Superman

Tausend Jahre Tradition

Batman versus Superman, Teil 10: Generations (1999)

DC Comics

DC Comics

Titel: Superman & Batman: Generations – An Imaginary Tale (dt. Untertitel: Eine imaginäre Geschichte)

Autor/Zeichner: John Byrne

Erschienen: 1999 (Mini-Serie #1-4, Paperback 2000), dt. Carlsen 1999 (4 Teile)


„Continuity is important. A sence of history and tradition.“ (Bruce Wayne)

„What a man! Bruce, why can’t you be more like him?“ (Lois Lane)

Was wäre, wenn Superman und Batman normal altern würden? Was wäre, wenn sie heiraten und Kinder kriegen würden? John Byrne hat in seiner Imaginary Tale, wie er die Elseworlds-Story nennt, die Comic-Continuity mit der Comic-Historie verschränkt und die beiden größten Helden gemeinsam alt werden lassen, von der ersten Begegnung 1939 bis zum Jahr 1999 – und dann noch mal über 920 Jahre.

Beim ersten Treffen bei der Weltausstellung in Metropolis (eine Anspielung auf das gemeinsame Cover von World’s Fair Comics) kämpfen sie gegen den Ultra-Humanite, einen Vorläufer von Lex Luthor, zehn Jahre später auf Luthor selbst, der (mit dem Joker) die schwangere Lois Lane goldenem Kryptonit aussetzt, sodass der erste Sohn von Superman ohne Kräfte aufwächst. Doch auch Batman bekommt einen Sohn, Bruce Junior, allerdings erfährt man nie, wer seine Mutter ist. Der wird zum nächsten Robin und nach Dick Graysons Tod zum Batman und bändelt dann mit der Tochter von Superman und Lois an: Kara, dem Supergirl. Doch den Kindern ist kein Glück vergönnt, Luthor lässt die Hochzeit platzen, indem er zuerst Lois und dann Kara tötet. Vorher schon zieht der verbitterte Sohn Joel in den Vietnamkrieg, wo er Kriegsverbrechen begeht und schließlich getötet wird. Superman verliert schließlich seine Kräfte und rächt sich an Luthor, indem er ihn tötet, dann wird er von Batman zur Strafe in die Phantomzone verbannt. Batmans Leben wird dank der Lazarusgrube verlängert.

Am Ende sehen sich Superman und Batman im Jahr 2919 wieder, wo sie sich daran erinnern, schon im Jahr 1929 als Superboy und Robin (!) miteinander gegen Luthor gekämpft zu haben. Aber nicht erst hier wird die Story dämlich, schon vorher gab es eine nervige Episode, in der es um einen Wettstreit zwischen Bat-Mite und Mr. Mxyzptlk ging, ob Superman oder Batman der größte Held ist. Der unzeitgemäße Stil der Geschichten ist zwar der Nostalgie geschuldet, den Reminiszenzen an das Golden, Silver und Bronze Age, aber die Byrnes Erzählweise wirkt immer gleich altbacken und seine Wendungen bemüht.

Zwar ist das Grund-Szenario, das Byrne durchspielt, durchaus reizvoll, geht aber über das Niveau einer Seifenoper nicht hinaus. Der Erzähler rast durch die Jahrzehnte und lässt selbst die dramatischsten Augenblicke vorübergehen, ohne dass die Helden oder die Leser Zeit bekämen, damit umzugehen. So sehr aber die Story das Vergehen der Zeit thematisiert, so sehr versucht sie auch, die Helden zu konservieren. Statt Superman mit dem Verlust seiner Kräfte auch altern zu lassen, wird ein Weg gefunden, wie er sie wiederbekommen kann. Statt Supermans Enkel ohne Kräfte zu lassen, werden sie ihm regelrecht aufgenötigt, damit er als Nightwing das Erbe des Vaters weitertragen kann. Und zu allem Überfluss wird Batman auch noch unsterblich gemacht.

Welchen Sinn ergibt das Konzept vom Altern, wenn die Superhelden dann doch 1000 Jahre und länger leben, so lange bis sie sich aus Langweile neuen Welten zuwenden? Daher heißt es auch folgerichtig am Schluss „Never the End!“ Aber wer altert, sollte auch sterben können. Das hätte den Superhelden etwas mehr von der Menschlichkeit verliehen, die sie nötig gehabt hätten. Stattdessen macht Byrne, was bei DC Tradition ist: Heldenverehrung und Mythenpflege.

Fortsetzung folgt.

Bisher erschienen:

Raiders of the Lost Argos

Batman versus Superman, Teil 9: Elseworld’s Finest (1997)

DC Comics

DC Comics

Titel: Elseworld’s Finest

Autor/Zeichner: John Francis Moore/Kieron Dwyer

Erschienen: 1997 (Mini-Serie #1-2)


Was wäre wenn … Clark Kent und Bruce Wayne schon 1928 in der Blüte ihres Lebens gestanden hätten? Dann würde sie bestimmt ein gemeinsames Abenteuer zu Helden, wenn nicht gar Superhelden machen. Der Zweiteiler Elseworld’s Finest spielt diese Möglichkeit durch – und zwar auf sehr liebenswerte Weise im Stil einer typischen Pulp Fiction-Story à la Indiana Jones.

