Bill Finger

US-Autor (1914-1974), Co-Erfinder von Batman, Robin, Joker, Catwoman, Two-Face, Riddler, Mad Hatter u.a. Finger schrieb Batman-Comics bis in die 60er Jahre. Erst seit 2015 wird seine Co-Autorschaft an Batman offiziell anerkannt und er wird zusammen mit Zeichner Bob Kane genannt.

Batman 1940: Detective Comics #35

Titel: The Case of the Ruby Idol

Autor/Zeichner: Bill Finger/Bob Kane

Erschienen: 1940 (Detective Comics #35), Paperback 2005/2016 (Batman Chronicles Vol. 1/Batman: The Golden Age Vol. 1)


Mit dieser Ausgabe kehrt nicht nur Bill Finger als Autor zurück, auch Batman ist wieder auf dem Cover. Aber Moment mal: Erinnert der Schurke auf dem Bild nicht an den aus dem letzten Heft? Genau. Hier findet eine kuriose Verschiebung statt. Erst das nächste Cover von Ausgabe 36 wird eher zu diesem Heft passen. Auf Seite eins sehen wir Batman, wie am Ende von Detective Comics #33, mit einer rauchenden Pistole. Auch das hat nichts mit der Handlung zu tun, denn hier wird zwar auf Batman geschossen, aber er selbst hat und benutzt keine Waffe.

Es beginnt mal wieder wie im allerersten Abenteuer: Bruce Wayne hängt mal wieder bei Commissioner Gordon ab. Gordon klagt ihm sein Leid mit der Fledermaus: „I tell you, Bruce, if I ever catch the Batman!“ Doch da kommt ein Kuriositätensammler Weldon hereingeplatzt und erzählt, dass er von einem Mann namens Sheldon Lenox eine Rubin-Statue gekauft habe und seitdem sein Leben von einem „Kila“-Kult bedroht werde, wenn er die Statue nicht zurückgebe.

Bruce und Gordon sehen, wie Lenox von einer Bande „Hindus“ entführt und ermordet wird. Gordon kann es nicht verhindern, weil sein Reifen plattgeschossen wird. Einige Wochen lang steht Lenox unter Polizeischutz, dann verzichtet er auf die Hilfe. Doch da Bruce vermutet, dass sein Leben immer noch in Gefahr sein könnte, kreuzt er als Batman auf. Er überwältigt zwei Diebe, doch als die Hindus wieder auftauchen, kriegt er einen Schlag auf den Kopf und bleibt allein zurück.

Batman gegen die Polizei

Batman gegen die Polizei

Die Polizei rückt vor, muss Batman erstmals einen Beamten schlagen, um zu entkommen. Batman fährt diesmal ein neues Auto, ein blaues, das viel besse zu ihm passt. In Chinatown wird er zu dem Kuriositätenhändler Sin Fang geleitet, der behauptet, die Rubin-Statue zu haben und sie natürlich zurückgeben wolle, wenn es sich um Diebesgut handle.

Mongole am Spieß

Mongole am Spieß

Dann wird es seltsam. Auf dem Weg zur Statue rennen plötzlich zwei Wachen (Mongolen) mit Schwertern auf Batman zu. Batman wehrt sich, einer wird vom anderen unabsichtlich aufgespießt. Sin Fang lässt das ziemlich kalt, er entschuldigt sich für das Versehen. Dann fällt eine Tür zu und es strömt Senfgas aus den Leitungen, Batman kann mit einer eigenen Gaskapsel das tödliche Gas neutralisieren. Wieder soll das nur ein Versehen sein. Schließlich öffnet Sin Fang eine Falltür, Batman stürzt hinein, kann sich aber an einem Wasserrohr hinaufschwingen.

Batman in der Falle

Batman in der Falle

Sin Fang stellt sich als Lenox heraus, der seinen Tod bloß vorgetäuscht hat. Der Grund dafür erschließt sich nicht ganz: Er habe das alles nur inszeniert, um an Geld zu kommen. Dabei hatte er doch die Statue bereits verkauft? Offenbar wollte er zweimal Geld machen, indem er sie stahl und noch einmal verkaufte? Ist auch nicht so wichtig: Lenox schießt nach Batman, verfehlt, Batman schnappt sich die Statue, wirft sie Lenox an den Kopf und der stürzt aus dem Fenster in den Tod.

Tod durch Rubin: Batman wehrt sich

Tod durch Rubin: Batman wehrt sich

Wieder eine Leiche mehr auf Batmans Liste. Wieder kann man sagen, es war Notwehr. Aber: Eine Pistole benutzt er hier nicht. Noch können sich die Autoren nicht entscheiden, wie sie Batman handeln lassen sollen, aber da er nie direkt auf Menschen, sondern bisher nur auf zwei Vampire geschossen hat, scheinen sowohl Bill Finger als auch Gardner Fox Skrupel zu haben, ihn, wie Bob Kane ihn gern zeichnet, Pistolen benutzen zu lassen. Batman steht über solchen „unzivilisierten“ Waffen.

>> Batman 1939-1949

Batman 1939: Detective Comics #33 – Origin

detective comics 33

DC Comics

Titel: The Batman and How He Came to Be/The Batman Wars Against the Dirigible of Doom

Autor/Zeichner: Bill Finger/Bob Kane

Erschienen: 1939 (Detective Comics #33), Paperback 2005/2016 (Batman Chronicles Vol. 1/Batman: The Golden Age Vol. 1)


Superhelden brauchen Entstehungsgeschichten. Dem Leser sollen damit die Motive erklärt werden, woher ein Superheld seine Kräfte hat, warum er als Held agiert und auch warum er ein Kostüm trägt. Damit soll den an sich unglaubwürdigen (fantastischen) Superhelden ein wenig Glaubwürdigkeit verliehen werden. Während Supermans Ursprung von der ersten Seite an erklärt wird, wird Batmans Origin erst bei seinem siebten Auftritt erzählt.

Auf zwei Seiten wird die Grundlage für den Mythos gelegt, der bis heute in verschiedenen Variationen fortbesteht. Der Origin ist der Geschichte „The Batman Wars Against the Dirigible of Doom“ vorangestellt und auf das erste Panel auf der ersten Seite zeigt Batman im Cockpit seines Flugzeugs, wie er zwischen Wolken auf das feindliche rote Luftschiff schaut. Es ist die typische Vorausschau auf eine Schlüsselszene, aber die Handlung hat nichts mit dem Orgin zu tun.

Batman's First Origin (Detective Comics #33)

DC Comics

Wer Batman ist, erfahren die Leser bereits in dem fledermausförmigen Caption: „… eerie figure of the night – nemesis of crime – this is the Batman!“ Ähnliche Beschreibungen gibt es bereits seit dem ersten Abenteuer, auch wurde er schon sehr früh „legendary“ genannt. Hier ist der Origin mit „Legend“ überschrieben. Das zuvor behauptete Legendäre an der Figur wird endlich seiner Bezeichnung gerecht. Auf anderthalb Seiten wird erzählt, wie vor 15 Jahren Bruce Waynes Vater, Thomas, mit seiner (namenlosen) Frau von einem Straßenräuber erschossen wurden.

