Robin

Als Batman gegen Nazis kämpfte (Teil 3)

DC Comics

Titel: The Bond Wagon

Autor/Zeichner: Joseph Greene/Jack Burnley

Erschienen: 1943 (Detective Comics #78), Hardcover 2017 (Batman: The Golden Age Omnibus Vol. 3)


„Robin, like most Americans you underestimate the Nazi!“ (Batman)

Die meisten Amerikaner begreifen nicht, dass der Zweite Weltkrieg wie der Unabhängigkeitskrieg von 1776 sei, stellt Dick Grayson fest, während er seine Geschichtshausaufgaben erledigt. Bruce Wayne gibt ihm recht. Wenn doch nur mehr Menschen das einsähen, dann würden sie mehr Kriegsanleihen kaufen, sagt Robin. Da kommt Bruce eine Idee: Lass uns Werbung machen!

Schon zieht man die Kostüme an und startet eine Kampagne für eine Art Parade. Batman castet ein paar Leute, die die Gründerväter des Landes mimen sollen und zieht mit ihnen auf einem „Bond Wagon“ durch die Gegend, lässt sie Szenen von früher nachspielen und verkauft Kriegsanleihen wie warme Semmeln.

Das gefällt den Nazis im Lande überhaupt nicht. Ein breiter Skinhead namens Baron von Luger lässt die Aktion sabotieren. Zuerst schlüpfen die Nazis heimlich in die Rolle der Hessen, die damals auf der Seite der Briten gekämpft haben (tatsächlich gab es deutsche Söldner im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg). Weil Robin die Betrüger auffliegen lässt, kommt es zum Kampf zwischen den Schauspielern und den falschen Hessen bzw. echten Nazis. Einer von ihnen versucht sogar, Robin von hinten zu erstechen. „The master race, indeed! Master of the stab in the back!!“, kommentiert der Erzähler sarkastisch.

Später kommt es zu einer Schlacht auf hoher See: Ein Segelschiff gegen ein Nazi-U-Boot. Schließlich versuchen die Nazis, einen der Teilnehmer des Bond Wagons zu schmieren, um ihn auf seine Seite zu ziehen. Doch Robin bekommt das mit, folgt den Schurken in ihr Geheimversteck und zusammen mit Batman bekommt bekommen die Nazis, was sie verdienen. Baron von Luger fällt nach einem Schlag gegen ein Hitlerporträt, das von der Wand fällt. „That’s the way to beat the Nazi!!“, sagt Batman. Und am Ende salutiert das Dynamische Duo den Amerikanern, die ihre patriotische Pflicht erfüllen.

Bei all dem stellt sich die Frage: Für wen inszenieren Batman und Robin eigentlich ihre Reenactments? Die meiste Zeit ist gar kein Publikum zu sehen und es kann auch kaum irgendwo stehen, wenn etwa auf hoher See gesegelt wird. Die Antwort ist klar: Es ist eine Inszenierung für die Comicleser. Denn eigentlich werden die Schauspiele nur dadurch interessant, dass die Protagonisten wirklich kämpfen. Das führt aber zu einer paradoxen Situation: Es sind zwar echte Schurken, aber die Nazis verfremden die nachzustellende Geschichte zu einer anachronistischen Farce. Ganz zu schweigen von dem schiefen Vergleich: Die Nazis sind nicht die Briten von damals und auch nicht wie die hessischen Söldner. Aber hier wird auf Teufel komm raus die Geschichte so gedeutet, dass sich Parallelen auftun müssen. Der Zweck der Propaganda heiligt offenbar die Mittel …

Mehr zum Thema:

Wiedersehen mit Catwoman und Joker

Catwoman im Golden Age (Teil 2)

DC Comics

Titel: Joker Meets Cat-Woman

Autor/Zeichner: Bill Finger/Bob Kane

Erschienen: 1940 (Batman #2)


„We’ve met before, haven’t we?“ (Batman)

Breaking News! Der Joker ist gar nicht tot, nach seiner letzten Begegnung mit Batman (siehe Batman #1) wird er im Krankenhaus gesund gepflegt. Kaum hat Batman die Nachricht gelesen, bricht er auf, um den Joker zu entführen und ihn einer Gehirnoperation zu unterziehen, auf dass der Geisteskranke endlich geheilt werde. Doch die Gang Crime Syndicate Inc. hat eigene Pläne: Sie überfällt das Krankenhaus und zwingt die Ärzte, den Joker schnell wieder zusammenzuflicken.

