Lex Luthor

Nur böse ist auch blöd

DC Comics

DC ComicsTitel: Forever Evil/Forever Heroes

Autor/Zeichner: Geoff Johns/David Finch, Ivan Reis

Erschienen: 2013-2014 (Mini-Serie #1-7), Hardcover 2014 (Justice League Vol. 5), Justice League #24-29, (Hardcover 2014); dt. Panini 2014


„The Justice League is dead. Superman is gone. This is a job for Lex Luthor.“

Bei Justice League-Abenteuern oder Crossovern gibt es eigentlich nur drei Plots:

  1. Ein Schurke oder mehrere schalten die Helden aus, entweder auf einen Schlag oder nacheinander. Die Helden müssen sich wieder berappeln oder aus der Gefangenschaft ausbrechen. Meistens scheitert der Schurke an seiner eigenen Eitelkeit, weil er einen Helden übersehen oder unterschätzt hat, oder er begeht einen anderen Fehler.
  2. Die Helden treffen auf ihre bösen Gegenstücke.
  3. Eine unfassbare Macht aus dem Weltall oder einer anderen Dimension will die Erde zerstören oder wenigstens unterjochen. Die Helden müssen sich verbünden und kämpfen an verschiedenen Fronten. Am Ende hat einer von ihnen die entscheidende Lösung parat.

Diese drei Plots sind auch beliebig kombinierbar. Im Fall von Forever Evil, dem ersten großen Crossover des neuen DC-Universums (das eigentlich schon mit Trinity War begonnen hat) kommen die bösen Gegenstücke aus dem Paralleluniversum Erde 3 (das Crime Syndicate, das bei Grant Morrison von Erde 2 stammte) und schalten die Justice League auf einen Schlag aus, um deren Erde zu unterwerfen. Die heimischen Schurken werden zu Handlangern erklärt, sie übernehmen die Schreckensherrschaft über die Erde. Erzählt wird die Geschichte aus der Perspektive von Lex Luthor, der sich die Aktion nicht gefallen lässt und spontan in seinen grün-violetten Kampfanzug (ohne Helm) schlüpft, um die Invasoren dorthin zurückzujagen, wo sie hergekommen sind. Dabei wird er unterstützt von einer Schurken-Allianz, die sich den Fremden von Erde 3 nicht fügen wollen: Catwoman, Black Adam, Black Manta, Sinestro – und Bizarro, dem missglückten Superman-Klon aus LexCorps Geheimlabors.

Die Justice League ist tot, heißt es. Aber man kann sich denken, dass es nicht ganz so schlimm sein kann, zumal man keinen Toten zu sehen bekommt. Stattdessen taucht Batman auf und verbündet sich mit Luthor im Kampf gegen das Crime Syndicate. Der Dunkle Ritter hat ein persönliches Motiv: Nightwing wurde gefangen genommen und seine Identität als Dick Grayson öffentlich preisgegeben. Die Angelegenheit gerät zu einer Befreiungsaktion.

Forever Evil ist die erste Justice League-/Crossover-Geschichte des neuen DC-Universums, die wirklich fesselt und unterhält. Dass sie jedoch fast ohne die Justice League und ihre Helden auskommt, sollte dem Verlag zu denken geben. Dass ausgerechnet der Schurke Lex Luthor zum Helden wird, der den anderen Schurken zeigt, wo es langgeht, gibt der Story einen starken Bezugspunkt. Seine fast schon liebevolle Beziehung zu Bizarro verleiht der Handlung Menschlichkeit. Allerdings ist es zu viel des Guten, dass Luthor am Ende nicht nur die Welt, sondern auch Batman und Superman das Leben rettet – immerhin sind es seine Erzfeinde. Unglaubwürdig ist auch der Cliffhanger am Ende, wenn Lex dahinter kommt, dass Batman Bruce Wayne ist – als ob keiner sonst so schlau wäre, Dick Grayson zu googeln und bei dem Namen Bruce Wayne eins und eins zusammen zu zählen.

Leider überzeugen auch David Finchs Zeichnungen nicht durchgehend. Seinen Gesichtern fehlt es an Ausdruckskraft. Oft wirken seine Figuren zu grobschlächtig und an einigen Stellen schlichtweg schlampig.