Das Verbrechen geschieht auf dem Nachhauseweg von einem Kinobesuch. Welchen Film sie gesehen haben, ist unklar. (Erst später, in The Dark Knight Returns, wird The Mark of Zorro daraus.) Der namenlose Räuber verlangt die Halskette der Mutter, Thomas Wayne weigert sich: „Leave her alone, you. Oh …“ Da schießt der Räuber bereits und als Thomas am Boden liegt, schreit die Mutter um die Hilfe der Polizei. Der Räuber erschießt sie, um sie zum Schweigen zu bringen. Das alles geschieht in drei Panels.

Tod, Trauer, Schwur

Tod, Trauma, Schwur: Bruce Waynes Trauerbewältigung

Die nächsten drei Panels sind der Angst, dem Schock und der Trauer des jungen Bruce Wayne gewidmet: Im ersten sieht er sie tot auf der Straße liegen, im zweiten sieht man nur sein Gesicht mit drei Tränen und er realisiert: „…dead! They’re d..dead.“ Im dritten sind bereits Tage vergangen und Bruce schwört vor dem Bett kniend mit gefalteten Händen im Kerzenschein, dass er den Tod seiner Eltern rächen werde, indem er den Rest seines Lebens Verbrechen bekämpfen will („warring on all criminals“).

Bruce trainiert für seinen Kampf

Bruce trainiert für seinen Kampf.

In zwei Panels sehen wir den Bildungsgang, es ist eine Bildung der Dualität von Körper und Geist: Bruce Wayne bildet sich im Laufe der Jahre zu einem „master scientist“, wir sehen ihn als jungen Mann in einem Chemielabor zwischen Gaswolken. Im zweiten Panel ist sein Körper zur Perfektion trainiert und kann „amazing athletic feats“ vollziehen, zum Beweis hebt er mit einem Arm ein Gewicht über seinen Kopf.

Doch etwas fehlt noch. Bruce hat zwar viel Mühe investiert, um seinen Ziel näher zu kommen, aber er hat sich offenbar noch nicht überlegt, wie er es schließlich erreicht. Die naheliegendste Option, ein Polizist und damit ein legitimierter Verbrechensbekämpfer zu werden, kommt nicht zur Sprache. Bruce sinniert, er sei dank des Vermögen des Vaters reich und er sei bereit, aber er brauche eine Verkleidung. Offenbar schließt er einen orthodoxen Weg aus. Warum, bleibt allerdings rätselhaft.

Eine Fledermaus fliegt bei Bruce Wayne zum Fenster hinein.

Fledermaus als Omen für Batman

„Criminals are a superstitious cowardly lot“, sagt er im Selbstgespräch, während er im Sessel sitzt. „So my disguise must be able to strike terror into their hearts. I must be a creature of the night, black, terrible .. A. A…“ Im nächsten Panel fliegt eine große Fledermaus zum offenen Fenster hinein. „A bat! That’s it! It’s an omen“, sagt Bruce. „I shall become a bat!“ Im letzten Panel sieht man ihn bereits im Kostüm auf einem Dach, umschwirrt von Fledermäusen. „And thus is born this weird figure of the dark … this avenger of evil, ‚The Batman.‘“

Bemerkenswert ist Bruces Gedankengang. Denn was er über Kriminelle behauptet, trifft auch auf ihn selbst zu: Das Wort „terror“ ist bereits im vierten Panel gefallen, um zu beschreiben, wie Bruce sich beim Anblick seiner ermordeten Eltern gefühlt hat: „The boy’s eyes are wide with terror and shock as the horrible scene is spread before him.“ Auch wenn Bruce pejorativ von „cowardly“ (feige) spricht, meint er doch Angst damit. Er will, dass Verbrecher sich vor ihm fürchten, so wie er sich vor 15 Jahren gefürchtet hat. Er überträgt sein Gefühl auf sie.

Zugleich behauptet er, dass Verbrecher abergläubisch seien, doch bereits ein Panel später deutet er die zufällige Erscheinung der Fledermaus als Omen, als Vorzeichen. Im Caption darüber heißt es distanzierter: „As if in answer, a huge bat flies in the open window!“ Es scheint nur so, als ob die Fledermaus die Antwort brächte. Aber Bruce ist überzeugt davon. So überzeugt, dass er sofort entscheidet: „I shall become a bat!“

Die Wortwahl ist ungewöhnlich. Denn er sagt nicht, er wolle sich wie eine Fledermaus verkleiden, wovon er noch zwei Panels zuvor gesprochen hat, sondern er sagt, er wolle eine sein. In dieser metaphorischen Verkürzung liegt eine Ambivalenz. Denn Bruce Wayne identifiziert sich sofort mit dem Tier, das bei ihm ins Haus eindringt. Und nach dieser ontologischen Willenserklärung spricht der Erzähler auch von einer Geburt, der Geburt einer „weird figure of the dark“. „Weird“ (also sonderbar, fremd, gruselig, bizarr) ist sie, weil der Mann plötzlich zu einem Zwitterwesen geworden ist. Als „Bat-Man“ (anfangs noch mit Bindestrich) ist er eine Chimäre, halb Mensch, halb Fledermaus.

Bruce Wayne erschafft sich also noch einmal selbst. Batman wird ihm zur zweiten Geburt, allerdings einer ohne Eltern, als Batman ist er buchstäblich ein (amerikanischer) Selfmade-Man. Sein ererbtes Vermögen erlaubt es ihm zwar nicht mehr, selbst reich zu werden, aber sich neu zu erfinden. Dieser Mensch ist aber nur ein halber, denn er teilt sich seine Erscheinung mit der einer Fledermaus. Das Tier wird zum Geburtshelfer einer neuen Form.

Seine geistigen und körperlichen Fähigkeiten allein reichen Bruce nicht aus, erst als Tier-Mensch ist er ermächtigt, das Verbrechen zu bekämpfen, sogar ein „Rächer des Bösen“ zu sein. Während Superman also ein Übermensch ist, der seine Fähigkeiten seiner außerirdischen, also einer Art himmlischen, göttlichen Herkunft verdankt, ist Bruce Wayne mehr als ein Mensch, weil er mit einem Tier verschmilzt. Während Superman also dem Urbild eines Gilgamesch (dem Zweidrittelgott) entspricht, ist Batman der wilde Tier-Mensch Enkidu. Zusammen bilden sie Antipoden, die erst zu Feinden und später zu besten Freunden und Verbündeten im Kampf gegen das Böse werden.

