Dennis O’Neil

Legends of the Dark Knight: Images

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Titel: Images

Autor/Zeichner: Dennis O’Neil/Bret Belvins

Erschienen: 1993 (Legends of the Dark Knight #50), Paperback 1996 (Dark Legends)


„We can’t go on meeting like this.“ (Batman)

„A true artist never repeats himself.“ (Joker)

Fast hätte er ihn gehabt: Batman platzt mitten in eine Gangster-Versammlung, doch statt sich den Kerl im lila Anzug vorzunehmen, mischt er lieber die üblichen Verdächtigen auf. Das erweist sich bald als Fehler: denn der komische Kauz ist der Joker – und er mordet bald darauf so willkürlich wie perfide. Mit Ansage und … Augenblick mal, die Story kennen wir doch! Ja, stimmt. Es ist eine Variation der allerersten Joker-Story aus Batman #1 (1940). Die wurde 2005 als The Man Who Laughs wieder erzählt, und 1993 schon einmal unter dem Titel Images.

Was macht diese Version interessant? Dennis O’Neil gibt dem Joker einen Cousin namens Melvin Reipan, der etwas zurückgeblieben und naiv, aber ein Chemie-Genie ist. Er braut dem Joker sein Gift zusammen – und dieser testet es zunächst an Melvins Katze. Dabei wird angedeutet, dass Jokers echter Name mit Ja… beginnt, er ihn aber nicht mehr hören will. Auch Cousin Melvin überlebt seinen ersten Auftritt nicht, Bruce Wayne spendiert ihm ein pompöses Grab. (Warum auch immer; manchmal schießt der Milliardär etwas übers Ziel hinaus.)

Sonst ist die Geschichte eben mehr oder weniger die vertraute: Persönlichkeiten werden bedroht, mit viel Polizei geschützt, aber dann sterben sie doch lachend. Dabei stellen sich die Bullen ziemlich dämlich an: Wenn schon der erste wegen vergiftetem Papier draufgegangen ist, wieso gehen sie dann davon aus, dass sie das nächste Mal mit mehr Polizei und einem Tresor für mehr Sicherheit sorgen können? Am Ende läuft es leider auf banale Beweggründe hinaus: der Joker giert bloß nach Geld. Im Finale haut er Batman eine rein, Batman revanchiert sich mit einem Haken und das war’s. Ziemlich banal. Die einzige Pointe: Bruce Wayne glaubt am Ende dann tatsächlich, dass der Fall damit erledigt wäre. Aber das ist nur einer von vielen seltsamen Schlüssen, die der Meisterdetektiv in dieser sperrigen Story zieht.

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Batman trifft Punisher

Titel: Batman/Punisher: Lake of Fire; Punisher/Batman: Deadly Knights

Autor/Zeichner: Dennis O’Neil/Barry Kitson; Chuck Dixon/John Romita Jr.

Erschienen: 1994 (One-shots)


„As exercise, it isn’t bad. But, it’s getting us nowhere.“ (Punisher)

Wenn man ein paar dieser DC/Marvel-Crossover liest, kapiert man schnell, wie die Sache läuft. Da mich sowohl das Treffen von Batman mit Daredevil als auch mit Spider-Man ziemlich kalt gelassen hat, habe ich auch von den zwei Begegnungen mit dem Punisher nicht viel erwartet. In der Hinrunde verbünden sich Aushilfsbatman Jean-Paul Valley (Knightfall) und Frank Castle gegen den entstellten Schurken Jigsaw. Batman ist verrückt, ihn plagen die üblichen Wahnvorstellungen, der Punisher macht sich schnell selbständig, am Ende gibt’s eine kleine Keilerei, bei der Batman zwar überlegen ist, aber der Punisher doch triumphiert, weil er mogelt. Naja.

In der Rückrunde darf auch mal Bruce Wayne gegen den Mann mit dem Totenkopf auf der Brust antreten – sogar zweimal. Der eigentliche Kampf wird wieder gegen Jigsaw geführt, allerdings bekommt er Verstärkung vom Joker. Am Ende will der Punisher den Clown einfach abknallen, Batman hat was dagegen … Das Ganze ist so banal und auch so sperrig gezeichnet, dass es nicht der Rede wert ist. Einzig die Tatsache, dass man das Heft zweimal um 90 Grad kippen muss, weil die Doppelseiten vertikal ausgerichtet sind, ist ungewöhnlich daran.

