Legends of the Dark Knight

Legends of the Dark Knight: Prey

DC Comics

DC Comics

Titel: Prey (dt. Die Intrigen des Dr. Strange/Beute)

Autor/Zeichner: Doug Moench/Paul Gulacy

Erschienen: 1992 (Legends of the Dark Knight #11-15), Paperback 1992, Neuauflage 2012 (zusammen mit Terror); dt. Carlsen 1992, Panini 2014


 „Batman is actually good for morale. It doesn’t hurt, for some of the men, at least, to know we’re not out there on the street alone.“ (James Gordon)

„Must I act alone? Is my ego that huge? My obsession that great? What would it take for me to trust someone? And who could I trust?“ (Bruce Wayne)

„Oh, he’s a killer, this Batman … A killer who doesn’t kill.“ (Hugo Strange)

„The one crime the Bat-Man can never stop is the one that started him.“ (Hugo Strange)

Zu Beginn seiner Karriere hat Batman nicht viele Freunde. In Prey hat der Held nur Captain James Gordon auf seiner Seite, der nicht vergessen hat, dass Batman in Year One sein Kind gerettet hat. Ansonsten bringt der Vigilant immer noch die Polizei gegen sich auf, der Bürgermeister verurteilt die Selbstjustiz und initiiert ein Sonderkommando, das Batman endlich ausschalten soll. Gordon führt die Einheit an, beruft einen gewissen Sergeant Cort dazu, der gerne rabiat gegen Batman vorgeht. Zu der Task Force gehört auch der Psychiater Dr. Hugo Strange. Der ist ganz versessen darauf, Batman zu analysieren und dessen wahre Identität herauszufinden (die Idee stammt aus Strange Apparitions), er entwickelt einen regelrechten Batman-Fetisch, verkleidet sich sogar wie der Held. Um die Stimmung gegen Batman weiter anzuheizen, entführt Strange die Tochter des Bürgermeisters und manipuliert Cort so, dass dieser selbst zum Vigilanten Night-Scourge wird. Batman ist umgeben von Jägern, die es auf ihn abgesehen haben.

Batman-Altmeister Doug Moench fährt eine dichte Story mit vielen Facetten auf, die trotz der Handlungsstränge den Helden nicht aus dem Fokus verliert. Wie häufig bei den Geschichten über Batmans Frühzeit geht es um den Menschen hinter der Maske: den schwachen, zweifelnden und verletzlichen. Bruce Wayne wird von Strange infrage gestellt und mit seinem Ur-Trauma konfrontiert. Er verspürt Müdigkeit und Hunger (letzteres eine Seltenheit!). Die dunkle Bathöhle dient als Rückzugsort der Kontemplation, hier findet Batman zu seinem wahren Selbst zurück. Darüber hinaus sehen wir erstmals Batmobil und Batsignal im Einsatz. Dass Catwoman ein paar Mal auftaucht, hätte es allerdings nicht gebraucht. Hier wird sie noch für Batmans Komplizin gehalten, am Ende darf sie deus ex machina spielen. Sie nimmt die Doppelrolle von Gegnerin und Gefährtin auf.

Doch eine mitreißende Story ist bekanntlich nur die halbe Miete. Paul Gulacys filigrane Zeichnungen machen die andere Hälfte aus: detail- und schattenreich, dynamisch und voller schräger Perspektiven sorgen sie für eine düstere Noir-Stimmung und lassen den Dunklen Ritter trotz seines blauen Capes schön dramatisch erscheinen. Das alles macht die dritte Legends-Geschichte zu einem mustergültigen Beispiel dafür, wie man Batman erzählen sollte.

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Legends of the Dark Knight: Venom

DC Comics

DC Comics

Titel: Venom (dt. Wahre Freunde)

Autor/Zeichner: Dennis O’Neil/Trevor von Eeden, Russell Braun

Erschienen: 1991 (Legends of the Dark Knight #16-20), Paperback 1993/2012, dt. Carlsen 1993, Panini 2015


 „I was right. But I wasn’t strong enough. I’ve failed.“ (Batman)

„I hate junkies.“ (Batman)

Es beginnt mit einem Versagen. Ein Mädchen wurde entführt. Batman findet es – aber er schafft es nicht, es vor dem Ertrinken zu retten. Übernächtigt und geschwächt greift er zu einer Wunderpille, die der Vater des Mädchens ihm verabreicht. Das Mittel verleiht ihm nicht nur übermenschliche Stärke, sondern auch ein sonniges Gemüt. Vom grübelnden Detektiv wird er zum tumben Haudrauf. Statt Bücher zu wälzen, zieht er mit Hut und Mantel los, um böse Buben zu verkloppen – und das mit Lust und einem Lächeln auf den Lippen. Es stellt sich heraus, dass Batman einem Komplott zum Opfer gefallen ist. Der Wissenschaftler hat einen Deal mit einem pensionierten General laufen: sie wollen eine Superarmee aufbauen und dabei Amerika von allen Menschen befreien, die sie für unwert erachten.

