Peter J. Tomasi

Loch im Kopf

DC Comics

DC Comics

Titel: Batman and Robin Vol. 4 – Dark Knight Vs. White Knight

Autor/Zeichner: Paul Cornell, Peter J. Tomasi, Judd Winick/Scott McDaniel, Patrick Gleason, Guillem March u.a.

Erschienen: 2010-2011 (Batman & Robin #17-25), Paperback 2012


„In fact, you need this exactly as much as you need a hole in the head!“ (The Absence)

Ein Comicautor hat es bestimmt nicht leicht. Ständig muss er sich irgendwelche Geschichten ausdenken, oft Auftragsarbeiten, schreiben am Fließband – da kann nicht alles gut sein, und manchmal fällt einem auch nichts ein. Leere im Kopf. Aber wie das so ist bei Kreativen: Sie machen auch aus der Not eine Tugend. Wenn man unter Schreibblockade leidet, schreibt man eben darüber. Filme wie Barton Fink oder Adaption zeugen davon. Paul Cornell, der Autor der ersten Batman & Robin-Story in diesem Band, hat die Leere im Kopf einfach wörtlich genommen – und eine Schurkin daraus gemacht.

Die Schurkin hat ein riesiges, kreisrundes Loch im Kopf. Eine Hand passt da durch. Erklärung: Ein Kopfschuss. Und die Abwässer im Gotham River, in die sie nach dem Schuss gelandet ist. Künstlername: The Absence. Oje … Superheldencomics lassen zwar selbst Tote auferstehen, aber dass ein Mensch mit einem riesigen Loch in der Stirn herumläuft (ganz zu schweigen von fehlenden Teilen des Gehirns), ohne dass wenigstens etwas dagegen unternommen wird (Implantate, Genetik, was auch immer), das ist schon sehr absurd. Die Dame sucht nämlich keinen Arzt auf, sie sucht Aufmerksamkeit. Von Bruce Wayne. Der hat nämlich mal mit ihr angebandelt, aber zu ihrer vermeintlichen Beerdigung bloß Rosen geschickt, statt da zu sein. Und so müssen sich Batman (Dick Grayson) und Robin mit der Irren herumschlagen. Dass am Ende dann doch alles anders ist, macht die Story nicht klüger.

Heimkino-Abend mit der Bat-Familie

Dabei fängt es mit dem Dynamischen Duo gut an: Dick Grayson ist das typische Großmaul, das bei seinen Einsätzen ebenso viele Hiebe wie lockere Sprüche austeilt, Damian ist der grimmige Wunderknabe. Am Anfang sind die pointierten Dialoge noch der Lichtblick der Story. Und dann gibt es noch eine schöne Sequenz, in der Bruce Wayne mit der Familie The Mark of Zorro schaut. Dabei wird klar, warum das Schauen des Films kein Trauma, sondern bloß schöne Erinnerungen bei Bruce weckt.

Aber fragt man sich nach dem ersten Teil: Kann es noch schlimmer werden? Ja, es kann. In der dritten Story, einem Wiedersehen mit Jason Todd alias Red Hood (siehe Batman & Robin Vol. 1), taucht die Schurkentruppe The Menagerie auf, die aus Leuten mit Tierköpfen besteht: Löwen, Tiger und – einem T-Rex. Muss ich wirklich weitererzählen? Na gut, machen wir’s kurz: Sie befreien Jason aus dem Knast, er befreit seinen Sidekick Scarlet aus ihren Fängen und kommt mit ihr frei. Höhepunkt: Jason zieht sich bis auf die Haut aus – und, was erstaunlich ist, blitzschnell wieder an. Egal, vergesst es einfach, weiter geht’s.

Die einzige Story, die hier allein der Rede wert ist (ich habe schon zu viele Worte für diesen Band verbraucht), ist die Titelstory. Sie hat einen interessanten Ansatz: Ein neuer selbsternannter Rächer bringt die Angehörigen der Arkham-Schurken um. Dabei verpasst er ihnen Flügel, damit sie sofort als Engel in den Himmel kommen können. Die Idee ist reizvoll, aber in drei Ausgaben hat sie nicht viel Platz, um sich zu entfalten. Der Autor der Story, Peter J. Tomasi, ist es dann auch, der die Serie nach dem Relaunch/Reboot The New 52 fortführt. Gute Wahl. Trotzdem kann man auf diesen Band verzichten.

