Es wird blutig werden: Frank Millers Dunkler Ritter muss – trotz seines hohen Alters – noch einmal antreten. Und wahrscheinlich wird er Superman erneut eine Abreibung verpassen. So viel kann man dem Ankündigungs-Bild entnehmen, das DC und Miller jüngst veröffentlicht haben. Der Altmeister lässt sich dabei von Autor-Superstar Brian Azzarello (Joker) unterstützen. Und auch wenn nicht – wie gerüchteweise zu lesen war – das Jung-Genie Scott Snyder beteiligt ist, macht das Autorenteam Hoffnung: Denn wie sich die Fangemeinde bei der Fortsetzung des Klassikers The Dark Knight Returns von 1986 überzeugen durfte, scheinen beim guten alten Frank ein paar Sicherungen durchgeknallt zu sein. Ein Eindruck, der mit seinem All-Star Batman nur bestätigt wurde (wenn auch auf viel amüsantere Weise). The Dark Knight Strikes Again war ein übles Machwerk, das alle Qualitäten seines Vorgängers vermissen ließ – vor allem den Titelhelden. Stattdessen wurde eine wirre Geschichte um Dutzende Charaktere erzählt, ohne dass auch nur im Ansatz Spannung oder Anteilnahme aufkam. Die Story war ein Beleg dafür, dass man Klassiker besser unangetastet lässt, sonst läuft man Gefahr, sie zu zerstören (vgl. Star Wars). Azzarello könnte als Stimme der Vernunft dafür sorgen, dass im dritten Teil endlich wieder eine erzählerische Disziplin einkehrt.
News
Joker: Verjüngt mit 75
Das ist er: Der neue Joker. Gut gehalten hat er sich für seine 75 Jahre. Aber ein bisschen schräger ist er geworden. Tätowiert, silberne Zähne, kurze Haare. Der Mund? Nun, er wirkt immer noch übergroß, aber nicht mehr entstellt. So sieht jedenfalls Regisseur David Ayer Batmans größten Widersacher, so stellt ihn Jared Leto im kommenden Suicide Squad-Film (2016) dar. Es war klar, dass sich eine Performance wie sie Heath Ledger in The Dark Knight gebracht hat, nicht wiederholen ließe, ohne es wie einen bemühten Abklatsch wirken zu lassen. Daher versucht Ayer einen anderen Ansatz. Mit den vielen Tattoos hat er allerdings den Bogen überspannt: Lauter „Hahahas“ auf dem Körper und „damaged“ auf der Stirn sind nicht gerade Ausdruck von Subtilität. Auch erschließt sich der Mehrwert nicht, dem Joker ein breites Grinsen und einen Totenkopf-Narren auf den Köprer zu zeichnen …
Einen tätowierten Joker hat die Comicgemeinde bereits in Frank Millers umstrittenen All-Star Batman gesehen. Die kurzen Haare gab es schon mal in Batman Beyond: Return of the Joker und in Endgame, der jüngsten Snyder-Capullo-Story trägt er sie wieder. Dieser Joker wirkt trotzdem anders, gewöhnungsbedürftig und verstörend – aber das ist schon immer Programm bei dieser Figur. Insofern reiht sich diese Inkarnation gut in die Tradition ein. Dass Jared Leto ein fähiger Darsteller ist, der seine Sache gut machen wird, steht zweifellos fest. Hoffentlich wird er nur nicht zu überdreht, denn man kann es mit dem Irrsinn auch übertreiben. Dieser Marilyn-Manson-Joker wirkt jedenfalls comichafter als Ledgers dunkler Clown mit entstelltem Gesicht. Ich habe meine Zweifel, ob ein Schurkenfilm funktioniert, wenn es zuvor keine Helden gegeben hat. Vor allem aber muss dieser Joker ein würdiger Gegner für den kommenden Batman sein. Der Erwartungsdruck ist hoch.
Der Joker ist 75 Jahre alt geworden – und wie Batman hat er nichts von seiner Faszination eingebüßt. DC hat schon im vergangenen Jahr eine 400-Seiten-Anthologie seiner besten Storys herausgegeben: A Celebration of 75 Years. In einem kleinen Film wurden die angeblich besten Momente der Joker-Comicgeschichte zusammengetragen:
Hier ist meine Bestenliste:
1. Mad Love: Keine Story ist dynamischer, witziger und pfiffiger als diese. Joker ist besessen vom perfekten Mord an Batman, doch Harley Quinn gelingt die Tat. Ein Meisterwerk im Animated-Stil.