Batman entwickelt sich zum Junkie. Er braucht immer mehr und immer öfter Nachschub. Als er einmal dafür  James Gordon töten soll, warnt er seinen Freund und begibt sich in die Höhle auf kalten Entzug. Für 30 Tage schließt er sich dort ein, steht Höllenqualen durch, verwahrlost. Als er wieder clean ist, macht er sich auf nach Santa Prisca, der Insel, auf der die Bad Guys ihre blutrünstige und skrupellose Armee von Superzombies aufbauen. (Von soll später einmal Bane kommen, der berüchtigste Venom-Konsument …)

„I switched breakfast cereals“

Man merkt: Hier ist ganz schön was los. Urgestein Dennis O’Neil erzählt auf 140 Seiten eine ereinigisreiche, dramatische Geschichte, deren größte Stärke darin besteht, dass sie Batman am schwächsten zeigt: zuerst verwundbar durch seinen fanatischen Feldzug, dann durch seine Abhängigkeit. Der souveräne Dunkle Ritter wirkt einfach nur erbärmlich, wenn er fast schon um seine Pillen bettelt. Wie immer geht es darum, den Kampf gegen sich selbst zu gewinnen. Am Ende muss Batman eine unmögliche Aufgabe meistern – und dabei der Versuchung widerstehen, Venom einzunehmen.

Dennis O’Neil versteht es, eine spannende Story zu erzählen. Und mit Venom ist ihm dies deutlich einnehmender gelungen als bei Shaman, der ersten Legends-Geschichte. Ihm gelingen hier so schöne Sätze wie: „When he’s Batman, things like invading an island full of hostile renegades doesn’t seem insane.“ Oder Batmans lakonische Erklärung für seinen rapiden Muskelaufbau: „I switched breakfast cereals.“ Und wenn er gegen einen Hai kämpft, kann er sich auch den Seitenhieb auf das legendäre „shark repellent“ (Hai-Spray) aus dem 66er-Film nicht verkneifen.

Die Zeichner machen ihre Sache auf den ersten Blick unspektakulär solide, doch gelingen ihnen einige Panels voller Dramatik und Ausdruckskraft, die am besten in den noir-haften Nachtszenen wirken. Besonders die Cover, Splash Pages und der Anblick von Batman auf Entzug haben das Potenzial, in Erinnerung zu bleiben.

Venom ist zu Recht ein Klassiker.

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Legends of the Dark Knight: Gothic

DC Comics

DC Comics

Titel: Gothic (dt. Der Mann ohne Schatten)

Autor/Zeichner: Grant Morrison/Klaus Janson

Erschienen: 1990 (Legends of the Dark Knight #6-10), dt. Carlsen 1991, Panini 2014


„Gotham City is hell. We are in hell. And I am the king of hell!“ (Batman)

„The kingdom of hell is within us.“ (The abbot)

Bruce Waynes ehemaliger Schulleiter, der ein Faible für Lyrik hat, dezimiert die Bosse in Gothams Unterwelt, weil er sich für einen missglückten Mordversuch rächen will. Dieser Mr. Whisper ist zudem ein über 300 Jahre alter ehemaliger Mönch, der nicht sterben kann, weil er einen Pakt mit dem Teufel geschlossen hat. Nun will er das Haltbarkeitsdatum seiner Seele verlängern, indem er Gothams Einwohner mit der Pest tötet und ihre Seelen mithilfe einer gotischen Kirche einfängt. Batman reist mit dem Bat-Flugzeug nach Österreich, lässt sich Legenden von einem Mönch erzählen, und findet heraus, was das alles mit seinen Alpträumen zu tun hat, die ihn verfolgen.

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Legends of the Dark Knight: Shaman

DC Comics/Panini Comics

DC Comics/Panini Comics

Titel: Shaman (dt. Der Schamane)

Autor/Zeichner: Dennis O’Neil/Ed Hannigan

Erschienen: 1989-90 (Legends of the Dark Knight #1-5, Paperback 1993), dt. Carlsen 1991, Panini 2014


 „Aber du kannst nicht wirklich glauben, dass Geschichten und Masken wirklich Heilkräfte innewohnen.“ (Bruce Wayne)

„Du musst zur Maske werden.“

Bruce Wayne wurde nicht zu Batman, nur weil eine Fledermaus durchs Fenster flog. Die Fledermaus erinnerte ihn an ein Erlebnis in Alaska, als er im Sterben lag und ein Schamane ihn mit einer Geschichte über eine Fledermaus und einer passenden Maske heilte. Davon erzählt Dennis O’Neil in seiner Story Shaman. Die erste Storyline der Serie Legends of the Dark Knight spielt in Batmans erstem Jahr und erzänzt Frank Millers Origin um einen neuen Sub-Plot.