Der Hommage-Charakter wird schon auf der ersten Seite deutlich: Dort wird eine Comic-Seite aus dem Daily Planet gezeigt, in der es um ein Abenteuer Captain Marvels in Atlantis geht. Kurz darauf ist einer der Leser dieser Seite – der Zeitungsausträger Jimmy Olsen – Zeuge, wie ein Archäologie-Professor von Gangstern bedroht wird. Und wie der Zufall es will, wird ihm auf der Flucht das Leben von dem Reporter Clark Kent gerettet. Ihm erzählt Jimmy, was er gesehen hat, man geht zur Uni, kurz darauf taucht die Tochter des Professors, Lana Lang, auf und schon ist man unterwegs, um den Professor und die mythische Stadt Argos zu finden.

Für das richtige Indy-Feeling braucht es aber noch einen Draufgänger. Dem begegnet unser Team in Paris: Der Abenteurer Bruce Wayne hängt dort herum und betrinkt sich, nachdem er das Vermögen seiner toten Eltern verprasst hat. Gemeinsam geht die Reise nach Ägypten, wo man auf Ra’s al Ghul trifft, später bringt der (von Jules Verne inspirierte) Pirat Luthor alle in seinem U-Boot nach Argos, wo Kent eine Entdeckung macht, die ihn persönlich betrifft …

Gut, die Story ist nach typischem Schema geschrieben und die Zeichnungen erfüllen ihren Zweck, ohne besondere Kunst zu sein. Aber mehr will Elseworld’s Finest auch nicht. Herausgekommen ist ein Stück unterhaltsamer Schund-Literatur im besten Sinne. Wir sehen eine alternative Entstehungsgeschichte von Superman und Batman, die nach ihrem Abenteuer als dynamisches Duo zu Comic-Helden werden. Besonders interessant sind die Kostüme, die sie im Laufe der Handlung bekommen – auch wenn Batman eher nach Katze als nach Fledermaus aussieht. Aber wie so oft läuft es darauf hinaus, dass eine Elseworlds-Story nur ein Umweg ist, um zum bekannten Status quo der Continuity zu gelangen.

Fortsetzung folgt.

Bisher erschienen:

>> Liste der Batman-Elseworlds-Comics

Mit dem Schwert gegen den Stählernen

Batman versus Superman, Teil 8: Legends of the World’s Finest (1994)

DC Comics

DC Comics

Titel: Legends of the World’s Finest (dt. World’s Finest)

Autor/Zeichner: Walter Simonson/Daniel Brereton

Erschienen: 1994 (Mini-Serie #1-3, Paperback 1995)


„I don’t want to go down there. It’s dark! And I’m afraid.“ (Batman)

Eine altbekannte Geschichte: Der kleine Kal-El kommt mit seinen Eltern Jor-El und Lara aus dem Kino, als ein Unbekannter die Eltern erschießt. Und dann gibt es noch die von Bruce Wayne, der der Zerstörung seines Heimatplaneten zusehen muss … Moment mal, da stimmt doch was nicht! Was nach Elseworlds klingt, sind in Wahrheit Träume, die Superman und Batman plagen, eingepflanzt von bösen Mächten aus der Hölle. Der Dämon Tullus will nach einem Jahrtausend in Knechtschaft seinen Fluch loswerden und sucht sich nicht nur Hilfe bei der ebenfalls Verdammten Silver Banshee, sondern auch bei Superman und Batman. Das Ergebnis ist eine gegenläufige Bewegung: Während Superman zu einem rücksichtlosen Haudrauf wird, wird Batman zu einem feigen Waschlappen, dem sein Cape hängenbleibt und der sich vor der Dunkelheit fürchtet. Dann wird Superman zum Diener des Bösen und es liegt an Batman, sich zusammenzureißen und seinem Kumpel wieder Vernunft einzuprügeln …

Die etwas altbackene Story kommt leider dank eines steifen, pathetischen Schreibstils gänzlich ohne Pointen oder Humor aus. Dafür sind die gemalten Panels von Daniel Brereton ein Hingucker. Dämonen erscheinen hier besonders teuflisch, Helden noch heroischer. Die Geschichte wäre auch interessanter, wenn man sie etwas geheimnisvoller erzählt hätte und nicht sozusagen ‚bei Adam und Eva‘ angefangen hätte, wo alles Mysteriöse gleich erklärt wird. Unterhaltsam ist es allemal, den beiden Protagonisten beim Rollentausch zuzusehen und beim Finale Batman in einer dämonischen Rüstung und Schottenrock gegen Superman kämpfen zu sehen. Batman schlägt mit dem Schwert auf Superman ein und muss sich dabei zurückhalten, um den alten Freund nicht zu töten. Die Gewalt dient der Rückbesinnung, damit sich Superman von seinem Fluch lossagt. Am Ende werden die beiden Kontrahenten wieder zum Team.

Fortsetzung folgt.

Bisher erschienen:

Training für die Weltbesten

Batman versus Superman, Teil 7: World’s Finest (1990)

DC Comics

DC Comics

Titel: Superman/Batman: World’s Finest (dt. Fremdes Terrain)

Autor/Zeichner: Dave Gibbons/Steve Rude

Erschienen: 1990 (Mini-Serie #1-3), Paperback 1992, dt. Carlsen 1993


„Perhaps they will even grow closer together, adopting and adapting each other’s methods and philosophies. Perhaps.“ (Perry White)

Es beginnt vielversprechend: Batman und Superman in Aktion in ihren jeweiligen Heimatstädten, Sequenzen ohne Worte, die sie zu ihren Erzfeinden führen – Joker und Lex Luthor. Dann folgt eine kurze Parallelmontage der beiden Schicksale: beide Helden sind Waisenkinder. Doch die Geschichte verläuft für sie jeweils anders: Batman düster, Superman strahlend.

