Sheldon Moldoff

Der große Batman-Ausverkauf

DC Comics

Titel: The Day Batman Sold Out/Alfred’s Mystery Menu

Autor/Zeichner: Gardner Fox/Sheldon Moldoff

Erschienen: 1967 (Batman #191)


„Bat-Auction! Everything Must Go!“ – Was ist das? Batman versteigert seinen ganzen Kram? Alles muss raus? Ist das ein Witz? Nein, denn sonst würden Dick und Alfred nicht bittere Tränen darüber vergießen. Es passiert wirklich. Und das kommt so:

Batman hält den glatzköpfigen Gauner Ira Radon auf, der mit radioaktiven Isotopen Raubzüge begeht. Wie genau das abgeht, fragt mich bitte nicht, es wird auch nicht erklärt und es ist auch egal. Dem Gauner ist es aber nicht egal. Er findet es unfair, dass seine Karriere als größter radioaktiver Verbrecher der Welt so schnell vereitelt wird. Ja, das Leben ist halt nicht fair … Als der Mann Batman angreift, wirft ihn Batman dank seiner „Kata Guruma Judo“-Technik in eine Reaktorkammer. Angeblich unabsichtlich, aber da ist der Schaden schon angerichtet.

Radon wird verstrahlt, überlebt aber gerade so. Er darf nur nicht mehr stehlen. Denn die Aufregung würde eine Reaktion in seinem Körper verursachen, die ihn sterben ließe. Kurz gesagt: Er ist allergisch gegen Diebstahl. Also schwört er Rache. Das scheint offenbar besser für die Nerven zu sein.

Ein paar Monate später ist es soweit: Batman verkündet plötzlich das Ende seiner Karriere (nicht zum ersten Mal) und verhökert Batarang, Batrope und Kostüme an die Meistbietenden. Alte Erzfeinde wie Pinguin und Joker ärgern sich, dass sie selbst nicht mehr zum Zuge kommen, Batman umzulegen.

Die Erklärung für diese rätselhafte Aktion: Ira Radon hat Batmans Arbeitsmittel verstrahlt und wenn er sie noch einmal benutzt, stirbt er, weil sein Körper bereits genug indirekter Strahlung ausgesetzt ist. (Was natürlich physikalisch gesehen hochgradiger Blödsinn ist.)

Ton schützt vor Radioaktivität: Batman als Clayface.

Doch Batman ist ein schlauer Fuchs: Er hat natürlich alles selbst über die Wayne Foundation kaufen lassen, nur der Batarang wurde von einem Fremden ersteigert. Ira Radon schöpft keinen Verdacht, aber er will den Fremden kennenlernen. Doch dann trifft er auf eine Clayface-artige Gestalt – die sich als Batman im Schutzanzug herausstellt. Wieder kommt der Judo-Trick zum Einsatz, wieder gerät Radon selbst in seine eigene Strahlung. Nur diesmal nimmt es ein böses Ende mit ihm.

Alfred wird entführt

In der zweiten Story wird Alfred mal wieder entführt. Ein Gangsterboss veranstaltet nämlich ein Festessen für seinen Millionaire Mobster Club und braucht einen guten Koch. Fachkräftemangel war offenbar schon immer ein Problem, andernfalls kann ich mir nicht erklären, warum er ausgerechnet einen Butler zum Kochen heranschafft. Wem die Geschichte bekannt vorkommt, der irrt nicht: Die Idee stammt aus The Secret Life of Batman’s Butler (Batman #68, 1951). Doch diesmal bekommt die Story einen neuen Dreh: Um seinen Herren mitteilen zu können, wo er gefangen gehalten wird, schickt Alfred eine Geheimbotschaft per Rezept.

Er lässt sich Zutaten für ein bestimmtes Dreigänge-Menü besorgen und weil er weiß, dass die Gangster alles stehlen, kann er auch davon ausgehen, dass Batman und Robin ein paar von denen dabei erwischen werden. Da fragt man sich natürlich, wozu ihr Boss seine Million hat, wenn er seine Leute Lebensmittel klauen lässt. Aber sei’s drum – sonst könnte die Story nicht funktionieren.

Wenn Batman und Robin zum Essen kommen, wird Diät verordnet.