Diese auf zwei Seiten erzählte Geschichte wird im Laufe der Comicgeschichte erweitert, ausgeschmückt und variiert, die wesentlichen Elemente bleiben gleich und es kommen neue hinzu: Ein weiteres Trauma, wie den Sturz in eine Höhle, bei der der junge Bruce von Fledermäusen erschreckt wird, der Kinobesuch unmittelbar vor dem Mord, der Film „The Mark of Zorro“ nimmt die Vigilantenkarriere vorweg, die reißende Perlenkette der Mutter, als Symbol der zerstörten Familie und einer aus den Fugen gebrachten Ordnung, schließlich bekommt der junge Bruce durch sein Verhalten sogar eine Mitschuld an dem Tod der Eltern (Batman Begins/Earth One). Bei Frank Miller (Year One) wird aus „I shall become a bat!“ ein „Yes. Father. I shall become a bat.“ Die Fledermaus landet auf der Büste von Thomas Wayne. Batmans Ursprung aus dem Geist der Tragödie geht so weit, dass auch seine Sidekicks und Nachahmer nicht ohne das Motiv des Traumas auskommen. Auch Robin verliert seine Eltern durch ein Verbrechen, auch Batwoman erlebt als Kind ein Trauma. Aber das ist eine andere Geschichte.

Die nachfolgende Story aus Detective Comics #33 ist zwar nicht so wirkmächtig, aber trotzdem interessant – und das aus mehreren Gründen. Zunächst gibt es mal wieder einen Superschurken: Professor Carl Kruger. Es handelt sich (wie schon bei Doctor Death) um einen Mad Scientist, der aus einer Anstalt (noch nicht Arkham) entlassen wurde, einen Napoleon-Komplex hat und mit einem Luftschiff, das Todesstrahlen ausstößt, die Weltherrschaft anstrebt. (Wahrscheinlich nicht zufällig hat er einen deutschen Namen.)

Angriff der Red Horde

Angriff der Red Horde

Am Anfang sehen wir, wie Bruce Wayne durch die Straßen Manhattans streift (New York wurde in der Story davor erstmals beim Namen genannt). Plötzlich taucht das Luftschiff auf und lässt Hochhäuser über den Menschen einstürzen, Tausende sterben. Es ist der erste Massenmord, mit dem es Batman zu tun kriegt – und er kann nichts dagegen tun. (Wir sehen weder Polizei noch Militär.) Doch statt in sein Kostüm zu steigen, hilft er zunächst als Bruce Wayne, indem er einen Mann von einem Stahlträger befreit. Es ist das erste Mal, dass der gelangweilte Playboy sich von seiner engagierten und philantrophischen Seite zeigt.

Angriff der Red Horde

Angriff der Red Horde

Zuhause sehen wir eine Vorstufe der späteren Bathöhle: Bruce Wayne geht in sein verstecktes Geheimlabor, in dem er nicht nur raucht, sondern auch eine Verbrecherkartei führt. Darin entdeckt er Carl Kruger. Erst jetzt holt Bruce sein Kostüm aus der Truhe und wird Batman. Bei Kruger zuhause wirft er seinen Baterang auf ihn, doch der prallt gegen eine Glaswand. Batman wird von hinten bewusstlos geschlagen und gefangengenommen, kann aber entkommen, bevor das Haus mit ihm in die Luft fliegt. – Die typische Todesfalle.

Baterang gegen Kruger

Baterang gegen Kruger

Später, als er Kruger in seinem Geheimversteck aufspürt, benutzt er wieder eine Pistole. Obwohl er vorher nie eine trug, sieht man jetzt erstmals ein Halfter an seinem Gürtel. Batman schießt damit nicht direkt auf die Schurken, sondern nur auf die Todesstrahler, die daraufhin explodieren und die Wachen töten. Dass seine Eltern durch eine Schusswaffe ums Leben gekommen sind, scheint ihn noch nicht daran zu hindern, selbst eine zu benutzen.

Batman schießt und tötet

Batman schießt und tötet.

Dann schießt auch Kruger auf ihn. Batman täuscht dank einer schusssicheren Weste seinen Tod vor, verkleidet sich als Wache und entkommt. Später braut er sich in seinem Labor eine Chemikalie zusammen, mit der er sein Batplane einsprüht und die es gegen die Strahlen immun macht. Es wiederholt sich die Szene aus dem Origin: Der Master Scientist Bruce Wayne beweist, dass er dem Mad Scientist gewachsen ist.

Bruce wieder im Labor

Bruce wieder im Labor

Schließlich steuert er das Batplane in das Luftschiff des Todes und lässt Kruger später in seinem Flugzeug abstürzen – noch ein Opfer. Am Ende schmaucht Bruce wieder sein Pfeifchen, während daneben auf dem letzten Bild ein abgewandter Batman mit einer schmauchenden Pistole steht. Nicht zum letzten Mal. Batman wird damit zum Rächer, der das Verbrechen mit seinen eigenen Waffen schlägt. Aber drastische Umstände fordern drastische Maßnahmen. Batman nimmt den Tod der Wenigen hin als Notwendigkeit, um den Tod der Vielen zu verhindern.

Rauchende Pfeife, rauchende Pistole

Rauchende Pfeife, rauchende Pistole

>> Batman 1939-1949


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Wie Batman zur Bathöhle kam

Titel: The Origin of the Bat-Cave

Autor/Zeichner: Bill Finger/Sheldon Moldoff

Erschienen: 1954 (Detective Comics #205), Paperback 2007 (Secrets from the Batcave)


Batman und Robin finden eine 300 Jahre alte Tonscherbe in der Bathöhle, sie stammt von Indianern. Daraufhin erzählt Batman, wie er zur Höhle kam. Nachdem er als Bruce Wayne das Haus gekauft hatte (ein Familienerbstück wird es erst später), wollte er die dazu gehörige Scheune als Geheimversteck nutzen.

Bruce Wayne kauft ein Haus

Bruce Wayne kauft ein Haus – und bricht ein.

Dann brach er durch den Boden und fand die Höhle voller Fledermäuse (in The Dark Knight Returns wird daraus eine Kindheitserinnerung). Und wieder heißt es: „An omen — if I ever saw one!“ Daraufhin stellt er die Standuhr als Eingang auf und richtet dort später mit Robin sein Labor und seine Trophäenhalle ein. Eine Lampe leuchtet auf, wenn das Batsignal eingeschaltet wird. Außerdem hat er eine fette Glotze.

Bruce Wayne entdeckt die Bathöhle

Bruce Wayne entdeckt die Bathöhle

Aber was hat es mit der indianischen Tonscherbe auf sich? Batman und Robin lassen sich, wie schon zuvor, von Professor Nichols per Hypnose in der Zeit zurückschicken. In der Vergangenheit treffen sie auf den Siedler Jeremy Coe, der von Indianern überfallen wird. Ohne zu wissen, worum es bei dem Konflikt geht, hilft ihm das Dynamische Duo – im Zweifel hält man einfach zu Leuten mit der gleichen Hautfarbe. Der führt sie zu seinem Geheimversteck, der späteren Bathöhle. Der Eingang befindet sich in einem ausgehöhlten Baum.

Batman und Robin richten sich ein

Batman und Robin richten sich ein

Coe hat sich als Indianer ausgegeben, um seine Feinde auszuspionieren. Weil er aber verletzt ist, kann er seine Mission nicht vollenden. Da springt Batman für ihn ein und verkleidet sich als Indianer. Doch vorher richtet er sich erstmal in der Höhle ein: ein Flaschenzug fürs Pferd, ein Periskop aus einem Birkenstamm, einen Kleiderschrank für Verkleidungen und eine Trophäensammlung, auch wenn es bisher nicht viel zu sammeln gibt.