Was liegt da näher, hat sich Autor Dave Gibbons (Zeichner der Watchmen) gedacht, als eine Geschichte über ein Waisenhaus? Eines mit düsterer Vergangenheit, wo Kinder zu Kriminellen herangezogen werden. Eines, das später von Lex Luthor gekauft und abgerissen werden soll, um Profit zu machen, eines, das neu aufgebaut werden soll, um den Verbrecher als Ehrenmann erscheinen zu lassen. Und irgendwie wird der Joker als Kontrahent schon reinpassen, und sei es nur, um Chaos zu stiften. So entsteht aus dem Kampf um Waisenhäuser ein Kampf um die Städte: Feuer in Gotham, ein Stromausfall in Metropolis mit Reaktorunfall.

Batman und Superman kennen sich schon, sind aber alles andere als Freunde. Hier werden sie zu skeptischen Verbündeten. Zunächst ermitteln sie in zivil in der Stadt des jeweils anderen. „Team up? Of course not!“, sagt Bruce Wayne zu Clark. Später, beim großen Finale, kooperieren sie doch. Aber man wird nicht den Eindruck los, dass die beiden Helden mit vereinten Kräften ziemlich unterfordert sind. Die meiste Zeit sind sie mit Lappalien beschäftigt: Brände löschen, Kinder retten, Superman darf einmal die Detonation einer Bombe abfangen, dann einen Kernreaktor ins All schmeißen. Der Joker erscheint eher wie ein Quälgeist als eine Gefahr, sodass Batman es am Ende auch nicht für nötig hält, ihn einzufangen und einzubuchten. Das ist etwa so spannend, wie beim Training der leichtesten Übungen zuzusehen.

Das einzige an der Story, was den Blick in dieses Buch lohnt, ist eine Szene, in der Superman Batman (völlig unvermittelt) den Film Zorro auf VHS schenkt – und gar nicht ahnt, welche Wunde er damit aufreißt. Vor allem aber sind die Zeichnungen reizvoll: Steve Rude lässt Superman und Batman im Stil des Golden Age und der Superman-Fleischer-Cartoons der 40er Jahre erscheinen. Dieser naive, unschuldige Strich funktioniert zwar visuell sehr gut, aber für die Story hätte man sich doch eine Herausforderung gewünscht, die dem Jahr 1990 angemessen gewesen wäre.

Fortsetzung folgt.

>> World’s Finest-Comics

Bisher erschienen:

Prügelknabe für den Dunklen Ritter

Batman versus Superman, Teil 6: The Dark Knight Falls (The Dark Knight Returns #4, 1986)

DC Comics

DC Comics

„When that happens, Clark — may the best man win.“ (Bruce Wayne)

„I’m afraid he’ll never let me bring him in alive …“ (Clark Kent)

„Planet’s too big for the two of you.“ (Oliver Queen)

Während ein gealterter Batman in einer dystopischen Zukunft aus dem Ruhestand zurückkehrt, war Superman niemals weg. Nur handelt der Stählerne nicht mehr auf eigene Faust für Truth und Justice, sondern nur noch für den American Way – und zwar im ganz politischen Sinne. Als Handlanger des US-Präsidenten (der Ronald Reagan sehr ähnlich sieht) agiert er als Kriegswaffe und tötet Menschen, schließlich nimmt er sich des Vigilanten aus Gotham City an. Denn in so unruhigen Zeiten am Rande eines Dritten Weltkriegs kann man gewalttätige Querulanten im Inland nicht tolerieren. Aber Bruce Wayne lässt nicht mit sich reden, er hört nicht mehr zu. So kommt es zum Unvermeidlichen: dem ultimativen Kampf zwischen Batman und Superman – auf Leben und Tod.

Der Eindruck, den The Dark Knight Returns auf Batman, Superhelden und Comics im Allgemeinen gemacht hat, ist gewaltig. In formaler und inhaltlicher Hinsicht ist die Story von Frank Miller Avantgarde. Zu den vielen Motiven, die ikonisch wurden, gehört auch dieses Finale, eine epische Schlacht zwischen den gebrochenen Ikonen, dem verbitterten Idealisten und dem verblendeten Verräter. Der Endkampf in Crime Alley. Batman ist gut vorbereitet, zieht alle Register: Panzerrüstung, Ultraschallwaffe, Green Arrow schießt einen Kryptonitpfeil ab, Batman prügelt auf Superman ein bevor er reagieren kann. Doch als Superman reagiert, reißt er Batman den Helm ab. „Bruce — this is idotic“, denkt er, doch dann kassiert er weitere Prügel. Der Unbesiegbare blutet, Batman wird verletzt, sein Herz schwächelt. Und als der Sieg schon sicher scheint, bricht Batman zusammen und stirbt. „A grand death“, hatte der vom Todestrieb gelenkte Bruce Wayne sich vorgestellt. – Aber wie sich herausstellt, ist der nur vorgetäuscht. Superman hört später am Grab den Herzschlag und spielt das falsche Spiel mit. Der Verräter akzeptiert den Kompromiss. Batmans Kampf war am Ende bloß Show, um würdig abzutreten.

The Dark Knight Returns (DC Comics)

The Dark Knight Returns (DC Comics)

Die ersten Bilder aus dem Film Batman v Superman zeigen, wie stark sich Regisseur Zack Snyder und seine beiden Drehbuchautoren von The Dark Knight Returns inspirieren ließen. Die beiden missbilligen die Methoden des jeweils anderen, so kommt es zur Konfrontation. Batman wirkt mit seiner Rüstung und seinem Panzer so martialisch wie bei Miller. Auch das Motiv der Rückkehr aus dem Ruhestand scheint von dem Comic entlehnt zu sein.