Bruce und Dick gehen Alfreds Rezepte durch und leisten knallharte Detektivarbeit, die nahe an Gedankenlesekunst grenzt. Sie finden Alfred und mischen die Missetäter ordentlich auf. Jetzt wäre es natürlich sehr cool, wenn Batman sagen würde: „Gentlemen, you have eaten well …“ (Preisfrage: Woher stammt das Zitat?) Doch Robin hat einen noch viel besseren Spruch auf Lager: „The feast is over–it’s time now for the famine!“ Die Diät wird mit Fäusten in die Magengrube verordet …

Beim ersten Mal hat sich Alfred noch selbst mit Speiseöl befreit, aber diese Variante der Geschichte ist dann, obwohl noch weiter hergeholt, doch viel cooler …

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Bewährungsproben für Alfred

Alfred wird gefeuert: Batman #68 von 1951. (DC Comics)

Titel: The Secret Life of Batman’s Butler/The Secret of Batman’s Butler

Autor/Zeichner: Bill Finger/Bob Kane, Lew Sayre Schwartz, Sheldon Moldoff

Erschienen: 1951/1957 (Batman #68/110)


Ein Butler muss loyal und diskret sein. Gerade Alfred muss das wissen, denn er trägt das größte Geheimnis überhaupt herum: dass seine Herren, Bruce Wayne und Dick Grayson, in Wahrheit Batman und Robin sind. Aber damit stellt Alfred auch eine Schwachstelle dar. Wer an ihn rankommt, könnte auch den beiden Helden gefährlich werden. Von Alfred wird also einiges abverlangt, das geht mit einigen Opfern einher, wie sich in zwei Storys der 50er zeigt.

Im Jahr 1951 wird Alfred gefeuert. Einfach so. Von jetzt auf gleich. Einen Grund bekommt er von Sir und „Mawster“ nicht, nur eine magere Abfindung, gerade mal ein Monatsgehalt im Voraus und dann – war’s das. Alfred ist am Boden zerstört. Er mietet sich eine Absteige und fragt sich, was er falsch gemacht haben mag. Doch da ist nichts. Im Gegenteil: In der Vergangenheit war er nicht nur ein treuer und ergebener Butler für Bruce und Dick, er hat sich sogar als Sidekick für Batman und Robin verdient gemacht. Immer wieder hat er ihnen aus der Patsche geholfen.

Alfred betätigt sich Flugzeugingenieur und baut den Sky Sled. (DC Comics)

Einmal, erfahren wir, hat er sogar ein neuartiges Flugzeug für Batman konstruiert: den Sky Sled, eine Art kleines Batplane. Batman glaubte zwar nicht dran und tat das Ding ab, aber dann klemmte Alfred seine Erfindung einmal ans Batplane und konnte Batman im Einsatz eines Besseren belehren. Batman übernahm den Luftschlitten daraufhin selbst. Und dann war da noch der Fall, als ein Gauner Alfred für eine Nacht entführen ließ, weil gutes Personal bekanntlich so schwierig zu kriegen ist. Aber Alfred wollte nicht einmal für eine Nacht Diener zweier Herren sein und befreite sich, indem er Speiseöl in Brand steckte und seinen Entführer mit Salat attackierte. (Kein Witz.)

Stunde der Wahrheit: Alfred am Lügendetektor. (DC Comics)

Zurück in die Gegenwart: Alfred sucht Trost bei seinem Freund Willis. Alfred hat Freunde? Ja, allerdings. Die haben einen Lügendetektor bei sich rumstehen und testen reihum, wer die Wahrheit auf unbequeme Fragen sagt. Als Alfred dran ist, fällt die Frage: Bist du der Butler von Batman und Robin? Alfred gerät ins Schwitzen und sagt: Nein. Die Nadel schlägt nicht aus, der Detektor irrt nie, Willis ist überzeugt. In dem Moment trifft aber das Dynamische Duo ein und schlägt die Gauner zusammen.

Jetzt wird auch der Kündigungsgrund klar: Die beiden Helden wussten, was die Bande vorhatte und konnte kein Risiko eingehen. Sie hätten sie auch nicht vorher hochnehmen können, denn die Gauner mussten sich selbst vom Gegenteil ihrer Vermutung überzeugen. Alfred bekommt seinen Job zurück. Aber das Bittere ist: Alfred hat tatsächlich keine anderen Freunde. Er geht ganz und gar in seiner Rolle als Butler auf.