Da taucht Batman auf – und liefert sich eine wilde Verfolgsjagd mit der Polizei. Seltsam, dass er so gewalttätig ist, denkt sich Commissioner Gordon, bei dem man sich fragen muss, warum er Batman überhaupt verfolgt, aber egal: Batman wird erschossen und es stellt sich heraus – das war gar nicht der echte Batman, sondern nur ein Ablenkungsmanöver der Bad Guys.

Zufällig hat die Diebin „The Cat“ alles beobachtet, weil sie gerade als alte Kaugummiverkäuferin verkleidet vor dem Krankenhaus stand. Was sie in dem Aufzug dort wollte, erfahren wir leider nicht. Aus dem Nichts taucht Batman auf, hocherfreut sie zu sehen, trägt er sie auf Händen zu seinem Auto. Zur Polizei bringt er sie wieder nicht: Nachdem sie ihm gesagt hat, was sie über den Joker weiß, darf sie gehen.

Was Batman nicht weiß: der Joker und Cat-Woman haben es auf die Juwelen des Pharao abgesehen. In einem Schloss kommt es zum Showdown: Robin gegen den Joker, Batman schwingt sich zum Schwertkampf herein. Am Ende geht alles in Flammen auf, der Joker bleibt zurück und Catwoman rettet sich einem Sprung ins Wasser. (Normalerweise ist das Jokers Abgang.) Zum Glück aber hat Batman die Juwelen an sich genommen.

Es ist das erste Mal, dass die Diebin, die bisher nur „The Cat“ genannt wurde, jetzt Catwoman genannt wird. Aber noch sieht sie nicht wie eine aus, stattdessen trägt sie ein gelbes Cape mit Kapuze und ein grünes Kleid. Beim nächsten Mal wird sich das Kostüm deutlich verändert haben …

Catwoman im Golden Age:

Katze trifft Fledermaus

Catwoman im Golden Age (Teil 1)

DC Comics

Titel: The Cat

Autor/Zeichner: Bill Finger/Bob Kane

Erschienen: 1940 (Batman #1)


„Lovely girl! What eyes!“ (Batman)

Vor Catwoman gab es the Cat: eine hübsche wie raffinierte Diebin, ohne Katzenkostüm, aber schon verkleidet, eine Unbekannte, aber von Anfang an anziehend für Batman …

Beginnen wir am Anfang: Die erste Catwoman-Story beginnt als erste Robin-Solo-Story. Gleich in seinem dritten Abenteuer darf Dick Grayson sich zunächst alleine behaupten. Bruce Wayne lässt ihn als Kellner auf einer Yacht arbeiten, um eine teure Kette vor Dieben zu schützen. Dick ist sehr aufmerksam, hat auch schon gleich zwei Verdächtige unter den Gästen erspäht, als die Kette plötzlich weg ist – gestohlen von einem Unbekannten.

Kurz darauf treffen Gangster auf der Yacht ein, um die Kette zu rauben, aber sie kommen zu spät, also nehmen sie mit, was sonst noch da ist. Als Dick einen Kampf mit ihnen anfängt, springt er ins Wasser, zieht sich schnell sein Robin-Kostüm an, während er Maschinengewehrkugeln ausweicht. Da trifft auch schon Batman ein, überwältigt die Gauner auf ihrem Boot, Robin hält sie fest.

Aber weil es offenbar niemand eilig hat, passiert plötzlich etwas Seltsames: ein Experiment. Batman lässt vier Gangster auf Robin los, um den amerikanischen Kindern zu zeigen, wie feige sie ohne ihre Waffen sind. Hier ist sich die fiktive Held bewusst, dass er nur eine Comicfigur ist und dass er vor einem Kinderpublikum auftritt! Das ist einzigartig für Batman. Und als auf der nächsten Seite die Verbrecher ihre Lektion bekommen haben und vor Robin erzittern, wendet sich Batman direkt an die Leser, wiederholt seine Botschaft und ermuntert sie, sich dem Kampf gegen das Verbrechen anzuschließen.