(Hinweis: Nicht in diesem Band enthalten ist Batman & Robin #26, die letzte Ausgabe vor dem Relaunch 2011.)

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Schlachtgetümmel und Etikettenschwindel

DC Comics

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Titel: Forever Evil: Arkham War

Autor/Zeichner: Peter J. Tomasi/Scot Eaton, Graham Nolan

Erschienen: 2013-2014 (Batman #23.1: Bane, Arkham War #1-6, Forever Evil Aftermath: Batman vs. Bane #1, Paperback 2014), dt. Panini 2014.


„To know thine enemy, you must become thine enemy.“ (Bane)

„… no matter how these freaks try to convince us otherwise … the sun always rises eventually.“ (James Gordon)

Nachdem das Crime Syndicate die Justice League ausgeschaltet, die Welt verdunkelt und die Schurken befreit hat (siehe Forever Evil), haben die Insassen des Arkham Asylum Gotham übernommen und unter sich aufgeteilt. Batmans Erzfeind Bane wittert seine Chance, befreit mit seiner Privatarmee die Insassen von Blackgate-Gefängnis und versucht seinerseits die Stadt zu erobern, um dort seine Schreckensherrschaft zu errichten. Er paktiert mit dem Pinguin, doch der treibt ein dreifaches Spiel, da er ebenfalls mit Scarecrow, dem Anführer der Arkhamites, und Comissioner James Gordon was am laufen hat. Es kommt zum Krieg. Unter anderem kämpft Banes Venom-Armee gegen eine Schar von Man-Bats. Bane versucht, die tiefgefrorenen Talons zu reaktivieren, doch Scarecrow will sich ebenfalls ihrer bemächtigen – mit einer Mischung aus Angstgas und Mad Hatters Gedankenmanipulation. Als das nicht funktioniert, verpasst Scarecrow sich und seinen Schergen eine Dosis Venom – und die Stadt ist voller Bane-Verschnitte …

Kommt uns das bekannt vor? Ja. Bereits in der ersten The Dark Knight-Story hat Bane die Arkham-Insassen mit einer Mischung aus Venom und Angstgas verköstigt. Abgesehen von dem offensichtlichen Ideen-Recycling stellt sich die Frage, welchen Mehrwert es bringt, jemanden wie Clayface, Killer Croc oder Man-Bat mit Venom vollzupumpen, wenn die doch ohnehin übermenschliche Kräfte haben. Letztendlich keinen, denn Bane macht auch so alle Gegner fertig, sodass er am Ende stolz dastehen kann – in seinem aus The Dark Knight Rises geborgtem Wintermantel.

Die coolste Idee allerdings besteht darin, zuvor Bane als Batman auftreten zu lassen. Da er einsieht, dass sich niemand wirklich vor ihm fürchtet, nimmt er die Gestalt der Figur an, die den Schurken am meisten Angst und Respekt einjagt. In stählerner Rüstung erinnert Bane so an den klobigen Batman von Frank Miller. Spätestens wenn Bane in dieser Rüstung sich auch noch auf ein Pferd schwingt, wird die Reminiszenz offensichtlich. Allerdings enttäuscht es, dass der auf dem Cover des Paperbacks (und des letzten Kapitels) angekündigte Kampf zwischen Batman und Bane-Batman so nicht stattfindet. Als am Ende Batman wiederkehrt und Bane vermöbelt, hat letzterer seine Rüstung leider schon abgelegt. Der erfahre Comic-Leser weiß zwar, dass Cover einer eigenen Logik folgen, aber hier wirkt es wie ein Etikettenschwindel. Das ist vor allem schade um den Schauwert. Denn viel mehr hat das Finale, ebenso wie der überwiegende Rest der Story, nicht zu bieten. In Erinnerung bleiben unzählige Splash Pages voller Schlachtgetümmel. Aber diese Erinnerung währt nur kurz.

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