Eine neue Geschichte für Alfred

Herr der Lage: Alfred verschafft Bruce Wayne ein Alibi. (DC Comics)

Sechs Jahre später, 1957, kündigt Alfred jedoch selbst – weil er angeblich Bruce Waynes Geheimidentität verraten hat, wie er ihm in seinem Abschiedsbrief gesteht. Dann erzählt er, wie es dazu kam. Was wir sehen, ist zunächst eine ganz andere Entstehungsgeschichte. Anders als bei seinem ersten Auftritt im Jahr 1943 kommt er nicht einfach aus dem Nichts reingeplatzt, um die Nachfolge seines Vaters anzutreten, sondern er bewirbt sich bei Bruce um die Position als Butler. Alfred ist auch anders als in der alten Fassung von Anfang an schlank.

Alfreds neuer Origin: Bewerbungsgespräch und -probe. (DC Comics)

In seinen Probetagen kommt ein Mann namens Noyes auf Alfred zu, der behauptet, sich selbst um die Stelle beworben zu haben. Er fragt ihn nach Wayne aus, aber Alfred hält dicht. Dann versucht Noyes, ihn zu bestechen. Alfred weist ihn zurück.

Alfred erfährt das Geheimnis seines Herren: Bruce Wayne ist Batman. (DC Comics)

Später erfährt Alfred Bruces Geheimidentität nicht, weil er die Bathöhle entdeckt, sondern weil Dick ihn zur Hilfe ruft, nachdem die beiden von einem Einsatz zurückkommen und Batman am Kopf verletzt ist. Alfred schafft es, Bruces Geheimnis zu bewahren, auch wenn die Lage mal brenzlig wird, zum Beispiel mit der ewig neugierigen Reporterin Vicky Vale. Er macht sich sogar als Erfinder nützlich, indem er aufblasbare Kostüme näht, die Batman und Robin vor dem Ertrinken bewahren sollen.

Alfred versucht Bruce Wayne zu decken, indem er selbst zu Batman wird. (DC Comics)

Am Ende sieht Alfred aber Noyes in der Bathöhle und schließt daraus, dass Batman aufgeflogen ist. Der Butler versucht aber noch einmal, das Geheimnis zu retten, indem er sich selbst das Batman-Kostüm anzieht. (Nicht zum ersten Mal, siehe „The Duped Domestics“, Batman #22, 1944.) Da stellt sich heraus: Noyes ist in Wahrheit Bruce, der sich verkleidet hat, um Alfred zu testen.

Alfred hat seine Bewährungsprobe erneut bestanden. Er erweist sich als „the greatest gentleman’s gentleman in the world“, wie Batman sagt und er fragt sich: „How did Robin and I ever get along before we had you for a butler?“ Tatsächlich erweist sich Alfred hier als wahres Factotum, ein Mädchen für alles. Ein Butler, der innovative Funktionskostüme näht und Flugzeuge baut – so ein Personal ist wirklich schwer zu kriegen.

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Die Bathöhle fliegt wieder

Detective Comics #317 (1963)

DC Comics

Titel: The Secrets of the Flying Bat-Cave

Autor/Zeichner: Bill Finger/Sheldon Moldoff

Erschienen: 1963 (Detective Comics #317)


Batman und Robin sind zur Police Convention in Center City eingeladen. Da sie dabei ihre Ausrüstung zeigen wollen, aber nicht die Bathöhle mitnehmen können, fliegen sie mit der Flying Bat-Cave hin. Obwohl sie sie kaum benutzen, haben sie ihr ein Upgrade verpasst.

Kaum sind sie in der Luft, sehen sie, wie zwei Mitglieder der Condor Gang eine Bank ausrauben – unverkennbar an den Vogelmasken, die sie tragen. Mit einem Magneten sind schnell ihre Waffen gefasst.

Auf der Convention zeigen Batman und Robin ihre Höhle, in der auch Miniaturen ihrer Trophäen gelagert sind, wie der Riesenpenny und die Joker-Maske, aber auch ein Mini-Batmobil, der Bat-Racer.

Die Condor-Gang fordert das Dynamische Duo heraus, aus der Stadt zu verschwinden. Das denkt nicht dran. Verhüllt als Wolke nähert sich die Flying Bat-Cave dem Geheimversteck der Bande, Batman und Robin gleiten mit Wingsuits zum Kampf. Doch die Bande entkommt.