Zurück zum Plot: Auf der Yacht sind mittlerweile alle so bedrückt, bestohlen worden zu sein, dass sie eine Kostümparty schmeißen, um sich wieder aufzuheitern. Ein Preis soll verliehen werden für die beste Verkleidung. Als Batman erscheint, geht der Preis an ihn, weil er nicht für den richtigen Batman gehalten wird. Und wieder haben wir es mit einer Selbstreferenzialität zu tun: „An ironical joke takes place!!“ Batman ist mittlerweile so legendär, dass seine tatsächliche Erscheinung nicht mehr für wahrscheinlich gehalten wird. Interessant: Während er sich selbst als das erkennt, was er wirklich ist, erkennen die anderen ihn nicht als echten Batman.

batman-1-catwoman-papa-span.jpg

„Quiet or papa spank!“ Batman und The Cat. (DC Comics)

Erst jetzt kommt die Hauptschurkin ins Spiel: Robin löst einen falschen Feueralarm aus und als alle Gäste losrennen, offenbart sich eine alte Frau als gute Läuferin mit schönen Beinen: „Nice legs for an old woman.“ Batman überwältigt sie, wischt ihr rüde die Schminke aus dem Gesicht („Quiet or papa spank!“ – Ja, er sagt es wirklich.) und nimmt ihr die Kette ab.

Die Schurkin offenbart sich als the Cat, von der Batman schon gehört hat. Sie bietet ihm an, sich ihr anzuschließen; sie würden ein tolles Team als König und Königin des Verbrechens hergeben, findet sie. Aber Batman bleibt hart. So scheint es zunächst. Denn als das Dynamische Duo sie mit dem Boot zur Polizei bringen will, lässt er sie über Bord springen. Nicht nur, dass er sie nicht verfolgt, er hindert auch Robin daran, hinterherzuspringen. Am Ende schwärmt er laut von ihrer Schönheit und muss sich selbst daran erinnern, dass er bereits an eine gewisse Judy (Madison) vergeben ist, aber er sehnt sich jetzt schon nach einem Wiedersehen mit der Katzendiebin …

Auch das ist bemerkenswert, weil der unbestechliche Verbrechensbekämpfer hier erstmals mit seinen Prinzipien bricht. Von Anfang an hat die Schurkin eine ganz besondere Wirkung auf Batman. Man kann sagen: In dem Augenblick, in dem er sich seiner wahren Erscheinung selbst bewusst wird, ihn aber andere nicht als wahren Batman erkennen, wird er zu einem anderen Batman, einem Helden mit einer dunklen Seite, die von einer Frau hervorgerufen wird.

Mehr zum Thema:

Als Batman gegen Nazis kämpfte (Teil 2)

DC Comics

Titel: The Two Futures

Autor/Zeichner: Don Cameron/Jack Burnley

Erschienen: 1943 (Batman #15), Hardcover 2016 (The Golden Age Omnibus Vol. 2)


„Too bad this war wasn’t settled with fists!“ (Batman)

Was kommt nach dem Krieg? Diese Frage treibt Batman und Robin um. Deshalb suchen sie Professor Ranier auf, einen Historiker, der gerne Vorhersagen macht und die sich in der Regel als richtig herausstellen. Der Professor erzählt (zusammen mit seinen Kollegen Proe und Con) zwei Versionen der Zukunft.

In der einen haben die Nazis und Japaner den Krieg gewonnen, in den USA herrschen die Achsenmächte mit Gewalt und Terror, Menschen werden erschossen und in Konzentrationslagern gefangen gehalten. Batman und Robin legen sich mit den Nazis an, ein kleiner Junge mit Zwille hilft ihnen, auch bei einer späteren Flucht. Das Dynamische Duo verhaut Nazis, sie befreien Gefangene aus einem KZ, aber trotz aller Bemühungen werden sie angeschossen, gefangen genommen und hingerichtet. „Democracy doesn’t need saving“, sagt Batman am Ende noch trotzig. Solange noch Amerikaner lebten, könne man sie nicht töten.

In der zweiten Version komme es, so der Professor, nicht nur auf Soldaten an, sondern auch auf Zivilisten: „Every man, woman and child must win this war!“ Während die Achsenmächte von den Alliierten geschlagen werden, machen Batman und Robin eine geheime Funkstation der Schurken in den USA ausfindig, verkloppen die Deutschen und Japaner und helfen dabei, einen Luftangriff auf Gotham City abzuwehren. Die Achsenmächte kapitulieren und die freie Welt erstrahlt. Diese Version gefällt den beiden Helden viel besser.

