Lois Lane

Alles nur für Lois Lane

Batman versus Superman, Teil 3: World’s Finest Comics #71 (1954)

DC Comics

DC Comics

Titel: Batman – Double for Superman! (dt. Batman – Das Double für Superman!)

Autor/Zeichner: Alvin Schwartz/Curt Swan

Erschienen: 1954 (World’s Finest Comics #71), Hardcover: World’s Finest Comics Archives Vol. 1 (1999), dt. Panini 2002 (World’s Finest Comics Archiv Bd. 1)


 

Das Jahr 1954 ist ein Wendejahr für Superhelden wie für Comics überhaupt. In diesem Jahr erschien Seduction of the Innocent, ein Buch des Psychiaters Fredric Werthams, das Comics dafür verantwortlich machte, die Jugend zu verderben. Auf die Kritik reagierten die Verlage mit dem Comics Code, einem selbstauferlegten Regelwerk, das die Comics harmlos und damit auch langweiliger machte. Trotzdem haben die Storys des Silver Age ihren besonderen Reiz – den Charme des Absurden.

Das Cover von World’s Finest Comics #71 trägt das Comics Code-Label noch nicht (das kam erst 1955, in Ausgabe #75). Stattdessen wirbt es mit Batman und Superman, den beliebtesten Helden von DC. Das ist nichts ungewöhnliches. Allerdings hatten sie bisher nur ein mal ein gemeinsames Abenteuer, und das war vor zwei Jahren. Ab dieser Ausgabe wurde das Super-Team zum Regelfall – bis 1986. Das Neue an diesem Cover ist jedoch, dass Batman und Superman nicht einfach nur die Leser freundlich anlächeln, sondern dass Batman eine Kugel für Superman abfängt. Was ist da los? Batman ist doch nur ein Mensch – oder etwa nicht?

Superman beim Umziehen erwischt

Die beiden Helden tauschen in diesem Abenteuer die Rollen. Doch nicht etwa, um einen Fall zu lösen, sondern wie schon zuvor geht es um eine Frau: um Lois Lane. Am Anfang bergen zwei Schurken Kryptonit aus dem Meer – mit einem gestohlenen Helikopter. Batman und Robin sind sich nicht zu schade dafür, so eine Lappalie zu ahnden. Doch bei der Verfolgungsjagd wird das Batplane zerstört und das Dynamische Duo läuft Gefahr, über der Stadt abzustürzen. Klarer Fall für Superman. Doch der hat es nicht eilig: Während die Kollegen fallen, muss der Blaue sich erst mal umziehen. Es muss wohl keine Telefonzelle in der Nähe gewesen sein, denn stattdessen stellt sich Clark Kent in irgendeinen Flur und wird beim Umziehen von Lois erwischt. Doch keine Zeit für Erklärungen, Superman wollte doch Batman und Robin retten – aber die haben sich schon selbst geholfen, indem sie auf einer Markise langen. Die besten Probleme sind die, die sich selbst lösen. Immerhin kommt er noch rechtzeitig, um das Batplane abzufangen.

Doch die Superhelden haben mal wieder wichtigeres zu tun, als Vebrechen zu bekämpfen. Die eigentliche Geschichte dreht sich nicht um das Kryptonit, sondern darum, Supermans Fehler mit Lois wiedergutzumachen. Batman und Superman tauschen die Kostüme, um Lois zu verwirren, mit dem Effekt, dass sie nun Bruce Wayne für Superman hält. Dabei scheuen sie keine Mühe: sie hetzen abgerichtete Löwen durch den Park, die Bruce Wayne mühelos überwältigen kann, sie manipulieren eine Schere, damit sie bricht, wenn Lois versucht, Bruce eine Strähne abzuschneiden, sie inszenieren einen Umzug mit einem fliegenden Laster und rekonstruieren dazu alle Möbel aus Pappe, um Bruce Wayne als Superman stark erscheinen zu lassen. Der hanbüchene Aufwand hat Erfolg, der Plan geht auf.

Lois ist nicht die Hellste

Der Höhepunkt an Absurdität ist aber diese Szene: Als Lois einmal Batman bewusstlos neben dem Kryptonit liegen sieht und unter der Maske von Batman Clark erkennt, kommt sie zu dem einzig möglichen Schluss: „Er muss sich für eine Story als Batman verkleidet haben und wurde verletzt.“ Wie gut, dass die Frau nicht besonders helle ist. So kann alles weitergehen wie immer und die beiden Helden sind ein eingespieltes Team. Allerdings muss man sich fragen: Wäre es nicht leichter gewesen, Lois von der Geheimidentität wissen zu lassen? Hätte man ihr nicht einfach zureden können, damit sie die Story nicht gleich in alle Welt hinausposaunt? Ja, aber dann gäbe es nicht diese Geschichte. Und das Potenzial für weitere Geschichten. Und überhaupt: Wie kann Superman sich bei der Wahl seiner Umkleide nur so blöd anstellen? Aber um dieses intellektuelle Defizit auszugleichen, ist ja Batman da …

Fortsetzung folgt.