Doch schon Frank Miller selbst ließ seinen Batman aber nicht ruhen. 2001 kehrte er zurück mit der Fortsetzung The Dark Knight Strikes Again. Die Mini-Serie hatte kaum etwas mit dem ersten Teil gemeinsam – vor allem nichts von seinen Qualitäten. Doch ein Motiv kehrte wieder: Batman vermöbelt Superman erneut. Aber bei weitem nicht so episch und weltbewegend wie zuvor, sondern ganz beiläufig. Superman kommt in die Bathöhle um zu reden, Batman macht mit grünen Panzerhandschuhen von seinem Hausrecht Gebrauch, Green Arrow schießt wieder seinen strahlend grünen Pfeil ab, Ray Palmer alias Atom bearbeitet Supermans Gleichgewichtssinn. Am Ende sagt Batman nur: „I’m done talking. Get out of my cave.“ Dem hat Superman nichts entgegenzusetzen. Er verkriecht sich wieder. Die Handlung verirrt sich woandershin. Doch im Finale erweist sich Superman als Deus ex machina, der Batman vor einem tödlichen Sturz bewahrt. Der gedemütigte Held ist sich nicht als Lebensretter für den alten Freund zu schade.

DK 2 (DC Comics)

DK 2 (DC Comics)

Einige Jahre später, in Millers All-Star Batman and Robin, the Boy Wonder, kommt Superman zwar ebenfalls nicht gut weg. Batman lästert über ihn, stellt ihn als Idioten dar, aber er verschont ihn wenigstens körperlich. In der laufenden Mini-Serie Dark Knight III: The Master Race wird es wieder zu einer Konfrontation zwischen Batman und Superman kommen. Zum letzten Mal? Wer weiß. Teil 4 ist bereits angekündigt. Frank Miller wurde im November 2015 auf Twitter gefragt, warum er Superman hasse und ihn immer verprügeln lasse. Miller antwortete: „I love Superman. It’s tough love, though.“ Man wird allerdings den Verdacht nicht los, dass hier ein als Kind gemobbter Außenseiter seine Rachefantasien auslebt. In Sachen Traumabewältigung hat Miller sich offenbar ein Vorbild an Batman genommen.

Fortsetzung folgt.

Bisher erschienen:

Ein zweites erstes Mal

Batman versus Superman, Teil 5: The Man of Steel (1986)

DC Comics

DC Comics

Titel: One Night In Gotham City… (dt. Eine Nacht in Gotham City)

Autor/Zeichner: John Byrne

Erschienen: 1986 (Mini-Serie The Man of Steel #3)


„Ein Einzelner kann in dieser Stadt nur aufräumen, wenn jeder Gauner ihn fürchtet. Und dazu muss man ab und zu einige Nasen brechen.“

1986 ist mal wieder ein Wendejahr. Nach der Crisis on Infinite Earths wird das DC-Universum rebootet. Batman und Superman bekommen neue Origins – und begegnen sich wieder zum ersten Mal. Doch während es zuvor noch um die Frage ging, wer Lois Lane bekommt, ist in Man of Steel alles anders. Der Start gerät in jeder Hinsicht holprig.

Als sich Batman gerade an einem Wasserspeier durch Gotham schwingt, schnappt sich Superman dessen Seil und will ihn der Polizei übergeben. Klar, dass Batman was dagegen hat. Und wie der Zufall es will, ist er auch auf diese Begegnung vorbereitet: er hat ein Kraftfeld um sich aufgebaut, das Superman vor dem Zugriff bewahren soll. Wenn er in das Feld eintrete, erklärt Batman, gehe irgendwo eine Bombe hoch und ein Unschuldiger sterbe.

The Man Of Steel (DC Comics)

The Man Of Steel (DC Comics)

Doch dann kommt was dazwischen: Superman und Batman bringen gemeinsam die Diebin Magpie (dt. Elster) zur Strecke, eine lächerlich gekleidete Braut, die sinnlos Menschen abschlachtet. Hier wird der Unterschied zwischen Batmans und Supermans Methoden deutlich: Während Batman ermittelt und Leute verhört, hört Superman mit seinen Superohren bloß eine Explosion und Frauenlachen in der Ferne – und kurz darauf reicht es, eine Wand zu durchbrechen, und schon hat er die Schurkin aufgespürt. Giftgas saugt er schnell auf und pustet es ins Weltall, Magpie entkommt. Warum Batman sie in der Zeit nicht festhält oder verfolgt bleibt schleierhaft, aber wegen einer 5000 Jahre alten Faser spürt er ihren Aufenthaltsort auf und die Chose ist beendet.

Am Ende setzen die beiden Partner wider Willen ihr Gespräch fort. Superman gibt sich einsichtig. „Ich mag keine Vigilanten, Batman, auch wenn man mich schon so nannte“, sagt er. „Abr es gibt hier viel zu tun in Gotham. Und du scheinst der beste Mann dafür zu sein.“ Hinterher muss Big Blue noch mal den Oberpfadfinder spielen: „… und ich werde dich im Auge behalten, damit du den Rest von uns nicht in Verruf bringst …“ Batman räsonniert im letzten Panel: „Ein bemerkenswerter Mann. Und wer weiß … in einer anderen Realität wären wir wohl Freunde geworden.“

Arrogant und selbstgerecht

Die Mini-Serie The Man of Steel erzählt zwar Supermans Vorgeschichte nach der Crisis neu, aber sie hat künstlerisch nicht annähernd den gleichen Anspruch wie Batmans Year One. Knallbunt, plump geschrieben und schwach erzählt kann die Story nicht annähernd mit dem düsteren Meisterwerk von Frank Miller mithalten. Die erste Begegnung zwischen Superman und Batman im neuen DC-Universum gerät uninspiriert und bemüht. Byrne verschenkt die Chance, eine spannende Geschichte zu erzählen. Irgendeine x-beliebige Möchtegernschurkin als Gegner einzusetzen statt klassische Oberschurken wie Luthor oder Joker ist unverzeilich. So geht die Story spurlos an einem vorbei. Dass gerade Superman sich herausnimmt, Batman verhaften zu wollen, weil dieser ein Vigilant ist, ergibt auch nur wenig Sinn. Aber für das arrogante und selbstgerechte Alien im Pyjama scheinen andere Regeln zu gelten.

