Autor/Zeichner: Mark Waid/Jorge Jimenez, Sean Murphy, Jim Lee u.a.
Erschienen: 2026 (One-Shot)
Otto Octavius alias Doctor Octopus befragt seinen KI-Spiegel: Wer ist der Schlaueste auf der ganzen Welt? Die KI gibt die falschen Antworten: In Sachen Cyber-Robotics soll es William Magnus (Metal Men) sein, in Sachen Strahlung ist es Bruce Banner (Hulk). Er würde gern die Welt von seinem Genie überzeugen. Da taucht Brainiac auf und macht ihm ein Angebot: Doc Ock soll ihm helfen, sich eines Virus zu entledigen. Dazu ist es aus irgendeinem Grund nötig, den Virus in die Gehirne der Menschen zu laden. Ohne über die Konsequenzen des Deals nachzudenken, macht Otto sofort mit. Er will viele Welten erobern.
Aber wie gut, dass Clark Kent und Peter Parker gerade zusammen in Metropolis abhängen. Man kennt sich bereits. Sie berichten gemeinsam für den Daily Planet über einen Einbruch bei S.T.A.R.-Labs, dort hat man Kryptonit gestohlen. Bald darauf erleiden alle Menschen Anfälle und reden nur noch in Nullen und Einsen. Superman wird von Kryptonitstrahlung geschwächt. Mit vereinten Kräften rettet man schnell mal eben die Welt.
Der Rest ist eine Reihe von Gemeinplätzen, die man als Checkliste abhaken kann:
- „Truth and justice …“
- „With great power comes …“
- „Up up and away!“
- Spider-Man wird von Trümmern erdrückt und stemmt diese in die Höhe wie in der legendären Ausgabe Amazing Spider-Man #33 (1966)
- Ein Pin-up nach dem Vorbild von Ross Andru aus dem ersten Crossover von 1976.
Lauter Fanservice, ansonsten Routine. Kein Streit der Helden, nicht mal ein Spaßkämpfchen, lieber Harmonie. Jorge Jimenez macht daraus immerhin wie immer eine Augenweide. Auf gerade einmal 24 Seiten kann man wohl nicht mehr erwarten. Schade, dass man die seltene Gelegenheit eines so „großen“ Crossovers nicht für eine epischer angelegte Geschichte nutzt. Es bleibt banal und einfallslos. Alleiniger Höhepunkt ist die Szene, in der Spider-Man den geschwächten Superman in ein Netz wickelt, um ihn vor Feuer zu schützen. Wie nett. Leider ist alles hier viel zu nett. Bunter Eskapismus für düstere Zeiten. Ist das alles, wovor uns Superhelden heute retten können? Wie langweilig – wie traurig.
Entbehrliche Kurzgeschichten
Statt etwas von Wert zu erzählen, hat man – wie schon bei Deadpool/Batman und Batman/Deadpool – den Rest des Heftes mit noch kurzweiligeren Kurzgeschichten vollgestopft: Lois Lane und Mary Jane Watson unterhalten sich auf der Meta-Ebene, während sie mal wieder von Superman und Spider-Man gerettet werden. Sie scheinen selbst von der Gefahrenroutine gelangweilt zu sein. Man kämpft gegen einen Sentinel, später taucht Gambit als Deus ex machina auf. Aber wen juckt schon die geschwätzige Story von Tom King, wenn Jim Lee zeichnet?
Ebenfalls sehr meta ist das siebenseitige Treffen von Superboy Prime und dem schwarzen Spider-Man. Man schwingt sich im wahrsten Sinne des Wortes durch Comicseiten und redet auch hier sehr viel. Nur fünf Seiten bekommt Sean Murphy (Batman: White Knight) für seine Story von Superboy und Spider-Man 2099, in der auch Batman Beyond auftaucht. Man erkennt Gemeinsamkeiten und beginnt ein Team-Up, das wir niemals lesen werden, weil es nie dazu kommen wird.
Auf den nächsten vier Seiten wird Jimmy Olsen von Carnage niedergemetzelt, nur damit J. Jonah Jameson es Spider-Man in die Schuhe schieben kann. Dann retten Jonathan Kent und Ben Parker zwei Kinder in Kansas, JJJ und Lois Lane diskutieren die Rolle der Medien und Helden, ohne allzu in die Tiefe zu gehen. Zum Schluss geht Power Girl auf ein Blind Date und verführt am Ende den Punisher. Amüsant, aber vergessenswert.
Am 15. April folgt der zweite Aufschlag: Marvels Spider-Man/Superman #1. Die Erwartungen daran sind gering, aber die Hoffnung stirbt zuletzt.