Später wollen sie die Gauner in einem Stadion die Polizei um ihre gesammelten Spenden erleichtern, jagen sie die Flying Bat-Cave in die Luft – aber nur scheinbar, denn Batman hat nur eine aufblasbare Version des Gefährts vorgeschickt. Als die echte Flyig Batcave herannaht, fährt ein Greifarm aus, mit dem auch die letzten Mitglieder der Condor-Gang geschnappt werden können. Spätestens hier fällt auf: Was soll eigentlich eine Bande, die sich nach einem Vogel benennt, aber nichts mit Fliegen zu tun hat? Wäre die Geschichte nicht viel aufregender, wenn sich auch die Gegner durch die Luft bewegten? Hier hat es sich Bill Finger etwas zu leicht gemacht.

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Der Sohn des Jokers

The Son of the Joker

DC Comics

Titel: The Son of the Joker

Autor/Zeichner: Bill Finger/Sheldon Moldoff

Erschienen: 1962 (Batman #145), Paperback 2019 (The Joker: His Greatest Jokes)


Was macht Alfred eigentlich in seiner Freizeit? Er schreibt Geschichten. Am liebsten denkt er sich Zukunftsszenarien für Batman und Robin aus. Eine davon ist, dass Bruce Wayne Kathy Kane (Batwoman) heiratet und mit ihr einen Sohn hat. Der wird zum neuen Robin, neben Dick Grayson als neuem Batman II.

In der neuen Geschichte fragt sich Alfred: Was wäre, wenn auch der Joker einen Sohn hätte? Das neue Dynamische Duo trifft auf ihn, als sie zum Wasserski zu wohltätigen Zwecken wollen. Da schnappt sich ein durchtrainierter junger Mann mit Joker-Gesicht das Preisgeld. Batman verfolgt ihn, knockt ihn aus, der Joker-Epigone fällt ins Wasser – und taucht ab.

Papa Bruce geht der Sache nach: Er sucht seinen ehemaligen Erzrivalen auf, der mit ergrautem Haar seinen Lebensabend mit Gärtnern verbringt – seine Zeit im Knast hat er abgesessen und scheint jetzt ein umgänglicher alter Kauz geworden zu sein. Der Joker bestreitet, einen Sohn zu haben.

Bald darauf verkleidet sich der vermeintliche Joker-Sohn als römischer Legionär, um auf dem Filmset eines Historienschinkens eine unbezahlbare Halskette abzugreifen. Er liefert sich ein Wagenrennen mit Batman und Robin, aber wieder entkommt der Gauner. Sie folgen ihm zum Haus des Jokers, wo sie herausfinden, dass die beiden doch unter einer Decke stecken – wenn auch ohne miteinander verwandt zu sein.

Als der alte Bruce von dem Vorfall mit der Kutsche liest, erinnert er sich an einen alten Fall mit dem Joker und bricht auf, um Dick und seinem Sohn aus der Klemme zu helfen. Und tatsächlich: Die beiden sind bereits Gefangene der beiden Joker. Als der alte Schurke Batman II seine Maske abnehmen will, kommt Batman I hereingeplatzt und kann das Schlimmste verhindern. (Leider kann Batwoman nicht mitkommen, weil sie krank im Bett liegt, aber die Männer kommen auch allein gut klar.)

Dabei wird klar: Der „Sohn des Jokers“ trägt noch nicht mal Make-up, sondern bloß eine plumpe Maske. Und am Ende sagt auch der Joker, dass dieser Epigone seines Namens nicht würdig sei. Aber auch das neue Dynamische Duo bringt es immer noch nicht ohne die Hilfe des Originals …

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Batman gegen Thor

Titel: The Hammer of Thor/The Second Life of Batman/Batman’s Super-Partner

Autor/Zeichner: Bill Finger, Jerry Coleman/Sheldon Moldoff, Dick Sprang

Erschienen: 1959 (Batman #127)


Die Batman-Hefte der 50er waren wahre Wundertüten: Sie enthielten drei Geschichten und manchmal waren sogar alle ganz interessant. So wie in Ausgabe 127, denn darin trifft Batman auf den nordischen Donnergott Thor – und zwar drei Jahre bevor Jack Kirby diese Figur für Marvel Comics erschafft (allerdings hat Kirby bereits 1957 eine Thor-Version bereits für DC geschrieben, in Tales of the Unexpected #16, aber das nur am Rande).