Am Ende wird die Moral von der Geschicht wiederholt: Es komme auf jeden an. Aber wie soll das gehen? Batman und Robin gehen mit gutem Beispiel voran, indem sie so viele Kriegsanleihen kaufen, wie sie können. Das Dynamische Duo zeigt auf die Leser und ermahnt sie: „It’s your battle … your future … your America!!!“

Bemerkenswert ist, wie stark sich Comics in Kriegszeiten in den Dienst der Propaganda stellen ließen. Obwohl Batman schon lange keine Schusswaffen mehr benutzt, sieht man ihn auf dem Cover lächelnd mit einem Maschinengewehr schießen, Robin hilft beim Nachladen, als wäre Krieg ein Spiel, darunter steht der Satz „Keep those bullets flying.“ Auch wenn es für die gute Sache war: Die Geschichte ist voller Klischees und auch nicht frei von Rassismus, insbesondere die Japaner, die nur als „Japs“ bezeichnet werden, kommen schlecht weg. „Remember Pearl Harbor!“, ruft Batman einem von ihnen zu, während er ihn umhaut. Insofern dient der Comic nicht nur als patriotisches Bekenntnis zur Demokratie, sondern auch als Vergeltungsfantasie für ein nationales Trauma.

Mehr zum Thema:

 

Als Batman gegen Nazis kämpfte (Teil 1)

DC Comics

Titel: Swastika Over the White House

Autor/Zeichner: Don Cameron/Jack Burnley

Erschienen: 1942 (Batman #14), Hardcover: The Golden Age Omnibus Vol. 2 (2016)


„Imagine … beaten by their own swastika!“ (Robin)

Als die USA im Dezember 1941 in den Zweiten Weltkrieg eintraten, machte sich das auch in den Superheldencomics von DC bemerkbar. Aber auch wenn schon im März 1941 die Konkurrenz Captain America gegen Hitler kämpfen ließ, griffen Superman und Batman nicht in den Krieg ein. Jedenfalls nicht direkt. Zunächst warb Batman auf dem Cover von Batman #12 für Kriegsanleihen, während er einen Armee-Jeep steuerte, in Batman #13 sah man ihn beim Fallschirmspringen. Doch erst eine Ausgabe später sollte er tatsächlich mit Nazis zu tun kriegen, wenn auch nur in Gotham City.

DC Comics

Seltsamerweise weist das Cover zu Batman #14 keinen Kriegsbezug auf, stattdessen sieht man den Pinguin. In einer der Geschichten wird schon im Titel „Swastika Over the White House“ das Schlimmste heraufbeschworen. Ein junger deutscher Spion namens Fritz Hoffner gibt sich als Reporter aus, um insgeheim Informationen über US-Militäranlagen zu sammeln und Sabotage-Akte zu verüben. Er berichtet an einen gewissen Count Felix, der sich in einem Antiquitätenladen versteckt und Monokel und Undercut trägt. Über ihm schwebt eine Deckenlampe in Form eines Hakenkreuzes. Die Schurken sprechen eine seltsame Mischform aus schlechtem Englisch und Pseudo-Deutsch („Himme! It iss too late! Step on der Gas!“).

Das Ziel: Das Weiße Haus soll Adolf Hitlers US-Hauptquartier werden. Doch zunächst soll Fritz dabei helfen, Batman ausschalten. Batman und Robin vollführen gerade akrobatische Kunsstückchen für die Kamera, als die Nazis mit einem Maschinengewehr vorbeifahren. Kein Problem für das Dynamische Duo. Auch als später Fritz versucht, einen Kameramann zu töten, eilen sie zur rechten Zeit zur Hilfe.

Batman und Robin machen den Swastika-Leuchter zur Waffe gegen Nazis. (DC Comics)

Beim dritten Mal werden Batman und Robin jedoch von den Nazis überwältigt (das geht erstaulich einfach) und in einem brennenden Auto auf Treibstofftanks losgelassen. Man kann sich denken, was gerade noch in letzter Sekunde passiert. Und da sich die Nazis auch nicht mehr die Mühe machen, nachzusehen, können die beiden Helden den Schurken in ihr Geheimversteck folgen und sie spielerisch überwältigen – indem sie sich am Hakenkreuz-Leuchter durch den Raum schwingen, Teile davon als Wurfgeschoss benutzen und das Ding schließlich auf die Bösen fallen lassen. Symbolträchtiger geht’s wohl kaum: Die Nazis werden sozusagen mit ihrer eigenen Waffe geschlagen.