Trophäensammlung in der Bathöhle

Eine Trophäensammlung muss sein.

Batman reitet als Indianer los, aber kaum ist er im Feindeslager, spült ein Regen seine falsche Hautfarbe weg und er muss doch wieder Batman werden. Er beeindruckt sie mit Batarangs und Rauchbomben, dann sendet er fledermausförmige Rauchsignale los und Robin eilt zur Hilfe. Am Ende fliehen sie mit Coe und Indianer zerstören seine Hütte. Damit ist auch der ganze Aufwand für die erste Bathöhle völlig vergebens gewesen – genauso wie die Mission. Denn die Siedler bekommen Verstärkung. Batman und Robin kehren in ihre Zeit zurück und stellen fest, dass sich alles tatsächlich zugetragen hat.

Batman als Indianer

Batman als Indianer

Batman trat im selben Jahr noch einmal als Indianer auf, sogar als Häuptling (Batman #86, 1954). In dieser Geschichte sind die Indianer freundlicher dargestellt, einer eifert Batman sogar nach – und wieder hat auch er eine eigene Bathöhle. Ohne das bekannte Inventar geht es nun mal nicht.

>> Batman in den 50ern

Unerwünschter Besuch in der Bathöhle

DC Comics

Titel: The 1000 Secrets of the Batcave

Autor/Zeichner: Bill Finger/Jim Mooney

Erschienen: 1948 (Batman #48), Paperback 2007 (Secrets from the Batcave)


„Justice moves in many strange ways …“ (Batman)

Es brauchte eine Weile, bis Batman in den Keller zog. Erst in Batman #16 (1943) wurde die Batcave eingeführt. Kaum war der Butler Alfred Beagle in Wayne Manor, fand er sie per Zufall – und dadurch fand er auch heraus, dass Bruce Wayne Batman war. Die Sache ging bekanntlich glimpflich aus. Aber nur fünf Jahre später kam ein Eindringling in die Höhle, der es nicht so gut meinte.

Querschnitt durch die Bathöhle

Querschnitt durch die Bathöhle

Der Verbrecher Wolf Brando türmt aus dem Knast und bricht in Wayne Manor ein, er schlägt Robin bewusstlos und durch Zufall öffnet sich der geheime Zugang über die Standuhr. In der Höhle erfährt er das Geheimnis. Bruce Wayne ist gerade mit einem Plausch bei Commissioner Gordon beschäftigt. Als er von dem Einbruch zuhause erfährt, kann er nicht weg, weil Gordon ihn bittet, das Batsignal einzuschalten und mit ihm auf Batman zu warten.

Es stellt sich die Frage: Was soll das? Ist die Polizei so sehr von Batman abhängig, dass sie nicht einmal einen einfachen Einbrecher fassen kann? Bruce spielt das Spiel mit, haut unter falschem Vorwand ab, zieht sich um, kommt als Batman vorbei – Zeit ist offenbar kein Problem. Als Batman mit der Polizei eintrifft, hat Brando Robin als Geisel genommen und verlangt Batmans Kostüm, um unerkannt vor der Polizei abhauen zu können.

Dinosaurier und Münze in der Bathöhle

Randale in der Bathöhle: Dinosaurier tritt Münze

Es beginnt eine Katz-und-Maus-Jagd in der Höhle. Brando rast mit dem Batmobil auf Batman zu, stürzt den Dinosaurier auf Robin, der Dino fällt auf den Riesenpenny und beides geht zu Bruch. Brando wird tödlichem Joker-Gas ausgesetzt, Robin will ihn sterben lassen, aber Batman beharrt auf der Moral, braut ihm ein Gegenmittel, Brando revanchiert sich mit weiteren Gemeinheiten und macht Trophäen zu Waffen.

Tod durch Fledermäuse

Tod durch Fledermäuse

Brando macht ihm klar: Selbst wenn er eingebuchtet wird, wird Batman verlieren, weil Brando ihn verraten wird. Am Ende aber wird dem Schurken die Höhle zum Verhängnis: Durch Brandos lautes trimphales Lachen werden die Fledermäuse geweckt, sie fliegen auf ihn zu, er fällt in einen Strudel. „The real hero of this case was – the batcave!“, sagt Batman. Er dürfte froh sein, dass er Brando nicht selbst zum Schweigen bringen musste …

>> Batman in den 40ern

Batman und der nervige Kobold

DC Comics

Titel: Batman Meets Bat-Mite

Autor/Zeichner: Bill Finger/Sheldon Moldoff

Erschienen: 1959 (Detective Comics #267), Hardcover 2019 (Detective Comics: 80 Years of Batman)


„Crime-fighting isn’t fun … It’s serious business!“ (Batman)

Wir müssen über Bat-Mite sprechen. Nur einmal, dann nie wieder, versprochen. Aber einmal muss es sein, denn Bat-Mite mag nerven, aber er steht symptomatisch für die Albernheit des Silver Age.

Der Kobold aus einer anderen Dimension taucht plötzlich in der Bathöhle auf, trägt ein schräges Batman-Kostüm und behauptet, Batman und Robin helfen zu wollen. Die brauchen aber keine Hilfe. Bekommen sie aber trotzdem. Als die Helden Gauner über eine Brücke verfolgen, verbiegt sich diese und schlägt Wellen wie ein Gummiband, später bringt Bat-Mite eine übergroße Schallplatte zum Fliegen und schließlich stellt er eine leere Lagerhalle mit anderen übergroßen Objekten voll, damit die Verbrechensbekämpfung mehr Spaß macht.

Darunter ist nicht nur ein Wikingerschiff, mit dem die Verbrecher abhauen, sondern auch eine Batman-Statue. Bat-Mite bringt die Statue zum Laufen und lässt sie die Gauner schnappen. Batman schimpft Bat-Mite zwar jedes Mal aus, aber als sich alle anderen fragen, was passiert sei, denkt er sich Erklärungen für das Übernatürliche aus. Am Ende schickt er den Kobold endlich fort und ist froh, ihn loszusein.

Aber das ist nur vorübergehend. Denn Bat-Mite trifft danach Batwoman (Detective Comics #276, 1960), Batgirl (Batman #144, 1961) und er nervt Batman und Robin auch in Detective Comics #289 (1961) und #310 (1962). Als die Comics ab 1964 wieder ernsthafter wurden, war der Kobold erstmal für lange Zeit erledigt.

Aber da er ab 1977 in der Zeichentrickserie The New Adventures of Batman vorkam, meldeten sich die Fans und wollten ihn auch in den Comics wiederhaben. Also legte DC „Bat-Mite’s New York Adventure“ vor (Detective Comics #482, 1979). In dieser kurzen Geschichte taucht Bat-Mite in der DC-Redaktion auf und fordert, endlich wieder ein Comic gewidmet zu bekommen. Zuerst zeichnet er selbst eine, dann bringt er alle nötigen Leute dafür zusammen. Aber die Redakteure wimmeln ihn ab und es kommt nur zu der Story, die in der Ausgabe eben vorliegt.