Als es in Gotham gewittert, stoßen Batman und Robin auf einen Typen mit geflügeltem Helm, der mit einem bumerangartigen Hammer eine Bank aufbricht. Das Dynamische Duo will ihn aufhalten, aber kommt nicht gegen ihn an. Thor verschwindet mit der Beute. Batman und Robin treffen auf Henry Meke, den Betreiber eines privaten Kuriositätenmuseums, dem kürzlich eine Nachbildung von Thors Hammer gestohlen wurde.

Kurz darauf schlägt Thor wieder zu, hält zwei Bankräuber auf, um selbst fette Beute zu machen – mit dem Geld will er Vater Odin einen Tempel bauen. Wieder besiegt sie der Gott mit seinem Hammer. Danach erinnert sich Meke plötzlich: Eines Tages hat ein Meteorit den Hammer getroffen und ihn in Thor verwandelt. Als er beim nächsten Gewitter wieder zum Gott mutiert, wirft er den Hammer nach Batman, der duckt sich weg, der Hammer trifft einen Stromkasten, verliert seine Macht und Meke wird wieder normal.

In der zweiten Story, „The Second Life of Batman“, geht Bruce Wayne der Frage nach: Was wäre, wenn seine Eltern nicht ermordet worden wären? Dazu lässt er sich von einem Wissenschaftler eine alternative Welt simulieren, in der er zwar ein guter Athlet ist, aber sonst nur sein Leben genießt. Bei einem Kostümfeier mit dem Thema „Flying Creatures“ (die in Wahrheit Thomas Wayne abgehalten hat), taucht Bruce als Superman auf. Doch ein ungebetener Gast verkleidet sich als „Blue Bat“ (der aussieht wie Batman) und verlangt alles Geld von den Gästen. Zum Glück taucht der echte Superman auf und auch Bruce macht sich nützlich so gut er kann, um die Gauner aufzuahlten.

Doch Blue Bat entkommt, schlägt später Bruce und droht ihm mit noch mehr Prügeln, sollte Bruce nicht von ihm ablassen. Aber Bruce denkt nicht dran. Mit guter alter Detektivarbeit spürt er Blue Bats Geheimversteck auf, zieht dessen Ersatzkostüm an, lockt die Polizei zum nächsten Tatort und überwältigt den Schurken.

Kurz darauf ist der Entschluss gefasst: Er widmet sein Leben dem Kampf gegen das Verbrechen. Das Kostüm behält er, um es zu einem Symbol für Gerechtigkeit umzuwidmen. Nachdem die Simulation beendet ist, kommt Bruce zu dem Schluss, dass er auch unter anderen Umständen dasselbe Leben für sich gewählt hätte. „There’d always be a Batman!“

In der dritten Story bekommen Batman und Robin beim Kampf gegen den Joker Unterstützung von einem neuen Helden: the Eagle, einem Unbekannten in einem Adlerkostüm. Dahinter verbirgt sich Alfred, der durch Zufall Superkräfte bekommen hat. Aber zum Glück nur vorübergehend, denn als Alfred helfen will, geht eigentlich alles nur schief …

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Batman trifft Fatman

Batman meets Fatman

Batman meets Fatman (Batman #113, DC Comics)

Titel: Batman Meets Fatman

Autor/Zeichner: Bill Finger/Sheldon Moldoff

Erschienen: 1958 (Batman #113)


Er ist übergewichtig, tollpatschig, er schwingt einen übergroßen Batarang und trägt einen übergroßen Gürtel, in dem er allerlei überflüssiges Zeug aufbewahrt. Das ist Fatman. Keine billige Kopie von Batman, sondern ein Zirkusclown, der mit seinem Auftritt ein großes Publikum zum Lachen bringt.

Aber Fatman will mehr sein als ein Clown. Er will mehr sein wie sein Vorbild, er will Verbrechen bekämpfen und im Batmobil mitfahren. Na gut, Batman lässt ihn. Sie passen sogar mit Robin ins Auto. Doch kaum fahren sie los, treiben schon wieder Verbrecher ihr Unwesen. Batman und Robin legen sich mit ihnen an, sie werden überwältigt und festgenommen. (Wo ist eigentlich die Polizei, wenn man sie braucht?)