Super Sache: Batman und Robin decken dabei auch andere Nazi-Verstecke auf.

Mehr zum Thema:

Todbringendes Eis

DC Comics

Titel: Frozen Assets

Autor/Zeichner: Doug Moench/Kelley Jones

Erschienen: 1995 (Batman #525), Paperback 2017 (Batman Arkham: Mister Freeze)


Mal wieder die Sache mit dem ewigen Leben dank Eis. Mal wieder der Helm. Mal wieder ein Kühlschrank. Mal wieder Poesie.

Mister Freeze verspricht drei alten Menschen, ihr Leben einfrieren zu können, bis die Wissenschaft den Tod besiegt hat. Doch seine Motive sind nicht edel: In Wahrheit schert er sich nicht um ihr Wohlergehen, sondern will nur an ihr Geld. Die drei kennen Freeze’s kriminelle Vergangenheit und trauen ihm nicht. Daraufhin besucht er einen nach dem anderen von ihnen mit der Frostkanone. Als ob es nicht schon reichen würde, dass er Eisberge als Spuren hinterlässt, hat sich Freeze jetzt auch Visitenkarten zugelegt, auf denen „0°“ (null Grad) steht – soll wohl besonders cool sein.

Batman und Robin kommen dem Mörder auf die Spur (wie schnell das immer gehen kann, wenn Schurken so dick auftragen), Batman zerschlägt im Kampf wieder Freezes Helm und setzt ihn in einen Kühlschrank. Ist ihm nicht kalt genug. Aber ein Verlierer muss nehmen was kommt. Dem Schurken ist einfach nicht zu helfen, wenn er nicht aus seinen Fehlern lernt und endlich in bruchsicheres Glas investiert.

(Autor Doug Moench bringt wieder seine Vorliebe fürs Dichten ein, indem er die zwei Handlanger, die Ice und Cube heißen, miteinander reimen lässt. Soll wohl ein Comic Relief sein, nervt aber unglaublich.)

>> Liste der Mister Freeze-Comics

Mister Freeze fängt bei Null an

DC Comics

Titel: The Ice Crimes of Mr. Zero

Autor/Zeichner: Dave Wood/Sheldon Moldoff

Erschienen: 1959 (Batman #121), Paperback 2017 (Batman Arkham: Mister Freeze)


„Got to keep rocking! … It’s … our only chance …“ (Batman)

Bevor Mister Freeze der gefühlskalte Griesgram und kriminelle Dauermelancholiker war, den wir aus The Animated Series kennen und lieben, hat er als lächelnder Mr. Zero angefangen. Zunächst ist er bloß ein Wissenschaftler, der bei der Entwicklung einer Eiskanone mit einem Gas kontaminiert wurde, sodass er nur noch Temperaturen unter Null erträgt. Seitdem muss er einen seinen Anzug tragen, der zwar noch grün-rot ist, aber schon den charakteristischen Glashelm hat. Allerdings erklärt der tragische Unfall nicht seine Vorliebe fürs Verbrechen.

Mr. Zero zieht nämlich getarnt im Eiswagen umher, um Raubüberfälle zu begehen. Batman und Robin kommen ihm sofort auf die Spur, weil kurz nach dem Raub nicht die Polizei kommt, sondern zunächst das Batsignal leuchtet und das Dynamische Duo wie durch ein Wunder sofort am Tatort ist. Naja, egal: die beiden erleben jedenfalls ihr kaltes Wunder, als ihre Verfolgungsjagd von einem Eisstrahl unterbrochen wird.

Beim zweiten Mal werden sie von Zero in Eisklötzen gefangen genommen. Batman befreit sich und Robin, indem er von innen heraus den Klotz bewegt. Mr. Zero muss beim Vereisen zu viel Bewegungsraum gelassen haben. Die Blöcke brechen, dann gibt’s nach althergebrachter Art für den Schurken was aufs Maul. Aber statt Schmerzen spürt er große Freude: Dank der Dämpfe, das Batman aus Leitungen gelassen hat, ist Mr. Zero von seiner Kältesucht geheilt. Eine einfache Dampfkur hätte also alle Verbrechen verhindern können. Batmans Kommentar: „That steam treatment must have changed you back to normal! Now we’ll see if the law can straighten out your distorted mind!“ Wie wir wissen, wird das nicht so gut klappen. Aber immerhin wird erstmal für die nächsten neun Jahre Ruhe sein – bis Mr. Zero als Mr. Freeze zurückkehrt.