2. The Dark Knight Returns: Ein alter Batman tut, was er schon längst hätte tun sollen: Er tötet den Joker. Im Liebestunnel. Wie romantisch. Wie passend.
3. Arkham Asylum: Der Joker führt Batman durch das Arkham Asylum. Nie hat der Schurke drastischer und schrecklicher ausgesehen als hier.
4. Joker: Der Joker wird aus Arkham entlassen und zieht eine blutige Spur hinter sich her. Furchtbar, grausam, sinnlos. Der Joker ist eine Krankheit – dagegen hilft nur Batman. Großartig auf seine eigene Weise.
5. Arkham Asylum: Madness: In gewisser Weise die Fortsetzung von Arkham Asylum. Der Joker wird in vielen Stilen dargestellt, wodurch er noch irrer und ungreifbarer als sonst wirkt. Und er ist mal wieder der Hofnarr, der die Wahrheit spricht und den Menschen den Spiegel vorhält. Achtung: Batman-Story ohne Batman.
6. The Man Who Laughs: Wie alles begann – modern erzählt. Eine gelungene Adaption der ersten Joker-Story aus Batman #1 (1940).
7. The Killing Joke: Der totzitierte Klassiker. Tolle Zeichnungen, kunstvoll erzählt, einige drastische Momente – aber die tragische Vorgeschichte ist nach Heath Ledgers anonymen Joker nicht mehr zeitgemäß. Manchmal ist es besser, nicht alles zu wissen.
8. Death of the Family: Nachdem sich der Joker das Gesicht hat abschneiden lassen, holt er es sich zurück, tackert es sich wieder an und beginnt seine große Rache an Batman und dessen Familie. Sehr drastisch und düster. Leider verliert sich die ambitionierte und spannend erzählte Story in zu vielen Zitaten.
9. Joker – Devil’s Advocate: Der Joker will sein Porträt auf einer Briefmarke haben. Dann sterben Leute, die an Briefmarken lecken. Joker wird angeklagt – aber er beteuert seine Unschuld. Sehr unterhaltsam.
10. Going Sane: Nach dem Tod von Batman wird Joker wieder normal und fängt ein bürgerliches Leben an. Doch sobald Batman wieder zurück ist, wird der Schurke rückfällig.
FLOP: A Death In the Family: Noch so ein totzitierter Klassiker. Aber zu Unrecht. Der Joker erschlägt Robin II (Jason Todd) mit einer Brechstange. Sehr schlimm. Große Trauer. Doch darüber hinaus ist die Geschichte hanebüchener Mist.
>> Weitere Beiträge zum Thema Joker findet ihr hier.
Neue Animationsfilme und endlich ein Trailer
Am 15. Mai soll er endlich kommen: der langersehnte erste offizielle Trailer zu Batman v Superman: Dawn of Justice. Im vergangenen Jahr war das Privileg, einen ersten Teaser zu sehen, nur einer kleinen Schar auserwählter auf der Comic-Con San Diego vorbehalten. Jetzt sollen endlich alle Fans in den Genuss erster bewegter Bilder kommen, und zwar zum Kinostart des neuen Mad Max-Films. Bislang wurden wir bloß mit Promo-Bildern von Batman, Superman, Wonder Woman, Aquaman und Lex Luthor abgespeist. Aber so macht man heute eben Marketing: Kleckern statt Klotzen. Deshalb werden jetzt schon Trailer-Premieren angekündigt …
Außerdem wurde bekannt gegeben, dass ein neuer Batman-Animationsfilm geplant sei. In welchem Stil und worum soll es gehen? Die Besetzung sagt bereits alles: Adam West und Burt Ward. Zum 50-jährigen Jubiläum der trashigen Batman-TV-Serie der 60er soll der Film herauskommen. Vor kurzem erst ist die gesamte Serie auf DVD und Blu-ray erschienen, seit 2013 gibt es sogar eine Comic-Adaption namens Batman ’66, die es bisher auf 20 Ausgaben gebracht hat (weitere sind geplant). Die Hefte sollen gar nicht übel sein. Ob ein Zeichentrickfilm den Charme der Serie einfängt, ist zu bezweifeln. Nötig ist das jedenfalls nicht.