Da kommt Fatman ins Spiel. Er versucht, sie zu befreien, aber er stolpert, verheddert sich – und schließlich wirft er einen Hammer, mit dem er Batman und Robin befreit. Es war alles nur Show. Am Ende macht sich sogar sein dicker Bauch nützlich, um den letzten Gauner von der Flucht abzuhalten. Fatman hat, was er wollte: Einmal ein Held wie Batman …

Notiz am Rande: Regisseur und (Batman-)Autor Kevin Smith (Cacophony, The Widening Gyre) nennt seinen Podcast „Fatman on Batman“

>> Batman 1950-1959

Batman zweifelt an seinem Verstand

Titel: Am I Really Batman?

Autor/Zeichner: Bill Finger/Sheldon Moldoff

Erschienen: 1957 (Batman #112), Paperback 2009 (The Black Casebook)


Batman wacht in einer Gummizelle auf. Er kann sich nicht erinnern, wie er reingekommen ist. Als er dem Pfleger sagt, er sei Batman, lacht der ihn nur aus – er sei einer von vielen Verrückten, die sich für jemand anderes halten. Aber Batman ist sich seiner sicher. Da zeigt ihm ein Arzt den echten Batman im Fernsehen. Batman hält das für Schwindel, er haut ab, flieht vor der Polizei.

Als er in Wayne Manor ankommt, begrüßt ihn ein verwirrter Alfred. Dick Grayson erkennt ihn nicht mehr, die Bathöhle ist verschwunden. Niemand scheint zu verstehen, wovon er redet. Da taucht auch noch ein Bruce Wayne auf, der sich ebenfalls für das Original, aber nicht für Batman hält.

Batman haut ab, versteckt sich, er ist voller Selbstzweifel: Verliert er wirklich den Verstand? Um sich seiner selbst zu versichern, nimmt er ein paar Einbrecher fest. Dann sieht er Batman und Robin, versteckt sich im Kofferraum des Batmobils und lässt sich in die Bathöhle bringen. Da stellt er fest, dass in Wayne Manor alles nur Show war.

Bruce Wayne war in Wahrheit nur Alfred in Maske und Verkleidung, Dick hat nur so getan, als ob er Batman nicht erkenne – aber alles nur zu Batmans Bestem. Der Schurke Professor Milo hat Batman einem Gas ausgesetzt, das einem den Lebenstrieb nimmt, bis man stirbt. Um dem zu entgehen, haben sich Robin, Alfred und Gordon eine Strategie überlegt, wie sie Batmans Lebenstrieb erhalten können. Daher die ganze Inszenierung …

Die Geschichte hat einige spätere Autoren beeinflusst: In ähnlicher Form wird die Idee 1991 in der Story „Identity Crisis“ aufgegriffen und ein Jahr später in der Batman: The Animated Series-Episode „Perchance to Dream“ adaptiert. Batman in der Nervenheilanstalt ist auch ein Motiv in „The Last Arkham“ und der BTAS-Episode „Dreams in Darkness„.

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Batman wird Starman

Titel: The Man Who Ended Batman’s Career

Autor/Zeichner: Bill Finger/Sheldon Moldoff

Erschienen: 1957 (Detective Comics #247), Paperback 2009 (The Black Casebook)


Über dem Polizeihauptquartier leuchtet ein neues Zeichen am Nachthimmel: ein Stern statt einer Fledermaus! Kurz darauf kommt ein sternförmiges Flugzeug hergeflogen und es springen Robin und Starman heraus, um ein paar Gauner dingfest zu machen. Starman trägt ein gelb-rotes Kostüm und wirft Star-Darts. Aber wer ist das? Jedenfalls nicht der Starman aus dem Golden Age (Ted Knight). Und was ist mit Batman?

Der hat seine Karriere aufgegeben. Der böse Wissenschaftler Professor Milo hat Batman mit einer künstlichen Angst vor Fledermäusen infiziert, um ihn auszuschalten. Seitdem fürchtet sich Bruce Wayne vor allem, was die Form von Fledermäusen hat. Er traut sich nicht mal, ins Batmobil zu steigen und kann keine Batarangs mehr werfen. Einmal erschreckt ihn ein Gauner mit einer echten Fledermaus so sehr, dass er vom Dach fällt und von Robin gerettet werden muss.

