor, drückt Leuten die Augen ein oder dreht ihnen den Hals um. Der Bodycount dürfte höher als beim Joker liegen.

Menschlich hingegen geht es bei Batman zu. Bruce Wayne und seine Natalya trennen sich, weil sie die üblichen Spielchen satt hat. Dann offenbart er ihr seine Geheimidentität und erwägt, Batman aufzugeben. Doch wie auch bei James Bond sind solche edlen Vorhaben nie von Dauer. (Und das ist auch gut so, wo kämen wir sonst hin?) Kurz darauf rächt sich der Vertrauensbeweis: Natalya wird vom Mad Hatter entführt … Batman wird zum Rächer in eigener Sache und vergisst dabei fast seine selbstgesetzten Grenzen.

Schwarzer Humor und Selbstironie

Gregg Hurwitz ist mit Mad die bisher beste Story der Serie gelungen. Es ist vielleicht nicht innovativ, was er erzählt, eigentlich eine schon fast konservative Geschichte, (man könnte auch sagen ein alter Hut) aber sie ist gut ausgewogen zwischen Action und Ruhepausen, menschenverachtender Drastik und intimer Menschlichkeit. Im Gegensatz zu David Finch lässt sich Hurwitz Zeit für sein Personal, ohne die Story mit Figuren zu überfrachten. Außerdem versteht er es, die Story mit schwarzem Humor und Selbstironie zu würzen. Schon zum zweiten Mal spielt er mit dem obligatorischen Gespräch zwischen Batman und Gordon, indem er das übliche plötzliche Verschwinden Batmans variiert.

Selbst die Bildsprache geht über das übliche Niveau hinaus: Da gibt es zum Beispiel Seiten, die einen Dialog zwischen Bruce und Natalya zeigen und die Panels sind wie Klaviertasten angeordnet. Die neuen Zeichner der Serie, Ethan van Sciver und Szymon Kudranski, so unterschiedlich ihre Ansätze sein mögen, beweisen mehr Feingefühl in ihren Bildern als es Finch zuvor getan hat. Während van Sciver den feinen Strich mit vielen Details bevorzugt, bleibt bei Kudranski vieles abstrakt und flächig, lebt aber von einer besonderen Atmosphäre. Bedauerlich ist jedoch, dass durch den Zeichnerwechsel innerhalb der Geschichte die Einheitlichkeit verloren geht; das gleiche gilt für den Autorenwechsel, denn Hurwitz geht auf vieles nicht ein, was Finch angefangen hat. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau. Zurück bleibt ein erfreulicher Eindruck und das Bewusstsein, dass auch in einer Batman-Nebenserie noch starke Storys erzählt werden können.

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Haunted Knight: Heimsuchungen an Halloween

Batman: Haunted Knight

Titel: Haunted Knight (dt. Nacht des Schreckens; Einzelausgaben: Halloween in Gotham City, Irrsinn, Geister)

Autor/Zeichner: Jeph Loeb/Tim Sale

Erschienen: 1993/1994/1995 (Legends of the Dark Knight Halloween Specials), Paperback 1996


„It’s just the thing for a rainy day …“ (Martha Wayne)

Bevor Jeph Loeb und Tim Sale ihr 13-teiliges Epos The Long Halloween schufen und damit zum Batman-Dream-Team der 90er wurden, verdienten sie sich mit drei Halloween-Specials für Legends of the Dark Knight ihre Sporen: Fears, Madness und Ghosts. Gesammelt bilden sie den Band Haunted Knight. Schon hier beweisen sie sich als Meister des sequentiellen Erzählens: Stimmungsvolle Spiele mit Licht und Schatten wie beim Film Noir (wobei der Schatten überwiegt), dynamische Figuren, dramatische Splashpages zum Einrahmen, Anleihen beim Surrealismus. Hoffnungslos verloren wirkt Batman, wenn er im Sturz von Krähen angegriffen wird, wenn in einem schier endlosen Irrgarten seine Kräfte versagen oder angeschossen in Pieta-Stellung in der Gosse liegt.

Im Zentrum stehen nicht die Kämpfe gegen die Schurken Scarecrow, Mad Hatter und Pinguin. Sie bilden nur die Anlässe für Batmans eigene Vergangenheitsbewältigung. Loeb und Sale zeigen einen persönlichen und verletzlichen jungen Helden, der noch am Anfang steht und sich den Dämonen stellen muss, die ihn seit der Kindheit plagen. Besonders deutlich wird das in der dritten Erzählung, die Dickens Weihnachtsgeschichte an den Abend vor Halloween verlegt: Drei Geister suchen Bruce Wayne auf (in der Gestalt von Poison Ivy, Joker und dem Tod) und führen ihm vor Augen, dass er sich nicht damit begnügen kann, sich hinter der Maske von Batman zu verstecken, sondern auch ein Leben als Bruce Wayne braucht – und als dieser angewiesen auf Gesellschaft ist. So sehen wir nicht nur Episoden aus Bruce Waynes Kindheit und seiner Vorliebe für Zorro und Perlen, sondern auch als Erwachsenen in intimen Situationen, wenn er etwa wie ein Junge am Fenster hockt und Alice im Wunderland liest oder Süßigkeiten an Kinder verteilt.