1:0 für Batman.

Fortsetzung folgt.

Bisher erschienen:

World’s Finest Hater

Batman versus Superman, Teil 4: The Superman-Batman Revenge Squads (1968)

DC Comics

DC Comics

Titel: The Superman-Batman Revenge Squads! (dt. Die Superman-Batman Rachekommandos!)

Autor/Zeichner: Leo Dorfman/Neil Adams

Erschienen: 1968 (World’s Finest #175), Batman: Illustraded by Neil Adams Vol. 1 (Hardcover 2003/Paperback 2012), dt. Panini 2008 (Batman-Collection: Neal Adams Bd. 1)


„Wir haben alle ein Hühnchen mit der Fledermaus zu rupfen!“

Nicht alle mögen Batman und Superman. Aber manche hassen sie so sehr, dass sie sie nicht nur umbringen wollen, sondern auch dass sie sich wie die Helden anziehen, nur dass sich die Superman-Hater Glatzen rasieren und kryptonitgrüne S-Abzeichen auf die Brust nähen und die Batman-Hater in lila kommen und einen geflügelten Totenkopf zum Symbol haben.

In den Anti-Batman-Club kommt man nur rein, wenn man einem überlebensgroßen Abbild des Helden ein Messer in die Brust rammt und ruft „Stirb, Batman, stirb!“ – der Wahlspruch der Bande. Und während sich die Gang ihre neuen schicken Batman-Kostüme anzieht und ihrem Hass Ausdruck verleiht, beobachten „wachsame Augen“ alles von einem Raumschiff aus: „Glauben diese Idioten, damit durchzukommen?“, fragt eine Glatzen in Supermankostüm eine andere. Naja, obwohl sie nicht ganz von den Batman-Gegnern überzeugt sind, machen sie schließlich doch gemeinsame Sache mit ihnen. Die Sitten lassen zu wünschen übrig: „Ihr Trottel! Wir sind das Superman-Rachekommando … Kriminelle von einhundert Planeten … Geschworene Feinde Supermans!“ Darauf stellen die anderen die naheliegendste und aus ihrem Standpunkt wohl auch dämlichste Frage: „Warum tragt ihr dann Kopien seines Super-Kostüms?“

Jedes Jahr ein Denk-Duell

Nachdem das geklärt ist, vereinen die Aliens mit den Amateuren ihre Kräfte, um das jährliche Denk-Duell zwischen Superman und Batman zu sabotieren. Ach, was müssen das für unbeschwerte Zeiten gewesen sein, als die Helden nichts besseres zu tun hatten, als sich die Zeit mit so einem Quatsch vertreiben und dabei ihre Trophäen als Wetteinsatz herzugeben. Batman lässt dabei auch eine Atombombe hochgehen – warum nicht? Immerhin trägt Superman von der Explosion keinen Kratzer davon. Kollateralschäden? Strahlung? Egal! Interessant ist auch, dass die Batman-Gegner „ihren Mann“ anfeuern – und dass auch das Superman-Rachekommando eingreift, um Superman zu helfen.

Wie dem auch sei: Der Plan besteht darin, dass die Trophäen mit Bomben präpariert sind und wer sie gewinnt, fliegt in die Luft. Alles klar? Naja, man muss sich schon fragen, wie effektiv so eine Bombe bei Superman sein kann, wenn er selbst eine Atombombenexplosion übersteht. (Erklärung: Goldenes Kryptonit! Grünes war wohl gerade aus.) Und dass ein Sieg letztendlich unerheblich ist, weil man die Bomben in den Trophäen auch zünden kann, wenn sie wieder zurück an ihren Besitzer gehen, hätten die Genies von den Rachekommandos auch bedenken können. Trotzdem: Sie freuen sich diebisch, als der Wettkampf auf ein Unentschieden hinausläuft und jeder der Helden eine Trophäe ins Hauptquartier mitnimmt. Man wartet auch netterweise so lange, statt einfach alle Bomben zu zünden, als Superman, Batman, Jimmy Olsen und Robin in einem Raum sind.

Racheakt als Performance

Nein, die Rachekommandos geben sich mehr Mühe damit, die Zünder mit Symbolen zu verzieren und das Los zu ziehen, wer die Bomben hochgehen lassen darf. Wenn ein Racheplan in die Annalen eingehen soll, muss er schließlich auch wie ein Kunstwerk ausgeführt sein. Als die Sprengsätze dann explodieren, haben die Helden dank ihrer streberhaften Oberschlauberger-Sidekicks alles durchschaut. Um die Illusion perfekt zu machen, wurden eigene Bomben mit gefälschtem goldenen Kryptonit gebaut und Puppen in die Luft gesprengt – alles nur, um die Quelle des Zündsignals zurückzuverfolgen.