Später kam der Charakter in Legends of the Dark Knight #38 vor, bekam mit Mr. Mxyzptlk eine Elseworlds-Story namens World’s Funnest und tauchte immer wieder auch in der regulären Continuity auf, wie etwa in Grant Morrisons Batman R.I.P. Schließlich 2015 bekam Bat-Mite eine eigene sechsteilige Serie. Aber das alles muss uns nicht interessieren.

>> Batman in den 50ern

Batman 1939: Detective Comics #28

DC Comics

Titel: Frenchy Blake’s Jewel Gang

Autor/Zeichner: Bill Finger/Bob Kane

Erschienen: 1939 (Detective Comics #28), Paperback 2005/2016 (Batman Chronicles Vol. 1/Batman: The Golden Age Vol. 1)


Batmans zweites Abenteuer beginnt mit einer Besonderheit: Batman ist nicht auf dem Cover. Insgesamt erscheinen mit dieser vier Ausgaben von Detective Comics, die nicht Batman (oder etwas Verwandtes) auf dem Titelbild haben. Die Entscheidung mutet heute seltsam an, aber geschadet hat es der Figur nicht. Immerhin wurde Batman zumindest klein auf dem Cover angekündigt.

Wie schon die erste hat auch diese Geschichte nur sechs Seiten, aber die Seiten sind nicht so vollgepackt. Statt vier Reihen haben die Seiten nur drei, die Panels sind größer und entfalten eine stärkere Wirkung.

Auf der ersten Seite sehen wir im Titel Batmans Kopf neben seinem Schriftzug, der immer noch in Anführungszeichen steht. Daneben ein kleines Waagensymbol mit der Inschrift „Justice“. Der Ankündigungstext ähnelt sehr dem ersten, nur dass diesmal erklärt wird, dass er in Wahrheit Bruce Wayne ist.

Zu Beginn der Geschichte haben unbekannte Diebe Juwelen im Wert von 100.000 Dollar gestohlen. Der Polizei fehlt jede Spur. Bruce Wayne klärt den Fall mit einem Telefonat: Er ruft einen Informanten im Knast an, gibt sich als Gordon aus und erfährt, dass Frenchy Blake und seine Gang dahintersteckt.

Als Batman überwältigt er zwei Diebe auf einem Dach, einen stürzt er in die Tiefe – Batmans zweites Todesopfer. Als einer eine Waffe auf ihn richtet, schlägt er ihn K.O. Er schnappt sich die Beute, doch als er zwei Polizisten auf sich zukommen sieht, lässt er sie absichtlich fallen. Die Polizisten schießen nach ihm, aber er springt vom Dach, macht einen Salto und schwingt sich mit einem Seil davon. Das ist das erste Mal, dass Batman als Akrobat auftritt.

Danach wird Batman aber für den Kopf der Gang gehalten. Aber Batman wollte das so. Die Diebe machen dann nämlich weiter – und Batman sie auf frischer Tat schnappen. Er belauscht sie am Fenster, er schwingt sich später am Tatort zum Fenster rein und knockt die Diebe aus, informiert Gordon.

Schurke mit Monokel und Ziegenbärtchen: Frenchie Blake

Später stürzt er sich auf den Anführer Frenchy Blake, einem Mann mit Monokel und Ziegenbärtchen. Zunächst sieht man, wie schwarze Silhouette zur Tür hereinkommt und ihn erschreckt. Batman schlägt ihn zur Begrüßung, dann wickelt er ein Seil um ihn und wirft ihn aus dem Fenster. Batman erpresst ihn, ein Geständnis zu schreiben oder er schneidet das Seil durch. Frenchy tut, wie ihm geheißen, versucht es trotzdem nochmal mit Gewalt, aber bei Batman ist nichts zu machen, er verpasst ihm noch eine, und zwar so stark, dass Frenchy ihn anfleht, es nie wieder zu tun. Der Held lädt den Gauner vorm Polizeihauptquartier ab, samt Geständnis, Juwelen und einer Botschaft an Gordon.

Der Mythos wird hier beträchtlich erweitert: Batman ist nicht nur ein beliebig kostümierter Vigilant, er verbreitet mit seinem Kostüm Angst und wird ihm gerecht, indem er im Rahmen seiner Möglichkeiten zu fliegen scheint. Batman nutzt aber auch moralisch alle Möglichkeiten aus: Er foltert und er tötet, auch wenn man es hier ihm als Notwehr durchgehen lassen kann.

Obwohl er außerhalb des Gesetzes wirkt und von der Polizei verfolgt wird, arbeitet er hier direkt der Polizei zu. Dabei geht er sogar den Umweg, selbst des Diebstahls verdächtigt zu werden. Batman ist ein Held, der wie ein Schurke aussieht. Aber es sollen nur die Schurken sein, die vor ihn Angst haben. Man könnte sagen, er arbeitet an seiner Reputation. Das gibt Gordon am Ende zu denken.

>> Batman 1939: Detective Comics #27
>> Batman 1939-1949

Batmans wahrer Vater: Bill Finger

Es ist die große Lüge des Batman-Mythos: „Batman created by Bob Kane“. 76 Jahre lang war es so oder ähnlich in allen Comics und Filmen zu lesen. Aber es war bestenfalls nur die halbe Wahrheit. Erst 2015 änderte sich der Credit: „Batman created by Bob Kane with Bill Finger.“ Viele Fans wussten damals mit dem zweiten Namen nichts anzufangen. Bis der Name bekannt wurde, war es ein langer harter Kampf.

Bill Finger war nicht nur der Autor der ersten Batman-Storys, er schrieb nicht nur Batman-Comics bis in die 60er Jahre hinein, er erschuf auch Batmans ganze Welt. Finger erfand  Charaktere wie Robin, Commissioner Gordon, Joker, Catwoman, Clayface I & II, Two-Face, Riddler und Mad Hatter, er gab Gotham City seinen Namen und überhaupt machte er Batman zu dem, was er heute ist.

Proto-Batman von Bob Kane

Am Anfang war nur Bob Kanes Idee: der Name „Bat-Man“ und eine Zeichnung, die wenig mit dem zu tun hat, wie Batman später geworden ist: ein Typ in roter Unterwäsche, mit steifen schwarzen Flügeln und einer Augenmaske – keine spitzen Ohren, kein Logo auf der Brust. Es war Bill Finger, der vorschlug, Batman zu einer düsteren Figur der Nacht zu machen, sein Gesicht von einer Maske zu verdecken, die ihn wie eine Fledermaus aussehen ließ, und ihm ein Cape zu verleihen.

Die Idee kam bei DC (damals noch National Comics) gut an, Bob Kane schloss einen Vertrag mit dem Verlag, Bill Finger wurde zu seinem Ghostwriter und damit auch zu seinem Angestellten. „The Bat-Man“ wurde von seinem ersten Auftritt in Detective Comics #27 (1939) ein Hit. Künftig stand unter jeder Geschichte „Bob Kane“, auch wenn später andere Zeichner und Autoren übernahmen. Aber Bill Finger wurde niemals erwähnt.