Bisher erschienen:

Das beste Team auf Erden

Batman versus Superman, Teil 2: Das erste gemeinsame Abenteuer (1952)

Superman #76 (1952)

Superman #76 (1952) (DC Comics)

Titel: The Mightiest Team on Earth (dt. Das mächtigste Team der Welt)

Autor/Zeichner: Edmond Hamilton/Curt Swan

Erschienen: 1952 (Superman #76), Hardcover: World’s Finest Comics Archives Vol. 1 (1999), dt. Panini 2002 (World’s Finest Comics Archiv Bd. 1)


Flammen züngeln an einer Hausfassade empor. Lois Lane, die Jungfer in Nöten, steht auf dem Dach und schreckt vor dem Feuer zurück. Sie steht zwischen zwei Männern, die auf sie zufliegen: „Lois is in danger! This is a job for Superman!“ Doch der andere widerspricht: „No, this is a job for Batman!“ Worum geht es hier eigentlich? Die Szene auf dem Cover von Superman #76 wirkt so, als ginge es nicht um das Wohl der Dame, sondern um das Ego der beiden Helden. Kurz gesagt: Wer kriegt die Braut?

 

Es ist nicht die erste Begegnung von Superman und Batman auf einem Cover. Das erste Mal erschienen Batman und Superman zusammen auf dem Titelbild von New York World’s Fair Comics #1 (1939). Zwei Jahre darauf wurde die Serie World’s Best Comics gestartet, die ab Ausgabe #2 World’s Finest Comics hieß. Doch obwohl immer wieder Batman und Superman auf dem Cover zu sehen waren (man spielte sogar zusammen Baseball mit Robin und Hitler), kam man bei DC erst 1952 auf den Trichter, beide Helden ein gemeinsames Abenteuer erleben zu lassen. Das geschah zunächst in Superman #76. In World’s Finest, der traditionellen Batman-Superman-Serie kam es erst 1954 zu einem ersten Team-Up (#71). Doch im Gegensatz zu den Titelbildern waren die ersten Treffen in den Comics alles andere als harmonisch.

Konkurrenten und Partner

In ihrem ersten Abenteuer werden sie „The World’s Mightiest Team“ genannt. Auf der ersten Splash-Page, die die Funktion einer Einführung erfüllt und wie das Cover nichts mit der Story zu tun hat, treten die Helden zunächst nicht als Konkurrenten, sondern als Gemeinschaft auf: Während Superman gerade einen Zug aufhält, schwingt sich Batman (aus dem Nichts) in Richtung Lois Lane, um sie von den Gleisen zu holen. Beide Aspekte – der Konkurrenzgedanke wie der Teamgeist – spielen in der folgenden Erzählung eine große Rolle.

Es menschelt sehr in diesem Abenteuer. Batman und Superman machen Urlaub bei einer Kreuzfahrt. Der eine hat gerade einen Verbrecher zur Strecke gebracht, der andere ein Dinosaurierskelett aus der Wüste Gobi ausgegraben, zusammengesetzt und in ein Museum gebracht – da tut Erholung bitter Not. Wie der Zufall es will, müssen sich Clark Kent und Bruce Wayne eine Kabine teilen. Beide befürchten, der andere könnte die Geheimidentität herauskriegen. Als ein Brand im Hafen ausbricht, kommt es, wie es kommen muss: Die Helden sind gezwungen, ihren Urlaub zu beenden. Doch was tun, um sich nicht die Blöße zu geben? Man schaltet das Licht aus, weil man vorgibt, sich schlafen zu legen, aber in Wahrheit nur ein Alibi braucht, um sich umzuziehen. Und als von draußen Licht einfällt, stehen sich Batman und Superman erstmals in ihren Kostümen gegenüber. Keine Zeit zu staunen, keine Zeit für Fragen: man macht sich an die Arbeit, löscht das Feuer, rettet Lois Lane. Später sucht man den Übeltäter – einen Diamantendieb – auf dem Schiff.

Wen mag Lois lieber?