Am Ende sind die Bösen, wo sie hingehören und die Guten freuen sich ihres Lebens. Batman und Superman erweisen sich mal wieder in ihrem Kräftemessen als Team unschlagbar – auch wenn eigentlich nur Glück hatten, dass ihre Gegner superdämlich waren. Adam West hätte seine Freude an diesem Quatsch gehabt.

Fortsetzung folgt.

Bisher erschienen:

Alles nur für Lois Lane

Batman versus Superman, Teil 3: World’s Finest Comics #71 (1954)

DC Comics

DC Comics

Titel: Batman – Double for Superman! (dt. Batman – Das Double für Superman!)

Autor/Zeichner: Alvin Schwartz/Curt Swan

Erschienen: 1954 (World’s Finest Comics #71), Hardcover: World’s Finest Comics Archives Vol. 1 (1999), dt. Panini 2002 (World’s Finest Comics Archiv Bd. 1)


 

Das Jahr 1954 ist ein Wendejahr für Superhelden wie für Comics überhaupt. In diesem Jahr erschien Seduction of the Innocent, ein Buch des Psychiaters Fredric Werthams, das Comics dafür verantwortlich machte, die Jugend zu verderben. Auf die Kritik reagierten die Verlage mit dem Comics Code, einem selbstauferlegten Regelwerk, das die Comics harmlos und damit auch langweiliger machte. Trotzdem haben die Storys des Silver Age ihren besonderen Reiz – den Charme des Absurden.

Das Cover von World’s Finest Comics #71 trägt das Comics Code-Label noch nicht (das kam erst 1955, in Ausgabe #75). Stattdessen wirbt es mit Batman und Superman, den beliebtesten Helden von DC. Das ist nichts ungewöhnliches. Allerdings hatten sie bisher nur ein mal ein gemeinsames Abenteuer, und das war vor zwei Jahren. Ab dieser Ausgabe wurde das Super-Team zum Regelfall – bis 1986. Das Neue an diesem Cover ist jedoch, dass Batman und Superman nicht einfach nur die Leser freundlich anlächeln, sondern dass Batman eine Kugel für Superman abfängt. Was ist da los? Batman ist doch nur ein Mensch – oder etwa nicht?

Superman beim Umziehen erwischt

Die beiden Helden tauschen in diesem Abenteuer die Rollen. Doch nicht etwa, um einen Fall zu lösen, sondern wie schon zuvor geht es um eine Frau: um Lois Lane. Am Anfang bergen zwei Schurken Kryptonit aus dem Meer – mit einem gestohlenen Helikopter. Batman und Robin sind sich nicht zu schade dafür, so eine Lappalie zu ahnden. Doch bei der Verfolgungsjagd wird das Batplane zerstört und das Dynamische Duo läuft Gefahr, über der Stadt abzustürzen. Klarer Fall für Superman. Doch der hat es nicht eilig: Während die Kollegen fallen, muss der Blaue sich erst mal umziehen. Es muss wohl keine Telefonzelle in der Nähe gewesen sein, denn stattdessen stellt sich Clark Kent in irgendeinen Flur und wird beim Umziehen von Lois erwischt. Doch keine Zeit für Erklärungen, Superman wollte doch Batman und Robin retten – aber die haben sich schon selbst geholfen, indem sie auf einer Markise langen. Die besten Probleme sind die, die sich selbst lösen. Immerhin kommt er noch rechtzeitig, um das Batplane abzufangen.

Doch die Superhelden haben mal wieder wichtigeres zu tun, als Vebrechen zu bekämpfen. Die eigentliche Geschichte dreht sich nicht um das Kryptonit, sondern darum, Supermans Fehler mit Lois wiedergutzumachen. Batman und Superman tauschen die Kostüme, um Lois zu verwirren, mit dem Effekt, dass sie nun Bruce Wayne für Superman hält. Dabei scheuen sie keine Mühe: sie hetzen abgerichtete Löwen durch den Park, die Bruce Wayne mühelos überwältigen kann, sie manipulieren eine Schere, damit sie bricht, wenn Lois versucht, Bruce eine Strähne abzuschneiden, sie inszenieren einen Umzug mit einem fliegenden Laster und rekonstruieren dazu alle Möbel aus Pappe, um Bruce Wayne als Superman stark erscheinen zu lassen. Der hanbüchene Aufwand hat Erfolg, der Plan geht auf.

Lois ist nicht die Hellste

Der Höhepunkt an Absurdität ist aber diese Szene: Als Lois einmal Batman bewusstlos neben dem Kryptonit liegen sieht und unter der Maske von Batman Clark erkennt, kommt sie zu dem einzig möglichen Schluss: „Er muss sich für eine Story als Batman verkleidet haben und wurde verletzt.“ Wie gut, dass die Frau nicht besonders helle ist. So kann alles weitergehen wie immer und die beiden Helden sind ein eingespieltes Team. Allerdings muss man sich fragen: Wäre es nicht leichter gewesen, Lois von der Geheimidentität wissen zu lassen? Hätte man ihr nicht einfach zureden können, damit sie die Story nicht gleich in alle Welt hinausposaunt? Ja, aber dann gäbe es nicht diese Geschichte. Und das Potenzial für weitere Geschichten. Und überhaupt: Wie kann Superman sich bei der Wahl seiner Umkleide nur so blöd anstellen? Aber um dieses intellektuelle Defizit auszugleichen, ist ja Batman da …

Fortsetzung folgt.

