Pinguin und Gordon – ein Kammerspiel

DC Comics

Titel: Cracks

Autor/Zeichner: Peter David/P. Craig Russell

Erschienen: 1994 (Showcase 94 #7), Paperback 2018 (Knightquest: The Crusade Vol. 2)


Der Pinguin hat James Gordons Frau, Sarah Essen, entführt. Er hat sich gefangen nehmen lassen und gedroht, dass sie zu Mitternacht sterben könnte. Nun verhört ihn Gordon, der Pinguin erklärt, Sarah liege in einem großen Ei aus Glas, in das Gas gefüllt werden soll, weigert sich aber zu sagen, wo. Das Signal leuchtet am Himmel, doch Batman scheint nicht zu kommen. Der Pinguin hält ihn für tot. (Ganz falsch liegt er damit nicht, denn es ist die Zeit von Knightfall, Jean-Paul Valley hat übernommen.) Doch was hat der Schurke vor?

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Die große Batman-Lüge

Im Jahr 1946 startete DC eine Serie mit dem Titel Real Fact Comics. Darin versuchte der Verlag, etwas für die Bildung seiner jungen Leser zu tun und stellte einige berühmte Persönlichkeiten vor, wie etwa den Entfesselungskünstler Harry Houdini und den Science-Fiction-Autor H.G. Wells, sowie Sportler und Wissenschaftler, erzählte aber auch andere „wahre Geschichten“.

In Ausgabe 5 (1946) brachte man auf fünf Seiten „The True Story of Batman and Robin“, in der erzählt wird, wie der Held entstanden sein soll. Gleich im ersten Panel sehen wir einen jungen Bob Kane am Schreibtisch sitzen, der selbstbewusst die Leser anschaut, Bob Kane allein wohlgemerkt – und das ist bereits die erste, aber bei weitem nicht die einzige Lüge. (mehr …)

Doppelter Batman gegen doppelten Teufel

Cover von Dave Gibbons (DC Comics)

Titel: Batman & Batman: Smell of Brimstone, Stench of Death

Autor/Zeichner: Mike W. Barr/Dave Gibbons

Erschienen: 1983 (The Brave and the Bold #200), Hardcover 2021 (Batman: The Brave and the Bold – The Bronze Age Omnibus Vol. 3)


Wir sind mit The Brave and the Bold noch lange nicht durch, aber als DC entschied, die Serie 1983 einzustellen, hat man sich für die 200. Ausgabe etwas Besonderes einfallen lassen: Kein Team-up, sondern eine Geschichte, die auf zwei Parallelwelten spielt.

Auf der einen ist Nicholas Lucien ein teuflischer Schurke mit dem Namen Brimstone (Schwefel), der gegen Batman und Robin im Stil des Golden/Silver Age kämpft. Das ist zwar schon einmal schief gegangen, aber diesmal soll es wirklich klappen. Doch wie die meisten Schurken dieser Zeit begeht er den Fehler, seine Verbrechen mit Hinweisen anzukündigen, die er der Polizei schickt. Mal sind es neun Ringe aus Dantes Inferno, die eine Sportarena als Tatort meinen, dann ein Stück angebranntes Papier auf eine Müllverbrennungsanlage, schließlich wird eine Fabrik für Fischköder zur Todesfalle, in die sich Batman nur zu gern locken lässt, damit es für uns spannend wird.

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Legends of the Dark Knight: Viewpoint

DC Comics

„Batman is beyond facts!“

Im Jahr 1994 kam es im Zuge des Crossover-Events Zero Hour zu einem weiteren (Soft) Reboot des DC-Universums und das gab Anlass, in diversen Nullnummern die Origins der Helden neu zu erzählen, was natürlich ein beliebtes Mittel ist, um Lesern den Einstieg zu erleichtern. Eingefleischte Batman-Fans brauchen so etwas nicht, vor allem wenn dabei nicht viel Neues oder gar nur Redundantes herumkommt. Doch die Legends of the Dark Knight bilden auch hier eine Ausnahme.

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Wiedersehen mit dem Werwolf

Titel: Moon of the Wolf (dt. Wolfsmond)

Drehbuch: Len Wein

Erschienen: 1992 (Batman: The Animated Series S01E43)


Ein Werwolf macht Gotham unsicher, greift einen Zoowärter an, Batman geht dazwischen, der Werwolf entkommt. Der Mann dahinter: Anthony Romulus, ein Millionär und Zehnkämpfer, der sich von einem gewissen Professor Milo dopen lässt. Das neue Wunder-Mittel kann man nicht aufspüren, doch es da es aus Wolfs-Östrogenen gemacht ist, hat es den Nachteil, dass man selbst zu einem wird. Milo hat das Gegenmittel, aber er behält es für sich. Zuerst soll Romulus Batman töten.