Aber darum geht es nur am Rande: Denn im Mittelpunkt steht die Dreiecksbeziehung zwischen den Helden und Lois. Die beiden Männer beschließen, eine Eifersuchtsgeschichte zu inszenieren, um Lois vom Herumschnüffeln abzuhalten und sich so selbst um den Fall kümmern zu können. Doch Lois hört das Komplott mit und macht Superman wirklich eifersüchtig, indem sie vorgibt, Batman anzuhimmeln. Was folgt, ist reines Balzverhalten: Die beiden belustigen die Schiffsgsellschaft mit Kunststückchen wie Akrobatik und Jonglage mit Eisbergen. Das Hauptproblem bleibt aber, Lois nicht hinter ihre Geheimidentitäten kommen zu lassen. Gerade da, in ihrer Gemeinsamkeit, funktionieren Batman und Superman am besten. Schnell einigen sich die beiden darauf, einander nicht zu verraten. Dennoch sind sie am Ende begierig darauf zu wissen, auf wen Lois denn nun wirklich mehr steht. Das Ende dürfte alle überraschen … Batman versus Superman, Runde eins, endet unentschieden.

Fortsetzung folgt.

Bisher erschienen:

>> Batman versus Superman, Teil 1: Einführung

Speeding Bullets: Superman als Batman

DC Comics

DC Comics

Titel: Speeding Bullets

Autor/Zeichner: J.M. DeMatteis/Eduardo Barreto

Erschienen: 1993 (One-shot)


„There’s only one way it could have happened: the way it was meant to be happen.“

„A child in a Halloween costume, playing out a lifetime of guilt and anger.“

„Has our world become so twisted, so violent, that this is the kind of hero we produce?“

Was wäre wenn Supermans Rakete von Krypton in Gotham gelandet wäre? Dann wäre er von den Waynes gefunden und aufgezogen worden, bis zu jenem Tag, an dem sie ermordet werden. Kurz: Superman wäre Batman geworden. Die Elseworlds-Story Speeding Bullets spielt diesen wohl feuchtesten Traum aller Fanboys durch, steckt Superman ins Fledermauskostüm, lässt ihn fliegen, Dinge zerstören und Menschen verbrennen. Das Kostüm ist zum einen konsequent, weil es das Gesicht des Helden ganz verdeckt, zum anderen zeichnet sich in dem gelben Diamanten auf der Brust bereits ab, worauf die Story hinausläuft.

Doch zunächst wird das Superman-Inventar aus Metropolis herangeschafft: Bruce Wayne lässt Perry White und Lois Lane vom Daily Planet zur Gotham Gazette kommen, ein feister Lex Luthor versucht, Waynes Firma zu übernehmen, und scheitert. Kurz darauf zeigt Luthor sein wahres Gesicht: Es ist weiß, hat rote Lippen und lacht bei jeder unpassenden Gelegenheit. Nach einem Unfall in einem Chemiewerk ist Luthor nämlich zum Joker geworden. Warum er sich so nennt, bleibt unklar, denn Witze macht er keine und lustig ist er auch nicht. Allein lächerlich wirkt es, wenn aus seinem Rücken ein Propeller heraustritt, mit dem er durch die Stadt fliegen kann.

DC Comics

Wie dem auch sei: Batman rettet Lois Lane, dann die ganze Stadt vor einer paramilitärischen Invasoren, die für Luthor Chaos stiften. (Einen tieferen Sinn hat das nicht.) Am Ende lässt Batman sich von Lois zu sanfteren Methoden der Verbrechensbekämpfung bequatschen und legt sein Kostüm ab – er wird zum bekannten Superman in blau, rot und gelb.

Die interessantesten Elseworlds-Storys spielen ihr „Was wäre wenn“ bis zur letzten Konsequenz durch. Doch hier ist das Szenario bloß ein Umweg zum Status quo der regulären Comic-Serien. Daher muss man sich fragen, was sie eigentlich soll. (Zugegeben: The Nail funktioniert auch so, aber besser.) Dabei fängt die Geschichte vielversprechend an: Bruce plagt die Schuld, die Kugeln, die seine Eltern töteten, nicht aufgehalten zu haben. Er verschanzt sich als Einsiedler in Wayne Manor und sammelt Zeitungsartikel, um über das Leid in der Welt zu lamentieren – bis er sein wahres Potenzial wiederentdeckt. Doch mit der bemühten Einführung von Luthor-Joker wird alles zunichte gemacht und die wenigen Seiten für eine Story verschwendet, die nicht der Rede wert ist. Eine vertane Chance.