Bisher erschienen:

Das beste Team auf Erden

Batman versus Superman, Teil 2: Das erste gemeinsame Abenteuer (1952)

Superman #76 (1952)

Superman #76 (1952) (DC Comics)

Titel: The Mightiest Team on Earth (dt. Das mächtigste Team der Welt)

Autor/Zeichner: Edmond Hamilton/Curt Swan

Erschienen: 1952 (Superman #76), Hardcover: World’s Finest Comics Archives Vol. 1 (1999), dt. Panini 2002 (World’s Finest Comics Archiv Bd. 1)


Flammen züngeln an einer Hausfassade empor. Lois Lane, die Jungfer in Nöten, steht auf dem Dach und schreckt vor dem Feuer zurück. Sie steht zwischen zwei Männern, die auf sie zufliegen: „Lois is in danger! This is a job for Superman!“ Doch der andere widerspricht: „No, this is a job for Batman!“ Worum geht es hier eigentlich? Die Szene auf dem Cover von Superman #76 wirkt so, als ginge es nicht um das Wohl der Dame, sondern um das Ego der beiden Helden. Kurz gesagt: Wer kriegt die Braut?

 

Es ist nicht die erste Begegnung von Superman und Batman auf einem Cover. Das erste Mal erschienen Batman und Superman zusammen auf dem Titelbild von New York World’s Fair Comics #1 (1939). Zwei Jahre darauf wurde die Serie World’s Best Comics gestartet, die ab Ausgabe #2 World’s Finest Comics hieß. Doch obwohl immer wieder Batman und Superman auf dem Cover zu sehen waren (man spielte sogar zusammen Baseball mit Robin und Hitler), kam man bei DC erst 1952 auf den Trichter, beide Helden ein gemeinsames Abenteuer erleben zu lassen. Das geschah zunächst in Superman #76. In World’s Finest, der traditionellen Batman-Superman-Serie kam es erst 1954 zu einem ersten Team-Up (#71). Doch im Gegensatz zu den Titelbildern waren die ersten Treffen in den Comics alles andere als harmonisch.

Konkurrenten und Partner

In ihrem ersten Abenteuer werden sie „The World’s Mightiest Team“ genannt. Auf der ersten Splash-Page, die die Funktion einer Einführung erfüllt und wie das Cover nichts mit der Story zu tun hat, treten die Helden zunächst nicht als Konkurrenten, sondern als Gemeinschaft auf: Während Superman gerade einen Zug aufhält, schwingt sich Batman (aus dem Nichts) in Richtung Lois Lane, um sie von den Gleisen zu holen. Beide Aspekte – der Konkurrenzgedanke wie der Teamgeist – spielen in der folgenden Erzählung eine große Rolle.

Es menschelt sehr in diesem Abenteuer. Batman und Superman machen Urlaub bei einer Kreuzfahrt. Der eine hat gerade einen Verbrecher zur Strecke gebracht, der andere ein Dinosaurierskelett aus der Wüste Gobi ausgegraben, zusammengesetzt und in ein Museum gebracht – da tut Erholung bitter Not. Wie der Zufall es will, müssen sich Clark Kent und Bruce Wayne eine Kabine teilen. Beide befürchten, der andere könnte die Geheimidentität herauskriegen. Als ein Brand im Hafen ausbricht, kommt es, wie es kommen muss: Die Helden sind gezwungen, ihren Urlaub zu beenden. Doch was tun, um sich nicht die Blöße zu geben? Man schaltet das Licht aus, weil man vorgibt, sich schlafen zu legen, aber in Wahrheit nur ein Alibi braucht, um sich umzuziehen. Und als von draußen Licht einfällt, stehen sich Batman und Superman erstmals in ihren Kostümen gegenüber. Keine Zeit zu staunen, keine Zeit für Fragen: man macht sich an die Arbeit, löscht das Feuer, rettet Lois Lane. Später sucht man den Übeltäter – einen Diamantendieb – auf dem Schiff.

Wen mag Lois lieber?

Aber darum geht es nur am Rande: Denn im Mittelpunkt steht die Dreiecksbeziehung zwischen den Helden und Lois. Die beiden Männer beschließen, eine Eifersuchtsgeschichte zu inszenieren, um Lois vom Herumschnüffeln abzuhalten und sich so selbst um den Fall kümmern zu können. Doch Lois hört das Komplott mit und macht Superman wirklich eifersüchtig, indem sie vorgibt, Batman anzuhimmeln. Was folgt, ist reines Balzverhalten: Die beiden belustigen die Schiffsgsellschaft mit Kunststückchen wie Akrobatik und Jonglage mit Eisbergen. Das Hauptproblem bleibt aber, Lois nicht hinter ihre Geheimidentitäten kommen zu lassen. Gerade da, in ihrer Gemeinsamkeit, funktionieren Batman und Superman am besten. Schnell einigen sich die beiden darauf, einander nicht zu verraten. Dennoch sind sie am Ende begierig darauf zu wissen, auf wen Lois denn nun wirklich mehr steht. Das Ende dürfte alle überraschen … Batman versus Superman, Runde eins, endet unentschieden.

Fortsetzung folgt.

Bisher erschienen:

>> Batman versus Superman, Teil 1: Einführung

Größte Gegner, beste Freunde

Batman versus Superman, Teil 1: Einführung

Nur noch drei Monate dauert es bis zum Kinostart von Batman v Superman. Es wird wohl die Sensation des Jahres: kein Film wird gieriger erwartet (außer vielleicht Captain America: Civil War). Aber hat sich einmal einer die Frage gestellt, was diese Konstellation soll? Batman gegen Superman? Dass die beiden Antipoden sind und unterschiedlicher Meinung sein müssen, ist klar. Aber im Wesentlichen müssten sie sich darin einig sein, Menschen zu helfen. Worin besteht aber auch der Kampf, wenn ein unverwundbarer Übermensch mit Laserblick gegen einen einfachen Menschen im Fledermauskostüm antritt? Es kann kein Kampf sein, bei dem sich die Frage stellt, wer gewinnt. Insofern ist es zwar ein Spaß für Fans, dass man bei dem Konsolenspiel Injustice beide gegeneinander antreten lassen kann wie ebenbürtige Gegner, aber Sinn ergibt dieser Kampf nicht. Und trotzdem: er birgt Sensationspotenzial. Und in den Comics ist er ein altes Motiv.