Und nun zum Abschluss ein wenig Musik, passend zum Thema Rocken bei Kälte:

>> Liste der Mister Freeze-Comics

Der Preis des Zweifels

DC Comics

Titel: Face the Face

Autor/Zeichner: James Robinson/Don Kramer, Andy Clarke u.a.

Erschienen: 2006 (Detective Comics #817-820, Batman #651-654), Paperback 2006, Deluxe Edition 2017


„Better than sex. Better than heroin.“ (Harvey Dent)

Vor einiger Zeit fragte mich ein Leser dieses Blogs, der sich über meine Kritiken ärgerte, warum ich überhaupt noch Batman-Comics lese, wenn ich so viel daran auszusetzen hätte. Die Antwort ist einfach: Ich liebe Comics, ich liebe die Figur und daher interessieren mich auch die Geschichten. Leider können bei der Masse davon aber nur die wenigsten richtig gut sein. Was aber macht eine gute Batman-Story aus?

Wie bei vielen Lesern setze ich den Maßstab bei den prägendsten Comics an: The Dark Knight Returns und Year One, bei The Long Halloween und Dark Victory. Die besten Geschichten sind nicht nur spannend oder überraschend, sie werden auch dem Charakter und dem Medium Comic gerecht. So eine Geschichte ist Face the Face.

James Robinson (Autor des Juwels Blades) beschränkt sich auf ein Thema: Nach einem Jahr Abwesenheit (nachzulesen im Event 52, das auf Infinity Crisis folgt) sind Batman und Robin (Tim Drake) wieder zurück in Gotham. In der Zwischenzeit hat Harvey Dent, der chirurgisch und psychologisch von Two-Face befreit wurde, auf die Stadt aufgepasst. Doch kaum ist Batman wieder da, tötet ein Unbekannter Superschurken – und alles spricht dafür, dass Dent wieder zu alten Gewohnheiten zurückkehrt.

Obwohl wir einen Gang durch die Rogues Gallery bekommen (Poison Ivy, Scarecrow, Scarface, Killer Croc), bleiben diese Figuren nebensächlich und die Geschichte verliert nie ihren Fokus: das Verhältnis zwischen Batman und Dent. Wir sehen, wie mit jedem neuen Mord und Indiz der Zweifel an der Rechtschaffenheit des Geläuterten wächst – und man wünscht sich, dass Dent doch noch die Kurve kriegt, auch wenn man ahnt, dass der Wandel zum Guten nicht von Dauer sein kann. Der Zweifel sät aber Misstrauen und daraus erwächst das Böse. Der eigentliche Höhepunkt ist Dents Kampf gegen den eigenen Dämon, den er in jedem Spiegel sieht. (Die Rehabilitation von Two-Face ist übrigens eine sehr alte Idee, die schon 1943 in The End of Two-Face durchgespielt wurde, 1996 erneut in Batman Black and White.)

Robinson gibt den Charakteren und der Handlung genug Raum, sich zu entfalten, jedoch ohne Seiten zu schinden. Ihm ist es wert, auch mal die Panels für sich sprechen zu lassen. Auch wenn in einer Sequenz mal nichts passiert. Oder so gut wie. Da wird zum Beispiel eine Seite für eine Sequenz aufgewendet, um zu zeigen, wie Tim Drake einen Bleistift zerbricht – und es wird klar, wie sehr er um seinen toten Vater trauert (siehe Identity Crisis). Ohne Worte wird hier die Tragik der Figur deutlich, was die spätere Adoption durch Bruce Wayne emotional vorbereitet. Auch der Polizei wird die nötige Aufmerksamkeit zuteil: Der wieder als Commissioner eingesetzte James Gordon kann aus Sorge um seine Stadt nicht schlafen, Harvey Bullock bekommt eine zweite Chance, nachdem er der Korruption überführt wurde.

Trotz verschiedener Zeichner wirkt das Werk auch visuell wie aus einem Guss. Es geht nicht allein um ausdrucksstarke Panels mit dynamischen Figuren und überwältigende Bildarrangements, sondern vor allem um eine düstere Grundstimmung, wie man sie von Gotham erwartet. Auch wenn es an Action nicht mangelt: Was Batman ausmacht, wird hier im Stillen zelebriert.