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Was Sie schon immer über Batman wissen wollten …

… aber bisher nicht zu fragen wagten – Superreporterin Lois Lane hat es gefragt. In dem kleinen Web-Video DC Nation – Tales of Metropolis: Lois sehen wir sie als Role Model einer Journalistin: Unablässig bleibt sie am Dunklen Ritter dran und stellt ihre Fragen, lässt sich nicht abwimmeln, bis sie endlich hat, was sie will. Wir erfahren, welcher der schrecklichste und welcher der peinlichste Schurke gewesen ist, und am Ende stellt sich heraus, dass Lois selbst der beste Sidekick wäre. Aber das wird wohl leider ein Wunschtraum bleiben.

Der blutige Pfad der Götter

Warner Bros.

Warner Bros.

Titel: Justice League Gods and Monsters

Drehbuch: Alan Burnett, Bruce Timm

Erschienen: 2015 (Direct-to-Video)


„Technically we’re not the police.“ (Batman)

Es beginnt mit einem Fingertippen, aber er hat das Ausmaß einer Vergewaltigung: Kurz vor der Zerstörung Kryptons, bevor Jor-El seine DNA mit der seiner Frau verschmelzen kann, kommt General Zod dazwischen, der Mann, der für die Katastrophe verantwortlich ist, und schickt sein Erbgut auf die Reise zur Erde. Jahre später wird daraus ein anderer Superman: mit Bart und Ledermantel, überheblich und ohne Skrupel vor dem Leben. Zusammen mit dem Vampir Batman und Wonder Woman (Bekka von den New Gods) bildet er eine alternative, düstere Justice League. Die drei operieren als Eingreiftruppe, die über Leichen geht. Deshalb wird sie von den Menschen kritisiert und gefürchtet. Es stellt sich die Frage, ob sie Segen oder Fluch, Rettung oder Bedrohung sind.

Mit dieser radikalen Neukonzeption ist Justice League: Gods and Monsters ein ambitionierter, weil ernsthafter Animationsfilm mit zwiespältigen Charakteren. Schnell wird klar, dass hier trotz des Zeichentrickstils keine Gutenachtgeschichte für Kinder erzählt wird. Diese Helden metzeln und stechen ab, beißen und saugen Blut, verbrennen ihre Opfer bei lebendigem Leib. Moral ist ihnen ebenso egal wie der Hass der Leute. Doch dann tauchen plötzlich drei Roboter auf, die Wissenschaftler wie Ray Palmer, Victor Fries und Silas Stone töten und es so aussehen lassen, als wäre die Justice League dafür verantwortlich. Als auch Lex Luthor ermordet wird, wendet sich die Regierung der USA gegen ihre Helden …

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Pantheon und Pandämonium

Titel: Justice League: Gods and Monsters – Genesis

Autor/Zeichner: J.M. DeMatteis, Bruce Timm/Thony Silas

Erschienen: 2015 (Mini-Serie #1-9, digital)


„Monsters aren’t born, they’re made.“

„They’re a disease. And, God help us … we need to find a cure.“

Seit Superman, Batman und Wonder Woman aufgetaucht sind, hat sich die Welt verändert: Skrupellose Übermenschen, die selbstgerecht gegen Kriminelle vorgehen und die mit ihren Blicken einäschern oder ihr Blut trinken – die Menschheit ist verunsichert. In dieser Zeit verkündet der Wissenschaftler Jackson Alpert einen Durchbruch: er hat es in seiner Schweizer Forschungsstation geschafft, aus Menschen zu Übermenschen zu machen: die Forever People. Sein Ziel ist es, die ganze Welt von Krankheit, Tod und Leid zu befreien, leider zu einem hohen Preis. Und dabei versucht er, die drei Superhelden für sich zu gewinnen.

Erst sind sie skeptisch, doch dann entdeckt jeder einen anderen Reiz für sich: Wonder Woman (Bekka) sieht eine Chance für den Weltfrieden. Batman (Kirk Langstrom) will seinen Vampirismus loswerden. Bei Superman (Hernan) kratzen die Übermenschen am Ego: er kann sich nicht mehr als das mächtigste Wesen auf der Welt fühlen. Also unterzieht er sich einer Prozedur, um seine Kräfte noch zu steigern. Doch dadurch wird vieles nur noch schlimmer. Im weiteren Verlauf gibt es nicht nur eine ganze Armee von Supermenschen, die untereinander Krieg führen, sondern auch Alpert wird schließlich zu einem scheinbar unbesiegbaren Über-Gegner.

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