Von Anfang an waren Superman und Batman Antipoden: Batman war die direkte und düstere Antwort auf den Strahlemann in Primärfarben. Der kostümierte Vigilant gegen das allmächtige Alien. Es dauerte lange, bis die beiden in einer Geschichte aufeinandertrafen, von Anfang an waren sie Konkurrenten, aber es wurde danach schnell klar, dass sie sich als Team perfekt ergänzten wie Muskelkraft und Hirnmasse. Beide sind Brüder im Geiste, beide haben das gleiche Ziel: das Verbrechen zu bekämpfen, Menschen zu schützen und so die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Nur die Ansichten und Methoden sind anders. Superman, der Gutmensch, der moralisierende Oberpfadfinder, will  es allen recht machen, aber Batman, dem einsamen Rächer, ist seine Reputation egal. Er operiert im verborgenen, benutzt Tricks und schreckt vor Einschüchterung, Folter und Körperverletzung nicht zurück, um zu bekommen, was er will. Damit sind die beiden Prototypen der Superhelden: Einerseits der Übermensch, der ein Vorbild in Sachen Menschlichkeit ist. Andererseits der Mensch, der im Kostüm über sich selbst hinauswächst.

Wie schon einst bei Gilgamesch

Die Konstellation zwischen Freundschaft und Feindschaft ist uralt. Schon Gilgamesch, der erste literarische (Super-)Held, kämpft gegen den wilden Menschen Enkidu, nur um im Kampf einzusehen, dass ihm sein Gegner ebenbürtig ist. Es ist der Beginn einer Freundschaft, die nur der Tod entzweien kann. Es geht also auch bei Batman und Superman um nichts anderes als ein Kräftemessen, einen Schaukampf, bei dem die Gegner erkennen, dass sie sich verbünden müssen, um noch stärker zu sein. Davon wird auch der Film Batman v Superman handeln. Aus dem Konflikt geht die Allianz gegen einen gemeinsamen Feind hervor, aus der mit Wonder Woman und Co. später die Justice League wird.

Doch die Vorstellung eines Kampfes blieb auch aus einem anderen, vielleicht noch wichtigerem Grund eine reizvolle Fantasie, die immer wieder durchgespielt wurde. Damit die eigentlich unfaire Prügelei überhaupt zustande kommen kann, muss man die Gegner aneinander angleichen. Entweder man macht Batman stärker (mit einem Kampfanzug oder irgendwelchen anders herbeigedichteten Superkräften) oder man schwächt Superman (zum Beispiel mit Kryptonit oder rotem Licht). Am besten letzteres. Denn so oder so: Es läuft darauf hinaus, dass der Mensch den Übermenschen vermöbelt und – sei es auch nur für eine Weile – die Oberhand behält. Darin steckt das menschliche Bedürfnis nach der Überlegenheit des Schwächeren: Zur Abwechslung zeigt es der benachteiligte Außenseiter mal dem erfolgreichen und beliebten Überflieger, dem Glückskind und scheinbar perfekten Typen, auf den die Mädchen stehen. Das Recht des Stärkeren, das darwinistische Evolutionsprinzip, wird aufgehoben. Wir wollen Superman fallen sehen, wir wollen, dass er liegen bleibt, damit wir die Genugtuung der Schadenfreude auskosten können – oder einfach nur einen Gott als Menschen sehen. Und letzteres erinnert uns an nichts anderes als die Heilsgeschichte Christi.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Doch reine Gewalt genügt nicht. Damit ein Konflikt entsteht, muss auch einer der beiden Helden korrumpiert werden. Einer wird böse oder zumindest dafür gehalten und der andere muss ihn dann in die Schranken weisen. Meistens ist es Batman, der als unbeugsamer Idealist das Korrektiv gegen Superman spielt. Wie etwa eindrücklich bei Frank Millers The Dark Knight Returns (1986): Superman ist hier der Handlanger der US-amerikanischen Regierung, der Batman ausschalten soll. Batman rüstet sich gut und nutzt alle Tricks, um Superman zu schlagen – und tut es auch fast, doch dann kommt sein menschlicher Makel, das Alter, die Schwäche und der Tod, dazwischen. (Jedenfalls scheinbar.) Seit Gilgamesch gibt es nur diese zwei Möglichkeiten, wie so eine Schlacht der Titanen ausgehen kann: entweder mit Versöhnung und Verbrüderung oder dem Tod. Und weil Superhelden nie wirklich sterben können, stehen Batman und Superman für eine dritte Option: den ewigen Kampf. Worum? Um die Rettung der Menschheit. Und damit letztlich auch um unsere Gunst.


 

In den kommenden Wochen bis zum Kinostart von Batman v Superman werde ich einige Begegnungen zwischen dem Dunklen Ritter und dem Mann aus Stahl in Comic und Film in einer eigenen Reihe besprechen. Ein paar habe ich bereits an dieser Stelle erwähnt, deshalb werde ich nicht mehr näher darauf eingehen:

Fortsetzung folgt.