Seit Jahren war Face the Face vergriffen – und es war eine Schande, dass DC es nicht neu aufgelegt hat. Das wurde jetzt mit einer Hardcover-Deluxe Edition nachgeholt. Es war längst überfällig. Denn diese Story gehört zu den besten Batman-Comics der 2000er Jahre. Deswegen liest man überhaupt Batman.

Mehr zum Thema:

Wenn das Leben die Kunst imitiert

Titel: Hollywood Knight

Autor/Zeichner: Bob Layton/Dick Giordano

Erschienen: 2001 (Mini-Serie #1-3)


„I am not a comic book character!“ (Batman)

Hollywood im Jahr 1948: Batman wird gerade erfolgreich als Serial fürs Kino produziert. Den Titelhelden spielt der Kriegsveteran Byron Wyatt, unterstützt von seinem besten Freund und Stuntman als Robin. Doch die Konkurrenz ist neidisch: da seine Arkham Studios gerade schlecht laufen, versucht Jack Napier (genannt „Joker“), sich die Rechte an Batman zu sichern. Als er scheitert, lässt er das Cast und Crew abschlachten und ein Set verbrennen. Wyatt überlebt – aber er hält sich fortan für Batman und strebt nach Gerechtigkeit.

Unter all den halbherzigen und uninspirierten Elseworlds-Storys ist Hollywood Knight eine erfrischende Variation des Altbekannten. In dieser Comicwelt ist Batman eine Comic-Figur, die verfilmt wird und dann aus der Fiktion in die „Realität“ ausbricht – eine interessante Meta-Fiktion, die es wert wäre, mal von einem Batman-Forscher analysiert zu werden. Aber auch der einfache Leser wird hier seinen Spaß haben: Alfred ist ein alter Zirkusmann, der in einer alten Mine haust, Robin ist so alt, dass er bereits Geheimratsecken unter einer Perücke kaschiert. Und der eingebildete Batman ist so sehr in seiner Rolle gefangen, dass er zunächst auch das Verbrechen bekämpft, mit dem er persönlich nichts zu tun hat. Viele Anspielungen auf die Batman-Tradition, veredelt durch die Zeichnungen von Altmeister Dick Giordano, machen diese nette Geschichte zu einem kleinen Fest für Fans.

>> Liste der Batman-Elseworlds-Comics

Drachenritter im Mittelalter

Titel: Dark Knight of the Round Table

Autor/Zeichner: Bob Layton/Dick Giordano

Erschienen: 1999 (Mini-Serie #1-2)


Bislang war „Dunkler Ritter“ bloß eine Metapher. Hier aber wird sie beim Wort genommen: Batman wird ins Mittelalter übertragen. Oder besser gesagt: in eine Fantasy-Version davon. Die Geschichte spielt in England. King Arthur hat Ärger mit seiner Halbschwester Morgana, mit der er ein Kind gezeugt hat. Weil der Bastard Unheil verspricht, verbannt der König Familien aus dem Land, darunter die Waynemoors. Morgana, die auch noch eine Hexe ist, schickt fledermausartige Dämonen, um die Waynemoors dahinzuraffen. Der kleine Bruce überlebt und schwört Rache.

Den Rest kann man sich denken: hartes Training. Geschult wird er von Merlin, der in Form einer weißen Riesenfledermaus erscheint. Und am Ende zieht Bruce Rüstung und Schwert mit Drachensymbol an. Keine Ahnung, was dieser Umweg soll, wenn das Symbol ohnehin aussieht wie eine Fledermaus. Aber egal. Der Drachenritter Batman zieht in den Kampf gegen das austauschbare Böse. Da kommen Ra’s al Ghul und seine Tochter Talia ins Spiel …

Batmans Erzschurke ist auch schon der einzige nennenswerte Gegenspieler. Bis auf Alfred und einen Kurzauftritt von Robin gibt es kaum Wiedererkennungswert in diesem Elseworlds-Quark. Nicht einmal ein Joker als Hofnarr – aber das wäre wohl zu offensichtlich. Stattdessen gibt es nur das offensichtlichste und oberflächlichste Rittergedöns mit pathetischem, humorfreiem Gelaber und Gemetzel. Moral von der Geschicht: Es muss mehr als Rache geben. Für diese Erkenntnis muss man sich aber nicht durch fast 100 Seiten quälen.

>> Liste der Batman-Elseworlds-Comics