Ärgerlich ist wieder mal die Veröffentlichungspolitik (sowohl von DC als auch von Panini), die das Lesevergnügen unnötig verkompliziert. Wer sich den Sammelband mit der siebenteiligen Mini-Serie zulegt, hat zwar den Hauptplot, aber es fehlen Stücke, die einige wichtige Hintergründe erklären. Nicht nur, dass man Trinity War gelesen haben sollte, auch die Ausgaben der (deutschen) Justice League-Serie sind wichtig, weil darin erklärt wird, wie Cyborg wieder zusammengebaut wird und den Virus Grid überwindet (die Metal Men hingegen nerven) oder was es mit den Mitgliedern des Crime Syndicates auf sich hat. Außerdem wird im Black Adam-Heft (Justice League of America #7.4) erzählt, wie der Schurke aus seiner Asche wiederaufersteht. Darüber hinaus gibt es einen Berg an Tie-ins mit allen möglichen Subplots sowie den Sonderheften des Villain’s Month, die jeweils einem Hauptschurken gewidmet sind, was die Sache noch unübersichtlicher macht. Während bei Trinity War alle wichtigen Hefte in einem Band versammelt wurden (in Deutschland sind es zwei), fehlt ein solches Kompendium für Forever Evil bislang – obwohl es bitter nötig wäre. (Immerhin gibt es einen Villain’s Month Omnibus.)

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Fast eine Welt ohne Superman

JLA: The Nail

Titel: JLA: The Nail (dt. Der Nagel)

Autor/Zeichner: Alan Davis

Erschienen: 1998 (Mini-Serie #1-3, Paperback 1999), dt. Dino 1999 (JLA Sonderband)


„So it was a kingdom was lost – – all for the want of a nail.“

Was wäre wenn … ein einziger Nagel verhindert hätte, dass Kal-El von den Kents gefunden wird?

Dann gäbe es eine Welt ohne Superman. Das wäre an sich noch kein Verlust, weil alle anderen Superhelden trotzdem entstanden wären. Aber sie hätten keine Galionsfigur, keinen Botschafter für ihre Sache, keinen Vermittler zwischen Metawesen und Menschen. Und so ist die Elseworld von The Nail eine fremdenfeindliche: Lex Luthor ist nicht nur Bürgermeister von Metropolis, er ist auch Anführer einer Hexenjagd gegen Superhelden, Aliens und andere Metawesen. Nach und nach werden sie gefangen genommen oder anderweitig ausgeschaltet. Die Justice League sieht dem Treiben ziemlich machtlos zu bis sie den Urheber des Komplotts entdecken …

Natürlich wäre die Story nichts ohne bekannte Gesichter der Superman-Familie: Lois Lane, Lana Lang, die Kents und vor allem Jimmy Olsen kommen wichtige Rollen zu. Und natürlich bedeutet dieses Szenario nicht, dass es keinen Kal-El und keine Rakete von Krypton gibt. So ist The Nail nur zunächst eine Welt ohne Superman. Im Grunde sehen wir seiner Entstehung mit einem großen Umweg über viele Katastrophen zu. Wir sehen auch eine der grausamsten Szenen, die Batman widerfährt: Der Joker ermordet brutal Robin und Batgirl und zwingt Batman zuzusehen, daraufhin wird der Dunkle Ritter zum Mörder und infolgedessen zu einem gebrochenen Mann.

Trotz des durchgängig ernsten Tones, der Armut an Humor und des schnellen Erzähltempos ist Alan Davis (Batman: Year Two, Full Circle) eine der besten Elseworlds-Stories gelungen. The Nail ist actionreich ohne zu unterfordern oder gar anzustrengen, die Grundidee ist gut durchdacht und bis zur letzten, noch so schlimmen Konsequenz ausgeführt, weil sie die Bedeutung Supermans für das DC Universum hervorhebt und vor nichts zurückschrecht – außer natürlich, den Lesern Superman ganz vorzuenthalten. Schließlich ist die Story auch für einige überraschende Wendung gut. Der Schurke ist der, von dem man es am wenigsten erwartet. Vor allem aber erweist sich Davis mit seinem dynamischen, geschmeidigen und klaren Zeichenstil als einer der talentiertesten Künstler. Er zeichnet Bilder, die sich einprägen – ebenso wie die Geschichte, die sie erzählen.

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