Seit Frank Miller hat niemand Batman so eindrucksvoll inszeniert wie Loeb und Sale. Dieses Buch gehört in jede Sammlung von Freunden wahrer Comic-Kunst. Es ist die perfekte Lektüre für regnerische (Herbst-)Tage.

Batman ist ein anderer

perchance to dream

Titel: Perchance to Dream (dt. Der Alptraum)

Regie/Autor: Boyd Kirkland/Laren Bright, Michael Reaves, Joe R. Lansdale

Erschienen: 1992 (Batman: The Animated Series, S01E30)


Seltsam: Eben noch ist Batman in eine wilde Verfolgungsjagd verwickelt, am nächsten Morgen wacht er auf und weiß nicht mehr, wie er hergekommen ist. Das eigentliche Problem ist aber: Niemand weiß, dass er Batman ist. Alfred hat noch nie etwas von Robin gehört, auch fehlt der Eingang zur Bathöhle. Bruce Wayne ist mit Selina Kyle verlobt und seine Eltern leben. Eigentlich müsste damit alles gut sein, aber Bruce Wayne wird die Überzeugung nicht los, dass hier einiges nicht stimmt. Denn Batman gibt es zwar – aber er ist ein anderer. Es kommt zwangsläufig zu einer aufschlussreichen Konfrontation.

Bruce Wayne versus Batman

Bruce Wayne versus Batman

Was sich liest, wie eine Elseworlds-Geschichte ist in Wirklichkeit eine Art künstlicher Traum, mit der Batman vom Mad Hatter ruhig gestellt worden ist. Die Story ist nicht nur wegen ihrer albtraumhaften Stimmung interessant, sondern auch weil sie Filme wie Matrix und Inception vorwegnimmt.

Perchance to Dream ist inspiriert von Identity Crisis (Detective Comics #633, 1991).

>> Liste der Batman-TAS-Episoden

Scare Tactics: Ziemlich ätzend

Detective Comics 2: Scare Tactics

Titel: Scare Tactics (dt. Die Maske des Schreckens)

Autor/Zeichner: Tony Daniel (u.a.)

Erschienen: 2012 (Detective Comics #8-12, #0, Annual #1 (The New 52)), Paperback 2013; dt. Panini 2013 (Batman #13-14), Paperback 2014


„The death of your parents is the best thing that could happen to you. It freed you from the constraints of mortality. You are destined to be more than human… You are destined to soar like a god.“ (Shihan Matsuda)

Der zweite Sammelband der neuen Detective Comics ist ein Potpourri an Geschichten und Figuren – leider wird kaum etwas davon im Gedächtnis bleiben.  Das erste Heft erzählt eine Scarecrow-Story, die Catwoman und den bereits im ersten Band eingeführten Sohn von Hugo Strange involviert, aber auf den wenigen Seiten keinen Platz bekommt, einen Spannungsbogen Hier werden bloß bekannte Figuren vorgezeigt, ohne etwas Interessantes mit ihnen anzufangen. Bruce Waynes Verhältnis zu seiner Freundin, die im ersten Band eingeführt wurde, spielt kaum noch eine Rolle.

Die zweite Story bildet das Arkham-Kapitel der Night of the Owls, bevor die drei nächsten Ausgaben einem neuen Schurken gewidmet ist: Mr. Toxic. Nicht nur der Name klingt lachhaft, als käme er aus dem Golden Age, auch das Kostüm des Kerls ist nicht gerade einfallsreich. Ein Kerl in einer Rüstung, natürlich mit Muskeln bepackt, trägt eine an Red Hood erinnernde Haube, die – Achtung! – mit einem Totenkopf und gekreuzten Knochen bemalt ist – ziemlich ätzend … In dieser Story wirft Batman nur so mit irgendwelchen pseudo-physikalischen Fachbegriffen um sich, nur um einer ziemlich trivialen Handlung so etwas wie eine Glaubwürdigkeit zu verleihen. Dabei fängt sie eigentlich ganz interessant an: Mit einer Gruppe als Batman verkleideter Räuber. Nur leider wird bis zum Ende nicht klar, warum sie sich gerade so verkleidet haben …

Detective Comics Annual #1, das von einem Kampf von Black Mask gegen den Mad Hatter handelt, ist ebenfalls nicht der Rede wert. Interessant wird es erst am Ende des Bandes (Detective Comics #0), denn dort bekommt man zwei Kapitel aus Batmans Vorgeschichte zu lesen: Zunächts eine Episode aus Bruce Waynes Ausbildung im Himalaya, dann sehen wir seine Heimkehr. Das ist zwar etwas zusammenhanglos, aber es macht Lust auf das Zero Year, das später in Batman erzählt wird. (Leider ist auch die Himalaya-Episode nicht ganz logisch, aber ich will nicht zu viel vorwegnehmen.) Zum Schluss (im Annual #1) gibt es eine passable Two-Face-Story und eine Hinführung zu der Joker-Storyline Death of the Family – beide überzeugen eher durch die Bilder von Szymon Kudranski als die Handlung.

Während Batman die großen Stories erzählt, wird Detective Comics wohl nur die kleinen und zweitrangigen Beiträge leisten.

>> Batman 2011-2019