Ich denke, die restlichen Crossover dieser Machart kann man sich sparen.

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James Gordon: Vom Pfadfinder zum Al Capone

James Gordon (Teil 1)

DC Comics

DC Comics

Titel: Gordon of Gotham (Gordon’s Law/GCPD/Gordon of Gotham)

Autor/Zeichner: Chuck Dixon, Dennis O’Neil/Klaus Janson, Jim Aparo, Bill Sienkiewicz, Dick Giordano

Erschienen: 2014 (Paperback), Mini-Serien: 1996, 1997, 1998


„I don’t need a knight. I need a street cop.“ (James Gordon)

„You are the police commissioner, James. You’re not supposed to be carrying a gun, let alone working cases.“ (Sarah Essen)

„I wonder sometimes if there are any good cops left. At least enough good ones to make a difference.“ (James Gordon)

James Gordon ist ein guter Polizist in einer schlechten Stadt. Insofern wirkt es widersprüchlich, dass er gemeinsame Sache mit einem Vigilanten wie Batman macht. Wie man in Year One erfährt, ist diese Beziehung nicht immer von Freundschaft geprägt gewesen – und auch später wurde sie immer wieder auf die Probe gestellt. Gordon ist für Batman so etwas wie sein erster Sidekick. Aber einer auf Augenhöhe. Man hilft sich gegenseitig, weil man das Gleiche will. Doch die Methoden sind andere. Und sie ergänzen sich. Batman und Gordon sind auf einander angewiesen: Während Batman einen Fürsprecher in der Welt des Gesetzes braucht, braucht Gordon einen, der die Regeln für ihn bricht. So kriegen beide, was sie wollen.

Doch Gordon kann auch ohne Batman – was aber nicht heißt, dass sich der Polizist immer an die Regeln hält. Deutlich wird das im Band Gordon of Gotham. Darin werden drei Mini-Serien aus den 90ern versammelt, die den Kampf gegen das Verbrechen in Gotham von der Seite der Polizei her zeigen (später wurde das mit der Serie Gotham Central wiederholt). Zwei der Storys konzentrieren sich auf die Titelfigur, während eine von den Nebenfiguren wie Harvey Bullock und Renee Montoya handelt. Der dunkle Ritter tritt hier bloß als Randfigur auf. Eine Batman-Story so ganz ohne Batman geht nicht.

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Legends of the Dark Knight: Venom

DC Comics

DC Comics

Titel: Venom (dt. Wahre Freunde)

Autor/Zeichner: Dennis O’Neil/Trevor von Eeden, Russell Braun

Erschienen: 1991 (Legends of the Dark Knight #16-20), Paperback 1993/2012, dt. Carlsen 1993, Panini 2015


 „I was right. But I wasn’t strong enough. I’ve failed.“ (Batman)

„I hate junkies.“ (Batman)

Es beginnt mit einem Versagen. Ein Mädchen wurde entführt. Batman findet es – aber er schafft es nicht, es vor dem Ertrinken zu retten. Übernächtigt und geschwächt greift er zu einer Wunderpille, die der Vater des Mädchens ihm verabreicht. Das Mittel verleiht ihm nicht nur übermenschliche Stärke, sondern auch ein sonniges Gemüt. Vom grübelnden Detektiv wird er zum tumben Haudrauf. Statt Bücher zu wälzen, zieht er mit Hut und Mantel los, um böse Buben zu verkloppen – und das mit Lust und einem Lächeln auf den Lippen. Es stellt sich heraus, dass Batman einem Komplott zum Opfer gefallen ist. Der Wissenschaftler hat einen Deal mit einem pensionierten General laufen: sie wollen eine Superarmee aufbauen und dabei Amerika von allen Menschen befreien, die sie für unwert erachten.

Batman entwickelt sich zum Junkie. Er braucht immer mehr und immer öfter Nachschub. Als er einmal dafür  James Gordon töten soll, warnt er seinen Freund und begibt sich in die Höhle auf kalten Entzug. Für 30 Tage schließt er sich dort ein, steht Höllenqualen durch, verwahrlost. Als er wieder clean ist, macht er sich auf nach Santa Prisca, der Insel, auf der die Bad Guys ihre blutrünstige und skrupellose Armee von Superzombies aufbauen. (Von soll später einmal Bane kommen, der berüchtigste Venom-Konsument …)

„I switched breakfast cereals“

Man merkt: Hier ist ganz schön was los. Urgestein Dennis O’Neil erzählt auf 140 Seiten eine ereinigisreiche, dramatische Geschichte, deren größte Stärke darin besteht, dass sie Batman am schwächsten zeigt: zuerst verwundbar durch seinen fanatischen Feldzug, dann durch seine Abhängigkeit. Der souveräne Dunkle Ritter wirkt einfach nur erbärmlich, wenn er fast schon um seine Pillen bettelt. Wie immer geht es darum, den Kampf gegen sich selbst zu gewinnen. Am Ende muss Batman eine unmögliche Aufgabe meistern – und dabei der Versuchung widerstehen, Venom einzunehmen.

