Francis Manapul

Verpufftes Feuerwerk

DC Comics

DC Comics

Titel: Icarus (Detective Comics Vol. 6) (dt. Ikarus)

Autor/Zeichner: Francis Manapul, Brian Buccellato/Francis Manapul, Brian Buccellato u.a.

Erschienen: 2014 (Detective Comics #30-34, Annual #3), Hardcover 2015; dt. Panini 2015 (Batman #35-40), Paperback 2016


„Subtle isn’t in Gotham’s DNA.“ (Batman)

„They need someone like me … a true detective.“ (Bullock)

Nach 29 meist verzichtbaren Ausgaben von Detective Comics, von denen allein Gothtopia und die Jubiläumsausgabe #27 bemerkenswert waren, gibt DC seinem Stammtitel einen längst überfälligen Neuanfang mit dem Team Manapul/Buccellato. Die Veränderung ist auf den ersten Blick sichtbar und überwältigend. Ihre Art, in Bildern zu erzählen, ist einzigartig. Manapuls Zeichnungen strotzen vor Ausdruck und Dynamik, veredelt werden sie von Buccellatos Farben, der mit seinem Aquarellstil den Panels eine einzigartige farbprächtige Stimmung und die Aura des Künstlerischen verleiht. Die Bildübergänge gleichen häufig einer Kamerafahrt, an einigen Stellen reizen die beiden Erzähler die Möglichkeiten des Mediums aus, mit Zeit und Raum zu spielen, indem sie sie miteinander verschmelzen lassen. Die beiden verstehen ihr Handwerk und setzen neue Akzente – eine Qualität, die sich durchaus mit der von Snyder/Capullo messen lassen kann.

Aber dann ist da leider noch die Story. Bruce Wayne versucht mal wieder die Unterschicht zu retten, indem er ein Viertel neu aufpolieren will. Doch dann landet seine Geschäftspartnerin in seinem Haus, ermordet durch eine neue Droge namens Icarus, die einen von innen verbrennen lässt. (Allerdings ist es schwierig von einer Droge zu sprechen, die nicht abhängig macht, weil man sie nur einmal benutzen kann.) Nicht nur Batman macht sich auf die Suche nach den Übeltätern, auch Harvey Bullock. Er vertritt in dieser Geschichte seinen Chef James Gordon, indem er zunächst Wayne auf die Füße tritt und sich dann eine Prügelei mit Batman leistet. Batman wiederum schlägt sich mit einer Biker-Gang und einem Riesenkraken herum. Ach ja, und dann explodiert noch ein seltsam verstrahlter Mensch und schießt wie eine Feuerwerkrakete davon. Am Ende macht sich Batman Vorwürfe, als Detektiv nicht eher die richtigen Schlüsse gezogen zu haben. Doch der Vorwurf sollte eher den Autoren gelten, weil sich ihre Kreativität in der grafischen Aufmachung verbraucht hat.

Am Ende des Bandes, im Annual #3, erfahren wir, wie die Geschichte anfängt. Leider haben es die Autoren hier zu gut gemeint und die Story heillos überladen. Es gibt einen Rückbezug zu den Waffen von The Wrath (vgl. Detective Comics Vol. 4) und einen Auftritt der neuen Bande Bastards of Blackgate. Höhepunkt ist eine Szene, in der Batman als Matches Malone Julian Day Erziehungstipps gibt und ihm rät, sich einen Kalender zu kaufen, damit er den Geburtstag seines Sohnes nicht mehr vergisst (ob das eine gute Idee war?). Nicht, dass man diese Episode gebraucht hätte, aber wenn man sie schon präsentiert, dann hätte man sie auch an den Beginn des Bandes stellen sollen. Im Nachgang ist sie erst recht obsolet. Leider sind in diesem Heft gleich drei verschiedene Zeichner am Werk, was dem Ganzen nicht nur ein uneinheitliches Erscheinungsbild beschert (das ist selten gut), sondern zum Teil auch stark qualitativ schwankt.

So macht Detective Comics trotz des neuen Anstriches weiter wie bisher: mit kurzatmigen Storys, auf die man verzichten kann. Nur reicht es hier, sich an den Bildern zu ergötzen.

