Auf die Fratze des Jokers folgt die grinsende Fratze auf einer Doppeltür, durch die Gordon fährt. Es folgen noch sechs weitere: eine Art Teufels- oder Dämonsfigur, ein Leopard und dann weitere raubtierhafte bis monströse Gestalten mit Reißzähnen und bösen Blicken. Gordon dringt in der Geisterbahn in immer neue Räume ein, ohne dass wir sehen, was er zu sehen bekommt. Nur eins dürfte klar sein: Nachdem er im nackten Zustand Bilder seiner nackten, verletzten Tochter gezeigt bekam und damit Inzest angedeutet wurde, erscheint das siebenmalige Eindringen in die Doppeltüren (jedesmal auch mit dem Geräusch „bdump“ verdeutlicht) wie ein forcierter Geschlechtakt.
Joker
The Killing Joke: Seiten 19-25 – Gordon bei Joker/Dritte Rückblende
Ebenso wie Barbara Gordon eben noch Batman am Cape zog, wird nun ihr Vater James Gordon von einem kleinwüchsigen Handlanger des Jokers am Hemd gezerrt und mit der Hilfe von zwei anderen ausgezogen. Damit wiederholt sich auch, was der Joker mit Barbara in ihrer Wohnung gemacht hat, nachdem er sie angeschossen hat. Zudem wird Gordon mit Elektroschocks traktiert und an einem Halsband gezogen.
Gordon gibt sich irritiert und sagt: „Wh-what are you doing?“ Er beurteilt alles, was ihm geschieht und hängt noch an seinen alten Überzeugungen: „You can’t do that!“ Die gelten aber nicht mehr, daher ist auch seine Aufforderung „Don’t do this …“ vergeblich, genauso wie seine Fragen nach dem Wohin und ob er träumt und was passiert ist.
Die Handlanger antworten nicht. Auch andere Zirkusfreaks schauen nun zu: ein Hungerkünstler, die Fat Lady, ein Wolfman, zwei Paare siamesischer Zwillinge. Gordon wird vor den Joker gebracht. „Somebody please tell me what I’m doing here …“, sagt Gordon, immer noch nach einer rationalen Erklärung suchend. Doch genau dafür erteilt der Joker ihm eine Absage: „Doing? You’re doing what any sane man in your appaling circumstances would do. You’re going mad.“
The Killing Joke: Seiten 15-18 – Zweite Rückblende/Krankenhaus
Die zweite Rückblende führt uns in eine Bar in Gotham. Der junge Mann, der zum Joker werden wird, mit zwei Gangstern der Red Hood Gang. Man isst Shrimps, die – in Bollands (neuer) Kolorierung – mit der roten Haube als einzige rot gefärbt sind in einem sonst schwarz-weißen Setting. In der alten Higgins-Kolorierung ist die Sequenz in Orange- und Violett-Tönen gehalten.
Der junge Mann erklärt seine Motivation: Er will sich beweisen, als Ehemann und Vater, er will für seine Familie sorgen, daher steht er kurz davor, sich einmalig an einem Verbrechen zu beteiligen. Er erzählt, er habe als Laborassistent in einem Chemiewerk begonnen, sei sogar gut in seinem Job gewesen. Dann habe er gekündigt, um Comedian zu werden. „I was so sure. So sure I had talent.“ Nun sieht er ein, dass das nicht der Fall ist.
The Killing Joke: Seiten 12-14 – Attentat auf Gordons
Commissioner James Gordon sitzt bei seiner Tochter Barbara (Batgirl) auf dem Sofa und schneidet Zeitungsartikel aus, der von dem jüngsten Ausbruch des Jokers handelt. Vicki Vale hat den Artikel geschrieben. Batman wolle keinen Kommentar abgeben, heißt es, auf einem Foto hält er die Hand vor die Kamera, damit er nicht abgelichtet wird – damit weist er bereits voraus auf den Fotografen, der gleich ins Leben der Gordons eindringt.