Dennis O’Neil versteht es, eine spannende Story zu erzählen. Und mit Venom ist ihm dies deutlich einnehmender gelungen als bei Shaman, der ersten Legends-Geschichte. Ihm gelingen hier so schöne Sätze wie: „When he’s Batman, things like invading an island full of hostile renegades doesn’t seem insane.“ Oder Batmans lakonische Erklärung für seinen rapiden Muskelaufbau: „I switched breakfast cereals.“ Und wenn er gegen einen Hai kämpft, kann er sich auch den Seitenhieb auf das legendäre „shark repellent“ (Hai-Spray) aus dem 66er-Film nicht verkneifen.

Die Zeichner machen ihre Sache auf den ersten Blick unspektakulär solide, doch gelingen ihnen einige Panels voller Dramatik und Ausdruckskraft, die am besten in den noir-haften Nachtszenen wirken. Besonders die Cover, Splash Pages und der Anblick von Batman auf Entzug haben das Potenzial, in Erinnerung zu bleiben.

Venom ist zu Recht ein Klassiker.

>> Legends of the Dark Knight

Legends of the Dark Knight: Shaman

DC Comics/Panini Comics

DC Comics/Panini Comics

Titel: Shaman (dt. Der Schamane)

Autor/Zeichner: Dennis O’Neil/Ed Hannigan

Erschienen: 1989-90 (Legends of the Dark Knight #1-5, Paperback 1993), dt. Carlsen 1991, Panini 2014


 „Aber du kannst nicht wirklich glauben, dass Geschichten und Masken wirklich Heilkräfte innewohnen.“ (Bruce Wayne)

„Du musst zur Maske werden.“

Bruce Wayne wurde nicht zu Batman, nur weil eine Fledermaus durchs Fenster flog. Die Fledermaus erinnerte ihn an ein Erlebnis in Alaska, als er im Sterben lag und ein Schamane ihn mit einer Geschichte über eine Fledermaus und einer passenden Maske heilte. Davon erzählt Dennis O’Neil in seiner Story Shaman. Die erste Storyline der Serie Legends of the Dark Knight spielt in Batmans erstem Jahr und erzänzt Frank Millers Origin um einen neuen Sub-Plot.

Dieser ist allerdings ziemlich wirr und wenig einnehmend. Es geht um Ritualmorde, die irgendwas mit Drogengeschäften zu tun haben, um einen Banker und um einen mysteriösen Mörder, der die Fledermausmaske eines Schamanen trägt. Der frischgebackene Batman spielt Detektiv, kommt schnell zu den richtigen Schlüssen und wie er dazu kam, wird in Gedankenboxen nachgereicht. Zwei Mal darf er noch nach Alaska reisen, wo er sich einbildet, die Tochter des Schamanen abschleppen zu können. Aber das Glück mit den Frauen ist ihm eben nicht vergönnt.

Ganz nebenbei sehen wir, wie Batman sein von Alfred genähtes Kostüm zum ersten Mal anzieht und wie er beginnt, die Höhle unter dem Anwesen zu seinem neuen Arbeitszimmer zu machen. Bruce erzählt Alfred bei der Besichtigung der Höhle, wie er einmal als Kind hineingefallen ist. Batmans Maske bekommt heilende und schützende Kräfte zugesprochen, sodass der Batman-Mythos mit einem mystischen Hintergrund aufgeladen wird.

Die Zeichnungen von Ed Hannigan sind ziemlich schwach, die Figuren wirken steif und ihre Mimik ausdruckslos, nur Batman bekommt einige ansehnliche Panels. Ansonsten sind die Farben – nun ja – wie die Farben Ende der 90er nun mal waren. Shaman ist also weder ein großes Lesevergnügen noch eine Augenweide, aber immerhin eine Ergänzung für Freunde von Batmans Anfangszeit.

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