Bis in die 60er Jahre hinein kannte niemand diesen Namen, bis er auf einer Convention auftrat. Erst 1966 bekam er einen Credit für seine Autorschaft an Batman – eine Doppelfolge für die Batman-TV-Serie mit Adam West, die er zusammen mit seinem Freund Charles Sinclair schrieb (The Clock King’s Crazy Crimes/The Clock King Gets Crowned). Als es sich unter Fans herumsprach, dass Bill Finger der Mann hinter Batman war, zeigte sich Bob Kane unfair: Er widersprach der Behauptung öffentlich und sagte, er allein habe Batman erschaffen.

Bill Finger schrieb Batmans Entstehungsgeschichte (Batman #1, 1940, DC Comics)

Erst nach Fingers Tod änderte sich das. Der Autor starb 1974 einsam und verarmt in seiner Wohnung. Er wurde nicht mal 60 Jahre alt. Er bekam ein anonymes Grab. Bob Kane allerdings hatte sich früh einen Anteil an den Einnahmen von Batman gesichert und heimste bis in die 90er den Ruhm dafür ein. Trotzdem gab er in späteren Jahren zu, dass Finger zu „50 bis 75 Prozent“ an Batmans Entstehung beteiligt war.

Diese Geschichte erzählt der Dokumentarfilm Batman & Bill (2017). Er zeigt, wie der Autor Marc Tyler Nobleman versucht hat, mehr über Bill Finger herauszufinden, um ein Buch über ihn zu schreiben (Bill the Boy Wonder: The Secret Co-creator of Batman, 2012). Nobleman machte die letzte Nachfahrin ausfindig, die Großenkelin Athena Finger, und begleitete sie bei ihrem Kampf um Fingers Anerkennung als Batman-Mitschöpfer.

Obwohl Comic-Historiker längst Fingers Autorschaft anerkannt hatten, sperrte sich Warner Bros. lange Zeit dagegen, Finger zu nennen, wohl aus Angst, dass damit weitere Ansprüche gestellt werden könnten. Aber um Geld ging es Athena Finger nicht. Erst 2015 setzte sie durch, dass Bill Finger genannt wird. Auf der Leinwand wurde er erstmals im Film Batman v Superman erwähnt.

Batman & Bill erzählt nicht nur von einem vergessenen Kapitel Comicgeschichte als spannende Recherche, sondern auch von einer dramatischen Familiengeschichte. Bill Fingers einziger Sohn Fred verließ seine Familie, nachdem er sich zu seiner Bisexualität bekannt hatte, er erkrankte an Aids und starb 1992 daran.

Interessanter Nebeneffekt: Nobleman wird selbst zum Detektiv, um dem wahren Schöpfer von Batman zu seinem Recht zu verhelfen. Ganz wie sein Vorbild Batman.

Leider ist die Dokumentation nur auf Hulu in den USA zu sehen. Eine deutsche Version fehlt.

UPDATE: Batman & Bill erscheint am 17. Oktober 2019 in Deutschland auf Blu-ray.

Hinweis: Bill Finger schrieb seine letzte Detective-Comics-Ausgabe 1964 (#328)– es war das Heft, in dem Alfred Pennyworth (scheinbar) stirbt. Seine letzte Batman-Ausgabe war #177 (1965), seine allerletzte Arbeit an Batman kann man in World’s Finest #165 (1967) nachlesen.

Batman 1939: Detective Comics #27

detective comics 27 cover

DC Comics

Titel: The Case of the Chemical Syndicate

Autor/Zeichner: Bill Finger/Bob Kane

Erschienen: 1939 (Detective Comics #27), Paperback 2005/2016 (Batman Chronicles Vol. 1/Batman: The Golden Age Vol. 1)


Vor 80 Jahren, am 30. März 1939, erschien die erste Batman-Story in Detective Comics #27. The Case of the Chemical Syndicate (inspiriert von einer The Shadow-Geschichte) umfasst nur sechs Seiten, aber diese haben gereicht, um der Titelfigur sofort zum Erfolg zu verhelfen.

Schon das Cover mit seinem rot-gelben Hintergrund erregt Aufmerksamkeit. Während Superman auf dem Cover von Action Comics #1 im Jahr zuvor noch übermenschliche Stärke bewies, indem er ein Auto an einen Felsen rammte, schwingt hier eine maskierte Figur mit bauschendem schwarzen Umhang an einem Seil durch die Luft und hält einen Mann im Schwitzkasten – auch das eine beachtliche athletische Leistung, die über menschliche Grenzen hinausgeht. Bei Superman rannten die Menschen und damit die Verbrecher in Angst davon, Batman aber hält das Verbrechen buchstäblich im Würgegriff, er ist näher an den Menschen, was man auch daran sieht, dass die beiden Gangster im Vordergrund sich ihm zuwenden, einer richtet sogar seine Waffe auf den Helden – und stellt so eine Gefahr dar. Superman hingegen kann nichts etwas anhaben.

Damit ist Batman, der zunächst erfunden wurde, um einen zweiten Superman zu etablieren, etwas ganz Eigenes geworden. Bereits auf dem Cover wird deutlich, dass es sich um einen Anti-Superman handelt. Schwarz-grau statt rot-blau, menschlich statt außeridisch, mysteriös statt auffällig. Batman verbirgt sein Gesicht. Und genau darum geht es auch in der ersten Geschichte, um eine Geheimidentität. Zugleich tritt auch bereits sehr viel von dem zutage, was den Charakter von Batman ausmachen wird.

Auf Seite eins sieht man zunächst nur Batman als Schattenriss. Noch bevor ein Logo etabliert ist, das den Neuling zur Marke macht, etabliert sich hier bereits die abstrahierte Fledermaus, die sich vor einem gelben Vollmond abzeichnet, als Prototyp mit Wiedererkennungswert. Batman steht auf einem Dach, steht damit über den Dingen, behält den Überblick, während im Hintergrund die Wolkenkratzer der Stadt zu sehen sind, die später einmal Gotham City genannt werden wird – eines der Pseudonyme für New York City.

Batman erscheint im ersten Panel bereits als eine Art Batsignal, noch bevor es als solches etabliert wird. Der Schattenriss ist aber auch ein Hinweis darauf, dass seine wahre Identität unbekannt ist. Nicht von ungefähr heißt es noch „The Bat-Man“ – Fledermaus und Mann sind noch getrennt durch einen Bindestrich. Erst später sollen sie zur unzertrennlichen Einheit verschmelzen.

Raucher unter sich: Bruce Wayne und Gordon

Zu Beginn sind wir bei Commissioner Gordon zuhause. Bei ihm ist sein junger Freund, der Promi Bruce Wayne. Man sitzt gemützlich im Sessel und raucht: Gordon Zigarre, Bruce Pfeife. Bruce stützt melancholisch oder gelangweilt den Kopf mit der Hand und fragt, ob in letzter Zeit etwas Spannendes passiert sei. Nein, sagt Gordon, nur dieser „Bat-Man“ lege ihm Rätsel auf, aber da klingelt auch schon das Telefon und die Krimi-Handlung setzt ein.