The Killing Joke: Seiten 10-11 – Batman in der Batcave
Zwei Seiten zeigen Batman in der Bathöhle. Zunächst fällt auf, dass der Aufbau von Seite 10 dem von Seite 6 gleicht: Die aufgeräumte Bathöhle dient auf den ersten Blick als Gegenstück zu Jokers verfallenem Rummelplatz, gleichzeitig haben die Stalaktiken und Fledermäuse sowie Schatten einen eigenen morbiden Charme.
Wir sehen die typischen Attribute: den Riesen-T-Rex bis hin zum Riesenpenny, auch ein Whirly-Bat, ein Pinguin mit Zylinder und Batarangs sind zu sehen. Nur die riesige Joker-Karte fehlt. Dafür gibt es eine andere, nämlich die, die Batman aus Arkham mitgebracht hat. Durch die Nahaufnahme im ersten Panel wirkt sie umso prominenter – riesig zumindest für die Leser. (Die große Joker-Karte taucht bereits sehr früh, nämlich zum ersten Mal 1945 auf, 1948 erstmals in der Batcave als Trophäe.)
The Killing Joke: Seiten 6-9 – Rummelplatz/Erste Rückblende
Ortswechsel. Der Joker auf dem Rummelplatz. Wie bei Batman sehen wir auch ihn erst nach und nach, Stück für Stück, wenn auch deutlich eher. Das erste Panel zeigt nur seine Hand im Handschuh an einem Gehstock, im Hintergrund der Makler und die Stadt. Im zweiten Panel sehen wir den verlassenen Vergnügungspark mit den Fahrgeschäften: Riesenrad und ein Helter Skelter, eine spiralförmige Rutschbahn, der Paul McCartney später in einem Beatles-Song verewigte, was wiederum durch Charles Manson traurige Berühmtheit erlangte. (Das Wort „Helter“ erscheint auch auf dem Cover von Watchmen #3, da von der Aufschrift „Shelter“ das S verdeckt ist.)
Wir sehen den Joker nur von hinten, bevor er erst im dritten Panel sich umdreht und sich nicht nur dem Makler, sondern auch uns zuwendet: Zum ersten Mal erscheint sein wahres Gesicht und zwar in Übergröße, sodass es die Panelgrenzen überragt und der Joker sich sogar bis an den Seitenrand erstreckt.
Das strenge Neunerraster der ersten Seiten ist damit völlig aufgebrochen und wird erst wieder auf der letzten Seite wiederkehren.
The Killing Joke: Seiten 1-5 – Batman in Arkham
The Killing Joke beginnt mit einer Ankunft. Batman kommt in der Nervenheilanstalt Arkham Asylum an und trifft den (falschen) Joker. So geht es auch uns: Wir kommen mit ihm an. Doch wir sind schon etwas vor ihm da, wir warten bereits auf ihn – wie Commissioner James Gordon und der Polizist, der am Eingang bei ihm steht.
Die Seite ist eingeteilt in ein klassisches Neuner-Raster. Das haben auch Will Eisner in The Spirit (vor allem am Anfang) und Steve Ditko (Spider-Man, Doctor Strange) oft benutzt. Moore verwendete es ebenfalls in Watchmen, wo es ähnlich mit einem kreisförmigen Detail auf der Straße beginnt und dann allmählich hinauszoomt (der Smiley-Button des Comedian). Hier spiegelt die strenge Gitterstruktur die Gitterstäbe in und um Arkham. Gleichzeitig stehen die drei Dreierreihen für die drei Männer, um die es hier geht: Batman, Joker, Gordon. Die symmetrische Ordnung steht allerdings im Widerspruch zum weiteren Verlauf der Geschichte. Der Joker bricht sie auf.
The Killing Joke: Das Cover

Ikonisches Cover, oft zitiert: The Killing Joke. (DC Comics)
Bereits Brian Bollands Cover zu The Killing Joke erzählt eine Geschichte: Es zeigt eine Nahaufnahme des grinsenden Joker, jedoch halb verdeckt von einer Kamera, die er sich vors Gesicht hält. Der Joker sagt „Smile!“ Die Lichtreflexionen auf der Linse zeichnen ebenfalls ein schiefes Lächeln, ähnlich dem Smiley aus Watchmen. Es entsteht eine ungewohnte Nähe. Wir sehen jede Falte, jedes Haar, jeden Zahn. Der Joker rückt uns geradezu auf die Pelle. Da der Joker nach vorne schaut, spricht er direkt den Betrachter an – und er fotografiert damit auch uns.