Bereits am 12. Mai erscheint in den USA der Direct-to-Video-Animationsfilm Batman Unlimited: Animal Instincts. In dem Streifen soll Batman unter anderem mit Flash und Green Arrow gegen Schurken kämpfen, die Tieren nahestehen: Pinguin, Killer Croc, Man-Bat, Cheetah etc. Besprechung folgt.
Zum Abschluss noch ein amüsantes Netzfilmchen: Was wäre, wenn Superman von den Waynes adoptiert worden wäre? Viel Spaß.
Vorschau: Neue Batman-Comics von April bis Juli 2015
Harley Quinn und der Riddler, eine Würdigung des Zeichners Norm Breyfogle sowie neues von Erde Eins und dem Dreamteam Snyder-Capullo: Die für die nächsten vier Monate angekündigten Batman-Comics machen viel Vorfreude. Eine Übersicht.
Im April widmet DC dem Riddler einen eigenen Band, in dem seine besten Auftritte gesammelt sein sollen. Auf fast 300 Seiten wird folgendes geboten: Detective Comics #140, #142, #377, #822, #837, Batman #171, #179, #292, #317, #362, Batman: The Riddler #23.2 (Villain’s Month), Brave and Bold #183, Joker’s Asylum II: The Riddler #1 and Legends of the Dark Knight 100 Page Super Spectacular #2.
Im Mai kommt endlich der sechste Band von Scott Snyders und Greg Capullos Batman-Serie. Nein, noch nicht das lang erwartete Endgame (es soll so großartig sein, dass das Warten bis zum Herbst schmerzt), sondern Graveyard Shift. Dabei handelt es sich um eine Resterampe von bisher nicht in Buchform veröffentlichten Heften: Batman #0, #18-20, #28, #34 and Batman Annual #2. Also Lückenbüßer und ein paar Anekdoten aus der Vergangenheit (Stichwort: Zero Year). Wir freuen uns trotzdem drauf, etwas Neues von dem Dream-Team zu lesen.
Eine Woche später soll der zweite Band von Earth One erscheinen. Der alternative Origin von Geoff Johns und Gary Frank erfreute sich großer Beliebtheit und auch ich fand ihn zumindest gut erzählt (wenn auch die Story nicht sonderlich innovativ war). Bin gespannt, wie es jetzt weitergehen soll.
Ebenfalls im Mai kommt Detective Comics Vol. 6 raus. Die Story Icarus stammt von einem neuen Team – Francis Manapul und Brian Buccellato – und soll einen neuen Weg einschlagen. Es wird höchste Zeit. Bislang war der Neustart von Detective Comics eher enttäuschend und wirkte planlos.
Für den 2. Juni ist die Kurzgeschichten-Anthologie Legends of the Dark Knight Vol. 4 angekündigt. Zwei Tage später erscheint bei Panini eine Neuauflage einer alten Legends-Story: Mask (#39-40) soll laut Verlag „eine der psychologisch intensivsten Bat-Geschichten aller Zeiten“ sein. Bruce Wayne wird im Krankenhaus erklärt, dass er sich Batman nur einbildet. Das 48-Seiten-Heft wird auf 999 Exemplare limitiert sein und neun Euro kosten.
Am 7. Juli erscheint ein Sammelband, der sich dem Künstler Norm Breyfogle widmet. Auf über 500 Seiten werden Werke aus den 80ern und 90ern versammelt sein. Breyfogle hat kürzlich einen Schlaganfall erlitten und wegen einer unzureichenden Gesundheitsversicherung wurden Spenden für seine Genesung gesammelt. Wir haben bereits drei seiner Geschichten besprochen.
Außerdem erwartet uns im Juli eine Compilation zu Harley Quinn, der nervigen, aber beliebten Partnerin des Jokers, die ihren ersten Auftritt in der Animated-Serie hatte, aber längst in die Comic-Continuity aufgenommen wurde und sogar eine eigene Serie hat. Im Sammelband werden enthalten sein: Batman: Harley Quinn #1, Joker’s Asylum II: Harley Quinn #1, Batman: Gotham Knights #14, #30, Batman: Black and White #1, #3, Detective Comics #831, #837, Detective Comics: Harley Quinn #23.2 (Villain’s Month), Legends of the Dark Knight 100 Page Super Spectacular #1. Passend dazu erscheint schon am 31. März die Deluxe-Edition des Klassikers Mad Love.