Vorschau: Neue Batman-Comics von April bis Juli 2015

DC Comics

DC Comics

Harley Quinn und der Riddler, eine Würdigung des Zeichners Norm Breyfogle sowie neues von Erde Eins und dem Dreamteam Snyder-Capullo: Die für die nächsten vier Monate angekündigten Batman-Comics machen viel Vorfreude. Eine Übersicht.

Im April widmet DC dem Riddler einen eigenen Band, in dem seine besten Auftritte gesammelt sein sollen. Auf fast 300 Seiten wird folgendes geboten: Detective Comics #140, #142, #377, #822, #837, Batman #171, #179, #292, #317, #362, Batman: The Riddler #23.2 (Villain’s Month), Brave and Bold #183, Joker’s Asylum II: The Riddler #1 and Legends of the Dark Knight 100 Page Super Spectacular #2.

Im Mai kommt endlich der sechste Band von Scott Snyders und Greg Capullos Batman-Serie. Nein, noch nicht das lang erwartete Endgame (es soll so großartig sein, dass das Warten bis zum Herbst schmerzt), sondern Graveyard Shift. Dabei handelt es sich um eine Resterampe von bisher nicht in Buchform veröffentlichten Heften: Batman #0, #18-20, #28, #34 and Batman Annual #2. Also Lückenbüßer und ein paar Anekdoten aus der Vergangenheit (Stichwort: Zero Year). Wir freuen uns trotzdem drauf, etwas Neues von dem Dream-Team zu lesen.

Eine Woche später soll der zweite Band von Earth One erscheinen. Der alternative Origin von Geoff Johns und Gary Frank erfreute sich großer Beliebtheit und auch ich fand ihn zumindest gut erzählt (wenn auch die Story nicht sonderlich innovativ war). Bin gespannt, wie es jetzt weitergehen soll.

Ebenfalls im Mai kommt Detective Comics Vol. 6 raus. Die Story Icarus stammt von einem neuen Team – Francis Manapul und Brian Buccellato – und soll einen neuen Weg einschlagen. Es wird höchste Zeit. Bislang war der Neustart von Detective Comics eher enttäuschend und wirkte planlos.

Für den 2. Juni ist die Kurzgeschichten-Anthologie Legends of the Dark Knight Vol. 4 angekündigt. Zwei Tage später erscheint bei Panini eine Neuauflage einer alten Legends-Story: Mask (#39-40) soll laut Verlag „eine der psychologisch intensivsten Bat-Geschichten aller Zeiten“ sein. Bruce Wayne wird im Krankenhaus erklärt, dass er sich Batman nur einbildet. Das 48-Seiten-Heft wird auf 999 Exemplare limitiert sein und neun Euro kosten.

Am 7. Juli erscheint ein Sammelband, der sich dem Künstler Norm Breyfogle widmet. Auf über 500 Seiten werden Werke aus den 80ern und 90ern versammelt sein. Breyfogle hat kürzlich einen Schlaganfall erlitten und wegen einer unzureichenden Gesundheitsversicherung wurden Spenden für seine Genesung gesammelt. Wir haben bereits drei seiner Geschichten besprochen.

Außerdem erwartet uns im Juli eine Compilation zu Harley Quinn, der nervigen, aber beliebten Partnerin des Jokers, die ihren ersten Auftritt in der Animated-Serie hatte, aber längst in die Comic-Continuity aufgenommen wurde und sogar eine eigene Serie hat. Im Sammelband werden enthalten sein: Batman: Harley Quinn #1, Joker’s Asylum II: Harley Quinn #1, Batman: Gotham Knights #14, #30, Batman: Black and White #1, #3, Detective Comics #831, #837, Detective Comics: Harley Quinn #23.2 (Villain’s Month), Legends of the Dark Knight 100 Page Super Spectacular #1. Passend dazu erscheint schon am 31. März die Deluxe-Edition des Klassikers Mad Love.

Weitere Highlights:

  • Batman Beyond: Batgirl Beyond (8. April)
  • Batman Noir: Dark Knight Returns (5. Mai)
  • Batman Eternal Vol. 2 (14. Juli)
  • Batman: The Jiro Kuwata Batmanga Vol. 2 (14. Juli)
  • Second Chances (21. Juli, Batman #402-403, 408-416, Batman Annual #11)
  • Gothic Deluxe Edition (28. Juli)