Der Chemie-König Lambert, wurde erstochen. Die Fingerabdrücke seines Sohnes sind auf dem Messer. Gordon fährt hin, Bruce kommt mit, da er nichts Besseres zu tun hat. Der Sohn behauptet, seinen Vater sterbend gefunden zu haben und beteuert seine Unschuld. Dann ruft ein anderer, Steven Crane, bei Lambert an, um ihn vor dem Mord zu warnen, und behauptet, eine Morddrohung erhalten zu haben. Während Gordon sich die Story anhört, empfiehlt sich Bruce Wayne.

Batmans erster Auftritt

Kurz darauf wird Crane tatsächlich ermordet. (Diese angekündigten Morde werden auch später in der ersten Joker-Story ein wichtiger Modus Operandi.) Und als der Mörder seinen Komplizen auf dem Dach des Hauses trifft, um ihm ein Dokument zu übergeben (ein seltsamer Treffpunkt), steht da plötzlich Bat-Man mit verschränkten Armen vor ihnen, als hätte er sie bereits erwartet. Die beiden Gauner wissen, mit wem sie es zu tun haben. Bat-Man verhaut den einen, den anderen wirft er vom Dach und greift sich das Dokument. Ob der Hinabgestürzte überlebt, bleibt unklar, genauso wie die Frage: Wenn Bat-Man wusste, dass auf Crane ermordet werden sollte, warum hat er auf dem Dach gewartet, dass es passiert, statt es zu verhindern?

Vielleicht war er nicht rechtzeitig genug da. Denn erst kurz darauf trifft auch Gordon ein. Doch als er Bat-Man sieht, befielt er den anderen Polizisten, den Maskierten zu schnappen. Ein Schuss geht los, aber man kümmert sich nicht weiter drum. Später wird dieser Aspekt in Year One zu einem handlungstragenden Element: Die Polizei jagt den Vigilanten auch deshalb, weil er die Korruption gefährdet. Gordon konvertiert vom Verfolger zum Partner. Hier aber beschränkt sich seine Freundschaft nur auf Bruce. Bat-Man ist zu Beginn noch illegal und unerwünscht.

In der nächsten Sequenz sehen wir Batman in seinem Auto davonbrausen: das Batmobil ist noch eine rote Limousine, ohne Fledermaus-Markenzeichen. Zwei weitere Männer sind in Gefahr: Rogers und Stryker. Als der eine den anderen besucht, um ihn zu warnen, schlägt der Strykers Assistent, Jennings, Rogers K.o. und will ihn in einem Labor vergasen. Bat-Man stürzt sich tollkühn unter die Glasglocke, verstopft das Gas-Rohr und zerschlägt die Glocke mit einer Zange. Jennings wird ausgeknockt.

Batman rettet Rogers

Als Stryker auftaucht und sieht, dass Rogers immer noch lebt, geht er mit einem Messer auf ihn los, um den Job selbst zu erledigen. Bat-Man entwaffnet ihn mit einem Handgriff und erklärt die Handlung: Der Schurke war mit den drei Partnern an einem Chemie-Unternehmen beteiligt und wollte die anderen töten lassen, um sie nicht auszahlen zu müssen. Stryker versucht noch einmal, mit einer Waffe freizukommen, Batman schlägt ihn und der Schurke fällt in einen Säuretank. Bat-Man ist ungerührt: „A fitting ending for his kind“, findet er und versucht nicht mal, den Mann da rauszuholen. Das ist die erste Leiche, die auf Batmans Konto geht. (Falls nicht schon der Komplize, den er vom Dach geworfen hat, gestorben ist.)

Sturz in den Säuretank: Batmans erste Leiche

Rogers will seinem Retter danken, aber da ist er schon mitten im Satz verschwunden (allerdings noch sichtbar durch das Oberlicht) – auch das ist ein Verhalten, mit dem er später vor allem den Commissioner nerven wird. Als Gordon Bruce Wayne am nächsten Tag die Story erzählt, tut dieser sie als Märchen ab. Gordon findet, dass er zwar ein netter Junge sei, aber er bedauert ihn, ein so langweiliges Leben zu führen, dass er sich für nichts interessiere.

Bruce Wayne erweist sich als Bat-Man

Doch als Bruce nach Hause geht, erfahren die Leser, dass er niemand Geringeres als Bat-Man ist. Was für heutige Leser Allgemeingut ist, war in der ersten Ausgabe noch eine verblüffende Wendung – und darin lag auch, abgesehen von der waghalsigen Action, der eigentliche Reiz dieser allzu abgehetzt erzählten und konventionellen Kriminal-Geschichte.

Was die erste Batman-Story ebenfalls einführt, ist das Thema Chemie. Immer wieder wird es Batman mit Schurken zu tun bekommen, die von Säure entstellt wurden (Joker, Two-Face), die mit Gas (Scarecrow) oder mit Gift manipulieren (Poison Ivy) oder sich mit Drogen aufputschen (Bane, Man-Bat). Der Sturz in den Säuretank wird später Teil des Joker-Mythos (The Man Behind the Red Hood, Detective Comics #168, 1951 & The Killing Joke) und eine spätere Neu-Interpretation von The Case of the Chemical Syndicate deutet an, dass bereits dabei der Joker entstanden sein könnte (Detective Comics #27, 2013).

Weitere Adaptionen gab es in Detective Comics #387 (1969), Secret Origins #6 (1986) und Detective Comics #627 (1991). Aber dazu später mehr.

(Hinweis: Detective Comics #27 kann man sich gratis bei Comixology herunterladen.)

>> Batman 1939-1949


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Old Man Batman, Baby Batman

Titel: Rip Van Batman/Batman Becomes Bat-Baby

Autor/Zeichner: Bill Finger/Sheldon Moldoff

Erschienen: 1958/1962 (Batman #119/#147)


Im Silver Age war nicht nur alles möglich, es wurde auch alles einmal durchgespielt. Und Batman machte ständig wilde Verwandlungen durch. Nicht nur sein Kostüm, auch sein Körper. Einmal wurde er zu einem Greis, dann zu einem Kind.

Die Story „Rip Van Batman“ (angelehnt an die Erzählung Rip Van Winkle) ist nur eine Halluzination, die Batman durchmacht, nachdem er den Duft einer exotischen Pflanze eingeatmet hat, also eine Art Imaginary Story. Batman schläft ein und erwacht als alter Mann mit weißem Rauschebart. Er findet sich in der Zukunft wieder, in der Dick Grayson als Batman mit einem blonden Robin Verbrecher bekämpft.

Wayne Manor und Batcave sind Geschichte

Die Geschichte nimmt in gewisser Weise The Dark Knight Returns und sogar Ben Afflecks Version vorweg. Niemand glaubt ihm, dass er Bruce Wayne ist. Wayne Manor ist eine verlassene Ruine, die Bathöhle ist leergeräumt. Der Alte muss sich als Batman erst beweisen. Als er Batman sieht, dass das Dynamische Duo in einem Planetarium von Ganoven festgehalten wird, versucht er sie zu retten, doch gerät selbst in Gefangenschaft.