Nahaufnahme: Joker auf dem Cover zu „The Killing Joke“. (DC Comics)
Der Joker hat zwar einen Hut aufgesetzt, aber er erscheint hier in einen violetten Trenchcoat, den passenden Handschuhen und einer grünen Schleife um den Hals. Damit entspricht er dem klassischen Design, besonders erinnert der Aufzug an The Laughing Fish von Steve Englehart und Marshall Rogers (1978). Zudem kann man eine winzige Joker-Karte auf einem (Manschetten?)Knopf erkennen. Die Karte deutet zurück auf den Namensgeber, auf die Fabrik, in der der Joker entsteht. Außerdem hat auch Batman eine solche Karte in der Batcave.
The Killing Joke: Eine Einführung

DC Comics
The Killing Joke (dt. Lächeln bitte/Ein tödlicher Witz), erschienen 1988, gilt als einer der wichtigsten modernen Batman- und Joker-Comics. Alan Moore und Brian Bolland erzählen darin zum einen die Entstehungsgeschichte des Jokers aus The Man Behind the Red Hood (Detective Comics #168, 1951) nach und reichern sie mit einigen persönlichen Tragödien an: Der Joker schießt Barbara Gordon an und versucht, ihren Vater, Commissioner James Gordon in den Wahnsinn zu treiben. Seine These: Ein schlechter Tag kann einen ganzen Menschen ruinieren, wie auch bei ihm. Schließlich behandelt der Comic das grundsätzliche Verhältnis zwischen Batman und seinem Erzschurken.
The Killing Joke ist neben Frank Millers The Dark Knight Returns und Batman: Year One sowie Grant Morrisons Arkham Asylum einer der prägendsten Batman-Comics aus den 80er-Jahren. Die Nachwirkungen kann man bereits in Tim Burtons erstem Batman-Film von 1989 sehen, in der Entwicklung der Figur Barbara Gordon von Batgirl zu Oracle, aber auch in modernen Weitererzählungen wie Three Jokers. Dieses Werk wird geradezu totzitiert.
Der 46-seitige Comic ist eine der ersten „Graphic Novels“, also alleinstehenden, an Erwachsene gerichteten Batman-Comics. Anders als The Dark Knight Returns oder Year One ist es nicht zuvor als Serie erschienen. Es geht weiter in der drastischen Darstellung von Gewalt, aber auch in die Tiefe der Charaktere, vor allem des Jokers. Außerdem ist es eine von wenigen Batman-Storys von Alan Moore und eines der wenigen Hefte, die Brian Bolland selbst gezeichnet hat (danach war er meist als Cover-Zeichner tätig).
Das Vorbild für den Joker: „The Man Who Laughs“

DC Comics/Universal Pictures
Der Joker mag als Figur eine rätselhafte Gestalt mit unbekannten Ursprüngen sein, doch aus dem Nichts kommt sie nicht. Jerry Robinson hat ihn sich wahrscheinlich ausgedacht und sich von einer Spielkarte inspirieren lassen, Bob Kane hingegen behauptet, der Film The Man Who Laughs (1928, dt. Der Mann, der lacht) habe ihn inspiriert. Robinson sagt aber, weder er noch Kane hätten den Film damals gekannt, erst hinterher habe Bill Finger ihnen ein Foto des deutschen Schauspielers Conrad Veidt in der Rolle der dauergrinsende Hauptfigur Gwynplaine gezeigt.
Die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Victor Hugo (bzw. dt. „Der lachende Mann“, 1869) spielt im Jahr 1690. Ein Edelmann namens Clancharlie beleidigt König James II. und wird zum Tode durch die Eiserne Jungfrau verurteilt. Außerdem lässt der König den Mund des Kindes Gwynplaine zu einem Grinsen umoperieren, um dadurch ein Leben lang den toten Vater zu verspotten.