Also wird Batman kurzerhand zu Starman. Offenbar ist es weniger ein Problem, in kürzester Zeit einen fliegenden Stern zu bauen, als sich von der Krankheit heilen zu lassen. Doch da früher oder später auffliegen wird, dass Starman bloß Batman ist, fesselt Robin Bruce an einem Stuhl und zeigt ihm anhand seiner Taten als Batman, dass er nichts zu befürchten habe – die Fledermaus hilft ihm sogar.

So geheilt täuscht Bruce als Starman die Gauner, die einen fliegenden Bat-Ballon auf ihn losschicken und auch Professor Milo kann mit dem Fledermaus-Symbol nichts mehr gegen ihn ausrichten. Als er es ihm hinhält, schlägt der Held die Faust hindurch und ihm ins Gesicht. Batman hat die Fledermaus wieder. Bemerkenswert ist, dass die Fledermaus ursprünglich die Schurken das Fürchten lehren sollte, hier aber gegen Batman gewendet wird.

>> Batman 1950-1959

Batman gegen den Radiergummi

Titel: The Eraser Who Tried to Rub Out Batman

Autor/Zeichner: John Broome/Sheldon Moldoff

Erschienen: 1966 (Batman #188)


Zwei Jahre lang schien Batman wieder auf dem Pfad der Besserung. Nach der immer verrückteren Phase, in der die Comics immer wildere Blüten trieben, hatte sich mit Redakteur Julius Schwartz ein ernsthafterer Stil etabliert. Die Bat-Family verschwand, selbst Alfred wurde getötet. Doch dann kam die TV-Serie mit Adam West – und der Erfolg des selbstironischen Klamauks musste sich auch in den Comics wiederfinden.

So erschien 1966 eine Story, die sich eindeutig am Stil der TV-Serie orientierte. Der Schurke ist noch lächerlicher als der Polka Dot Man: The Eraser kleidet sich wie ein Bleistift, trägt einen Radiergummi auf dem Kopf und verdient sein Geld damit, dass er für Ganoven Spuren von Tatorten beseitigt. Dass sein Kostüm nicht gerade ein Maß der Unauffälligkeit ist, scheint das Geschäft nicht zu beeinflussen.

Hinter dem Eraser steckt Lenny Fiasco, Bruce Waynes Kommillitone aus dem College, der an der Tafel ständig seine Fehler ausradieren musste. Bruce hat ihm dann die Frau, die er liebte vor der Nase weggeschnappt. Sie wurde zur Eiskönigin gewählt.

Doch ganz so dämlich wie sich das anhört, ist die Geschichte nicht. Vielmehr hat sich Autor John Broome auch eine gute Portion Selbstironie von Adam West abgeschaut. Ein Beispiel: Batman und Robin gehen zwar eine Wand hoch, aber dabei sagt Robin so einen schönen Satz wie: „Shouldn’t we have music for this act?“ Batman zischt ihm nur zu, ruhig zu sein.

Bat-Climb

Batman und Robin gehen die Wand hoch.

Noch ein Beispiel: Drei Mal müssen Bruce Wayne und Batman jungen Frauen Autogramme geben, zwei Mal soll Batman sogar Statuen von sich selbst signieren. Batman ist Kult. Eine etablierte Figur der Popkultur. Schon in der TV-Serie gibt es Statuen und Gemälde von ihm. Als sich Robin wundert, dass immer nur Batman alle Aufmerksamkeit bekommt, wirft sich ihm eine Frau um den Hals, die behauptet, seine Gedanken gelesen zu haben, und sie küsst ihn. Ein bizarr-surreale Szene, denn die Frau kann damit das, was auch die Leser dank der Gedankenblase können.

Batman signiert Figuren, Robin kriegt Küsschen.

Batman signiert Figuren, Robin kriegt Küsschen.

Um dem Eraser auf die Schliche zu kommen, verkleidet sich Bruce als Leierkastenmann – Robin wird zum Äffchen degradiert. Es ist nicht ganz klar, warum ausgerechnet diese Verkleidung den Eraser überzeugen soll, dass Bruce ein Dieb ist. Aber der Plan geht auch nicht auf. Der Eraser erkennt Bruce, betäubt ihn mit einem Gas aus seinen Schuhspitzen und steckt ihn in einen Sarg aus Eis, in dem er erfrieren soll.