Warner Bros.

Er lockt den Helden also in eine Falle (er soll einen Spendencheck abholen) und knockt ihn mit Gas aus. Doch statt ihn einfach zu erledigen, besteht Milo auf einer Show: Romulus soll Batman als Werwolf in einer Arena abschlachten. Der Nachteil daran ist, dass es Augenzeugen gibt, die die Polizei rufen …

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Batman und der Gargoyle

DC Comics

Titel: A Gotham Tale: Gargoyles/Venging Spirits

Autor/Zeichner: John Wagner/Cam Kennedy

Erschienen: 1992 (Batman #477-478), Paperback 2022 (Batman: The Caped Crusader Vol. 6)


In Gotham werden die Schätze von Canterbury ausgestellt, einem Wallfahrtsort aus England. Christina Creighton hat die Ausstellung kuratiert, ihr Vater ist vor drei Wochen gestorben, ein Freund von ihm, der Biochemiker Morris Eagleton, begleitet sie. Dann platzen ein paar maskierte Räuber ein, Batman eilt zur Stelle, doch sie nehmen Christina als Geisel und sperren dann alle drei in einen Safe.

Das Problem: Der Safe ist luftdicht und hat ein Zeitschloss – für alle drei wird der Sauerstoff nicht reichen. Einer muss sterben. Batman hat drei Betäubungspfeile, zusammen sind sie tödlich. Also erzählen sie sich – ganz in der Tradition von Chaucers Canterbury Tales – ihre Geschichten, um zu entscheiden, wer am ehesten das Leben verdient.

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Batman Beyond: Comic-Adaption eines Zeichentricks

Titel: Batman Beyond (Vol. 1)

Autor/Zeichner: Hilary S. Bader/Rick Burchett, Joe Staton

Erschienen: 1999 (Miniserie #1-6), Paperback 2024 (Compendium, zusammen mit Batman Beyond Vol. 2 #1-24)


Was unterscheidet einen Zeichentrick vom Comic? Klar: Der Zeichentrick „lebt“ durch Animation, der Comic ist statisch. Im Film sehen wir eine schnelle Abfolge vieler (gleich großer) Einzelbiler. Beim Comic sehen wir vergleichsweise wenige Bilder, die nebeneinander stehen, aber unterschiedlich groß sind – die Bewegung ist Illusion bzw. wir müssen sie beim Lesen selbst herbeiführen.

Immer wieder gibt es Comics, die Zeichentrickfilme oder Serien fast eins zu eins adaptieren – und dabei zeigt sich das Gefälle zwischen den beiden scheinbar ähnlichen, aber dann doch sehr unterschiedlichen Medien. Zu Beginn der Comicserie Batman Beyond hat man einfach in den ersten zwei Ausgaben die ersten zwei Episoden der Zeichentrickserie adaptiert („Rebirth„). Jeweils 22 Seiten pro 22 Minuten Sendezeit – das müsste in etwa hinhauen, doch tatsächlich klappt das nicht.

Das liegt zum einen daran, dass der Prolog mit dem gealterten Batman um drei Seiten erweitert wird. Zunächst wird erzählt, wie Batman seinen neuen schwarzen Kampfanzug entwickelt, bzw. auf die Idee kommt. Bei der Gelegenheit muss Batman erneut erklären, dass er keine Feuerwaffen mag – für alle Leser, die es noch nicht wissen. Erst dann setzt die Handlung ein, in der Batman einen Einsatz verpatzt und dann aus Verzweiflung zur Waffe greift und sich daraufhin zur Ruhe setzt: „Never again.“

Bruce Waynes letzter Einsatz als Batman. (DC Comics)

Doch auch wenn Batman im Comic die Waffe hinterher dramatisch wegwirft und „No!“ schreit, auch wenn das letzte Panel der Seite in Scherben zerbricht, wirkt die Sequenz abgehetzt und weniger dramatisch als die drei Minuten im Film. Wir bekommen weit weniger zu sehen, aufs Wesentliche reduziert, aber dann doch zu sehr beeilt. Die Höhepunkte bekommen nicht den nötigen Raum, sondern wirken in die Seiten gequetscht. So auch am Ende, wenn aus Derek Powers der Superschurke Blight wird.