Dieser ist allerdings ziemlich wirr und wenig einnehmend. Es geht um Ritualmorde, die irgendwas mit Drogengeschäften zu tun haben, um einen Banker und um einen mysteriösen Mörder, der die Fledermausmaske eines Schamanen trägt. Der frischgebackene Batman spielt Detektiv, kommt schnell zu den richtigen Schlüssen und wie er dazu kam, wird in Gedankenboxen nachgereicht. Zwei Mal darf er noch nach Alaska reisen, wo er sich einbildet, die Tochter des Schamanen abschleppen zu können. Aber das Glück mit den Frauen ist ihm eben nicht vergönnt.

Ganz nebenbei sehen wir, wie Batman sein von Alfred genähtes Kostüm zum ersten Mal anzieht und wie er beginnt, die Höhle unter dem Anwesen zu seinem neuen Arbeitszimmer zu machen. Bruce erzählt Alfred bei der Besichtigung der Höhle, wie er einmal als Kind hineingefallen ist. Batmans Maske bekommt heilende und schützende Kräfte zugesprochen, sodass der Batman-Mythos mit einem mystischen Hintergrund aufgeladen wird.

Die Zeichnungen von Ed Hannigan sind ziemlich schwach, die Figuren wirken steif und ihre Mimik ausdruckslos, nur Batman bekommt einige ansehnliche Panels. Ansonsten sind die Farben – nun ja – wie die Farben Ende der 90er nun mal waren. Shaman ist also weder ein großes Lesevergnügen noch eine Augenweide, aber immerhin eine Ergänzung für Freunde von Batmans Anfangszeit.

>> Batman: Legends of the Dark Knight

Haunted Knight: Heimsuchungen an Halloween

Batman: Haunted Knight

Titel: Haunted Knight (dt. Nacht des Schreckens; Einzelausgaben: Halloween in Gotham City, Irrsinn, Geister)

Autor/Zeichner: Jeph Loeb/Tim Sale

Erschienen: 1993/1994/1995 (Legends of the Dark Knight Halloween Specials), Paperback 1996


„It’s just the thing for a rainy day …“ (Martha Wayne)

Bevor Jeph Loeb und Tim Sale ihr 13-teiliges Epos The Long Halloween schufen und damit zum Batman-Dream-Team der 90er wurden, verdienten sie sich mit drei Halloween-Specials für Legends of the Dark Knight ihre Sporen: Fears, Madness und Ghosts. Gesammelt bilden sie den Band Haunted Knight. Schon hier beweisen sie sich als Meister des sequentiellen Erzählens: Stimmungsvolle Spiele mit Licht und Schatten wie beim Film Noir (wobei der Schatten überwiegt), dynamische Figuren, dramatische Splashpages zum Einrahmen, Anleihen beim Surrealismus. Hoffnungslos verloren wirkt Batman, wenn er im Sturz von Krähen angegriffen wird, wenn in einem schier endlosen Irrgarten seine Kräfte versagen oder angeschossen in Pieta-Stellung in der Gosse liegt.

Im Zentrum stehen nicht die Kämpfe gegen die Schurken Scarecrow, Mad Hatter und Pinguin. Sie bilden nur die Anlässe für Batmans eigene Vergangenheitsbewältigung. Loeb und Sale zeigen einen persönlichen und verletzlichen jungen Helden, der noch am Anfang steht und sich den Dämonen stellen muss, die ihn seit der Kindheit plagen. Besonders deutlich wird das in der dritten Erzählung, die Dickens Weihnachtsgeschichte an den Abend vor Halloween verlegt: Drei Geister suchen Bruce Wayne auf (in der Gestalt von Poison Ivy, Joker und dem Tod) und führen ihm vor Augen, dass er sich nicht damit begnügen kann, sich hinter der Maske von Batman zu verstecken, sondern auch ein Leben als Bruce Wayne braucht – und als dieser angewiesen auf Gesellschaft ist. So sehen wir nicht nur Episoden aus Bruce Waynes Kindheit und seiner Vorliebe für Zorro und Perlen, sondern auch als Erwachsenen in intimen Situationen, wenn er etwa wie ein Junge am Fenster hockt und Alice im Wunderland liest oder Süßigkeiten an Kinder verteilt.

Seit Frank Miller hat niemand Batman so eindrucksvoll inszeniert wie Loeb und Sale. Dieses Buch gehört in jede Sammlung von Freunden wahrer Comic-Kunst. Es ist die perfekte Lektüre für regnerische (Herbst-)Tage.