Die alten Knochen wollen nicht mehr so wie er es gerne hätte. Dafür umso mehr der Geist. Der Greis schafft es nicht nur, sich dank eines Stück Glases aus seinem Gürtel zu befreien, er versetzt auch die Schurken in Angst und Schrecken, als er den Schatten eines Skorpions an die Wand wirf. Doch kaum sind die Bösen geschlagen, wacht Batman wieder aus dem Delirium auf.

Vier Jahre später läuft es andersrum. Batman wird bei einem Einsatz gegen Juwelendiebe von einem Wissenschaftler mittels eines Energiestrahls verjüngt. Plötzlich steckt ein Vierjähriger in einem viel zu großen Kostüm und Robin muss ihn zum Batmobil tragen. Bald darauf landet ein Foto in der Zeitung und alle wissen Bescheid.

Ist die Karriere jetzt beendet? Nein, der kleine Bruce hat’s immer noch drauf. Er macht aus der Not eine Tugend. Wenn die Unterwelt ihn ein Baby nennt, dann kleidet er sich auch wie eines: Er zieht zu Maske und Cape kurze Latzhosen und ein graues T-Shirt an und will allen beweisen, was in ihm steckt.

Mit seinen kurzen Beinen ist er vielleicht zu langsam, aber dafür ist er auch leicht genug, sich mit einem Heliumballon auf ein Dach tragen zu lassen und Gangster auszuknocken. Aber was ist mit den Frauen? Als die lästige Kathy Kane (Batwoman) vor der Tür steht, um Bruce zu sehen, lässt er einen Schatten an die Wand werfen, der aussieht, als würde er eine Frau küssen. Es wäre einfacher gewesen, sich von Alfred krankmelden zu lassen. Aber bei Batman muss immer die Frau gekränkt werden, um sie los zu sein.

Batbaby und Robin im Einsatz

Bat-Baby und Robin spüren die Gangster auf, die Batman verkleinert haben, Bat-Baby knockt sie mit einem Schaukelpferd aus und Robin mit einer Harfe – man nimmt, was eben zur Hand ist. Die Bösen sind so baff, dass sie einfach umfallen. Und plötzlich ist Batman wieder ganz der Alte. Zum Glück hatte er ein zusammenfaltbares Plastikkostüm dabei.

Batbaby-Kostüm in der Vitrine

Am Ende landen die Latzhosen in einer Vitrine. Als Andenken einer kurzen Kindheit, sagt Batman. Eine tragische Doppeldeutigkeit …

Die Moral dieser Geschichten ist klar: Batman ist jederzeit Batman, sei er auch noch so benachteiligt oder lächerlich. Und trotzdem spielten spätere Autoren lieber wieder „Old Man Batman“, als an diese kindische Episode zu erinnern.

>> Batman in den 50ern
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Batman als Alien

Titel: The Alien Batman/The Eight Wonder of Space

Autor/Zeichner: Edmond Hamilton, Bill Finger/Sheldon Moldoff

Erschienen: 1958/1961 (Detective Comics #251/Batman #140)


In Gotham wird eine nicht genehmigte Landung registriert. Commissioner Gordon und Vicki Vale fahren hin und was sie sehen, können sie nicht glauben: Zwei Aliens fliegen mit einem Ufo weg – und eines der Aliens trägt ein Batman-Kostüm! Jetzt könnte man sagen: Eines der Aliens ist ein Batman-Fan, fliegt zu einem Maskenball oder die ganze Sache ist ein Schwindel. Stattdessen schöpfen Gordon und Vale einen bösen Verdacht: Könnte Batman ein feindseliges Alien sein?

Gordon stellt das Dynamische Duo zur Rede. Batman streitet alles ab. Seine Maske ablegen kann er nicht, sonst würde er seine Identität preisgeben, aber eine Untersuchung beim Arzt ergibt, dass sein Blut tatsächlich nicht von dieser Welt stammt.

Daraufhin beginnen die Spekulationen. Seine einstigen Freunde sehen seine frühreren Heldentaten in einem anderen Licht: Wie konnte Batman einen Arbeiter vor Hochspannung retten? Hat er vielleicht übermenschliche Kräfte? Kann er Gedanken lesen? Hat er sogar telekinetische Kräfte? Ist er unverwundbar? Und waren seine hanebüchenen Erklärungen für all das vielleicht doch nur Lügen? Auch die Menschen von Gotham sind verunsichert. Die besorgten Bürger befürchten finstere Machenschaften.

Während Polizei, Presse und Pöbel mit wilden Spekulationen beschäftigt sind, versuchen Batman und Robin mit guter alter Detektivarbeit den Fall zu lösen. Und tatsächlich ist die ganze Sache nur ein Trick gewesen, um Batmans Ruf zu schaden. Batman revanchiert sich, indem er vor den Gaunern so tut, als wäre er tatsächlich ein Alien mit spitzen Ohren und Fühlern.

Batman als Fake-Alien

Die Episode hinterlässt einen bitteren Nachgeschmack. Erstens weil sie zeigt, wie schnell das Vetrauen in Batman verloren gehen kann, zweitens, wie paranoid und fremdenfeindlich die Menschen sein können. Darin wirkt noch die McCarthy-Ära der 50er nach. Denn man kann sich fragen: Selbst wenn Batman ein Alien wäre – was wäre daran so schlimm? Superman ist auch eins, aber daran stört sich niemand. Wahrscheinlich, weil Superman wie ein Mensch aussieht …

Drei Jahre später werden Batman und Robin tatsächlich in Aliens verwandelt. Während sie mit ihrem Batplane durch die Gegend düsen, bringt sie ein außerirdischer Energiestrahl auf einen anderen Planeten, wo sie sich (wegen der Atmosphäre) in grüne Männchen mit langen grünen Gesichtern und Fühlern verwandeln.

Gordon glaubt den beiden mal wieder nicht: „You’re lying!“ Er und Batwoman halten die Aliens für Betrüger. Batman kann die beiden überzeugen, indem er etwas über sie sagt, was nur er wissen kann. Aber ihre Verwandlung hat auch etwas Gutes: Als Aliens können Batman und Robin mit ihren telekinetischen Kräften die Yellow Sweater Gang aufhalten.

Batman als Alien

Nur was machen sie als Bruce Wayne und Dick Grayson? Bruce ist mit Kathy verabredet … Da hat Bruce eine Idee: Sie gehen zu einem Maskenball und er tut so, als würde er sich als Alien-Batman verkleiden. Doch Kathy findet das gar nicht witzig und knallt ihm die Tür vor der Nase zu. (Natürlich kommt sie nicht auf den naheliegenden Schluss.) Bruce‘ Plan geht auf.

Auch als Alien-Crimefighters haben die beiden weniger Glück: Da sie ihre Kräfte noch nicht im Griff haben, lassen sie die Gangster entwischen, als sie sie aufspüren, lassen sie sich gefangennehmen. Und als dann auch noch ihr Alien-Erscheinung von selbst schwindet, drohen sie aufzufliegen. Aber natürlich geht in letzter Minute alles wieder gut.

Aber das ist noch längst nicht die letzte verrückte Verwandlung, die Batman in den 60ern erleben darf. Es kommt noch viel dicker …

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