Weitere Highlights:
- Batman Beyond: Batgirl Beyond (8. April)
- Batman Noir: Dark Knight Returns (5. Mai)
- Batman Eternal Vol. 2 (14. Juli)
- Batman: The Jiro Kuwata Batmanga Vol. 2 (14. Juli)
- Second Chances (21. Juli, Batman #402-403, 408-416, Batman Annual #11)
- Gothic Deluxe Edition (28. Juli)
Batman schlechthin

Wortlos, schriftlos, ikonisch: Batman im Intro der Animated Series.
Mehr als 20 Jahre ist Batman: The Animated Series (BTAS) schon alt, aber man merkt es ihr nicht an. Noch immer wirkt sie so frisch wie ehemals – und ihre Darstellung von Batman, Gotham City und seiner Bewohner ist eine der maßgeblichen Inkarnationen des Universums, um nicht zu sagen: das ist Batman schlechthin. Hätte man nur eine Minute Zeit, jemandem zu erklären, wer Batman ist, es reichte, ihm den Vorspann zu zeigen.
Wie beliebt die Serie ist, zeigt sich auch aktuell. Auf nerdist.com hat Autor Kyle Anderson ein Jahr lang jede einzelne Folge besprochen und daraufhin eine Top-Ten-Liste der besten Episoden erstellt. (Die Nummer eins ist übrigens Heart of Ice mit Mr. Freeze, gefolgt von Almost Got ‚Im.) Leider hat er sich nur auf die „Original“-Serie beschränkt und nicht die 24 Folgen der New Batman Adventures mitberücksichtigt. Ich halte diese Unterscheidung für falsch, da diese Nachfolgeserie in derselben Kontinuität spielt und einige der besten Folgen enthält. Allein den neuen Namen und das leicht veränderte Design zum Anlass für eine solche strikte Trennung zu nehmen, halte ich für schwache Gründe.
Nun berichtet die Seite von einem Podcast, indem sich Comedian Justin Michael, ein wahrer BTAS-Fanatiker, über jede Episode auslässt. Von Anfang an gehörte dieser bei iTunes zu den populärsten Beiträgen. Im Interview mit Nerdist erzählt Michael, was den Reiz der Serie ausmacht. Zum Teil liege es daran, dass die vermeintliche Kinderserie sehr erwachsene Szenarios durchspiele, etwa in der Doppelfolge (!) Two-Face (ebenfalls und zu Recht in Andersons Top-Ten). Das ist nicht nur interessant zu lesen, sondern macht auch Lust, BTAS wieder zu schauen. Zweifellos wurden in der Serie einige der besten Batman-Storys erzählt (einige davon wurden hier bereits besprochen).
Spendenaufruf für Batman-Zeichner Norm Breyfogle
Sechs Jahre lang, von 1987 bis 1993, hat Norm Breyfogle Batman gezeichet. Neben den Hauptserien Batman und Detective Comics auch die 1992 gestartete Serie Shadow of the Bat. Mit dem Autor Alan Grant schuf er Charaktere wie den Bauchredner (Ventriloquist), Szasz und Anarky. Im Dezember 2014 jedoch erlitt der 54-jährige Künstler einen Schlaganfall, ist seitdem linksseitig gelähmt (er ist übrigens Linkshänder) und dazu noch pleite, weil er seine Ersparnisse für die Behandlung aufgebraucht hat (er hat nämlich keine Krankenversicherung).
Deswegen jetzt die Fans aufgerufen, Breyfogle finanziell zu unterstützen. 200.000 Dollar müssen zusammenkommen, damit der Zeichner buchstäblich wieder auf die Beine kommen kann. Rund 85.000 Dollar hat die Familie schon beisammen. Hier geht’s zur Crowdfunding-Seite. Außerdem wird bis Freitag bei Ebay ein Cover zugunsten des Künstlers versteigert.
Aus diesem Anlass will das BATMAN-PROJEKT das Werk des Zeichners würdigen. Seine Batman-Story The Last Arkham habe ich hier schon besprochen, nun werde ich mir in den nächsten Tagen auch Anarky und das Elseworlds-Szenario Holy Terror (übrigens das erste unter diesem Logo) vornehmen.