Batman und Robin undercover.

Batman und Robin undercover.

Batman befreit sich und prügelt sich zusammen mit Robin – wie im Fernsehen – durch lauter Interjektionen wie „Sock! Zok! Wak!“ und dabei singt Batman den „Skater’s Waltz“ (Schlittschuhläufer-Walzer von Emile Waldteufel): „It’s music to put them on ice by –“ Ja, die Kalauer waren auch schon mal besser.

Batman prügelt sich durch Lautwörter.

Batman und Robin prügeln sich durch Lautwörter – und hauen Kalauer raus.

Am Ende schenken Batman und Robin Lenny einen übergroßen Radiergummi, damit er im Knast seine Fehler ausradieren kann. „I get the message — it’s better to be a rubber — than a robber!“ Der Spruch ergibt nicht wirklich Sinn, denn Lenny hat ja niemanden ausgeraubt, aber sei’s drum …

Am interessanten ist aber die erste Seite: Der Eraser radiert nämlich tatsächlich Batman aus – als wäre er nur eine gezeichnete Figur, was er für uns Leser ja auch ist! Mit der Handlung hat das zwar nicht direkt etwas zu tun, aber tatsächlich will der Eraser Batman auslöschen. Auf der Meta-Ebene trägt dieser lächerliche Schurke mit seinem Auftritt dazu bei, dass der neue Batman, der 1964 neu etabliert wurde, wieder ausgelöscht wird, um wieder in alte Muster zurückzufallen. Damit droht auch das ausradiert zu werden, was Batman eigentlich ausmacht – nicht ohne Grund wischt der Eraser Batman das Logo von der Brust. Durch Geschichten wie diese droht der Dunkle Rächer wieder zu verschwinden.

Natürlich hat er das nicht getan. Auch die albernsten Inkarnationen haben Batmans Mythos nicht geschadet. Nach der Adam-West-Phase, spätestens 1969 wurde Batman wieder ernsthafter – und damit waren auch die peinlichsten Auftritte wie ausgelöscht. Denn das gehört zu einer unsterblichen Comicfigur auch dazu: Sie muss immer wieder neu erfunden werden. Und dazu braucht es viele Radiergummis …

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Der Schurke der Sternzeichen

Zodiac Master

DC Comics

Titel: The Zodiac Master

Autor/Zeichner: Dave Wood/Sheldon Moldoff

Erschienen: 1964 (Detective Comics #323)


Es gibt fantasiereiche Batman-Storys, es gibt verrückte und es gibt total bescheuerte. Die Grenze dazwischen ist oft dünn, ein schmaler Grat. Aber eine Story über Astrologie kann eigentlich nur in die Hose gehen. 1964 war ohnehin keine Sternstunde der Batman-Comics, die Qualität erreichte den Tiefpunkt.

Der Zodiac Master ist ein Schurke in einem hellblauen Anzug, der mit lauter astrologischen Symbolen verziert ist. Bei Bedarf kann er sie aber werfen und dann werden sie zu tödlichen Waffen: Ein Pfeil und ein Steinbock werden zu Raketen, ein Skorpion wirft Netze, ein Krebs wird zu einem fliegenden Roboter. Der Autor hat sich vom Polka-Dot Man inspirieren lassen, macht sich aber nicht mal den Ansatz einer Mühe, zu erklären, wie das funktionieren soll.

Die Story tut nicht viel zur Sache: Der Zodiac Master prophezeit ein Schiffsunglück – und es trifft ein. Dann ein Flugzeugunglück – und es stellt sich heraus, dass es beinahe eingetreten wäre. Daraufhin verkauft er seine Vorhersagen an Verbrecher, die aufgrund ihrer Horoskope auf Raubzüge gehen. Natürlich ist er nur ein Betrüger. (Und offenbar ein genialer Erfinder, sodass man sich wieder einmal fragen kann, warum er nicht einfach damit reich werden will.)

Batman spürt undercover den Schurken in seinem Geheimversteck auf und erwischt ihn schließlich mit Robin bei einem Museumsraub. Warum begeht er selbst einen Diebstahl, wenn er sein Geld sicherer mit Horoskopen verdient? Das muss uns bei dieser Story nicht wirklich interessieren …

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