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Batmans Geheimnis wird gelüftet

DC Comics

Titel: The Secret

Autor/Zeichner: Joshua Hale Fialkov/Adriana Melo, Tomás Giorello

Erschienen: 2011 (Superman/Batman #85-87), Hardcover 2022 (Superman/Batman Omnibus Vol. 2)


„There is no truth. Only the fight.“ (Batman)

Ein Reporter von der Gotham Gazette (Garrett Remington) wird tot am Strand von Metropolis gefunden, eine zusammengerollte Zeitung steckt im Mund der Leiche. Er war ein Freund von Perry White. Der Chefredakteur des Daily Planet weiß: Remington hat Batmans Geheimidentität gelüftet. Clark Kent soll in Gotham Näheres herausfinden. Kaum ist er da, taucht Batman vor ihm auf. Clark biete seine Hilfe an, aber Batman verweigert sie und schickt ihn wieder heim … Ihr kennt das alte Spiel: Er lernt es nie.

Batman findet daraufhin selbst heraus, dass Remington Bruce Wayne auf den Fersen war. In dem Moment platzt die Polizei in die Wohnung, Batman lässt alles schnell in Flammen aufgehen und verletzt die Beamten, wird wieder zum Gejagten. Auch Superman ist nicht erfreut …

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Legends of the Dark Knight: Terminus

DC Comics

Autor/Zeichner: Jaimie Delano/Chris Bachalo

Erschienen: 1994 (Legends of the Dark Knight #64)


Ein Junkie sticht seinen Dealer ab und flüchtet vor Batman ins Hotel Terminus, eine miese Absteige, ein Drecksloch, in dem sich auch andere düstere Gestalten tummeln. Während der Junkie sich das Heroin drückt und um ihn herum die Flammen lodern und ihn Batmans Schatten zu verfolgen scheint, lernen wir die anderen Hotelgäste kennen: Einer hat im Suff einer Frau den Kinderwagen umgefahren und Fahrerflucht begangen, ein anderer ist Geldeintreibern viel Geld schuldig, hat seinen Arbeitgeber bestohlen und ihn totgeschlagen, einer ist ein grausamer Mörder, eine Frau versteckt sich vor ihrem gewalttätigen Ex.

Am Ende taucht Batman auf und findet eine Leiche auf – es ist die des Junkies, der überdosiert hat. So bleibt kein Verbrechen ungesühnt, davon ist unser Held überzeugt. „Wherever they run and hide, their guilty, wasted lives will drag them down … and justice will embrace them. I promise you.“

Auch wenn Batman hier kaum eine Rolle spielt, entschädigt die intensive Erzählweise und der Noir-Zeichenstil dafür. Grenzen zwischen Realität und Einbildung verschwimmen, die Paranoia und das Elend wird auf jeder Seite spürbar. Eine unheimlich dichte Kurzgeschichte auf 25 Seiten über Gothams menschliche Abgründe, die zeigt, dass es keine verrückten Superschurken braucht.

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Batman deutet die Zeichen

DC Comics

Titel: Stone Killer/A Clash of Symbols

Autor/Zeichner: Alan Grant/Norm Breyfogle

Erschienen: 1990 (Detective Comics #616-617), Paperback 2021 (Batman: The Dark Knight Detective Vol. 5)


„I am the dweller in darkness — I am the demon — I am the bat!“

Im Leben wie in der der Kunst hat entweder alles oder nichts eine Bedeutung. Wir Menschen neigen eher dazu, überall Muster und Sinn zu erkennen, auch wenn es sie nicht gibt. Manche nennen es Religion, andere Aberglaube. Vor allem die Kunst lädt dazu ein, erst recht Geschichten wollen scheinbar stets gedeutet werden.

Auch in Superheldencomics hat alles stets eine Bedeutung. Was im echten Leben sich als Unsinn erweist, stellt sich in diesen Storys stets als wahr heraus: Egal ob Gott oder Teufel, ob Götter oder Dämonen, ob Mythen oder Legenden, ob Magie oder (Pseudo)Wissenschaft, Wahrsagerei, Verschwörungstheorien oder auch nur Gerüchte – es ist stets etwas dran. Nichts ist ohne Bedeutung, alles hat in der Welt der Superhelden seinen Platz, auch wenn es eigentlich als Weltbild überhaupt nicht zusammenpassen kann. Aber hier zeigt sich das Integrative dieser Geschichten: Egal, aus welcher Kultur ihr kommt oder woran ihr euer Herz hängt – es gibt sicherlich eine Batman-Story, in der ihr etwa davon repräsentiert findet. (Wenn auch nicht unbedingt in jeweils angemessener Weise.)

Warum erzähle ich euch das? Weil es hier um solche Mythen und Symbole geht. Alan Grant war zwar ein skeptischer, gesellschaftskritischer Autor, aber er hatte leider auch ein Faible für Hokuspokus, wie man an diesen beiden Storys sieht, die eigentlich jeweils für sich stehen, aber doch zusammenhängen, weil sie auf die Rückkehr des Jokers vorbereiten (nach A Death in the Family).

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